Kurztest: Rome 2 – Hannibal vor den Toren

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Stephan Petersen 4028 EXP - Redakteur,R8,S1,A4
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31. März 2014 - 15:54 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
Nach "Cäsar in Gallien" legt Creative Assembly den zweiten großen DLC für Rome 2 - Total War nach: In "Hannibal vor den Toren" erlebt ihr entweder als Karthager oder Römer den Zweiten Punischen Krieg. Wir haben die Sandalen geschnürt, das Gladius geschärft und uns in die Schlacht gestürzt.
Vor den Toren Roms ist Hannibal niemals aufgetaucht, vermutlich glaubte er, es mangels Belagerungswaffen-Kompetenz nicht einnehmen zu können. Dennoch brachte der karthagische Feldherr die Römer an den Rand einer Niederlage und zog jahrelang siegreich und plündernd durch Italien.

Der Zweite Punische Krieg ist ohne Zweifel einer der bekanntesten Konflikte der Antike und zudem einer, der den Aufstieg Roms zur Weltmacht hätte verhindern können. Umgekehrt war der römische Sieg der Garant für die jahrhundertelange Vorherrschaft der aggressiven Latiner im Mittelmeerraum – der spätere Dritte Punische Krieg war eher eine chancenlose Hinrichtung der verbliebenen, bröckelnden karthagischen Macht. Doch 218 v. Chr. war noch alles offen: Im neuesten DLC Hannibal vor den Toren zu Rome 2 – Total War lässt euch Creative Assembly diese Auseinandersetzung nacherleben.

Bewährtes im kleineren Maßstab
Am Spielprinzip der Total War-Reihe ändert sich auch im Zusatzinhalt nichts, weiterhin verwaltet ihr euer Reich rundenweise auf der Strategiekarte und tragt Kämpfe in Echtzeit aus. Im Gegensatz zum Hauptspiel (im Januar 2014 aktualisierter GG-Test: 8.5) stehen euch jedoch nur eine kleinere Weltkarte und fünf Fraktionen zur Verfügung: Neben den Karthagern und den Römern dürft ihr euch für die Lusitaner, die Arevaci oder Syrakus entscheiden, zusätzlich existieren zahlreiche nicht-spielbare Parteien. Während Karthago und Rom bereits mehrere Siedlungen, Bündnisse und Klientelreiche besitzen, müssen die anderen drei spielbaren Fraktionen zu Beginn mit jeweils nur einer Siedlung auskommen. Als Schauplatz dient das westliche Mittelmeer (Italien, Nordafrika, Spanien und Südfrankreich), das in neunzehn Provinzen unterteilt ist und aus je zwei bis vier Siedlungen besteht.
Alle Fraktionen haben eigene Eigenschaften und einige spezielle Truppen.
Historisches in der Spielmechanik
Zeitlich deckt Hannibal vor den Toren die Jahre 218 bis 202 v. Chr. ab. Eine Runde entspricht einem Monat, zwölf Runden also einem Jahr. Wie in Cäsar in Gallien kennt der aktuelle DLC Jahreszeiten, die Einfluss auf die öffentliche Ordnung und landwirtschaftlichen Erträge haben. Allerdings verblüfft das Klima im Mittelmeerraum mit relativ häufigem Schneefall. Um den Spielern auch weitere Abwechslung gegenüber dem originalen Rome 2 zu bieten, haben die Entwickler versucht, historische Ereignisse und Begebenheiten in die Spielmechanik einfließen zu lassen. So liegt etwa ein Schwerpunkt auf Diplomatie mit italienischen Stämmen – die nämlich in der historischen Wirklichkeit teils sehr gerne auf die Seite Karthagos wechselten, waren sie doch teils erst Jahrzehnte vorher von Rom unterworfen worden. Mittels teuer erforschten Technologien erlangt ihr Boni auf Beziehungen und Verhandlungen mit Italienern.

Diplomatiekarte aus Sicht Karthagos; grüne Länder markieren Verbündete.
Zudem berücksichtigt der DLC die starke Abhängigkeit des punischen Heers von Söldnereinheiten. Es gibt unter anderem einen Erlass, nach dessen Aktivierung die Anheuerungskosten für Söldner in der jeweiligen Provinz um 20 Prozent geringer ausfallen. Zudem existieren bestimmte Äste im Forschungsbaum, die ebenfalls euren benötigten Geldaufwand reduzieren. Wenn ihr in die Rolle von Karthago schlüpft, lohnt sich Hannibals Umweg über Spanien und die Alpen, um nach Rom zu marschieren, da dort nicht nur die lukrativeren Missionen winken, sondern auch die spanischen Silberminen, die eine vernünftige Grundlage zur Finanzierung des Kriegs darstellen.

