Hardware-News KW35: GTX550 TI mit 4 GB, 28nm Mobil-GPUs
Teil der Exklusiv-Serie Hardware-News

PC
Bild von Dennis Ziesecke
Dennis Ziesecke 29753 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,C9,A8,J10
Dieser User unterstützt GG mit einem Abonnement oder nutzt Freimonate via GG-Gulden.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertGold-Jäger: Hat 75 Erfolge erreicht -- Wahnsinn!Gold-Gamer: Hat den GamersGlobal-Rang 20 erreichtFROGG: Als "Friend of GamersGlobal" darf sich bezeichnen, wer uns 25 Euro spendet.GG-Gründungsfan: Hat in 2009 einmalig 25 Euro gespendetAlter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertDieser User hat uns zur TGS 2017 Aktion mit einer Spende von 5 Euro unterstützt.Reportage-Guru: Hat 10 Reportagen oder FAQ-Previews geschriebenDebattierer: Hat 5000 EXP durch Comments erhaltenIdol der Massen: Hat mindestens 10.000 Kudos bekommenSilber-Jäger: Hat Stufe 10 der Jäger-Klasse erreicht

30. August 2011 - 11:19 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Alle Welt wartet auf Bulldozer! Alle Welt? Nein, ein sympathischer und etwas verschlafen aussehender
Brite im Bademantel wirkt nicht sehr erfreut über die Bulldozer vor seinem Haus. Doch das ist eine andere Geschichte - wir beschäftigen uns hier mit etwas filigranerer Hardware und nicht mit Baumaschinen. Der Start von AMDs neuer CPU-Architektur steht offenbar tatsächlich bevor. Oder auch nicht. Und Point of View versucht mit einem beliebten Trick ahnungslosen Kunden langsame Grafikkarten zu verkaufen. Interessant für Notebookbesitzer: AMD und Nvidia bereiten ihre kommenden Mobil-GPUs vor - offenbar allerdings mit der Shrink-Gun aus Duke Nukem Forever.


Keine Kaufempfehlung: GTX550 TI mit 4 Gigabyte Grafikspeicher

Point of View präsentiert Geforce GTX550 TI mit 4 GB Speicher

Nicht jede Neuerscheinung auf dem Grafikkartenmarkt ist auch wirklich sinnvoll. Zumindest nicht für den Geldbeutel des arglosen Käufers. Grafikkarten mit überdimensionierten Speichermengen gehören zu den eher zweifelhaften Produkten, vor allem wenn es sich um Chips der Mittelklasse handelt. Eher gemächliche GPUs wie Nvidias Geforce GTX550 Ti werden im Normalfall mit einem Videospeicher von einem Gigabyte, seltener mit zwei Gigabyte ausgeliefert. Angesichts der Leistung des Grafikchips reicht diese Speichermenge auch vollkommen aus - für aufwändige Kantenglättungsverfahren oder extrem hochauflösende Texturen ist die GPU eh nicht schnell genug. Point of View hingegen beglückt den Markt mit einem Modell der GTX 550 TI, das auf beeindruckende vier Gigabyte Grafikspeicher zurückgreifen kann - und das ohne Tricks wie "Hypermemory", bei dem ein Teil des Arbeitsspeichers abgezweigt wird. Apropos Arbeitsspeicher: Vier Gigabyte RAM sind sinnvoller als vier Gigabyte VRAM. 

