GDC 2014: Dreamfall Chapters angeschaut

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Jörg Langer 335625 EXP - Chefredakteur,R10,S10,C10,A10,J9
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9. April 2014 - 14:19 — vor 2 Jahren zuletzt aktualisiert
Adventure-Fans können frohlocken: In nicht allzu ferner Zukunft sollte die Fortsetzung von Longest Journey - Dreamfall fertig werden. Adventure-Fans könnten heftig schlucken: Ist in der 3D-Engine immer noch ein klassisches Adventure versteckt? Wir haben es uns angesehen.
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Die beiden Adventures Longest Journey (1999) und die Fortsetzung Dreamfall (2006), beide von Ragnar Tørnquist, gehören zu den erzählerisch stärksten Adventures der letzten 15 Jahre. Als April Ryan im Jahre 2209 immer öfter mit realen Inkarnationen ihrer Träume konfrontiert wird, begibt sie sich auf eine Reise durch die fremden Welten Arcadia und Stark. Zehn Jahre später erlebt die junge Frau Zoë Castillo etwas ganz ähnliches. Als Spieler steuerte man im zweiten Teil neben Zoë stellenweise auch den Charakter Kian und die Heldin des ersten Teils, April.

Dreamfall Chapters setzt die Geschichte nun fort – ohne Publisher, aus eigener Kraft von Ragnars Studio Redthread Games. Ob er dabei den roten Faden nicht verloren hat, wollten wir bei einem Meeting mit ihm im Zuge der Game Developers Conference 2014 in San Francisco feststellen.

Zwei Welten
Ragnar Tørnquist (hinten) spielt vor.
Nach den drei fremden Welten in Dreamfall spielt Dreamfall Chapters auf zweien: Unsere eigene Welt im Jahr 2219 sowie Arcadia. Laut Ragnar handelt es sich wieder um eine "magische Detektiv-Geschichte", bei der es um nichts weniger als die Rettung der Grundsubstanz des Universums geht – weil diese nicht mehr in der Balance ist, kommt es bei Menschen wie Zoë, die wir abermals spielen, zu Visionen. Mittlerweile liegt sie im Koma und kommt aus ihrer Traumwelt nicht mehr heraus – das zu bewerkstelligen, ist natürlich euer Job. Es geht aber auch beim zweiten Charakter ums Entkommen, allerdings ein handfesteres: Kian (dessen Story-Beginn erleben wir bei der Präsentation) sitzt in einem Gefängnis und muss irgendwie ausbrechen. Auch eine dritte Person werden wir steuern, über die hüllt sich der Adventure-Maestro aber noch in Schweigen. Die Handlung selbst erstreckt sich über wenige Monate.

Die wichtigsten Auskünfte von Ragnar haben wir euch gleich mal zusammengefasst: Zehn bis zwölf Stunden soll die Reise der drei Charaktere dauern, und trotz der 3D-Engine mit zumeist freier Bewegung in den Räumen und Gängen handelt es sich um ein waschechtes Adventure. Und trotz des Namens ist es auch kein Episodenspiel: Ihr bekommt die gesamte Handlung auf einen Schlag, nicht häppchenweise à la Telltale oder in zwei Teilen wie aktuell bei Baphomets Fluch 5 (Test von Teil 2 in Kürze hier auf GamersGlobal). Allerdings ist die Story tatsächlich in Kapitel eingeteilt, und zwar in 13.
Der Grafikstil ist begrenzt realistisch und somit kein völliger Bruch mit der Serie.

Schicksalsentscheidungen
Highlight von Dreamfall Chapters könnten die Entscheidungen werden, vor denen ihr immer wieder steht. Wie uns Ragnar Tørnquist demonstrierte, werden diese immer wieder in die Handlung eingestreut – und sind auch nicht zu übersehen. Sie verändern die Story entweder unmittelbar – etwa wenn wir einen Schlüssel aus dem Kerker auf eine von zwei Arten an uns bringen – oder langfristig. Ein Beispiel für letzteres ist eine Szene, in die wir schon in den ersten Minuten stolpern: Wir warten eigentlich auf unsere Hinrichtung, doch im Gefängnis bricht ein Aufstand los, was unsere Chance zur Flucht ist. Ein Mitgefangener wurde tödlich verwundet: Lassen wir ihn langsam und qualvoll sterben, oder erfüllen wir ihm seinen Wunsch nach schneller Erlösung? Unsere Wahl wird uns später nochmals vor Augen geführt, wenn die Familie des Toten auf uns entsprechend reagiert. Als wir Ragnar fragen, ob man denn überhaupt merken wird, dass sich später Dinge ändern aufgrund des eigenen Vorgehens, bejaht er dies und führt aus, dass man klar gesagt bekommt, dass eine frühere Entscheidung diesen Dialog oder diese Sequenz beeinflusst hat.

