Knut Gollert über iPad und Kids

Zukunftssichere Kinder Meinung

Es ist fast genau 30 Jahre her, da wurde Knut Gollert von Computerspielen nachhaltig versaut. Er kam nicht mehr davon los. Versucht sogar seit Jahrzehnten, damit Geld zu verdienen. Mit zwei kleinen Kindern stellt sich ihm nun die Frage: Will er auch deren Zukunft damit prägen? Oh ja! Ganz unverantwortungslos.
Knut Gollert 14. Mai 2011 - 9:40 — vor 6 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
Kleinpockersdorf, 20. Mai 2027. Lars-Gerhardt ist gestern 18 geworden. Und begießt das mit seinen Kumpels erst einmal kräftig. Zwei Fässer "Turbo", diese moderne Pantsche aus Bier, Kokos-Schnaps und Thüringer Kali-Lauge ist zur Zeit der Hit in Europa. Doch Lars-Gerhardt hat ein Problem. Ein Akzeptanz-Problem. Denn ihm fehlt das technische Verständnis im Umgang mit moderner Technik. Selbstverständlich kann er Unterhaltungselektronik und Computer bedienen, aber er ist nicht mit ihnen verwachsen, wie alle anderen Gleichaltrigen. Seine Eltern hatten nie einen Computer. Seinen ersten Digitalkontakt hatte er erst mit 10, als er von einem Freund ein altes iPad 3 geschenkt bekam. Das er vor seinen Eltern verstecken musste. Er hat Schreiben erst in der Schule gelernt und tippt auf der Tastatur mit einem Finger. Er wird belächelt. Und ersäuft seinen Frust jetzt mit "Turbo".

Moderne Technik auf der Krabbeldecke

Muss diese Zukunft sein? Ich sage: NEIN! Um die Entwicklung unserer (auch zukünftigen) Kinder nicht zu beeinträchtigen, gehört moderne Elektronik schon auf die Krabbeldecke. Neben Klapper, Schnuller und Gummi-Ente muss ein iPad liegen, oder ein entsprechendes Pendant. Damit sind die Kinder frühzeitig gewappnet im Überlebenskampf unserer digital dominierten Welt. Das sichert ihre Zukunft!

Ja, ich weiß, das ist eine gewagte These, die natürlich auch neue Verantwortlichkeiten für die Erzieher mit sich bringt. Aber der Kontakt mit der Elektronik-Maschinerie des 21. Jahrhunderts lässt sich sowieso nicht vermeiden. Die Generation der ersten Computerfreaks, die den C64 angehimmelt und eigene Resetschalter gebaut haben, ist längst Papa. Android- und iOS-Phones sind Normalität, Filme streamt man sich heute vom Rechner, und Musik spielen auch nur noch die wenigsten von einer CD ab. Das kriegen Kinder natürlich mit. Und in die Hände. Dank den heute gängigen Touch-Displays fällt zudem eine der großen Hürden, an denen die noch nicht mal Sprechen könnenden Racker scheiterten: die Bedienung.

Stellte vor zehn Jahren die kognitive Schere zwischen Bildschirm und Bedienelementen jeden Dreijährigen noch vor eine unüberwindbare Hürde -- Maus und Tastatur können sinnvoll erst ab zirka sechs Jahren eingesetzt werden -- fällt diese Anforderung jetzt einfach weg. Patschen können auch Babys. Und wenn dabei etwas Lustiges passiert, was dem pummeligen Zwerg auch noch gefällt, ist Mamas iPad in wenigen Zügen erkundet und vor allem vereinnahmt.

Ist das gut für mein Kind?

