eShop-Check: The Legend of the Mystical Ninja
Teil der Exklusiv-Serie eShop-Check

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24. Januar 2014 - 9:41 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
Jeden Donnerstag stellen wir euch ein interessantes eShop-Spiel (WiiU, 3DS oder Virtual Console) vor, egal ob Indie oder Vollpreis. Um diese Rubrik kümmern sich unsere User CptnKewl und mrkhfloppy.

Ganbare Goemon ist eine traditionsreiche japanische Spieleserie; bereits seit 1986 erscheinen regelmäßig neue Ableger, die außerhalb Japans als Mystical Ninja bezeichnet werden. Jedoch haben es bisher nur fünf Teile nach Europa geschafft, dazu gehört das 1994 für SNES veröffentlichte The Legend of the Mystical Ninja. Zum 20jährigen Jubiläum ist der Titel für die Virtual Console der WiiU erneut erschienen. Wir klären im heutigen eShop-Check, wie das Geburtstagskind dem Zahn der Zeit getrotzt hat – und ob auch eine jüngere Generation noch Gefallen an dem Spiel finden könnte.
Der Handlungsort, die Geisterfrau und die schummrige Lichtgebung zu Spielbeginn erinnern an den Filmklassiker A Chinese Ghost Story.
 
Es war einmal in Japan
The Legend of the Mystical Ninja ist im feudalen Japan angesiedelt und erzählt die Geschichte der beiden Freunde Kid Ying und Doktor Yang. Deren Heimatort wird von einer Geisterfrau heimgesucht und selbstverständlich gehen die beiden Abenteurer dem Spuk auf den Grund. Schnell entpuppt sich die Geisterjagd als klassicher Entführungsfall: Die Otafu-Armee hat Prinzessin Yuki, die Tochter des Königs, geraubt. Erzählt wird die Geschichte durch kurze Dialoge und untertitelte Szenenbilder zwischen den insgesamt zehn Levels des Spiels. Innovativ ist das alles nicht, aber der Humor kommt nicht zu kurz.
 
Die Rettungsaktion führt euch unter anderem durch die Straßen des mittelalterlichen Tokios (damals noch Edo genannt), einen Freizeitpark und eine traditionelle japanische Burg. Das Geschehen wird euch aus der seitlichen Draufsicht präsentiert. Die meisten Levels sind in zwei Abschnitte gegliedert: Im ersten erkundet ihr relativ frei die Umgebung, kauft Gegensände in kleinen Läden und erfahrt durch kurze Monologe der Anwohner Hintergründe und allgemeine Gameplay-Tipps. Sehr witzig: Ein netter Herr verrät euch, dass die als Konami-Code bekannte Tastenfolge Oben, Oben, Unten, Unten, Links, Rechts, Links, Rechts, B, A im Spiel keine Wirkung zeigen wird – er soll Recht behalten. 
 
Der zweite Abschnitt ähnelt mehr einem klassischen Platformer. Die Perspektive wechselt in die Seitenansicht, und Sprungpassagen sind zu meistern. In diesem Teil könnt ihr die Vorräte nicht mehr auffüllen und kämpft euch peu à peu zum finalen Bosskampf durch. Diese Duelle sind das  kreative Highlight des Titels und laufen meist in mehreren Phasen ab. Planloses draufschlagen wird euch nicht den Sieg bescheren, vielmehr gilt es die Angriffsmuster und Schwächen der Endgegner zu studieren. Neben der anfänglichen Geisterfrau werdet ihr zum Beispiel auf Sumōringer, einen riesigen Samurai und einen Drachen stoßen.
Bis zur finalen Stufe dieses Bossgegners war es ein weiter Weg, wie ihr an dessen Lebensanzeige erkennen könnt.
 
Bambi, Geishas und das Problem der Überbevölkerung
Doch ihr trefft nicht nur auf Bosse: Die Spielwelt ist (über)bevölkert mit Ninjas, Wandermönchen, Robotern und allerlei mystischen Fabelwesen. Die wenigen Geishas und vereinzelten Rehe sind die einzigen Akteure, die euch nicht ans Leder oder den Geldbeutel wollen, aber es kommt noch schlimmer: Von beiden Seiten des Bildschirms betreten stets neue Feinde die Szenarie, denn die Gegnerproduktion steht niemals still. Beide Teile jedes Levels sind von diesem Phänomen betroffen. Weil die meisten Standardgegner jedoch über ein einfaches Angriffsmuster verfügen, lernt ihr schnell mit dem Problem umzugehen.
 
