User-Test: Wallace & Gromit Episode 2 (The Last Resort)

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Taller Ghost Walt 3210 EXP - 15 Kenner,R8,S3,A6
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20. Juni 2009 - 20:04 — vor 8 Jahren zuletzt aktualisiert

Das Knetfiguren-Duo Wallace und Gromit ist zurück und nach den turbulenten Ereignissen in Fright of the Bumblebees (siehe GamersGlobal-Test) möchten sich die beiden erstmal einen schönen Urlaub gönnen. Natürlich geht das aber wieder gründlich daneben…

Sie haben es sich so schön vorgestellt: Strand, Sonne und keinen Stress mehr. Leider fällt der geplante Urlaub des Erfinder-nebst-Hund-Gespanns aber buchstäblich ins Wasser. Auftakt für die 2. Episode von Wallace and Gromit, The Last Resort, denn das typische englische Regenwetter lässt nicht nur den Urlaub ausfallen: Der Keller des Hauses läuft mit Wasser voll und Kenner der Kurzfilmreihe sollte es nicht überraschen, dass der beherzte Eingriff von Wallace die Situation erst einmal verschlimmert. Die gewaltigen Wassermassen stehen nun unter Starkstrom, der Hauptschalter ist am anderen Ende des Kellers und Wallace ist von der rettenden Kellertreppe abgeschnitten. So muss sich Hund Gromit (unter Mithilfe des Spielers, versteht sich) sich dem Problem annehmen und sein Herrchen (mal wieder) retten.

Tastatur statt Point&Click

Wie schon in der ersten Episode verzichtet Wallace & Gromit in The Last Resort auf eine reine Point&Click-Steuerung zugunsten eines etwas konsolengünstigeren Prinzips: Man steuert die Charaktere mit den Pfeiltasten. Manch einem mag da mit etwas Grausen die Tastatursteuerung von Escape from Monkey Island oder Grim Fandango in den Sinn kommen, aber Telltale hat für Wallace & Gromit’s Grand Adventures eine etwas bedienungsfreundlichere Variante gewählt. So werden Objekte weiterhin mit der Maus untersucht und bedient, mit einem Klick laufen der Erfinder oder Gromit selbstständig hin. Außerdem steuern sich die beiden etwas leichter, Hindernisse werden recht zuverlässig umlaufen. Auf Geschicklichkeit kommt es genauso wenig an, man braucht also keine Angst zu haben, dass Gromit ins Wasser fällt. Wer hat, kann auch ein Gamepad (etwa einen Xbox-360-Controller) verwenden, damit geht die Steuerung noch etwas bequemer von der Hand. Dennoch gibt es hier und da ein paar Probleme, etwa wenn der Bildschirm nicht von selbst auf die nächste Szene umschaltet.

Wie man mit Gegenständen und Personen interagieren kann, gibt das Programm vor. Man kann also beispielsweise gar nicht versuchen, ein Plakat mitzunehmen, weil man vom Spiel ohnehin nur die Möglichkeit erhält, es anzuschauen. Ist ein Gegenstand im Inventar gelandet, kann dieses mit der alt-Taste geöffnet werden. Alternativ kann man die Gegenstände auch mit dem Mausrad durch wählen, um sie dann einzusetzen. Wie schon bei den vorherigen Telltale-Spielen gibt es auch bei Wallace & Gromit keine Möglichkeit, Gegenstände im Inventar zu kombinieren, was den Rätseln leider ein ganzes Stück Grübelfaktor nimmt.

Allen Widrigkeiten zum Trotz schafft es Gromit, den Hauptschalter umzulegen und die Gefahr fürs Erste zu bannen. Abfließen kann das Wasser leider nicht, der volle Keller bringt Wallace allerdings auf eine seiner berüchtigten Ideen: Mit viel Sand, großen Leuchtstrahlern und einigen Strandutensilien könnte man doch den Keller wunderbar in ein Urlaubsparadies verwandeln! Also macht sich der Erfinder auf den Weg in die Stadt, um diese Dinge zu besorgen. Damit beginnt die Geschichte erst richtig. Im weiteren Verlauf müssen die beiden unter anderem unzufriedene Urlaubsgäste umstimmen, einen Kriminalfall lösen und einen heimtückischen Angreifer dingfest machen.

Bis zu vier Stunden Spielspaß

Die Geschichte ist dabei allerdings weder besonders lang noch sehr knifflig. Zwar sind die Rätsel stellenweise recht originell geraten, beispielsweise bei den Dialogrätseln. Adventurekenner werden aber keine allzu großen Probleme haben, auf die Lösung zu kommen. Dafür haben die Designer einige Objekte eingebaut, die sich nutzen oder einsammeln lassen, ohne dass man sie für Rätsel benötigt. Eine gute Idee, so grübelt man etwas länger an der einen oder anderen Stelle. Insgesamt kann man für die Episode etwa drei bis vier Stunden einplanen, nicht viel, aber für den Preis angemessen – zumal man in dieser Zeit sehr gut unterhalten wird.

