US-Forscher: Bisherige Studien zu Games meist voreingenommen

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3. August 2010 - 10:22

Dr. Christopher Ferguson spürt an der Texas A&M International University dem Einfluss von Videospielen auf Kinder und Erwachsene nach. Seiner Erkenntnis nach ist ein großer Teil der bisherigen Arbeiten in diesem Forschungsfeld von dem gesellschaftlichen Glauben geprägt, dass das neue Medium vorrangig negative Auswirkung auf den Spieler habe. So würden die vermeintlich positiven Aspekte weitgehend ignoriert, respektive nur von wenigen Wissenschaftlern intensiv thematisiert. Ferguson appelliert daher an seine Kollegen, für eine ausgewogene Anzahl an Arbeiten zu sorgen, sodass beide Seiten mit fundierten Studien bedacht werden. Dies sei eine notwendige Grundlage für eine vernünftige Diskussion, sowohl im Fachbereich als auch in der Öffentlichkeit.

In der Arbeit Blazing Angels or Resident Evil? Can Violent Video Games Be a Force for Good? fasst Ferguson die Ergebnisse aus weit über 100 wissenschaftlichen Beiträgen zusammen. Aufgrund des vorherrschenden Interesses an den negativen Auswirkungen des Mediums vermag er einen Kreislauf der gesellschaftlichen Panik zu erkennen, der in der Grafik oben schematisch zu sehen ist: Ausgangspunkt sei demnach ein gewisses Misstrauen gegenüber der elektronischen Unterhaltung, die von der Wissenschaft aufgegriffen werde. Gesellschaftlich bereits etablierte Medien greifen sich daraufhin bevorzugt diejenigen Forschungsergebnisse heraus, die die negativen Aspekte in den Mittelpunkt stellen. Im Zusammenspiel mit der Politik forcieren sie diese auch zunehmend in der Öffentlichkeit, bis sich das Misstrauen in Angst wandelt. Diese stellt wiederum die Grundlage für die weitere Forschung dar – der Kreis schließt sich.

Die insgesamt 14-seitige Arbeit bietet Ferguson zum kostenlosen Download an. Sie liegt leider nur in englischer Sprache vor.

Suzume 14 Komm-Experte - 1935 - 3. August 2010 - 11:53 #

Da fehlt wohl noch ein Pfeil im Diagramm von den "Media Reports on Potential Adverse Effects" auf die "Societal Beliefs". Denn irgendwie ändern die sich doch im Laufe der Zeit... sonst hätten wir heute noch keine Bücher, Eisenbahnen, Radios und Fernseher etc.
Naja, im Grunde bestätigt die Arbeit nur, was man eh schon wusste. Forscher springen gern auf Trendzüge auf, denn dort ist die Kohle für ihre Projekte/Institute zu holen. Bestes Beispiel die Klimadebatte.

Edit:
Wem das vielleicht spanisch vorkommt, warum ich den Pfeil dort vermisse - auch eine negative Einstellung seitens Politik und Medien zeigt Auswirkungen auf die Gesellschaft.
Gehen die konservativen Elemente der Gesellschaft mit dieser Meinung noch konform und übernehmen sie, so schürt dies in jüngeren Generationen vielleicht noch eher das Verlangen nach Akzeptanz des Neuen. Das Prinzip von der verbotenen Frucht. Abnabelung, Abgrenzung von der Elterngeneration usw.

Ganesh 16 Übertalent - 5026 - 3. August 2010 - 10:41 #

Wenn man sich die Publikationsliste anschaut, ist relativ klar, dass er das sagt... ;) Unabhängig von der Richtigkeit seiner Feststellungen darf man glaub ich nicht vergessen, dass eine solche Position hervorragend als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Wissenschaftlern taugt...

Rambazamba (unregistriert) 3. August 2010 - 11:20 #

Mir ist die Logik deiner Aussage schleierhaft. Abgrenzung ist die Natur der Wissenschaft. Das Forschungsfeld dieses Mannes ist eben "examining violent behavior from a multivariate format, examining the combined impact of genetics, family environment, personality, mental health, and media violence". Selbstverständlich spiegelt sich also das Ergebnis dieses Reviews in seiner Publikationsliste wieder. Es ist doch der Sinn von Reviews nicht dutzende Paper lesen zu müssen, sondern einen Überblick der bestehenden Arbeiten zu bekommen.

