Wochenend-Lesetipps KW25: Journalismus-Zukunft, Trollfutter

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22. Juni 2012 - 15:42 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert

Heute ist Freitag und während ihr euch wahrscheinlich schon auf das Viertelfinalspiel Deutschland gegen Griechenland in wenigen Stunden einstimmt, sind wir so blauäugig zu glauben, wir könnten euch hier noch zum Lesen animieren. Aber es sind schöne blaue Augen, und sie schauen traurig, also vielleicht...

Diesmal geht es bei unseren Wochenend-Lesetipps unter anderem um einen offenen Brief der Computer Bild-Redaktion an Springer-Chef Mathias Döpfner und um einen Entwurf zum Leistungsschutzrecht. Weitere Themen sind Forentrolle und die Frage, ob Computerspieler Bürger eines Spiels mit gewissen Rechten sind, oder schlicht Konsumenten eines von Spieleentwicklern vorgegebenen Kunstwerks. Auch diese Woche wünschen wir euch wieder viel Spaß beim Lesen, und außerdem beim Fußball-Gucken und Woche-Beenden!

"Teuer auf Papier, umsonst im Netz? Journalismus der Zukunft"
spiegel.tv, Video

Ein Sehtipp, kein Lesetipp, ist die Aufzeichnung dieser Debatte über die Frage, inwiefern sich das Internet positiv oder negativ auf den Journalismus auswirkt. Diskutiert haben unter anderem Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo und taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Besprochen werden unter anderem die Fragen, welche Vorteile Online gegenüber Print bietet, und warum manche Onlinemagazine profitabel sind und andere nicht.


"CoBi: Offener Brief an Döpfner"
djv.de am 18. Juni

Bei Computer Bild werden momentan drei Viertel der Mitarbeiter betriebsbedingt entlassen. Diese verfassten nun einen offenen Brief an Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden der Springer-AG. "Sie sollten wissen: Es sind Mitarbeiter, die für ihr Recht auf eine angemessene Bezahlung ihre berufliche Existenz aufs Spiel gesetzt und verloren haben. Familienväter und -mütter, Alleinerziehende, Jung und Alt sitzen jetzt zu Hause und haben Angst vor einer ungewissen Zukunft. [...] Die Lücken werden nun gefüllt von freien Redakteuren, von Praktikanten und Aushilfen. Der Anspruch der Leser auf eine qualitativ hochwertige Zeitschrift musste dem wirtschaftlichen Erfolgsdruck weichen."

"Füttert die Trolle!"
Zeit Online am 18. Juni, Astrid Herbold

Dieser Artikel von Zeit Online befasst sich mit dem Internet-Phänomen des Forentrolls: "Das Trollen im engeren Sinne meint nur das Stören, Beschimpfen und Provozieren. 'Dieses Verhalten ist problematisch, weil es ganze Communities und Foren zum Kippen bringt', sagt [der Soziologe Jan-Hindrik] Schmidt. Abgesehen davon aber könnten Trolle manchmal sogar stimulierend auf Diskussionen wirken. 'Man muss nur akzeptieren, dass nicht alle Nutzer sich mit konstruktiven, wohlabgewogenen Argumenten einbringen wollen.'"

"Virtuelle Welten: Ein Grundgesetz für Gamer"
Zeit Online am 20. Juni, Patrick Beuth

Sind Spieler einfach nur Konsumenten von Titeln, von denen sie schlicht eine Lizenz erwerben – oder sind sie Bürger von Spielen, für die gewisse Rechte gelten müssen? Für letzteres spricht, dass Spieler viele Spiele und deren Atmosphäre in gewisser Weise mitgestalten können – ohne sie wären manche MMOs komplett leer. Andererseits obliegen Computerspiele aber auch der künstlerischen Freiheit ihrer Entwickler, was zum Beispiel beim Ende von Mass Effect 3 zu massiven Protesten geführt hat. Zudem "bilden die Spieler in EverQuest, Diablo III oder künftig in The Elder Scrolls Online und vielleicht auch in Minecraft einen Wirtschaftsraum, indem sie mit virtuellen Gütern handeln oder virtuelle Arbeiten verrichten, die echtes Geld wert sind."

"Das Leistungsschutzrecht: Selten war es so tot wie heute"
stefan-niggemeier.de am 17. Juni, Stefan Niggemeier

Stefan Niggemeier meint, die Chance auf eine Umsetzung des Leistungsschutzrechts, wie sie nunmehr in einem Gesetzentwurf festgeschrieben ist, sei momentan erstaunlich gering, da nun die Folgen des Entwurfs greifbar werden und sich immer mehr Gegner finden. "Wenn selbst die Redaktion des »Handelsblatts«, die beim Urheberrecht sonst eher mit der Toleranz und dem Pragmatismus eines Taliban argumentiert, zum Gegner des Leistungsschutzrechtes in der diskutierten Form wird, würde ich mir als Verlagslobbyist ernste Sorgen machen." Siehe dazu auch diesen Text von Mario Sixtus.

