Aktueller Vortrag zur Computerspieldebatte

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27. Dezember 2009 - 17:03 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert

Die Debatte um den Einfluss des Kulturguts Computerspiel auf die Gewaltbereitschaft, das Suchtverhalten oder die Sozialkompetenz seiner Konsumenten ist nach wie vor aktuell. Gegner und Fürsprecher stehen sich oft unverstanden gegenüber, der Debatte fehlt es in vielen Fällen an einer sachlichen Grundlage.

 
Einen Versuch, die Computerspieldiskussion in einen vernünftigen Rahmen zu lenken und sinnvolle Lösungsansätze aufzuzeigen, unternimmt aktuell Bastian Dietz, Diplom-Pädagoge und unter anderem Referent für Interne Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des Bayerischen Jugendrings (K.d.ö.R.). In seinem Vortrag "Computer.Spiele.Politik - Die Computerspieldiskussion und wie man darin überlebt" auf dem heute in Berlin beginnenden 26. Chaos Communication Congress (26C3) stellt Dietz den vermuteten Gefahren von Computerspielen den aktuellen Forschungsstand gegenüber, nennt wichtige Akteure der Diskussion und gibt am Ende Anregungen, wie computerspielpolitische Lobbyarbeit aussehen kann.
 
Begleitend zum Vortrag ist ein PDF des Textes von Bastian Dietz auf der Website des 26C3 abrufbar. Dietz bemüht sich darin um eine neutrale Darstellung der Sachverhalte, was ihm auch größtenteils gelingt. Nur an wenigen Stellen ist die eigene Position des Autors deutlich erkannbar (so merkt man dem Abschnitt über mögliche positive und negative Einflüsse von Computerspielen die Favorisierung der Erstgenannten deutlich an und das vermutete Lernpotential der Spiele wird zunächst als deutlich mächtiger dargestellt). Dennoch ist der Text in der Debatte ein interessanter Beitrag und hilft, einen Überblick über die momentanen Standpunkte zu gewinnen.

Nachtrag vom 29.12.2009: Mittlerweile stehen die ersten Vorträge des 26C3 in verschiedenen Formaten zum Download bereit – darunter auch der von Bastian Dietz.

prax 11 Forenversteher - 575 - 27. Dezember 2009 - 16:23 #

Ich verstehe nicht was daran so schwer ist? Shooter etc. gehören nicht in Kinderhände und erwachsene Menschen wollen sich nicht bevormunden lassen.
Anstatt zu zensieren, indizieren und verbieten sollte man sich darauf konzentrieren das Händler sich an die vorgeschriebenen Alterskennzeichnungen halten.

Mir gehts wirklich tierisch auf den Keks und es gäbe weitaus wichtigere Dinge oder sogar gefährdendere Dinge die man diskutieren sollte.

Tr1nity 28 Endgamer - P - 100933 - 27. Dezember 2009 - 16:40 #

Hinzu kommen noch Eltern, ältere Freunde etc., die, wenn der Händler dem Minderjährigen den Kauf tatsächlich verwehren sollte, daß diese dann das Spiel für ihn erwerben. Sei es, weil die Eltern keine Ahnung haben, was ihr Sprößling da eigentlichen haben will oder einfach der nervenden Quängelei nachzugeben. Kriegt man die nicht rum, hat der Sprößling leider immer noch die Möglichkeit der illegalen Kopie aus dem Netz.

Und da lasse ich auch keine Aussagen gelten, á lá mein 14-jähriger Sohn ist reif genug für ein 18er-Titel. Das setzt den Jugendschutz ab absurdum und ist praktisch das Futter, für solche Debatten.

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11874 - 27. Dezember 2009 - 17:17 #

"Und da lasse ich auch keine Aussagen gelten, á lá mein 14-jähriger Sohn ist reif genug für ein 18er-Titel. Das setzt den Jugendschutz ab absurdum und ist praktisch das Futter, für solche Debatten."
Einspruch! Genau dafür sind Eltern da! Sicher gehören die meisten 18er Titel nicht in die Hände ganz junger Spieler. Aber! In anderen Ländern spielen auch zwöfljährige Titel wie Gears of War und entwickeln sich völlig normal. Es kommt immer auf die Medienkompetenz an und darauf, ob ein Kind die mediale Gewalt verarbeiten kann, sprich also keine Alpträume von bekommt, sie für real umsetzbar hält etc.
Wir wollen doch mal festhalten, dass das was Erwachsene meinen für ein Kind schädlich ist es in wirklichkeit nicht ist und andersrum Sachen, die für Kinder aus Sicht eines Erwachsenen geeignet sind es für ein bestimmtes Kind aus welchen Gründen auch immer vielleicht nicht geeignet ist.
Der Gesetzgeber gibt Richtlinien vor. Die Verantwortung und die Entscheidung muss aber letztlich bei den Eltern liegen!