Angesichts eines eher moderaten Aufpreises von 20 bis 30 Euro im Vergleich zu 1GB-Modellen der 550 TI könnte man eventuell trotzdem schwach werden. Und sei es nur, um vor den Freunden mit dem Monster-Speicher angeben zu können. Leider hat POV aber nicht nur viel, sondern auch langsamen Speicher verbaut. Setzt das Referenzmodell von Nvidia noch auf flotten GDDR5-Speicher mit Taktraten von 2052 MHz, muss die POV-Karte auf langsamen DDR3-Speicher mit nur 1066 MHz zurückgreifen. Die Leistung der auf den ersten Blick so verlockenden Karte bricht also trotz großem RAM-Vorrat um mehr als 30% ein. Die zusätzlichen Speichervorräte auf der Platine dürfen sich übrigens ausschließlich langweilen - kein Spiel nutzt diese Speichermengen, so dass mindestens zwei Gigabyte des Speichers ungenutzt bleiben. Und wenn eines Tages Spiele oder Anwendungen den Speicher benötigen sollten, ist die Karte wohl schon hoffnungslos veraltet. Finger weg also.

AMD und NVidia schrumpfen Notebook-Grafikchips auf 28nm

Vor etwa 18 Jahren - im Physikunterricht der Schule - zeichnete der Autor dieser Rubrik mit einem Edding dicke Striche auf eine Platine. Nach einem Bad in einer ätzenden Flüssigkeit verblieben auf der Platine nur dort, wo sich Filzstiftstriche befanden, Leiterbahnen, so dass sich der Rest der Platine mit elektrischen Bauteilen bestücken ließ. So entstanden ein extrem hässliches Nebelhorn und andere elektronische Spielzeuge unter der Aufsicht eines ambitionierten Physiklehrers. Die Leiterbahnen waren bei diesen Geräten mehrere Millimeter breit. Ein Grafikchip mit solch voluminösen Strukturen würde jedenfalls in kein Wohnzimmer passen, moderne GPUs arbeiten mit einer Strukturbreite von 40 Nanometern. Und noch dieses Jahr steht eine Verkleinerung dieser Strukturen auf nur 28 nm an - AMD und Nvidia überarbeiten aktuell ihre Mobil-Grafikchips, um sie in diesem neuen Fertigungsverfahren herstellen zu können.

Wer jetzt aber auf neue und leistungsfähigere Chips hofft, dürfte enttäuscht werden. Beim Übergang zu 28 nm handelt es nur um einen sogenannten Die-Shrink - die Fertigungsstrukturen eines Chips werden verkleinert, um Energie und Chipfläche zu sparen. Maximal etwas höhere Taktraten oder ein paar zusätzliche Shadereinheiten wären denkbar, sind aber zumindest bei Nvidia unrealistisch. Womöglich wird Nvidia zudem eine Generation Desktop-Grafikkarten auf 28 nm schrumpfen, bevor mit Kepler eine komplett neue Architektur auf den Markt kommt. Sollte also in Kürze eine Geforce GTX600 locken: Erst einmal Hardwarenews lesen, wir werden natürlich über die weitere Entwicklung berichten. Bei AMD schaut es schon etwas besser aus: Im Mobilmarkt könnte sich die effiziente 4D-Architektur der Desktop-HD69x0-Grafikkarten durchsetzen, während für stationäre Rechner mit Southern Islands eine komplett neue Architektur ansteht.


Werden in den kommenden Tagen ausgeliefert: AMDs neue Bulldozer-CPUs.

AMD Bulldozer: Auf der Zielgeraden. Vielleicht.

Lange mussten wir warten - ursprünglich sollte AMDs neue CPU-Architektur mit dem kraftvollen Codenamen Bulldozer bereits im Sommer dieses Jahres starten. Allerdings wurde der Release immer weiter verschoben, offenbar entsprachen erste Muster nicht den Anforderungen. So war in den vergangenen Monaten immer wieder von enttäuschenden Bulldozer-Benchmarks die Rede -- diese dürften allerdings noch auf älteren Steppings der CPU basieren und eher wenig Aussagekraft besitzen. 

