Lenhardts Nachtwache: Streit um Ensemble Studios‘ Todesursache
Teil der Exklusiv-Serie Lenhardts Nachtwache

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Heinrich Lenhardt 6519 EXP - Freier Redakteur,R8,S3,A1
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22. März 2010 - 10:05 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
Es war weder der Professor mit dem Dolch noch die Baronin mit dem Kerzenleuchter. Was genau Ensemble Studios ins Grab gebracht hat, wird erneut diskutiert. Wir erinnern uns: Am 9. September 2008 bestätigte Microsoft, dass man das Studio nach Fertigstellung von Halo Wars schließen werde. Der Schock war nicht unerheblich; schließlich wurden im Laufe der Jahre über 20 Millionen Einheiten von Ensembles erfolgreicher Age of Empires-Serie verkauft.
 
Die Leiche ist längst kalt, da entbrennt nun ein handfester Streit unter den Hinterbliebenen. Anlass sind Ausführungen des früheren Ensemble-Mitarbeiters Paul Bettner im Rahmen eines Vortrags auf der Game Developers Conference. Sein Tenor: Das Studio konnte nicht gescheit planen und hatte eine notorische Überstunden-Kultur: „Jedes Spiel dauerte und kostete das Doppelte von dem, was wir ursprünglich gesagt hatten. Unsere Abhängigkeit vom ‚Crunch‘, den überzahlten Pflicht-Überstunden, wurde zur Normalität bei Ensemble. Und die Qualität unserer Spiele litt darunter“. In der Endphase sei das Betriebsklima entsprechend mies gewesen: „Wir zerstörten die Familien der Mitarbeiter, wir opferten ihre Jugend.“ Her mit den Taschentüchern.
 
„Moment mal“, sagt nun Ian Fischer, einer der Spieldesigner von Age of Empires. In einem offenen Brief an Paul Bettner widerspricht dieser dem Eindruck, dass Ensemble ein teurer Schluderladen gewesen sei: „Ensemble Studios war nicht teurer oder weniger effizient als andere Entwickler dieses Kalibers“, die im selben Zeitraum Spiele veröffentlichten. Ensemble habe eine niedrige Fluktuationsrate gehabt, „Crunch“ sei vom Management-Team aktiv bekämpft worden.
 
Aber woran lag’s denn? „Wir wollten die Freiheit zu experimentieren, neue Dinge auszuprobieren. Diese Freiheit war uns wichtiger als Effizienz. Hätten wir ein Echtzeitstrategiespiel nach dem anderen fabriziert, statt hinter MMOs, Shootern und Rollenspielen her zu sein, wären wir sicher ein effizienteres Studio mit null Crunch gewesen. Die große Mehrheit von uns wollte das aber nicht – und darüber bin ich froh“, schließt Fischer seinen Eintrag. Inzwischen wissen wir ja, dass Ensemble einst an einem MMORPG basierend auf Halo arbeitete, das ebenso wenig vollendet wurde wie zum Beispiel ein Rollenspiel, dessen Konzeptskizzen ich bei einem Studiobesuch vor rund zehn Jahren sah.
 
Warum nun all diese Projekte viel Aufwand verursachten, aber nie vollendet und veröffentlicht wurden, ist die abschließende Preisfrage. Vielleicht wollte Ensemble zwar unbedingt andere Genres ausprobieren, aber konnte das halt nicht so gut wie PC-Echtzeitstrategie-Spiele? Und das war eine Kombination, bei der Microsoft wohl nicht mehr die besten wirtschaftlichen Perspektiven gesehen hat.
 
