Hardware-News KW 35: Amiga, GT420 und Videobrillen
Teil der Exklusiv-Serie Hardware-News

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Dennis Ziesecke 29629 EXP - Freier Redakteur,R10,S10,C9,A8,J10
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10. September 2010 - 14:57 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
IFA wohin man schaut - nicht mehr die CeBit gibt in der Computerbranche den Takt an sondern die Funkausstellung in Berlin. Einige Neuvorstellungen präsentiert der aktuelle Hardwareroundup: Unter anderem zeigte Hauppauge neue TV-Lösungen für PC, Mac und iPad, und die Techniker von Carl Zeiss zeigen, wie man den unhandlichen Teil der 3D-Fernsehkombination "TV+Brille" einsparen kann - den Fernseher. Doch beginnen wir mit einer heimlichen und ungewohnt leisen Produkteinführung ganz ohne Werberummel.

NVidias Mediamarkt-Fermi – GT420 aka GF108

Normalerweise starten neue Grafikprodukte aus dem Hause NVidia mit einer fulminanten Werbekampagne, vielen Pressemustern und entsprechend umfangreichen Benchmarkstrecken. Bei NVidias GT420 hingegen ist alles anders – Hardwareredakteure sparen sich die Benchmarks, die Grafikkartenproduzenten die teure Werbung. Diskussionen in Hardwareforen klingen nicht enthusiastisch sondern eher bemitleidend. Man merkt - bei der GT420 handelt es sich zwar um einen Verwandten der potenten Fermi-Generation, allerdings eher um einen von der Sorte Verwandter, die viel prahlen und wenig davon auch halten können.


NVidia GT420 OEM - glücklicherweise nur in Komplettrechnern zu finden.

Mit nur 48 CUDA-Cores (der Rest der Grafikwelt spricht noch von Shaderprozessoren) verbleiben der GT420 nur 10% der Recheneinheiten einer GTX480, Auch das Speicherinterface wurde auf 128 Bit heruntergeschraubt, statt teurem GDDR5-RAM kommt nur noch langsamer DDR3-Speicher zum Einsatz. Der Grafikchip taktet immerhin mit 700 MHz, die Shaderdomäne entsprechend mit 1400 MHz. Beim Speicher kommen vergleichsweise flotte Modelle mit 1800 MHz Taktfrequenz zum Einsatz. Natürlich wird eine solche Karte keine Polygonbäume ausreißen können – selbst mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Geforce 8800GT-Karten verfügen über 112 der wichtigen Shadereinheiten. Trotz neuer Architektur kommt die GT420 also für Spieler nicht in Frage. Bei diesem Modell fällt es allerdings auch leicht, der Verlockung zu widerstehen, es handelt sich nämlich um eine sogenannte OEM-Grafikkarte - ein Modell, das ausschließlich für den Einsatz in (hoffentlich) preiswerten Komplettrechnern gedacht ist. 

Und um bei unbedarften Elektrodiscounterkunden punkten zu können, verbaut NVidia gleich beeindruckend klingende 2 Gigabyte Speicher auf der Karte. Gut informierte GamersGlobal-Leser wissen natürlich, dass die Menge des Grafikspeichers absolut unerheblich ist, wenn die Karte ansonsten nur sehr langsam rechnet. Für hochauflösende Texturen oder hohe Kantenglättungsstufen, bei denen man diese Menge an Speicher benötigen würde, ist die GT420 viel zu langsam, so dass ein Großteil des RAMs ungenutzt bleiben wird. Wer also in aktuellen Werbeprospekten angebliche Highend-Gamer-Computer sieht, die mit einer "topaktuellen DX11-Grafikkarte" und "sagenhaften 2 GB Grafikspeicher!" beworben werden darf sich zurück lehnen und lächelnd die Geldbörse stecken lassen. Sollte dennoch die Anschaffung eines neuen Rechenknechtes geplant sein, dürfte ein Blick in die GamersGlobal-Beispielsysteme interessant sein.

Auf den C64 folgt der Amiga – Commodore strikes back?