Nicht ganz so genau mit der historischen Wirklichkeit nehmen es die Entwickler aber im schwach synchronisierten Intro. Dort wird die Mär von Hannibal erzählt, der schon als Kind seinem Vater Rache an Rom schwören musste und diese dann in die Tat umsetzte. Die Realität war aber eine andere. Das Bild des von Rache getriebenen Hannibal entstammt römischen Quellen, die natürlich ihre ganz eigene Sicht hatten. Aus karthagischer Sicht stellte sich die Eindämmung und später Bekämpfung des "Emporkömmlings" Roms ganz anders dar, so kam es zum ersten Punischen Krieg vor allem aufgrund der Gelüste, die Rom zunehmend in Richtung Sizilien entwickelte.
Flotten nehmen aufgrund des Schauplatzes eine bedeutende Rolle ein.
Anderer Schauplatz, anderer Schwerpunkt
Neben den eingangs erwähnten Fraktionen (mit ihren individuellen Eigenschaften) warten mehrere, frische Einheiten auf ihren Einsatz. Zwar verändert das gute Dutzend neuer Infanterie- und Kavallerietypen nichts am bewährten Einheitengefüge, aber die eine oder andere interessante Fähigkeit ist doch erwähnenswert. Die Widerstandskrieger der Lusitaner etwa lassen sich am Beginn einer Schlacht außerhalb des eigentlichen Aufstellungsbereich platzieren (sehr ungewohnt für den Gegner!). Die Auserwählten Hopliten erleiden beim Tod des Generals keine Moraleinbußen und motivieren zudem Verbündete in ihrer Nähe. Nett sind auch zufällige Ereignisse, in denen eure Entscheidung gefragt ist, ob ihr beispielweise einen Bonus auf die Militär- oder die Zivilforschung erhalten wollt.

Zwei historische Schlachten warten auf euch, darunter Cannae. Verhindert ihr als Römer die vernichtende Niederlage?
Gegenüber dem ersten DLC-Addon Cäsar in Gallien unterscheidet sich Hannibal vor den Toren in erster Linie durch seinen Schauplatz, im westlichen Mittelmeer nehmen Flotten und Seegefechte naturgemäß eine größere Rolle ein. Viele Städte liegen außerdem an Küsten, wodurch ihr sie sowohl von See als auch von Land her angreifen könnt. Das Spielprinzip macht gewohnt Spaß, hat aber mit den auch im aktualisierten Hauptspiel immer noch bekannten Fehlern zu kämpfen. Im Test erklärte uns beispielsweise Syrakus den Krieg und wollte in der nächsten Runde – ohne dass ein Tropfen virtuelles Blut vergossen wurde – wieder Frieden schließen. Auch neigt die KI in den Schlachten gelegentlich zu erstaunlicher Passivität und selbstmörderischen Einzelattacken. Allerdings hat die KI auch ihre starken Momente, zum Beispiel beim geschickten, um nicht zu sagen nervigen Einsatz von Agenten gegen unsere Siedlungen.

Abseits der Kampagne warten noch zwei historische Schlachten auf euch, Hannibals Paradebeispiel eines Umfassungssiegs bei Cannae und der römische Triumph bei Zama. Darüber hinaus dürft ihr euer Feldherren-Geschick im Mehrspieler-Modus in Schlachten und der Kampagne unter Beweis stellen. Etliche Spielstunden, ach was, -tage sind somit garantiert.

Autor: Stephan Petersen / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)
Stephan Petersen
Mit dem DLC Cäsar in Gallien hatte ich bereits meinen Spaß. Allerdings sagt mir Hannibal vor den Toren sogar noch etwas mehr zu. Zum einen, weil mich das Szenario besonders anspricht. Zum anderen, weil die Entwickler es noch besser verstanden haben, historische Fakten in die Spielmechanik einfließen zu lassen. Dabei lässt mir das Spiel die Freiheit, ob ich meinen eigenen Weg gehe oder nicht.

Trotz der gelungenen Umsetzung und zahlreicher Stunden Spielspaß hätte ich mir noch mehr inhaltliche Tiefe gewünscht. Warum nicht beispielsweise durch Ereignisse, die auf historischen Begebenheiten basieren? Beispielsweise, wenn ich Stadt X erobere oder ein Abkommen mit Fraktion Y abschließe? Immerhin sind die Entwickler schon einen Schritt in die richtige Richtung gegangen und haben Zufallsereignisse eingebaut, die einen nachhaltigen Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Bitte mehr davon!

