E3: Virgin Gaming (News-Report)

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Roland Austinat 3303 EXP - Freier Redakteur,R8,S3,A1
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18. Juni 2010 - 8:31 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Ein alter Bekannter ist wieder da -- jedenfalls fast. Viele Jahre lang war Virgin Interactive ein führender Spiele-Publisher, der unter vielem anderen Westwoods Command&Conquer-Serie veröffentlichte, aber auch multimediale Experimente wie Lost Eden oder das bombastisch aussehende, spielerisch aber banale 7th Guest. Ende der 90er Jahre wurde die Firma dann diverse Male verkauft und schließlich abgewickelt. Doch mit brandneuen Spielen oder Klassikern, die damals von Virgin Interactive veröffentlicht wurden, hat Virgin Gaming nicht wirklich etwas zu tun, vielmehr handelt es sich um ein Turniersystem für Xbox Live und PSN, das erfolgreichen Spielern Gewinne ausschüttet.

Es begann mit Football-Wetten


Hinter dem nun als Virgin Gaming angekündigten Service stecken zwei Freunde namens Zachary "Zach" Zeldin und William "Billy" Levin, die als Studenten eine Firma für Auto-Tuning als Nebenverdienstquelle starteten und dafür beispielsweise Freon aus China importierten. "Wir waren außerdem große Spielefans", erläutert uns Zach Zeldin, den wir zu einem Exklusivgespräch im E3-Vorfeld trafen. "Das ging so weit, dass Billy und ich um mehrere hundert Dollar gewettet haben, wer bei einem Madden-Football-Match gewinnt."

Die zwei reisten immer wieder zu lokalen und nationalen Madden-Wettkämpfen und lernten dort zahlreiche Experten kennen. "Wir selbst flogen immer relativ früh aus dem Turnier, aber haben uns dann bis zum Ende alle anderen Spiele angesehen", verrät Zach. Mit dem Nachteil, dass die zwei von ihren Startgebühren nur wenig gesehen haben - der Topf geht erfahrungsgemäß bei solchen Veranstaltungen an die Sieger

Virgin-Chef Richard Branson komt ins Spiel


Die Turnier-Idee ließ Zach und Billy nicht los: Was, wenn man das online veranstalten würde? Aber wie würde die Bezahlung und die Verteilung der Gewinne laufen? Um das zu klären, trafen die zwei sich mit etlichen Programmierern aus New York und zogen 2007 von Florida ins kanadische Toronto, um dort ihre Firma namens World Gaming und einen gleichnamigen Dienst zu starten, der Spielern von Xbox 360 und PlayStation 3 einfache Turniere organisiert, bei denen man sogar etwas gewinnen konnte -- die Eingabe der Xbox-Gamertags beziehungsweise der PlayStation-Network-ID genügte. "Unsere Investoren brachten uns Ende 2008 mit Rob Siegel, zusammen, einem kanadischen Marketingexperten, der lange Jahre bei Sony war", erinnert sich Zach Zeldin. "Rob kannte seinerseits einige Kollegen von Virgin Mobile, denen er von unserer Idee erzählte. Die waren begeistert und brachten uns mit dem Virgin-Boss Sir Richard Branson zusammen -- der Rest ist Geschichte." Seit Anfang 2009 arbeiten Zeldin und Levin mit ihren Kollegen nun an Virgin Gaming.

Jeder Sieg bringt einen Gewinn
 
"Was uns wichtig ist", so Zach Zeldin: "Jeder Sieg soll den Spielern einen Gewinn verschaffen -- wir wollen keine Preisgelder für eine Handvoll Spieler." Dabei redet der Designer nicht von kleinen Summen: Bis zu $50,000 Dollar sollen jeden Monat pro Turnier im Spiel sein. "Die erste Million steuern wir aus unserem eigenen Topf bei", verrät Zeldin. Um den Fall zu vermeiden, dass erfahrene Spieler Neulinge nonstop besiegen und damit kassieren, setzt Virgin Gaming das sogenannte Trueskill Matchmaking ein: Es bringt Spieler gleichen Erfahrungsgrads zusammen, die obendrein noch mindestens 75 Prozent positives Feedback benötigen.

"Wir haben uns dabei an eBay orientiert", beschreibt Zach das System. "Hat euch eine Partie mit einem anderen Spieler gefallen, bekommt er von euch eine positive Wertung, bricht er das Spiel kurz vor einem Verlust ab, verpasst ihr ihm eine negative." Liegt ihr allerdings etwa in einem Fußballspiel unaufholbar weit zurück, könnt ihr im gegenseitigen Einvernehmen das Spiel auch vorzeitig beenden.
  Virgin Gaming-Mitbegründer Zach Zeldin

