Kurztest: The Last Tinker - City of Colors

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Nico Carvalho 24252 EXP - Freier Redakteur,R10,S8,A8
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19. Mai 2014 - 18:38 — vor 2 Jahren zuletzt aktualisiert
Bunte Grafik, putzige Charaktere, eine Welt aus Papier und Klebstoff: Wie kann da ein Erwachsener noch Spaß haben? Wir zeigen es euch im Test zum deutschen Indie-Action-Adventure The Last Tinker - City of Colors.
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Optisch könnte es sich beim Action-Adventure The Last Tinker - City of Colors glatt um ein Kinderbuch handeln: In Tinkerworld besteht die gesamte Welt allein aus Papier, Klebstoff und Farbe. Letztere wird in Farbstadt hergestellt, in dem sich alle Lebewesen in ihren drei Lieblingsfarben Grün, Rot und Blau unterscheiden und gemeinsam den begehrten Rohstoff abbauen. Doch nachdem sie sich ihre eigenen, farbigen Bezirke geschaffen haben und dort nur noch untereinander blieben, verloren sie ihre guten Eigenschaften und fingen an, sich gegenseitig zu verachten.

Inmitten dieser Situation lösen der Affenjunge Koru (unser Alter Ego) und sein Haustier Tap unabsichtlich eine Katastrophe aus. Sie verhelfen nämlich dem Lila-Farbgeist zur Macht, der alle Farben von Farbstadt mit Bleiche auslöschen will. Da ist es selbstverständlich unsere Pflicht, die Einwohner zu retten und den Bösewicht in seine Schranken zu weisen!
Koru hüpft immer auf die sicheren Plattformen, ins tödliche Wasser fällt er nie.

Springen, hangeln, kämpfen
Die Farbenvielfalt von The Last Tinker: Die roten, grünen und blauen Bezirke.
Um den Lila-Geist aufzuhalten, springen, hangeln und kämpfen wir uns durch die knapp siebenstündige Kampagne des Spiels (Komplettierer addieren noch zwei Stunden). Wir schwingen uns an Masten entlang, überwinden felsige Klippen und lösen kleinere Rätsel. Das Springen übernimmt Koru automatisch, sobald wir auf einen Vorsprung zurennen. Er hüpft stets auf die nächste, sichere Plattform, wodurch es uns unmöglich ist, in die Tiefe zu stürzen. Wir müssen nur auf unser Timing achten, etwa wenn wir Löcher in sich drehenden Zahnrädern abpassen, bevor wir hindurch hüpfen. Bei Assassin's Creed 4 - Black Flag (GG-Test: 8.0) müssen wir zwar auch nur den rechten Trigger halten, um zu springen, aber können immerhin noch auf die Straße oder in den Urwald fallen.

Alternativ setzen wir uns zur Fortbewegung auf die Transportschienen. Diese erinnern an die Schieneneinlagen aus der Ratchet & Clank-Serie, in denen wir bereits von Schiene zur Schiene springen mussten, um Gefahren auszuweichen. Allerdings müssen wir uns bei den Passagen von The Last Tinker nicht um Feinde kümmern, sondern konzentrieren uns darauf, Holzplanken oder gefährlichen Bleicheresten auszuweichen. Dies geht wegen einer ungenauen Abfrage zwar etwas holprig vonstatten, macht allerdings durch das Geschwindigkeitsgefühl und den coolen Fahrten durch die Spielumgebung dennoch Spaß.

Mit diesem Bewegungsrepertoire gelangen wir in die drei Tempel der weiteren Farbgeister, die uns mit weiteren Mächten ausstatten, um die bevorstehenden Rätsel lösen zu können. Erinnert etwas an The Legend of Zelda? Richtig. Im blauen Bezirk setzen wir häufig die frisch erworbene Zeitlupen-Fertigkeit des grünen Geists ein, um uns auf beweglichen Plattformen zu positionieren oder wir müssen mit dem schweren, roten Schlag Kristalle beseitigen, um in den nächsten Bereich zu gelangen. Koru tritt allerdings nicht wirklich das Erbe von Link an, hierfür sind die Tempel nicht umfangreich genug. Dafür steigt der Anspruch der Rätsel nach und nach an.
Rasant von A nach B: Die Transportschienen sind cool inszeniert, fordern allerdings nur wenig Können ab.

