Killerspiele-Hatz bereits in den 70ern

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Tchibo 1448 EXP - 13 Koop-Gamer,R8,S3,A1
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12. August 2009 - 10:32 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert

Spiegel Online veröffentlichte gerade einen sehr interessanten Bericht, welcher sich mit der "Hexenjagd" auf Killerspiele beschäftigt, und warum das nicht das erste Mal passiert. Ende der 70er Jahre kam all das was wir heute erleben nämlich schon einmal vor - mit dem Phänomen  Dungeons & Dragons, dem ersten so genannten Pen&Paper-Rollenspiel.

Diese mediale Missinformation begann wohl mit dem Verschwinden eines vereinsamten Wunderkindes.
James Dallas Egbert III verschwand am 15.08.1979 spurlos. Der engagierte Privatdetektiv William Dear stellte darauf hin eine folgenschwere These auf.

James verschwand in den Luftschächten der Universität, welche er besuchte, um dort D&D zu spielen. Da er vollkommen in die Scheinwelt abgeglitten war, musste er sich in dem weit verzweigten Tunnelsystem verlaufen haben. Später, als alles aufgeklärt war, kam heraus, dass der Junge unter massiven Drogenproblemen, Erfolgsdruck und seiner Homosexualität litt. Dies allerdings interessierte keinen mehr. In den Medien wurde das ganze nur als "Egbert Steam Tunnel Incident" bekannt, in ganz Amerika wurde darüber berichtet. So begann eine Hatz der Medien, die uns nur allzu sehr an die aktuelle Killerspiel/CounterStrike Debatte erinnert.

Auch damals wurden Scheinexperten interviewt, welche mit Phrasen wie

 "Wegen dieses Spiels werden Kinder ermordet"
 "Unsere Teens finden nicht mehr aus dem Dungeon heraus"

den Medienrummel kräftig anschoben. So wurde zum Beispiel Pat Pulling, eine Mutter deren Sohn Selbstmord begangen hat, sogar als Sachverständige für Jugendkultur und Suizidologie vor Gericht mehrfach angehört

Den kompletten Bericht findet ihr hier.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - 29504 - 12. August 2009 - 11:44 #

Irgendwie bewege ich mich aber auch immer wieder in solchen Szenen - erst spielte ich AD&D (die Mutter eines Mitspielers verbot ihm dann den Umgang mit mir, da wir da ja satanische Messen abhalten würden), dann war ich in der Gothic-Szene unterwegs, jetzt sinds die Killerspiele. Böse.

goodoldbismarck 12 Trollwächter - 1028 - 12. August 2009 - 11:50 #

ey... ich will ja nichts sagen, aber die Ähnlichkeiten sind schon frappierend! Genau wie das letztens mit dieser ägyptischen Büste der Fall war, die aussah wie Michael Jackson^^

Und was im Spiegel Artikel noch interessant ist:

"Mitte der Achtziger waren in den USA fast vier Millionen D&D-Sets in Umlauf. Schon aus rein statistischen Gründen häuften sich fortan Fälle, in denen bei Jugendlichen, die sich oder anderen das Leben nahmen, D&D-Boxen gefunden wurden. "

Wie ist es denn heute? Jeder hat Action und Gewaltspiele zu Hause. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass alle Amokläufer ebenfalls solche spiele zu Hause hatten...

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 33916 - 12. August 2009 - 12:07 #

Interessant, genau diese Inhalte waren auch Inhalt meiner Dipolmarbeit aus dem Jahr 1998.

Wie sehr sich die Zeit doch verändert ;)

Wer mehr über Pat Pulling lesen möchte: http://www.rpguides.de/dnd/artikel.php?aid=65

Abraxa 09 Triple-Talent - 297 - 12. August 2009 - 12:39 #

Ich hab mich immer gefreut wie die Leute hier im Dorf geschaut haben, wenn ich in voller Montur zum Vampire-Live-Rollenspiel gefahren bin :) Gothic kannte ich da noch nicht ;)

Ich bin ein Kücken *hach*

Aber mal im Ernst, so viele Risikofaktoren wie ich in mir vereine - duckt euch lieber bevor ich um mich schlage mit dem Schwert

KosmoM 13 Koop-Gamer - 1769 - 12. August 2009 - 13:47 #

Ich hab mal Jugendphänome abgeändert in Phänomen, da es auch schon damals ältetere Menschen gespielt haben...

BFBeast666 14 Komm-Experte - 2062 - 12. August 2009 - 16:46 #

Leider zieht sich das grade in den USA sogar noch bis in dne Jetztzeit, da wird D&D gerne als "Satanszeug" verschrien. Und das nur, weil es a) im Regelbuch Zauberspruchlisten gibt und b) im Monsterbuch Dämonen und Teufel vorkommen. (Von Engeln ganz zu schweigen). Die wurden in AD&D 2nd dann auch ganz flugs mit neuen Bezeichnungen versehen.

Um wieder auf's eigentliche Thema zurückzukommen: Habe grade "The Ultimate Video Game History" von Stephen Kent gelesen (absoluter Pflichtkauf für belesene Videospieler). Dort war ein ganzes Kapitel z.B. dem Mortal-Kombat-Skandal gewidmet, auf den ich hier nicht länger eingehen will. Es geht mir nur darum, daß aus einer halbwegs konstruktiv geführten Diskussion auch was Brauchbares erwächst, in besagtem Fall halt die Gründung der ESRB und ein (halbwegs) brauchbares Ratingsystem, daß klar macht: "Videospiele sind nicht nur Kinderkram".

Problematisch wird die Sache halt nur, wenn es - wie zur Zeit in DE - komplett unsachlich und einfach nur verhetzend wird. An der derzeitigen Debatte über Gewalt in Videospielen ist nichts, aber auch nichts mehr sachlich. Die USK ist schon bindend, wir haben den §131 StGB, jetzt ist mal gut.

Gamaxy 19 Megatalent - P - 13346 - 12. August 2009 - 16:59 #

An der D&D-Diskussion sieht man aber auch, dass die Auseinandersetzung selten sachlich geführt wird - diese Pat Pulling mit ihrem blöden Geblubber ist doch das beste Beispiel dafür.

Und Zuschauerverblödungssendungen wie Frontal 21 hauen in dieselbe Kerbe - ich hatte mir ja mal Gedanken darüber gemacht, welche Möglichkeiten bestehen könnten, diese Art der Berichterstattung zu beeinflussen (siehe http://www.gamersglobal.de/news/7993 ), aber ich fürchte, da wird sich wenig ändern, wenn nicht irgendjemand mal mit der Faust auf den Tisch haut. Die Lobbyarbeit, die die Spieleindustrie angeblich betreibt (siehe http://www.dreisechzig.net/wp/archives/1740 ), scheint jedenfalls nicht allzuviel zu bewirken - falls es sie überhaupt gibt, was ich anzuzweifeln geneigt bin.

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