Tr1nity 28 Endgamer - P - 100933 - 27. Dezember 2009 - 17:27 #

Da liegt aber das Problem: Woher sollen die Eltern wissen, ob das Spiel nicht doch ungeeignet ist? Ich bezweifle nämlich stark, daß da die meisten sich mit dem Spiel beschäftigen, geschweige sich zusammen mit ihrem Kind/Jugendlichen vor den PC setzen, damit sie sehen, was er/sie da eigentlich spielt.

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11874 - 27. Dezember 2009 - 17:29 #

Nun, ich bin 37 und kenne zahlreiche Eltern, wo der Vater mit Computerspielen aufgewachsen ist und sich durchaus mit der Materie sehr gut auskennt...
Woher wissen Eltern denn ob ein Brettspiel oder ein Buch für ein Kind geeignet ist? Man informiert sich gefälligst vorher über ein Produkt bevor man es dem Kind kauft!

Tr1nity 28 Endgamer - P - 100933 - 27. Dezember 2009 - 17:30 #

Sicherlich. Drum sagte ich ja die meisten. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber leider ist das eben eher selten.

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11874 - 27. Dezember 2009 - 18:48 #

Ich glaube eher, die meisten Eltern wissen schon ganz genau, was sie ihrem Kind zumuten wollen. Ich glaube auch, dass die Kinder die "böse" Computerspiele spielen weitaus harmloser sind als die, die am Bahnhof rumlungern und alte Leute anpöbeln...
Man muss doch mal sehen von wem die Kritik an den Spielen kommt, das sind meistens diejenigen, die weit jenseits der 40 oder 50 sind und eher Enkel- als Kinder haben. Und die sozial armen Menschen, die sowieso selbst kaum kompetent sind und kaum selbst im Leben klar kommen, die sollten lieber gar keine Kinder haben... da wären Computerspiele nur der Tropfen auf dem heißen Stein.

luzii (unregistriert) 27. Dezember 2009 - 19:42 #

Leider gottes sind mir als einzelhändler meist die hände gebunden! wenn eltern mit ihren kindern an die kasse kommen und man weis schon das der vater für seinen 12 jahre alten sohn das game (usk 18) kauft, kann man leider nichts machen, ausser einen hinweis geben... dann wird man nurnoch belächelt.

nitramred (unregistriert) 27. Dezember 2009 - 19:59 #

Das ist in der Tat erschreckend. Manche Spiele gehören wirklich nicht in Kinderhände - so reif das dazu gehörende "Kind" auch sein mag. Da ist die Alterseinstufung auf der Packung schon berechtigt. Den Eltern kommt in diesem ganzen Problemfeld wirklich eine bedeutende Rolle zu - und sie sollten sich in keinem Fall durch Uninformiertheit aus der Verantwortung stehlen. Die USK-Einstufung kann man auch ohne mehrere Testberichte gelesen zu haben ernst nehmen. Und sich vielleicht dann doch noch einmal informieren, welchen Wunsch man dem "frühreifen" Nachwuchs gerade erfüllt.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 27. Dezember 2009 - 22:16 #

Gegenbeispiel: Ein Nachbarsjunge wünschte sich von einer lieben älteren Nachbarin eine DVD: Final Destination XY. Daß der Film mit unfassbaren Schock-Effekten spielt ist ja bekannt und wohl kaum strittig. Die Dame suchte und wurde schließlich bei Media Markt telefonisch informiert, daß der Film bestellt werden könne. Von der jungen Frau bei Media Markt befragt, für wen das denn sei wurde sie darüber aufgeklärt, daß der Film brutale Bilder zeige.
Auch wenn der betreffende junge Mann, der sich die DVD gewünscht hatte schon volljährig ist, hat die ältere Dame dennoch davon abgesehen den Film zu verschenken. Er kann sich den ja problemlos selber kaufen. Und es ist ja ok, Dinge zu verschenken, die einem ein gutes Gewissen bereiten. :)

luzii (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 5:05 #

^^ sry ich arbeite nun schon so lange im verkauf und das ist zu 99% nicht die wahrheit^^ ganz einfach!

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11874 - 28. Dezember 2009 - 0:26 #

Ich glaube du erzählst schmarrn!

