Professioneller Journalismus - wer soll das bezahlen?

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15. Oktober 2009 - 16:19 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert

Die Beurteilung des Internets schwankt oft. Für die einen ist es der Sündenpfuhl schlechthin, für die anderen die neue Form der Freiheit. Wirklich kalt lässt es dagegen kaum jemanden. Leidgeplagte der technischen Innovationen sind neben der Unterhaltungsbranche (Film, Musik, Spiele) auch die Presseorgane. Die Leser wandern zu kostenlosen Online-Angeboten ab, die Auflagen der Printmagazine und Zeitungen sinken rapide in den Keller und die Umsätze der Verlage gehen drastisch zurück. Allenortens sucht man händeringend nach neuen Lösungen für den Kundenschwund -- mit eher mäßigem Erfolg.

Der vom ZDF mitproduzierte Video-Podcast Der Elektronische Reporter beschäftigt sich intensiv mit solchen Themen, die das Internet betreffen. Nach Beiträgen unter anderem zum Thema Netzneutralität und Wahlkampf im Web, stellt die Redaktion in der aktuellen Folge die Frage nach dem Journalismus der Zukunft. Wie kann der professionelle Nachrichtenschreiber von morgen überhaupt überleben, wenn durch das Internet jeder Mensch selbst zum Nachrichtenproduzenten werden kann und die  Einnahmen doch eher spärlich sind?

Eine passende Antwort liefert der zwölfminütige Filmbeitrag zwar nicht, doch gibt er interessante Einblicke in die Materie. Experten und Vertreter verschiedener Interessenfraktionen kommen zu Wort, anhand von Fallbeispielen werden neue Ansätze vorgestellt. Wird der Journalismus der Zukunft abhängig sein von Stiftungen? Beurteilt selbst.  

Video:

Carstenrog 16 Übertalent - 4795 - 15. Oktober 2009 - 16:30 #

Der Fortschritt macht vor niemanden halt. Auch nicht vor der Presse!

Armin Luley 19 Megatalent - 13655 - 15. Oktober 2009 - 16:34 #

Inhaltlich natürlich vollkommen korrekt, rangiert diese Aussage allerdings ungefähr auf einer Stufe mit "Auf Regen folgt irgendwann auch wieder mal die Sonne". Es ist schwierig die Aussage zu bestreiten, sie bietet aber auch keinen Ansatz für Ideen oder Lösungen. ;)

Sebastian Conrad 16 Übertalent - 4740 - 15. Oktober 2009 - 17:02 #

Ich glaube es gibt nicht viele Möglichkeiten die man da hat um irgendwie Gegenlenken zu können. Seiten wie Spot.us oder aber auch GamersGlobal sind vielleicht ein Ansatz, aber es finanziert sich eben nur durch Spenden oder ggf. Werbebanner auf der Seite. Und ich denke nicht das man sich eine Micro-Payment-System antun will a la "Zahle Betrag X und du bekommst X EXP dazu". Auch gibt es keine Möglichkeit - die ich zumindest sehe - einen Abo-Bereich aufzumachen, der Usern wie es in einigen Vereinen der Fall ist je nach monatlichen Betrag den man bezahlt eine Bronze, Silber oder Gold-Mitgliedschaft näher zu bringen. Wie will man das auf Seiten wie z.B. GamersGlobal machen? Zahle x Euro im Monat für eine Goldmitgliedschaft, dafür darfst du 1 mal im Monat den Jörg Langer besuchen und mit ihm über Spiele diskutieren. Ha! Oder man verkauft seine Seele an einen Sponsor wie z.B. einem Hardware-Hersteller und publiziert nur noch positive News über seine Ware. Aber dann geht die Objektivität flöten und man verliert seine Seriösität und das Vertrauen der Leserschaft. Soweit ich das sehe gibt es im Moment kein Patentrezept diesen Trend irgendwie entgegen zu wirken oder gar eine Möglichkeit Web-Dienste für Betreiber Lukrativer zu machen außer seine Seele an den Teufel zu verkaufen.

