Obduktion eines Atari 2600: Eine Geschichtsstunde für Steve Jobs

andere
Bild von Ketzerfreund
Ketzerfreund 5978 EXP - 16 Übertalent,R8,S3,A6
Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertAlter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertVielspieler: Hat 250 Spiele in seine Sammlung eingetragenBronze-Archivar: Hat Stufe 5 der Archivar-Klasse erreichtLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabeiBronze-Reporter: Hat Stufe 6 der Reporter-Klasse erreichtScreenshot-Geselle: Hat 500 Screenshots hochgeladenDiskutierer: Hat 1000 EXP durch Comments erhaltenStar: Hat 1000 Kudos für eigene News/Artikel erhaltenKommentierer: Hat 100 EXP mit Comments verdientAzubi-Redigierer: Hat 100 EXP beim Verbessern fremder News verdientVorbild: Hat mindestens 100 Kudos erhalten

7. September 2010 - 13:34 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert

iFixit, eine Community-Plattform für Reparatur- und Bastelanleitungen, bietet im Rahmen ihrer "Week of Game Console Teardowns", in der das sorgfältige Zerlegen der großen Spielekonsolen der Industriegeschichte reich bebildert dokumentiert wird, einen erhellenden Einblick in das Innenleben des Atari 2600. So erhellend in der Tat, dass Brian Caulfield, Forbes-Redakteur im Silicon-Valley, sich veranlasst sah, das Augenmerk des marktinteressierten Lesers auf die Geschichte dieser Spielkonsole zu lenken. Diese enthalte nämlich eine Moral, der vor allem Apple Beachtung schenken solle. Inspiriert zu dieser Erkenntnis hatte ihn die neuerliche Vorstellung des Medienstreamers AppleTV am vergangenen Mittwoch. (GamersGlobal berichtete).

Im Jahre 1977 war im Rahmen einer direkten Positionierung gegen Fairchild Semiconductors Video Entertainment System (VES) Ataris Konsole unter der Bezeichnung Video Computer System (VCS) auf dem Markt eingeführt worden. Nachdem Fairchild daraufhin das VES in Channel F umbenannt hatte, verstrickten sich beide Firmen in eine gnadenlose Preisschlacht. Diese führte in ihrer Aggressivität dazu, dass sich unzählige der nun veralteten Pong-Konsolen nebst Klonen zu Ramschpreisen zwischen Milch und Keksen in die Supermarktregale einreihten. Die ersten Hersteller der Billig-Klone meldeten bald Konkurs an, und die beiden Kontrahenten boten ihre aktuellen Systeme letztendlich einem übersättigten Markt feil. Erst nachdem die Spielentwickler die Möglichkeiten des Atari-Systems einmal zu beherrschen gelernt hatten und, so erklärt iFixit, sich in der Kundschaft langsam die Erkenntnis darüber festigte, dass man damit auch etwas anderes spielen konnte als Pong, durchbrach der Absatz in Stückzahlen zwei Jahre nach der Markteinführung die Millionenmarke. Caulfield kommentiert dazu:

Ataris Geheimnis: Das Videospielmodul, die Antwort des Jahres 1977 auf die Apps, die iPhone und iPad so populär gemacht haben. Vor dem 2600 -- oder Video Computer System, als das er ursprünglich bekannt war -- konnten Konsolen bestenfalls ein paar Spiele bieten. Wenn ein Stück Funktionalität nicht in den Kasten gelötet wurde, konnte die Konsole sie nicht anwenden.

Darin sieht der Marktredakteur eine Lektion, die Apple-Chef (und ehemaliger Angestellter bei Atari) Steve Jobs zu lernen habe. Obwohl der AppleTV nämlich auf dem gleichen A4-Prozessor wie iPhone und iPod Touch basiere, erlaube er nicht den Zugriff auf die Softwarebibliothek von über 250.000 Apps, die den iOS-Geräten zur Verfügung steht. Offenbar wenig von Apples Marktpolitik beeindruckt endet Caulfield mit den Worten:

Entweder will Steve Jobs diese Richtung also nicht einschlagen, oder Apple hält einen gigantischen zweiten Akt für ihr am Mittwoch vorgestelltes 99$-Kästchen bereit. Letzteres ist zu hoffen.

Ataris Hauschip, den Television Interface Adapter (TIA; im Bild mittig am unteren Rand zu sehen), stellt iFixit als den Chip vor, der den Atari 2600 einst zum Goldesel machte -- bis zum Großen Videospielecrash von 1983. Der TIA stellt die Grafik mit 192x160px Auflösung bei 4 aus 128 Farben pro Zeile sowie den 2-Kanal-Monosound zur Verfügung. Er ist imstande, für die Videoausgabe sechs Komponenten zu generieren:

  • Das Spielfeld
  • zwei Sprites (Linien von je 8 Pixeln Länge)
  • einen "Ball" (ein Einzelpixel)
  • und zwei "Geschosse" (Linien von je 2 Pixeln Länge)

Aus der Kombination dieser Elemente konnten Spielentwickler die komplexe Auswahl an Spielen kreieren, welche die bis heute nachhallende Popularität des Atari 2600 begründete. Wie es Atari später jedoch in dem schon erwähnten Videospielecrash erging, beleuchtet Folge #74 der GamersGlobal Retro-Snippets näher für euch. Für eine mögliche Hilfestellung dabei, Brian Caulfields Wunsch nach Öffnung der Plattform AppleTV zu bewerten, begleitet Roland Austinat auf seinem Erkundungsflug durch OnLive's Wolken.

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)
Mitarbeit