 
The Old Republic braucht 1 Million Abonnenten
 
Spätestens seit Mark Jacobs vor dem Warhammer-Online-Launch verkündete, dass sein Spiel mehr als eine halbe Million Abonnenten brauche, um erfolgreich zu sein, tönt man in MMORPG-Kreisen ungerne mit Erwartungshaltungsangaben herum (Warhammer Online erreichte diese Zahl nicht und Jacobs ist inzwischen seinen Job los). Wie viele zahlende Kunden Electronic Arts sich vom kommenden Star-Wars-MMO The Old Republic verspricht, hat man aber dem Analysten Arvind Bhatia zugeflüstert (der dieses Wissen prompt mit dem Blog Industry Gamers teilte). Das bei Bioware entwickelte Online-Rollenspiel benötige etwas mehr als 1 Millionen Abonnenten, um profitabel zu werden. Das EA-Management setze große Hoffnungen auf The Old Republic und hält sogar mehr als 2 Millionen zahlende Spieler für möglich.
 
Wenn ich mich nicht täusche, haben wir seit World of Warcraft kein MMORPG gehabt, das in der westlichen Welt eine siebenstellige Zahl von Abonnenten erreichte. Aber die EA-Erwartungen halte ich keinesfalls für unrealistisch. Wenn selbst die Kombination aus Star Wars und Bioware-RPG-Expertise es nicht schaffen sollte, diese Spielermengen zu erreichen, fällt mir auch nichts mehr ein. Spannend nur die Frage, wie lange The Old Republic noch Entwicklungskosten verursacht, bis es veröffentlichungsreif ist.

Felix 11 Forenversteher - 657 EXP - 19. März 2010 - 1:48 #

„ [...] Jedes Spiel dauerte und kostete das Doppelte von dem, was wir ursprünglich gesagt hatten. Unsere Abhängigkeit vom ‚Crunch‘, den überzahlten Pflicht-Überstunden, wurde zur Normalität bei Ensemble [...] "

Den Satz verstehe ich nicht so ganz. Soll er aussagen, dass die Beteiligten einfach "geldgeil" waren und deshalb vom ‚Crunch‘ abhängig wurden?

Uebelkraehe (unregistriert) 19. März 2010 - 2:05 #

Wohl eher, dass man im geplanten Rahmen nicht zurande kam und deshalb dafür zusätzlich Mittel aufbringen musste, um irgendwie dann doch mal das Spiel fertig zu kriegen...

GamerGasse 09 Triple-Talent - 320 EXP - 19. März 2010 - 8:15 #

So hab ich das auch verstanden, aber das kann ich mir bei Ensemble gar nicht vorstellen. Die Spiele (vor allem Age of Mythology) waren von vorne bis hinten durchgestylt, durchdacht und prima ausbalanciert. Ich hätte gedacht, da sitzen total routinierte Entwickler, die genau wissen wie ein RTS zu funktionieren hat.

Uebelkraehe (unregistriert) 19. März 2010 - 8:45 #

Na ja, vielleicht sind es ja zwei Paar Schuhe, zu wissen wie ein gutes Spiel auszusehen hat und es auch in einem effizient organisierten Prozess zu entwickeln.

Florian Pfeffer Redakteur - Abo - 23377 EXP - 19. März 2010 - 8:44 #

Ich denk mal "überzahlt" sollte hier eigentlich "unbezahlt" heissen...

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 62417 EXP - 19. März 2010 - 8:16 #

Irgendwie hab ich jetzt Hunger auf ein Vitalis Knusper Müsli mit ganz vielen Crunchies ;).

M___K 10 Kommunikator - 458 EXP - 19. März 2010 - 9:42 #

Wer hält eigentlich die Rechte an Age of Empires und warum macht man aus dieser Goldgrube nichts?

Creasy (unregistriert) 19. März 2010 - 10:05 #

Goldgrube.. äh ja, die Zeit solcher Genres ist schon lange abgelaufen - von Starcraft abgesehen. Wie wärs jetzt langsam mal auf gute Spiele mit Story, Charakteren, Inszenierung zu setzen ?(Heavy Rain hat den Grundstein gelegt)

Dennis Ziesecke 21 Motivator - Abo - 27308 EXP - 19. März 2010 - 10:39 #

Und wenn man nun einmal gerne Strategie spielt? Ok, kannst du also HR/Konsolenfetischist wohl nicht verstehen, funktioniert halt anders. Aber viele Leute können wohl gut auf perfekte Charakterentwicklung und romanverdächtige Storys verzichten wenn dafür der strategische Anspruch stimmt. Schaut ja auch nicht jeder preisgekrönte Epen im Fernsehen..

