In den Achtzigern bestanden Arcade-Spiele meistens nur aus ein bis vier Hintergrundbildern. Und? Welchen Kniff haben die Entwickler benutzt um den mangelnden Umfang zu kompensieren? Spiele waren damals richtig schwer. Manch einer würde es heute zwar eher herausfordernd nennen. Aber, nein! Um 1981 in
Donkey Kong mit Jumpman aka Mario die zweite oder gar die dritte Stage zu erreichen, musstet ihr alle eure anno dazumal noch unbetretenen Jump'n'Run-Skills aufbringen. Nicht ganz so populär, aber vom Spielablauf ganz ähnlich und nicht weniger "herausfordernd", kam dann im Jahr 1982
Burgertime von Data East. Das es möglich ist, einfach gutes Spieldesign sinnvoll spielerisch zu modernisieren, zeigte Namco Bandai schon mit
Pac-Man Championship Edition und
Galaga Legions. Die Grenze zwischen gelungenem Remake und lauem Aufguss ist denkbar schmal. Konnten die Entwickler von
Burgertime World Tour das Rezept des klassischen Automaten richtig zubereiten?
Symbiose aus zwei Klassikern
Beim Grundrezept ist alles beim Alten geblieben. Als der Koch Peter Pepper (alternativ spielt ihr mit eurem Avatar) versucht ihr in Plattformer-Manier überlebensgroße Hamburger aus den typischen Zutaten wie Brötchen, Fleisch und Salat zusammenzusetzen. Die Einzelteile des beliebten Junk-Foods befinden sich auf verschiedenen Ebenen in den kompakten Levels. Um die Teile eine Ebene nach unten zu befördern, lauft ihr einfach darüber hinweg. Im Gegensatz zum Original können die Burgerzutaten in der Neuauflage in Art und Menge variieren. Außerdem sind die Levels nicht mehr flach und statisch, sondern zylindrisch. Die Entwickler kombinieren den herkömmlichen Ablauf mit dem eines anderen Klassikers. Frozen Codebase bedient sich bei dem kultigen C64-Spiel
Nebulus. Obwohl die Levels wirklich sehr klein sind, könnt ihr sie durch ihre Turmform nie in ihrer Gesamtheit überblicken. Um einen Level wahrhaft zu Meistern, müsst ihr diesen erst einmal erkunden, um überhaupt die vorgegebene Zeit zu schaffen und alle B-U-R-G-E-R-Buchstaben einzusammeln.
Mit dem Pfannenwender wird der Gejagte zum Jäger: dem Spiegelei geht es ans Eigelb.
Ob fieser Frankfurter, grässliche Gurke oder schreckliches Spiegelei: Die aggressiven Gegner setzen alles daran, zu verhindern, dass ihr die leckeren Burger kredenzt. Wenn ihr den Überblick verliert und hektisch werdet, passiert es nicht selten, dass ihr in panischer Flucht vor einer Gruppe Würstchen in eine Tomate knallt oder von einer Plattform zerquetscht werdet – kleinste Berührungen bedeuten den sofortigen Bildschirmtod. Ganz wehrlos seid ihr aber nicht. Es gibt Pfefferstreuer zum Einsammeln, mit dem ihr die Gegner kurzzeitig lähmen könnt. Todbringende Extras, wie zum Beispiel den mächtigen Bratenwender, findet ihr deutlich seltener.
Nichts für schwache Nerven
Das perfekte Lösen der Levels ist die Quintessenz von Burgertime World Tour. Dem Spiel fehlt es zwar etwas an der Präzision des "Hart aber Fair"-Königs
Super Meat Boy, dennoch motiviert Burgertime zu ständigen Neuversuchen. Schon nach ein paar Stages steigt der Schwierigkeitsgrad rapide an und schon das bloße Bestehen eines Levels wird richtig schwer. Es gibt zwar einen leichten Modus, aber in diesem müsst ihr auf Belohnungssterne und Rankings verzichten. Wenn ihr unter zu hohem Blutdruck leidet, könnte die Kombination aus häufigem Ableben und der äußerst nervigen Musik zu echten Problemen führen. Übrigens: Mit bis zu vier Spielern könnt ihr die Burger im Splitscreen oder online um die Wette bauen. Das mag für ein paar Runden ganz spaßig sein, aber mehr als eine nette Dreingabe ist der Mehrspieler-Modus nicht. Ein Koop-Modus hätte sicherlich besser zu Burgertime gepasst.
Fazit: Netter Snack für zwischendurch
Wie das Original ist Burgertime World Tour ein knackiger Titel für zwischendurch, der nach ein paar gemeisterten Levels etwas Abkühlzeit benötigt. Habt ihr euch aber erst einmal wieder abgeregt, startet ihr wahrscheinlich gleich den nächsten Versuch. Obwohl dem Spiel etwas Feintuning an der Präzision gut getan hätte und es manchmal ein wenig unfair erscheint, bietet es dennoch eine gehörige Portion Retro-Spaß. Der Umfang ist mit 50 Levels (vier Welten) für den Preis von 800 Microsoft-Punkten recht ordentlich.
- Preis am 24.11.2011: 800 Microsoft-Punkte (entspricht circa 10 Euro)
- 1 Spieler Story-Modus, bis zu 4 Spieler gegeneinander
- Arcade-Plattformer
- Für Anfänger und fortgeschrittene Spieler geeignet
- Charmantes Remake
Freut mich, dass das Spiel noch Aufmerksamkeit erfährt. Ich persönlich brauche aber ehrlich gesagt keine neue Grafik, ich spiele lieber das alte Original, da passen aus meiner Sicht Spielprinzip und Grafik viel besser zusammen.
full ack!
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