EA: Gekürzte Downloadversionen als Testballons?

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23. März 2010 - 23:11 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert

Electronic Arts schreibt schon seit geraumer Zeit rote Zahlen. Der Spielesoftwaregigant will diese auf die Dauer untragbare Lage unter anderem durch eine stärker auf die digitale Distribution konzentrierte Geschäftsstrategie ändern. Wie die Webseite Kotaku berichtet, wird es Teil des zukünftigen Geschäftsmodells von EA sein, vor dem Release des eigentlichen Spiels eine gekürzte Version zum Preis von 10 bis 15 Dollar auf Plattformen wie dem PlayStation Network und Xbox Live zum Download anzubieten. Dies geht aus einem Bericht des für den Finanzdienstleister Wedbush tätigen Analytikers Michael Pachter über ein Treffen mit der Führungsspitze des Unternehmens hervor.

Diese als "premium downloadable content" (PDLC) bezeichneten Versionen entsprechen Pachter zufolge sehr langen Demos oder in etwa dem Umfang des nur als Download erhältlichen Battlefield 1943. Das vollständige Spiel soll bei entsprechendem Erfolg dieser Version nach dem Download veröffentlicht werden. Im Fall negativer Reaktionen sei es dann noch möglich, Änderungen an dem endgültigen Produkt vorzunehmen. Der Publisher hofft, dass dieses Vorgehen potentielle Flops zu vermeiden hilft. Zudem will man durch die Werbewirkung des PDLC die Marketingkosten senken.

Im Verlauf des selben Treffens äußerte sich auch Electronic Arts CEO John Riccitello zum Stand des Umbaus des Unternehmens. Dieser würde langsamer voranschreiten als anfänglich angenommen. EA hätte etwa zwei Drittel des Weges zu einem langfristig tragfähigen Geschäftsmodell hinter sich gebracht. Der Weg zum Vertrieb des intellektuellen Eigentums des Publishers über eine Vielzahl von Kanälen sei hingegen erst zu einem Drittel zurückgelegt. Electronic Arts erwartet, dass der Umsatzanteil der digitalen Plattformen in den nächsten Jahren auf etwa ein Drittel ansteigt. Zusätzliche digitale Einnahmequellen auch bei als klassische Datenträger verkauften Titeln seien unverzichtbar.

Ob sich diese neuen Vertriebsmodelle für die Spieler negativ oder positiv auswirken, wird offensichtlich von ihrer konkreten Ausgestaltung abhängen. Entstehen hier zusätzliche Kosten für Gamer oder die Möglichkeit, zu einem relativ günstigen Preis einen den Umfang einer Demo deutlich überschreitenden Einblick in einen interessanten neuen Titel zu bekommen? Wird die Download-Version auf den eventuellen Erwerb der Vollversion angerechnet? Solange solche Details nicht geklärt sind, ist eine abschließende Beurteilung der Pläne von EA wohl kaum möglich.

Bernd Wener 19 Megatalent - 13733 - 22. März 2010 - 22:36 #

Wie in der News schon geschrieben, ist das schwer abschließend zu bewerten. Sollte es angerechnet werden, wäre das schon ein sinnvolles Modell. Da aber ein nachfolgender Release nicht zwangsweise gesichert ist, habe ich doch eher Bedenken. Man zahlt dann ggf. 15 Euro für eine etwas größere Demo, zu der nie ein Spiel veröffentlicht wird.

Deathlife 12 Trollwächter - 1168 - 22. März 2010 - 23:07 #

Was ja eigentlich egal wäre, weil man ja nicht in erster linie Geld für eine Demo ausgeben würde, sondern Geld für die Unterhaltung die man bekommt. Ich glaube aber auch nicht, das es für Storyhaltige Spiele gemeint ist.

Gadeiros 15 Kenner - 3114 - 22. März 2010 - 23:34 #

nicht vergessen: schlechte spiele kannste zurückgeben oder weiterverkaufen- demos nicht. und das tatsächliche game ist ja dann am ende auch nicht über online zu erhalten, sondern per dvd. also "anrechnen" auf den ladenpreis? nee, glaube ich nicht.

und für ne demo halben neuspielpreis bezahlen? von was träumen die EAler denn nachts?