Die Frage, die sich nun stellt: Ist das gut für mein Kind? Darf es das? Die Antwort kann zur Zeit keiner geben, da Studien fehlen. Aber brauchen wir die überhaupt? Muss so etwas untersucht werden? In einem Artikel des Spiegel (Nr. 19/2011) wurden auch Wissenschaftler dazu befragt. Gabriele Haug-Schnabel, Verhaltensbiologin, bezeichnet die iPad-Spielerei als "...recht arme Erfahrung, verglichen damit, wie Kinder sonst lernen". Ihr Hebel ist die mangelnde Fantasie, die Apps vom Mini-User einfordern. Das Kind drückt auf etwas und es passiert etwas. Etwas vorgegebenes. Das Kind kann es nicht ändern. Da sage ich: Na und? Wenn ich meinem Sohn eine Trommel hinstelle, haut der drauf. Es macht Bumm! Kann er auch nicht ändern. Klar, er probiert das Draufhauen mit allem Möglichen. Mal macht es mehr Bumm, mal weniger. Aber im Grunde ist es doch das gleiche: Der Programmierer einer App lässt ein Bellen abspielen, wenn der Hund gepatscht wird. Und der Trommeldesigner hat dafür gesorgt, dass es Bumm macht, wenn man auf das große runde Ding haut.

Das Entscheidende: Welche Apps kommen aufs Touch-Spielzeug?
Im Endeffekt bleibt die Verantwortung wie immer an den Eltern kleben. Denn das Entscheidende ist: Welche Apps kommen auf das Touch-Spielzeug? Erreichbar sind sie nach kurzer Zeit für das Kind nämlich alle. Extrem schnell ist die Bedienung gelernt. Keine App in einer noch so versteckten Gruppe ist vor den Kinderhänden sicher. Das sollte man ernsthaft bedenken, denn ein Dead Space muss nicht unbedingt von einem Dreijährigen gespielt werden. Hier funktioniert aber der Selbstschutz ganz hervorragend. Denn die kleinen Menschen unterscheiden sehr wohl, was ihnen gefällt, und was nicht. Ein Klick auf Papas Tower Defense ist nur für wenige Sekunden spannend. Sie verstehen das nicht und drücken es fast umgehend wieder weg. Offenbar fungiert Unverständnis als Schutzmechanismus. Vollautomatisch. Klasse!

Englisch-Kurs oder Fernsehen?

Ich zwinge meine Kinder ganz bestimmt nicht, mit dem iPad zu spielen. Aber es unterhält sie doch gerne mal für einige Minuten, und ich kann mir ehrlich gesagt keinen besseren Einstieg in die Welt der digitalen Unterhaltung vorstellen. Damit muss man heute ja früh genug anfangen. Damit man den Zug nicht verpasst. Genau wie mit Fremdsprachen. Da gibt es sogar Mütter, die mit ihren volldeutschen Babys, die noch nicht mal lallen können, in Englisch-Kurse rennen, um dort mit einem Native-Speaker lustige Lieder zu singen. Das garantiert den Kids ganz sicher das beste Englisch-Abi aller Zeiten. Bei uns zu Hause gibt es auch nur noch Mandarinen, weil China so extrem wichtig geworden ist. Das rettet meinen Söhnen sicher die Zukunft. Haha!

Das Fernsehen sollte man sowieso komplett weglassen.
Aber zurück zum Thema: Wie Fernsehen, das generell erst ab drei Jahren eine kleine Sandmann-Rolle spielen sollte, muss sicher auch die Spielerei mit Winz-Computern einen zeitlich begrenzten Rahmen erleben. Das ist ja generell nicht so schwer, da man die Winz-Computer ruckzuck dem Wirkungsbereich des Nachwuchses entziehen kann. Zum Beispiel auf einem Schrank parken. "Geh raus, spielen!" Mit der Glotze geht das eher nicht. Die kann und sollte man sowieso komplett weglassen. Ich habe zum Beispiel geschätzte 689 Folgen des KiKa-Sandmanns mitgeschnitten, verdigitalisiert und aufs iPad gestopft. Schön, weil man weder zeitlich noch räumlich an das Flimmerbrett (ehemals Flimmerkiste) gebunden ist. Den abendlichen Sandwerfer gibt es nur noch vom iPad. TV ist in meinen Augen so ungefähr das Schlimmste, was man Kindern antun kann. Denn es macht und ist viel zu bequem, nie interaktiv und mit schlimmer Werbung vollgestopft. Nachher wollen die Kids noch Nutella essen und Fußball spielen. Gott bewahre!