SonkHawk 14 Komm-Experte - 2151 - 15. Oktober 2009 - 17:33 #

echt guter Beitrag, bitte mehr davon, wenn neue Folgen rauskommen!

Anonymous (unregistriert) 15. Oktober 2009 - 17:53 #

Ökonomisch ist es ganz einfach: Durch Angebot und Nachfrage entsteht der Preis. Durch das Internet hat sich das Angebot enorm gesteigert, wohingegen die Nachfrage konstant geblieben ist. Da ist es ganz natürlich, dass mit "Presse, Journalismus" nicht mehr soviel Geld zu verdienen ist.

Die "Meinungsmache" und "Macht" der Redakteure ist eingebrochen! Zeiten ändern sich!

bolle 17 Shapeshifter - 7613 - 15. Oktober 2009 - 20:00 #

Und die Qualität der Beiträge wird sinken.

Anonymous (unregistriert) 15. Oktober 2009 - 17:53 #

Übrigens, toller Beitrag :), weiter so GG!

Ben 13 Koop-Gamer - 1745 - 15. Oktober 2009 - 18:39 #

Sixtus regelt <3

melone 06 Bewerter - 1512 - 15. Oktober 2009 - 19:46 #

Nur mal zum klassischen Bezahlverfahren:

Ich versteh die Jammerei nur teilweise. Wenn z.B. die SZ mir ein gutes Angebot macht, bei dem ich ein Dokument bekomme, das ich dann auf meinem, hoffentlich bis dahin auch verfügbaren, Tablet/eBookReader bequem lesen kann, ohne einen nervigen Aufwand bei der Technik treiben zu müssen, dann bin ich auch bereit dafür zu bezahlen - nicht das gleiche wie für Print, aber durchaus einen angemessenen Preis. Selbiges würde ich auch für andere Publikationen tun.

Ein paar kleinere Zeitungen in den USA haben bereits erfolgreich auf einen elektronische Abo-Bezahl-Vertriebsform umgestellt.

Ich denke ein Teil des Problems besteht darin, daß a) faire und gute Angebot fehlen, b) die Qualität im Netz oftmals zu wünschen übrig läßt, c) es immer noch viel zu umständlich zu beziehen und konsumieren ist, d) z.B. einige Zeitungen sich die Zeit selbst schwer machen, indem sie, anstatt einen Übergang attraktiv zu gestalten, einem nur Steine in den Weg legen.

Es gibt aber auch ein paar Rubriken auf diversen Seiten die sich lohnen würden; für Larifaribeiträge zahl ich nix. Ein generelles Problem ist natürlich die Reizüberflutung die durch das Internet und die diversen Publiaktions- und Kommunikationsformen enstanden ist; dagegen müssen sich gute Inhalte erst einmal durchsetzen. Aber irgenwie scheint mir das auch eine Chance zu sein, denn für saubere Journalistische Arbeit (eine weise Selektion, sauber recherchiert samt Fakten, gut geschrieben, ...) bin ich auch bereit Geld zu bezahlen, denn das Resultat zu konsumieren spart mir Zeit und bereitet mir Freude.

Es gibt aber auch bereits Dienste, die in der Hinsicht arbeiten, als daß sie anstatt Inhalte selbst zu produzieren, nach den Profilvorgaben des Benutzers Beiträge bereistellen, die inhaltlich und qualitativ gefiltert wurden.

Brakiri 08 Versteher - 174 - 15. Oktober 2009 - 19:40 #

@melone

Schöner Beitrag.
Allerdings sehe ich noch weitere Gründe, warum die Massenmedien nicht vernünftig hinterherkommen.
Die "Profis" sind oft garnicht so professionell.
Wenn ich sehe was z.B. auf Welt-Online oder Zeit-Online für Kommentare und Gedanken von Journalisten veröffentlicht werden, dann schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen. Viele dieser Kommentare sind biased ohne Ende, enthalten Unwahrheiten, offenbaren mangelhafte bis nichtexistente Recherche und fragwürdige Schlussfolgerungen.

