Hacker-Attacken ein NATO-Bündnisfall?

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1. Oktober 2010 - 22:53

Sollen Hacker-Angriffe künftig mit dem Einsatz von konventionellen Waffen vergolten werden? Eine Frage, die sich die Mitglieder der NATO (engl. North Atlantic Treaty Organization) zur Zeit stellen. Klar ist, dass sich die NATO in Zukunft mehr um das Internet als möglichen Kriegsschauplatz kümmern möchte und deswegen auch die Bekämpfung von virtuellen Angriffen in ihre Agenda aufnehmen will, wie tagesschau.de berichtet.

So erklärte der Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, William Lynn: "Täglich versuchen etwa 100 ausländische Geheimdienste, in unsere Systeme einzudringen." Es sei billiger, Hacker zu bezahlen als Panzer, Flugzeuge und Schiffe zu kaufen, aber dennoch effektiv. Mit dem Ansinnen, den Hacker-Angriffe gemeinsam entgegen zu treten, trifft Lynn auf offene Ohren: Das Thema Cyber-Attacken soll im neuen strategischen Konzept des Verteidigungsbündnisses auftauchen, das im November beschlossen werden soll.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen habe in dem Papier bewusst offen gelassen, wann ein virtueller Angriff ein Bündnisfall sein könnte und wann die NATO mit konventionellen Waffen zurückschlagen könnte. Schon jetzt können Hacker-Angriffe über Leben und Tod entscheiden, sagt General Kurt Hermann, Leiter der NATO-Agentur für Kommunikations- und Informationssysteme NCSA:

Wenn Hacker in lebenswichtige Systeme einzugreifen oder bestimmte Datenbanken verändern können, ohne dass die Nutzer gewahr werden, was sich dort vollzogen hat, kann das natürlich auch schon ganz konkret Leben bedrohen.

Wie etwa bei Angriffen auf zivile Stromnetze oder die militärische Kommunikation. Sollte ein solches Ereignis tatsächlich eintreten, ist im Entwurf des Konzeptes vorgesehen, dass die Mitgliedsländer über konventionelle Gegenschläge beraten können.

McStroke 14 Komm-Experte - 2276 - 2. Oktober 2010 - 13:43 #

Ich bin ein wenig verwundert, dass es zu diesem sehr interessanten Thema hier noch keine Kommentare gibt.

Ich denke der Bündnisfall sollte sich auch auf Attacken aus dem Internet anwenden lassen, was ja nicht zwingend den Einsatz von Waffen nach sich zieht. Nach den Anschlägen auf das World Trade Center wurde ja auch der Bündnisfall ausgerufen, aber Deutschland beispielsweise hat sich nur mit Aufklärungsflugzeugen beteiligt. Ich sehe hier daher ein probates Mittel zumindest abzuschrecken, beispielsweise die (vermutlich) vom Staat unterstützten Hacker aus China. Generell bin ich ja sehr für Datenschutz und Freiheit im Internet, und halte garnichts von dieser Sicherheitshysterie wie sie viele Politiker verbreiten, jedoch geht es ja hier in den Bereich Verteidigungspolitik, wo ich es für sinnvoll erachte eine klare Linie gegen virtuelle Angriffe zu finden. Ich hoffe nur, dass wird dann nicht in Richtung totale Überwachung entwickelt.

floxyz 16 Übertalent - P - 4853 - 2. Oktober 2010 - 16:01 #

Österreich gehört nicht zur NATO, demnach kann ich jetzt nicht so viel dazu sagen aber man sollte sich auf jeden Fall auf einen "Cyber-Krieg" vorbereiten. Heute wurde bekannt dass das österreichische Außenministerium von chinesischen Hackern "angegriffen" wurde. Gott sei Dank konnt man, angeblich, den Vorfall früh genug bemerken und entsprechend reagieren.
Ich glaube aber dass viele Staaten die Gefahren die durch Computer Netzwerke entstehen verkennen da die verantwortlichen Politike damit oft nichts anfangen können und das Thema richtig behandeln (wie auch bei sogenannten Killerspielen).
Solange es aber keinen westlichen Staat so trifft wie den Iran momentan wird es leider auch kein Umdenken geben.

