Herstellungs- und Verbreitungsverbot von "Killerspielen" vom Tisch?

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19. Mai 2010 - 19:18 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert

Am 5. Juni 2009 sorgte eine Konferenz der Innenminister für Aufsehen, die als Thema das Herstellungs- und Verbreitungsverbot von gewalthaltigen Spielen hatte. Dabei sollte der § 131 StGB insoweit erweitert werden, dass noch mehr gewaltdarstellende Spiele von dieser Norm betroffen wären und somit ein Verbot dieser Spiele mit sich ziehen würde.

Gestern legte ein Bürger, als Reaktion dieser Konferenz, bei einer Tagung der öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestages, eine Petition vor, welche gegen dieses Verbot war und ca. 73.000 Unterschriften umfasste. In seinen Ausführungen forderte er den Bundestag auf, Abstand von diesem Verbot zu nehmen und stattdessen die Medienkompetenz zu verbessern. Dr. Herman Kues, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, stellte daraufhin klar, dass eine Änderung des §131 StGB nicht geplant sei. Somit wäre der Versuch der Innenministerkonferenz vom Tisch.

Der Bundesverband Interaktiver Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) war sehr zufrieden über diese Entscheidung und lobte die Beteiligten der Petition. Olaf Wolters, Geschäftsführer der BIU, äußerte sich in einer Pressemitteilung mit den Worten:

Emotionen, Vorurteile und mangelndes Wissen prägen leider noch immer viel zu oft den öffentlichen Diskurs zu Computerspielen. Umso wichtiger sind inhaltlich fundierte Initiativen wie die Petition gegen das geforderte Verbot von Action-Computerspielen, indem sie zu einer Versachlichung der Debatten um Computerspiele insgesamt beitragen.
Thomas Barth 21 Motivator - 27449 - 19. Mai 2010 - 18:43 #

Na da sag nochmal einer, das solche Petitionen nichts bringen. ;)

Faerwynn 17 Shapeshifter - P - 6683 - 19. Mai 2010 - 20:42 #

Solche Petitionen bringen nichts. ;)

Mal im Ernst, wenn ich das richtig verstanden habe war das Thema ohnehin nicht mehr auf der Agenda, die Petition hat da nichts geändert...

McStroke 14 Komm-Experte - 2276 - 19. Mai 2010 - 18:44 #

Ich glaube solche Themen sind für die Politiker in Berlin momentan purer Luxus, im Zuge von Finanz- und Eurokrise interessiert sich keiner mehr für populistische Verbote oder die ach so bösen Computerspiele.

Wenns aber iwann mal wieder besser läuft in Deutschland kommen auch die Befürworter und Populisten wieder ans Tageslicht.

Vidar 18 Doppel-Voter - 12273 - 19. Mai 2010 - 18:49 #

Jop so sieht es im Moment aus und da keiner mehr mehrheit um Bundesrat hat kommts gleich dreimal nicht durch...

aber warten wir mal die Sommerflaute ab, da wirds bestimmt wieder ausgegraben

Carstenrog 16 Übertalent - 4795 - 19. Mai 2010 - 21:49 #

Eher der nächste Amokläufer!

Fuzzymancer 12 Trollwächter - 918 - 19. Mai 2010 - 21:59 #

Oder das.

Allerdings hege ich ja die Hoffnung, dass dies auch bei zukünftigen Amokläufern mehr und mehr verhallen wird. Wo bei den ersten Tätern noch das Gezeter gegen Computerspieler viel Anklang fand wandelte sich dies doch mehr und mehr.

Inzwischen würden die Politiker sogar einen Fehler begehen bei einem kommenden Amoklauf sofort wieder die "Killerspielkeule" auszupacken. Man konnte beim letzten Lauf schon beobachten das sowohl Bürger als auch Expertisen versucht haben den Fokus auf die wirklichen Probleme und Motive dieser Taten zu lenken. Es wurden vermehrt Kritik am Waffengesetz geäußert sowie auch der soziale Hintergrund des Täters ins Licht gezogen.

Vermutlich würde man den Politikern in einem neuen Fall das als Bescheinigung völliger Ahnungs- und Machtlosigkeit auslegen.

Vielleicht ist das auch nur Wunschdenken :)

Togi 11 Forenversteher - 567 - 19. Mai 2010 - 19:52 #

"Wenns aber iwann mal wieder besser läuft in Deutschland kommen auch die Befürworter und Populisten wieder ans Tageslicht."
Da wäre ich mir nicht so sicher. So langsam werden Spiele einfach zu wichtig und wenns irgendwann mal wieder besser läuft, gibts vielleicht endlich Leute mit Ahnung.

McStroke 14 Komm-Experte - 2276 - 19. Mai 2010 - 23:37 #

Ich würd euch ja sehr gerne glauben Fuzzy und Togi, aber ich tu mich da etwas schwer.

Auch wenn es sich ein wenig geändert hat seit dem letzten Amoklauf, man hat hier und da mal einen einigermaßen seriösen Bericht gesehen, so ist doch auch vieles beim alten geblieben.