Ich hasse Fernsehen. Ich hasse den Grand Prix. Ich mag kindertaugliche Apps.

Euer Knut Gollert

Abfuehrung
Natzcape 12 Trollwächter - 969 - 14. Mai 2011 - 10:21 #

Eine gute Sichtweise. Gerade das mit den Kindersendungen auf dem iPad zu dosieren finde ich super.

McFareless 16 Übertalent - 5567 - 14. Mai 2011 - 10:35 #

Hmm... Lässt sich natürlich drüber streiten, aber in so kleinen Dosen ist das sicherlich sinnvoll ;)

Asto 15 Kenner - 2904 - 20. Juli 2011 - 17:37 #

Solange die Eltern die Kontrolle behalten geht alles

Vidar 18 Doppel-Voter - 12932 - 14. Mai 2011 - 10:37 #

Kommt immer auf das alter der Kinder an, ein Kind unter 3 Jahren hat nichts an so Geräten zu suchen! Selbe gilt aber auch fürn Fernseher.
Da sich grad in den ersten 3 Jahren vieles entwickelt (Motorik, geistige Entwicklung, Sozialkompetenz ect), da ist die Trommel um einiges Sinvoller als ein elektronisches Gerät ;)

Danach spricht nichts dagegen wenn man es dosiert und es nicht Stundenlang allein davor absitzt. Für ne halbe Stunde sicherlich okay, wenn sie dabei auch was lernen

-Stephan- 13 Koop-Gamer - P - 1236 - 14. Mai 2011 - 10:50 #

Hm, dosiert ein I-Pad als Gerät für Kindersendungen meinetwegen; aber Spielen auf dem Teil müsste doch eigentlich unter "Verstoß gegen die Menschenrechte" zählen, oder? :D
Nee, im Ernst, ich spiele meine Spiel defintiv lieber am großen TV-Gerät zu Hause. Für Kinder ist es aber wohl nicht das schlechteste, wobei da auch das Alter eine Rolle spielt, wie Vidar schon geschrieben hat. Zumal ich mir sicherlich kein I-Pad anschaffen würde um meine Kinder zu unterhalten, und ich selbt kann ganz gut ohne leben :)

Koffeinpumpe 15 Kenner - 3383 - 14. Mai 2011 - 10:55 #

Eine Trommel mit einer App gleichzusetzen hat schon was... nerdiges

Natürlich sollen Kinder heute mit Technik aufwachsen. Aber motorische, körperliche und vor allem (echte) soziale Fähigkeiten bleiben immer noch wichtiger, als elektronische Gadgets bedienen zu können, welche gerade mal 2 Sinne fordern.
Mit anderen Worten: Meine Kinder sollen durch basteln oder spielen in der Natur mehr lernen, als nur mit dem Zeigefinger auf einem Bildschirm zu tippen.

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9948 - 14. Mai 2011 - 10:57 #

Sehr gut geschriebener Artikel, hat Spaß gemacht, ihn zu lesen!

