Quantic Dream: "Spiele sind kulturelle Ausdrucksform"

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24. April 2013 - 11:44 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert

Die Frage, ob und inwiefern Videospiele kulturellen Wert und Relevanz haben und damit als Kulturgut oder gar Kunstform betrachtet werden können, wird häufig diskutiert. Doch was innerhalb der Branche zunehmend als unumstößliches Faktum propagiert und von einer Vielzahl von Spielern passiv angenommen oder aktiv unterstützt wird, ist nach wie vor nicht im kulturellen Bewusstsein der Gesellschaft verankert. Einer Meldung auf Gamasutra zufolge hat sich Guillaume de Fondaumière, Co-CEO von Quantic Dream (Heavy Rain) und Vorsitzender der European Games Developer Federation (EGDF), auf der Digital Dragons Spielekonferenz in Krakau zum Thema geäußert.

Ziel seiner Bemühungen ist es, der EU-Kommission einen Antrag zu unterbreiten, bei dessen Annahme Spiele erstmals als eine Form kulturellen Ausdrucks verstanden würden. So sei das Hauptproblem, dass Videospiele immer noch als Spielzeuge betrachtet würden, deren Zielgruppe einzig Kinder und Jugendliche seien. Das hinge unter anderem damit zusammen, dass sie ihr Dasein tatsächlich in den Spielzimmern der jetzigen Elterngeneration begonnen hätten. Doch hätten Videospiele zusammen mit diesen eine evolutionelle Entwicklung durchlaufen, die von branchenfernen Betrachtern zumeist ignoriert werde. Während frühere Spiele nicht komplex genug gewesen seien, um ein weitgefächertes Spektrum menschlicher Emotionen anzusprechen – von Angst und Adrenalinschüben abgesehen – sei dies nun in hohem Maße möglich. Dadurch seien Erwachsene zunehmend zur Zielgruppe von Spielen geworden – zumal selbst die Softwareentwickler zusammen mit ihnen gealtert wären.

Doch im Gegensatz zu etablierten Kunstformen wie beispielsweise der Architektur, Filmkunst, Musik, Literatur und Fotografie hätte das Heranreifen der in Videospielen behandelten Gehalte in den Köpfen derselben Erwachsenen immer noch nicht zu einem neuen Verständnis von Spielen als Kunstform geführt – ein Schluss, der sich Fondaumièrs Meinung nach nahelegt:

Für mich sind alle Spiele eine Form kulturellen Ausdrucks. Ich sehe überhaupt keinen Grund, weshalb mit ihnen anders verfahren werden sollte als mit jeder beliebigen Art von Literatur oder Film. Ich denke, dass mehr und mehr Spiele künstlerisch werden und sich zu einer Art von Kunst entfalten, die neben all den anderen [Ausdrucks-]Formen anerkannt werden sollte.

Ein Indiz für die Richtigkeit seiner Behauptung sieht er unter anderem in der vermehrten Beschäftigung von namhaften Autoren bei der Spieleentwicklung.
 
Im Bezug auf die aktuelle Debatte um Spielgewalt bestreitet de Fondaumière, dass Spiele die direkte Ursache für Gewaltbereitschaft oder Suchtverhalten seien. Gleichzeitig jedoch betont er, dass die Branche sich darüber im Klaren sein müsse, dass sie ein immer größer werdendes Publikum anspreche und sich deshalb ihrer Verantwortung bei der Vermittlung von Sinngehalten bewusst sein solle. Er warnt ebenso vor gegenteiliger Entwicklung:

Auf der anderen Seite müssen wir uns auch nicht alles bieten lassen. Nur weil Spiele einmal als Spielzeug betrachtet wurden und nicht als kulturelle Ausdrucksform, hat es zu viele Einschränkungen bezüglich des Levels an Gewalt, Sex und Erotik gegeben, den wir in unseren Spielen haben dürfen. Wir werden zum Beispiel wesentlich mehr eingegrenzt als Spielfilme.

Alles in allem sei es Aufgabe der Entwickler, eine schrittweise Veränderung des Images von Spielen herbeizuführen.

Wir müssen es wagen, kreativer zu sein. [...] Wir müssen damit aufhören, jedes Jahr die gleichen Titel herauszubringen. Kreiert neue Marken, das bedeutet: Publisher müssen ein erhöhtes Risiko eingehen, aber auch die Spieler müssen ein Risiko eingehen. Das Publikum stimmt mit dem Portemonnaie ab, welche Art von Spielen es spielen will.