Pilzmenschen-Puzzles
Nach einem grünen Hieb lässt Biggs Koru auf seinem Rücken reiten und durchschlägt hier gleich ein Bleiche-Netz.
Ein großer Teil der Puzzles dreht sich um die Pilzmenschen, die ebenfalls von unseren neu erlangten Fähigkeiten profitieren. Sobald wir die in zwei Versionen auftauchenden Lebewesen mit einer bestimmten Farbe hauen, aktivieren sich ihre Fähigkeiten, die wir zum Fortschreiten in den Levels benötigen.

Während die kleine Bomber-Variante mit einem roten Schlag brüchige Wände sprengt, beseitigt die große Biggs-Version nach einem blauen Hieb in einem kleinen Radius Bleiche, die das Betätigen von Schaltern verhindert. Dieses Element verleiht den Puzzles eine zusätzliche Ecke, um die wir denken müssen, da wir häufig nicht nur uns, sondern auch unseren Kollegen richtig positionieren müssen. Wermutstropfen ist die Bedienung, da wir die hilfreichen Pilze mit einem Pfiff teilweise einige Zeit hinter uns herziehen müssen.
Im Kampf geht es ans Eingemachte: Mit roten Schlägen teilt Koru Schaden aus.

Affe gegen bleiche Lila-Lakeien 
Ähnlich wie in der Batman Arkham-Serie schlagen wir die Gegner in einem Combosystem zu Brei und wirbeln agil zwischen den Reihen der bleichen Diener des Lila-Geists. Anders als der Flattermann verfügt Koru über keine Konterangriffe. Sobald die feindliche Attacke mit einem Ausrufezeichen über der Spielfigur angezeigt wird, müssen wir mit einer Rolle zur Seite ausweichen. Dies ist auch bitter nötig, selbst auf dem zweiten von vier Schwierigkeitsgraden stecken wir nicht allzu viele Schläge weg. Zwar sind die Kämpfe nie zu schwer, wenn wir aber unachtsam sind, können wir auch mal das Zeitliche segnen. Korus Lebensenergie wird übrigens mit gelben Kugeln angezeigt. Diese füllen wir mit gelben Orbs auf, die wir bei besiegten Feinden und bei Checkpoints finden.

Damit die Auseinandersetzungen nicht nur zur kopflosen Klickorgie geraten, bekommen wir es mit unterschiedlichen Gegnergattungen zu tun. Während wir die Angriffe größerer Feinde nicht unterbrechen können, feuern die bleichen Augen verheerende Laserstrahlen aus der Distanz ab. Als nervig im positiven Sinne erweisen sich die nach vorne gebückten Mutanten, die teleportieren können und ihren Verbündeten einen undurchdringlichen Schild verleihen, solange sie am Leben sind. Durch solche Situationen erweisen sich die Kämpfe als taktischer, als es zunächst den Anschein hat.

Freilich fehlt es an wirklichen Highlights und fordernden Bosskämpfen; wir bekommen es zwar häufiger mit großen Bleiche-Schleimen zu tun, die weitere Lakaien auf uns hetzen, aber schwieriger als die üblichen Gefechte sind sie nicht. Dafür setzen wir unsere Farbkräfte auch im Kampf ein. Ein blauer Hieb paralysiert die Widersacher kurzzeitig, während ein grüner sie in Schlagrichtung fliehen lässt, wodurch wir sie etwa in tödliche Abgründe navigieren. Letzteres ist besonders launig, da die Feinde witzig animiert ihrem Ableben entgegen purzeln, wenn sie an einer Kante stehen. Außerdem füllen wir mit erfolgreichen Attacken und eingesammelten Machtkristallen unsere Leiste auf, mit der wir zum Beispiel die bereits erwähnte Zeitlupe einschalten. Zudem werten wir mit Kristallen unsere Angriffe auf.
Dialoge finden stets über solche Sprechblasen aus Ingame-Pappe statt.

