GG-Angespielt: Runespell Overture

PC
Bild von Philipp Spilker
Philipp Spilker 22468 EXP - 20 Gold-Gamer,R10,S10,C10,A10,J5
Dieser User unterstützt GG seit drei Jahren mit einem Abonnement.Betatester: War bei der Closed Beta von GamersGlobal (März bis Mai 2009) dabeiAlter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertGold-Gamer: Hat den GamersGlobal-Rang 20 erreichtArtikel-Schreiber: Hat 15 redaktionelle Artikel geschriebenAlter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertMeister-Tester: Hat 10 Spiele-/Technik-Tests veröffentlichtIdol der Massen: Hat mindestens 10.000 Kudos bekommenSilber-Archivar: Hat Stufe 10 der Archivar-Klasse erreichtSilber-Cutter: Hat Stufe 10 der Cutter-Klasse erreichtSilber-Schreiber: Hat Stufe 10 der Schreiber-Klasse erreichtSilber-Reporter: Hat Stufe 10 der Reporter-Klasse erreicht

29. Juli 2011 - 11:03 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert

Seit vielen Minuten stand er uns im dichten Schneegestöber gegenüber. Ein riesiger Wolf mit spitzen Zähnen und gefährlichem Atem aus purem Eis. Und ihm gegenüber wir, arm gekleidet in Lumpen und ohne jegliche Erinnerung. Wir kämpften bis aufs Blut – mit Pokerkarten. Als wir dem Kollaps schon nahe waren und sich unser Lebensbalken dramatisch schnell dem Nullpunkt näherte, kam endlich die Rettung. Noch während der Wolf, durch unsere ständigen Angriffe offenbar sehr gereizt, zu einem mächtigen Spezialangriff ausholte, kam unsere Chance, als wir innerhalb eines Zuges zwei Full-House-Kombinationen auf einmal zustande brachten. Mit der letzten Kraft knallten wir sie dem Wolf vor den Latz. Der jaulte kurz auf, brach dann mit einem dumpfen Laut zusammen und hauchte seinen letzten Odem aus. Endlich war die Weiterreise möglich.

Ein Fiebertraum? Nein – nur ein normaler Tag in Runespell Overture. Entwickler Mystic Box kombiniert in seinem Erstlingswerk geschickt Pokermechaniken mit einer RPG-Suchtspirale – und hat uns damit nun schon mehrere Nächte lang weit länger wach gehalten, als wir es uns selber eingestehen möchten. Als so genannter Changeling wacht ihr nahe Dänemark in einem gewaltigen Schneesturm auf und werdet direkt von Feinden überrannt, die alle mehr über euch zu wissen scheinen als ihr selbst. Runespell Overture reiht sich damit problemlos in die illustre Riege der „Held leidet unter Amnesie“-Rollenspiele ein. Bald schon stellt ihr fest: Euer Schicksal ist es, in ein altes Schloss namens Skullgrim einzudringen, das unzählige Schätze und ein mächtiges Geheimnis enthalten soll und zu dem sich noch nie eine Menschenseele Zutritt verschaffen konnte. Auch das ist eher Standard, wenn auch nicht völlig unspannend. Schaden tut dem Spiel diese Einfallslosigkeit in Sachen Story jedenfalls nicht. Denn auch wenn die Geschichte des Spiels euch nicht sonderlich überraschen dürfte, werden euch die kurzen Dialoge, die mit viel Wortwitz gespickt sind, doch gut unterhalten.


Die Dialoge in Runespell werden eher spartanisch präsentiert, sind aber sehr humorvoll geschrieben.

Die größte Stärke von Runespell Overture aber ist das Kampfsystem. Gut so: Denn mit Kämpfen werdet ihr den Löwenanteil eurer Spielzeit verbringen. Ob ihr euch nun durch eine Nebenquest etwas Zubrot verdient oder strikt dem Pfad der Hauptquest folgt: Alle eure Bestrebungen werden letztlich damit enden, dass ihr gegen jemanden kämpfen müsst. Selten handelt es sich dabei um Menschen aus Fleisch und Blut, meist tretet ihr gegen verschiedenste Fabelwesen an. Und das läuft wie folgt: Auf dem Bildschirm wird euch ein Solitaire-Kartendeck eingeblendet – eines für euch und eines für euren Gegner. Die jeweils oberste Karte ist aufgedeckt. Eure Aufgabe ist es nun, mit Hilfe der Karten Pokerkombinationen zu erstellen, die das Spiel in Angriffspunkte umwandelt. So bringt ein Full House 15 und ein Fünfling 20 Angriffspunkte. Höchstmöglichen Schaden erreicht ihr mit der Kombination Royal Flush. Uns ist das während unserer Spielzeit  nie gelungen. Einem unserer Gegner schon... ihr könnt uns glauben, dass das kein schönes Erlebnis war.