Erst vor wenigen Tagen berichtete GamersGlobal unter der zugegebenermaßen etwas zweideutigen Überschrift "PC64 - Atombetriebener Brotkasten" von einem Wohnzimmercomputer im Retrolook. Commodore USA scheint sich aktuell stark auf die bekanntesten Computermarken der 1980er Jahre zu konzentrieren. Nach dem PC64 soll jetzt auch ein neuer Amiga die Herzen von Computerfans erobern. Dass dabei auch eine Replik des Original-Amiga-Gehäuses zum Einsatz kommt darf angesichts der geplanten Hardware bezweifelt werden. Im Gegensatz zum genügsamen PC64 setzt Commodore USA nämlich nicht auf energiesparende Atom-Technik sondern plant einen flotten Intel Core-i7 mit 2,66 GHz als Rechenherz einzusetzen. Die Grafik soll mit dem NVidia GT330M ein Mobilgrafikchip übernehmen, gespeichert wird in 4 GB DDR3-RAM und auf einer 2 TB großen Festplatte. Auch von einem Blu-Ray-Laufwerk konnten die Amiganutzer im vergangenen Jahrtausend nur träumen, allerdings plant Commodore kein 3,5"-Diskettenlaufwerk mehr ein.


Wird der neue Amiga so aussehen? Diese Rendergrafik stammt zumindest von Commodore USA.

Als Betriebssystem ist natürlich Windows 7 einsetzbar, allerdings plant Commodore auch eine volle Kompatibilität zum freien Betriebssystem AROS, welches wiederum kompatibel zum AmigaOS ist. Vielleicht sollte man also doch über ein 3,5"-Diskettenlaufwerk nachdenken. Der Preis für den neuen Amiga steht noch nicht fest, Commodore scheint die Markteinführung bereits Ende 2010 zu planen. 

Fernsehen mit dem iPad

Eine interessante Neuvorstellung im Bereich Multimediahardware hat der amerikanische Hersteller Hauppauge (laut Firmenvertretern "Happag" ausgesprochen um diese Diskussion an dieser Stelle gleich zu beenden) auf der IFA präsentiert: das PCTV Broadway. Unter dem Label der Tochterfirma Pinnacle erscheint mit dem Broadway eine TV-Sendestation für das heimische Netzwerk. Die kleine Box enthält zwei DVB-T-Tuner um freies terrestrisches Fernsehen empfangen zu können. Diese TV-Daten werden anschließend per LAN oder WLAN in das heimische Netzwerk eingespeist oder direkt am Notebook oder Tablet empfangen, dank der zwei Tuner können auf den Computern auch zwei unterschiedliche Sender geschaut werden. Die Signale des TV-Tuners werden Hardwareseitig in das H.264-Format umgewandelt und mittels einer Webanwendung auf dem jeweiligen Anzeigegerät wiedergegeben. So ist es auch möglich, das heimische Fernsehprogramm via Internet im Ausland zu empfangen – eine schnelle Internetverbindung vorausgesetzt natürlich. Die PCTV-Broadway-Box verfügt auf der Rückseite über zwei USB-Anschlüsse, an die sich noch weitere TV-Sticks anbinden lassen sollen. So steht auch einem Empfang von DVB-S(2) oder DVB-C nichts im Wege.

Da beim Empfang auf eine webbasierte Lösung gesetzt wird anstatt die Installation einer Zusatzsoftware zu erfordern, werden deutlich mehr Systeme unterstützt als es bei herkömmlichen TV-Lösungen der Fall ist. Kann man bei einem einfachen DVB-T-Stick schon froh sein, wenn das Gerät unter Windows 7 funktioniert, ermöglicht die Streaminglösung per Browser auch die Nutzung am Mac, unter Linux und sogar am iPhone oder iPad.  Der Handel soll bereits im Oktober mit dem PCTV-Broadway beliefert werden, der Verkaufspreis soll bei 200 Euro liegen.

