Bild: Steve Jurvetson unter CC BY 2.0
Foxconn ist einer der größten Fertigungsbetriebe und Zulieferer weltweit und arbeitet vor allem im Auftrag von IT-Firmen wie Microsoft oder Apple. Doch das taiwanesische Unternehmen macht in den vergangenen Jahren immer mehr schlechte Presse. Und das vor allem aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen, die dort vorherrschen. So berichtete etwa die Onlineausgabe des Spiegel 2011, dass 80 Überstunden pro Monat anstelle der erlaubten 35 dort Standard seien – und erst zum Monatsanfang meldete die regierungskritische chinesische Webseite China Yasmin Revolution, dass sich mehrere Angestellte des Betriebs auf dem Dach – wo mittlerweile übrigens Fangnetze installiert wurden – versammelt und mit einem Massenselbstmord gedroht haben sollen.
Jetzt gibt es eine weitere traurige Manifestation der dortigen Umgangstöne und Arbeitsumstände. So hat sich Terry Gou, ein Chairman von Foxconn und Geschäftsführer der Mutterfirma Hon Hai Precision Industry, neulich auf einer Jahresabschlussfeier folgendermaßen über seine Angestellten geäußert:
Hon Hai beschäftigt unterdessen mehr als eine Million Mitarbeiter weltweit. Und da menschliche Wesen schließlich auch Tiere sind, bereitet es mir Kopfzerbrechen, eine Million Tiere managen zu müssen.
Zudem wolle er sich von Chin Shih-chien, dem Direktor des Zoos von Taipeh, erklären lassen, wie man entsprechend mit Tieren umgeht. Schließlich wurde dieser „Witz“ auch noch breitgetreten: Als Chin die Bühne betrat und über verschiedene Tierarten referierte, habe Gou aufmerksam zugehört und den Redner schließlich noch aufgefordert, sich einmal in seine Rolle zu versetzen – zum Amüsement der geladenen Manager. Angesichts der fortwährenden Kritik, welcher das Unternehmen ohnehin schon ausgesetzt ist, dürfte dies nicht die klügste Entscheidung Gous gewesen sein.

süß, ham die gamingsites mal wieder ne schöne bild headline
Nach dem:
"dass sich mehrere Angestellte des Betriebs auf dem Dach versammelt und mit einem Massenselbstmord gedroht haben"
Und dem:
"Chairman von Foxconn und Geschäftsführer der Dachgesellschaft"
War ich kurz verwirrt ob man die Firma jetzt scherzhaft so nennt. Oo
Obwohl das bei dem Thema eigentlich nicht zum lachen ist.
Ich kann dich beruhigen: Das war keine Absicht, tatsächlich dürftest du der erste sein, dem das aufgefallen ist...
Habe das Wort Dachgesellschaft für "Holding" noch nie so dastehen sehen daher die Verwirrung. ;)
Als unbedeutender Humansklave ist man eben nicht mehr, als eigenwertloses, ersetzbares Arbeitsvieh für die Unternehmen. In der ökonomischen Managerlogik ist kein Platz für lebende, denkende, empfindende Menschen; sie sind nur nur ersetzbare Inputfaktoren mit einem in Euro bezifferbaren lifetime-value für die Produktion. Fern jeder Moral werden sie durch behavioristische Anreizsysteme soweit dressiert, bis der Rand des gesetzlich zulässigen erreicht ist. Man kann sich ausmalen, wo wir (wieder) landen würden, wenn es nicht über Presse und Internet einen sanktionierenden Informationsfluss geben würde, der Missstände offen legt. Es wird daher Zeit: "Proletarier aller Länder, wenn es mit eurer Vereinigung schon nicht klappt, kämpft wenigstens für ein freies Internet!"
Ich kenne übrigens noch jemanden, der seine Anhänger ganz gerne mit wolleliefernden Tieren vergleicht und sich selbst als obersten Hirten versteht. Aber das ist ein anderes Thema.