Wenn ihr selbst interessante Texte oder unterhaltsame Videos zum Thema Spiele entdeckt, freut sich der Autor über eine PN oder einen entsprechenden Kommentar. Er wird sie lesen und bei Gefallen bei den nächsten Lesetipps verwenden. Dieses Mal bedanken wir uns bei den GG-Usern Admiral Anger, Jonesy, Machiavelli, Maximilian John und Old Lion.

Video:

wolverine 16 Übertalent - P - 4219 - 22. Juni 2012 - 16:03 #

Bezüglich des Stefan Niggemeier Artikels, noch ein Tipp von meiner Seite. Auch interessant zu lesen, zum gleichen Thema und vom gleichen Autoren verfasst, sind die beiden folgenden Posts:

http://www.stefan-niggemeier.de/blog/geht-sterben-10/
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/leistungsschutzrecht-eine-frage-der-ehre/

Unbedingt zusammen mit dem oben benannten Beitrag in der chronologisch korrekten Reihenfolge lesen. Köstlich. Oder dramatisch. Wie man's nimmt.

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6484 - 22. Juni 2012 - 16:58 #

Ja, Stefan Niggemeier ist schon immer toll zu lesen. Man muß nicht immer allem zustimmen, aber er hat Ahnung, recherchiert sorgfältig und kann formulieren.
Ziemlich interessante Themen heute in den beworbenen Artikeln. Geradezu anspruchsvoll für einen sonnigen Viertelfinal-Abend im Juni :)

Johannes 22 AAA-Gamer - P - 32586 - 11. Juli 2012 - 16:39 #

"Geht sterben" -- allein schon die Überschrift ist klasse!

blobblond 19 Megatalent - 17767 - 22. Juni 2012 - 16:28 #

Öhm Ok
"qualitativ hochwertige Zeitschrift" und das vom Springerverlag?Oo
Als wenn ich eine "qualitativ hochwertige Zeitschrift" suche ,dann schließe ich alle Publikation vom Springerverlag schon mal aus.

heini_xxl 15 Kenner - P - 3151 - 22. Juni 2012 - 17:02 #

geht glaube ich aber vor allem um den ansatz der themenaufarbeitung, also eher das handwerkliche. wer zieht die wand hoch, der lehrling oder der polier?
das testberichte etc. bei printmagazinen im spieleberiech gerne mal an freie oder trainees ausgelagert werden, kann ich von der gamestar nur bestätigen. (z.T. wiederkehrende) freie autoren füllen den bereich der reviews, der früher mal als kernkompetenz angepriesen wurde. ich finde schon, da leidet die qualität, zumal die vorgestellten redakteure, die man teils als leser seit jahren kennt, manchmal sichtbar im heft anscheinend kein einziges spiel getestet haben.

SaRaHk 16 Übertalent - 4368 - 22. Juni 2012 - 17:31 #

Ich glaub die haben `ne Menge Magazine auf abruf, wo sie (redaktionell) überhaupt keinen Einfluß nehmen (/wollen). Die "Metal Hammer" les ich jetzt auch schon seit gut 8 oder 9 Jahren. Natürlich nur für mich persönlich eine hochwertige Zeitschrift *grins* - aber dort wurde immer wieder mal erwähnt, das der Springer-Verlag überhaupt nichts mit dem Inhalt zu tun hat. Sondern halt nur im klassischsten Sinne als Geldgeber/Publisher der Zeitschrift zu sehen ist.

overseer 14 Komm-Experte - 2227 - 22. Juni 2012 - 17:34 #

Ich glaube aber, dass Geldgeber das Ziel ihrer Unterstuetzung beeinflussen. Sei es durch konstruktive Kritik oder aber einfach dadurch, dass wenn das Magazin nicht mehr ins Portfolio passt, es nicht mehr unterstuetzt wird.
Folglich wird der Verlag sehr wohl etwas mit den Inhalten zu tun haben, mindestens indem er sie billigt.