Laut ZDNet soll AMD auf der vor kurzem stattgefundenen Hot-Chips-Entwicklerkonferenz Angaben zur baldigen Auslieferung der Bulldozer-CPUs gemacht haben. Bereits diese Woche sollen laut ZDNet erste Händler und Fertigcomputer-Hersteller mit Bulldozer-Prozessoren beliefert werden. Auf Nachfrage von PCGames Hardware allerdings verneinte AMD solche Äußerungen. Da AMDs neue CPU-Generation aber auch laut AMDs Plänen im September diesen Jahres starten soll, erscheint AMDs Widerspruch etwas kraftlos.

Mit Bulldozer präsentiert AMD erstmals seit dem ursprünglichen Athlon-Prozessor im Jahre 1999 eine komplett neue CPU-Architektur. Seit dem Athlon bauten alle folgenden Architekturen aufeinander auf - einige brachten allerdings größere Änderungen mit ein. So wurde die Architektur um 64-Bit-Befehle oder einen zweiten, dritten und vierten Rechenkern erweitert und es wanderten Speichercontroller und Cachespeicher in den CPU-Kern. Doch bereits die aktuellen Phenom-Prozessoren können mit Intels moderner Sandy-Bridge-Architektur nicht mehr mithalten - selbst die schnellsten AMD-CPUs arbeiten nur auf dem Niveau von Intels Mittelklasse. Gegen einen i7-2600 sieht selbst ein AMD-Sechskerner aktuell kein Land. Das soll sich mit Bulldozer grundlegend ändern. 

Um flexibel zu bleiben und dennoch nicht zu viel Energie aufzunehmen, baut AMD die Bulldozer-Chips aus Prozessormodulen auf. Jedes dieser Module besitzt zwei CPU-Kerne, die allerdings einige Funktionseinheiten miteinander teilen müssen. L2-Cache und Fließkommaeinheiten beispielsweise gibt es pro Prozessormodul nur jeweils einmal. Die Topmodelle der neuen FX-Prozessorreihe kommen mit gleich vier Modulen, also mit insgesamt acht "Quasi-Rechenkernen". Die Leistung eines nativen Achtkerners wird so zwar nicht erreicht, AMD gewinnt aber an Flexibilität. Dank ausgeklügelter Energiesparmaßnahmen ist es beispielsweise möglich, einzelne Prozessormodule bei Untätigkeit komplett vom Strom zu trennen. Ein Bulldozer im Idle-Zustand dürfte daher kaum mehr Energie benötigen als ein niedrig getakteter Doppelkernprozessor. Zudem bietet AMD einen Turbomodus, der einzelne Prozessormodule um mehrere hundert MHz übertakten kann. Außerdem gönnt AMD den neuen Prozessoren moderne Befehlssatzerweiterungen wie SSE4 und AVX. 

Praktisch für Aufrüster: Viele Mainboards mit dem älteren Sockel AM3 lassen sich per BIOS-Update fit für Bulldozer machen. Neu verkaufte Boards mit den Chipsätzen aus der AMD800- und AMD900-Reihe dürften generell keine Probleme mit den kommenden FX-Prozessoren haben. 900er-Chipsätze sind sogar explizit für Bulldozer vorgesehen. In die bei neuen Boards eingesetzten Sockel AM3+ oder auch AM3b passen indes auch ältere AMD-Prozessoren für AM3. Wer also ein neues Board benötigt und seinen Phenom II noch weiternutzen möchte, kann sich ein Bulldozer-Board kaufen und später nur die CPU wechseln.
icezolation 19 Megatalent - 19180 - 30. August 2011 - 12:11 #

Danke Dod. Ich würde in Sachen Hardware mittlerweile hinterherhinken, wären da nicht Deine HW-News :)

Raptural 11 Forenversteher - 700 - 30. August 2011 - 11:56 #

Man merkt einfach, dass die News mit Liebe geschrieben sind :) Danke dafür!

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29753 - 30. August 2011 - 20:25 #

Mit Liebe zu Arthur Dent, falls jemand die Anspielung am Anfang verstanden hat ;) .

