Portal: Pflichtseminar an einem US-College

PC 360 PS3 andere
Bild von Gucky
Gucky 33916 EXP - 22 AAA-Gamer,R10,S5,C10,A10,J10
News-Redaktion: Hat von der Redaktion weitere Rechte für das News-Redigieren erhaltenDieser User unterstützt GG seit zwei Jahren mit einem Abonnement.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertGold-Jäger: Hat 75 Erfolge erreicht -- Wahnsinn!Gold-Gamer: Hat den GamersGlobal-Rang 20 erreichtGG-Gründungsfan: Hat in 2009 einmalig 25 Euro gespendetAlter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertIdol der Massen: Hat mindestens 10.000 Kudos bekommenSilber-Jäger: Hat Stufe 10 der Jäger-Klasse erreichtSilber-Archivar: Hat Stufe 10 der Archivar-Klasse erreichtSilber-Cutter: Hat Stufe 10 der Cutter-Klasse erreichtSilber-Reporter: Hat Stufe 10 der Reporter-Klasse erreicht

3. September 2010 - 0:09 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Während in Deutschland die Schelte und Kritik an Computer- und Videospiele nicht abnehmen will (wir berichteten), mausert sich Valves Knobelspiel Portal in den USA zu einem Studentenschreck.
 
Denn neben literarischen Werken wie Hamlet oder dem Gilgamesch-Epos müssen angehende Soziologen am Wabash College in Indiana unter anderem das Computerspiel Portal bewältigen. Das Spiel ist Bestandteil des Pflichtseminars „Enduring Questions“ und soll grundlegende Fragen der Menschheit durch klassische und zeitgenössische Werke begreiflich machen. Die Idee zu diesem Studieneinsatz hatte der Theater-Professor Michael Abbott, der Vergleiche zwischen Portal und einem Artikel über Spieltheorie von Erwin Goffman aus dem Jahr 1959 mit dem Titel „Die Selbstdarstellung im Alltag“ finden konnte.
 

Leider dürfen nicht alle Studenten des Pflichtseminars Portal spielen, weil das College nicht über die Hardware verfügt, sämtliche Studenten damit zu versorgen. Außerdem war Portal nicht die erste Wahl von Abott für „Enduring Questions“. Davor waren auch noch der Actiontitel Bioshock und der Rollenspielklassiker Planescape Torment heiße Kandidaten für das Seminar. Allerdings verhinderten deren lange Spielzeiten (im Gegensatz zum ca. 4-stündigen Portal) einen Einsatz bei den angehenden Soziologen.

Morlock 13 Koop-Gamer - 1654 - 30. August 2010 - 12:23 #

Ich würde vorschlagen, Informationen zu Goffmans Aufsatz zu verlinken. Hier eine Seite auf Deutsch:

http://www.lorenzk.com/ethno/goffman.html

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 33916 - 30. August 2010 - 12:28 #

Schöner Fund, eingebaut, danke :).

Sok4R 16 Übertalent - P - 4432 - 30. August 2010 - 12:22 #

Planescape Torment würde auf alten Kisten laufen, aber die Spielzeit dürfte zu hoch sein. Und BioShock ist zwar auch nicht so lange, braucht aber auch wesentlich mehr Leistung als Portal.

Aber das zeigt, dass man nicht überall so negativ gegenüber Spielen steht wie viele hier ein Deutschland - wenn das an einer deutschen Uni währe, würde die halbe CDU/CSU-Fraktion dagegen Sturm laufen. Spiele können auch durchaus Anspruch haben, so wie es bei Filme die reinen Unterhaltungsfilme und anspruchsvolle Titel gibt. Währe aber froh wenn es da ein paar mehr Spiele geben würde bzw. die bekannter währen, stattdessen kommt als Tripe-A Titel ein Tabu-bruch nach dem anderen (siehe Call of Duty, Bulletstorm, etc)

Morlock 13 Koop-Gamer - 1654 - 30. August 2010 - 15:46 #

Zunehmend werden Spiele nicht nur von Spielern zur Kunst erklärt, sondern auch allgemein als Kunst behandelt. Dieser Trend war natürlich schon immer da, nimmt aber wirklich stark zu. Nicht nur die Unis haben da großen Einfluss, sondern vor allem auch Blogs sowie manche Webseiten wie The Escapist. Leider werden die Titel in Spieletests zu oft als Produkt getestet: Grafik, Steuerung, Sound, etc. Auch die Story spielt eine Rolle, allerdings wird zu wenig darüber nachgedacht, ob es hinter der Story oder dem Spielprinzip auch eine künstlerische Intention steckt ("Was will uns der Künstler damit sagen?"). Das gilt meiner Meinung nach auch für die Tests auf Gamersglobal.

Natürlich gibt es sie in vielen Produkten nicht (oder kaum), aber wenn man diese Fragen nicht stellt, entdeckt man auch nicht die wirklich klugen Ideen in Spielen. Zudem weckt eine solche Diskussion auch den Bedarf nach besserer Kunst.

Ein Blog, den ich sehr empfehlen kann, ist Critical Distance. Hier ein Toller Eintrag zu Bioshock:

http://www.critical-distance.com/2009/06/17/bioshock/

Es wäre schön, so etwas auch mal auf deutschen Seiten zu sehen.

Vaedian (unregistriert) 30. August 2010 - 18:04 #

Man sollte es mit der "Kunst" aber auch nicht übertreiben und Spiele in eine Schublade alá "Was will uns der Designer damit lehren?" stecken. Der Trend zum eSport ist da viel gesünder für die Branche.

