Kurztest: Mario Golf World Tour

3DS
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Heinrich Lenhardt 9098 EXP - Freier Redakteur,R8,S3,A1
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7. Mai 2014 - 14:14 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
Die Spielegeschichte ist reich an digitalen Golflegenden: Greg Norman, Tiger Woods, Mario. Seit NES-Tagen bürgt das Nintendo-Maskottchen für leicht zugänglichen Rasensport. Die neue World Tour bietet gute Online-Wettkämpfe, schafft beim Karrieremodus aber gerade mal Par.
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In der westlichen Entwicklerwelt wurde Golf als überwiegend ernsthafte Angelegenheit verstanden, mit Schikanen wie Direktschwungsteuerung und nahezu Grashalm-genauer Simulation realistischer Kurse. Japanische Studios interpretierten die gemächliche Sportart dagegen gerne als bunte und spaßbetonte Geschicklichkeitstests. Auf Sony-Systemen sorgt die Everybody's-Golf-Serie zuverlässig für flotten Arcade-Spaß (PSVita-Fassung im GG-Test: 7.5), während Camelot die Nintendo-Plattformen mit Mario Golf bedient. Dessen Game-Boy-Color-Version von 1999 gilt als genremischender Geniestreich, der raffiniert Abschlagsgeschicklichkeit mit Rollenspiel-Zutaten mischte.

Wer beim neuen Mario Golf World Tour auf eine Fortsetzung dieses Konzepts für Nintendo 2DS/3DS hofft, wird enttäuscht. Doch trotz einer bescheidenen Einzelspieler-Kampagne hat das neue Fun-Golf seine Qualitäten: Makellose Steuerung, motivierende Online-Turniere und viele freischaltbare Goodies verhelfen zur Platzreife.

Klassische Steuerung
perfektioniert

Der obere Bildschirm zeigt einen der ersten Golfplätze in 3D-Grafik, auf dem unteren befinden sich Bedienelemente.
Die Steuerung basiert auf dem Prinzip, das schon in 8-Bit-Titeln wie Nintendos NES-Golf oder dem C64-Klassiker Leaderboard eingesetzt wurde. Nach der Wahl von Schläger und Schlagrichtung ist gutes Timing gefordert, um bei einem flink auf und ab sausenden Balken im idealen Moment den Feuerknopf respektive Touchscreen zu drücken. Der erste Klick legt die Stärke und damit die Länge des Schlags fest, während der zweite Tastendruck die Präzision bestimmt: Erwischen wir die Mitte der Markierung, fliegt der Ball schnurstracks geradeaus. Fortgeschrittene fügen nach dem Abschlag schnell noch Top oder Back Spin hinzu. Im Anfängermodus beschränkt sich die Kontrolle auf die Schlagstärke, um die (durch eine Prise Zufall mehr oder weniger präzise) Geradlinigkeit kümmert sich der Computer.

Diese bewährte Mechanik erfordert sowohl Strategie beim Zielen als auch Geschick bei der Ausführung. Übertrieben originell ist das Prinzip nicht, aber bei Mario Golf World Tour fast perfekt auf die Hardware abgestimmt. Die Zwei-Screen- Natur des 3DS erlaubt die Verbannung von Anzeigen und Bedienelementen auf den unteren Bildschirm. Der obere Bildschirm dient zur 3D-Darstellung, wo wir schnell zwischen drei Kameramodi wechseln, die eine gute Übersicht gewährleisten. Anzeigen weisen auf abschüssiges Gelände hin und ein nervöses Tröten warnt den Golfer, wenn ein Hindernis in der anvisierten Flugbahn steht. Anzeigen und Bedienung (wahlweise per physischen Tasten oder Touchscreen) sind tadellos – wenn man hier einen Ball ins Unterholz fehlschlägt, ist man wirklich selber schuld. Golf-Novizen werden durch Trainingseinheiten und Herausforderungen mit den Grundlagen vertraut gemacht.
Auf einigen Plätzen dürfen Items gezielt eingesetzt werden. Hier bemüht Yoshi einen Tornadoschuss, um mit dem Golfball mehr Goldmünzen einzusaugen.

