BigBrotherAwards 2012: Auch an Blizzard und Cloud Computing

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14. April 2012 - 22:03

Am Freitag, den 13. April, wurden in Bielefeld die BigBrotherAwards 2012 verliehen. Bereits seit dem Jahr 2000 werden diese Negativpreise vergeben, die vom 1987 gegründeten Verein FoeBuD e.V. – „Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs“ – unter der Beteiligung verschiedener Datenschützer und Bürgerrechtsaktivisten organisiert wird.

Mit den auch als „Oscars der Datenkraken“ bezeichneten Awards, die insgesamt in 19 Ländern vergeben werden, möchte der Verein „eine öffentliche Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz fördern“ und zudem „den missbräuchlichen Umgang mit Technik und Informationen“ aufzeigen. Weitere Hintergrundinformationen speziell zu den BigBrotherAwards findet ihr zum Beispiel auf dieser Seite.

Die „Preisträger“ dieses Jahres unterteilen sich in die Kategorien Kommunikation, Verbraucherschutz, Technik, Behörden und Verwaltung sowie Politik. Im Folgenden führen wir einige der Empfänger der diesjährigen Anti-Auszeichnung mit den (gekürzten) Begründungen der Jury auf. Die vollständigen, ausführlichen und informativen Beschreibungen könnt ihr auf dieser Seite nachlesen beziehungsweise über die dort aufgeführten Verlinkungen erreichen.

Im Zusammenhang mit dem Hobby der Computerspiele und des Nutzens verschiedener Onlinedienste dürften besonders die beiden folgenden Awardträger interessant sein, ohne damit natürlich die „Verdienste“ der anderen Negativpreis-Adressaten in den Hintergrund zu drängen, auf die ebenfalls aufmerksam gemacht werden muss:

Kategorie Verbraucherschutz: Blizzard Entertainment

Der BigBrotherAward 2012 in der Kategorie „Verbraucherschutz“ geht an die Firma Blizzard Entertainment für diverse Datenschutzverletzungen bei ihren Online-Spielen (zum Beispiel World of Warcraft). Aus der protokollierten Spieldauer, erhobenen Rechnerdaten, dem Abgleich von Freundeslisten und dem zum Teil öffentlich im Netz einsehbaren Spielerverhalten (beispielsweise wie hat jemand eine bestimmte Aufgabe gelöst) lassen sich Persönlichkeitsprofile und Charakterstudien erstellen. Für eine entsprechende Auswertung wurde bereits 2007 ein US-Patent eingetragen – auf einen wissenschaftlichen Mitarbeiter von Google. Stück für Stück werden die Methoden zur Datenklauberei in den endlosen Nutzungsbedingungen weiter ausgeweitet. Immerhin: Der Versuch, den Zwang zu öffentlichen realen Klarnamen einzuführen, wurde durch Spielerproteste verhindert – noch.

(Ausführliche Begründung)

Kategorie Kommunikation: Die Cloud

Der BigBrotherAward in der Kategorie Kommunikation geht an die Cloud als Trend, Nutzerinnen und Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu entziehen. Wer Adressbücher und Fotos – und damit die Daten anderer Menschen – oder Archive, Vertriebsinfos und Firmeninterna unverschlüsselt in den undurchsichtigen Nebel der Cloud verlagert, handelt mindestens fahrlässig. Fast alle Cloud-Anbieter sind amerikanische Firmen – und die sind laut Foreign Intelligence Surveillance Act verpflichtet, US-Behörden Zugriff auf alle Daten in der Cloud zu geben, auch wenn sich die Rechnerparks auf europäischem Boden befinden. Das 2008 vom Bundesverfassungsgericht postulierte Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme wird damit eklatant verletzt.

(Ausführliche Begründung)

Weitere Preisträger sind der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich in der Rubrik Politik, der Sächsische Staatsminister des Inneren, Markus Ulbig, in der Kategorie Behörden und Verwaltung, Bofrost im Bereich Arbeitswelt und die Brita GmbH in der Wirtschaftskategorie für Wasserspender in Schulen, die nur funktionieren, wenn eine Flasche mit einem RFID-Funkchip verwendet wird.