Fyyff 11 Forenversteher - 681 - 3. August 2010 - 11:16 #

Na sowas: Positives ignoriert, Negatives stark hervorgehoben. Hand hoch wer jetzt auch tooootal überrascht ist.

Genau diese Schlußfolgerung haben letztes bei der Diskussion zum "Playstation senkt die Schulnoten"-Artikel schon zig Leute gezogen. Bei der in jenem Artikel gezeigten Studie hatte man positive Wirkungen offensichtlich noch nicht mal untersucht.
So weit so traurig und auch nicht unerwartet, aber schön zu sehen das das eigene Bauchgefühl jetzt quasi wissenschaftlich bestätigt wurde.

Tamttai 10 Kommunikator - 379 - 3. August 2010 - 11:18 #

Klar macht der das nicht aus Altruismus.

"Arguably the debate regarding video game violence in the
scientic community only indirectly influences the debate about
violent video game violence in the public"

Ich denke damit ist eigentlich schon alles gesagt,was über solche Studien im allgemeine gesagt werden kann und muss.

Zu den Schulnoten: Wer die eigene Freizeit (neben den Stunden die für andere Aktivitäten drauf gehen) weiter beschneidet um zu zocken wird wohl weniger Zeit für die Schule haben und somit im Durchschnitt schlechtere Noten haben

Fyyff 11 Forenversteher - 681 - 3. August 2010 - 12:23 #

"Zu den Schulnoten: Wer die eigene Freizeit (neben den Stunden die für andere Aktivitäten drauf gehen) weiter beschneidet um zu zocken wird wohl weniger Zeit für die Schule haben und somit im Durchschnitt schlechtere Noten haben"

So und wenn du das in einer wisschenschaftlichen Studie untersuchst, kommt man "wird wohl" eben nicht weiter. Da hat man die negativen Auswirkungen zu untersuchen, aber vorallem auch zu schauen obs vielleicht auch positive gab. Gesteigertes Reaktionsvermögen? Besseres Erkennen von logischen Zusammenhängen? Verbesserte Mustererkennung? Sind allein drei vorstellbare Positiveffekte.

Klar die sind natürlich individuell stark abweichend, aber das sind die angeblich negativen Effekte auch. Zumal in der Schulstudie natürlich auch so getan wurde als hätten die Kinder alle keine Eltern die sich wenigstes ein bißchen um sie kümmern.

Bergdoktor (unregistriert) 3. August 2010 - 11:26 #

Die meisten seriösen Wissenschafter, die tatsächlich in diesem Bereich forschen -zum Beispiel an den Instituten für Medienkommunikation an Unis- sind mit diesen Erkenntnissen d'accord.Das heißt: ein Großteil der Forschernden an Unis sind objektiv und stützen sich auf Ergebnisse und Erkenntnisse, die überwiegend die "Gefährlichkeit" der Computerspiele in Abrede stellen und Positives hervorheben. Natürlich wird kritisch gearbeiten, das ist die Pflicht eines jeden Wissenschafters bzw. jeder Wissenschafterin. Aber die kritischen Ansätze stehen in einem mehr als gesunden Verhältnis zu dem, was jenden Tag so über die Medien oder die Politik kommt.

Was wir über verschiedene Medienkanäle zu lesen/sehen/hören bekommen, sind in den meisten Fällen sowieso nur Scheinstudien,die polarisierende Aussagen und plakative Inhalte einer wissenschaftlich korrekten Arbeitsweise vorziehen. Dienen tut sowas in erster Linie PolitkerInnen, welche diese Studien heranziehen um sich zu profilieren, bzw. um von anderen Themen abzulenken. Was die Medien betrifft: Angst, Hass, Misstrauen, Sex. Das sind jene Emotionen, die sich am besten verkaufen. Deswegen können Qualitätsmedien auch nie mit der Reichweiter von Boulevardmedien mithalten. Frei nach dem Motto: Only bad news are good news.
So.Um jetzt endlich auf eine Aussage hin zu kommen: Medien sowie Politk werden in den meisten Fällen Trends unterstützen, von denen sie profitieren können.
Also muss ich Suzune klar wiedersprechen. Die Forscher (solange sie unabhängig sind und nach wissenschaftlicher Ethik handeln)springen auf gar nichts auf. Vielmehr diejenigen, die unseriöse Forschung heranziehen um davon zu profitieren (Medien, Politik).
Da ich selbst Student bin weiß ich, dass es im (Universitäts)wissenschaftlichen Bereich wirklich VIEL mehr Forschungen und Publikationen gibt, die Computerspiele positiv hinstellen und diese Hass/Angst-Forschungen entkräften.