Atmosphäre und Abwechslung
Der Münchner Entwickler Mimimi Productions hat für ein hohes Maß an Abwechslung gesorgt. Zwischen den Sprungpassagen, Rätseln und Kämpfen kehren wir zum einen immer wieder an einen sicheren Hub zurück, zum anderen streut uns das Studio überraschende Aufgaben in den Weg. So müssen wir auf einer Wellness-Insel ein Verbrechen aufklären, indem wir eine Reihe von Orten ablaufen, oder ein Orchester dirigieren (mit simplen Tasteneingaben). Diese Einlagen lockern das Spielgeschehen merklich auf.

Alternativen
Falls ihr ein ganz ähnliches Spiel in 2D mit einem größeren Fokus auf Puzzles sucht, solltet ihr Max - The Curse of Brotherhood (GG-Test: 6.0) ins Auge fassen. Freunde leichtfüßiger Action-Adventure-Kost mit Sinn für Humor können sich das PS3-exklusive Ratchet & Clank - Nexus (User-Wertung: 8.1) genauer anschauen. Wer einen ähnlichen Comic-Look sucht und auf Tempeljagd gehen will, sollte dem WiiU-Remake The Legend of Zelda - Wind Waker HD (GG-Test: 8.5) eine Chance geben. Ernstere Naturen greifen zum Kampfsystem-Vorbild Batman - Arkham Origins (GG-Test: 9.0) oder zu Assassin's Creed - Liberation HD (GG-Test: 7.0). Farbenfrohe Menschen werden zudem mit Micky Epic 2 - Die Macht der 2 (GG-Test: 7.5) glücklich.
The Last Tinker basiert wie etwa Max – The Curse of Brotherhood (GG-Test 6.0) auf der Unity-Engine, die für einen stimmigen, extrem bunten Comic-Look sorgt, der nicht jedem gefallen dürfte. Die Grafik unterstreicht allerdings die leichtfüßige Atmosphäre des Spiels perfekt. Dennoch können die Traumwelten zuweilen auch ins Ernste abdriften, samt Gänsehautpotenzial. Vor allem wenn die Bleiche zum ersten Mal über Farbstadt hereinbricht oder der Lila-Geist uns in seine Träume entführt, entfaltet das Spiel eine unheimliche, mitreißende Stimmung.

Trotz des zuckersüßen Stils vermittelt The Last Tinker erwachsene Themen. Dazu passen auch die Dialoge, die stets via auf Pappe gebastelten Sprechblasen ablaufen – spätestens diese dürften sehr junge Spieler schlicht nicht interessieren. Abschließend sei der Soundtrack noch positiv hervorgehoben, der das Spielgeschehen stets passend begleitet.

Autor: Nico Carvalho / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Nico Carvalho
The Last Tinker bedient sich fröhlich bei anderen Spielen: das Kampfsystem aus Batman, die Transportschienen aus Ratchet & Clank, die allgemeine Tempel-Struktur aus The Legend of Zelda. Trotzdem setzen Mimimi Productions mit dem bunten Comic-Look und einer faszinierenden Atmosphäre ihren ganz eigenen Stempel auf das Action-Adventure, das mich über die gesamte Spielzeit entzückt hat. Sei es das Dirigieren eines Orchesters, das mir als Klavier-Liebhaber und -Spieler sehr zusagt, sei es der Kontrast zwischen der niedlichen Knuddeloptik und der erwachsenen Handlung, The Last Tinker hat mich zeitweise regelrecht vor den Bildschirm gefesselt. Vor allem als mir der Antagonist kurz vor Schluss seine Motive erklärt, konnte ich nicht mehr aufhören. Ganz großes Kino, und das mit den simpelsten Methoden!

Klar, das Spiel hat auch seine Makel, etwa die fehlenden Bosskämpfe oder die quasi automatisch ablaufenden Sprungpassagen, in denen nie Spannung aufkommt. Doch alles in allem funktioniert der Mix aus taktikhaltigen Kämpfen und kleineren Puzzles gut. Wem die Grafik nicht einen tödlichen Zuckerschock verpasst, kann zugreifen!

