Business Software Alliance: Nimmt Softwarepiraterie weiter zu?

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12. Mai 2010 - 20:41 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert

Bereits zum siebten Mal gab die Business Software Alliance (BSA), ein internationaler Interessenverband von Softwareanbietern, dem unter anderem Apple, Microsoft oder Intel angehören, eine Studie zum Thema Softwarepiraterie in Auftrag. Deren Ergebnisse wurden heute veröffentlicht und bieten erschreckende Zahlen.

Demnach ist der Anteil an illegal verwendeter Software in Deutschland im letzten Jahr um etwa einen Prozentpunkt auf 28% angestiegen. Prozentual mag das zwar ein recht kleiner Wert sein, real steigerte sich allerdings der Verlust der Softwareanbieter allein in Deutschland auf knapp zwei Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr. In der europäischen Union wurden nur in Frankreich höhere Verluste eingefahren, dort entgingen den Entwicklern 2,5 Milliarden Dollar. Dass die Raten sowohl besser als auch schlechter sein können, zeigen zwei weitere EU-Staaten. Während Luxemburg mit einer Rate von gerade einmal 21% auch global einen Spitzenwert aufweist, der nur von den USA unterboten wird, zeigt sich Griechenland als kopierfreudig: 58% der dort verwendeten Software sind laut der Studie nicht legal erworben. Weltweit stieg der Anteil an illegal verwendeter Software auf 43%. Dies liegt laut der Studienergebnisse vor allem an den wachsenden Märkten der Schwellenländer, wie Indien oder die Staaten Südamerikas.

Neben prozentualen Angaben sind aber vor allem die realen Verluste interessant, die Softwareentwickler zu verzeichnen haben. Die höchsten Verluste entstehen demnach in den USA, wo den Firmen jährlich knapp 8,4 Milliarden US-Dollar fehlen, gefolgt von China (ca. 7,6 Mrd. $) und Russland (2,5 Mrd. $). Deutschland folgt in diesem Ranking im Übrigen bereits auf Rang 7. Insgesamt entgingen der Branche allein durch Softwarepiraterie 51,4 Mrd. $, was durch die anhaltende wirtschaftliche Krise noch verschlimmert worden sein dürfte, da wahrscheinlich auch die Einnahmen insgesamt zurückgingen.

Für die Studie wurden nicht nur Spiele herangezogen, auch Business-Software und Betriebssysteme sind darin involviert. Interessenten können sich auch dieses Video ansehen, in dem John Gantz, der Leiter der Studie, das Zustandekommen der Ergebnisse erklärt. Trotzdem bleiben auch nach Betrachtung des Videos einige Fragen offen. Insbesondere ist fraglich, wie die IDC, die die Studie für die BSA ausführte, die Zahlen ermittelte, die zu ihren Ergebnissen führte. Zwar macht das Video klar, dass es mehrere Programme für statistische Erhebungen gibt, die von IDC parallel durchgeführt werden. Wie jedoch diese funktionieren, bleibt im Dunkeln. Auch sollte jedem klar sein, dass die Studie von der Software-Branche finanziert wird. Ein Generalverdacht, solche Studien fielen immer zu Gunsten der Geldgeber aus, ist zwar verfehlt, allerdings muss man die Ergebnisse dennoch mit Vorsicht genießen.

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 34172 - 12. Mai 2010 - 8:15 #

@John

Sorry, aber ich finde den Text recht einseitig geschrieben. Zumindest gehört hier auch noch eine Aussage rein, dass die Beziehung einer illegalen Software nicht automatisch auch den tatsächlichen Kauf einschließt.

Anonymous (unregistriert) 13. Mai 2010 - 8:45 #

Ein Schaden ist ein Schaden, oder?

bolle 17 Shapeshifter - 7613 - 12. Mai 2010 - 8:22 #

"Glaube keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast"

Wenn Firmen, welche Software verkaufen, eine Studie über Softwarepiraterie in Auftrag geben, welches Ergebnis wird diese Studie wohl haben?

Ganesh 16 Übertalent - 4972 - 12. Mai 2010 - 8:30 #

Habe mir das Video angeschaut und habe leider keine Antworten bekommen - 1. Wie stellen die fest, wie viel illegal geladene Software wirklich in Nutzung ist? Laut der Erklärung geschieht das durch eine mathematische Operation: 'Einfach' alle installierte Software - die verkaufte Software. Aber wie man Daten über Software bekommen will, die in der Regel nicht registriert ist und keine Updates runterlädt, macht er nicht transparent.

2. Ich habe meine Zweifel, dass sich aus den erhobenen Daten so einfach Geldbeträge ziehen lassen, selbst wenn sich irgendwie feststellen lässt, dass die Software in Nutzung ist. Vor allem lässt das Video offen, ob es statistische Variablen gibt, die ein mögliches Nutzerverhalten abdecken, wenn die Software nicht herunterladbar wäre. Beispielsweise gibt es zu MS Office kostenlose Ersatzprodukte eines ähnlichen Funktionsumfangs. Mit einem illegalen Download muss ich mich aber nicht mal auf die Suche machen - wenn ich aber vor die Wahl gestellt bin, entweder 90€ (oder so) in ein Office-Paket zu investieren oder aber das kostenfreie OOo einzusetzen, könnte ich die Entscheidung nochmal überdenken.

