GG-Kurztest: Lilly Looking Through

PC
Bild von Florian Pfeffer
Florian Pfeffer 25273 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,C4,A10,J10
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31. Oktober 2013 - 14:33 — vor 2 Jahren zuletzt aktualisiert
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Das über Kickstarter finanzierte Adventure Lilly Looking Through ist auf der einen Seite grafisch zuckersüß und bietet auf der anderen Seite klassische Knobelkost im Myst-Stil. Wir haben mit den Zeitebenen jongliert und berichten euch aus einer fantastischen Welt.

Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Indie-Freunde, aufgepasst: Lilly Looking Through ist das Ergebnis einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne, mit der Projektleiter Steve Hoogendyk im letzten Jahr fast 34.000 Dollar einsammeln konnte. Nun war das zwar das Doppelte des ursprünglich gewünschten Betrags, ist jedoch so gut wie nichts für eine Spielentwicklung. Dennoch wurde das Projekt Wirklichkeit, denn es entstand quasi als Familienarbeit: Steve übernahm das Game Design, seine Frau Jessica zeichnete die Animationen und zwei befreundete Kinder liehen den Hauptcharakteren Lilly und Row ihre Stimmen.

Das mit den Kinderstimmen soll übrigens nicht heißen, dass das Spiel auf Sprachausgabe setzen würde: Außer einem gelegentlichen flehenden „Help“ von Lillys Bruder und ihrer eigenen Staun- und Seufz-Geräusche ist nicht viel zu vernehmen. Im Audiobereich setzt der Titel ganz klar auf die sphärischen Klänge, die Chris Beazer für das Spiel komponiert hat. Die Melodien sind einfach und zurückhaltend, verstärken aber gekonnt den Eindruck einer fremden, fantastischen Welt, durch die sich Lilly bewegt.
Lilly hat ihren kleinen Bruder gesichtet, der im Fenster rechts feststeckt. Doch wie kann sie ihn ohne Fliegerbrille über die kaputte Brücke erreichen?
Hinterlistige Halstücher
Die Geschichte, die ihr durchspielt, ist schnell zusammengefasst: Als Mädchen Lilly müsst ihr mitansehen, wie euer kleiner Bruder Row von einem fliegenden roten Schal mitgerissen wird und in der Ferne entschwindet. Nun wollt ihr natürlich hinterher und ihn den Fängen des gemeinen Stofffetzens entreißen. Dabei klettert, krabbelt und hüpft ihr durch verschiedene Welten, die meist aus einem einzigen Bild bestehen, das etwas größer als der sichtbare Bereich ist und daher minimal gescrollt werden kann. Dort löst ihr ein paar Rätsel, um sogleich zum nächsten Bild zu gelangen. Lilly Looking Through ist also ein sehr lineares Spiel, zurückgehen könnt ihr in der Regel nicht, außer am Ende, wo sich ein bestimmtes Rätsel über mehrere Bilder hinweg erstreckt.

Was hat das Erdhörnchen im Sinn?
Grafisch kann Lilly Looking Through punkten. Ob das Mädchen gerade irgendwo hinaufklettert oder herunterfällt, immer sind die Animationen detailliert, niedlich und herzallerliebst, kurzum: perfekt. Hier merkt man, dass jemand seinen Job gewissenhaft und gern gemacht hat. Einzig der deutliche stilistische Unterschied zwischen den Animationen im Vordergrund, die wie Strichzeichnungen wirken, und den malerischen Hintergründen, die eher aus dem Wasserfarbkasten zu kommen scheinen, ist oft deutlich zu sehen. Gestört hat uns das aber nicht. Weniger schön fanden wir, dass wir etwa beim Drücken von Schaltern immer wieder die gleichen längeren Animationsphasen abwarten mussten, ohne sie wegklicken zu können. Aber auch das ist durchaus verschmerzbar.
Nein, das ist keine Szene aus Monkey Island: Lilly schippert zu einem Dörfchen.
Von Luftblasen und kaputten Brücken
Ein Inventar werdet ihr im Spiel ebenso vergeblich suchen wie die Möglichkeit, verschiedene Aktionen mit oder auf den Objekten auszuführen. Normalerweise klickt ihr auf einen Hotspot im Bild und Lilly macht dort automatisch, was spielerisch sinnvoll ist. Einzige Ausnahme: Manchmal gibt es Dinge, die ihr mit dem Mauszeiger aufnehmen und durchs Bild bewegen könnt. Trefft ihr damit auf eine Stelle, wo der Gegenstand etwas bewirken kann, startet die Interaktion automatisch; etwa im Fall eines Schilfrohrs, das ihr über eine Fackel bewegen könnt, um es zu entzünden. Diese simple Spielmechanik bedeutet allerdings nicht, dass die Rätsel ebenso bescheiden sind: Sie werden im Laufe des Spiels kniffliger und fordern am Ende sogar etwas echten Gehirnschmalz von euch.