 The Last Tinker - City of Colors
Pro
  • Ansprechender Mix aus Springen, Rätseln und Kämpfen
  • Extrem gelungene Atmosphäre
  • Viel Abwechslung
  • Bunte, stimmige Grafik
  • Putzig inszenierte Geschichte
  • Steigender Anspruch im Spielverlauf
Contra
  • Kein direktes Springen
  • Kaum herausfordernde Bosskämpfe
  • Ungenaue Steuerung auf den Transportschienen
Lyrius 15 Kenner - P - 3400 - 19. Mai 2014 - 18:55 #

Ich hab bis jetzt erst bis zur Galerie gespielt und war schon in der kurzen Zeit sehr angetan vom Spiel. Wenn ich jetzt hier lese, was da noch so alles kommen wird - auch mit den Pilzen :-D - kann ichs kaum erwarten, morgen weiterzuspielen. :-)
Immer wieder schön, gute Spiele von deutschen Entwicklern spielen zu können. :-)

Flitzefisch 16 Übertalent - P - 5832 - 19. Mai 2014 - 19:40 #

Das Spiel hat sich ganz schön verändert, seit auf gambitious als "Tink" oder so ähnlich Geld gesammelt werden sollte. Schöne Grafik. :-)

Claython 16 Übertalent - P - 4593 - 19. Mai 2014 - 20:10 #

Also mich hat erst das Lets Play von GameTube, mit den Entwicklern, auf dieses Spiel aufmerksam gemacht und für eine dt. Produktion bin ich mehr als positiv angetan. Und bei dem Preis kann man eigentlich nichts verkehrt machen.

pauly19 14 Komm-Experte - 2492 - 19. Mai 2014 - 20:21 #

Finde ich auch.

Noodles 21 Motivator - P - 30107 - 19. Mai 2014 - 20:26 #

Das Let's Play hab ich auch gesehen, da hat das Spiel schon einen guten Eindruck auf mich gemacht. Und jetzt im Test klingt es ja auch nicht schlecht, die kleinen Mängel kann ich verschmerzen. Und mir gefällt die Grafik. :)

immerwütend 21 Motivator - P - 28905 - 20. Mai 2014 - 10:34 #

Klingt wie ein LSD-Traum ;-)

Thomas Barth 21 Motivator - 27449 - 21. Mai 2014 - 6:17 #

Jetzt noch ein PS4-Release und ich kaufe mir das Spiel. :-)

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33715 - 21. Mai 2014 - 8:54 #

Ein putziges Mini-Zelda für PC und aus Deutschland - das klingt richtig nett. Gibt's das eigentlich im Laden oder nur als Download? Und in welchem Preisbereich liegt es? Die Infos fehlen mir leider im Test (oder Steckbrief).

Nico Carvalho Freier Redakteur - 24252 - 21. Mai 2014 - 9:27 #

Bislang gibt es das Spiel nur als Download auf Steam für PC, Linux und Mac. Kostenpunkt: 19,99 €.

Laden- und Konsolenversionen (Xbox One und PS4) werden vielleicht nachgereicht, falls The Last Tinker erfolgreich genug ist.

Ich hoffe, es sei dir geholfen ;-)

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33715 - 21. Mai 2014 - 9:32 #

In der Tat, ich danke dir. :-)
Dann werde ich mal im Steam Store danach Ausschau halten.

Arrr 16 Übertalent - P - 5050 - 8. Juni 2014 - 11:26 #

Ich musste als erstes an de Blob für die Wii denken, als ich die ersten paar Zeilen gelesen hab. Na mal sehen, vielleicht hole ich es mir und wenn es nur aus "Patriotismus" ist. ;)

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Mitarbeit
Action
Action-Adventure
ab 12 freigegeben
7
Mimimi Productions
12.05.2014
Link
7.0
7.5
LinuxMacOSPCPS4XOne