3D-TV ohne Fernseher - Carl Zeiss Cinemizer OLED

Für stereoskopischen 3D-Genuss benötigt man heutzutage ein möglichst großes Fernsehgerät und eine 3D-Brille. Auch auf der IFA war das in den meisten Fällen nicht anders zu beobachten, von gelegentlichen Versuchen mit autostereoskopischen Displays ohne Brille einmal abgesehen. Die Techniker der Carl Zeiss AG hingegen arbeiten an der schon aus vielen Science-Fiction-Romanen bekannten Technik einer Videobrille. Solche Brillen sind an sich keine neue Entwicklung, schon seit vielen Jahren ist es möglich sich mehr oder weniger unhandliche Geräte auf den Kopf zu setzen um an meist eher unergonomischen Bildschirmen oft verschwommene Bilder zu betrachten. Dank modernen organischen Displays, sogenannten OLEDs, ist der Carl Zeiss AG jetzt gelungen, viele der Nachteile bisheriger Videobrillen zu entfernen. Die in der Cinemizer OLED verbauten Displays nutzen eine höhere Auflösung als bisherige Modelle, was der Bildqualität zugute kommt. Aufgrund der Tatsache, dass bei einer Videobrille sowieso zwei getrennte Bildschirme zum Einsatz kommen, ist es problemlos möglich, dreidimensionales Film- oder Spielmaterial ohne Umwege über Polfilter oder Shuttertechniken anzuschauen. Anstatt mühsam jedem Auge das entsprechende Material zuzuführen, zeigt hier einfach der Bildschirm für das rechte Auge auch nur die Bilder die für das rechte Auge bestimmt sind an. Weiterhin arbeitet man an einer Version der Cinemizer-Brille mit Headtracking, so dass es auch möglich wäre, sich in entsprechend programmierten Umgebungen per Kopfbewegung umzuschauen.


Carl Zeiss Cinemizer OLED - 3D-Videobrille mit OLED-Displays und guter Bildqualität


Im Gegensatz zur bereits seit einiger Zeit erhältlichen Cinemizer-Brille nutzt das OLED-Modell nicht nur eine höhere Auflösung sondern arbeitet auch im 16:9-Verhältnis. Weiterhin steht statt einer analogen Videoverbindung jetzt auch HDMI zur Verfügung, was den Anschluss an Spielekonsolen, Blu-Ray-Player und Computer erleichtert. Die Cinemizer OLED soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen, ein Preis steht leider noch nicht fest.


bonesaw 12 Trollwächter - P - 1133 - 6. September 2010 - 14:41 #

Geordi LaForge!

Poledra 18 Doppel-Voter - 12230 - 7. September 2010 - 17:35 #

War auch mein erster Gedanke, als ich die Brille sah :)

Was ist eigentlich mit den Brillenträgern, die können diese Technikneuheit wohl eher nicht nutzen!

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29629 - 7. September 2010 - 17:46 #

Naja, wenn da ne schlaue Software dran hängt und die Dioptrinwerte passend ins Bild rechnet..

Poledra 18 Doppel-Voter - 12230 - 7. September 2010 - 20:16 #

Wenn es mal nur die Dioptrinwerte wären, aber dann kommt da noch der Zylinder, die Achse etc.
Es gibt aber jede Menge fehlsichtige Menschen (=Anwender/Käufer), da könnte sich eine Softwareentwicklung evtl. lohnen.

Tchibo 13 Koop-Gamer - 1448 - 21. September 2010 - 10:31 #

Also laut CarlZeiss WEbseite kann das Vorgängermodell Dioprtinwerte von +3.5 bis -3.5 "kompensieren"
Zitat Website:
"Dioptrieneinstellung:
+3,5 bis –3,5, beidseitig getrennt und stufenlos einstellbar."

Gecko 13 Koop-Gamer - 1518 - 6. September 2010 - 15:17 #

Schwer zu glauben fällt ja erst mal die News mit dem neuen Amiga!

Würde mir eine erfolgreiche Markteinführung schon sehr wünschen und gerne bald "echte" Bilder sehen.. ;)

Anonymous (unregistriert) 6. September 2010 - 15:32 #

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Augen sonderlich begeistert sein werden, auf ein Bild in wenigen Zentimeter Abstand zu fokussieren. Augen- und/oder Kopfschmerzen dürften sich nach ca. 20 Minuten Benutzung langsam, aber sicher einstellen.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29629 - 6. September 2010 - 15:38 #

Ich hab mit der alten Cinemizer mal nen ganzen Film geschaut - die Bildqualität war zwar nicht so berauschend, Kopfschmerzen hatte ich allerdings nicht am Ende.