Dragor 14 Komm-Experte - 2161 - 23. März 2010 - 9:46 #

Aber man muss ja auch nicht alles blind kaufen und könnte erstmal ein paar Test abwarten.

Gadeiros 15 Kenner - 3114 - 23. März 2010 - 13:41 #

deswegen gabs früher ja auch Demos VOR dem spiel, weniger blockverträge von publishern (ein test darf nicht vor dem erscheinen des spiels erscheinen) oder so großartig produzierte trailer schlechter spiele.

btw: diese PDLCs wären ja auch demos VOR dem spiel- nur eben gegen bezahlung. und das ist einfach nichts gutes. außerdem: wer testet dann die herausgekommenen PDLCs, ob DIE dann noch die 15$ wert sind? denn wie berechnet sich der preis? wie lange ist so eine PDLCdemo und kauft man da nicht ne katze im sack in absolut jeder hinsicht?

bolle 17 Shapeshifter - 7614 - 22. März 2010 - 23:18 #

"Im Fall negativer Reaktionen sei es dann noch möglich, Änderungen an dem endgültigen Produkt vorzunehmen. "

Aha, man bringt ne Betaversion mit 3 Maps aufn Markt, wenns trotzdem viele Spielen dann entwickelt man es zuende und merzt alle Bugs aus. Guter Plan!

Anonymous (unregistriert) 22. März 2010 - 23:47 #

Geniales Konzept statt Beta-Tester zu bezahlen, lässt man Spieler zahlen damit sie eine Beta spielen.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29796 - 23. März 2010 - 0:01 #

Macht Microsoft schon seit 20 Jahren ;) ..

Faxenmacher 16 Übertalent - 4008 - 23. März 2010 - 0:10 #

*lach* so ist es! ;)

Entreri (unregistriert) 23. März 2010 - 11:48 #

Bei MS werden die Tester häufig mit einer Vollversion des Endprodukts belohnt... soviel dazu ;).

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29796 - 23. März 2010 - 16:12 #

So wie bei Vista, wo ich dann noch 90 Euro für die Vollversion namens Windows 7 ausgeben durfte? :D

EA lernt halt bei den Großen. Gut finde das allerdings nicht.

Entreri (unregistriert) 23. März 2010 - 20:11 #

Jetzt bin ich aber mal auf die Erklärung gespannt, warum Vista für dich nur die Demoversion von Windows 7 war :P.
Ich hatte mit Vista eigentlich nie Probleme, welche auf das OS zurückzuführen waren.

Der Vergleich passt hier nicht mal Ansatzweise ;).
Aber auf den Erfolg von EA's Prinzip darf man gespannt sein. Wir sollten schon anfangen, große "HAHA - told you so"-Schilder zu malen.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29796 - 24. März 2010 - 1:25 #

Nur weil du keine Probleme hattest bedeutet das nicht, dass es keine gab. Klar, in vielen Fällen waren unausgereifte Treiber (beta..?) schuld. Aber ich habe in den letzten Jahren SO viele Kunden beruhigen müssen, die in den absurdesten Situationen Probleme mit Vista hatten.. Ich picke mir mal einen Punkt aus dem Haufen - Netzwerkfunktionalitäten, besonders in Verbindung mit WLAN und NAS. Grauenvoll. Viele NAS-Boxen funktionieren immer noch nicht mit Vista, nicht einmal auf IP-Ebene.

Entreri (unregistriert) 24. März 2010 - 10:14 #

Und du bist sicher, dass z.b. dieses Problem von Vista verursacht wird - und nicht vom Treiber bzw. sonstiger Betriebssoftware für das NAS? ;)
Macken hat meist jede Software ... aber immer dieses Herstellergebashe muss auch ned sein.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29796 - 24. März 2010 - 13:44 #

Es gibt keine Treiber, die Dinger haben ein eigenes OS (meist Linux mit Samba-Server) und eine IP. Diese gibt man ein und *plopp* öffnet sich bei JEDEM aktuellen OS die Bedienoberfläche dieser Boxen. Nur bei Vista natürlich nicht.