Das der Fokus jetzt so auf dem Waffenrecht liegt ist eher aus dem Umfeld des Täters zu begründen. Sein Vater hat die Waffe ja in bester Westernmanier ungesichert im Schrank liegen lassen, das war schon so fahrlässig, dass man darauf eingehen musste.

Sollte es aber nochmal einen Amoklauf geben, und der Täter hat eine ordnungsgemäß gelagerte Waffe benutzt, die Polizei findet aber wieder Counterstrike auf seinem PC ist das geschrei wieder groß. Besonders weil einige Schreihälse auf der Politbühne ja garkeine andere Daseinsberechtigung haben Beckstein, Seehofer oder von der Leyen....der Schröder trau ich das auch noch zu.

Ich persönlich gehe davon aus, dass es wirklich erst zu einem ernsthaften Umdenken kommt, wenn sich ein Generationenwechsel in der Politik vollzogen hat, also wenn Leute an die Macht kommen die mit solchen Spielen aufgewachsen und zeigen können, dass sie trotzdem oder gerade deswegen keine Berserker sind. Das wird aber sicherlich erst in 10, 20, 30 Jahren passieren, da die aktuelle "Politjugend" ja auch noch sehr dem alten Denken verpflichtet ist.

Fuzzymancer 12 Trollwächter - 918 - 20. Mai 2010 - 15:31 #

Hehe ich weiss es ist in erster Linie eine Frage des Glaubens und des Optimismus :) *Glaskugel wegkram

Die Waffenrechtdebatte kam in der Tat nur durch den individuellen Hintergrund zu Tage. Hätte der Täte ein "improvisiertes" Arsenal verwendet wäre was anderes gekommen. In meinen Augen war die Diskussion des Waffenrechs aber genau so ein wenig an der Realität vorbei. Es wurde ja auch vorgeschlagen, dass Waffen und Munition in den Vereinsräumen zu lagern sind. Ich bin jetzt selber in keinem Schützenverein aber hätte das nicht die Folge das wir überall in den Stätten hübsche kleine Waffendepots hätten, welche man sonst am ehesten nur bei der Bundeswehr und größeren Polizeistationen vorfindet?

Bei den Politikern sind es eh nur die "üblichen Verdächtigen" oder halt so weit unten in der Parteinahrungskette, dass sie in erster Linie froh sind mal im Fernsehen oder in der Zeitung zu kommen.

Unterm Strich war es nicht viel an seriösen Berichten oder auch qualifizierten Aussagen aus diversen Lagern. Aber es ist definitiv mehr als ganz zu Anfang wo die Debatte losging. Ich hoffe da auf ein Tendenz steigend (würde mir nur wünschen das dafür nicht jedesmal irgendein Jugendlicher ausrasten muss :( )

Deinen letzten Absatz unterschreib ich vollends. Das wird auch so kommen. So haben nämlich unter Anderem das Fernsehen und die Comichefte es in die heutige Zeit geschafft :)

Anonymous (unregistriert) 19. Mai 2010 - 23:08 #

Solange die Indizierung nicht abgeschafft wird, wird sich für uns deutsche Spieler nichts verbessern.
Selbst wenn ein Innenminister Computerspiele in einem Atemzug mit Kinderpornogrpahie nennt, scheint das keinen außerhalb der Szene zu stören.
Die Akzeptanz von Computer- und Videospielen in der Gesellschaft ist im europäischen Ausland viel, viel höher.

Paendrag (unregistriert) 20. Mai 2010 - 4:28 #

Die ganze Diskussion war eine billige Wahlkampf-Schow.

Serioese Diskussion?
Ehrlicher Versuch, die Medienkompetenz der Buerger zu staerken?

FEHLANZEIGE

Die Gemueter des Bild/Rentner-Wahlvolks aufgeheizt und in bester Rattenfaenger-Manier Stimmen gefangen. Danach das ganze Gedoens Sang-und Klanglos von der Bildflaeche verschwinden lassen.

Bananenrepublik Ahoi!

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6483 - 20. Mai 2010 - 8:12 #

Insoweit bleibt es dabei, was schon Justizministerin Zypries im Jahr 2006 (gegen die Minister Beckstein und Schünemann) pragmatisch vorgebracht hat:
„Das Strafgesetzbuch gewährleistet mit § 131 StGB den notwendigen Schutz vor Killerspielen“, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries in der aktuellen Debatte um Amokläufe. „Es besteht keine Strafbarkeitslücke. Seit der Gesetzesänderung 2004 kann wirksam gegen die Verbreitung von Killerspielen vorgegangen werden. Voraussetzung ist, dass die Spiele grausame Gewalttätigkeiten verherrlichend darstellen. Unter Schriften versteht das Gesetz auch Datenspeicher. Aktuelle Forderungen der Minister Beckstein und Schünemann bringen keinen strafrechtlichen Mehrwert“, betonte Zypries (...in einer Presseerklärung vom 8.12.2006, siehe www.bmj.de (nach "131 StGB" suchen)).

Hoschimensch 14 Komm-Experte - 2045 - 20. Mai 2010 - 11:49 #

Sehr schön, wenigstens mal wieder ein kleiner Gewinn. Aber bei diesem Thema muss noch viel gemacht werden. Stichwort: Medienkompetenz (auch bei Politikern)

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