Grafisch kann Wallace & Gromit vor allem in den Außenszenarien punkten. Obwohl die gleiche Engine wie noch bei Bone oder Sam & Max dahintersteckt, ist ein deutlicher Grafiksprung bemerkbar. Das liegt vor allem an den sehr detaillierten Texturen, die großartig zur Atmosphäre beitragen. Witzige Einzelheiten, wie vereinzelte Fingerabdrücke und Unregelmäßigkeiten erinnern liebevoll an die Knetfilmvorlage. Besonders eindrucksvoll sind allerdings die Animationen. Es ist Telltale hoch anzurechnen, dass man versucht hat, den Stil der Vorlage exakt einzufangen. So sind die Animationen ganz bewusst auf wenige Frames reduziert worden, was den Eindruck einer Stop-Motion-Animation erweckt. Großartig gelungen ist dabei die Mimik, allen voran Gromits variantenreiche Gesichtsausdrücke. Wie in der Vorlage gelingt es den Machern, den schweigsamen Hund allein durch seine Augen sprechen zu lassen.

Sein Herrchen ist dagegen natürlich deutlich redseliger. Zwar konnte man Peter Sallis, die Originalstimme aus den Filmen, für das Spiel nicht gewinnen, dafür aber das offizielle Double, Ben Whitehead. Der macht seine Sache sehr, sehr gut. Die typische, eigenwillige Sprechweise des Erfinders wird so gut nachgeahmt, dass viele den Unterschied gar nicht bemerken werden. Das gleiche gilt auch für alle anderen Sprecher: Jeder Charakter hat eine ganz eigene, sehr verschrobene Seite, die in den Dialogen gut zum Ausdruck kommt.

Die musikalische Untermalung passt wunderbar zum Spiel, Telltales Hauskomponist Jared Emerson-Johnson gelingt es spielend, die Musikrichtung der Filme umzusetzen, auch wenn hier und da sein eigener Stil durchblitzt. Dagegen kommen die Soundeffekte etwas sparsam daher.

Insgesamt fällt auch die zweite Episode sehr kurz und leicht aus, was natürlich auch dem Episodenformat der Reihe geschuldet ist. Punkten kann The Last Resort dafür durch die witzige Geschichte, die tollen Dialoge und durch eine schicke Inszenierung. Für Fans der Knetfiguren eine deutliche Empfehlung, alle anderen dürfen allerdings auch einen Blick riskieren -- fangen damit aber vielleicht besser mit Episode 1 an.

Einstieg/Bedienung
+ Verständliches Tutorial
+ Rätseltipps von den Charakteren
+ Hotspotanzeige auf Knopfdruck
- Tastatursteuerung

Spieltiefe/Balance
+Teilweise originelle Rätsel (Dialogrätsel)
- Wenige Gegenstände und Interaktionsmöglichkeiten
- Rätsel sind für erfahrene Spieler zu einfach

Grafik/Technik
+ Typischer Wallace & Gromit-Knet-Look 
+ Gelungene Animationen
- Kantige Umgebungen und Charaktere

Sound/Sprache 
+ Passender Soundtrack 
+ Sehr gute Sprecher
+ Übersetzte Texturen 
- Lediglich deutsche Untertitel
- Wallace nicht mit Originalstimme

Singleplayer 
+ Fühlt sich wie ein Wallace & Gromit-Kurzfilm an
+ Puzzles wirken nicht aufgesetzt, sind gut in Handlung eingebunden
+ Lustige Dialoge
+ Großartige Inszenierung, schöne Atmosphäre
+ Fairer Preis
- Kurze Spielzeit
- Geringer Wiederspielwert

Multiplayer
Nicht vorhanden

User-Wertung: 7.5 von 10 Punkten

Taller Ghost Walt 15 Kenner - 3210 - 20. Juni 2009 - 19:09 #

Da die Diskussion um Tests von Usern vor Rang 12 darauf hinauslief, dass man es einfach mal versuchen sollte, habe ich das jetzt hier mal reingestellt (Bilder kann ich wahrscheinlich erst später nachliefern).

