Sunset: Tale of Tales stellt Spieleentwicklung vorerst ein

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22. Juni 2015 - 13:30 — vor 1 Jahr zuletzt aktualisiert

Ein Spiel zu entwickeln ist im Grunde genommen nicht schwer. Es braucht eine gute Idee, etwas technisches Know-How für die Umsetzung, eine gewisse Geldmenge und den Ehrgeiz und Einsatz der Entwickler, den Titel abschließend auf den Markt zu bringen. Wenn dann noch die nötige Käuferschaft gefunden wird, ist meist schon die halbe Ernte eingefahren. Dass es aber nicht immer so reibungslos laufen muss, erfuhren nun die Macher der Spieleschmiede Tale of Tales, die erst vor kurzem das interaktive Adventure Sunset veröffentlichten, am eigenen Leibe.

So konnte das Entwicklerteam, das für Sunset verantwortlich zeichnete, gerade einmal 4.000 Exemplare ihres Werkes an den Mann bringen, wobei hier schon die über 2.000 Kickstarterunterstützer mit eingerechnet sind. Selbst aufwendige PR-Kampagnen, sowie gebuchte Werbeanzeigen, positive Kritiken und Zugeständnisse im Spieldesign um der Masse einen leichteren Spieleinstieg zu ermöglichen, halfen dem Titel nicht auf die Beine. Nachdem zuletzt auch eine Rabattaktion nicht fruchtete, kamen die Entwickler nun zu dem Entschluss, sich erstmal aus der Entwicklerbranche zurückzuziehen. In einem Blogeintrag auf der eigenen Website, äußerten sie sich nun kritisch.

Es ist schwer mit diesem Gefühl der Enttäuschung zu leben, wenn man von allen Seiten hört, wie gut das Spiel doch eigentlich ist. Eine handvoll Spieler würdigt das, was wir geschaffen haben. Dabei verfluchen wir das wirtschaftliche System, das uns nicht erlaubt, glücklich zu sein.

Weiter führen sie aus:

Nun sind wir frei. Wir müssen von niemanden mehr Ratschläge annehmen. Wir lagen falsch. Und alle die wir zu Sunset um Rat fragten, lagen auch falsch. [...] Wir sind glücklich und froh, dass wir versucht haben, ein "Spiel für Spieler" zu entwickeln. Wir haben mit Sunset unser Bestes gegeben und sind gescheitert. Sowas brauchen wir nicht noch einmal. Auch wenn die Kreativität immer noch in unseren Herzen brennt, werden wir wohl nach dem Fehlschlag vorerst keine weiteren Videospiele mehr machen. Und falls doch, definitiv keine kommerziellen mehr.

Hinter Tale of Tales verbirgt sich kein klassisches Entwicklerstudio. Vielmehr handelt es sich um einen Zusammenschluss von Künstlern, wobei die beiden Gründer, die US-Amerikanerin Auriea Harvey und der Belgier Michaël Samyn, das Projekt Tale of Tales vor einigen Jahren ins Leben riefen. Ihr bislang wohl bekanntestes Spiel ist das an Rotkäppchen und der Böse Wolf erinnernde The Path, das es gezielt darauf anlegt, den Spielern mit seinen vermeintlich falschen Erwartungen zu konfrontieren.

Sciron 19 Megatalent - P - 15787 - 22. Juni 2015 - 14:22 #

Naja, sie sind also auf dem hart umkämpften Spielemarkt untergegangen und schieben's jetzt auf den Kapitalismus? Für die Entwickler sicher tragisch, aber so läuft's eben manchmal. Ich hab an Indietiteln meist großes Interesse, aber von Sunset hatte ich auch noch nix gehört. Ein kurzer Blick auf die Steamreviews (in denen ja sonst fast alles halbwegs gescheite in den Himmel gelobt wird) motiviert mich auch nicht grade zu nem Kauf.

Lorion 17 Shapeshifter - 7537 - 22. Juni 2015 - 14:57 #

The Path hatte ich von denen mal "gespielt" (war bei nem Bundle dabei) und wenn Sunset genau son tolles "Spiel" ist, dann wundert mich das gar nicht, das es niemand haben will.