Heutzutage geht viel zu viel als "Kunst" durch.

Morlock 13 Koop-Gamer - 1654 - 30. August 2010 - 18:49 #

Wie gesagt, nicht jedes Spiel hat überhaupt einen künstlerischen Wert, und mance sind einfach nur eSport-Spiele. Aber es ist schae, dass dort, dass die künstlerischen Aspekte, wenn sie mal da sind, oft ignoriert werden. Oder dass Spiele, die als hohe Kunst vermarktet werden (epische Story, etc.), nicht gründlich genug kritisch genug geprüft werden. Oft ist die Messlatte zu niedrig. Vor allem was die Story angeht, ertönen die Lobeshymnen viel zu schnell.

Wenn du dir mal Critical Distance anschaust (s.o.), erkennst du, was ich meine. Es gibt sehr viele interessante Aspekte, die man leider nur in Entwicklerkonferenzen, Uniseminaren oder in manchen Blogs besprochen werden. Es wird Zeit, dass die großen Spielemagazine und -seiten sich mehr darauf konzentrieren. Schließlich werden Spieler immer älter, und damit ändert sich auch der Anspruch.

Larnak 21 Motivator - P - 25595 - 30. August 2010 - 19:54 #

Naja, es gibt eben solche und solche Spiele.
Aber das ist bei der "Literatur" (die ja gemeinhin als Kunstform gilt) auch nicht anders, es gibt da haufenweise Dinge, die einfach "nur" unterhalten wollen, teilweise durchaus noch mit künstlerischem Anspruch, oft genug aber auch nur ganz stumpf. Da stellt dann auch niemand diese Frage ernsthaft :)

Bei Videospielen ist es entsprechend auch nicht anders.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33843 - 31. August 2010 - 11:02 #

Critical Distance kenne ich (noch) nicht, aber wo du The Escapist erwähnst: "Extra Credits" ist eine sehr empefehlenwerte neue Videoreihe dort, die sich mit Themen aus der Spielebranche ernsthaft, wenn auch humorvoll präsentiert, befasst: http://www.escapistmagazine.com/videos/view/extra-credits

Morlock 13 Koop-Gamer - 1654 - 31. August 2010 - 15:46 #

Habe nur das God of War Video gesehen, und finde es sehr gut. Zum Ende sagt des Autor genau das, was ich hier vermitteln will!

"I know it seems like I've been a bit harsh on this game, but we have to be. If we are gonna harp on and on about how games are a developing artistic medium, and a exciting new venue for storytelling, we can't just ingore the areas where games are lacking, or praise competence as if it were brilliance. It's only by examining the triumphs and shortcomings of this medium that will allow us to push games to their full potential."

Bei der Gelegenheit möchte ich kurz anmerken, dass ich Mafia 2 durchgespielt habe und die Story schwach war.

Tristan 11 Forenversteher - 824 - 30. August 2010 - 14:54 #

Zitat: «Während in Deutschland die Schelte und Kritik an Computer- und Videospiele nicht abnehmen will...»

Eine so weit gefasste Verallgemeinerung zu nehmen, um dann eine Überleitung zu diesem Seminar oder was auch immer es ist herzustellen, ist kein wirklich tauglicher Einstieg.

Trotz allem Lamentierens einiger Leute hier (Opferangehörige, Politiker etc) zur Problematik von Spielen mit etwas schräger Gewaltdarstellung, dürften solche Vergleichsstudien auch in Europa und selbst in Deutschland vorkommen, wo Studenten sich für das Seminar, Übung, Kolloquium o.ä. bestimmte Spiele ansehen müssen. Kinofilme, Comics u.ä. werden seit vielen Jahren an den Unis besprochen, analysiert, verglichen. Da ist es kein grosser Sprung zu Computerspielen.^^

SocialHazard 14 Komm-Experte - 2258 - 30. August 2010 - 18:05 #

Gerade Planescape Torment ist wegen der Spielzeit ungeeignet xD

Aber ich fand Bioshock recht kurz...

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33843 - 31. August 2010 - 11:05 #

Portal ist trotzdem noch deutlich kürzer. Das hat man an 1-2 Abenden durch. Und die Hardware-Anforderungen sind deutlich niedriger. Vielleicht spielte auch die Gewaltfreiheit eine Rolle. Ich find's jedenfalls klasse, dass Portal so eine akademische Anerkennung erhält.
PST wäre wohl eine längerfristige Aufgabe über die Sommerferien. :-)

marshel87 16 Übertalent - 5584 - 30. August 2010 - 19:02 #

sehr gute sache! weiter so, spiele an die macht :D

Momsenek 13 Koop-Gamer - P - 1559 - 31. August 2010 - 10:58 #

Schicke Aktion ! Spiele aus ihrer Schublade rauszunehmen und anders zu präsentieren ist immer löblich. Bei Deutschland wird das Ganze noch sehr lange dauern.

Morlock 13 Koop-Gamer - 1654 - 31. August 2010 - 11:45 #

An Unis findet das jetzt schon statt, wobei es sein kann, dass die Staaten weiter sind.

Während meines Germanistikmagisterstudiums habe ich mal ein Referat über Planescape: Torment gehalten. Thema des Seminars war irgendwas mit Literatur und neuen Medien. Es gab auch ein Referat zu GTA 3.

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)
Mitarbeit