Kurze Karriere
Zum Spielstart stehen euch zwei Bereiche zur Wahl: "Mario Golf" ist die Multiplayer-zentrische Abteilung für Herausforderungen und Turniere. Hinter "Palastklub" verbirgt sich die Einzelspieler-Kampagne, bei der wir mit unserem persönlichen Mii durchs Vereinsgelände spazieren. Hier plauscht man mit anderen Charakteren, absolviert Übungslektionen und qualifiziert sich für die Teilnahme an Turnieren. Da tritt unser Mii auf 18-Bahn-Kursen gegen die Resultate von Computergegnern an, durch einen Sieg wird der jeweils nächste Golfplatz freigeschaltet. Das sind freilich herzlich wenige: Nach dem Wald-, Strand- und Gebirgskurs wird man auch schon als großer Clubchampion gefeiert und der Abspann rollt über den Bildschirm.

Doch die zunächst befürchtete Content-Wüste ist der Palastklub nicht. Das Anwesen bietet auch Zugang zu sechs weniger realistischen Neun-Loch-Plätzen, bei denen Items und exzentrische Kurskonditionen für Abwechslung sorgen. Erwischt ihr einen der Item-Spender auf den Fantasiekursen, werden Spezialschüsse gesammelt, die sich dann zu einem beliebigen Zeitpunkt abrufen lassen. Auch hier geht es Mario-stimmig zur Sache: Mit der Feuerblume brennt sich der Ball ungebremst durch hohes Gras, während der Turbo-Pilz ihn bei Bodenkontakt nochmals beschleunigt.

Fantasievolle Leistungskurse
Der Schlossgarten von Prinzessin Peach ist der erste von sieben Fun-Golfplätzen.
Zu Beginn ist nur der rosarote Schlossgarten-Knuffigkurs von Prinzessin Peach zugänglich. Berührt der Ball eines der Herzchenfelder am Boden, bekommt er einen extra Temposchub verpasst. Den Zugang zu weiteren Fun-Spielwiesen erkauft ihr durch in speziellen Herausforderungen verdiente Sternenmünzen. Für jeden Kurs gibt es zehn Aufgaben, die im "Mario Golf"-Menü versteckt sind. Zum Beispiel müsst ihr ein Duell mit einem bestimmten Charakter gewinnen, eine definierte Anzahl Münzen aufsammeln oder den Ball durch alle über die Bahn verteilten Ringe spielen (und dabei ganz nebenbei ein Par einlochen).

Die Aufgaben sind kurzweilig und arten teilweise in regelrechte Schlagplanungs-Puzzles aus. Für Motivation sorgt die Vielseitigkeit der freischaltbaren Phantasiekurse. So wuppen die Trampolin-Plattformen auf Yoshis See den Golfball in die Lüfte, während Cheep-Cheeps Lagune unter Wasser angesiedelt ist, mit entsprechend drastischen Auswirkungen auf die Ballphysik.

Der Nachteil der Freischalterei: Zu Beginn ist die Auswahl an Golfplätzen recht überschaubar. Die Kurs-Knausrigkeit stimmt leicht bedenklich, zumal Nintendo schon zur Veröffentlichung von World Tour das erste Paket mit ein paar neuen Golfplätzen anbietet. Zwei weitere DLC-Angebote sollen folgen, die jeweils 6 Euro kosten (beziehungsweise 15 Euro für das ganze Trio).
Affig und ausgesprochen amüsant: Jeder Charakter hat individuelle Animationen, mit denen er auf seine Leistungen reagiert.

Rollenspiel-Elemente auf dem Rückzug
Die größte Enttäuschung am Palastklub-Spielmodus ist der Verzicht auf die Rollenspiel- und Welterkundungs-Elemente, welche den Vorgänger von 1999 so originell und motivierend machten. Beim neuen Mario Golf World Tour gibt's weder Levelbeförderungen noch Attributpunkte, die man in seinen Mii-Charakter stecken kann. Der lässt sich immerhin durch neue Ausrüstungsteile verbessern, die als Turnierbelohnung verteilt oder gegen Goldmünzen-Entrichtung im Palastklub-Shop angeboten werden. Von der Mario-Hose bis zum Game-Boy-Handschuh gibt es allerlei Witziges und Nützliches. Zu Spielbeginn ist das Warenangebot minimal, erst nach und nach werden mehr Artikel freigeschaltet.

