MGS5-Designer kontert Kritik an japanischer Spieleindustrie

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5. September 2013 - 11:05 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
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Jordan Amaro ist seit März Mitarbeiter von Kojima Productions und arbeitet derzeit als Designer von Metal Gear Solid 5 - The Phantom Pain (GG-Angeschaut). In einem Gespräch mit den Kollegen von gamespot.com hat er die Kritik von Mega Man-Schöpfer Keji Inafune an der japanischen Spieleindustrie zurückgewiesen. Inafune hatte gesagt, der Zustand der japanischen Branche habe sich  verschlechtert (wir berichteten).

Es [der Zustand] ist nicht schlimmer geworden. Diese Art von Kommentar wäre vor ein paar Jahren noch zutreffend gewesen, aber viele Unternehmen erholen sich und haben strategische Entscheidungen getroffen, die sich bald auszahlen werden.

Viele dieser "schwierigen" Entscheidungen beträfen Investitionen in bessere Technologien und Entwicklungsprozesse. Laut Amaro kennen japanische Entwickler die Abläufe in westlichen Studios und verändern ihre eigenen Verfahren dahingehend. Allerdings sei auch bei westlichen Entwicklern nicht alles nur gut.

Im Gegensatz zur allgemein vorherrschenden Meinung, ist nicht alles in westlichen Entwicklungsabläufen gut, produktiv oder überhaupt auf die japanische Arbeitswelt anwendbar.

So leide er persönlich unter der mangelnden Kreativität und Raffinesse von westlichen Triple-A-Spielen in den letzten Jahren. Ein Großteil dieser Spiele sei zu "Rezepten" geworden, bei denen das Gamedesign an eine Tabellenkalkulation erinnert, die an die Umwelt angepasst wird und der noch aktuelle Erfahrungen hinzugefügt werden. Allerdings fehle es diesen Spielen an jeglichem Entdeckerdrang und jeglicher Magie.

Aber hey, sie verkaufen Millionen [Exemplare], wen trifft also die Schuld?

Außerdem würden japanische Studios inzwischen vermehrt Talente von außerhalb Japans einstellen und der Effekt sei bereits positiv, so Amaro. Er verweist beispielsweise auf Mark Cerny, der Lead System Architect der Playstation 4 und Game Director von Knack ist. Die japanische Branche sei sich bewusst, wie schmerzhaft die aktuelle Konsolengeneration für sie gewesen ist und versuche das im Hinblick auf die Next-Gen-Konsolen Xbox One und PS4 wieder zu ändern. Sein schlichter Rat lautet, dass die Leute damit aufhören sollen, die Lage schlecht zu reden und sie stattdessen durch ihre Arbeit verbessern.

Natürlich ist das nicht einfach, aber hört ihr uns [Kojima Productions] alle paar Monate bei Journalisten darüber [die Lage] beschweren? Besonnenheit, Bescheidenheit und harte Arbeit sind der Weg, um das zu überstehen.

Diesbezüglich seien die Aussagen von Inafune kontraproduktiv, weil sie japanische Entwickler entmutigten. Zudem stelle sich die Realität komplett anders dar, als er es in seinen Interviews behaupte – nicht einfach, aber auch nicht schlimmer als in westlichen Gefilden. Jedoch stimme er mit Inafune in einem Punkt überein: Bislang ignorierten japanische Entwickler Kickstarter. Trotzdem seien sie sich darüber im Klaren, dass es Spiele erfolgreich finzaniert hat. In Amaros Augen benötige es einfach einen Auslöser wie im Westen das Adventure Broken Age von Double Fine.

Letztendlich unterscheide sich zwischen Japan und dem Westen auch die Mentalität im Gamedesign in hohem Maße: Einige Spiele, die im Westen als großartig angesehen werden, gelten in Japan als nichts Besonderes. Insgesamt befinde sich die japanische Spieleindustrie auf einem guten Weg und habe einige "ambitionierte" und "aufregende" Projekte in der Entwicklung. Darauf freue er sich sehr, da er "frische Luft" benötige.

Stehgeiger (unregistriert) 5. September 2013 - 11:32 #

"So leide er persönlich unter der mangelnden Kreativität und Raffinesse von westlichen Triple-A-Spielen in den letzten Jahren."

Richtig! Das beste "neue" Spiel, das ich dieses Jahr gespielt habe: Earthbound (SNES, 1996?).

Keksus 21 Motivator - 25001 - 5. September 2013 - 11:50 #

Mangelnde Kreativität gibt es aber auch in japanischen Kreisen. Nur schießen die sich da lieber auf ihre VNs ein, wovon es unzählige gibt und wo man die guten fast an einer Hand abzählen kann. Aber zumindest die größeren Studios versuchen schon neue Ideen zu entwickeln.