Lobend erwähnt – eine Neuerung der diesjährigen Veranstaltung – wurden der Intendant und Personalrat des Hessischen Rundfunks sowie Dr. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holstein. Fotos von der Vergabe der BigBrotherAwards 2012 findet ihr auf dieser Seite.

Tassadar 17 Shapeshifter - 7768 - 14. April 2012 - 0:00 #

Sehr gut, dass mal Blizzards unmögliches Verhalten und deren unmögliche Nutzungsbedingungen öffentlich bloßgestellt werden. Vollkommen verdient der BigBrotherAward. Und genau auch für die weiteren Datensammelaktionen und Profilerstellungen wird auch Diablo 3 den Zwang zur ständigen Internetverbindung haben. Neben dem Versuch damit illegale Kopien zu unterbinden (was ja an sich völlig legitim ist, aber nicht so), ist das der wahre Grund für Always-On-DRM. Alles andere ist nur vorgeschoben.

Das fing im Übrigen schon bei Diablo 2 an.

Anonymous (unregistriert) 14. April 2012 - 0:39 #

Ich hätte schon fast nicht mehr damit gerechnet das in der Art überhaupt noch zu erleben. Sollte das noch zu Konsequenzen führen ist unsere Generation vielleicht doch noch nicht ganz am..

Linksgamer 14 Komm-Experte - 1931 - 14. April 2012 - 14:40 #

Jedes Jahr frage ich mich erneut, wie lange sie es wohl noch aufschieben können, endlich Google zu "ehren" (und auch die beiden anderen Riesen, Apple und Facebook). Den Fakten nach hätten die eigentlich jedes Jahr wieder mit dabeisein müssen, Google mit der größten Profildatenbank (deren Zusammenführung sie ja inzwischen auch zugeben) der Welt allen voran. Aber es gibt wohl einfach zu viele Android- und iPhone-User beim FoeBuD...

Anonymous (unregistriert) 14. April 2012 - 14:48 #

und du bist dir ganz sicher das es Google ist die die größte Datenbank haben?

Linksgamer 14 Komm-Experte - 1931 - 14. April 2012 - 15:24 #

Wer sollte denn ähnlich viel wissen wie Google? Apple und FB haben zwar auch Millionen User. Aber nur Google bietet so viele Dienste in so vielen Bereichen an, dass wirklich kaum eine Lücke mehr im Profil bleibt. Jeder Start eines neuen Dienstes bei Google dient ja nur dem Zweck, die letzten Lücken zu schließen.

Gerade wird ja versucht, Seitenbetreiber mit dem Versprechecn höheren Rankings in der Suche dazu zu bringen, GooglePlus-Buttons auf ihren Seiten einzubauen. Zum Glück läuft es wenigstens in dem Bereich für Google nicht gut. Andererseits können sie die fehlenden Infos zu Personen ja auch bei FB crawlern...

Anonymous (unregistriert) 14. April 2012 - 17:35 #

1) Die Firmen die aktiv Datamining betreiben um Käufer, Wähler, Blogger, Patienten, Liebende, T:rrorristen, Urheberrechtsverletzer-Informationen in unheimlich hohe Geldsummen umzuwandeln, die aber nicht unbedingt übergreifend Einzeldaten zusammenfassen. Beispiel Flirt-Portale: besonders persönliche Daten die für bessere Dienstleistung ehrlich angegeben werden sollen.

2) Die kleineren Agregatoren die Gewinn aus der IT-Auslagerung ins Auslang machen und mehrere Quellen konsolidieren (Krankendatendienstleistungenins, Einkommens- und Versicherungsinformationen, Telekommuninaktionsdaten wurden relativ häufig "verloren gegangen", bzw. deren Bearbeitung und Weitergabe an Dritte ist Vorraussetzung für den günstigeren Preis.

3) Google. Facebook, Apple etc kennen viele Käufervorlieben = Advertising, Verhaltensweisen, persönliche Geheimnisse und fertigen sogar Bewegungsprofile an. Sie können und müssen aber nicht 100% sicher sein, das ihre Nutzernamen mit den Basisdaten übereinstimmen.