Ein Beispiel vom Beginn des Spiels: Ihr müsst mit mehreren Hebeln Wasser in einen Teich einfüllen beziehungsweise aus diesem herauslassen, um Luftblasen zu erzeugen, über die Lilly ans andere Ufer gelangen kann.

Die meisten Aufgaben verlangen es von euch, mechanische Bauteile zu verschieben oder zu kombinieren und erinnern stark an das aus dem Klassiker Myst bekannte Schema. Im späteren Verlauf kommt ein weiteres Rätselelement hinzu: die Fliegerbrille, die euch beim Aufsetzen in eine andere Zeitebene versetzt. Lauft ihr etwa durch eine Trümmerlandschaft mit eingestürzten Brücken, so können diese durch die Brille betrachtet noch intakt sein und benutzt werden. Oft müsst ihr, um Rätsel lösen, munter zwischen den beiden Zeitebenen hin- und herwechseln, Bäume pflanzen, über die ihr dann in der Zukunft (sprich: sofort) klettern könnt, und ähnliches.

Leider ist der Ausflug in die abwechslungsreiche Welt von Lilly schon nach drei Stunden wieder zu Ende – dann werdet ihr nämlich spätestens das Spiel durchgespielt haben. Wenn ihr Lilly Looking Through mit eurem vielleicht vorhandenen Nachwuchs gemeinsam spielt und vor allem diesen rätseln lasst, dauert es vermutlich noch etwa zwei Stunden länger. Und falls ihr doch einmal feststeckt, gibt es per Icon am unteren Bildschirmrand (wir haben die Iconleiste auf den Screenshots für euch ausgeblendet) einen Hinweis, wo sich die Hotspots verstecken – eine Garantie, die Rätsel zu verstehen, ist dies aber noch lange nicht. Was nach dem Durchspielen in Erinnerung bleibt? Ein kindertaugliches, niedliches, kleines Myst, das als Download für etwa 10 Euro trotz der geringen Spielzeit ordentlich bepreist ist. Die deutsche Schachtel kostet knapp 20 Euro, hier sind neben einem zweiten Steam-Key (zum Verschenken) ein kleines Poster sowie zwei schöne Postkarten enthalten.

Autor: Florian Pfeffer / Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Florian Pfeffer
Ach Gott, wie süß! Ein kleines Mädchen mit rotem Kleid schlittert auf der Suche nach seinem Bruder vollkommen unbedarft und ohne Furcht durch eine fremde Welt. Dort trifft es auf Frösche, Fledermäuse und andere Tiere, was alleine schon niedlich genug wäre – doch es sind die handgezeichneten Animationen, die Lilly so viel Charisma verleihen, dass man sie einfach liebhaben muss. Nicht nur ist das Spiel künstlerisch aus einem Guss, sondern es wirkt in jedem Moment so, als ob die Macher großen Spaß an ihrer Arbeit hatten. Und das glaube ich diesem Familienprojekt auch! So ist Lilly Looking Through dann auch kindgerecht harmlos, was dem Spielspaß aber in keinster Weise einen Abbruch tut.

Die Rätsel stehen in der Tradition von  Myst und dessen Nachfolgern. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Lilly-Projektleiter Steve Hoogendyk auch schon bei einigen dieser Spiele als Game Designer mit an Bord war. Die Komponente der verschiedenen Zeitebenen ist nicht neu (man denke an Day of the Tentacle oder Lost Horizon), funktioniert aber auch hier prima: Gelegentlich konnte ich einen Lacher nicht unterdrücken, wenn Lilly etwa in einem See schwimmt und ihre Brille aufsetzt, woraufhin der See plötzlich zugefroren ist und sie feststeckt.

Natürlich fand ich es sehr schade, als das Abenteuer schon nach derart kurzer Zeit vorbei war – doch immerhin für einen gepflegten Abend taugt Lilly Looking Through als beste Knobelunterhaltung der alten Myst-Schule.

