Angespielt: Blackwell Epiphany

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Benjamin Braun 287137 EXP - Redakteur,R10,S10,C10,A10,J10
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7. März 2014 - 10:00 — vor 2 Jahren zuletzt aktualisiert
Bereits seit Ende 2006 ermittelt ein ganz besonderes Duo in New York: Roseangela Blackwell und ihr Begleiter Joey Mallone. Die beiden verbindet ein enges Band, das keiner von ihnen so richtig verstehen kann. Sie ist weit mehr als ein Medium, das mit den Geistern der Toten kommunizieren kann. Sie sieht die Seelen jener Menschen, die in der Welt zurückgeblieben sind und will ihnen helfen, den Weg ins Jenseits zu finden. Stets an ihrer Seite ist Joey, der einzige Geist, den Rosa noch nicht befreien konnte. Stattdessen folgt er ihr auf Schritt und Tritt – wenn er nicht gerade seine Fähigkeit, durch Wände zu gehen, dazu nutzt, Rosa wichtige Informationen zu besorgen oder einfach nur unbemerkt von den Lebenden Zutritt zu einer Wohnung zu verschaffen.

Blackwell Epiphany ist der mittlerweile fünfte Teil der Reihe, die der New Yorker Indie-Entwickler Dave Gilbert (Wadjet Eye Games) damit zu einem Abschluss bringen will. Wir haben die erste Hälfte des Point-and-Click-Adventures für euch gespielt und verraten euch, ob dies ein ruhmreicher Abschluss des Retro-Look-Abenteuers werden könnte und weshalb „der längste Teil der Blackwell-Serie“ kein bloßer Marketingspruch ist.

Die Story im Mittelpunkt
In Blackwell Epiphany spielt ihr im manuellen Wechsel sowohl Rosa als auch ihren Begleiter Joey. (hier im Bild)
Fans der Blackwell-Serie wissen, dass es Dave Gilbert weniger darum geht, besonders komplexe Rätsel zu entwerfen, aber dafür tiefgründige Charaktere und humorvolle Dialoge ohne Schenkelklopfer. Rosa und Joey sind wie gehabt ein sympathisches Pärchen, das immer wieder auch ohne den Willen des Spielers aktuelle Ereignisse und ihre Empfindungen besprechen. Joey ist dabei betont trocken. So trocken, dass einem der Kerl eigentlich nur ans Herz wachsen kann. Auch Rosa ist keine Person, die man hassen kann, sondern eine weltoffene, tolerante, aber dennoch zielstrebige junge Frau.

Die Geschichte von Blackwell Epiphany knüpft unmittelbar an die der Vorgänger an. Detektiv Sam Durkin ist der Verbindungsmann bei der Polizei, dem weder Joey noch Rosa über den Weg trauen. Ihre Hilfe nimmt Durkin gerne an, welche Absichten er jedoch genau verfolgt, bleibt im Ungewissen – vorerst. Von der Story an sich möchten wir euch natürlich nichts vorwegnehmen. Rosa und Joey müssen wieder mehrere Seelen befreien und lösen ihre Fälle wie in einem Kriminalroman. Wir würden noch nicht behaupten, dass dies der tiefgründigste Teil der Serie wird, aber schon in der ersten Hälfte erwarten euch einige hochemotionale sowie tragikomische und witzige Momente. Eben so, wie Serien-Fans die Reihe kennen und lieben gelernt haben.
Inspektor Durkin will unsere Hilfe, greift uns aber kaum unter die Arme.