Dass Hannibal dem (im Vergleich zur Vanilla-Fassung mittlerweile spürbar verbesserten) Hauptprogramm nicht einen weiteren Sprung bei den Baustellen "Diplomatie" und "Kampf-KI" schenkt, war erwartbar – ist aber dennoch schade.
 Rome 2 - Total War: Hannibal vor den Toren
Pro
  • Interessantes Szenario
  • Historische Ereignisse finden sich in Spielmechanik wieder
  • Motivierender Genre-Mix
  • Spielerisch abwechslungsreiche Jahreszeiten
  • Neue Fraktionen und Einheiten
  • Mehrspieler-Modus
  • Clevere KI-Agenten
Contra
  • Beschränkte Einheiten-Intelligenz
  • KI lässt Städte oft ungeschützt
  • KI-Generäle mit dummen Aktionen
  • Noch mehr historische Atmosphäre wünschenswert

Jörg Langer Chefredakteur - P - 340107 - 31. März 2014 - 16:02 #

Viel Spaß beim Lesen!

Makariel 19 Megatalent - P - 13894 - 31. März 2014 - 16:04 #

romanes eunt domus!

Crizzo 18 Doppel-Voter - 11169 - 31. März 2014 - 16:13 #

Römer sind Häuser? :D

Hemaehn 16 Übertalent - 4560 - 31. März 2014 - 17:03 #

Römer gehen Haus.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 340107 - 31. März 2014 - 16:18 #

Die Römer sind Stubenhocker?

Alexastor (unregistriert) 31. März 2014 - 16:22 #

Das Leben des Brian muss man doch kennen, man man man!

Nokrahs 16 Übertalent - 5755 - 2. April 2014 - 19:10 #

Das schreibst Du jetzt 100 mal.

Can1s 15 Kenner - 3214 - 31. März 2014 - 16:31 #

Römer geht nach Hause! (Das Leben des Brian)

Viel besser:
Mal abgesehen von sanitären Einrichtungen, der Medizin, dem Schulwesen, Wein, der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, Straßen, der Wasseraufbereitung und der allgemeinen Krankenkassen. Was, frage ich euch, haben die Römer je für uns getan?

Relaxo32 (unregistriert) 31. März 2014 - 16:40 #

Den Frieden haben sie gebracht!

Makariel 19 Megatalent - P - 13894 - 31. März 2014 - 17:15 #

Spalter!

Geh doch zur Befreiungsfront...

immerwütend 22 AAA-Gamer - P - 31201 - 31. März 2014 - 17:59 #

o tempora o mores

Sancta 15 Kenner - 3166 - 31. März 2014 - 18:54 #

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme und fast der einzige Film, den ich in der Synchro lieber mag als im Original.

KanoFu 10 Kommunikator - 524 - 1. April 2014 - 14:51 #

Das schreibst Du jetzt 100 Mal, sonst schneid ich Dir die Eier ab. =)

Kenner der Episoden 19 Megatalent - P - 16749 - 31. März 2014 - 16:33 #

"Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!"

Philley 16 Übertalent - 5473 - 1. April 2014 - 11:16 #

...bin nicht sicher, ob wir den gleichen Hannibal meinen...
^^

Makariel 19 Megatalent - P - 13894 - 1. April 2014 - 15:09 #

Hallo Clarice...

Nokrahs 16 Übertalent - 5755 - 2. April 2014 - 19:11 #

Quid pro quo!

bsinned 17 Shapeshifter - 7041 - 31. März 2014 - 18:30 #

Das Setting sagt mir eigentlich absolut zu, aber ich kann mich einfach nicht mehr dazu überwinden, auch nur 10 Minuten in Rome 2 zu verbringen.
In meiner Spielzeit dort hab ich soviel KI-Nonsens erlebt, dass ich das Spiel lieber aus meinem Gedächtnis löschen würde.

vicbrother (unregistriert) 1. April 2014 - 9:16 #

M.E. ist die Wertung für ein Strategiespiel zu hoch, wenn diesem

... Beschränkte Einheiten-Intelligenz
... KI lässt Städte oft ungeschützt
... KI-Generäle mit dummen Aktionen

bescheinigt wird. Die Präsentation und Thematik ist für ein Strategiespiel doch von untergeordneter Bedeutung...

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