Limper 16 Übertalent - P - 5442 - 23. März 2010 - 0:03 #

Es gibt eine Antwort von EA auf Gamasutra:
[UPDATE: EA VP of corporate communications Jeff Brown told Gamasutra in an email that the publisher will continue to offer an array of pricing strategies to consumers. He wrote in full:

"- EA is working on a number of projects for delivering premium content to consumers before, during, and after the launch of a packaged-goods version of the game.

- EA SPORTS, EA Games and EA Play are each experimenting with download strategies that deliver fresh game content in formats players want to experience.

- To date, there is no set pricing strategy for the entire EA portfolio. And many of the proposals include free-to-play content on models similar to Madden Ultimate Team, Battlefield Heroes and Battlefield 1943.

- None of the proposals call for charging consumers for traditionally free game demos."]

http://www.gamasutra.com/view/news/27759/Analyst_EA_To_Release_Paid_DLC_Prior_To_Packaged_Game_Launches.php

Uebelkraehe (unregistriert) 23. März 2010 - 0:14 #

Viel Aussagekraft hat das aber nicht - und die Behauptung, dass EA hier schlicht für Demos kassieren wolle, habe ich mir eigentlich durchaus bewusst verkniffen. Wobei es sich allerdings tatsächlich ein wenig nach kostenpflichtigem Betatest anhört...

Gadeiros 15 Kenner - 3114 - 23. März 2010 - 13:45 #

"None of the proposals call for charging consumers for traditionally free game demos."
*lässt es durch den publisherquatsch-übersetzer laufen*
"es wird nach wie vor die traditionell kostenlosen demos ein paar monate nach erscheinen des spiels geben. wofür wir geld verlangen werden sind EXTRALANGE demos zum erscheinen des spiels oder sogar 1-2 wochen davor, die wir dann als premiumdlc benennen werden- ergo sind das keine demos oder betas."

Knevilo 08 Versteher - 201 - 23. März 2010 - 0:04 #

Für mich riecht das auch gewaltig danach das man den Leuten für Beta Tests auch noch Geld abnehmen will, auf der Konsole mag so was ja evtl funktionieren wenn der Preis nicht zu hoch ist aber auf dem PC wird sich das meiner Meinung nach keinesfalls durchsetzen.

bolle 17 Shapeshifter - 7614 - 23. März 2010 - 0:18 #

Dann schau mal was auf Ebay gerade für einen SC2 Beta-Key gezahlt wird :)

Wenn man da einen ordentlichen Hype aufzieht dann kann man glaub schon Geld für verlangen. Darf nur nicht jeder kriegen, dann willst auf einmal jeder haben.

tobzzzzn 11 Forenversteher - 795 - 23. März 2010 - 0:32 #

Ich empfehle EA einen Schritt zu den Wurzeln des Erfolgs (vieler anderer Publisher): Einführung von nicht hackbaren Kopierschutzmechanismen, die es dem Käufer erleichtern sich wenig Zeit dem gekauften Spiel hinzugeben. Von Experten auch gern der ubisoft'sche Weg genannt. Nur damit lässt sich viel Geld einnehmen. Die einzige Alternative dazu wäre die Entwicklung von Spielen, die schwere Suchtzustände und die komplette soziale Verarmung erwirken. Blizzard hat damit der Welt einen enormen Dienst erwiesen, wieso sollte EA das nicht auch schaffen?
Ich halte nichts von diesem neuen Konzept, dem User einen Leckerli hinwerfen und darauf warten, dass er anbeißt, mehr will und draufzahlt. Sowas funktioniert nicht, es geht nur über monumentale und gigantische Spiele, die monatlich kosten, endlos sind und auf Dauer soviel Spaß machen wie Pilze sammeln auf Müllhalden. Quasi der Fallout-Weg. Welcher Spieler interessiert sich für die unvollständige Version eines Spiels, wenn er auch gleich die Vollpreisversion mit ähnlichen Einschnitten in Spielspaß, Umfang und Fertigkeitsgrad haben kann?
Hoffentlich erhört EA diesen ernst gemeinten Aufschrei und lässt die Spieler im Stile des größten Spielehauses Blizzard richtig bluten. Wir wollen es wirklich nicht anders! :-)

Spitter 13 Koop-Gamer - 1313 - 23. März 2010 - 1:08 #

Ich habe doch erst kürzlich die Payed BETA Battlefield Bad Company 2 von EA gekauft , ist doch ein ähmliches geschäftsmodell ! Erst Beta gratis Testen dann die Beta bezahlen .