Sven 18 Doppel-Voter - 9146 - 27. Dezember 2009 - 17:15 #

> Und da lasse ich auch keine Aussagen gelten, á lá mein 14-jähriger Sohn ist reif genug für ein 18er-Titel. Das setzt den Jugendschutz ab absurdum und ist praktisch das Futter, für solche Debatten.

Als Erziehungsberechtigter ist es deine gesellschaftliche Pflicht, dich mit den Normen und Regeln des Jugendschutzes auseinander zu setzen. Gleichwohl ist es dein Recht, dich bewusst (!) darüber hinweg zu setzen.

Der Jugendschutz wird dabei lediglich dann ad absurdum geführt, wenn man ihn als Diktat bzw. strengen Katalog an Verboten begreift -- ein legitimer und nachvollziehbarer Standpunkt. Die Frage ist lediglich, ob Jugendschutz notweniger Weise derart verstanden werden muss. Und genau deswegen sind die anhaltenden Diskussionen darüber im Sinne des Gemeinwohls mehr als sinnvoll. :)

Tr1nity 28 Endgamer - P - 100933 - 27. Dezember 2009 - 17:32 #

Ich sag ja nicht, daß sie nicht sinnvoll sind. Ich meinte nur, daß nicht nur an Händler etc. appeliert werden soll, sondern auch an die Eltern, die oftmals gar nicht mal wissen, was ihr Kind da spielt.

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11874 - 27. Dezember 2009 - 18:50 #

Und ich denke, du unterschätzt da die Eltern von heute. Die meisten wissen schon recht genau, was sie ihren Kindern zumuten können und wollen. Und RTL/SAT1/Pro7-Zielgruppenmenschen sind nicht die Regel.

Tr1nity 28 Endgamer - P - 100933 - 27. Dezember 2009 - 18:59 #

Ja, sofern sie wissen was ihr Kind da spielt. Ich glaube jedenfalls, daß es die meisten eben nicht wissen. Die Kids von heute sind da schon recht pfiffig drauf, samit illegale Downloads bzw. Filesharing (inkl. Schulhof), um das vor ihren Eltern zu verbergen bzw. entsprechend auszulegen.

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 34202 - 27. Dezember 2009 - 19:43 #

Nach meinen Erfahrungen wissen leider die wenigsten Eltern über Computer- und Videospiele Bescheid und ich bin froh, dass es solche Eltern wie euch gibt.

Wenn ich auf Veranstaltungen warm bei denen Eltern, Pädagogen, Lehrer usw. anwesend waren, haben die sich meist als sehr unwissend und "fernsehmanipuliert" gezeigt.

Zudem würde ich ein Kind von 12 Jahren kein Spiel wie z.B. GTA 4 spielen lassen. Computerspiele können meiner Ansicht nach ein kleines Segment bei bestimmten Kindern und Jugendlichen bedeuten, die langfristig eine negative Verhaltensänderung bewirken kann.

Ich finde auch das man sich meist an die guten Einstufungen der USK halten sollte, in Verbindung mit Gesprächen und Reflektionen über das Spiel.

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11874 - 28. Dezember 2009 - 0:25 #

Naja, wer geht denn auf solche Veranstaltungen? Doch nur Eltern, die keine Ahnung haben... ^^

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich im Media Markt immer wieder festgestellt, dass wenn kleine Kinder einen nicht altersgerechten Titel haben wollten, die Mütter sagten, der Titel ist erst ab 16, den kriegst du nicht. Das in solchen Diskussionen hier vielbeschworene Gegenbeispiel ist mir hingegen kaum bis gar nicht aufgefallen - obwohl ich sehr darauf achte!

Dazu kommt, habt ihr euch mal die Amazon Weihnachtsverkaufscharts angeschaut? Unter den Top 10 Artikeln sind nur Wii Spiele - keine "Metzelsachen". Ich glaube das ganze Thema wird viel zu heiß gekocht!
Auch ich und meine Freunde haben damals ganz schlimme (und heute bis auf die Thematik aber grafisch völlig harmlose) Spiele gezockt. Ich habe mir als kleines Kind heimlich "Die flambierte Frau" und "The Fog" angesehen (und fand beide langweilig und habe die nur gesehen weil die "verboten" waren). Das Ergebnis ist, das ich wohl etwas weltoffener bin wenn es darum geht um bestimmte Themen zu sprechen, wo einige doch immer sehr verkniffen sind, ansonsten bin ich und sind meine Kumpels alles ganz ordentliche Menschen geworden. Wir haben eben mal heimlich ein verbotenes Spiel wie Commando Lybia gezockt und auch ein Hitler Diktator angesehen - eben weil es illegal war - aber wir haben nicht in der Disco mit Drogen gedealt, Autos aufgebrochen oder sonstigen Müll gemacht - solche Leute waren immer andere - andere die keine Spiele gezockt haben! Im Gegenteil hat, denke ich, der Umgang mit besagten schlimmen Spielen - die eigentlich damals schon als blöd empfinden wurden aber halt cool weil "illegal" waren, dafür gesorgt, dass man reflektierter mit der Thematik umgehen kann insbesondere wenn man sie in die Realität umlegt. Ich kenne Leute, die sind heute fast schon extreme Linke, die haben damals mit viel Spaß besagtes Nazigame gezockt. Hätte sich ihre Weltanschauung ähnlich entwickelt oder gar gegenteilig, wenn sie das eklige Rechte Spiel nicht gekannt hätten? Wer kann das sagen? Fest steht, es hat ihnen jedenfalls nicht geschadet!