4) ISPs die in vielen Ländern mittlerweile DPI einsetzen, Datenströme duplizieren.

5) Firmen/Regierungen, die sich in ihren Auswertungen nicht irren dürfen: staatliche T:rrorbekämpfung, ranking/ credit finance, financial services, insurance. Diese brauchen und haben unsere Basisdaten (biometrische Daten, Einwohnermeldedaten, Fluggastinformationen, Kontodaten ..) und betreiben legal Open-source intelligence (OSINT). Hin und wieder lassen sie sich bei nicht legaler Auswertung erwischen. Unsere Bundestrojaner, stadtteildeckende Handyortung, Datenabfragen ohne richterliche Erlaubnis..

Darth Spengler 18 Doppel-Voter - 9232 - 15. April 2012 - 14:30 #

Sehr schön zusammen gefasst

Mithos (unregistriert) 15. April 2012 - 14:08 #

google ist dieses Jahr doch praktisch als Cloud-Anbieter mit dabei. Die alle explizit aufzuführen wäre wahrscheinlich zu umfangreich, also bekommt die Methodik den Award.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24036 - 14. April 2012 - 22:15 #

Der einzige Preis, den sie noch vedienen. ^^

Anonymous (unregistriert) 15. April 2012 - 1:12 #

Wurde ja auch mal wieder Zeit nach 2005 endlich wieder Blizzard !

Anonymous (unregistriert) 15. April 2012 - 1:13 #

Man sollte wohl schreiben "once again". 2005 wurde Blizzard schon von den österreichischen Kollegen ausgezeichnet.

ArcaJeth 12 Trollwächter - P - 1124 - 15. April 2012 - 3:23 #

Zu Blizzard als Preisträger (ursprünglich von mir auf einer anderen Seite als Kommentar zur gleichen News gepostet):

Ich bin irgendwie im Zwiespalt.
Auf der einen Seite stimmt es natürlich, dass Blizzard bei den Spielen Daten speichert und das bestimmt auch nicht zu knapp. Dahingehend wäre der Award schon gerechtfertigt. Allerdings denke ich man sollte auch auf die Gründe des Speicherns achten. Sicher wird intern auch einiges ausgewertet, doch mir ist nichts bekannt, dass mit diesen Daten dann irgendein Unfug angestellt wird und mein Vertrauen in die Datensicherheit bei Blizzard ist auch noch recht hoch (anders als z.B. bei Sony *zwinker*).

Arbeitsspeicherscanning und Chataufzeichnung sind bei einem MMOG durchaus legitim (Boterkennung und Ahndung von inGame-Verstößen).
Spielverlaufsprotokolierung dient zum Anpassen und optimieren des Spieles. Blizzard will natürlich wissen wie die Spieler spielen um zukünfige Inhalte anzupassen, ohne das geht es gar nicht.
Persönlichkeitsprofile - denkbar, jedoch sehe ich beim angesprochenen Patentinhaber google oder anderen Onlinediensten ein höheres Missbrauchspotential als bei Blizzard (aber sowas hier so besonders anzukreiden ist gewagt, Profile werden überall erstellt, das ist nichtmal ein reines Onlineproblem).
Real-ID - hm, was das bedeutet sollte inzwischen bekannt sein. Das hat mit Datenschnüffeln aber wenig zu tun. Die Realnamen kennt Blizzard eh und wer da wen auf der Liste hat war auch vorher über die normale Freundesliste möglich (oder übers Auswerten des Spielverhaltens wenn mans denn wissen will ^^).

Ich bin der Meinung das ist alles noch im Rahmen.

Aber wie gesagt, Zwiespalt ^^ ... als Zeichen für die Branche ganz gut, das so speziell auf Blizzard zu münzen gewagt. Allgemeiner hätte mir das besser gefallen.

Larnak 21 Motivator - P - 25873 - 15. April 2012 - 3:37 #

Naja, gerade die Sache mit den öffentlich einsehbaren Aktionen, die Spieler im Spiel durchführen, sind nicht gerade notwendig für das Funktionieren des Spiels (Arsenal). Und das lässt sich eben nicht abschalten.