Leider können solche Ergebnisse aber aus oben genannten Gründen nicht dazu verwendet Umsatz zu steigern oder unwissende WählerInnen zu beeinflussen.
Aber: Die meisten Medien haben ähnliches in der Gesellschaft bewirkt. Generell ist es so, dass Trends, welche langfrtistige Auswirkungen auf die Gesellschaft haben, meistens etwas länger brauchen (teilweise über eine oder mehrere Generationen hinweg), um sich in die jeweilige Kultur zu integrieren.
Uns bleibt leider nur das Abwarten. Das Abwarten darauf, dass jene Genereationen, die mit dem Teufelszeug "Computerpsiel" nie in Kontakt kamen, nicht mehr zu politisch relevanten Wählergruppen gehören oder im Zielbereich der Klatschpresse liegen.
Und das, meine Freunde, kommt so sicher wie der Tod ;)

Rambazamba (unregistriert) 3. August 2010 - 11:43 #

Ich stimme dir weitestgehend zu. Allerdings ist die Lage auch nicht ganz so positiv wie du sie darstellst. Bei der Suche nach Forschungsfeldern steht immer noch der erwartete Impact der Resultate im Vordergrund. Ein vollkommen neues Resultat in einem High-Impact Magazin wie Nature, Science etc. zu veröffentlichen ist wesentlich schwieriger und damit auch seltener Anzutreffen, als Peripherie-Publikationen zu vielzitieren Arbeiten. So gesehen gibt es schon Trends in der Wissenschaft, da die Karriere eines Forschers maßgeblich von der Zitationshäufigkeit seiner eigenen Arbeiten abhängt.

Suzume 14 Komm-Experte - 1935 - 3. August 2010 - 11:46 #

Ja, du wirst sicher Recht haben. Meine Aussage war (auch wenn es solche Forschungsfälle gibt) zu pauschal, und sie kann wohl mit der von dir geschilderten Beobachtung begründet werden, warum ich sie schrieb: man hört nur von den schlechten Studien, die für politischen/medialen Unsinn verwendet werden.
Das Gros der Arbeiten wird also (hoffentlich) ein wesentlich breiteres Spektrum abdecken. Eine Lanze für die Wissenschaft.

Bergdoktor (unregistriert) 3. August 2010 - 13:04 #

Ja, das stimmt natürlich. Ich glaube, der Spiele-Diskurs ist auf einem guten Weg und letzten Endes werden sich auch Ergebnisse in der Öffentlichkeit etablieren, die -ganz egal was deren Aussage ist- zumindest so objektiv wie möglich erforscht worden sind. Das ist das Ziel - also deine Lanze für die Wissenschaft.
Und du, Rambazamba, hast natürlich auch recht. Es gibt Theorien -für und wider- die sich mit positiven und negativen Auswirkungen auf das spielende Subjekt die Waage halten. Theorien über den Einfluss auf den Geist, die Motorik, das Sozialverhalten etc. Keine einzige jener Theorien konnte bisher verifiziert werden. Viele radikale Ansätze hingegen, konnten falsifiziert werden. Das findet aber leider zumeist keinen Eingang in die Medien. Das wollte ich eigentlich zum Ausdruck bringen.
Der Grundtenor der universitären Wissenschaft lautet also, dass eben jene besprochenen Studien als nicht repräsentativ und unseriös anzusehen sind, da sie eben gegen die Regeln der objektiven Wissenschaft verstoßen. ;-)

matthias 13 Koop-Gamer - 1359 - 3. August 2010 - 11:32 #

ich denke mal, das den leuten, die bisher an 'studien' zu spielen gearbeitet haben, sich durchaus über die situation im klaren sind. man müsste ihnen ja jegliche kompetenz absprechen, wären sie es nicht.

richtige studien kosten nicht selten auch geld, geld was jemand locker machen muss. leider ist es zu oft so, das ein geldgeber eine studie finanziert, die dieses und jenes beweisen soll ( das es überall so ist hat ja das jahr 2009 und die klimaforschung glänzend bewiesen ). der umstand, das ein großteil der öffentlichen personen dann auch noch zu gerne auf eben diese einseitigen studien zugreift, gibt sein übriges. ich kann schlecht monologe in sitzungsräumen oder vor kameras führen, wenn es keinen konsens gibt. von daher bieten sich einseitige und eindeutige themen immer an.

an diesem umstand wird sich auch in zukunft nichts ändern, es sei denn man führt eine art unabhängigen tüv für studien ein, die sich wissenschaftlich nennen wollen. eben diese dürfen dann nur als grundlage für diskussionen oder entscheidungen herrangezogen werden.