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 34202 - 28. Dezember 2009 - 14:41 #

Nicht nur, ich habe auch schon einige Eltern erlebt, die sich ausführlicher über Computer. und Videospiele und deren Umgang damit informieren wollen. Aber diese Personengruppe ist eher die Minderzahl.

Hmmm, ich habe im karstadt und Media Markt eher das Gegenteil festgestellt. Eltern, die keine Ahnung haben kaufen ihren Kindern was sie wollen. Ich finde es aber gut und interessant, dass du da andere Erfahrungen gemacht hast :).

Wir haben aber damals nicht so realistische Spiele gehabt, mit Onlineanbindung und Clans. Und auch mal den einen oder anderen Film ansehen, der für einen nicht geeignet ist, finde ich nicht so schlimm. Nur wenn man sich nur noch so ein Zeug reinzieht und nur noch Shooter, vielleicht sogar übelste wie Manhunt spielt, wird das auf die Dauer Auswirkungen auf ein Kind bzw. jungen Jugendlichen haben können.

Selbstverständlich spielen hier die Eltern des Kindes, sein Selbstbewusstsein, sein "Erfolg" und sein funktionierender Freundeskreis eine wichtige Rolle.

Aber gerade bei "problematischen" Kindern, vielleicht aggressive oder in Therapie befindliche, wäre ich da sehr vorsichtig.

Hin zu kommt, das familiäre Verhältnisse nicht mehr so ausgeprägt sind wie vor 20 jahren als die klassische Kernfamilie mit ihren Ausprägungen so vorhanden war. Erziehung und damit auch Medienerziehung, für mich eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre, die immer noch unterschätzt und fehlinterpretiert wird, z.B. durch unsinnige Verbotsforderungen.

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11874 - 28. Dezember 2009 - 17:52 #

Man muss sich klar machen, welche Art von Kindern nur und ausschließlich für sie ungeeignetes Material konsumieren und welche Art von Eltern dies zulassen. Das ist eine sozial sehr begrenzte, sehr asoziale Schicht.

Und wenn wir sagen, früher als wir klein waren, da waren die Sachen längst nicht so schlimm, so muss uns klar sein, dass das auch schon für unsere Eltern davor galt. Die Zeiten ändern sich halt.

Das soziale Umfeld ist für das Kind entscheidend. Hat es viele Freunde, ist noch in irgend einem Verein aktiv (Sport, Musik, etc.) und spielt zwischendurch mal Spiele und da zwischendurch auch mal einen Titel, der nicht unbedingt für das Alter geeignet scheint, so sehe ich das nicht als problematisch. Andersrum wird der berühmte Schuh draus, wenn ein Kind nach der Schule nur am Bahnhof rumlungert oder nur zu Hause hockt und ausschließlich Metzelgames und -Filme konsumiert, dann läuft da sicher im Elternhaus einiges schief. Sicherlich ist das Leben anders als noch vor 20 Jahren. Patchworkfamilien etc. auf diese Herausforderungen müssen sich moderne Menschen eben einstellen, wenn die Familie hinter der persönlichen Entfaltung und Individualität (man kann es auch Egoismus nennen) zurückstecken muss.

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 34202 - 29. Dezember 2009 - 11:03 #

Ich denke das wir mit unseren Meinungen gar nicht mal so weit voneinander entfernt liegen :).

Ich glaube nicht, dass nur eine „asoziale Schicht“ (wir haben in Deutschland inzwischen eine Nivellierung der Schichten und keine Zwiebel mehr ;)) ungeeignetes Material konsumieren lässt. Es gibt auch sehr unwissende „normale“ Eltern oder Personensorgeberechtigte denen die Härte und Brutalität vieler dieser Spiele gar nicht bewusst ist und die sich mit dem Thema gar nicht auseinandersetzen möchten. Daher finde ich gerade diese Meinung von dir sehr gefährlich.