Speichern ist ja das Eine, es dann veröffentlichen wieder was anderes :)

bam 15 Kenner - 2757 - 16. April 2012 - 10:00 #

Warum auch? Es gehört zum Spiel. Wer sich mit sowas nicht einverstanden erklärt, kündigt eben seinen Account.

Ich versteh diese Aufregung manchmal nicht. Es handelt sich z.B. auf Blizzard bezogen um Spieldaten. So gut wie jedes Multiplayer-Spiel bietet heutzutage Spielerstatistiken an und diese werden auch rege genutzt.

Auch die Auslesung des Arbeitsspeichers dient nunmal der Erkennung von Bots. Dadurch profitieren wiederrum die Spieler. Ohne solche Maßnahmen, wäre das Geschrei groß, dass das jeweilige Spiel Hackerverseucht ist.

Manchmal wird der vermeintliche Datenschutz als viel zu hohes Gut angesehen und der Nutzen, der mit solchen Maßnahmen einhergeht kleingeredet. Sobald man dann aber auf obige Maßnahmen verzichtet, macht man ein vielfaches an Leuten damit unglücklich.

Anonymous (unregistriert) 16. April 2012 - 11:48 #

angst das du deine Freunde ohne nicht stalken könntest?

Larnak 21 Motivator - P - 25873 - 16. April 2012 - 17:44 #

Gehört zum Spiel? Finde ich nicht. Blizzard sorgt dafür, dass das Spiel ohne Arsenal nicht funktioniert, ja. Aber "dazugehören" ist für mich doch irgendwie etwas anderes. Das Arsenal ist für das Funktionieren des Spiels unnötig und bringt abgesehen vom "ach schau, was ein n00b!"-Faktor keinen bedeutsamen Nutzen. Das 'Stasinal' gehört also genauso sehr zum Spiel wie Always On. Darüber hinaus würde keiner der nicht-bedeutsamen Nutzungsmöglichkeiten gefährdet, würde Blizzard verschiedene Einstellungen in Bezug auf die Sichtbarkeit der Statistiken ermöglichen, also beispielsweise "privat"- oder "nur Freunde"-Einstellungen oder private Links.

Daher finde ich den Award hier definitiv berechtigt: Es werden ohne besonderen Nutzen und ohne, dass der Spieler etwas dagegen tun kann, sehr umfangreiche Statistiken und Daten der Spieler online für nahezu jeden zugänglich gemacht. Darüber muss man sich gar nicht groß aufregen, um einfach festzustellen: Ja, ist berechtigt ;)
Natürlich kündigt der, der damit absolut nicht einverstanden ist, seinen Account. Die, die damit einverstanden sind, dürfen es aber trotzdem "nicht gut" finden -- und als jemand, der seinen Account aus dem Grund gekündigt hat, darf man sich auch gern darüber aufregen, finde ich.

LordNippes 09 Triple-Talent - 294 - 15. April 2012 - 4:58 #

Das problematische is meiner Meinung nach einfach wie leichtfertig mit solchen Daten umgegangen wird.
Gerade heute wurde bei uns Österreich wieder ein 15jähriger verhaftet, der aus Spass und um auf einer Hackerseite in der Rangliste aufzusteigen Firmencomputer gehackt und die Daten öffentlich gestellt hat verhaftet.
Bei WoW hab ich auch nie meine RealID hergegeben, einfach weil ich nicht wollte das Leute mich vielleicht in Facebook ,wo ich eh nur sehr sporadisch vertreten bin, suchen können.

sesh (unregistriert) 15. April 2012 - 10:17 #

juo ich habe es auch bisher konsequent vermieden das mein Real name im Netzt auftaucht. Ich bin weder bei Googel noch bei Facebook oder bei Blizz mit mit meinem echten Namen angemeldet bzw. überhaupt angemeldet.
Aus dem selben Grund warum ich mich auch hier nie amelden werde, es geht schlicht und einfach niemanden etwas an.

Und wer es den umbedingt nötig hat sich bei sowas anzumelden um mit seinen Freunden in Kontakt zu bleiben, sollte sich doch besser einen Nikname zulegen den diese auch kennen ohne das sofort die ganze Welt weiß wer dahinter steht.

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