Schöne, aber leichte Rätsel
Aus spielerischer Sicht erwarten euch keine besonderen Neuerungen. Auch Blackwell Epiphany ist kein Adventure, das die grauen Zellen von Genre-Freunden überfordern wird. Ihr sammelt Hinweise, die Rosa in ihrem PDA speichert und hier und dort kombinieren muss, um eine Verbindung zu ziehen. Sie kann ihr PDA auch als Rechercheinstrument benutzen, sucht nach Namen im Internet oder versucht, die Adresse von jemandem herauszubekommen. Wie üblich muss sie dabei eng mit Joe zusammenarbeiten, auf den ihr quasi jederzeit wechseln dürft. Nur er kann durch verschlossene Türen marschieren und dahinter Informationen sammeln. Mit der Umwelt zu interagieren oder gar das Wort an NPCs zu richten, ist Rosa vorbehalten. Geist Joey kann mit seinem eisigen Atem lediglich hier und dort bestimmte Objekte manipulieren und etwa einen Zettel in Rosas Richtung pusten, damit sie ihn ungesehen von einem Rezeptionisten in einem Hotel auflesen kann. Alles, was Joey oder Roseangela erfahren, weiß automatisch auch der andere, wodurch ihr etwa eine von Joey gesammelte Information direkt in einem Dialog mit Rosa verwenden könnt.

Wie zuvor bereits angedeutet, handelt es sich um ein klassisches Point-and-Click-Adventure, lange auf dem Schlauch stehen lässt euch das Spiel aber selbst dann nicht, wenn ihr eine Schriftprobe mit einem Buch in einer Kirche abgleichen müsst. Habt ihr nämlich keine Ahnung, wie es weiter geht, startet ihr eine kurze Konversation zwischen Joey und Rosa und schon gibt der Dialog einen ziemlich eindeutigen Hinweis. Da die Rätsel selbst teils gar nicht so leicht sind, obwohl die Abfolge der Ereignisse extrem linear verläuft, nehmen wir das aber nur bedingt krumm. Vor allem aber natürlich, weil sich Blackwell Epiphany klar auf das Erzählerische stürzt.
Gerade Joeys Kommentare sind mitunter unterhaltsam, Blackwell Epiphany findet aber eine großartige Balance zwischen Lockerheit und Ernst.

Toller Retro-Look
Wie fast alle Spiele von Dave Gilbert – und alle bisherigen Blackwell-Teile – kommt auch Epiphany vollständig im 16-Bit-Retrolook daher. Dass ihr also anstelle von runden Formen vor allem Klötzchen seht, ist absolut gewollt. Was auf der einen Seite gewiss auch eine Frage des Budgets ist, bildet bei Blackwell Epiphany aber gleichzeitig ein Stilmittel mit hohem Wiedererkennungswert. Denn billig ist die Pixelgrafik nicht, was sich auch zumeist an den hübschen Animationen erkennen lässt.

Nur beim Sound gibt sich das Spiel nicht so „altmodisch“. Hier wartet es mit stimmungsvoller Musik, guten Soundeffekten und vor allem exzellenten englischen Sprechern auf. Die von Rosa klingt uns zwar immer noch oft ein bisschen zu distanziert und bringt manchmal nicht dieselben Emotionen rüber, die ihre in den Dialogen stets angezeigte Großansicht vermittelt. Aber auch bei ihr sind solche Ungereimtheiten letztlich nur Kleinigkeiten, die uns nicht ernsthaft stören. Der Sprecher von Joey hingegen konserviert seine fantastische Fassung und bringt insbesondere in den witzigen, aber auch in den ernsthaften Momenten die Stimmung aus unserer Sicht perfekt rüber.
Joey und Rosa müssen kooperieren, um die verlorenen Seelen zu befreien. Die daran geknüpften Rätsel sind einfallsreich, aber auch eher von der simplen Sorte.