Larnak 19 Megatalent - Abo - 18355 EXP - 19. März 2010 - 15:08 #

Und selbst wenn nicht: Es ist ja nicht so, dass es nicht möglich wäre, perfekte Charakterentwicklung und romanverdächtige Storys in ein Strategiespiel zu packen.

bolle 17 Shapeshifter - 7126 EXP - 19. März 2010 - 10:40 #

Monkey Island hatte diese Elemente auch schon, die gingen aber irgendwie unter Hoffe auch auf mehr davon.

bam 15 Kenner - 2749 EXP - 19. März 2010 - 10:44 #

Zeit abgelaufen? - Nö.
Ein neues Age of Empires würde sich auch heute richtig gut verkaufen. Siehe z.B. die Total War Reihe, welche sich prächtig auf dem PC macht.
Speziell auf dem PC verkauft sich einfach das gut, was auf den PC ausgelegt ist und da stehen nunmal Strategiespiele (egal welcher Art) an erster Stelle (MMOs mal außen vorgelassen).

Der Grund für die Schließung der Ensemble Studios ist eigentlich relativ simpel. Microsoft konzentriert sich im Spielebereich auf die Konsole. Das Studio war vornehmlich PC-Entwickler und deswegen wurde es geschlossen um die Ressourcen auf den Konsolenspielemarkt umzuverteilen.

Auf Story, Charaktere und Inszenierung setzen? Das ist ein alter Hut und Heavy Rain hat da nichts grundlegend neues gebracht. Bei Strategiespielen aber muss vor Allem das Spiel selber gut sein, denn der Soloteil wird von den Spielern oft nur als nettes Beiwerk gesehen.

M___K 10 Kommunikator - 458 EXP - 19. März 2010 - 10:52 #

Wobei gerade die AoE Spiele auch im Soloteil den Starcrafts und Warcrafts dieser Welt ebenbürtig war. Auch in RTS kann man schöne Geschichten erzählen. Und ich bin der festen Meinung ein neues AoE (solange es gut ist und nicht wie C&C endet) wird sich gut verkaufen. Schade, dass MS daraus nichts macht...

Porter 05 Spieler - 2981 EXP - 19. März 2010 - 11:04 #

puuh da lehnste dich aber weit aus dem Fenster, also der Soloteil der Age of Empires waren vielleicht ganz nett aber nix dolles!

Olphas 20 Gold-Gamer - Abo - 21060 EXP - 19. März 2010 - 11:09 #

seh ich zumindest im Falle von AoE2 aber auch wieder anders, da fand ich die Kampagnen super. Aber zum Glück darf ja jeder noch selbst entscheiden, was einem selbst gefällt :)

ganga 18 Doppel-Voter - 11412 EXP - 19. März 2010 - 11:12 #

Also ich habe die Age of Empires Teile bestimmt weit über 50 Stunden gespielt - fast ausschließlich im Singleplayer.

Uebelkraehe (unregistriert) 19. März 2010 - 11:38 #

Also bin auch absolut nicht der Ansicht, dass 'Geschichtenerzählen' jetzt überall das entscheidende Element sein soll. Manche Leute können scheinbar nur in Schwarz und Weiß denken...

Anonymous (unregistriert) 19. März 2010 - 13:34 #

Es ist doch gerade erst die Complete Edition von AoE3 auf
den Markt gekommen.
Die ganze Serie ist doch heute immer noch gut auf aktuellen
PCs spielbar, warum soll man den Brei noch einmal aufwärmen?

Kinder haben an der ganzen Serie total viel Spass im MP, man
erzählt denen halt nicht, wie man Militär baut ...
Und lernen tun sie auch noch was dabei.