Ausgefeiltes Match-Making
 
Wie erfährt Virgin Gaming eigentlich, wer bei einem Match gewinnt und wer verliert? "Das übernimmt der "Game Validator", ein Programm, das direkt auf Xbox Live und das PlayStation Network zugreift und mit sehr geringem Rechenoverhead die Informationen erhält und verarbeitet. "Wir arbeiteten eng mit Microsoft und Sony zusammen und führen darüber hinaus Kooperation mit rund 200 Partnern durch", freut sich Zach Zeldin. Die Startgebühr für ein Turnier, die zwischen 0 und 1000 Dollar liegen kann, wird per Kreditkarte oder PayPal eingezogen. "In Deutschland würden wir dann beispielsweise nach einer Ausweiskopie fragen, um sicher zu stellen, dass nur Volljährige bei uns mitmachen", fügt Zeldin hinzu. Administratoren und Kundendienstmitarbeiter sollen das System rund um die Uhr überwachen und als Ansprechpartner bereit stehen. Sie schauen sich auch die besten Spieler an und laden sie womöglich ins VGTI ein, das "Virgin Gaming Training Institute". Hier nehmen die Profis Matchvideos auf und kommentieren sie, um Einsteigern ein besseres Verständnis des jeweiligen Spiels zu vermitteln.

120 Wettbewerbe pro Monat
 
Wie viele Turniere sind pro Monat geplant? "Wir gehen von etwa 120 Wettbewerben aus", sagt Zach Zeldin. "Nehmen wir ein FIFA-Turnier mit zweinal 32 Spielern, die am Wochenende gegeneinander antreten. Einmal für das Turnier angemeldet, übernimmt unser Dienst die Paarungsaufstellungen und schickt euch Erinnerungs-E-Mails, damit ihr zur vereinbarten Zeit auch online seid und gegen euren Gegner antretet. Wenn ihr verhindert seid, könnt ihr dann eine Mail zurück schicken, um euch rechtzeitig auszuklinken." Das kling prinzipiell sehr interessant -- aber wie sieht es denn mit einem passiven Zuschaumodus aus, bei dem dann Fans des jeweiligen Spiels den besten Teilnehmern über die Schulter gucken können, so wie damals auf den Turnieren, die Zach und Billy besucht haben? "Coole Idee", gibt Zach Zeldin zu. "Doch derzeit fehlt uns dazu noch etwas die Technik, um das live hinzubekommen. Aufgezeichnet könnt ihr die besten Begegnungen ja schon im Training-Institut begutachten.

Ist bei einem Erfolg von Virgin Gaming auch irgendwann ein ähnliches Angebot für PC-Spieler denkbar? "Schwierig", überlegt Zach Zeldin. "Schließlich sind bei einer Konsole alle Besitzer mit der gleichen Hardware ausgestattet -- bei zwei PC sind manche Personen aufgrund schnellerer Grafikkarten oder mehr Speicher oft im spielerischen Vorteil." Wer den Dienst erst einmal ohne Investition seiner Euros nutzen will, kann das tun: Wer es nicht will, muss keinen einigen Cent bezahlen, um über Virgin Gaming spielen zu können. Wir sind gespannt ...

Bernd Wener 19 Megatalent - 13635 - 15. Juni 2010 - 16:07 #

Mal davon abgesehen, dass ich viel zu schlecht zocke, um da mitmachen zu können, klingt das schon interessant. Mir stellt sich aber die Frage: Was passiert, wenn man unbeabsichtigt, sprich durch Verbindungsabbruch, vorzeitig aus dem Spiel rausfliegt?

Freeks 16 Übertalent - 5530 - 15. Juni 2010 - 16:58 #

Wahrscheinlich gibt es da irgendeinen Mechanismus bei dem man "Unwanted-Disconnect" oder Ähnliches eintragen kann. Da wir aber alle wissen, dass Spieler teilweise ziemlich gehässig und unfair sein können, stell ich mir die Frage ob das Bewertungssystem nicht missbraucht werden könnte. Sei es eine negative Bewertung weil man verloren hat oder wenn jemand generell seine Gegner negativ bewertet. Klar wird man sich dagegen wehren können und "in Berufung" gehen können wie in eBay, aber wenn das ein nur paar hundert (ich hab wenig vertrauen in die online-spielende Bevölkerung dieses Planeten...) jedes Wochenende machen, werden die Admins schnell an ihre Grenzen gelangen und ohne Replay-System (Die spiele finden ja nicht auf den Firmen-Servern statt) kann man auch nicht nachweisen dass man zu unrecht schlecht bewertet wurde.
Generell eine gute Idee, aber ich befürchte es wird an der Natur des (für die Spieler) Anonymen-Online-Wettbewerbs scheitern.

Mein schönstes Beispiel ist immer noch die normale Gegnersuche in Warcraft 3 ein "fu" oder "go fu** your mother" und ähnliches gehört da schon fast zum "guten Ton"...

monti (unregistriert) 28. Januar 2013 - 21:10 #

an sich ne gute idee aber für mich nur interessant wenns mit ultimate team funktionieren würde

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