Die Wahrheit ist: Ist gibt viele Leute mit Talent da draussen. Viele Leute die es schaffen ohne Ausbildung und Abschluss etwas sinnvolles, durchdachtes und gut recherchiertes zu erstellen.
Vielen Profis ging es vermutlich lange zu gut, denn: Wohin sollte sich der Konsument auch wenden? Es gab ja nur das Fernsehen, Radio und die Printmedien.
Jetzt wo jeder recherchieren kann, Informationen aus aller Welt per Mausklick lesen kann, und sich Gedanken machen kann, verlieren die Redakteure und Journalisten einfach ihr Gedankenmonopol, und müssten mit einer Qualitätsoffensive dagegen angehen. Das tun sie aber nicht.

Nachdem was ich in den letzten Jahren an schwachen Artikeln, Unwahrheiten und Propaganda aus den Stiften der "Profis" lesen durfte, kann ich nur sagen: Diese "Medienrevolution" ist ein Segen für den kleinen Mann, der sich seine eigenen Gedanken machen möchte.

Solange ich für schlechte Informationen Geld zahlen muss, wo ich bessere, durchdachtere und besser recherchierte Infos umsonst bekommen kann, wird diese Krise der Medien weitergehen.

Seht es ein. Euer Monopol ist gebrochen. Jetzt könnt ihr nur durch Qualität dagegenhalten, denn über den Preis wird es nicht gehen.
Information ist nun mehr ein öffentliches Gut als es je wahr.

Armin Luley 19 Megatalent - 13655 - 16. Oktober 2009 - 1:33 #

Ganz so einfach kann man es sich, denke ich, nicht machen. Das Problem ist, es fehlen die Einnahmequellen. Sehr gute Qualität kostet Geld. Doch die Bereitschaft, etwas zu bezahlen, ist momentan nicht sehr hoch.
Abomodelle sind schwer umzusetzen im Netz und Werbeanzeigen werden standardmäßig mit Hilfe von Werbeblockern ausgeblendet. Die Werbeeinnahmen im Netz sind deutlich niedriger als bei Print zu Hochzeiten, obwohl das Publikum breiter geworden ist, Adblock sei dank.

Mit weniger Einnahmen soll jetzt mehr und hochwertigerer Content geliefert werden, schneller als bei der Konkurrenz und möglichst kostenlos obendrein. Das sind vier schwer zu vereinende Positionen. Resultat ist, daß die Redaktionen eher verkleinert werden. Als Freelancer arbeitet es sich allerdings nicht ganz so angenehm, wie wenn man einen gesicherten Arbeitsplatz hat. Neben seiner eigentlichen Arbeit muss man darüber hinaus den kompletten organisatorischen Kram, den normalerweise die Personalabteilung übernimmt, ebenfalls erledigen. Zusätzlich zur ständigen Suche nach einem Abnehmer / zahlenden Kunden. Die drücken dann oft auch noch den Preis, weil sie selbst nicht mehr zahlen können. Was wiederum zu mehr Abgaben zwingt, was wiederum die Zeit für tiefer gehende Recherchen reduziert. So beißt sich die Katze irgendwann in den Schwanz. Irgendwann wird sich der Markt wieder gesund geschrumpft haben. Das ist aber kein Trost für die Menschen, die sich in ihrer Lebensgrundlage bedroht sehen.

Mein Eindruck ist, daß wir momentan immer noch in der Umbruchphase sind und die Durststrecke noch ein wenig länger anhalten wird. Zur Zeit existiert noch ein großer Hype um die neuen Möglichkeiten des Webs. Die kostenlose Glitzerwelt der Datenautobahn sorgt für den großen Rausch. Das wird sich irgendwann wieder legen und mehr Routinen in den Markt einkehren. Momentan sind die Leute mit viel und dafür billig zufrieden. Aber irgendwann ist der erste Bedarf gesättigt und dann beginnt wieder die Suche nach Qualität. Das ist der Punkt, an dem der User wieder bereit ist, zu bezahlen. Die Frage ist, wer sich solange über Wasser halten kann.