 Lilly Looking Through
Pro
  • Exzellente Animationen
  • Stimmungsvolle Hintergrundbilder
  • Sphärische Musik
  • Rätsel steigern sich im Laufe des Spiels von trivial zu knifflig
  • Traumartiges Szenario
  • Hilfe durch Markierung der Hotspots
Contra
  • Sehr kurze Spielzeit (2,5 bis 3 Stunden)
  • Manchmal ist nicht klar, was man eigentlich tun muss

EddieDean 14 Komm-Experte - P - 2326 - 31. Oktober 2013 - 14:41 #

Ist es Absicht, dass keine Testnote zu finden ist?
Ansonsten danke für diesen Tipp, Test gefällt mir, das Spiel wird vielleicht Einstiegsdroge für meinen Sohn ;-)

Noodles 21 Motivator - P - 30222 - 31. Oktober 2013 - 14:42 #

Also ich sehe eine Testnote.

BiGLo0seR 21 Motivator - 29236 - 31. Oktober 2013 - 14:55 #

Hast du zufällig die Wertung im Profil deaktiviert, sodass sie bei Tests etc. nicht angzeigt wird?

Mike H. 14 Komm-Experte - P - 2245 - 31. Oktober 2013 - 15:11 #

Freut mich sehr, dass es so ein schönes Spiel geworden ist. Das Entwickler-Ehepaar hat ziemliche finanzielle Risiken auf sich genommen, und ich drücke die Daumen, dass sich das gelohnt hat. Hier ist übrigens ein schöner Artikel über die beiden: http://www.polygon.com/features/2013/10/9/4799850/geeta-games-lilly-looking-through

Ich habe das Game bei Kickstarter gebacked und bin schon gespannt auf die fertige Version!

Noodles 21 Motivator - P - 30222 - 31. Oktober 2013 - 15:41 #

Klingt ja alles ganz nett und sieht auch schick aus, werde mir das Spiel wohl irgendwann mal zulegen. :)

BruderSamedi 16 Übertalent - P - 4668 - 31. Oktober 2013 - 16:11 #

"Manchmal ist nicht klar, was man eigentlich tun muss" Klingt genauso, wie ich meine damaligen Erfahrungen mit Riven in Erinnerung habe - ich kann mich zwar an ein paar schöne Schauplätze erinnern und auch an das eine oder andere, was man da anklicken konnte, aber ob es dann irgendwo anders irgendwas bewirkt hat oder was man überhaupt tun sollte, das war völlig unklar. Aber ich war damals auch noch etwas zu jung für so ein Spiel, sag ich mal.
Hier scheint es sich ja auf jeweils einen Bildschirm zu konzentrieren, das klingt schonmal gut, werde ich mal im Auge behalten.

Und es ist faszinierend, wie ein paar Farben schon "Monkey Island" definieren :)

meanbeanmachine 14 Komm-Experte - 2466 - 31. Oktober 2013 - 18:54 #

Danke für de Test!
Hab den Titel sehnlichst erwartet.

Labrador Nelson 27 Spiele-Experte - - 86537 - 1. November 2013 - 3:33 #

klingt ja nett.

Schneelocke 09 Triple-Talent - 274 - 1. November 2013 - 11:05 #

...wird heute auf Steam verfügbar sein

vicbrother (unregistriert) 1. November 2013 - 12:53 #

Die Note passt doch nun gar nicht zum Testtext, zum Meinungskasten oder dem Wertungskasten mit sechs Pros und zwei Contras. Kann man mir das näher erläutern?

BruderSamedi 16 Übertalent - P - 4668 - 1. November 2013 - 13:27 #

So unpassend finde ich sie jetzt nicht, der Test könnte vielleicht etwas mehr Kritik üben, dafür ist er aber nicht sehr euphorisch geschrieben, mMn trifft das die Note recht gut.
Meinungskasten und Pro/Contra-Aufzählung haben ja mit der Testnote für Spielspaß erstmal nichts zu tun.

immerwütend 21 Motivator - P - 28959 - 1. November 2013 - 14:25 #

Looking through what? ^^

Aiex 16 Übertalent - 4334 - 3. November 2013 - 22:45 #

Ich habe es so interpretiert, dass es nicht durchgucken sondern untersuchen in dem Kontext bedeutet.

Cohen 16 Übertalent - 4454 - 4. November 2013 - 1:57 #

Durch die Brille

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