Das zweite Argument von dir wird häufig angeführt (Comic 70er, Fernsehen 80er usw.) und teilweise gebe ich dir auch recht, nur haben wir heute eine Situation die sich durch das ändern der Zeit nicht so einfach erklären lassen. Medien haben inzwischen einen Stellenwert eingenommen, der viele Eltern, stellenweise sogar uns „Spezialisten“ überfordert. Internet (Facebook, Wer kennt wen, Twitter, Pornodownloads, Illegale Software, Onlienrollenspiele usw.) führen zu einer aus meiner Sicht nie dagewesenen Schwemme an Betätigungsfeldern für Kinder und Jugendliche. Es wird gehetzt, gemobbt, runtergeladen, Pornos reingezogen usw. Mittlerweile macht das fast jeder Jugendliche und nicht jedes Elternhaus ist mit jemanden wie dir bestückt, der hier einhaken und einlenken kann. Im schlimmsten Fall kann ein Jugendlicher, der zurückhaltend ist, vielleicht auch Frust hat weil es mit den Mädels nicht klappt und dann vielleicht von einem Freund oder dem Freundeskreis eins auf den Deckel bekommt zum Amokläufer werden, weil er durch die Medien zum Märtyrer gemacht wird. Dann kann man es allen mal so richtig zeigen und ist eine Woche überall in den Medien.

Daher ziehen die pauschalen Erklärungsschemata aus meiner Sicht nicht mehr und ich betrachte die Förderung von Medienkompetenz, engagierte Eltern in der Medienerziehung (mehr Zeit mit dem Kind verbringen, auch mal bei oder mit einem Spiel) für absolut essenziell und als die Herausforderung des neuen Jahrzehnts.

Im letzten Abschnitt gebe ich dir Großteils recht. Jedoch sollte das mal spielen nicht zu einem Selbstläufer werden, was schnell passieren kann. Trotz Patchworkfamilien müssen die verantwortlichen Elternteile hier aus meiner Sicht konsequent erziehen, aber auch Spielraum zur Entwicklung ihrer Kinder geben. Auf der anderen Seite muss auch die Gesellschaft und Politik sich der neuen Situation anpassen. Ganztagesschulen, verstärkte sozialpädagogische und sozialpsychologische Betreuung nicht nur an Schulen, die nicht nur an den auffälligen Kindern, sondern auch an den extrem unauffälligen Kindern ansetzt.

Hier muss einiges getan werden, denn Verbote von Spielen oder Internetsperren sind hier der falsche Weg, was wiederrum zeigt das viele ältere Politiker wie Frau von der Leyen den neuen Herausforderungen nicht gewachsen ist und gerade diese Dame muss sich von mir den Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit dem Zugangserschwernisgesetz, den Sperren sind es ja nicht, nur auf Stimmenfang bei einer überalterten Gesellschaft gegangen ist, denn dort kann man ja bekanntlich die meisten Stimmen holen ;).

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 27. Dezember 2009 - 22:18 #

So lange die Eltern den Sprösslingen zur Seite stehen ist meist alles in Ordnung. Vernachlässigte Kinder sind eher gefährdet denke ich.

Pro4you 18 Doppel-Voter - 12684 - 27. Dezember 2009 - 22:37 #

Unsere Geselschaft ist anscheinend noch nicht so weit ein andere Art von medium zu Akzeptieren, das so befremdlich wirkt wie das des Videospiels.
Größten teils liegt dies an Stereotype die auf falsche Tatsachen aufgebaut sind.

nitramred (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 13:39 #

Ganz andere Sicht auf die Dinge: Habe heute morgen einen Blogeintrag von Tale-of-Tales-Gründer Michaël Samyn gelesen (und darüber eine News geschrieben), der sich u.a. auch damit beschäftigt, inwiefern Computerspiele tatsächlich schon zu einem allgemein verbreiteten Kulturgut geworden sind. Sein Fazit ist eher negativ. Und er glaubt, dass interaktives Geschichtenerzählen in Zukunft jenseits des Mediums "Videospiel" passieren wird.

Johannes Mario Simmel 13 Koop-Gamer - 1626 - 29. Dezember 2009 - 18:24 #

Die Händler? Die Politiker? Die Spielehersteller?

Nix da!

Die Verantwortung für das eigene Kind lag immer und liegt auch weiterhin bei den Eltern!

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