Ergebnis der "Gamer gegen Studenten"-Studie

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9. August 2009 - 21:06 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert

Wie schon am Freitag angekündigt, wurde in der Heutigen Welt der Wunder Sendung unter anderem über das Thema "Sind Computerspieler vielleicht klüger als andere?" gesprochen.

Das Welt der Wunder Team wollte vor einiger Zeit wissen, ob Computerspiele gewalttätig machen. Nach den damals verblüffenden Testergebnissen gingen sie diesmal einen Schritt weiter und wollten wissen: "Machen Computerspiele vielleicht sogar schlau?"

Ego-Shooter und erlernbare Fähigkeiten
Die gängige Meinung über Ego-Shooter ist, dass diese aggressiv und gewalttätig machen. Dies ist eigentlich nicht verwunderlich, da es offensichtlich hauptsächlich darum geht zu töten und dies sogar recht realistisch dargestellt wird. Doch wenn man Ego-Shooter genauer betrachtet, erkennt man, dass Spieler sehr schnell reagieren müssen, um nicht selbst zu sterben. Zudem muss man ein sehr gutes räumliches Verständnis besitzen, um sich jederzeit im Level zurecht zu finden, was Laien anfänglich sehr schwer fällt. Ist es also denkbar, dass solche im Spiel erlernten Fähigkeiten im Alltag nützlich sind?

Dieser Frage geht der Hirnforscher PD Dr. Thorsten Fehr (Universität Bremen) nach. Dass Ego-Shooter als brutal gelten spielt für ihn in diesem Zusammenhang keine Rolle.

PD Dr. Thorsten Fehr:

"Nicht die Gewalt macht den positiven Aspekt, sondern die Bewegung in diesen komplexen Welten macht sozusagen möglicherweise einen positiven Effekt."

Die Probanden
Für eine Testphase ließ der Hirnforscher 10 Profispieler, die täglich drei bis sechs Stunden trainieren, gegen 10 Nicht-Spieler antreten. Damit es nicht zu einfach für die Spieler wird, bestand die Gruppe der Nicht-Spieler aus Studenten der Fächer Physik, Medizin und Maschinenbau, wo auch räumliches Denken vorausgesetzt wird. Unter den Spielern befand sich auch der 22-jährige Alexander Keller, welcher seit gut zehn Jahren spielt und mittlerweile in der Bundesliga aktiv ist. 

Die Gruppentests
Die Aufgaben bestanden aus Intelligenztests, welche auch bei Piloten- oder Bundeswehreignungstests eingesetzt werden. Der erste Test war ein "Aufmerksamkeitstest", welcher die Fähigkeit der selektiven Daueraufmerksamkeit überprüfen soll. Diese Fähigkeit wird zum Beispiel im Straßenverkehr aber auch in manchen Berufen wie dem des Fluglotsen benötigt. 
Bei diesem Test wurde den Probanden ein DIN A4 Blatt mit 14 Zeilen á ca. 50 Zeichen vorgelegt. Die Zeilen bestanden aus "p"- und "d"- Zeichen, welche oberhalb und/oder unterhalb noch mit kleinen Strichen markiert waren. Innerhalb von 20 Sekunden je Zeile musste ein bestimmtes markiertes "d"-Zeichen aus dieser herausgestrichen werden.

Der zweite Test sollte die Fähigkeit des räumlichen Denkens überprüfen. Diese Fähigkeit wird zum Beispiel auch dafür benutzt, wenn man eine Zahlenfolge (PIN, Telefonnummer, etc.) vergessen hat. Dann kann man sich dennoch an diese erinnern, wenn man sie sich visuell vorstellt. 
Im Test sollte eine Form einer Fragestellung zugeordnet werden. In einem Beispiel wurde gezeigt, dass ein kleines weißes Quadrat zu einem kleinen weißen Kreis wird. Wozu wird also ein großes schwarzes Quadrat? 

  • a. zu einem großen weißen Quadrat?
  • b. zu einem großen schwarzen Kreis?
  • c. zu einem großen schwarzen Kreis?
  • d. zu einem großen weißen Kreis?
  • e. zu einem kleinen schwarzen Quadrat?

Die Einzeltests
Nach ungefähr 2 Stunden solcher Tests ging es dann in die Einzelprüfung. Beim "Mosaiktest" sollten die Testteilnehmer anhand einer Abbildung aus farbigen Würfeln ein Muster nachbauen. Im anderen Einzeltest mussten die Probanden sich Zahlenreihen, welche ihnen vorgesprochen wurden, merken und richtig wiedergeben. Hierbei gab es Steigerungen von 4er bis 10er Reihen. Dr. Fehr hatte bei diesen Tests hauptsächlich mit den Spielern zu tun und hierbei das Gefühl, dass diese überdurchschnittlich waren.

