Prof. Jürgen Fritz: Computerspiele sind ein Kulturgut

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17. August 2009 - 21:05 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert

Der Medienwissenschaftler Prof. Jürgen Fritz vom Institut für Medienforschung und Medienpädagogik an der Fachhochschule Köln ist der Auffassung, dass Computerspiele zu einem Kulturgut der Gesellschaft geworden sind. In einem Gespräch mit dpa erklärte er, warum dies bei Computerspielen sogar in mehrfacher Hinsicht zutrifft.

Aber was ist ein Kulturgut? Wikipedia definiert Kulturgut als "ein Ergebnis künstlerischer Produktion oder ein anderes menschliches Zeugnis, das als wichtig und erhaltenswert anerkannt ist."
Der Medienwissenschaftler definiert den Begriff wie folgt: "Ein Kulturgut ist für mich besonders bemerkenswert, wenn es in spezifischer Weise das widerspiegelt, was unsere Gesellschaft auszeichnet"

Der erste Punkt, warum Computerspiele ein Kulturgut seien, ist, dass diese die Wirklichkeit widerspiegeln und die Spieler sich so virtuell mit der Realität auseinander setzen.

"Kampf, Krieg, Gewalt, Folter – all das geschieht ja real in der Welt. Ängste, zum Beispiel vor Terroristen, finden sich in der Thematik der Spiele wieder."

Und dies gilt aufgrund von Sport, Stadtplanung, Mythologisches, historische Bezüge oder Comics für jegliche Arten von Themen. Denn "Auch das, was Trivial- oder Hochkultur ist, findet Niederschlag in Spielen"

Computerspiele haben laut Fritz eine solche Anziehungskraft, weil Spieler in ihnen Selbstbestätigung erfahren und in vielen Netzwerkspielen -- allen voran World of Warcraft -- von anderen Mitspielern Bestätigung erhalten.

"Ich bin wer, ich kann was, ich kann Probleme lösen, ich kann reicher werden, ich siege in Kämpfen, ich kann meine eigene Selbstentwicklung vorantreiben bis hin zur Schaffung einer eigenen Identität."

Auch sind die gesellschaftlich gewünschten Fähigkeiten Stressresistenz, Belastungsfähigkeit und Durchhaltevermögen in vielen Spielen ein fester Bestandteil. Außerdem spiegeln Spiele oft den aktuellen Stand der Computertechnik wider. Deshalb haben laut dem Medienwissenschaftler Computerspiele als Kulturgut die Funktion "widerzuspiegeln, was in der Gesellschaft ist, damit die Spieler so werden, dass die Gesellschaft sie akzeptiert".

Doch aus Computerspielen könne man laut Prof. Jürgen Fritz auch Gesellschaftskritik ableiten.

"Ist es denn wirklich so wichtig, immer schneller zu sein? Müssen wir uns einfach damit abfinden, dass wir Kriege führen? Und wenn wir sie führen, tun wir das mit Begeisterung oder eher mit dem Gefühl, es ist eine schlechte Notwendigkeit?"
"Insofern sind Computerspiele natürlich auch ein Kulturgut für selbstreflexive Prozesse unter dem Gesichtspunkt: Wer bin ich eigentlich, warum habe ich an diesem Spiel Spaß?"
Camaro 18 Doppel-Voter - 9797 - 17. August 2009 - 21:05 #

Habe leider nicht die Originalquelle bei dpa gefunden. Bin mir auch nicht sicher bzgl. Textaufbau (die vielen Zitate) und dem Teaser-Bild! Aber was meint ihr?

Carsten 18 Doppel-Voter - 12131 - 17. August 2009 - 21:57 #

Ich denke, das "Prof. Jürgen Fritz" brauchst du nicht über jedes Zitat zu schreiben. Vielleicht kannst du auch Zitate und Umschreibungen zu größeren Blöcken zusammenfassen damit der Text nicht so "löchrig" aussieht.
Ansonsten, sehr interessante News.

Camaro 18 Doppel-Voter - 9797 - 17. August 2009 - 22:24 #

Ja, hatte mich auch etwas gestört... nur irgendwie hatte sich bei mir beim schreiben der Zwang durchgesetzt, überall anzuzeigen, wer es gesagt hatte. ^^

Hab den Text ein bisschen abgeändert und stell die News dann ON.