Zottel 16 Übertalent - 4118 - 24. April 2013 - 10:54 #

Eventuell liegt der Grund, warum sich Spiele in der Gesellschaft schwer als Kunstform etablieren können, einfach an der Tatsache, dass andere Kunstformen alle passiv "konsumiert" werden, während man Spiele immer aktiv nutzen muss um sie zu erleben. Außerdem sind ein Gemälde, ein Film, ein Song oder whatever immer unveränderbar, in genau der Form wie vom Künstler erdacht, während sie betrachtet oder gehört werden, während Spiele im gewissen Maße auch völlig anders erlebt werden können, als vom Autor gedacht (Stichwort Systemcrasher)

Name (unregistriert) 24. April 2013 - 11:11 #

Das ist doch kalter Kaffee. Computerspiele sind seit 2008 vom Bundestag als Kulturgut anerkannt.

htt p://w ww.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/jetzt-offiziell-computerspiele-sind-kultur-a-572152.html

Freylis 20 Gold-Gamer - 21191 - 24. April 2013 - 16:10 #

Danke fuer den Hinweis, das ist in der Tat gut zu wissen - und sehr erfreulich fuer Deutschland, das sich ja gerade mit Blick auf Indizierungsfragen und Jugendschutz eine so lange Zeit etwas schwer getan hat.
Allerdings geht es dem Mann um weit mehr: er moechte eine europaweite Regulierung und ein Umdenken, was trotz evtl. Veraenderungen der Legislative noch nicht stattgefunden hat. Nur weil etwas gesetzlich neu verstanden wird, heisst das ja noch lange nicht, dass sich die "Denke" veraendert hat. Im Uebrigen will er Spiele als Kunst im Sinne von kognitiv-suggestiven Gehalten verstanden wissen, was ebenfalls ueber ein reines (passiv-existentes) Kulturgut hinausgeht. Insofern sind seine Anliegen im Rahmen gaengiger Normkultur und dem gegenwaertigen Kunstverstaendnis immer noch ebenso umstritten wie up-to-date. Leider.

Name (unregistriert) 24. April 2013 - 20:44 #

Quantic Dream will immer viel, besonders über den Lauf der Welt philosophieren und wehklagen. Das ist bei denen Voraussetzung für den gehobenen Dienst, siehe seine Kollege David De Gruttola alias Cage. Wenn sie nichts über ihr Spiel zu sagen haben, meldet sich einer von den beiden mit der gleichen alten Leier. Im Prinzip will er mehr Förderung, gleich Geld, und erkennt, dass er im Wettstreit mit anderen Kultur- und Kunstformen steht und die Aufmerksamkeistsspanne des Menschen genauso begrenzt ist wie die Geldtöpfe im Sport (außer msn heißt König Fußball). Aber dieses ständige Fishing for compliments und "wir sind was besonderes" von Quantic Dream ist einfach nur ätzend. Ein Ken Levine redet lieber über die erfahrbare Kunstfertigkeit in seinen Spielen als sich permanent darüber zu beklagen, das er sich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlt. Über die Fettflecken von Beuys oder seine Exkremente in Dosen kann man auch geteilter Meinung sein, ob man das als Kunst betrachten will, das war Beuys aber egal. Kunst entsteht nicht durch ein staatliches Siegel, sondern durch menschliche Anerkennung. Wenn er das nicht durch seine Werke erreicht, dann liegt es wohl an ihm. Diese Vorstellung von de Fondaumière ist ja noch preußischer als bei uns in Deutschland.

Freylis 20 Gold-Gamer - 21191 - 24. April 2013 - 21:03 #

LOL - netter Rant, meine Anerkennung :)

Slaytanic 22 AAA-Gamer - P - 34342 - 4. Mai 2013 - 23:34 #

Kudos von meiner Seite dafür.

Endamon 15 Kenner - 3900 - 24. April 2013 - 14:39 #

Manch großer Megastar aus der Musikszene wäre froh wenn er solche Absatz-Zahlen hätte. Damit meine ich aber nicht alleine die Pop-Kultur. Für mich ist es auch ein Zeichen das Computerspiele längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und sich auch weiterhin etablieren werden.

S3r3n1ty 15 Kenner - P - 2833 - 24. April 2013 - 22:49 #

Bitte, bitte Quantic Dream... löst euch von Sony und macht ENDLICH WIEDER PC-SPIELE!!!! Danke!

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