Ein Schlag mit Kids Kampfpfeife oder dem Rohrstock des Doktors setzt die meisten Gegner sofort außer Gefecht und ihr könnt euch über deren Hinterlassenschaft freuen. Goldstücke erhöhen den Kontostand und dienen praktischerweise auch als Wurfgeschosse für den Fernkampf, eine Katzenstatue verbessert maximal zweimal die Reichweite der Nahkampfwaffe, und wer genug Schriftrollen sammelt, darf Jutso-Fähigkeiten einsetzen. Letztere erlernt ihr gegen Bezahlung beim örtlichen Kampfsportmeister, aber nur im zweiten Levelabschnitt ist deren Einsatz möglich. Für je zehn Schriftrollen lässt sich zum Beispiel ein Tiger zu Hilfe rufen, eine Zeitlang wie Superman fliegen oder eine große Blitzattacke starten. Passt aber auf, wem ihr die Pfeife überzieht, denn unschuldige Opfer gehen zu Lasten eures Geldbeutels.
Mithilfe der Jutsu-Fähigkeiten wie diesem Tiger kommt ihr leichter voran. 
 
Viva Las Vegas!
Das sauer verdiente Geld investiert ihr neben der teuren Jutsu-Ausbildung in stabilere Rüstungen, damit ihr mehr Treffer ohne Verlust von Lebensenergie einstecken könnt, oder auch in bessere Strohsandalen für die schnellere Fortbewegung. Verlorene Lebenspunkte regeneriert ihr durch eine Mahlzeit im Restaurant oder eine Nacht im Hotel; für die Soforthilfe im Gefecht empfiehlt es sich, genügend Pizza und Hamburger mit sich zu führen. Für horrende Preise könnt ihr in einigen Geschäften auch weitere Leben erwerben, einfach so herumliegen findet ihr diese äußerst selten. Für konsumsüchtige Spieler ist der nicht endende Gegnerstrom ein Segen.

Aber auch mit weniger Gefahr für Leib und Leben lässt sich der persönliche Reichtum vergrößern. Das Spiel bietet euch eine beachtliche Anzahl von Minispielen. Wer sein Guthaben allein Fortuna überlassen möchte, kann an der örtlichen Lotterie teilnehmen, sein Glück am Würfeltisch versuchen oder die Rennbahn unsicher machen. Mehr Eigeninitiative erfordern eine Partie Memory oder die Teilnahme an einer Quiz-Sendung. Neben weiteren Jahrmarktspielen könnt ihr das Geld auch in der Spielhalle verprassen. Dort locken Klone von Klassikern wie Breakout und Snake, aber auch der erste Level des Konami-Shooters Gradius. Das bringt euch der Rettung der Prinzessin nicht näher, aber Spaß macht's. Wer am Ende aller Einkaufs- und Freizeitaktiviäten immer noch zuviel Geld sein Eigen nennt, kann es auch beim sehr treffsicheren Wahrsager ausgeben.
Wenn ihr mit Ausrüstung und Lebensmitteln versorgt seit, könnt ihr auch ohne Sorgen bei einer Runde Gradius entspannen. 
 
In Japan ist die Hölle los
Das endlose Gegneraufkommen und der chronische Mangel an Extraleben erschweren euch vor allen zu Spielbeginn das Abenteuer. Jede feindliche Berührung kostet wertvolle Lebensenergie, der kontinuierliche Stresspegel benötigt eine gewisse Einarbeitung. Mit der Zeit stellt sich aber ein natürliches Gleichgewicht zwischen dem Verlust und der Regeneration der Energie ein – zumindest wenn ihr konzentriert zu Werke geht und euer Gold nicht in der Glücksspielhölle verliert. Sämtliche Vorbereitung ist aber Essig, wenn es das erste Mal gegen einen der Bossgegner geht. Diese werden einige Extraleben und Nervenzellen fordern, bis ihr die richtige Taktik entdeckt habt. Spätestens jetzt werden ihr das knackige Speichersystem des Action-Titels kennenlernen. 
 
Sterbt ihr im ersten Levelabschnitt, könnt ihr das Spiel sofort am Ort eures Ablebens fortsetzen. Ereilt euch der Bildschirmtod danach oder gar im Bosskampf, müsst ihr die komplette zweite Stufe erneut meistern. Sind alle Extraleben dahin, bleibt euch nur der Neustart des aktuellen Levels, außer ihr habt ein Passwort aufgesammelt und notiert. Diese gibt es kostenlos im Tagebuch-Geschäft jeder Welt, und dort setzt ihr dann auch die Reise fort.

Dieses System ist aber nur Puristen zu empfehlen, denn dank der Virtual Console der WiiU könnt ihr jederzeit und kompfortabel einen Speicherstand anlegen und öffnen. Natürlich entschärft dies auch merklich den Schwierigkeitsgrad des Spiels. Wer das Original genießen möchte, aber die Herausforderung scheut, sucht sich am Besten einen Weggefährten und bestreitet das gesamte Abenteuer im lokalen Zweispielermodus. Das Minispiel Air-Hockey setzt sogar zwei Personen voraus.
Zwei Knüppel schlagen besser als einer, aber Dr. Yang hat Angst vor Itto Ogami.
 