Ausblick: Ein würdiger Abschluss
Noch wissen wir nicht, wie die Geschichte von Rosa und Joey enden wird. Die erste Hälfte des Abenteuers lässt jedoch kaum einen Zweifel daran aufkommen, dass dies ein würdiger Abschluss wird. Die Dialoge sind wie immer großartig geschrieben und treffen sowohl in emotionalen Momenten als auch in humorvolleren ins Mark. Grafisch kann man gewiss fragen, ob weniger Retro nicht genauso gut funktionieren würde. Aber auch das ist in Anbetracht der hochwertigen Umsetzung eher eine Frage des Geschmacks als ein ernsthafter Grund zur Kritik. Nur aus spielerischer Sicht könnte Epiphany noch etwas mehr bieten. Von der hohen Linearität profitiert eindeutig die Erzählung, die klar im Zentrum steht, aber der eine oder andere uneindeutigere Tipp würde Rätselfans bestimmt nicht stören. Denn schlecht oder selten sind die Rätsel keinesfalls, nur eben nicht ganz so kreativ und anspruchsvoll, wie Genre-Fans das etwa von den meisten Daedalic-Adventures gewohnt sind. Nach etwa zweieinhalb bis drei Stunden Spielzeit, wobei wir aufgrund der Qualität natürlich alle Dialoge hören wollten, die das Spiel hergibt, können wir zumindest schon mal eins festhalten, sofern die zweite Hälfte grob denselben Umfang bietet: Blackwell Epiphany wird im Vergleich mit den Vorgängern ein Umfangsmonster, auch wenn das zugegebenermaßen in Anbetracht der Spielzeit der ersten vier Teile nicht allzu schwierig war.

Autor: Benjamin Braun (GamersGlobal)
McSpain 21 Motivator - 27128 - 7. März 2014 - 11:20 #

Schöne Preview. Aber ich bin bei dem Thema ja parteiisch. ^^

BruderSamedi 16 Übertalent - P - 4742 - 7. März 2014 - 11:42 #

Da freue ich mich schon drauf, reicht schon wenn es die Qualität der ersten Teile erreicht, die haben genug Spaß gemacht.

Desotho 15 Kenner - 3456 - 7. März 2014 - 11:43 #

Grafik sieht auf jeden Fall hübsch aus.
Oft ist der Retro-look ja mehr eine fadenscheinige Entschuldigung für "sieht scheisse aus".

v3to (unregistriert) 7. März 2014 - 12:03 #

gebe dir da vollkommen recht und das rechne ich auch wadjet eye games hoch an.

bin selbst ja auch in der pixelart-szene aktiv, wo es gemeinhin als qualitätsmerkmal gilt, wenn der künstler sich mühe gibt (niedrige auflösung oder klassische restriktionen bedeuten ja lange nicht, dass es hässlich ausschauen muss). aber kaum geht mal eine diskussion richtung kommerzieller spiele und retro-style kann man fast die uhr nach stellen, dass da wer meint, dass die grafik sich im idealfall am atari vcs-standard richten sollte um erfolgreich zu sein. klappt mir jedesmal die kinnlade runter, wenn ich solche argumente lese...

Olipool 15 Kenner - 3790 - 7. März 2014 - 12:06 #

Stimmt, gerade in der Reduktion besteht ja eine große Kunst.

RyuKawano 11 Forenversteher - 711 - 7. März 2014 - 15:11 #

Es gibt ein tolles Video mit Dave Gilbert, wo er die Entwicklung seiner Adventures beschreibt und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt. Auch nicht was die Verkäufe, Grafik und Rezension angeht.

https://www.youtube.com/watch?v=QIaifvx0e9Q

McSpain 21 Motivator - 27128 - 7. März 2014 - 15:31 #

Danke für den Link. Ja Dave ist ein sehr netter und ehrlicher Mensch. Die Zusammenarbeit mit ihm macht wirklich Spaß. Und für ein mehr oder weniger One-Man-Studio leistet es so unglaublich tolle Arbeit. :)

Stuessy 14 Komm-Experte - 2512 - 7. März 2014 - 12:00 #

Die sollen die Blackwell-Reihe mal endlich auf Android portieren. Sowas gehört einfach auf's Tablet und nicht ins Arbeitszimmer. Früher habe ich's mir des Nächtens mit 'ner heißen Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich gemacht und dazu einen spannenden Roman gelesen. Heute tausche ich das Buch liebend gern gegen interaktive Fiktion auf dem Tablet - ein spannender Krimi wird einfach noch spannender, wenn ich selbst eingreifen und miträtseln kann. Ich habe die Tage erst Gemini Rue durchgespielt und weiß wovon ich rede. ;)

