Buchtipp: Ein Zocker gibt Auskunft

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Name 0 EXP - Neuling
7. August 2010 - 20:39 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Als Barack Obama Präsident der Vereingten Staaten wurde, war Tom Bissell schwer bewaffnet in einem von Raketeneinschlägen zerstörten Ödland unterwegs, die Anzeige für die Strahlenbelastung im Blick und auf der Suche nach einer Bande von Plünderern. Doch der 1974 in Michigan geborene Journalist und Autor befand sich nicht wirklich in Lebensgefahr: Vielmehr spielte er Fallout 3 und hat darüber schlicht und ergreifend die Zeit um sich herum vergessen. Mit dieser für viele Spieler sicher nachvollziehbaren, für Nicht-Gamer vielleicht auch nachdenklich stimmenden Episode leitet Bissell sein Anfang Juni erschienenes Buch Extra Lives ("Extraleben") ein. Der Untertitel "Why Video Games Matter" ("Warum Videospiele von Bedeutung sind") macht bereits deutlich, worum es Bissell geht: Weniger um eine Chronologie der Computerspiele als vielmehr um die Faszination, die von diesem Medium ausgeht. Anhand von zahlreichen Spielen - wie Braid, GTA 4 oder eben Fallout 3 - sowie Interviews mit Designern beschreibt Bissell die Faszination, die Videospielen auf ihn ausüben und stellt die Frage, wohin sich das Medium entwickeln wird. Dabei setzt er sich auch kritisch mit den Spielen auseinander: Was machen die Spieler mit den Spielen – und was machen die Spiele aus den Spielern? 
 
Eine Rezension über Extra Lives, das momentan leider nur auf Englisch erhältlich ist, hat Zeit Online veröffentlicht. Kaufen könnt ihr es online, eine Hörbuchversion und verschiedene E-Book-Varianten sind ebenfalls erschienen. Wer sich zuvor einen ersten Eindruck verschaffen will, kann bei Amazon oder auf der Website des Verlags ein wenig in das Buch reinlesen. Ein längerer Artikel von Bissell, in dem er sich mit GTA 4 und seiner Kokainsucht auseinader setzt, ist im März auf der Website des britischen Observer erschienen. Genug Lesestoff also für die konsolenfreie Zeit am Strand.
Basti51 14 Komm-Experte - 1984 - 7. August 2010 - 16:55 #

Wahrscheinlich ist keine Übersetzung ins Deutsche geplant, oder? Ich kann zwar recht gut englisch, aber es dauert doch erheblich länger, als einen deutschen Text zu lesen.

nitramred (unregistriert) 7. August 2010 - 17:47 #

Laut dem Zeit-Artikel ist momentan keine Übersetzung geplant. Obwohl die sicher auch hierzulande ihre Leser finden würde. Ein populär geschriebenes Buch aus Sicht eines Spielers wäre in der doch sehr stark auf Statistiken und Forschungsergebnissen beruhenden Debatte um Sinn oder Unsinn von Videospielen eine nette Abwechslung - und für viele sicher auch gut dazu geeignet, die Begeisterung an diesem Hobby nachvollziehen zu können.

Anonymous (unregistriert) 7. August 2010 - 21:32 #

Aus dem ZEIT-Artikel:
"Lesenswert wird das Buch durch das ambivalente Verhältnis, das Bissell zu seiner eigenen Spielerkarriere zu haben scheint. Auf der einen Seite die Begeisterung, auf der anderen die verschlafenen Tage, in denen er Kokain nahm und in seinen Klamotten aufwachte."
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Und ich habe zuletzt noch etwas über Ambivalenz geschrieben. Also so meinte ich das naturgemäß wieder nicht
Als ob Kokainkonsum eben wie Videospielen wär
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Diese Medienfeindlichkeit treibt schon Blüten, unglaublich - da pickt man sich etwas raus und dann ist es natürlich so was.
Und überhaupt sei ja sowieso alles auch stumpfsinnig in Videospielen, da hat man dann auch gleich die Bestätigung für die eigenen Überlegenheitsdünkel mit dabei - wie typisch halt
Sowie dass was in den Games ist ja immer wieder völlig unhinterfragt das Verbrechen, Blut und Morde, ne
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Doch: "... Im Gegensatz zur Literatur und dem Film hätten Videospiele den Vorteil der Partizipation und der Offenheit. Nicht der Protagonist sei hineingeworfen in die Geschichten, sondern wir. Sie eigneten sich zum Erlebnis atavistischer Ängste und auch zur Empfindung von unschuldigem Unwissen, das uns der Kindheit näherbringe. Bissell widmet selbst dem verrufenen Gangsterspiel Grand Theft Auto ein ganzes Kapitel. Er lobt dessen Moralität und übersteigerte Gewaltdarstellung, die einzig dazu diene, dem Spieler die Frage zu stellen: Willst du das wirklich tun?"
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Aber diese Thesen wären naturgemäß auch wieder "so streitbar"...
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Aber :"sie sind anregender als das Ressentiment, das Videospielern noch allenthalben entgegenschlägt und zumeist nur nachlässig mit kulturkritischer Rhetorik bemäntelt ist. Deshalb wäre zu hoffen, dass Extra Lives auch im killerspielhysterischen Deutschland einen Übersetzer findet." Na immerhin. :-)

DELK 16 Übertalent - 5488 - 7. August 2010 - 21:56 #

Hm, klingt interessant. Ob ich es mir auf Englisch allerdings antue, das steht noch in den Sternen ^^

GI 11 Forenversteher - 716 - 7. August 2010 - 23:13 #

Das Buch würde mich auch reizen, aber auch ich tue es mir wahrscheinlich nicht gleich auf Englisch an. Mal abwarten ob es nicht doch übersetzt wird. :)

Basti51 14 Komm-Experte - 1984 - 7. August 2010 - 23:45 #

Leider wird kaum ein Buch aus dieser Themenecke ins Deutsche übersetzt. Ich glaube nicht, dass es bei diesem anders sein wird. Falls doch kauf ich ein Exemplar.
Das müsste mal ein Verlag übernehmen: Die besten englischsprachigen Bücher übersetzen und auf deutsch publizieren.

Alandur (unregistriert) 7. August 2010 - 23:51 #

Das wär doch mal ein Job für Mick. :)

Maettes 15 Kenner - 2776 - 8. August 2010 - 10:35 #

Ist ja schon verrückt. Gibt ja schon ein deutsches Buch mit dem Titel Extraleben:
http://www.amazon.de/Extraleben-Constantin-Gillies/dp/398114175X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1281260084&sr=8-1
Die Frage ist wenn eine Übersetzung stattfindet, wie heißt der Titel dann?

Infernal 13 Koop-Gamer - 1685 - 8. August 2010 - 10:39 #

Klingt mal wirklich intressant! Ich glaub das werd ich mir zulegen :D

Momsenek 13 Koop-Gamer - 1582 - 8. August 2010 - 23:40 #

Klingt für mich nicht so interessant. Ich weis für mich selbst, warum mich Spiele reizen und was Spiele für mich im Alltag bedeuten. Das muss mir nicht ein Buch sagen und irgendwie ist das Thema zwar nett aber spricht mich momentan nicht so an :-( Ist auch reine Geschmackssache

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