LePatron 12 Trollwächter - P - 941 - 16. Oktober 2009 - 9:08 #

Hallo Armin!

Zum Thema Werbeblocker. Ich glaube, das hat sich die Branche zu einem großen Teil selber zuzuschreiben. Weiter glaube ich, das die meisten Leute nichts gegen dezent platzierte Werbung auf Internet-Seiten haben!

Aber hast Du schonmal versucht auf, zum Beispiel, Gamestar.de ohne Werbeblocker zu surfen? Die Seite ist schlicht nicht zu gebrauchen!
Es macht einfach keinen Spaß einen Artikel zu lesen und plötzlich rutscht der Text 5 Zentimeter nach unten, weil noch ein Werbebildchen viel zu langsam nachgeladen wird. Danach ploppt dann das nächste Fenster mit Brillenwerbung über den halben Bildschirm auf, nur um mich beim klicken auf "X" zum schließen des Fensters, auf eine neue Seite zu verlinken.

Die Anbieter sollten im Hinterkopf behalten, das keiner eine bestimmte Seite besucht, um mit Werbung bombardiert zu werden! Da können die Inhalte noch so toll sein. Wenn die Werbung nur noch nervt braucht sich keiner zu wundern, das alle nur noch mit Werbeblocker im Netz unterwegs sind!

Vin 18 Doppel-Voter - 11829 - 15. Oktober 2009 - 19:47 #

@melone:
in der SZ Wochenendbeilage gab es ja auch mal einen Artikel über das Ablösen der Printmagazine durchs Internet und warum es sich vorerst in Deutschland nur schwer durchsetzten wird. Die deutschen vertrauen ziemlich viel auf Titel oder Ausbildungen. Wenn man was im Netz über ein Thema liest will man erst einmal wissen, was der Autor denn überhaupt für Erfahrungen in dem Bereich hat, sonst wird das ganze als "Fanboy-Geschreibsel" abgestempelt.

"Die "Profis" sind oft garnicht so professionell."
Sieht man ja auch in normalen Texten, oft wird nicht mehr richtig Korrektur gelesen, da haben wir Schulaufsätze mit weniger Schreibfehlern...

melone 06 Bewerter - 1512 - 16. Oktober 2009 - 7:57 #

@Brakiri&@Vin

Also ich bin schon für eine solide Ausbildung und ein Titel zeigt mitunter halt auch an, daß man es geschafft hat sich im Studium nicht nur durch Leckereien zu essen. Natürlich gibt es auch gute Leute, die keinen Titel haben und gute oder sogar auch bessere Arbeit leisten. Es gibt aber auch die Situationen wo Du dann Dank Deines Studiums mehr in die Tiefe gehen kannst oder Zusammenhänge aufgrund Deiner Ausbildung besser aufgreifst. Das ist auch so ein Thema, das eine Tendenz hat, die einzelne Individuen natürlich aber nicht bremsen muß. Da kann man viel drüber schreiben und diskutieren...

Sei's drum, was mir und Bekannten schon des öfteren aufgefallen ist, daß beispielsweise Artikel wie die von Spiegel oftmals als sehr gescheit daherkommen, solange man von dem Thema keine Ahnung hat. Sobald es aber ins eigene Spezialgebiet fällt gibt es oftmals harsche Fehler, die dem unbedarften Leser aber nicht auffallen.

Ich find Profis schon gut, weil wenn man etwas den ganzen Tag macht, dann sollte man es auch gut können. Das es daneben auch Menschen gibt, die ihre Freizeit in ein Thema investieren und auf diesem Gebiet dann einem Profi das Wasser abgraben können ist ja auch in Ordnung. Zu manchen Themen ist beispielsweise sehr interessant die Leserbriefe in einer Zeitung zu lesen; man sieht hier ja schon recht deutlich, daß es mündige und intelligente Leser gibt, die auch eine Lebensweisheit miteinfließen lassen, die manchen Journalisten auch fehlt und dadurch Artikel enorm bereichern. Manchesmal wär's auch besser der Leser hätte gleich den Artikel geschrieben.