Achtung, Decision Point: Was wir jetzt entscheiden, hat später Auswirkungen.
Auch dass eine Schicksalsentscheidung ansteht, wird euch deutlich gezeigt: Ein rundes "Symbol des Gleichgewichts" ist auf dem Bildschirm zu sehen. Wer online und in die Community von Dreamfall Chapters eingeloggt ist, der kann, quasi in der Form eines Publikumsjokers, vor der Entscheidung per Prozentangabe sehen, wie sich alle anderen Spieler entschieden haben. Und wer seinen Account mit Facebook verknüpft hat, sieht in absoluten Zahlen, wie sich der eigene Freundeskreis entschieden hat. Pro Kapitel gibt es laut Ragnar mindestens fünf solcher Entscheidungen, die Dialog-Optionen noch nicht eingerechnet.

Steuerung und Dialoge
In den 3D-Levels lauft ihr mit typischer WASD-Steuerung herum, es geht aber niemals darum, auf Gegner zu schießen oder Reaktionsgeschwindigkeit zu beweisen. Rund zehn Inventar-Slots stehen zur Verfügung. Wenn ihr beispielsweise einen Schlüssel aufhebt, könnt ihr diesen von allen Seiten begutachten, in etwa so wie in L.A. Noire (GG-Test: 8.0). So findet ihr vielleicht eine Gravur, die euch einen wichtigen Hinweis gibt. Und ja, es soll auch klassische Inventarrätsel geben, also die Kombination zweier Objekte zu einem dritten.

Das Dialogsystem ist moderner Adventure-Standard, mit einer Ausnahme: Wenn wir über einer Antwort mit dem Mauszeiger verharren, sehen beziehungsweise hören wir, was unser Charakter gerade denkt. So sollen wir erstens enger mit dem gespielten Protagonisten verwachsen und zweitens eine bessere Ahnung bekommen, wie und warum er die Dialogzeile sprechen wird, wenn wir sie wählen. Übrigens kann man häufig auch einfach stumm bleiben – schließlich ist auch das eine Antwort.

Um den Gefängnisdirektor dazu zu bringen, uns eine Tür zu öffnen, müssen wir die richtigen Antworten wählen. Da das drei hintereinander sind und wir nur eine Chance haben, ist es unwahrscheinlich, dass wir das rein durch Glück schaffen. Doch wenn wir vorher ein Gespräch belauscht haben, wissen wir, dass der Gefängnisboss Pragmatismus schätzt, seine Familie liebt, aber Drohungen verabscheut. So können wir ihn dazu bringen, uns zu helfen. Es gibt aber auch eine andere Möglichkeit, an dieser Stelle weiterzukommen. Und nach Öffnen der Tür dürft ihr den obersten Wärter auch töten – was laut Ragnar massive Konsequenzen hat.
Ausblick
Die Charaktere Mira und Witt.
Musste es unbedingt eine 3D-Engine mit freier Bewegung sein? Wir finden: Wieso nicht! Auch damit lassen sich typische Adventure-Rätsel präsentieren, und gleichzeitig werden wir vielleicht ein bisschen stärker in die Spielwelt gezogen. Ein Beispiel: Für ein Rätsel brauchen wir ein Stück Metall an einem Stab. Als wir aus einem Turmfenster lugen, feuern unten die Wachen mit Pfeilen auf uns. In typischer Adventure-Logik fertigen wir nun aus einer Decke eine Art Ersatzkopf an, lassen die im Fenster auftauchen, und freuen uns kurz darauf auf einen Pfeil, der uns beim ursprünglichen Rätsel weiterbringt.

Dreamfall Chapters ist seit etwa einem Jahr in Entwicklung, 16 Leute (und damit etwa halb so viel wie beim Vorgänger Dreamfall) arbeiten daran. Es macht auf uns bereits einen guten Eindruck. Bekanntlich entsteht es ohne Publisher, allerdings hat Redthread Games nicht nur die Kickstarter-Summe von rund 1,5 Millionen Dollar (abzüglich Kosten) in das Projekt investiert, sondern auch Wagniskapital, Mittel aus Regierungstöpfen und eigenes Geld. "Kickstarter stellt einen signifikanten Anteil an der Projektfinanzierung dar", meint Ragnar zu uns. Man dürfe allerdings nicht den Aufwand für die Kickstarter-Kampagne, insbesondere die Goodies, unterschätzen – Redthread habe dies deshalb weitestmöglich ausgelagert. Sein Rat an andere Kickstarter-Nutzer: "Versprecht euren Backern nicht zu viel!" Er kenne Entwickler, bei denen die Hälfte der eingenommenen Summe und mehr für die Goodies draufginge, nicht für das Spiel. "Die Leute wollen von uns aber in erster Linie ein Spiel". Ende 2014 soll Dreamfall Chapters erscheinen.

Autor: Jörg Langer (GamersGlobal)
yeahralfi 14 Komm-Experte - P - 1964 - 9. April 2014 - 14:31 #

Das ist eins von nur zwei Projekten, die ich als ansonsten ziemlicher Kickstarter-Skeptiker gebackt habe (das andere ist heute Outcast geworden) und ich freue mich wie Bolle auf das Spiel.