Naja, das mit den Proletariern sollte man allerdings vielleicht doch mal für die heutige Zeit etwas anpassen... ;) Und dass die Presse alles aufdeckt - naja. Die steht ja selbst schon längst unter dem Zwang, permanent Gewinne erbringen zu müssen. Nicht gerade die optimale Voraussetzung für kritische Recherche. Zudem sind viele kritische Berichte zwar 'irgendwo' zu finden, werden aber tunlichst nicht über Kanäle verbreitet, die auch wirklich viele Menschen lesen. Dort gibt es stattdessen das Dauerprogramm gewisser Lobbyisten, fertig angeliefert als Meldung, die der unter Zeit- und Gelddruck stehende Journalist nur noch kopieren muss.
Was für Schweine, diese Manager! Da wird man richtig aggressiv, wenn man sowas liest. Und alles nur dafür, damit sich die Manager einen fünften Porsche in die Gagrage stellen können...
Es gab übrigens mal einen Bericht - könnte glatt schon 10 Jahre her sein - darüber, wie viele der in Deutschland zugelassenen Porsches Firmenwagen sind... Ich meine, es war schon damals ein Großteil. Das heißt, die Allgemeinheit bezahlte quasi gewissen Leuten das Porschefahren. Und zwar gerade solchen Leuten, die es sich auch aus eigener Tasche leisten könnten...
Heute ist es mit den Geländewagen sicher dasselbe - nur noch schlimmer, da gegen die Dinger selbst ein Porsche noch sparsam und öko ist...
Im Zuge dessen auch mal den Golem.de-Artikel "Warum Apple das iPhone in China produziert" lesen (golem.de/1201/89254.html). Nachdem Jobs gemerkt hat, dass sein iPhone in der Tasche mit Schlüsseln zerkratzt:
"Ein Vorarbeiter weckte dort sofort 8.000 Arbeiter in den Schlafsälen von Foxconn in Shenzhen. Jeder bekam einen Keks und eine Tasse Tee und wurde an den Arbeitsplatz geführt. Binnen 30 Minuten war alles für den Beginn einer Zwölfstundenschicht vorbereitet, bei der passende Gläser in die Gehäuse eingesetzt wurden. Binnen 96 Stunden betrug die Tagesproduktion bereits 10.000 iPhones."
Und dann gibt's ja noch immer wieder Berichte über Selbstmord von Angestellten. Eine riesen Sauerei! In China (und anderen Ländern; siehe Bekleidungsindustrie) ist ein Menschenleben einfach nichts wert.
Wenn du mir deinen Namen verrätst, wirst du als Einsender lobend erwähnt, wenn ich den Link am Freitag in den Linktipps zum Wochenende poste :-)
Abgesehen davon, dass ich Menschen im allgemeinen auch nicht höher werten würde als Tiere (bzw. eigentlich Tiere nicht niedriger als Menschen), ist es gerade in DER Position und bei DER "Vorgeschichte" die Foxconn schon hat, schon eine ziemlich grenzwertige Aussage...
Ja seh ich auch so, aber gegen diese Firma wird man wohl nichts machen können.
Damals haben die Menschen ja auch "nicht" von den KZs gewusst, auch wenn sie quasi nebenan gewohnt haben. Ignorance is bliss :>
Ich weise übrigens darauf hin, dass Foxconn in Taiwan ansässig ist, von manchen seit der Abspaltung ja gern als "Free China" bezeichnet, weil es nicht "kommunistisch" ist... Vor kurzem mit Erstaunen irgendwo gelesen, dass in China tatsächlich doch noch Löhne reguliert werden und dass die Produktion dort deshalb langsam aber sicher immer teurer wird und manche Firmen sich schon nach noch billigeren Ländern umsehen...
So neu ist das nun wirklich nicht. Die Bekleidungsindustrie ist teils schon in Vietnam - als Unterfirmen der Chinesen.
Das ist bekannt, allerdings war mir neu, dass es in China Mindestlöhne gibt und dass diese sogar steigen.
Tja, soweit ist es mal wieder... :(
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