Rambazamba (unregistriert) 3. August 2010 - 11:50 #

In allen Publikationen der renommierten Magazine findet sich am Ende eine Erklärung der Autoren zu möglichen Interessenkonflikten aufgrund der Finanzierung ihrer Forschung, beispielsweise bei Pharmastudien die von der Industrie finanziert wurden. So gesehen ist das schon ein TÜV vorhanden. Der Peer-Review Prozess gewährleistet zusätzlich die Richtigkeit der publizierten Ergebnisse.

matthias 13 Koop-Gamer - 1359 - 3. August 2010 - 14:02 #

ja, nur sollte eben dann, zumindest im politischen bzw öffentlichen bereich, die uneingeschränkte verwendung derer untersagt werden.

das problem sind ja nicht die studien und informationen an sich, sondern der umgang damit. wenn politiker sachen als fakt auslegen, weil ihrer meinung nach 'viele studien es belegen' ( ich hab jetzt leider die quelle dazu nicht in der hand ), dann stimmt da etwas nicht. dann haben eben diese finanzierten und einseitig durchgeführten arbeiten den status fakt erreicht und bedarf keinerlei recherche mehr, um irgendetwas zu belegen. plötzlich sind die einzig gültige quelle und da muss eingegriffen werden.

es läuft doch tweilweise schon aus dem ruder. jede zeitung, das fernsehen und politker schustern sich ihre geschichten zurecht und untermauern diese dann mit 'laut experten' oder 'nach einer studie' ohne genauer darauf einzugehen. da sollte man eingreifen.

Rambazamba (unregistriert) 3. August 2010 - 14:42 #

Das Problem liegt eher darin, dass wissenschaftliche Ergebnisse von den Medien/Politikern etc. oft sehr einseitig wiedergegeben werden. Da werden Relativierungen und Einschränkungen oft weggelassen und das Ziel verfolgt mit der Schlagzeile maximales aufsehen zu erregen. So entsteht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass alle 14 Tage unser Weltbild erschüttert wird und Forschung nur eine sehr kurze Halbwertzeit hat - mit der (langweiligeren) Realität hat dies natürlich nichts zu tun. Dadurch sinkt das öffentliche Ansehen der Wissenschaft und führt dazu, dass beispielsweise Medizinprofessoren zusammen mit irgendwelchen Eso-Spinnern in Talkshows geladen werden, anstatt Wissenschaftler mit abweichenden Ansichten debattieren zu lassen. Das schürt Angst und Aberglauben und bietet Gurus, Fundamentalisten und anderen Radikalen eine Bühne die sie nicht verdienen und oft zu niederen Zwecken missbrauchen(bsp. Neurodermitis-Creme, Wählerfang durch Killerspielverbot,...).

Meine Güte, ich meine wie viele Deutsche sind der Meinung, dass man an Naturwissenschaften "glauben" kann? Da kann man kaum ein objektives Verhältnis zu weniger quantifizierbaren Wissenschaften erwarten. Ergo, zuhause bleiben und sein eigenes Ding machen. ;)

Koffeinpumpe 15 Kenner - 3322 - 3. August 2010 - 13:31 #

So ist es. Privat finanzierte Studien kommen meist zu den Ergebnissen, die den Geldgebern lieb sind. Ähnlich verhält es sich z.B. auch mit Gutachten oder Statistiken.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 64746 - 3. August 2010 - 14:11 #

Wer mir jetzt sagt, dass er von der hier gemachten Aussage überrascht ist, der bekommt von mir einen Keks :)

Tamttai 10 Kommunikator - 379 - 3. August 2010 - 16:02 #

Das ist mir der Keks wert: Ich bin total überrascht :)

Nochmal zum leidigen Schulnotenthema: Das games positive Effekte haben, hab ich ja garnicht verneint. aber wen interessiert reaktionsfähigkeit wenn jmd nicht durch die grundschule kommt (bissl übertrieben)?

John of Gaunt Community-Moderator - P - 64746 - 3. August 2010 - 16:56 #

Ah, Mist: http://bit.ly/bd5KVk

Aber hab noch einen anderen gefunden: http://bit.ly/aUogi4

Guten Appetit :)

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