Novachen 18 Doppel-Voter - 12755 - 22. Juni 2015 - 15:10 #

The Path wohl nicht verstanden, hm? ;)

Für mich ist The Path tatsächlich eins der prägensten und tiefsinnigsten Spiele überhaupt aus dem letzten Jahrzehnt.

Sicherlich spielerisch und vom Gameplay jetzt ziemlich einfach, aber darum ging es ja bei Tale of Tales Titeln nie...

Lorion 17 Shapeshifter - 7537 - 22. Juni 2015 - 19:52 #

Durchaus verstanden, die Intention ist ja offensichtlich genug, ändert aber nichts daran, dass das prätentiöser Blödsinn für mich ist. Kann man sicherlich 3 Leute mit begeistern, die in die hingeworfenen Krümel mehr reininterpretieren als da ist, aber wenn man den Leuten sowas dann als Spiel andrehen will, fällt man halt mit aufs Maul.

Strangelove 14 Komm-Experte - P - 2053 - 23. Juni 2015 - 20:34 #

Also mir hat es auch gefallen, ich mochte die permanent, durchaus bedrohlich wirkende Atmosphäre und nun sind wir schon 2! Der Dritte wird sich hoffentlich auch bald finden um Deine These zu stützen! :-)
War dieses "Spiel" mit dem Gang einer alten Frau über einen Friedhof nicht auch von denen? Oder war das von The Chinese Room? Das fand ich auch gut! Natürlich war es bei Weitem kein Spiel aber dennoch eine interessante Erfahrung.

Novachen 18 Doppel-Voter - 12755 - 23. Juni 2015 - 22:45 #

The Graveyard war auch von denen, ja.

Endless Forest und Fatale fand ich auch recht interessant... wenn auch für mich selbst nicht ganz so tiefsinnig wie The Path...
Die vier Spiele danach, inklusive Sunset, kenne ich allerdings auch nicht..

Punisher 19 Megatalent - P - 14045 - 22. Juni 2015 - 14:48 #

Mich macht das total alle, dass Spiele unabhängig von der Qualität hier derzeit öfter als "Machwerk" bezeichnet werden, das hab ich erst gestern schon mal wo gelesen... dieser doch arg negativ geprägte Begriff ist mir persönlich irgendwie zu stark und wertend in einer News.

Markus 13 Koop-Gamer - 1324 - 22. Juni 2015 - 15:17 #

Stimmt. "Machwerk" ist eindeutig negativ wertend. Das würde ich mir in so einer News auch anders wünschen, zumal ja aus dem restlichen Text nicht hervorgeht, dass der Autor das Spiel jetzt irgendwie schlecht finden oder verreißen würde (oder überhaupt gespielt hat).

Tassadar 17 Shapeshifter - 7747 - 22. Juni 2015 - 15:43 #

Stimme ich zu, habe das mal in "Werk" umgeändert.

Meursault 14 Komm-Experte - 2460 - 22. Juni 2015 - 15:20 #

Sehr schade. Da mir die 20 Euro zu teuer waren, habe ich es vor ein paar Tagen im Sale gekauft, aber bin bisher noch nicht dazu gekommen. Schade dass Tale of Tales jetzt nicht weitermachen können. Entwickler, die neue Dinge ausprobieren und Wege gehen, die nicht den festgefahrenen der Industrie entsprechen, sind wichtig und können tolle Erlebnisse erschaffen.

Tassadar 17 Shapeshifter - 7747 - 22. Juni 2015 - 15:46 #

Sehr schade, was Tale of Tales bisher so geschaffen haben, hat die Spielewelt meiner Meinung nach auf jeden Fall bereichert. Sunset kannte ich allerdings bis jetzt gerade auch nicht wirklich. Vielleicht war auch der Preis ein Problem? 20€ ist für ein Indie-Spiel dieser Art ja doch eher hoch, auch mit den aktuellen 50% Rabatt sind es dann immer noch 10€. Ich weiß jetzt allerdings auch nicht, wie aufwendig es gestaltet ist.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 23324 - 22. Juni 2015 - 15:54 #

Es wäre schön wenn die Spielepresse nicht immer den Fokus auf die AAA-Titel legen würde, sondern auch mal solche kleineren Perlen mit einer Kritik würdigen würde.