Rondrer (unregistriert) 30. August 2011 - 21:16 #

naja, dank des Links war die Anspielung ja auch nicht sehr subtil, sondern ziemlich mit dem Holzhammer :D

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29753 - 30. August 2011 - 21:58 #

Ohne Link hab ich mich nicht getraut :( .

Technicus (unregistriert) 30. August 2011 - 12:14 #

"..erscheint AMDs Veto etwas kraftlos."
Das nennt man ein Dementi. Ein Veto (ich verbiete, kommt von vetare) ist das Einlegen eines Einspruchs.
Ein Dementi ist eine Ableugnung.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29753 - 30. August 2011 - 12:25 #

Einspruch gegen die Meldung, dass die Chips demnächst ausgeliefert werden?

volcatius (unregistriert) 30. August 2011 - 13:59 #

Dementi passt hier schon besser. Mit einem Veto will und kann man konkret etwas verhindern.

volcatius (unregistriert) 30. August 2011 - 13:56 #

Die Geforce GTX550 TI wird wohl wieder ein MediaMarkt-Verkaufsschlager.

spinatkuchen 14 Komm-Experte - P - 2196 - 30. August 2011 - 17:00 #

Oh ja. "Nehmen sie doch die hier, die hat mehr Speicher! Kostet dann natürlich auch ein bisschen mehr." - "Aber die Zahl ist niedriger. Ist die 570 denn nicht leistungsfähiger?" - "Aber nein, das ist doch nur Marketinggetue, die Zahl hat nichts auszusagen. Der Speicher ist das, worauf es ankommt." - "Na dann"

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29753 - 30. August 2011 - 17:41 #

Du wirst lachen, es läuft oft genau anders herum. Ich war einige - zuviele - Jahre Verkäufer bei Saturn und habe mich mit vielen uneinsichtigen Kunden herumschlagen dürfen.

"Hier, den Rechner will ich, da hat die Grafikkarte so schön viel Speicher!"

"Ich würde ihnen lieber das Modell hier anbieten - etwas besser ausgestattet und gleich teuer, nur die Grafikkarte hat weniger Speicher, der ist dafür aber doppelt so schnell. Das bringt im Endeffekt mehr."

"Ach lügen sie mich nicht an, hier hat doch eh keiner Ahnung."

spinatkuchen 14 Komm-Experte - P - 2196 - 30. August 2011 - 22:00 #

Oha, aber stimmt, das kann man sich fast noch besser vorstellen. Die Zahlen sind halt so schön groß. "Meine Grafikkarte hat jetzt 4GB RAM!!!"

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29753 - 30. August 2011 - 22:07 #

Dem Verkäufer kanns übrigens recht egal sein - mit Komplettrechnern verdient man eh nix und bei den normalen Karten ist die Gewinnspanne mehr oder weniger identisch, egal wie viel RAM auf der Karte sitzt. Besonders schlimm sind aber immer die Kunden, die mit einem zusammengerollten "Fachblatt" aus dem Hause Springer unterm Arm hineinkommen und dann mit spitzen Fingern auf dubiose Bestenlisten tippen. Argumente wie "Oh, putzig, sehen sie mal, der Erstplatzierte und der Verlierer des Tests sind eigentlich baugleich - bis auf die Verpackung und den höheren Preis beim Testgewinner unterscheiden die sich gar nicht. Wie das wohl kommt?" verhallen - steht da ja schwarz auf weiß, muss also stimmen. Eigentlich müsste ich mal wieder im Einzelhandel arbeiten, dann könnte ich den Leuten meine eigenen Texte schwarz auf weiß unter die Nase reiben. "Aber sehen sie! Dort stehts doch geschrieben! Und der Mann von der Zeitung nutzt sogar meine eigenen Worte! Dann muss das doch stimmen oder? Da stehts doch geschrieben!" :D

spinatkuchen 14 Komm-Experte - P - 2196 - 30. August 2011 - 23:04 #

Großartig :D

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)