Das Ergebnis
PD Dr. Thorsten Fehr:

"Interessanterweise ist es so, dass sowohl die Nicht-Spieler als auch die Spieler in verschiedenen Bereichen des Denkens, des mentalen Leistens, überdurchschnittlich abschnitten. Das ist beispielsweise der Bereich der Daueraufmerksamkeit und es ist beispielsweise ein spezieller Bereich aus dem visuell-räumlichen Denken."

Als Testergebnis gab es also ein Unentschieden auf hohem Niveau. Wobei es für die Spieler ein ausgesprochen gutes Ergebnis ist, da diese es -- obwohl keiner ein naturwissenschaftliches Fach studiert -- locker mit Physik- und Medizinstudenten aufnehmen konnten. Bei der Gruppe von Spielern, die besonders viel zocken, sieht das Ergebnis sogar noch besser aus.

PD Dr. Thorsten Fehr:

"Wenn man sich aber nur die Spieler anschaut, die im Grunde genommen mehr als vier Stunden pro Tag spielen, dann haben wir in einem Bereich der räumlichen Domäne, der visuell-räumlichen Domäne, auch Vorteile für die Spieler im Vergleich zu den Nicht-Spielern."

Die Untersuchung im Kernspintomographen
Um sicherzugehen, dass sich die guten Ergebnisse der Spieler wirklich auf die in Spielen gesammelten Erfahrungen zurückführen lassen, wurden zum einen Michael (Physikstudent) und zum anderen Alexander Keller (Profigamer) im Kernspintomographen untersucht. Diese haben in den vorherigen Tests überdurchschnittlich abgeschnitten. Den beiden wurden nun zwei verschiedene Szenen vorgespielt. Die erste zeigte visuelle, die zweite real nachgestellte Kampfszenen. Währenddessen beobachteten Dr. Fehr und sein Team die Regionen des Gehirns, welche für das räumliche Denken zuständig sind. Hierbei kamen die Forscher zu einem eindeutigen Ergebnis: Beide Probanden zeigten völlig unterschiedliche Muster in den 3D-Abbildungen ihres Gehirns.

Beim Nicht-Spieler Michael waren die Regionen weder bei den visuellen noch bei den realen Szenen sonderlich angeregt. Er verarbeitete beide Situationen automatisch ohne große Aufmerksamkeit. Bei Alexander hingegen sahen beide Gehirnbilder unterschiedlich aus. Wenn er die Szenen der virtuellen Welt gesehen hat, waren die Hirnregionen kaum angeregt, da er Fachmann auf diesem Gebiet ist. 

PD Dr. Thorsten Fehr:

"Wie ein Expertenschachspieler, der eine Konstellation sieht und diese gar nicht mehr analysiert - also im visuellen Bereich - sondern schon weis, was er zu tun hat. Das heißt, er hat es schon abgespeichert auf einer abstrakten Ebene."

Während der realen Szenen hingegen waren die Regionen sehr aktiv.

PD Dr. Thorsten Fehr:

"Wohingegen der Spieler aber in der realen Situation offensichtlich seine möglicherweise gewonnen Fähigkeiten im Bereich der visuell-räumlichen Aufmerksamkeit, ganz besonders zum tragen kommen lässt und diese Situation besonders gut analysiert."

Das Fazit
Der Spieler kann Fähigkeiten, die er im Spiel gewonnen hat in das Alltagsleben übernehmen. Das Spielen von Ego-Shootern kann demnach also wirklich schlau machen.

Spielerreaktionen auf Gewaltszenen
In anderen Studien sind Forscher wie Dr. Fehr schon vor einiger Zeit der Frage nachgegangen, ob Spiele aggressiv machen. Auch hier sind Probanden mit einem Kernspintomographen untersucht worden. Hierbei gab es ein erstaunliches Ergebnis. Spieler beurteilen Gewaltszenen in Spielen ganz anders als reale Gewalt. Während ein Spieler bei realer Gewalt emotional stark erregt war, urteilte er im Spiel sachlich und fühlte so gut wie gar nichts. Die Annahme, dass sich Gewalt aus Spielen in das Alltagsleben übertragen lässt, konnten die Forscher also so nicht bestätigen!

Dr. Fehr will seine Studie noch ausweiten und Spieler in Zukunft auch mit anderen Gruppen vergleichen.

Das Video

Video:

Camaro 18 Doppel-Voter - 9797 - 9. August 2009 - 22:48 #

Könnte bitte nochmal einer den Text Korrektur lesen? Danke im Voraus.