Maik 20 Gold-Gamer - - 21511 - 24. Juni 2015 - 8:23 #

Da die Spielepresse ebenfalls im Kreis des Geldes mitschwimmt, werden solche kleinen Spiele weniger gewürdigt. So werden (fast) nur Umsatzbringer gewertet/getestet.

Dawn 09 Triple-Talent - 248 - 24. Juni 2015 - 10:42 #

Also für Indie Entwickler interessant war an Sunset und deren Werdegang
1. Die Presse hat sehr wohl ziemlich viel Rummel um das Spiel gmacht, kann man auf Metacritic sehen, dass es vergleichsweise viele Reviews gibt. Daran ist es NICHT gescheitert. Was einem durchaus als Indie Entwickler sagen kann, dass die Presse nicht so entscheidend ist, etwas sicherlich, aber nicht so wie man denken könnte. Kann einem auch Mut machen als INdieentwickler, die es nicht so mit der Presse haben. ^^
2. Der Preis spielt sicherlich eine Rolle. 20 Euro war vor einigen Jahre noch völlig okay, aber da die Preisgestaltung enorm gesunken ist bei Indie Titeln, da muss das Spiel schon echt was her machen.
3. Trailer und Screenshots sind nur mittelfeld, es wirkt einfach so wie viele mittelmäßige Indie titel, die Ego Adventures machen.
4. Weil gerade so viele Ego Adventures rauskamen, ist der Markt übersättigt.
5. 2000 Units kann ich als Insider sagen, dass ist für Steam Verhältnisse relativ normal für ein mittelmaß Indie spiel, aufgrund der extremen Flut an vorrangig kleinen Spielen derzeitig. Und Rabattaktionen auf die anspielten, das betraf ja den Summersale wo extrem viele Spiele Rabatte hatten. Das muss zu anderen Zeiten geschehen als Titel, der nicht so sehr durch andere Qualitäten heraussticht.

Chefkoch13 12 Trollwächter - 899 - 24. Juni 2015 - 11:03 #

Unabhängig von der Qualität des Spiels, regt mich diese unreflektierte Kapitalismuskritik der Entwickler auf:

"Dabei verfluchen wir das wirtschaftliche System, das uns nicht erlaubt, glücklich zu sein."

"[..]definitiv keine kommerziellen [Spiele] mehr."

Ein typische Fall von Planlosigkeit. Entweder ich möchte Kunst schaffen, oder ich will kommerziellen Erfolg haben. Nur ganz wenigen gelingt der Balanceakt beides miteinander zu verbinden. GTA zum Beispiel setzt auf kommerziell sehr erfolgreiche Mainstream-Konzepte um den Massenmarkt zu erreichen und schafft es auf dieser Grundlage über die Story künstlerischen Inhalt einzubringen.
Die Damen und Herren von Tale of Tales hingegen, wollten eigentlich Kunst schaffen und heulen jetzt rum, dass ihre Kunst ihnen nicht kommerziellen Erfolg beschert hat. Was du für eine Erwartungshaltung herrscht. Frei nach dem Motto:
"Wir machen hier was ganz neues und kunstvolles und bahnbrechendes, und wenn sich das nicht gut verkauft, sind alle anderen Schuld: Journalisten haben nicht kostenlos umfangreich die Werbetrommel für uns gerührt (--> Das ist so eine Preview oder Review nämlich für aus Entwicklersicht!) und die verdammt Gamer haben ihr verdientes Geld nicht massenweise für unser Spiel ausgegeben, damit wir unseren Lebensunterhalt damit Finanzieren können. Dabei wäre das doch ihre Verantwortng uns gegenüber gewesen! Wir machen Schließlich Kunst!"
Mir fehlt hier absolut das Verständnis und Mitleid habe ich auch keins. Traumtänzer, allesamt.

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