Larnak 19 Megatalent - Abo - 18355 EXP - 19. März 2010 - 15:12 #

Weil der "Brei" von Anfang an offenbar als Vierteiler geplant gewesen war, wie diverse Bilder aus der AoE3-Entwicklungszeit zeigen. Und dieser vierte Teil fehlt eben noch ;)

GamingHorror Game Designer - 968 EXP - 19. März 2010 - 13:54 #

"überzahlten Pflicht-Überstunden"

Soll wohl "unbezahlten" heissen, richtig?

Felix 11 Forenversteher - 657 EXP - 19. März 2010 - 18:18 #

So würde das mehr Sinn machen.
Ich frage mich was "überzahlten Pflicht-Überstunden" sein könnten.
"Geldgeilheit" ???

bam 15 Kenner - 2749 EXP - 19. März 2010 - 19:06 #

Überstunden werden in dem Fall besser bezahlt als normale Arbeitsstunden. Da Überstunden Pflicht waren um das Spiel rechtzeitig fertigzustellen, waren also die Kosten höher als veranschlagt: Also überbezahlte Pflicht-Überstunden.

In der Spielebranche scheint das aber normal zu sein, dass gegen Ende der Entwicklungszeit Überstunden en masse geschoben werden.

Anonymous (unregistriert) 19. März 2010 - 13:56 #

Auf howstuffworks.com habe ich gerade gestern eine Liste von 10
Grossprojekten gesehen, deren Kosten die Bank gesprengt haben
("The Big Dig").
Im Gegensatz dazu bewegt sich Ensemble noch im üblichen Rahmen
in der IT.
Entsetzt bin ich immer, wenn sich dann so arrogante Manager hinstellen
und z.B. erzählen, dass der neue Bahnhof in Stuttgart (in Wirklich-
keit ja ein komplettes Stadtentwicklungsprojekt) im Kostenrahmen
bleibt. Das ist realitätsfremd und wer so etwas sagt, sollte bis
zum letzten Pfennig mit seinem Privateigentum haften!

Sucht im Internet einmal nach "Riding a dead horse" oder "Wie man ein
totes Pferd reitet", dann wisst ihr, womit ich seit mehr als
3 Jahren mein Geld verdiene ;-)

Faxenmacher 15 Kenner - 3706 EXP - 19. März 2010 - 13:58 #

Also ich hab AoE1 und 2 gezockt und die waren schon gut. Aber rein von der SP Kampagne waren konnten Sie es meiner Meinung nach nicht mit WC 3 oder gar World in Conflict (ja kein Basenbau und eher Taktik als Strategie) aufnehmen!

Azzi (unregistriert) 19. März 2010 - 15:06 #

Der letzte Teil von AoE war einfach nicht mehr das wahre. Gut über Hamachi hab ichs mit Kumpels zig Stunden im MP Modus gezockt, der Singleplayer war aber einfach nicht mehr konkurrenzfähig.

Ein Warcraft/Starcraft bringen halt gut erzähle und abwechslungsreiche Kampangen mit. Ein Total War spektakuläre Schlachten etc.
AoE3 hatte nichts von beidem hat sich einfach nur veraltet gespielt...

Roland Austinat Freier Redakteur - 2942 EXP - 20. März 2010 - 6:16 #

"Wenn ich mich nicht täusche, haben wir seit World of Warcraft kein MMORPG gehabt, das in der westlichen Welt eine siebenstellige Zahl von Abonnenten erreichte."

Huhu Heinrich, wie sieht es mit Free Realms aus? Das ist ein MMO, das diesen Monat die neun Millionen Spieler feiert. Teilweise kostenlos, teilweise kostenpflichtig - was die Entwicklungskosten ja deswegen nicht geringer macht. :)

Spiritogre 17 Shapeshifter - 6740 EXP - 20. März 2010 - 18:15 #

Wobei dann natürlich die Zahl der zahlenden Abonennten relevant wäre und nicht die, die sich da irgendwann mal angemeldet haben bzw. kostenfrei spielen.

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