Papers, Please: Kurzfilm zur Einreise-Simulation in der Umsetzung

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13. August 2017 - 10:33 — vor 14 Wochen zuletzt aktualisiert

Im Jahre 2013 veröffentlichte der Entwickler Lucas Pope sein, schwer in eine der branchenüblichen Kategorien einsortierbares Spiel Papers, Please (zum User-Test Papers, Please). In der folgenden Zeit verkaufte sich das Spiel überraschend gut und sammelte fleißig Auszeichnungen wie zum Beispiel den Award für Strategie und Simulation der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) oder den Preis für "Exzellenz in Erzählung" auf dem Independent Games Festival. Jetzt soll ein Kurzfilm zu eben diesem Spiel und seiner brisanten Thematik entstehen. Ein kurzer Trailer wurde in der letzten Woche, zu dem bereits im Mai angekündigten Projekt, veröffentlicht. Ihr könnt ihn euch gleich am Ende dieser News anschauen.

Sowohl das Spiel als auch der Film Papers, Please spielen in den 1980er Jahren, in dem fikitven, kommunistischen Land Artstozka. Hauptperson ist ein Einwanderungs-Inspektor. Seine Aufgabe ist es, die Dokumente der Ein- und Ausreisenden zu bearbeiten. Das knifflige an dieser Aufgabe ist zu entscheiden, wer aufrichtig ist und wer ein Spion oder ein Verbrecher sein könnte. Aber auch, oder gerade vielmehr machen die ganz normalen Personen mit ihren ganz eigenen Problemen, abseits jeglicher Kriminalität, die Aufgabe des Inspektors zu einem Belastungstest für die Menschlichkeit. Mit der Zeit drängt sein Vorgesetzter ihn, die Arbeit immer schneller zu erledigen, was durchaus auch im Interesse des Protagonisten ist. Denn er muss genug Geld für seine Familie verdienen – und natürlich lockt mit mehr Einkommen auch die Aussicht auf mehr Komfort und Annehmlichkeiten. Macht der Inspektor aber bei seiner Arbeit, im Sinne des Systems Artstozkas, Fehler, drohen ihm Lohnentzug und Strafen.

Umgesetzt wird der Kurzfilm von den beiden angehenden, russischen Filmemachern Liliya und Nikita Ordynskiy vom Moskauer Institut für Fernsehen und Rundfunk. Der Inspektor wird von dem hierzulande eher unbekannten Schauspieler Igor Savochkin dargestellt. Der veröffentlichte Teaser kündigt den Film für dieses Jahr an, ein genaues Datum oder auch die Art der Veröffentlichung sind noch nicht bekannt.

Video:

Drapondur 27 Spiele-Experte - - 77957 - 13. August 2017 - 10:48 #

Du brauchst meine Papiere nicht zu sehen. *mitHandvorGesichtwedel*

invincible warrior 13 Koop-Gamer - 1477 - 13. August 2017 - 15:36 #

What? You think you're some kind of Jedi, waving your hand around like that? I'm a Border Patrol agent. Mind tricks don't work on me. Only visa. No visa, no passport, no entry!

defndrs Game Designer - - 1173 - 13. August 2017 - 13:26 #

Ausgezeichnet! Das ist das einzige Spiel, welches in meinen Augen wirklich ein Kunstwerk im klassischen Sinn bezogen auf das Medium Video- bzw. Computerspiel ist. Es ist zeitkritisch bzw. Gesellschaftskritisch und lässt den Spieler durch Interaktion sich selbst und die Welt hinterfragen. Absolut gekonnt das Medium für diesen Zweck ausgereizt. Ob Pope das überhaupt genau so gedacht und beabsichtigt hat, kann man nun bezweifeln oder auch nicht, so oder so hat er hier ein absolutes Meisterwerk hervorgebracht.

Wäre "I Have No Mouth And I Must Scream" nach einer Buchvorlage von Harlan Ellison entstanden, wäre das zB. ebenfalls ein würdiger Kandidat gewesen. Übrigens in dem Zusammenhang auch interessant ist Cryo's "KGB" aus den 90ern oder das vor nicht allzu langer Zeit erschienene "This War of Mine" (hat mir allerdings nicht ganz so zugesagt wie nun Papers, Please! aber auch sehr gelungen und traut sich in vielerlei Hinsicht was). Es gibt u.a. auch ein Spiel zum Thema Kafka auf Steam und diverse andere zu bestimmten Künstlern oder auch berühmten Orten und/oder Konflikten.

Leider versucht man schon seit Jahren allen möglichen Spielen den Begriff "Kunst" anzuhängen (Flower, Journey bzw. fast jedem zweiten Indie-Game usw.). Sobald etwas mal Emotionen hervorruft oder ein heikles Thema angeht. Natürlich sind auch diese Spiele Kunst im weiteren Sinne, ich persönlich sehe das aber eher als Kunsthandwerk. Wie ein gut gemachter Film oder ein spannender Roman. Aber so etwas wie ein "1984" oder "Krieg und Frieden" gab es im Spielebereich eben so gut wie nicht. Papers, Please! trifft für mich nun genau diesen Nerv, aus meiner Sicht gehört das Spiel in eine Ausstellung zum Thema Grenzkontrolle oder Staatssicherheit wie damals in der DDR. So gekonnt das Medium für eine wirklich kritische Auseinandersetzung mit einem Thema ausgenutzt hat bisher kaum ein Spiel - dabei liegt gerade durch die Interaktion hier extrem viel Potential verborgen. Gute Ansätze hatte letztens zB. "Inside".

Der Knackpunkt ist: es gibt bereits interaktive Installationen oder Erfahrungen im Bereich der "ernsten Simulationen" etc. die ähnliche Ansätze haben, hierbei handelt es sich jedoch nicht wie bei Papers, Please! um ein "Spiel" in dem Sinne, welches man dann auf Steam o.ä. veröffentlicht. Von derlei Experimenten gibt es mittlerweile natürlich einige.

Es ist allerdings ein schmaler Grat und nur weil man zB. einen Spieler an eine Waffe lässt und zu einer zweifelhaften Tat zwingt (nach dem Motto: hier, nun setzt Dich damit mal auseinander!), ist es noch lange kein zeitkritisches Kunstwerk. Sonst könnte man u.a. gleich Modern Warfare 2 (in der US-Version dazuzählen.)

Abschließend will ich noch sagen, es gibt natürlich Kunst und Kunst. Bevor hier also zehntausend Beispiele kommen: ich sage nicht, dass Spiele an sich nicht auch Kunst sind, ich spiele hier ausdrücklich nur auf zeit- und gesellschaftskritische Werke an. So eine Diskussion ist zudem extrem philosophisch, da wir alle noch in unserer Zeit wohl kaum wirklich über ein Kunstwerk "entscheiden" können (insbesondere ohne den entsprechenden Hintergrund, innerhalb eines sehr jungen Mediums und ohne genügend stichhaltige Vergleichsmöglichkeiten etc.). Und sicherlich habe ich außer Papers, Please! auch noch das ein oder andere nicht auf dem Radar gehabt (ist jetzt nicht so, dass derlei Spiele nun überall mit riesen Marketing beworben werden). Wer also noch ein paar zusätzliche Beispiele hat - ich bin da sehr interessiert :)

Matze 10 Kommunikator - 418 - 14. August 2017 - 10:59 #

Ich habe das Spiel wirklich lange gespielt und fand es super. Für die meisten ist es wahrscheinlich nichts. Nun bekomme ich wieder wirklich Lust den Stempel zu zücken :)

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