EA gewinnt vor Gericht gegen Nachkommen von John Dillinger

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22. Juni 2011 - 9:42 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert

Der Publisher EA hat vor einem Bezirksgericht im US-Staat Indiana den Prozess gegen einen Nachkommen von John Dillinger gewonnen. Damit endet eine fast zweijährige juristische Auseinandersetzung, die sich an der Frage entfacht hatte, ob virtuelle Maschinengewehre den Namen eines berüchtigten Bankräubers tragen dürfen.

Der Unterlegene, Jeffery Scalf, ein Enkel von John Dillingers Halbschwester, ist gleichzeitig auch Vorsitzender der Firma Dillinger LLC. Trotz seiner stark verwässerten Blutsverwandschaft mit John Dillinger nimmt Scalf für sich das alleinige Recht in Anspruch, über die Verwendung des berühmten Namens zu entscheiden. Seit rund 10 Jahren durchforstet er das Netz auf Hinweise, ob und in welcher Form der Name Dillinger missbräuchlich Verwendung findet.

Die Liste von Leuten, die sich nach Scalfs Meinung ungerechtfertigt bereichern ist lang: kleine Restaurants, die Burger und Bier unter dem Namen Dillinger anbieten, Bands die ihre CDs dementsprechend betiteln oder aber Museen und Touristenattraktionen, die ohne Scalfs Zustimmung eine Ausstellung über den Bankräuber veranstalten. Vor rund zwei Jahren dann die Sache mit EA, die in den Spielen Der Pate und Der Pate 2 das bekannte Thompson Maschinengewehr in Dillinger Gun umbenannten.

Aus Sicht von Scalf und seiner Firma ein klarer Verstoß, der eine Klage in Millionenhöhe nach sich zog. Tatsächlich war dieser Schritt aus seiner Sicht erfolgversprechend, denn schon 2006 hatte ein Gericht im Staat Indiana geurteilt, dass die Persönlichkeitsrechte und damit die kommerzielle Nutzung eines Namens im Falle des Todes auf seine Nachkommen übergehen.

Die Anwälte von EA hielten dagegen und zogen mit niemand Geringerem als Marilyn Monroe vor den Kadi. 2007 hatte ein Gericht in New York den Nachkommen der Schauspielerin die Namensrechte aberkannt, weil das Gesetz erst nach dem Tod der prominenten Blondine in Kraft getreten war.

So sah das im vorliegenden Fall auch die vorsitzende Richterin Jane Magnus-Stinson, die die Ansicht vertrat, dass auch das oberste Gericht im Staat Indiana die entsprechenden Regelungen zum Persönlichkeitsrecht nicht auf Personen anwenden würde, die vor deren Einführung verstorben sind. Sie erkannte ebenfalls an, dass die Namensgebung der virtuellen Maschinengewehre unter die Meinungsfreiheit fällt. Der Name und die Person Dillingers seien in der populären Kultur durch zahlreiche Filme verstärkt mit dem Thompson Maschinengewehr verknüpft worden.

Heretic (unregistriert) 22. Juni 2011 - 9:47 #

Allein wie der Typ vorgeht zeigt, dass es ihm nur ums Geld geht. Es wäre folglich auch eine Schande gewesen, hätte er den Prozess gewonnen.

beagel 09 Triple-Talent - 293 - 22. Juni 2011 - 10:25 #

He, wir leben immernoch in einem Rechtsstaat. Ich find das immer sehr nervig wenn Leute mit solchen Kommentaren Unverständniss für eine unserer Grundordnungen zeigen.

Heretic (unregistriert) 22. Juni 2011 - 10:35 #

Dann erklär' mir mal inwiefern es dem Typen schadet, dass man den Namen eines verstorbenen Verbrechers, mit dem er entfernt verwandt ist, irgendwo verwendet!

Der Typ sucht verzweifelt danach um Kapital daraus zu schlagen, das ist alles.