Es wird rundenweise gespielt. Pro Runde habt ihr drei Züge zur Verfügung. Ein Zug besteht zum Beispiel daraus, einen Buben aus einem Kartenstapel auf einen anderen zu verfrachten und damit eine Kombination zu starten. Aber auch, wenn ihr mit einer eurer fertigen Kombinationen den Gegner attackieren wollt, kostet das einen Zug. Hierzu muss ein Kartenstapel immer fünf Karten aufweisen. Das können aber im Notfall auch so genannte Junk Cards sein, also Karten, die euch eigentlich nicht weiterhelfen und die ihr nur zum Vervollständigen des Stapels nutzt. Wenn bei euren Karten gerade alles eher mau aussieht, könnt ihr auch euren Gegner beklauen. Stehlen dürft ihr aber nur einzelne, bereits offen liegende Karten. Sobald eine Kombination gestartet wurde, können die darin enthaltenen Karten nicht mehr gestohlen werden. Ihr solltet also immer auf der Hut sein und euch vor eurem letzten Zug gut überlegen, ob nicht noch eine Karte bei euch in der freien Wildbahn liegt, die der Gegner gerade dringend benötigen könnte. Riskiert ihr es, die Karte einzeln liegen zu lassen, um sie eventuell für eine Kombination aufzusparen, in der ihr sie wirklich gut gebrauchen könnt? Oder nehmt ihr dem Gegner jegliche Möglichkeit, sie zu stehlen, indem ihr sie auf einen anderen Stapel legt, obwohl sie euch dort nur als Junk Card dient? Solches Taktieren ist oft nötig, denn die KI agiert überwiegend klug.


Unsere Karten taugen nichts. Also setzen wir gegen diese Hexe unseren Verbündeten Hrodbrokk ein.

Noch nicht erwähnt haben wir bisher die Runespells. Das sind Fähigkeiten, die ihr im Lauf des Abenteuers von Gegnern, Verbündeten oder aus Schatztruhen erbeutet und die ihr auch für (viel) Geld bei einem Händler kaufen könnt. Diese Runespells erfordern Wutpunkte. Und die erhaltet ihr dadurch, dass ihr Schaden nehmt oder dem Gegner Schaden zufügt. Letzteres bringt mehr Wutpunkte ein als ersteres. Mit den Runespells könnt ihr dann vielerlei Dinge tun. Einige heilen euch, andere schützen euch vor einer bestimmten Schadensart, beispielsweise vor Feuer. Wiederum andere blockieren für einige Runden einen Runespell eures Gegners, geben euch für eine Runde mehr Züge, als ihr sie normalerweise hättet, oder rauben dem Gegner einen gewissen Anteil seiner Wutpunkte. Die Auswahl ist beachtlich und in einigen Gefechten werdet ihr klug kombinieren und mehrere Versuche wagen müssen, um gegen die mächtigen Gegner bestehen zu können. Einige der Runespells können nur einmalig benutzt werden und ihr müsst sie auf Vorrat kaufen, wenn ihr sie öfters braucht. Andere verfügen über eine Abklingzeit von mehreren Runden, erst dann dürft ihr sie wieder verwenden.

Runespell Overture verfügt über insgesamt 19 Hauptquests, von denen wir inzwischen bei Nummer 16 angelangt sind. Seit Beginn des Spiels sind ungefähr sieben Stunden Spielzeit vergangen, wir rechnen also mit einer Gesamtspielzeit von 9-10 Stunden. Das ist für einen Downloadtitel, der via Steam nur mit 8,99 € zu Buche schlägt, unserer Meinung nach ziemlich viel Spiel für wenig Geld. Runespell Overture sorgt dabei trotz einem starken Fokus auf die Kämpfe für genug Abwechslung. Mal fordert euch ein Gegner plötzlich dazu auf, völlig ohne Runespells gegen ihn anzutreten, mal müsst ihr euch durch Erledigen von Quests zunächst einen Gegenstand schmieden lassen, um einem übermächtigen Gegner überhaupt die Stirn bieten zu können. Und erst gestern mussten wir gegen eine Hexe antreten, die über einen Runespell verfügte, der ihr bei erfolgreicher Aktivierung elf Extrazüge in einer einzigen Runde genehmigt hätte. Da das unser sicherer Untergang gewesen wäre, lautete die Devise, sie stets unter der Anzahl von Wutpunkten zu halten, die sie benötigt hätte, um die verheerende Attacke zu benutzen. Kurz: Gelangweilt haben wir uns bisher nicht.

