GC12: Warren Spector über Micky, Gewalt, Kreativität und F2P

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16. August 2012 - 19:04 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
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Auf der diesjährigen Gamescom hatten wir die Gelegenheit, uns mit Warren Spector über sein neues Projekt Micky Epic - Die Macht der 2 zu unterhalten, aber auch seine Meinung über den derzeitigen Stand der Games-Branche einzuholen. Da haben wir uns natürlich nicht zweimal bitten lassen.

Micky Epic kontra Zelebrierung von Gewalt

Micky Epic - Die Macht der 2 wird, im Gegensatz zum Vorgänger Micky Epic (GG-Test: 7.5), nicht exklusiv für die Wii erscheinen, sondern auch auf anderen Plattformen wie PC, PS3 und 360 erhältlich sein. Die Geschichte ist eine Fortsetzung des Vorgängers. Der verrückte Doktor aus dem ersten Teil nämlich kehrt zu Beginn des neuen Spiels in die Welt Wasteland zurück, die vor allem von in Vergessenheit geratenen Disney-Charakteren bewohnt wird. Sie wird seit kurzem von Erdbeben und anderen Katastrophen heimgesucht, doch der ehemalige Bösewicht behauptet, nicht daran schuld zu sein, sondern wirklich nur helfen zu wollen. Aber ist da was Wahres dran?

Das werdet ihr mit Micky im Lauf des Spiels herausfinden und dabei viele schwere Entscheidungen treffen müssen, die bleibende Konsequenzen in der Spielwelt haben werden. Nicht jeden Charakter werdet ihr dabei zufrieden stellen können. Warren Spector verspricht, dass alle, die darüber hinweg sehen können, dass sie eben nicht einen waffenstarrenden Soldaten, sondern eine kleine Maus steuern, mit Micky Epic - Die Macht der 2 eine Geschichte von großer Tragweite und mit beachtlicher Tiefe erleben werden.

Große Tragweite, beachtliche Tiefe, Handlungskonsequenz? Das schreiben sich derzeit viele Spiele auf die Flagge, paaren es jedoch, wie zum Beispiel beim beeindruckenden The Last of Us, gerne mit äußerst krasser Gewaltdarstellung. Wir haben Warren Spector angesichts der Tatsache, dass er sich vor kurzem in einem Interview dafür aussprach, dass die "Ultra-Gewalt" enden müsse, gefragt, ob sein neues Spiel in gewisser Weise ein Gegengift zu diesem Gewalt-Trend sei. Daraufhin sagte er uns, dass man seine Äußerung nicht falsch verstehen solle. Er habe nicht per se etwas gegen Spiele, in denen Gewalt vorkommt. Wie denn auch, er habe ja schließlich selbst Spiele dieser Art entwickelt.

Wogegen er jedoch sehr wohl etwas habe, das sei die in letzter Zeit stark zunehmende, unnötige und übertriebene Zelebrierung und Fetischisierung von Gewalt. Die Spiele-Industrie habe zweimal im Jahr, auf der E3 und eben auf der Gamescom, die Möglichkeit, sich "der Welt da draußen" zu präsentieren. Aber statt auf der E3 2012 einen Fokus auf den unglaublichen Variantenreichtum von Spielen zu legen, habe man die Vorurteile von Videospielkritikern mit Präsentationen und Trailern absolut bestätigt... obwohl diese Vorurteile seiner Meinung nach eigentlich unberechtigt seien. "In Videospielen wird derzeit am laufenden Band Gewalt förmlich zelebriert, und es gab nie einen vernünftigen Grund dafür. Wirklich nie!"

Weg von dem Fokus auf Kampf-KI

Etwas, was die Spieleindustrie seiner Meinung nach in den nächsten Jahren definitiv verlernen müsse, sei der im Lauf der Jahre antrainierte Fokus auf eine immer bessere Kampf-KI in Spielen. Stattdessen wäre es dringend an der Zeit, auch andere Dinge als Kampfszenarien möglichst detailliert darzustellen: "Nehmt als Beispiel mal unsere Gesprächsrunde. Ein so natürliches Gespräch könnte man derzeit nicht darstellen. Wenn ich jetzt meinen Kaffee umkippen würde und dir damit die Hose vollsauen, dann würdest du auf eine ganz bestimmte Art und Weise reagieren. Wenn du mich sympathisch fändest, würdest du mir vergeben, wenn du mich nicht mögen würdest, würdest du mich vielleicht sogar schlagen. Aber so etwas Natürliches lässt sich in Spielen derzeit schwer darstellen. Es ist leicht, einen NPC zu töten. Es ist schwer, mit ihm zu reden."