Ich muss direkt noch mal die alten Teile raussuchen. Weiss jemand, ob die unter Windows 7 problemlos laufen?

Ach ja, prima Preview für einen Titel, der auf anderen Seiten auch gerne mal etwas stiefmütterlich behandelt wird.. Vielen Dank dafür, Jörg.

Klausmensch 14 Komm-Experte - 2203 - 9. April 2014 - 18:24 #

Die Versionen von GoG laufen ohne Probleme auf Win7. Und was anderes als die benötigten Mods mitzuliefern oder die Exe auf WinXp-Kompatibilität stellen macht GoG auch nicht.

yeahralfi 14 Komm-Experte - P - 1964 - 10. April 2014 - 9:54 #

Danke für die Antwort. Dann werde ich am Wochenende mal The longest Journey installieren.

Slaytanic 22 AAA-Gamer - P - 35118 - 9. April 2014 - 14:32 #

Da freue ich mich schon drauf!

Olphas 24 Trolljäger - - 47376 - 9. April 2014 - 14:49 #

Wenn ich Kickstarter-Projekte unterstützte, dann normal eher mit kleinen Beträgen. Nicht so bei der Aktion zu Dreamfall Chapters. Nachdem ich mich nach der lang, lang erwarteten News, das Ragnar endlich weiter an Dreamfall arbeitet, einigermassen erholt hab, hab ich gleich mal $75 hingeworfen. Ich hab das eher selten aber hier konnte ich auch nur noch "Shut up and take my money!" schreien.

Vor vielen Jahren, als Ragnar noch viel und ausführlich gebloggt hat, hat er schon immer mal wieder über ein mögliches Dreamfall Chapters geschrieben. Dann wurde es still und Funcom hat ihn in die MMO-Projekte eingebunden. Schön, dass er nun weitermachen kann :)

One-Eyed Jack 13 Koop-Gamer - 1662 - 9. April 2014 - 14:54 #

The Longest Journey ist immer noch mein absolutes Lieblingsadventure, und auch den Nachfolger Dreamfall hab ich trotz nichtexistenter Rätsel geliebt. Als eins meiner beiden gepackten Projekte bin ich sehr heiß auf das Spiel und freue mich auch sehr über diese Preview. Was ich hier lesen dürfte, entspricht genau dem, wofür ich gebackt habe und feuert meine Vorfreude weiter an. Scheint ja doch noch alles gut zu werden in Stark und Arcadia.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 35462 - 9. April 2014 - 15:01 #

Das ist jetzt nicht als Kritik an Jörg oder dem Artikel gemeint, aber die Infos kennt man alle leider schon aus diesem 28-Minuten-Video von vor einigen Monaten. Da wurde die selbe Szene vorgespielt und kommentiert. Und leider hat sie mich nicht wirklich überzeugt. Ich störe mich nicht daran, dass die Rätsel zu einfach wären, schließlich ist das erst der Anfang vom Spiel, aber ich fand sie schlicht hanebüchen. Ein Kissen an einem Besenstiel aus dem Fenster zu halten, um einen Pfeil zu bekommen, mit dem man ein Türschloss knackt - selten so was bescheuertes gesehen.
Das mit den inneren Monologen bei Gesprächen klingt ganz nett, scheint mir aber die Dialoge sehr in die Länge zu ziehen, wenn man zu jedem Satz, en man sagt, erst einmal mehrere Sätze Gedankengang über sich ergehen lässt. Ich hoffe, dass sich da im Laufe der Entwicklung noch einiges bessert, oder dass es zumindest die Geschichte wieder rausreißt. Hat bei Dreamfall ja ganz gut geklappt.

Olphas 24 Trolljäger - - 47376 - 9. April 2014 - 15:11 #

Wenn die Dialoge so gut wie gewohnt sind ist mir die Länge egal.
Dreamfall beinhaltet einen der für mich denkwürdigsten Dialoge in meiner langjährigen Spielerkarriere. Wobei es da gar nicht mal so der Inhalt sondern die Ausführung war. Es war ein Dreieck zwischen Zoe, April und Kian vor/in dem Gefängnisturm, in dem man mittendrin mehrfach den Charakter gewechselt hat und so eine sehr eigene Form eines Monologs geführt hat. Finde ich bis heute höchst faszinierend, die Stelle.

Sven Gellersen Community-Moderator - P - 22842 - 10. April 2014 - 12:30 #

Hatte nicht schon "Dreamfall" eine 3D-Engine mit freier Bewegung? Bin etwas irritiert, dass das hier bei dem neuen Spiel so oft betont wird.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 335625 - 10. April 2014 - 13:58 #

Ja, das stimmt, die Vergleiche ("Muss es eine 3D-Engine sein?") sind eher zu aktuellen Mitbewerbern gemeint.

Sven Gellersen Community-Moderator - P - 22842 - 10. April 2014 - 14:47 #

Ah, okay. Ich dachte schon, ich müsste mir um Alzheimer Gedanken machen :)

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