Anyway, durch das Internet finden insgesamt viel mehr Menschen gehör. Ein Problem liegt daran die Relevanten aus dem Rauschen herauszufiltern. Der profesionelle Journalismus ist eine Möglichkeit dies zu tun.

melone 06 Bewerter - 1512 - 15. Oktober 2009 - 19:55 #

Ich wäre an der Stelle auch dafür die GEZ-Gebühren völlig neu zu überdenken. Was da zu einem erheblichen Anteil jährlich an Geld für Unfug verbraten wird, würde ich lieber in andere sinvollere Kanäle fließen sehen.

Ist natürlich, zumindest kurzfristig gesehen alles, illusorisch, denn wär sägt schon gerne am eigenen Ast; gleiches Thema wie die Zusammenlegung von Ländern im Bund, aber egal, mit diesen Mitteln könnte man richtig gute Dinge machen.

Armin Luley 19 Megatalent - 13655 - 15. Oktober 2009 - 23:20 #

Der obige Video-Podcast wurde aus GEZ-Gebühren finanziert. Persönlich bin ich der Meinung, daß die privaten Sender im Gegensatz zu den öffentlich-rechtlichen die Konzeption einer guten Online-Strategie vollkommen verschlafen haben. Das Jammern der privaten Sender ist deshalb so hoch, weil sie erkennen, welch hohe Investitionen notwendig werden, um wieder gleichziehen zu können und die verpassten Marktanteile zu erobern. Es liegt nahe, die Schuld an dem "Unglück" in der besonderen Stellung von ARD / ZDF zu suchen. Daß die privaten Sender eigentlich lange Jahre gute Umsätze erwirtschaftet haben, spielt in der Vorstellung natürlich keine Rolle.

Das Privatfernsehen lässt sich imho nahtlos in eine Reihe mit Musik- und Filmkonzernen einreihen, die verzweifelt an einem alten Geschäftsmodell festgehalten haben. Daß dann ein staatlich gestützter Sender, der aufgrund seines Bildungsauftrages weniger stark an wirtschaftliche Interessen und Lobbys gebunden ist, sich plötzlich als wesentlich kreativer und beweglicher herausstellt als sie, muss da natürlich schmerzen. Müssen sie sich eben an der eigenen Nase packen. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

Ich behaupte mal ganz frech, wer einen Hit landen möchte, muss erstmal 10 Flops produzieren. Es versickert viel Geld in Projekten, die nicht rentabel sind. Aber das ist in der Wirtschaft genauso. Die meisten Computerspiele, die ersonnen werden, erreichen noch nicht einmal die Beta-Phase. Demnach produzieren auch die öffentlich-rechtlichen durchaus auch Müll, und das schlimme ist: Sie müssen es auch noch offenlegen, weil sie der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig sind. Andererseits sind sie durch ihren Bildungsauftrag dazu verpflichtet, auch Themen abzudecken, die nicht immer in der breiten Öffentlichkeit Anklang finden. Aber im Privatfernsehen gibt's dafür keine Sendungen wie druckfrisch. Rentiert sich nicht, bei den Marktanteilen. Bei ARD gibt's wenigstens einen Sendeplatz um 00.00 Uhr. Immerhin etwas.

Modelle, die in den USA mit ihren 305 Millionen Einwohnern funktionieren, funktionieren nicht zwangsläufig auch in D mit 82 Millionen Einwohnern (+ 9 Mio Österreiche und ca. 5 Mio. deutschsprachige Schweizer), weil nicht die notwendigen Gesamteinnahmen erreicht werden, damit sich das ganze amortisiert.

melone 06 Bewerter - 1512 - 16. Oktober 2009 - 8:32 #

Ich habe in keinster Weise die Privaten gelobt. Das letzte was ich möchte ist eine werbefinanzierte Mainstreamberieselung. Gleichzeitig ist es aber eine Tatsache, daß bei den öffentlich-rechtlichen Institutionen, je nach Abteilung mal mehr und mal weniger, mitunter rießige Summen in die Ausstattung, überbezahlte Posten und sinnnfreie Produktionen fließen. Das hat weniger damit zu tun, daß man eben auch Ausschuss produziert, sondern vielmehr damit, daß hier altgediente Schienen, u.a. aus Vitamin B Gründen, bedient werden wollen oder es an konzeptioneller Stelle, Motivation und strukturellen Problemen hakt.