Im bunten Abenteuerland
Die musikalische Untermalung des Spiels ist treffend gewählt und die größtenteils pentatonischen Stücke unterstreichen das japanische Szenario. Jeder Abschnitt besitzt seine eigene, meist witzig wirkende Melodie, nur die Bosskämpfe sind etwas hektisch vertont. Jüngere Ohren werden den Soundtrack vielleicht weniger positiv aufnehmen, aber dafür entschädigt dann die liebevolle Optik. Die Figuren sind groß in Szene gesetzt und in ihrer Mimik stark überzeichnet. Sie fügen sich gut in die abwechslungsreichen und bunten Schauplätze ein.

Es sind die vielen kleinen Ideen und Details, die die Atmosphäre des Spiels tragen. Die Verkäufer verziehen das Gesicht zur Grimasse, wenn ihr keine Ware kauft, und wer den Manga Kozure Ōkami oder dessen Adaptionen kennt, wird sicher über den herrenlosen Samurai mit dem bewaffneten Kinderwagen schmunzeln. Heute sind wir durch Serien wie GTA und Shenmue verwöhnt, aber in der 16-Bit-Ära waren Spiele in Spielen noch etwas Besonderes. Auch wenn zum Beispiel nur der erste Level von Gradius spielbar ist oder die Fragen der Quiz-Show sich schnell wiederholen, das Konzept war damals bemerkenswert. Die leicht verrückte Welt wird durch paradoxe Einfälle wie Katzen-Ninjas, Roboter und Fast-Food-Restaurants abgerundet.
 
Fazit
The Legend of the Mystical Ninja ist ein schweres Action-Adventure, das vor allem in der Summe seiner Teile überzeugt. Weder das Kampfsystem noch die verfügbaren Items oder die minimale Hintergrundgeschichte heben das Spiel für sich genommen hervor, dafür mangelt es an Abwechslung und Tiefe. Weil diese Elemente aber in eine Welt voller Nebenbeschäftigungen und kuriosen Ideen eingebettet sind und das Geschehen sich selten ernst nimmt, entwickelt das Spiel die Dynamik eines süffigen Weins, der zu zweit noch besser schmeckt (ohne Nachwirkungen).

Die neue Speichermöglichkeit tut dem Spielfluss gut und entschärft den etwas zu hoch angesiedelten Schwierigkeitsgrad des Originals. So könnt ihr auch die kniffligen Bosskämpfe halbwegs entspannt genießen. Würde der Titel heute als aktuelles Indie-Projekt veröffentlicht werden, würde man von einer amüsanten Hommage an die Ära des Super Nintendos sprechen. Unser Rat: zugreifen!
  • 2D-Action-Adventure
  • Solospiel und lokaler Koop
  • Für Anfänger und Fortgeschrittene
  • Erhältlich seit 16.1.2014: 7,99 Euro
  • In einem Satz: Ideenreiches Action-Adventure samt Minispielen im feudalen Japan.

Video:

Old Lion 26 Spiele-Kenner - P - 69003 - 24. Januar 2014 - 9:44 #

Knaller-Check, KH!

mrkhfloppy 22 AAA-Gamer - P - 31412 - 24. Januar 2014 - 15:55 #

Dan­ke­schön

Jörg Langer Chefredakteur - P - 341836 - 24. Januar 2014 - 10:14 #

Der Text macht richtig Lust auf das Spiel :-)

Jabberwocky 14 Komm-Experte - 1942 - 24. Januar 2014 - 10:27 #

Wirklich ein sehr kurzweiliges Spiel.
Frage mich aber, ob wir je SNES oder GBA-Spiele auf dem 3DS sehen werden.

Sp00kyFox 18 Doppel-Voter - 11203 - 24. Januar 2014 - 11:30 #

yeah, SNES-games! nach all den jahren gibts immer noch spiele, die man immer mal durchspielen wollte.

Sgt. Nukem 15 Kenner - 3627 - 24. Januar 2014 - 12:01 #

Fehler: "Lebensenergi"

Sgt. Nukem 15 Kenner - 3627 - 24. Januar 2014 - 12:03 #

Hachjaa, als kleiner Steppke hatte ich das auch auf dem SNES. Hatte vor Jahren immer mal danach gesucht, konnte mich aber nur an "Ninja irgendwas" erinnern, was mir aber vor allem ernstere und/oder brutalere Spiele zu Tage beförderte.
Irgendwann wird sich das noch mal von ebay besorgt und dann spiel' ich es durch, ganz sicher... ;)

andreas1806 16 Übertalent - 5023 - 24. Januar 2014 - 18:54 #

naja, wenigsten werden Uraltspiele für die WiiU released.. zufrieden kann man dennoch nicht sein.
Danke für den Check !

Fabowski 13 Koop-Gamer - 1686 - 24. Januar 2014 - 19:55 #

Lange ist es her! Ich weiß noch, wie ich Tage an dem Spiel hing, besonders an das "tolle" Passwort-Speicher-Feature war ja mal der Oberhammer... ;D

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