SaRaHk 16 Übertalent - 4368 - 23. Juni 2012 - 15:54 #

Ja,schon...da kannste Recht haben. Es gibt auffällig viel Werbung für andere Springer-Verlag Publikationen in der "Metal Hammer". Aber das soll dann auch wieder nur den Verkauf fördern. Dreht sich halt alles nur um das eine; Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das sie sich kontruktiv/destruktiv in die Redaktion, oder das Magazin, einschalten, solange sie Kohle kassieren. Warum sollten sie auch? "Hier,Redax...euer monatlicher Lohn. Die Metal...wie hieß sie nochmal!? Naja, läuft auf jeden Fall gut. Weitermachen...was immer ihr da auch macht - *Geldscheffel*" X)

Sher Community-Event-Team - 3634 - 22. Juni 2012 - 19:11 #

Man mag von der Computerbild (Spiele) halten was man will, aber für viele Interessierte sind die beiden Zeitschriften quasi der Einstieg in die Welt der Computerzeitschriften. Ich selber schaue eher mit Kopfschütteln auf meine CBS-Zeit zurück, aber in der Regel sind die Texte da auch für Menschen mit weniger Fachwissen verständlich geschrieben. Wenn dort jetzt gespart wird heißt das, dass auch weniger neues Publikum an Fachzeitschriften herangeführt wird, was wiederum für alle "nerdigeren" Zeitschriften schlecht ist.

cryon (unregistriert) 23. Juni 2012 - 13:55 #

na, dann freu dich doch dass sich 3/4 der mitarbeiter einen job suchen dürfen, der dir vielleicht mehr zusagt.

Anonymous (unregistriert) 22. Juni 2012 - 17:20 #

Der virtuelle Welten Bericht endet mit einer falschen Prämisse. Nicht die Wahl Bürger oder Konsument ist die Frage, sondern ob der Konsument neben all den Pflichten auch Rechte hat.

Betreffs Mitgestaltung hat zB Blizzard immer wieder klar gemacht, dass Mitgestaltung geduldet, aber nicht erwünscht ist. Fan-Art und Fan-Fiction dürfen unter bestimmten Bedingungen (mit rRechteverzicht) bei offiziellen Anlässen eingereicht werden, mehr nicht. Feedback in Foren wird über Jahre ignoriert (zB Achievementzwang und Anregungen bereits seit Einführung totgeschwiegen) und letztlich Kommentarlos gelöscht (Übergang zu den neuen Foren). Mitbestimmung auch hier nur dem Anschein nach (wenn die Forderung ohnehin den Plänen entspricht).

Ebenso bei EA's ME3. Communityfeeling nur solange es Gewinn einbringt, sobald die Gemeinschaft Rechte einfordert war es das mit der Mitbestimmung und dem Entgegenkommen. Immerhin bekommen die ihr Verhalten derzeit auf dem Aktienmerkt deutlich zu spüren.

ACME (unregistriert) 22. Juni 2012 - 17:35 #

jop, dialog auf augenhöhe nicht erwünscht. no sh*t sherlock.

Anonymous (unregistriert) 22. Juni 2012 - 18:09 #

Schon recht. Beachte aber was das Hauptanliegen zu sein scheint: Der Spieler soll erst als Bürger im Spiel seine Rechte erhalten, als Käufer werden die ihm vom Autor nicht zugesprochen.

Was natürlich eine leicht erkennbare Beeinflussung ist: Die Spieler sollen sich mit scheinbar unabhängigen, außenstehenden, niemand Rechenschaft schuldigen Schlichtern anfreunden, obwohl ihre Rechte durch nationales Recht abgedeckt werden müssten.

2 Bsp dafür:
- Süd Korea verhängt mit dem Schutz-für-Minderjährige-Gesetz praktisch ein PSN Verbot, was dem Konzern natürlich garnicht schmeckt = nationales Recht vor wischi-waschi"Onlinebürger-Recht".
- Blizzard beschliesst allen Diablo3-onlinekäufern essentielle Funktionen des Spiels für 3 Tage vorzuenthalten, um das Spielerlebnis/den virtuellen Goldmarkt zu schützen. Legal fragwürdige Selbstregulierung.

Johannes 22 AAA-Gamer - P - 32586 - 22. Juni 2012 - 20:42 #

By the way, mein Kommentar zur Einleitung: "No one knows what it's like to be the bad man, to be the sad man - behind blue eyes..."

Sher Community-Event-Team - 3634 - 22. Juni 2012 - 21:17 #

Wie poetisch :D

Johannes 22 AAA-Gamer - P - 32586 - 22. Juni 2012 - 22:16 #

hehe

Anonymous (unregistriert) 23. Juni 2012 - 0:39 #

Ja, wie poetisch abgeschrieben...

Johannes 22 AAA-Gamer - P - 32586 - 23. Juni 2012 - 7:44 #

Hab ich was anderes behauptet, ist doch extra in Anführungszeichen (zumal ich dachte, durch das Limp Bizkit-Cover würden das Lied noch genug Leute kennen)

Machiavelli 13 Koop-Gamer - 1470 - 22. Juni 2012 - 23:38 #

Huch da steht ja mein Name^^

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