Im selben Atemzug sprach er sich auch dafür aus, dass man aufhören müsse, in Spielen immer nur Szenarien zu entwickeln, die "Movie-Sets" ähneln: "In diesen Movie-Sets, so aufwändig sie auch sein mögen, landen dann die Spieler und sind letzten Endes insofern eingeschränkt, da eben nur einige Türen, Fenster oder Gegenstände wirklich benutzbar sind." Vieles hingegen führe ins Nichts und sei nur Staffage.

Auf die Nachfrage hin, ob das nicht vielleicht auch einfach an den Einschränkungen der heutigen Technik liege, sagte er: "Das glaube ich nicht. Wir könnten meiner Meinung nach viel davon heute schon erreichen. Das ist alles weniger eine Frage technischer Limits, sondern eine Frage dessen, wofür ich meine Energien einsetze. Nehmt zum Beispiel John Carmack. Er ist ohne Zweifel ein Genie, verbringt aber die meiste Zeit damit, umwerfend schöne Bilder zu machen. Warum? Wenn er auch nur halb so viel Zeit in die Entwicklung einer besseren Nicht-Kampf-KI stecken würde, wie er sie dafür verwendet, sich mit Rendering zu beschäftigen... ich glaube, dass uns das schon ein ganzes Stück weiter bringen könnte."

Helfen würden hierbei auch ikonischere Charaktere. Dafür sei auch Micky Epic 2 ein gutes Beispiel. Für das verspricht Warren Spector übrigens eine bessere Kameraführung als im ersten Teil. Er habe inzwischen schon einige Leute das Spiel durchspielen sehen, die nicht einmal die manuelle Kamerasteuerung verwendet hätten. Das sei ein gutes Zeichen. Außerdem seien nun alle Charaktere des Spiels vertont: "Es war eine absolut dumme Entscheidung von mir, das nicht schon im ersten Teil zu machen." Worauf er bei Micky Epic 2 ganz besonders gespannt ist, sei, wie die Spieler darauf reagieren, dass in Cutscenes hin und wieder mal ein Charakter plötzlich in einen Song einstimmen würde. Das sei ja in Disney-Filmen eine gute Tradition und es habe sich daher angeboten, es auch im Spiel zu nutzen. "Was die Einbindung von Musik und Songs in Spiele angeht, habe ich eh noch so ein paar Ideen. Mal schauen, ob ich sie in Zukunft verwirkliche."

Der Spielemarkt als spannendes Chaos

Apropos Zukunft: Was hält ein Warren Spector eigentlich von dem immer stärker werdenden F2P-Trend in der Industrie? "Ganz ehrlich: Das ist nicht so mein Ding. Aber spannend ist es trotzdem, genauso wie auch Tablet-Spiele. Ich denke quasi ständig darüber nach, ob ich auf so etwas nicht auch einmal Lust hätte. Die Situation auf dem Spielemarkt ist derzeit ein zugleich beängstigendes und hoch spannendes Chaos, und das finde ich hochgradig aufregend. Das gilt auch für die Indie-Branche. Früher hat Geld darüber bestimmt, was man so anstellen konnte. Heute kauft Kreativität dem großen Geld manchmal glatt den Schneid ab. Wir haben es alle mit Minecraft erlebt. Da kommt so ein Notch an und verändert auf einmal die Spielewelt. Aber so spannend all das auch sein mag: Ob ich mal selbst ein F2P-Spiel entwickeln werde, weiß ich wirklich nicht."

Zum Schluß des Interviews sahen wir Warren Spector dann noch mal richtig strahlen. Denn einer seiner großen Wünsche scheint mit dem ebenfalls bald erscheinenden Spiel Micky Epic: The Power of Illusion für 3DS in Erfüllung zu gehen. "Ich verstehe mich als eine Art Bildhauer. Immer wieder muss ich Ideen kürzen, die es nicht in ein Spiel schaffen. Für eine dieser Ideen wurde ich vom PsOne-Spiel Suikoden inspiriert. Dort hatte man ein Schloß, dessen Entwicklung man dadurch steuern konnte, welche Leute man darin aufnahm. Das fand ich so super, dass ich seitdem im jedem Spiel ein Schloß einbauen wollte. Es hat nie geklappt. Aber in Micky Epic: The Power of Illusion wird es jetzt ein Schloß geben. Da bleibe ich bei. Das streiche ich nicht!"