@Topic: Die Hysterie gegenüber Computerspielen und Technik, die einige Eltern an den Tag legen, ist mir ein Rätsel. Solange man's nicht übertreibt und sich genau überlegt, was man dem Kind vorsetzt, bin ich deiner Meinung. Man darf's halt nur nicht übertreiben. Und ich bin auch kein Freund des Fernsehers :-)

Thomas Barth 21 Motivator - P - 28122 - 14. Mai 2011 - 11:03 #

Meine Eltern haben mich damals ab 4 Jahren auch stundenlang vor dem C64 hocken lassen. Hat es mir geschadet? Ich sage Nein.
Klar habe ich die meiste Zeit damit gespielt, aber irgendwann ist mir mal ein Spiel abgestürzt und ich fand mich im Befehlsinterpreter wieder. Dort hat mich interessiert, was passiert wenn ich die Befehle "Run" oder "List" eingebe, die ich normalerweise nur benötige um die Spiele zu starten. Und was passierte? Nach einem "List" stand da plötzlich der Programmcode. Ich konnte nun durch Learning-by-Doing Zahlen und Befehle so verändern, um im Spiel zu cheaten. Mit 8 habe ich mir dann meine erste Zeitschrift gekauft und die Programmlistings abgetippt, mir die Erklärungen durchgelesen und erfreute mich an meinem "eigenen Programm", während andere draussen Fußball spielten.

In der Schule war dann bei weitem nicht beste, sondern eher einer der schlechteren, obwohl ich intelligent bin. Aber bis auf Mathe fand ich einfach alles tierisch unlogisch, da ich keine Anhaltspunkte wie im Quellcode hatte. Aus einem mittelmäßigen Realschul-Abschluß habe ich dann das beste gemacht, was ich machen konnte und in dem ich richtig aufgehen konnte: Ich wurde Programmierer.

Heute habe ich keinen richtigen Kontakt mehr zu den alten Freunden aus der Schule. Aber alle paar Monate ruft mal wieder jemand an, weil er Probleme mit seinem PC hat. Und dabei kommt dann auch immer mein Lieblingssatz, den ich schon öfter gehört habe als "Räum dein Zimmer auf": "Sag mal, du kennst dich doch mit Computern aus.".

Wenn meine Frau und ich ein Kind hätten, dann würde ich es auch mit 3 Jahren schon langsam an iPads gewöhnen und mit 5-6 dann den ersten eigenen Computer schenken. Ich sehe ja an mir am besten, was draus geworden ist.

Elysion 14 Komm-Experte - 1957 - 16. Mai 2011 - 6:52 #

Kann ich so unterschreiben, ging mir fast genauso. Ich sag nicht das das gut ist wenn man nicht soviel "draussen" gemacht hat oder nicht mehr soviele Kontakte hat, aber gerade den Punkt mit dem "Du kennst dich doch damit aus oder?" kenn ich auch zur genüge (dafür ist man dann gut genug?^^ nicht mit mir ;).
Bei mir wars damals der Amiga der das interesse geweckt hat. Spiele, Malprogramme, Musikprogramm mit Samples und sogar ein BASIC Programmiertool, alles dabei. Was will man mehr?
Natürlich sollte man alles in Maßen geniessen, so auch sicherlich bei der Erziehung eigener Kinder aber ich finde schaden tut der frühe Kontakt sicherlich nicht, solange auch andere Dinge unternommen werden.

Anonymous (unregistriert) 14. Mai 2011 - 11:08 #

Schöner Artikel, schön geschrieben.

Aber eine Notwendigkeit für Kleinkinder? Die Bedienung ist so vereinfacht das es selbst ein Dreijähriger bedienen kann, welchen Vorsprung gibt es ihm wenn er die Benutzung nicht meistern muss? Doch nur den Vorsprung der verfügbaren Medien.

Du "hasst" Fernsehen. Kann ich gut verstehen. Schlimme Werbung, niveauloser Content. Aber stell dir auch die Frage wieso das so ist, und ob das ipad-Erlebnis deines Zukunft-Lars nicht genauso darunter leiden wird.