Wie auch im echten Leben werdet ihr euch beim Pokern in Runespell Overture ab und an einfach auf euer Glück verlassen müssen. Und während unserer Spielzeit sind wir auf zwei sehr heftige Anstiege des Schwierigkeitsgrads gestoßen – aber das hat uns eher zusätzlich motiviert als dass wir abgeschreckt worden wären. Nimmt man nun noch die liebevolle und schick aussehende grafische Präsentation hinzu, den gelungenen Soundtrack und die wuchtigen Soundeffekte während der Kämpfe, bleibt als Fazit eigentlich nur zu sagen: Wir möchten euch Runespell Overture (für PC + MAC erhältlich) empfehlen.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 58768 - 28. Juli 2011 - 19:03 #

Habe mir fast schon gedacht, dass du da was zu schreibst, Philipp :) Sehr schöner Bericht!

Ich hab die Demo davon gespielt, und die hat mir ziemlich viel Spaß gemacht. Ich überlege auch schon die ganze Zeit, ob ich gleich zugreife oder noch warte, bis... na, ihr wisst schon.

Der Soundtrack ist übrigens der aus Spellforce 2. Wirklich sehr gut!

Tassadar 17 Shapeshifter - 7747 - 28. Juli 2011 - 19:14 #

Klingt wirklich gut das Spiel. Danke für das Angespielt. Werde aber wohl auch bis dahin... warten, weil ich einfach zu viel zum Spielen haben.

Der Soundtrack ist der aus Spellforce 2? Wie kommt's denn dazu?

John of Gaunt Community-Moderator - P - 58768 - 28. Juli 2011 - 19:17 #

Ich hatte da zuerst nur eine Vermutung, die sich dann via Youtube bestätigt hat. Dort hat dann jemand geschrieben, dass die Musik auch in Runes of Magic verwendet wird. War mir auch neu. Wie das aber kommt, kann ich mir nicht erklären.

Olphas 24 Trolljäger - - 46967 - 28. Juli 2011 - 21:20 #

Ich hab beim Spielen der Demo neulich die ganze Zeit überlegt, woher ich die Musik kenne. Hab ich es mir also nicht nur eingebildet!

Anonymous (unregistriert) 28. Juli 2011 - 19:48 #

Danke für die Empfehlung.
Hört sich nach einem Spiel an, wie ich es mag.
Und ohne den Artikel hätte ich es sicher "übersehen".

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9857 - 28. Juli 2011 - 21:15 #

Sieht sehr interessant aus, aber da warte ich mal noch auf nen Deal. Hab eben erst bei Runaway zugeschlagen :-)

Olphas 24 Trolljäger - - 46967 - 28. Juli 2011 - 21:24 #

Ich hab neulich die Demo angespielt und war ziemlich angetan von dem Spiel. Hat Ähnlichkeiten mit Puzzle Quest, aber eben mit Poker (inklusive Kartenklau) statt mit Bejeweled-Einlagen. Die Kämpfe fand ich richtig spannend, vor allem wenn die Gegner besonderes Timing brauchen und man schon einiges an Alliierten und Fähigkeiten hat. Das werd ich mir demnächst mal kaufen, wenn ich den Rest von meinem Steam Summersale-Stapel abgebaut hab.

Wurstdakopp 14 Komm-Experte - 1873 - 28. Juli 2011 - 21:27 #

Demo ist nett, mit aber keine 8,99€ wert. Bei einem passenden Deal wird es aber geholt, unter 5 € dürfte es ja noch rutschen.

Avrii (unregistriert) 28. Juli 2011 - 21:34 #

Kartenspiele auf'fen PC waren schon immer großer Mist. Hier gibs keine Ausnahme zu sehen.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 29. Juli 2011 - 12:11 #

Das ist eine derart fundierte Meinung, dass mir gerade echt kein Konter einfällt.

Maverick 30 Pro-Gamer - - 166361 - 28. Juli 2011 - 21:44 #

Werd mir mal die Demo saugen und ins Spiel reinschnuppern, klingt schon mal interessant. :)

Claus 28 Endgamer - - 108684 - 28. Juli 2011 - 22:19 #

Klingt sehr interessant. Danke für den Hinweis!

Markus 13 Koop-Gamer - 1322 - 29. Juli 2011 - 11:07 #

Klingt wirklich interessant! Werd aber auch einen Deal dazu abwarten.

Marco Büttinghausen 19 Megatalent - P - 19331 - 29. Juli 2011 - 17:43 #

Was, keine Wertungszahl am Ende...dann weiss ich ja gar nicht was ich jetzt davon halten soll!!

Scherz beiseite, ich hatte das Spiel die Tage schonmal auf dem Schirm, dank des positiven Tests werd ich es jetzt vermutlich am Wochenende kaufen.

Edit: Da 9.99$ grad nur noch 6.94€ wert sind, hab ich jetzt schon zugeschlagen.

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)
Mitarbeit
Casual Game
Karten-/Brettspiel
nicht vorhanden
nicht vorhanden
Mystic Box
Mystic Box
20.07.2011
Link
7.2
PC