Fazit: Das es keine neutrale Studie ist, ist klar. Jedoch sollte man eventuell auf die deutlichen methodischen Probleme hinweisen, mit denen sich eine derartige Studie konfrontiert sehen muss. Dass eine Studie von Seiten der Software-Industrie geneigt ist, diese Probleme zu übergehen, um plakative Zahlen zu haben, ist klar. In einer News sollte man das allerdings nicht reproduzieren.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 59349 - 12. Mai 2010 - 9:10 #

@Ganesh und Gucky:
Eure Kritik in allen Ehren, und ich verstehe auch eure Punkte. Aber warum muss ich in einer News, die ich bewusst völlig neutral als reine Faktenaufzählung der Ergebnisse gestaltet habe, auf mögliche methodische Schwächen eingehen? Ich finde, jeder Leser sollte sich hier sein eigenes Bild machen und selbst überlegen, ob er die Ergebnisse für seriös und glaubwürdig hält.

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 34172 - 12. Mai 2010 - 9:18 #

Hmmm, weil es vielleicht ein Unterschied ist einen einseitigen Sachverhalt einseitig neu zu formulieren. Dann hast du eine Neutralität der "Übertragung" der News gewährleistet, outest dich aber auch als wenig reflektierender Schreiber.

Die Aufgabe eines guten Journalisten ist es aus meiner Sicht tatsächlich Fragen zu stellen und einseitige Statements zu hinterfragen.

Erst wenn das in einem veröffentlichten Text gewährleistet ist, kann man ihn aus meiner Sicht als "neutral" bezeichnen.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 59349 - 12. Mai 2010 - 9:27 #

Hmm, so weit habe ich nicht gedacht. Und wenn ich es mir überlege, ist das nicht-nachhaken und nicht-reflektieren auch das, was mich an richtigen Journalisten stört.

Also gut, ich gebe mich schon jetzt geschlagen, ohne hier eine endlose Diskussion vom Zaun zu brechen. Der Argumentation kann ich schlecht was entgegen halten. Wird überarbeitet, aber wohl erst im Verlauf des Nachmittags/Abends, mal sehen, wie ich es schaffe.

Ganesh 16 Übertalent - 4972 - 12. Mai 2010 - 9:43 #

Das Problem ist, dass die Ergebnisse der Studie keine 'Fakten' darstellen. Einerseits bleibt die Methode, wie zu die Ergebnisse erreicht wurden, intransparent, zumindest in dem Video (und nach meinem Drüberschauen auch in der PM). 2. Sind die Ergebnisse doch klarerweise ein Mittel zum Zweck, nämlich Lobby-Arbeit zu betreiben. Die produzierten Zahlenkolonnen benötigen doch das moralische Beiwerk gar nicht mehr, den erhobenen Zeigefinger daneben kann und wird sich sicherlich jeder denken. Wenn die Polizei von einer erhöhten Anzahl von Verbrechen sprechen sollte und dazu kilometerlange Zahlen rausgibt, ist vollkommen klar, dass zumindest ein Teil der intendierten Wirkung darin besteht, vor dem Hintergrund einer 'moralischen Verrohung' (oder so) die Bedeutung der Polizei selbst zu untermauern.

So etwas muss in der journalistischen Arbeit bedacht werden. In diesem Fall wird eine vielschichtige Debatte (um illegale Kopien) zugunsten derer beeinflusst, die das Geld haben, solche Studien in Auftrag zu geben und über den Einfluss verfügen, das entsprechende mediale Echo zu organisieren. Ich wüsste von keine Studie von Leuten, die für einen entspannteren Umgang mit dem Thema werben, ganz zu schweigen von einer entsprechenden Studie von sogenannten 'Raubkopierern'.

patchnotes 13 Koop-Gamer - 1741 - 12. Mai 2010 - 9:46 #

Also ich kann die Kritik nicht ganz nachvollziehen, bzw. nachvollziehen schon, aber mir ist nicht klar, was ihr wollt.

Klar fällt die Studie "zu Gunsten" der BSA aus.

Aber sowas dazuzuschreiben wie "illegale Software beziehen ist nicht gleich Kauf" ist letztlich auch nur eine leere Phrase ohne Zahlen und Beweis.

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 34172 - 12. Mai 2010 - 20:41 #

Deswegen sollte dann auch eine Studie erwähnt werden oder eine Aussage, welche das untermauert.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 23909 - 12. Mai 2010 - 22:02 #

Trotz der zweifelhaften Objektivität der Studie, lässt sich die Existenz des Problems nur schwer leugnen.
Hab mich letztens mit einem Spielehändler unterhalten, er wird im Laden mittlerweile öfter auf ein DS-Modul zum Raubkopieren angesprochen, denn auf ein DS-Spiel selber. Auf anderen Konsolen ist es nicht ganz so schlimm, aber auch da ist bei vielen Konsolenkäufern die erste Frage, ob das Gerät auch Kopien abspielen kann.

GamingHorror Game Designer - 968 - 12. Mai 2010 - 23:27 #

einige sehr vernünftige Gedanken und Zahlenspiele zum Thema Raubkopien, von Wolfire:
http://kotaku.com/5533615/another-view-of-video-game-piracy

j-d-s 06 Bewerter - 86 - 13. Mai 2010 - 2:01 #

Naja, das wird so "berechnet": Man nimmt den "durchschnittlichen Softwarebedarf" eines PCs, rechnet diesen auf alle PCs hoch und vergleicht diese Zahlen mit den Verkaufszahlen. Der Rest sind "Raub"kopien. Das heißt, dass Freeware auch unter Raubkopien fällt. Wer zB nur Linux nutzt, der zählt halt als Windows-Raubkopierer in der Statistik.

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