Fyyff 11 Forenversteher - 681 - 2. Oktober 2010 - 17:38 #

Die Idee ist Blödsinn. Dann hätte man quasi permanent Krieg. Nichts anders ist der "Bündnisfall". Das mag zwar die Amerikaner nicht stören, weil die ja schon länger quasi im Dauerkrieg gegen irgendwas sind, aber die Kiste müssen wir dann nicht auch noch aufmachen.

Henry Heineken 15 Kenner - 3569 - 2. Oktober 2010 - 21:29 #

Like!

Mox 07 Dual-Talent - 109 - 2. Oktober 2010 - 21:34 #

Nur mit Aufklärungsflugzeugen beteiligt? Und wie kommen dann über 4000 Bundeswehrsoldaten nach Afghanistan? Kommt noch die Beteiligung der deutschen Geheimdienste und KSK dazu.

Bin aber auch schwer dafür.

Mithos (unregistriert) 4. Oktober 2010 - 17:21 #

Nix, wenn wir nach den Anschlägen auf das WTC tatsächlich den Bündnis-Fall gehabt hätten, dann hätte in D. auch der Verteidigungs-Fall ausgerufen werden müssen. Dem war aber nicht so.

Im Übrigen sind ein Angriff auf IT-Systeme und ein Angriff mit (para)militärischen Mitteln (physische Gewalt) immer noch zwei ganz verschiedene Dinge. Wenn die jetzt zu dem gleichen Bündnis-Fall führen sollen steht das in keinerlei vernünftigem Verhältnis.

Mox 07 Dual-Talent - 109 - 5. Oktober 2010 - 1:15 #

Mh, ich empfehle zur Lektüre den Wikipedia Artikel zur Nato:

"Unmittelbar nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den USA setzte die NATO erstmals in ihrer Geschichte den Bündnisfall (Kollektiver Verteidigungsfall[7]) nach Artikel 5 des NATO-Vertrages, auch Washingtoner Verträge genannt, vorläufig in Kraft, am 1. Oktober 2001 vollständig."

(Seite „NATO“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. September 2010, 06:58 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=NATO&oldid=79643745 (Abgerufen: 4. Oktober 2010, 23:14 UTC) )

Mithos (unregistriert) 5. Oktober 2010 - 19:36 #

... und im selben Artikel, nur einen Absatz weiter unten:

"Obwohl die Mitglieder in dem Angriff auf das World Trade Center noch einen bewaffneten Angriff sehen, der den Bündnisfall nach Artikel 5 auslöste, kam es hinsichtlich der zu ziehenden Konsequenzen bei den Regierungen der NATO-Mitgliedstaaten zu teilweise völlig unterschiedlichen Einschätzungen."

Ok, dann halt doch kein Verteidigungsfall. Wusste nicht, dass diese Drohkulisse "Greif mich nicht an, ich hab Verbündete" in Wahrheit relativ schwach ist. Aber das haben sie wohl dadurch schon abgeschwächt, in dem sie den möglichen Auslöser zuvor auf Terror-Anschläge erweitert haben. Nun wird noch "Hacker-Attacke" als Auslöser hinzu kommen und im Ergebnis wird der Bündnis-Fall nicht einmal mehr Beachtung finden.

McStroke 14 Komm-Experte - 2276 - 3. Oktober 2010 - 13:18 #

Die Soldaten waren aber als Teil der Enduring Freedom Mission in Afghanistan, was nicht unmittelbar mit dem Bündnisfall zusammenfällt, da dieser ja nur im Verteidigungsfall greift. Jetzt mag man diskutieren können ob der krieg in Afghanistan noch zur Verteidigung zählt, aber das Selbstverständnis der Bundeswehr beruft sich wohl eher auf Bündnistreue, aber nicht den Bündnisfall. Mittlerweile sind die Soldaten in Afghanistan auch nur och unter ISAF-Mandat dort, was von der UN verabschiedet wurde.

Man möge mich berichtigen wenn ich total daneben liege :)

Mithos (unregistriert) 4. Oktober 2010 - 17:25 #

Dann ruft schon mal den Bündniss-Fall aus:
Der digitale Erstschlag ist erfolgt:
faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E8A0D43832567452FBDEE07AF579E893C~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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