Bis zu vier Teilnehmer dürfen zusammen eine Runde spielen, dazu benötigt jeder seinen eigenen World-Tour-gespickten 3DS.  Da ist es erheblich bequemer, per WLAN-Verbindung das Internet nach Mitspielern zu durchforsten. Ihr könnt Privatturniere im Freundeskreis veranstalten oder euch auf eine Runde mit ein paar Wildfremden einlassen. Dabei wird asynchron gegolft: Jeder spielt alleine vor sich hin, die Resultate werden dann mit den Ergebnissen der anderen Teilnehmer verglichen. Richtig Spaß macht die Turnierfülle nur mit Internet-Anbindung – ein Satz, den man im Zusammenhang mit First-Party-Spielen von Nintendo ja eher selten hört.

Wer übrigens beim "privaten" GamersGlobal-Turnier des Testers mitspielen möchte, hier ist der Zugangscode: 40-2782-0335-8458.
Neben eurem Mii stehen zwölf Promis aus dem Mario-Umfeld zur Wahl. Durch Siege in Duellen schaltet ihr stärkere Star-Versionen dieser Charaktere frei.

Schlag-Anfall der Online-Geister
Am meisten motivierten uns beim Test die offiziellen Turniere, bei denen schon die Teilnahme mit Ausrüstungsgegenständen belohnt wird. Neben Regionalturnieren, bei denen zum Beispiel die Europäer unter sich sind, gibt es auch weltweite Wettkämpfe. Auch diese Wettbewerbe sind asynchron, ihr spielt also nicht wirklich mit anderen Golfern gleichzeitig. Trotzdem kommt eine gewisse Live-Atmosphäre auf, denn die "Geister" von anderen Spielern begleiten euch und schießen unübersehbar ihre Golfbälle durch die Gegend. Dabei handelt es sich um Wiederholungen von vorher absolvierten Runden; optional könnt ihr eure eigene Leistung in die Geister-Sammlung hochladen.

Es gibt auch Offline-Aktivitäten, so treten wir mit dem Mario-Charakter unserer Wahl zum Duell gegen einen Computergegner an. Schwierigkeitsgrad, Golfplatz und Siegesbedingungen sind flexibel einstellbar. Zum Beispiel geht's beim Speed Golf darum, möglichst schnell den ganzen Kurs zu absolvieren – egal, wie viele Schläge dafür benötigt werden. Auch die Herausforderungen, welche die restlichen Fantasiekurse freischalten, finden sich im Einzelspieler-Menü.
Es grünt so grün in Wigglers Park: Das Flora-Dach bremst so manchen Ball ab.

Fazit
Ein Mario-Golf-Modul drückt man auch mal Sportverweigerern gönnerhaft in die Hand und ermutigt sie zum Umgang mit Holz und Handicap. Unbeschwerte Atmosphäre, einfallsreiche Fantasie-Parcours und originelle Spielvarianten machen das Ballgeknüppel zu einem leicht verdaulichen, aber durchaus kniffligen Geschicklichkeitstest: Terrain-Tücken, wechselnde Windverhältnisse und Schlägerstrategie wollen berücksichtigt werden. Das Steuerungs-Grundprinzip ist im Prinzip nichts Neues, was dem Spaß keinen Abbruch tut. Grafik und Präsentation werden dem Mario-Markennamen voll gerecht und sprühen nur so vor Liebe zum Detail. Der höchst niedliche Cartoon-Stil juchheit seriös-realistische Atmosphäre-Spurenelemente in Grund und Boden.

So solide und unterhaltsam die Online-Spielmöglichkeiten auch sind, so enttäuschend ist der Spar-Karrieremodus. Im Vergleich zu den Vorgängern für Game Boy Color und GBA schwächelt die 3DS-Edition in dieser Kategorie. Ein Jammer, dass der putzige Golf-Rollenspiel-Ansatz nicht weiter verfolgt wurde! Trotz dieses Versäumnisses ist ein Mario Golf World Tour ein feines Fun-Golf, das mit seinem flotten Tempo, zahlreichen Spielvarianten und motivierenden Online-Turnieren immer wieder zu einer Partie reizt.

Autor: Heinrich Lenhardt (GamersGlobal)

Heinrich Lenhardt
Der Ersteindruck ist nicht gerade überwältigend: Den "Karrieremodus" beendet der Golf-Veteran an einem Abend, und Innovationen muss man mit der Lupe suchen (dass auch Nintendo dazu übergeht, für Spielinhalte extra Geld zu verlangen, ist nicht unbedingt eine erfreuliche Neuerung). Hat es sich Camelot in der Spaß-Golf-Nische etwas zu bequem gemacht? Nach einem Jahrzehnt Wartezeit erwarte ich von einer Fortsetzung etwas mehr.