JakillSlavik 17 Shapeshifter - 7072 - 22. Juni 2011 - 10:42 #

Ich lese da kein Stück von "unserer" Grundordnung, aber wenn du das nervig findest ... *schulterzuck*

Mithos (unregistriert) 22. Juni 2011 - 11:07 #

Genau, wir müssen in einer solchen Ordnung* leben. Die beteiligten Akteure nicht mehr, die sind längst tot. Das wird uns in Zukunft immer stärker auf die eigenen Füße fallen, wenn hinter jedem Begriff die juristische Urheber-, Marken- oder sonstige -Rechtskeule wartet.
Bis wir entscheiden, dass so etwas in dem Maße nicht länger politisch wünschenswert ist und die Grundordnung ändern.

* zwar nicht in der im Artikel genannten, aber in einer Ähnlichen

Hyperbolic 15 Kenner - P - 3923 - 22. Juni 2011 - 16:47 #

Seid ihr alle Amerikaner oder warum haltet ihr das für unsere Grundordnung?

DerStudti (unregistriert) 22. Juni 2011 - 14:00 #

EA will Geld mit der Verwendung des Namens machen. Der Erbe will Geld mit der Verwendung des Namens machen. Und die Rechtsanwälte wollen mit dem Streit um die Verwendung des Namens Geld machen. Ich sehe da niemanden moralisch im Vor- oder Nachteil.

xaan (unregistriert) 23. Juni 2011 - 10:31 #

Ich halte es nicht für moralisch verwerflich, wenn in Kultur und Kunst Personen der Zeitgeschichte referenziert werden. Es dagegen verbieten zu wollen dagegen durchaus. Stell dir mal vor, es würden jedes mal die Nachkommen klagen, wenn ein Spiel/Film/Buch auf irgendeine bekannte verstorbene Persönlichkeit bezug nimmt?

DerStudti (unregistriert) 23. Juni 2011 - 12:20 #

Ich beziehe mich auf den konkreten Fall. In diesem diente der Rückgriff auf den Namen des Verstorbenen vermutlich nicht künstlerischen oder atmosphärischen Zwecken, sondern der Umgehung von Lizenzzahlungen an den Rechteinhaber der korrekten Benennung der MP. Es geht also nicht um die Frage künstlerischer Freiheit, da die Verwendung aus niederen Motiven (Profitstreben) erfolgte. Moralisch kämpfen die beiden Parteien in meiner Interpretation somit auf niedriger Augenhöhe.
Lieder, Filme und Spiele werden sich generell stets den Vorwurf gefallen lassen müssen, mit der Nutzung bestimmter Namen und Begriffe nicht künstlerische Ziele zu verfolgen, sondern einen stärkeren Abverkauf erzielen zu wollen. In vielen Fällen, etwa bei sarkastischer Auseinandersetzung, historischer Dokumentation oder ironischer Überzeichnung, stehe ich voll hinter Deiner Meinung: Mit ihrem Eintritt in den Kreis der Personen und Gegenstände der Zeitgeschichte werden bestimmte Subjekte und Objekte hierfür moralisch eindeutig nutzbar. Den in der News dargelegten Rechtsstreit sortiere ich aber in die Restkategorie ein.

Crizzo 18 Doppel-Voter - P - 11022 - 22. Juni 2011 - 9:52 #

Dann darf man annehmen, dass er für den Film "Public Enemies" mit Johnny Depp als "John Dillinger" schon ordentlich abgesahnt hat?

Alex Hassel 19 Megatalent - 17895 - 22. Juni 2011 - 9:59 #

Er war zumindest daran beteiligt. Ob finanziell weiß ich nicht, aber er hatte es sich wohl zur Aufgabe gemacht, Depp und Mann als Berater zur Seite zu stehen, um ihnen den "wirklichen", den Menschen Dillinger nahezubringen.

Ein Großteil seiner Bemühungen resultiert wohl daher, dass er seiner Großmutter versprochen hat, alles zu tun, um Schmutz vom Andenken Dillingers abzuhalten.

Crizzo 18 Doppel-Voter - P - 11022 - 22. Juni 2011 - 10:02 #

Bei dem Film macht für mich der Name auch Sinn. Aber wieso man die Thompson umbenennen musste, ist mir nicht klar.

JakillSlavik 17 Shapeshifter - 7072 - 22. Juni 2011 - 10:44 #

Wahrscheinlich wieder eine Lizenzgeschichte und die Assoziation zwischen Thompson und Dillinger Gun - wie oben zu lesen - ist scheinbar vorhanden.