Sephix 13 Koop-Gamer - 1452 - 23. März 2010 - 7:42 #

Interessant, wie sehr die Publisher den Gamer noch ausnutzen wollen, nur weil sie dank ihrer grottigen Geschäftsführung rote Zahlen schreiben. Geld für eine Demo zu bezahlen, selbst wenn sie mehr Umfang bietet, als eine Standard-Demo, ist mit das Dümmste, was man sich einfallen lassen kann. Ich zahl doch nicht für etwas Unfertiges nur um dann später das gleiche nochmals in Vollversion zu kaufen.

Wobei es ja schon seit geraumer Zeit Publisher gibt, die meinen, sie müssten halbe Spiele verkaufen, bei denen man die andere Hälfte durch DLC dazukaufen muss...

Bernd Wener 19 Megatalent - 13733 - 23. März 2010 - 7:48 #

Falls man nochmals zahlen soll, wäre das natürlich dämlich. Aber ansonsten würde ich das schon in Erwägung ziehen. Ist doch im Prinzip nicht viel anders als der Shareware-Gedanke.

Anonymous (unregistriert) 23. März 2010 - 12:22 #

Moment! Für den ersten Teil des Shareware-Programms bezahlte man normalerweise gar nichts. Und wenn doch ging das Geld an den Händler, nicht an den Publisher.

Tr1nity 28 Endgamer - 101075 - 23. März 2010 - 12:37 #

Bei Shareware ging die Bezahlung auch nicht an einen Händler, sondern an den Autor/Programmierer/Entwickler/Hersteller.

Philipp L Shui Wang 10 Kommunikator - 376 - 23. März 2010 - 12:01 #

Gothic 5.0

"Liebe Kunden/Spieler, es ist soweit, nachdem sie für 12 Euro unsere goldene Alpha gekauft haben, können wir nun nach 6 Monaten verkünden, ein paar von ihnen haben es geschafft, unser Programm zum Laufen zu bringen. Nun sind die größten Fehler ausgemerzt!
Freuen sie sich mit uns!
Es ist an der Zeit, diese neue goldene Beta in ihre Hände zu bringen!
Für nur weitere 45 Euro, und das dank fleissiger Leute unserer Community."

Könnte schon sein, dass es paar Vorteile hat, aber am Ende kommen nur die schlechten zu tragen, wie von mir beschrieben, meine Meinung.

Und dann noch in Kombination mit diesen kleinen Schnipsel, die man nachkaufen kann.

Takura 06 Bewerter - 82 - 23. März 2010 - 12:12 #

Ich hätte garnicht gedacht das EA seit längerem rote Zahlen schreibt.
Mein Tipp an EA: Wieder mehr Klasse statt Masse. Lieber paar Spiele weniger im Jahr raushauen aber dann vorraussichtliche Perlen besser polieren.

Ich glaube das man eigendlich recht gut abschätzen kann welches Spiel einen Mehraufwand verdient und welches man lieber sein lassen sollte. Paar Umfragen machen um die Wünsche der Spieler abschätzen zu können und dann mehr Energie in ein Spiel, statt viel zu viel aufteilen zu müssen.

P.S
Falls EA noch einen Marketing-Experten sucht können Sie mich gerne anschreiben. ;P

Z 12 Trollwächter - 1009 - 23. März 2010 - 19:14 #

Scheisse bleibt Scheisse, auch wenn man ein "Premium-Content"-Schildchen drauf steckt und es den Investoren als Geschäftsmodell verkauft.

uLu_MuLu 14 Komm-Experte - 1922 - 23. März 2010 - 20:31 #

HAHA sag ich da nur. Was eine bekloppte Geschäftsidee....

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 24. März 2010 - 16:49 #

Ich finde das gut, und wenn es EA überleben und gedeihen hilft, werden auch wir Nutzer davon Gut haben.

Philipp L Shui Wang 10 Kommunikator - 376 - 24. März 2010 - 18:52 #

und welchen Nutzen/Vorteil haben die Spieler davon? Also nicht vom "Überleben" von EA, sondern von diesen teuren Alpha-Versionen?

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