McSpain 21 Motivator - 27128 - 7. März 2014 - 12:13 #

Läuft. Nachdem Gemini Rue portiert wurde sollen die anderen Wadjet Eye Titel bald folgen. Derzeit ist natürlich der neue Blackwell im Fokus. Ich weiß aber das die Portierung danach für Wadjet eines der nächsten großes Ziel ist. Im Falle von Blackwell könnte man dann nach Epiphany es eben direkt als Collection mit allen fünf Teilen rausbringen. "The Complete Saga" sozusagen. Oder "The Complete Story" damit King nicht klagt.

Edit: Es gibt sogar die Möglichkeit die AGS-Engine auf Android zu installieren und so die Spiele ablaufen zu lassen. Ist aber wohl sehr viel Arbeit. Da kann man wohl in der gleichen Zeit es am PC spielen. ;)

Stuessy 14 Komm-Experte - 2512 - 7. März 2014 - 13:11 #

Das ist in der Tat mal eine sehr gute Nachricht. Dann drücke ich mir selbst die Daumen, dass es was wird und spiele in der Zeit ein paar alte, bisher von mir übersehene, aber ScummVM-kompatible Spiele durch.

Edit: bei http://www.wadjeteyegames.com/news/gemini-rue-now-available-everything/ gerade gelesen:

> Dave Gilbert on 14/02/14 @ 7:01 am
>
> We are working on it! We tend to do iOS first because from there it
> is easy to spit over to Android. So the Shivah will be next (since
> we’ve got the iOS version already), followed by the Blackwells,
> followed by everything else!

Olipool 15 Kenner - 3790 - 7. März 2014 - 12:08 #

Ich wollte die Reihe mögen, grad weil sie so schön klassisch ist.
Aber irgendwie haben ein paar nicht zu meinem Hirn kompatiblen Rätsel im 1. Teil mich zur Unlust gestimmt.

Tr1nity 26 Spiele-Kenner - P - 74477 - 7. März 2014 - 12:36 #

Beim letzten Bild dachte ich, "och nö, nicht schon wieder die Ellen Page mit ihrem traurigen 7-Tage-Regenwetter-Hundeblick" in einem Spiel" ;).

McSpain 21 Motivator - 27128 - 7. März 2014 - 12:44 #

Ellen Page ist die Jeremy Renner der Videospiele geworden. ;)

Tr1nity 26 Spiele-Kenner - P - 74477 - 7. März 2014 - 12:47 #

Ich dachte eher wie bei Steven Seagal ;).

McSpain 21 Motivator - 27128 - 7. März 2014 - 12:49 #

Aufgequollen und Politisch verwirrt? ^^

Tr1nity 26 Spiele-Kenner - P - 74477 - 7. März 2014 - 12:53 #

Nee, null (oder immer die gleiche) Emotion at all ^^:

http://squackle.com/wp-content/uploads/2012/04/Steven_Seagal_Emotion_Chart.jpg

McSpain 21 Motivator - 27128 - 7. März 2014 - 12:58 #

Ah. Ich meinte mit Renner eher: "Taucht überall auf" ;)

immerwütend 21 Motivator - P - 29525 - 7. März 2014 - 15:41 #

Von mir aus können beide überall auftauchen :-)

Olphas 24 Trolljäger - - 47292 - 7. März 2014 - 14:25 #

Freu mich schon drauf. Die Blackwell-Reihe gefällt mir sehr und auf Epiphany musste man ja nun schon eine ganze Weile warten.

RoT 17 Shapeshifter - 8815 - 5. Mai 2014 - 0:03 #

klingt spannend...

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