Ein, auch dem Bildungsauftrag nachkommender, sinvoller Einsatz der derzeitigen finanziellen Möglichkeiten könnte in weiten Strecken völlig anders aussehen und zu einer einzigartigen und beispielhaften Produktion von Inhalten, die sich der Vielzahl an Publikationsmöglichkeiten bedienen, führen.

Wagt einer mal so ein Projekt im kleinen Stil, wird's hochgejubelt und als Innovationsschild vor sich hergetragen, während im Hintergrund weiterhin die großen Mittel versickern.

Der öffentlich-rechtliche Apparat ist für das was er leistet und kostet insgesamt gesehen zu ineffektiv und nutzt bei weitem nicht die heute verfügbaren Möglichkeiten aus - ein schlechter Wirkungsgrad mit eingeschränktem Nutzen.

An dieser Stelle möchte ich mal wissen, warum eine seit Jahren fantastisch produzierte Sendung wie z.B. Wissen macht Ah! gerade mal nur einen Grimmepreis für die Website bekommen konnte. Verglichen mit anderen dekorierten Produktionen ein weiterer Beleg dafür wie verzerrt man sich selbst wahrnimmt.

GingerGraveCat (unregistriert) 15. Oktober 2009 - 21:02 #

Ein guter News Beitrag. Sobald neue Folgen kommen, würde ich mich über eine entsprechende News sehr freuen.

Thuril 10 Kommunikator - 445 - 15. Oktober 2009 - 22:19 #

Super, inklusive O-Ton von meinem Professor, hab ich ja große Augen gemacht eben :-)

Klausmensch 14 Komm-Experte - 2201 - 15. Oktober 2009 - 22:46 #

Ich hätte dem ZDF garnichtmehr so gute Berichte zugetraut. Danke für die News :)

tobzzzzn 11 Forenversteher - 795 - 15. Oktober 2009 - 23:02 #

Ich trauere um den Niedergang dieser "Branche". Leider sind die meisten Webinhalte nicht ansatzweise mit dem zu vergleichen, was uns bei Printmedien geboten wird... außer die Inhalte stammen aus der Feder eben dieser. Das Internet mag innovativ sein, nahezu in Echtzeit Informationen zur Verfügung stellen und grenzenlose Möglichkeiten bieten, aber wichtige Bestandteile, die sich nie als schlecht erwiesen haben, gehen verloren. Ob es jetzt mit einem Wirtschaftsvergleich (Angebot - Nachfrage; "Marktwandel") wirklich getan ist, halte ich für fraglich. Der voranschreitende Verlust der Gedanken auf Papier wird niemals durch qualitativ gleichwertige Online-Inhalte ersetzt werden können. So traurig das auch ist.

Porter 05 Spieler - 2981 - 16. Oktober 2009 - 9:48 #

Werbung muss einfach "harmonisch" eingebunden werden im internet,
ich habe nichts dagegen wenn ich in einem Bericht mal über 3-8 Zeilen Werbung Scrollen muss aber alles was beim Navigieren einer Seite stört oder gar zerstückelt (Bericht,Werbung,Links,Werbung,Kommentare) sowie Webseiten die mich mit sperrigen Flashbannern oder popups behindern oder ohne meine Zustimmung volldudeln haben bei mir gleich verloren, da kann der Seitenbetreiben von mir aus bankrott gehen, dafür hab ich keinen nerv!