Flo_the_G 14 Komm-Experte - 2098 - 17. August 2009 - 23:24 #

Hab die News noch nicht gelesen, in der Liste wird der Titel aber etwas inhaltsverdrehend gekürzt:

"Prof. Jürgen Fritz: Computerspiele sind ein Kult..."

;)

Jorge C. Kafka 07 Dual-Talent - 129 - 18. August 2009 - 0:46 #

In diesem Zusammenhang (Computerspiele / Kulturgüter) möchte ich gerne darauf hinweisen, dass bereits 2008 (genauer: 20.02.2008) Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, öffentlich feststellte:
"Computerspiele sind Kulturgüter, das gilt für die guten wie für die schlechten."

Zimmermann äußerte dies im Zusammenhang mit den am Folgetag bevorstehenden Antragsdebatten des Deutschen Bundestags zum Thema Computerspiele.

Zur Erinnerung: Die Koalitionsfraktionen hatten den Antrag "Wertvolle Computerspiele fördern, Medienkompetenz stärken" (Drucksache 16/7116) und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen den Antrag "Hochwertige Computerspiele fördern und bewahren" (Drucksache 16/7282) gestellt.

Link Drucksache 16/7116:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/071/1607116.pdf

Link Drucksache 16/7282:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/072/1607282.pdf

Wie in der Drucksache 16/8033 nachzulesen ist, wurde der Antrag der Koalition angenommen, der Antrag von Bündnis 90/Die Grünen (leider) abgelehnt.

Link Drucksache 16/8033:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/080/1608033.pdf

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßte und befürwortete ausdrücklich den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen und die Einrichtung des Deutschen Computerspielpreises.

Link Deutscher Kulturrat:
http://www.kulturrat.de/pdf/1258.pdf

Durch diese Anträge war endlich der richtige Schritt unternommen worden, eine kultur- und nicht mehr allein jugendpolitische Debatte zu starten! Vor allem das Antragswerk von Bündnis 90/Die Grünen weist deutliche Forderungen auf, hinter denen die deutsche Computerspielgemeinde sich guten Gewissens stellen könnte. (Ganz persönliche Anm. d. Autors: Warum allerdings gefühlte 90 von 100 Computerspielern für die Piraten votieren, erschließt sich mir nicht.)

Olaf Zimmermann führte übrigens weiter aus:
"Ziel von öffentlicher Förderung von Computerspielen in Form von Preisen, Qualitätssiegeln, Produktionsunterstützung ist es, den guten Computerspielen einen Wettbewerbsvorteil vor den schlechten zu schaffen. Es ist gut, dass der Deutsche Bundestag morgen den Weg für den Deutschen Computerspielepreis ebnen wird. Diese Maßnahme reicht aber nicht aus! Auch für die nicht in Deutschland produzierten Computerspiele sollte neben der Altersfreigabe ein Qualitätssiegel eingeführt werden."

Dem ist wenig hinzuzufügen. Vielleicht noch die Tatsache, dass Prof. Dr. phil. Jürgen Fritz wie selbstverständlich Jury-Mitglied des Deutschen Computerspielpreises ist.

PS: 2008 gaben Olaf Zimmermann und Theo Geißler ein umfangreiches Buch zum Thema heraus. "Streitfall Computerspiele: Computerspiele zwischen kultureller Bildung, Kunstfreiheit und Jugendschutz". Wegen der großen Nachfrage entschloss sich der Deutsche Kulturrat, das Buch auch online als pdf zur Verfügung zu stellen. Mit seinen 140 Seiten und den zahlreichen, zum Teil sehr unterschiedlichen Autoren ist es in meinen Augen eine wichtiges Abbild des derzeitigen Ist-Zustandes in der gesellschaftspolitischen Debatte.

offizieller Link zum Buch:
http://www.kulturrat.de/dokumente/streitfall-computerspiele.pdf

Herms 10 Kommunikator - 456 - 18. August 2009 - 9:36 #

"Streitfall Computerspiele: Computerspiele zwischen kultureller Bildung, Kunstfreiheit und Jugendschutz" kann ich jedem als Lektüre für die Auseinandersetzung mit dem Thema empfehlen.

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