Wenn der Test nicht veröffentlicht würde, wäre das natürlich nicht schlimm für mich. Aber ich würde mich freuen, wenn erfahrenere User oder Redakteure ein paar Anmerkungen nennen könnten, was man verbessern oder verändern könnte. Dann könnte ich bis Stufe 12 noch etwas üben ;-)

Jörg Langer Chefredakteur - P - 345640 - 20. Juni 2009 - 20:05 #

Ich finde den Test sehr gut geschrieben, die wenigen Verbesserungen, die ich vorgenommen habe, siehst du ja an der Versionsübersicht. Habe dir (zusätzlich zu den 10 EXP der News und den +20 EXP durch die Top-News-Beförderung) nochmal 20 EXP gegeben.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29757 - 20. Juni 2009 - 20:09 #

Schön geschrieben! Bin zwar kein W&G-Fan und werde mir das Spiel daher auch nicht kaufen, der Test ist aber schon mal informativ. :)

melone 06 Bewerter - 1512 - 21. Juni 2009 - 8:02 #

Hallo,

ein paar Anmerkungen von meiner Seite aus:

Red Herrings gibt es seit Anbeginn der Adventures und wurden von TTG auch schon in anderen Episoden verwendet, weshalb ich sie nicht extra erwähnt hätte.

Das Spiel ist überdies mit einem Gamepad steuerbar, z.B. einem Xbox360 Controller. Dadurch wird die Steuerung intuitiver, es erübrigt sich die bei Adventures lästig empfundene Fummelei an zwei Eingabegeräten, und man kann das Spiel auch wieder bequem vom Sofa aus genießen.

Es gibt zwar keine deutsche Synchronisation, jedoch werden nebst Untertiteln auch die Texturen im Spiel in lokalisierter Form angezeigt - was meist klappt.

Bei elektronisch vertriebenen Spielen wäre es generell sinvoll auch die Dateigröße mit anzugeben. Wallace&Gromit ist, aufgrund der detaillierteren Grafik, im Vergleich zur Vorgängerserie Strong Bad beispielsweise um den Faktor vier bis fünf größer.

Den Kritikpunkt "Kurze Spielzeit" finde ich nicht angemessen, da es sich um eine Episode und nicht um ein Vollpreisspiel handelt. Persönlich habe ich irgendwas zwischen vier und fünf Stunden mit dem Spiel verbracht; andere Spieler, mit denen ich mich über das Spiel unterhalten habe, sind vier bis acht Stunden unterwegs gewesen. Berücksichtig man überdies die Qualität der Episode, ist das nicht zu kurz gegriffen.

Gleichfalls kann ich mit dem Kritikpunkt "Geringer Wiederspielwert" nichts anfangen. Irgendwann mal muß ein schlauer Spieleredakteur auf die Idee gekommen sein, Adventures für das Erzählen einer Geschichte bestrafen zu müssen. Legt man realistische Entwicklungsmaßstäbe zu Grunde, dann ist dies nur zwangsläufig, und ich habe noch nie einen Adventurespieler getroffen, der sich darüber beschwert hätte. Ich halte dies für ähnlich sinnfrei wie Spiele wie Tetris für das fehlen selbiger abzuwerten. Derlei will und kann das Spiel nicht leisten.

Da The last Resort in vielen Aspekten klar besser ist als der erste Teil der Serie, hätte ich ihm eine 8 gegeben.

Taller Ghost Walt 15 Kenner - 3210 - 21. Juni 2009 - 8:37 #

Erstmal Danke für die Ratschläge.

Red Herrings waren tatsächlich schon häufiger in Adventures vorhanden, allerdings waren sie mir bei den 'moderneren' schon lange nicht mehr untergekommen, bzw aufgefallen, auch nicht bei Telltale-Spielen (von denen kenne ich allerdings nur Sam & Max). Deshalb hielt ich es für erwähnenswert.

Mit dem 'geringen Wiederspielwert' gebe ich dir absolut Recht, ich habe lange überlegt, ob und wie ich Christophs 'Kein Wiederspielwert' aus dem Test der ersten Episode mit reinbringe. Ich habe es letzten Endes gemacht, weil es grundsätzlich stimmt - Jeder kann nun für sich selbst entscheiden, ob dieser Punkt für ihn / sie negativ ins Gewicht fällt. Für mich persönlich ist das in einem Adventure auch nicht wichtig, weshalb es auch im Text keine Erwähnung findet.

Zu den Punkten Gamepad, Lokalisierung, Dateigröße und Spielzeit contra Episodenformat werde ich mal versuchen, die Punkte mit reinzubringen.

melone 06 Bewerter - 1512 - 21. Juni 2009 - 8:50 #

Kein Problem!

Red Herrings haben sie seit Bone verwendet, je nach Episode mal mehr und mal weniger häufig. Wenn Du bisher nur Sam&Max gespielt hast, dann hast Du noch viele schöne Stunden vor Dir! :O)

Ich hätte es halt in der Auflistung nicht negativ angeführt, da ich das Thema auch neutral behandeln würde.

Achja, Adventures...

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