Doch im Bann der wunderbaren Spielbarkeit legt sich das Anfangsgrummeln bald. Steuerung, Kameraperspektiven und Tempo passen einfach, das Bildschirm-Doppel wird zur klugen User-Interface-Verteilung genutzt. Das Freischalten der witzigen Fantasiekurse durch abwechslungsreiche Herausforderungen verfehlt nicht seine Motivationswirkung. Und die Fülle an Online-Wettkampfvarianten bügelt die Langzeitspaß-Delle im Palastklub ganz gut aus. Vom Einladungsturnier im Freundeskreis bis zum Ranglisten-Messen mit dem Rest der Welt gibt's viele gute Gründe um mit Mii, Latzhosen-Klempner & Co. auf Birdie-Jagd zu gehen.

 Mario Golf World Tour
Pro
  • Klassische Balken-Klick-Schlagsteuerung prima umgesetzt
  • Solide Ballphysik und gute Kontrolle
  • Abwechslungsreiche Aufgaben und Spielvarianten
  • Flexibler Turniermodus mit guter Online-Anbindung
  • Hunderte Ausrüstungsgegenstände freischalten
  • Hübsch animierte Charaktere aus dem Mario-Dunstkreis
  • Für Einsteiger Trainingslektionen und vereinfachte Steuerung
Contra
  • Kurzer Karrieremodus endet schon nach drei Turniersiegen
  • Keine Rollenspiel-Elemente wie bei den Vorgängern
  • Nur drei realistische Golfplätze (plus freischaltbare Fun-Kurse)
Jörg Langer Chefredakteur - P - 340494 - 7. Mai 2014 - 14:16 #

Viel Spaß beim Lesen!

Sciron 19 Megatalent - P - 16810 - 7. Mai 2014 - 14:26 #

Auch wenn ich realistischere Genre-Vertreter wie Tiger Woods bevorzuge, geht etwas arcadige Golfaction zwischendurch eigentlich immer. Der reduzierte Umfang ist aber natürlich wieder ziemlich käsig. Sowas kriegt z.B. ein Everybody's Golf auf der PS2/3 deutlich besser hin. So reicht's bei mir wohl nur für die Grabbelkiste.

immerwütend 22 AAA-Gamer - P - 31260 - 7. Mai 2014 - 14:30 #

Ich bin vermutlich doch zu europäisch - ich ziehe realistische Simulationen vor :-)

Vidar 18 Doppel-Voter - 12583 - 7. Mai 2014 - 16:22 #

Kleine enttäzuschung war auch bei mir da, dass es nur 3 Kurse gibt welche volle 18 Loch lang sind.
Habe eigentlich gemeint die 10 Kurse sind alle jeweils 18 Loch lang, wäre wohl auch zu schön um wahr zu sein.

Ansonsten finde ich das Spiel ganz gut, mag diese "Fantasy"-Golf Spiele etwas mehr als die Golf-Sims.

Blacksun84 17 Shapeshifter - P - 7020 - 7. Mai 2014 - 18:13 #

Ich fand ja Mario Tennis vor 20 Jahren interessanter, mit Golf kann ich so gar nichts anfangen.

McGressive 19 Megatalent - 13872 - 7. Mai 2014 - 20:11 #

Der verkappte Karriere-Modus ist wirklich der größte 'Letdown' am neuesten Ableger :-/
Naja mal sehen, Everybody's Golf gab's ja gerade bei PS+ für die Vita. Da werde ich mir das neue Mario Golf (wahrscheinlich) doch für später einmal aufsparen.

andreas1806 16 Übertalent - 4985 - 11. Mai 2014 - 10:28 #

Schöner Kurztest. Eigentlich genau wie ich es in der Demo auf dem 3DS schon geahnt hatte... Danke !

marshel87 16 Übertalent - 5668 - 3. Juni 2014 - 7:59 #

habe mir gestern mal die Demo zu Gemühte geführt und.. mh.. an sich schöne Grafik, ganz nett und so.. aber es ist und bleibt Golf.. ich werde damit nicht warm. Hat mir nicht sonderlich viel und lange Spaß bereitet. Auch war das Turtorial viel zu kurz (evtl. liegt das aber an der Demo?). Also nee, meins wird es nicht!

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