t-borg 14 Komm-Experte - 2070 - 16. Oktober 2009 - 11:02 #

Ich bin davon überzeugt, dass das Thema "Qualität kostet" auch von vielen falsch angegangen wird. Qualität hat auch etwas mit Arbeit, Zeit und Strukuren zu tun. Aber auf vielen Seiten von "Qualitäts"-Medien (spiegel.de, zeit.de, faz.de, ...) habe ich immer mehr das Gefühl, hier wird nicht Qualität gelebt, sondern nur schnell und billig. Überall die gleichen Texte und die gleichen Fehler. Keiner kontrolliert den anderen, sondern alle tippen ab, weil es im Internet ja schnell gehen muss. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Qualität kann man nicht mal eben schnell liefern. Hierzu empfehle ich einfach mal die Seite von Stefan Niggemeier: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/

Und solange die meisten Menschen der Meinung sind, dass Nachrichten, Reportagen und Berichte im Internet nur schnell und billig zusammengezimmert werden, solange wird auch niemand bereit sein, dafür zu zahlen.

Hier müssen die "Qualitätsmedien" an sich und ihrer Auffassung vom Internet arbeiten.

Ach ja: Guter Artikel, auch wenn die Diskussion spannender ist ;-)

Benjamin Ginkel 18 Doppel-Voter - 10252 - 17. Oktober 2009 - 18:21 #

Oha. Vielleicht bin ich ja zu altmodisch eingestellt - und als Redaktionsmitglied einer solchen auch selbst betroffen - aber genieße nur ich es, morgens beim Frühstück (oder direkt danach) in der Tageszeitung zu blättern? Oder mal 'ne PC (Spiele-) Zeitschrift in aller Ruhe mit einer Tasse Tee zu studieren?
Für mich gehört zumindest die Tageszeitung einfach dazu und ich möchte deren Lektüre ungern missen.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29502 - 17. Oktober 2009 - 22:27 #

Tageszeitung : hauptsächlich, weil Brötchenkrümel in der Tastatur nerven. Aber ein Fachmagazin wie die c't oder ein gutes Spielemagazin lese ich auch gerne in Printform. Wenngleich diese Hefte sich ihren "News"-Teil mittlerweile sparen könnten. Aber gut geschriebene Reportagen und Tests sind es immer wieder wert. Und in der Badewanne oder auf dem Klo machen sich Notebooks immer noch nicht so gut wie Hefte.

Armin Luley 19 Megatalent - 13655 - 18. Oktober 2009 - 1:16 #

Ich bin kein Ritualfrühstücker. Tageszeitungen haben demnach ein ungünstiges Format. Im Zug oder im Bus kann ich sie nicht richtig ausbreiten, auf der Arbeit ist mein Tisch gar nicht breit genug dafür. Zuviel anderes Zeug, das darauf rumliegt. Außerdem produziert es jede Menge Altpapier, und das wird nur alle 6 Wochen abgeholt. Obwohl ich zugebe, daß sie mir letztens beim Umzug als Verpackungsmaterial für's Geschirr und als Unterlagen für's Streichen gefehlt haben.

Gegen ein gutes Magazin habe ich dagegen nichts einzuwenden. An allen Orten, wo ich nicht mit dem Rechner unterwegs bin.

Marco Büttinghausen 19 Megatalent - P - 19331 - 4. November 2009 - 16:45 #

Ich denke das sich alle darüber einig sind, das ein gewisser Qualitäts-Standard eben sein Geld kostet. Gleichzeitig sieht aber auch jeder das immer weniger Menschen in der breiten Masse bereit sind diese Qualität noch zu bezahlen und sich mit minder(weniger)-wertigen Angeboten zufrieden geben.

Vor diesem Hintergrund verwundert es mich, das alle "Lösungen" für dieses Dilemma versuchen guten Journalismus entweder günstiger zu machen, oder Kunden wieder dazu zu erziehen mehr Geld dafür auszugeben. Das würde ich mir zwar auch wünschen, halte es aber für deutlich wahrscheinlicher das es eben keine Lösung gibt, der Kunde ist hier König und dies ist einer der Fälle wo die Nachfrage das Angebot bestimmt und nicht umgekehrt.

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