Forschung: Was im Gehirn zur "Suchtspirale" führt

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29. Dezember 2009 - 12:30 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert

Aus keinem erfolgreichen Rollenspiel, sei es Diablo, World of Warcraft oder neuerdings auch Torchlight, ist sie wegzudenken: die so genannte Suchtspirale. Wer kennt das nicht: Immer wieder erhält man kleinere Belohnungen wie bessere Ausrüstungsgegenstände oder Crafting-Materialien, durch die man motiviert wird, "nur noch ein bisschen" weiterzuspielen. So können aus ein paar Minuten schnell ein paar Stunden werden und irgendwie beschleicht einen immer das Gefühl, man habe zu früh aufgehört, wenn man dann mal aufhört.

Doch welche Vorgänge im Gehirn führen eigentlich dazu, dass man in diese Suchtspirale hineingezogen wird? Dieser Frage hat sich James Madigan, seines Zeichens Doktor der Psychologie, in seinem Blog psychologyofgames.com angenommen. Grund für die immer stärkeren emotionalen Reaktionen sind laut Madigan die so genannten Dopamin-Neuronen, die nicht nur das Glückshormon Dopamin ausschütten, wenn ein erfreuliches Ereignis passiert, sondern die auch derartige Ereignisse vorherzusehen versuchen.

Bei zufällig verteilten Glücksmomenten kommen diese Neuronen jedoch durcheinander. Dies wird am Beispiel eines Spielautomaten erklärt, bei dem die Dopamin-Neuronen dafür verantwortlich seien, dass der Spieler ein System zu erkennen versucht, wo es nachweislich keines gibt. Das Dopamin werde dann nicht nur im Gewinnfall ausgeschüttet, sondern auch dann, wenn die Dopamin-Neuronen einen Gewinn in Kürze erwarten. Da die Gewinne bei Spielautomaten -- ebenso wie der Loot in Rollenspielen -- jedoch völlig zufällig verteilt auftreten, hat das Gehirn keinerlei Anhaltspunkt dafür, wann das Hormon ausgeschüttet werden muss. Die Dopamin-Neuronen "feuern" bei allen möglichen Anlässen und versetzen den Spieler damit in einen Glückszustand, ohne dass dafür wirklich eine Veranlassung besteht. Spiele wie World of Warcraft verstehen es, diesen Mechanismus geschickt auszunutzen, indem sie die Beute nach dem Zufallsprinzip verteilen.

Madigans Artikel schließt mit der Feststellung, dass es ja eigentlich ganz einfach sei, dieses Prinzip zu verstehen und einen Schlussstrich darunterzusetzen -- andererseits hätten die "blauen" Handschuhe  seinem Jäger nun wirklich ziemlich toll gestanden und wenn er noch ein paar Defias getötet hätte, wäre vielleicht auch das passende Beinkleid in der Beute gewesen...

Bildquelle: Brain von dierk schaefer unter CC-BY

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 29. Dezember 2009 - 12:49 #

Das ist echt lesenswert. Vielen Dank! :)

nitramred (unregistriert) 29. Dezember 2009 - 13:02 #

Interessant - aber was wäre dann der Rat an Blizzard? Die Spiele frustrierender zu machen? *g*
Ich finde, der letzte Satz trifft es ganz gut. Letztendlich läuft es darauf hinaus, dass jeder das für sich richtige Maß beim Spielen findet und sein Spielen reflektiert. Dann behält man auch ein Diablo ganz gut im Griff.

bam 15 Kenner - 2757 - 29. Dezember 2009 - 13:32 #

Psychologie neigt immer dazu die Verantwortung vom Menschen auf irgendwelche unbewussten bzw. neurologischen Umstände zu verlagern. So gehts aber nicht. Klar wirkt sich eine Dopaminausschüttung positiv auf das Verlangen weiterzuspielen aus, aber der eigentliche Weiterspieltrieb kommt vom Individuum aus und ist eine persönliche/freie Entscheidung.

Ein Spiel das nicht zum weiterspielen motiviert ist ein schlechtes Spiel. MMOs haben nunmal die Eigenschaft so viele Aufgaben zu bieten, dass man theoretisch 24/7 spielen kann ohne an ein Endziel zu gelangen. Genau hier sind aber persönliche Prioritäten gefragt. Was will ich in diesem Spiel erreichen und wieviel Zeit will ich investieren? Mit ein klein wenig Selbstdisziplin gibt es dann auch keine Probleme, für alle anderen gilt: Selber Schuld.

Apoth (unregistriert) 29. Dezember 2009 - 13:49 #

Schon, aber wenn man nen Effekt kennt, kann man besser gegensteuern

Blacksun84 17 Shapeshifter - P - 7234 - 29. Dezember 2009 - 13:52 #

Ich sehe das Thema ganz einfach. Viele Menschen stehen heutzutage unter Druck, beruflich wie privat. Immer mehr müssen 110% an der Arbeit fahren, oftmals sind die Kollegen Arschlöcher und privat sind die Menschen auch immer anspruchsvoller und unzufriedener - siehe Trennungsraten und steigende Singlehaushalte. Was ist da schöner, als in "seinen" Welten selber Gott zu spielen? Herr der Menschen in Anno 1404. Starker Kerl in Mass Effect. Großer und edler Held in Zelda. Topsportler in Fifa. etc.pp.
Armes Würstchen im RL, starker und beliebter Held in WoW, das sieht man oft. Mich nehme ich da gar nicht aus, da ich auch im RL ein arbeitsloser und unzufriedener Junggeselle bin und in den Spielen so richtig die Sau rauslassen bzw. diese wieder vertreiben kann. Gerade gestern bekam ich in WoW das seltene Phönixmount und ich muss sagen, all die Fragen und Bewunderung der anderen Leute in Dalaran war schon toll. Je schwieriger die Realität wird und je mehr die Unterhaltungsindustrie und schöne Welten gibt, desto mehr werden die Leute abdriften.

Houseputz (unregistriert) 29. Dezember 2009 - 21:56 #

WoW Sucht. Zum Glück hasse ich Online-Rollenspiele. Nie will ich 10h+ mit Videospielen verbringen... Das ist mir zu fett.

McFareless 16 Übertalent - 5567 - 2. Januar 2010 - 1:00 #

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