Diraha (unregistriert) 22. Juni 2011 - 13:10 #

"Ein Großteil seiner Bemühungen resultiert wohl daher, dass er seiner Großmutter versprochen hat, alles zu tun, um Schmutz vom Andenken Dillingers abzuhalten."

Interessant. Laut Wikipedia war Dillinger Zeit seines - kurzen - Lebens Verbrecher und Bankräuber und hat objektiv gesehen nichts Produktives geleistet. Da verstehe ich dieses "Versprechen" nicht wirklich...

Alex Hassel 19 Megatalent - 17895 - 22. Juni 2011 - 13:46 #

Es geht ihm wohl hauptsächlich um einen Mord, der Dillinger angehängt wird, der aber nie eindeutig nachgewiesen wurde bzw. es nicht zur Verhandlung kam, weil Dillinger schon tot war. Das ist wohl der große Aufhänger, an dem sich Scalf so abarbeitet: das Dillinger ein Krimineller war und Banken ausgeraubt hat, bestreitet er nicht, nur möchte er verhindern, dass Dillinger als Mörder bezeichnet wird.

Angesichts des mehr als fragwürdigen Lebenswandels und der Tatsache, dass Dillingers Gang nachweislich mehrere Personen ermordet hat, ist dieses Bemühen aber in der Tat merkwürdig und eigentlich kaum nachvollziehbar.

Ich könnte es mir noch am ehesten so erklären, dass sich das Image eines modernen Robin Hoods halt besser vermarkten lässt ohne einen Mord in der Akte stehen zu haben. Ein Robin Hood war Dillinger zwar auch nicht, aber die Medien haben es ihm trotzdem verpasst. Bei Jesse James war das ja ähnlich, da hat sich ein riesiger Zirkus um einen Verbrecher aufgetan, der all die üblen Details ausgespart hat und einen ziemlich miesen Typen zum Retter der Geknächteten gemacht hat.

mihawk 18 Doppel-Voter - P - 12982 - 22. Juni 2011 - 9:53 #

Oh Gott, hat die Welt sonst keine Probleme ???

Imperitum 18 Doppel-Voter - 9391 - 22. Juni 2011 - 10:01 #

"Seit rund 10 Jahren durchforstet er das Netz auf Hinweise, ob und in welcher Form der Name Dillinger missbräuchlich Verwendung findet."
Der Satz sagt wohl schon so ziemlich alles über den Menschen aus. Einfach auf der Suche, nach dem schnellen Geld. Zumindest hat er dies mit seinem entfernten Verwandten gemein.

BiGLo0seR 21 Motivator - 29236 - 22. Juni 2011 - 13:55 #

Hehehe^^ dem kann ich nur zustimmen.
Dieser eine Einleitungssatz sagt alles über seine Ziele aus.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 22. Juni 2011 - 23:37 #

Erinnert das noch irgendwen an einen freiherrlichen Rechtsanwalt...? *g

Anonymous (unregistriert) 22. Juni 2011 - 14:22 #

Hey der Dillinger sah ja schon irgendwie Cool aus^^

Deadpool 12 Trollwächter - P - 1150 - 22. Juni 2011 - 17:42 #

Wie ein junger Josef Fritzl, das kann doch kein Zufall sein!

ganga Community-Moderator - P - 15577 - 22. Juni 2011 - 22:11 #

Wo ist da denn jetzt bitte der Zusammenhang?

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33763 - 22. Juni 2011 - 17:24 #

Übrigens sehr gut geschriebene News, das muss ich schon sagen. Nur das "Beer" würde ich noch eindeutschen. ;-)

ADLER78 05 Spieler - 48 - 22. Juni 2011 - 19:43 #

Unglaublich. Anstatt sich eine ordentliche Arbeit zu suchen, hält der Richter von wirklich wichtigen Entscheidungen ab, oder sie zumindest mit seinem Versuch an leichtes Geld zu kommen, ab.

Alex Hassel 19 Megatalent - 17895 - 22. Juni 2011 - 19:54 #

Scalf arbeitet laut einem Artikel von 2007 im Management der Indiana Pacers.

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