Ob es das Schloß wirklich ins Spiel schaffen wird? Wir sind gespannt darauf, es herauszufinden.

roshi 13 Koop-Gamer - 1610 - 16. August 2012 - 19:29 #

Würde gerne die kleine Maus steuern die nicht vor Waffen strotzt! bin mal gespannt.

Markus 13 Koop-Gamer - 1475 - 16. August 2012 - 19:36 #

Schön, dass es auch für PC kommt! Epic Micky Epic hat mich schon gereizt, aber dafür extra ne Wii kaufen? Nee danke! Den Zweier schau ich mir sicher genauer an.

Weryx 18 Doppel-Voter - P - 10562 - 22. August 2012 - 1:22 #

Mal ne ausnahme das sowas auch fürn PC kommt

Hinkelbob 13 Koop-Gamer - 1234 - 16. August 2012 - 21:04 #

sehr interessant, was er da so sagt. Ich werde mickey 2 auf jeden Fall im Auge behalten

Guldan 17 Shapeshifter - P - 8352 - 16. August 2012 - 21:44 #

Sehr intressant freue mich sehr auf den Titel und Micky :)

Politician 12 Trollwächter - 1110 - 16. August 2012 - 23:10 #

Ich mag Spector! Er ist für mich einer der wenigen Entwickler, die keine Dampfplauderer sind. Seine Beiträge haben immer Substanz und sind keine apodyktischen Prognosen, welche Plattform oder welches Genre als nächstes Untergehen wird.
In seiner Diagnose stimme ich ihm grundsätzlich absolut zu. Gerade der Kampffokus aller Spiele, stört mich schon länger. Die Mechanismen außerhalb von Kämpfen haben in den letzten Jahren keine Fortschritte sondern eher Rückschritte gemacht.
Epic Micky ist jetzt nicht so meins, weil mir die Disney Welt dann doch etwas zu kindlich ist. Aber im Auge behalten werde ich das Spiel dennoch. Mal sehen wie sich das Spiel weiterentwickelt.

Tristan 11 Forenversteher - 824 - 17. August 2012 - 0:27 #

Ich erinnere mich noch, wie ich in einem Ultima-Game mal einen NPC getroffen habe, der sich Dr Spector nannte. Hier:

Ultima: Worlds of Adventure 2: Martian Dreams

Das entstand wohl, als Warren Spector mal bei Origin arbeitete. Das waren Zeiten...^^

Henke 15 Kenner - 3636 - 17. August 2012 - 15:10 #

Seufz... Warren Spector, was ist aus Dir nur geworden? Vorbei scheinen all die Zeiten, in denen er uns schleichen, schießen und rätseln liess. Vorüber all die magischen Momente auf Damentoiletten, in Raumschiffen oder in dunklen Gemäuern, in denen es vor tödlichen Fallen und witzoigen Einfällen nur so wimmelte. Verblasst sind inzwischen all jene tollen und innovativen Spiele, welche Warren Spector uns zum Geschenk gemacht hat...

Warren Spector ist jetzt an einem besseren Ort. Einem Ort, der nichts gemein hat mit Dystopie, endlos langen und schmutzigen Korridoren oder spärlich beleuchteten kalten Schatzkammern... Er ist endlich angekommen in der Welt von Walt Disney; dort, wo Tod und Elend und Gewalt einfach weggeknuddelt werden, wo Konflikte scheinbar nicht exisieren und böse Gestalten per Farbentferner getilgt werden.

Er macht immer noch das, was er am besten kann und ist dennoch für uns alle verloren...

Programmiere in Frieden, Warren Spector...

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 37108 - 18. August 2012 - 11:58 #

Wo könnte es mehr "magische" Momenten geben als in der Disney-Welt. ;-)

Ok, es kann icht jeder mit jedem Szenario was anfangen, aber zu sagen er sei "für uns alle verloren" ist doch ein wenig von sich auf Andere geschlossen, meinst du nicht?

Vaedian (unregistriert) 17. August 2012 - 22:23 #

"immer bessere Kampf-KI in Spielen"

Hab ich was verpasst? Damit ist es doch seit Z stetig bergab gegangen!

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