Ich habe die Sendung auf dem PC aufgenommen und könnte das Thema bei Gelegenheit zurechtschneiden. Nur leider bin ich weder bei YouTube noch bei Dailymotion angemeldet und werde mich auch nicht nur für dieses eine Video dafür anmelden. Ich kann aber bei Interesse das Video - nach dem zurechtschneiden - jemanden zukommen lassen, der dieses dann in die News einbindet.

Ralph 11 Forenversteher - 642 - 10. August 2009 - 8:07 #

Hallo Camaro, tolle News - eigentlich eher toller Artikel. Ich habe nur zwei kleine Fehler (das/dass) entdecken können, die hab ich korrigiert.
Bei dem Abschnitt über den Kernspintomographen schreibst Du einmal "Michael" und ein ander Mal "Alexander Keller". Kennst Du den Nachnamen von Michael auch? Wenn ja, schreib ihn doch dazu, das würde dann besser passen.
Das Video würde mich persönlich sehr interessieren, aber ich verfüge auch nicht über entsprechende Accounts. Davon abgesehen bin ich mir nicht sicher, wie es mit der rechtlichen Seite aussieht, wenn wir eine Sendung ohne Erlaubnis veröffentlichen.
Da ich der Meinung bin, dass wir deinen Text der öffentlcihkeit nicht länger vorenthalten sollten, werd ich ihn mal live schalten.

Edit:
Die Überschrift gefällt mir noch nicht recht, leider fehlt mir aber auch grad ne bessere Idee. Hat jemand eine?

Camaro 18 Doppel-Voter - 9797 - 10. August 2009 - 16:51 #

Hallo Ralph,

erst mal Danke für das Lob.
Leider wurde in dem Beitrag der Nachname von Michael nicht genannt!
Wie das mit der rechtlichen Seite aussieht weis ich auch nicht, Jörg hatte bei seinem Frontal 21 Bericht ( http://www.gamersglobal.de/news/7893 ) aber auch den Videobeitrag reingestellt! Deswegen kam von mir das Angebot.

prax 10 Kommunikator - 465 - 10. August 2009 - 8:20 #

Netter Bericht.
Allerdings muss ich da wieder die Frage stellen.. Wie definiert man die Intelligenz? Es gibt ja nunmal Menschen da draußen die die tollsten Abschlüsse usw. haben aber sich nichtmal vernünftig ein Butterbrot schmieren können...

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33721 - 10. August 2009 - 9:15 #

Schade, die Ankündigung habe ich nicht mitbekommen und daher auch die Sendung verpasst. Diese ausführlicher Zusammenfassung liest sich schon interessant, ein Video wär mir aber noch lieber. ;-)

Camaro 18 Doppel-Voter - 9797 - 10. August 2009 - 17:01 #

Habe bei Youtube den Beitrag gefunden und eingebunden. ;-)

Epsi (unregistriert) 10. August 2009 - 10:18 #

sorry aber diese sendung kam schon mal locker vor einem jahr!!! also eigentlich nix neues...

SayWhatTF 15 Kenner - 3351 - 10. August 2009 - 11:06 #

Hier noch ein sehr interessantes 24Minuten Interview mit dem Herrn Dr. Thorsten Fehr

http://blog.zdf.de/3sat.neues/2009/04/gewalt-in-games---interview-mi.html

Gadeiros 15 Kenner - 3061 - 10. August 2009 - 12:08 #

die olle kamelle.. die lief doch schon einige male.
aber wenigstens ist es immer schön, wenn mal nicht der spieler wies vieh zur medialen schlachtbank getrieben wird. nur sehen sich die leute das an, die sich das ansehen sollten? nö- leider leider nein.

Alex Hassel 19 Megatalent - 17895 - 10. August 2009 - 12:43 #

Ist halt ProSieben... die ganzen Welt der Wunder / Gallileo/ Jumbo Schreiner frisst sich zu Tode - Stories werden halt in Dauerrotation abgesendet. :P

SayWhatTF 15 Kenner - 3351 - 10. August 2009 - 13:18 #

eigentlich ist's RTL2, aber das macht es überraschenderweise auch nicht besser...

Alex Hassel 19 Megatalent - 17895 - 10. August 2009 - 15:04 #

Mea Culpa... ich hatte vergessen, welches "Wissensformat" von welchem Sender produziert wird.

Gamaxy 19 Megatalent - P - 13346 - 10. August 2009 - 18:58 #

War zwar alt, mir aber neu und daher ein Plus von mir.

Bitte noch Probanden mit "d" schreiben ;-)

Camaro 18 Doppel-Voter - 9797 - 10. August 2009 - 19:57 #

Habe - sofern ich keins beim überfliegen des Textes übersehen habe - alle Probanten in Probanden geändert. Ich war mir nicht sicher gewesen, ob mit "t" oder "d" und da Word bei "t" nicht gemeckert hatte, fiel die Entscheidung halt auf's "t"...^^

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