Woldeus 14 Komm-Experte - P - 1863 - 5. September 2013 - 12:33 #

der spilemarkt wurde zu groß, und jetzt hat man das, was man auch im radio hört: immer das gleiche lied mit kleinen unterschieden

Thomas Barth 21 Motivator - 27449 - 5. September 2013 - 14:08 #

Nur ist die Frage, warum man Radio hören sollte, wenn man einen USB-Stick mit Indie/Alternativ-Musik vollballern und mit dem MP3-Player hören kann? Bei uns im Haushalt wurden alle Radios abgeschafft, nachdem wir vor circa 5 Jahre ein Abo bei Napster abgeschlossen haben, welches alle paar Jahre von einem anderen Anbieter aufgekauft wird. Mittlerweile ist es glaub ich Rhapsody.

Bei Spielen ist das eben genauso. Wenn man keine Lust auf Mainstream hat, dann wählt man einfach eine Plattform, auf der es viele Indie-Spiele gibt.

bam 15 Kenner - 2757 - 5. September 2013 - 12:47 #

Was Kreativität in Spielen angeht, sollte man die "alten Zeiten" auch nicht grad hochjubeln. Es war schon immer so, dass ein erfolgreicher Titel in einem Genre haufenweise kopiert wurde. Natürlich erinnert man sich dann an das Original, welches vielleicht sogar ein Genre erfunden hat.

Man muss dabei auch bedenken, dass es damals leichter war etwas neues zu machen. Die großen spielbeeinflussenden Technikneuerungen gibt es nicht mehr. Alles was man z.B. auf der Xbox 360 entwickelt, hätte man genauso gut in technisch, aber nicht spielerisch, abgespeckter Form entwickeln können. Es gibt einfach keine Sprünge mehr wie von 2D auf 3D, was vollkommen neue Genres ermöglicht hat.

Ich denke das Hauptproblem japanischer Entwickler ist, dass die meisten Spiele für Japan entwickeln, ein zu großer asiatischer Touch kommt eben nicht so gut bei westlichen Spielern an. Das hat weniger mit grundsätzlichem Spieldesign zu tun.

vicbrother (unregistriert) 5. September 2013 - 12:56 #

Es gibt doch neue Genres: Schleichspiele, Horror-Shooter, MineCraft dürfte auch schon ein eigenes Genre geprägt haben,...

Jadiger 16 Übertalent - 4878 - 5. September 2013 - 14:55 #

Weniger ist klar aber ich glaube das wir bald einen großen Sprung erleben werden. Mit vielen neuen Ideen alleine durch die möglichkeiten der Rift technik fällt mir schon einiges ein was es bis gar nicht geben hätte können ohne diese Technik.
Und Spiele wie Dota haben ja praktisch ganze Gernes im allein Gang geschaffen. auch ein Amenesia ist etwas völlig anderes oder Day-Z hat ja auch eine Welle ausgelöst. Es gibt also noch recht viele neue Gernes nur leider eben nicht auf AAA Basis. Die wollen halt lieber den xten Shooter oder Third Person raus bringen mit ein klein wenig andren Mechaniken. Deswegen bin recht enttäuscht von den neuen Konsolen weil halt alles so wie jetzt ist nur hübscher und genau das gibt es eben schon lange auf dem PC.

v3to (unregistriert) 5. September 2013 - 15:11 #

der sprung von 2d auf 3d hatte langfristig gesehen (von effekthascherei abgesehen), den markt eigentlich nur auf links gedreht, bzw vorhandene genres in ein neues korsett gepresst, damit das ergebnis spielbar bleibt. das einzige, was aber auch jahrzehnte gebraucht hat, war die bewegungsfreiheit und selbst die fühlt sich heute noch so an, wie episoden einer fernsehserie.

das letzte spiel, dass ich nach jahrelanger pause als wirklich innovativ empfunden hab, ist wonderful 101. wobei das unterm strich auch 'nur' ein genremix (pikmin on speed meets combo slasher)... was die meisten publisher einem sonst heute so als die zukunft verkaufen wollen, ist an sich reine evolution. und irgendwie hab ich das gefühl, dass die probleme in japan in dem moment angefingen, wie sie versuchten, westliches spielgefühl nachzuäffen. und eben auch ihre marken nach rein betriebswirtschaftlichen gründen ausgesiebt haben. ideen brauchen auch luft, damit sie vernünftig reifen können.

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