Passa (unregistriert) 6. September 2010 - 15:42 #

Lange lebe der Amiga!

Und wenn es nur das Gehäuse ist das dem ähnlich ist und im inneren moderne Technik steckt, so macht mein Herz Sprünge und kribbelt mein Magen, wenn ich an den Amiga denke.

Aber mal AROS drauf laufen lassen wäre schon ein kleiner 'Nostalgiekick' :)

Hyperbolic 16 Übertalent - P - 4212 - 6. September 2010 - 19:05 #

Ich war etwas überrascht das "Commodore USA" einen Amiga rausbringen kann, aber wie ich gelesen habe, haben sie grade am 1.9. die Rechte für den Bau von Hardware mit diesen Namen von Amiga gekauft.

volcatius (unregistriert) 6. September 2010 - 19:13 #

Die GT420 scheint wirklich die nächste Media-Markt-Grafikkarte zu sein.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29629 - 7. September 2010 - 8:38 #

Hersteller wie Acer (und damit die Tochterfirmen Packard-Bell und eMaschines), HP (und Compaq), Medion (Life) oder auch Asus werden schon lieb bei NV gefragt haben (OK, "Druck gemacht") ob eine solche Karte für den OEM-Markt nicht machbar ist. Viel RAM, tolle neumodische Fachbegriffe (2 GB ultrahypermegaschnelles DDR3!!! DX11!!!!) und ein OEM-Preis von voraussichtlich unter 50 Euro klingt halt nett zusammen. Und ich kenne die Kunden, da wird dann schon mal der Rechner mit der GT420 gekauft weil eben 2 GB drauf sind und ne 4 vorne steht, obwohl der PC nebenan 200 Euro weniger kostet, bis auf die Grafikkarte identisch ausgestattet ist und sogar eine flottere GT250 verbaut hat.. "Sie haben doch keine Ahnung, mehr RAM ist immer schneller. Ich weiß doch, dass man hier keine gute Beratung bekommt." - klar..

Vomath 05 Spieler - 50 - 7. September 2010 - 18:39 #

Ganz offen? Schön auch hier auf GG mal etwas vom Amiga zu lesen. Doch seien wir offen und ehrlich. Dieser geplante Rechner hat, AROS Kompatibilität hin oder her, außer dem Namen nichts mit Amiga "Philosophie" zu tun. Dies zeigt sich ja auch darin, dass er wohl Primär mit Win7 zum Einsatz kommen soll. Da warte ich lieber auf den angekündigten AmigaOne X1000, welcher wohl eher meinen Vorstellungen eines "Next Generation" Amigas entsprechen wird. Wer mehr Informationen dahingehend möchte, kann sich ja der Suchmaschine seines Vertrauens hingeben :)

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29629 - 7. September 2010 - 20:10 #

Ich befürchte auch, die Leser von GG wären mehrheitlich nicht unbedingt die Zielgruppe eines "Hardcore-Fan-Amiga" ;) .

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 34197 - 7. September 2010 - 21:54 #

Wobei die Amiga-Zeiten schon toll waren. ich werde nie vergessen wie ein guter Freund von mir damals --wir haben beide am C64 gespielt-- den Amiga mitbrachte, an den Fernseher anschloß und er dann Defender of the Crown gestartet hat.

Mir ist die Kinnlade runtergefallen und ich habe angefangen für einen Amiga 500 Geld zu sparen :).

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29629 - 7. September 2010 - 22:03 #

Ich war auch immer neidisch auf meine Kumpels mit ihren Amigas (und trotzdem mochte ich meinen C64). Aber heutzutage wird es wohl eher wenige Zocker geben, die sich einen Computer kaufen, weil da ein Amiga-Betriebssystem drauf läuft.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 8. September 2010 - 13:32 #

Gibt ja schließlich auch noch den (Win)UAE. Den lege man auf den TV-Ausgang, et voilà. *g

Worth2die4 13 Koop-Gamer - 1436 - 8. September 2010 - 8:59 #

Die Brille klingt ja mal echt gut :-)

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