Werbe- und Medienindustrie ist zur Zeit dabei, mit dem Internet das zu wiederholen, was sie zuvor mit Fernsehen und Radio gemacht haben. Mobiles Internet ist das neue Medium, und die werden machen was sie seit jeher immer tun. Erste Kontrollversuche siehst du schon in all den abgezäunten Gärten, im Versuch der Kontrolle der ISPs durch Netneutrality Gesetze, und der unreglementierten personalisierten Werbung. Dein Krabbler hat vielleicht einen Vorteil davon, aber wenn du Anstoss daran nimmst das dein Kleiner Nutella Werbung zu sehen bekommt, was machst du dann erst, wenn du deinen Kleinen durch die weisse Wunderkiste (durch personalisierte Werbungsdatensammelei) zum Teil selbst zum Produkt machst?

Mithos (unregistriert) 14. Mai 2011 - 12:03 #

siehe dazu auch:
"Standardsituationen der Technologiekritik" von Kathrin Passig
eurozine.com/articles/2009-12-01-passig-de.html

Anonymous (unregistriert) 14. Mai 2011 - 16:29 #

puh, ziemlich langer Text. Sprachlich schön und sind Beispiele interessant. Der Artikel behandelt aber leider nur die Rechtfertigungen, die aufgebracht werden, wenn einer Neuerung kein Wert beigesprochen wird:

1. Wozu ist es überhaupt gut?
2. Wer will denn sowas?/braucht doch keiner
3. ist nur für Minderheiten!
4. ist nur eine Modeerscheinung!
5. wird nichts verändern/zu nutzlos!
6. ist nicht gut genug/zu teuer!
7. schwächere können damit nicht umgehen!
8. ist unschicklich/gegen die Etikette!
9. verdummt uns!/verändert uns zum schlechteren

Was aber, wenn dem Kritiker all die Vorteile der neuen Entwicklung bewusst sind, er der Neuerung durchaus einen Wert beimisst, aber gleichzeitig auch die Nachteile aufzeigt, die nicht bloß darauf beruhen, dem neuen den Wert abzusprechen?

Verlust von Privatssphäre, Vergläserung der Gesellschaft und deren Folgen sind Kritikpunkte, die nicht mit der Verleugnung des Wertes der neuen Medien gerechtfertigt werden. Des Wertes sind wir uns bewußt. Der Artikel zeigt gut festgefahrene Mentalitäten auf, die der Ablehnung von Neuem oft zugrunde liegen, für eine sachliche Diskussion taugen die gebrachten Punkte imo aber nicht viel.

Ben85 (unregistriert) 14. Mai 2011 - 12:55 #

Interessanter Artikel! Ich teile deine Meinung über Fernsehen und Kinder. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass Menschen auf ganz vielvältige Weise Dinge lernen. Du hast zwar recht, dass wie beim iPad auch bei einer Trommel immer dieselbe Reaktion stattfindet, aber bei letzterem sind alle Sinne des Kindes angesprochen - Fühlen, riechen und schmecken kann man am iPad nichts. Aus meiner Sicht (und ich besitze selber ein iPad) sollte man Kinder möglichst lange von diesen Geräten fernhalten, da hier nicht Kreativität im Vordergrund steht sondern das Konsumieren von bereits bestehenden Inhalten.

Und nebenbei: Das iPad als Sandmann-Abspielgerät umzufunktionieren bietet den Kids auch keinen Mehrwert. Die Zeit, die für das Konvertieren der TV-Dateien benötigt wird, ist sicher sinnvoller investiert wenn man seinem Nachwuchs zum Einschlafen selber ein Märchen erzählt.

Lisa 07 Dual-Talent - 137 - 14. Mai 2011 - 20:54 #

Sowas in der Art wollte ich auch gerade schreiben.
Gebe dir zu 100 % Recht.

Und Angst zu haben, dass jemand nicht so versiert ist auf dem Gebiet? Ich finde es reicht wenn alle mit dem gleichen (oft sehr niedrigen) Wissensstand in die 1. Klasse kommen. D.h. nicht lesen können, nicht schreiben können, nicht mit dem PC umgehen können, keine Fremdsprache sprechen..
Dafür geht man ja in die Schule. Wer es schon kann, spitze! Wer es noch nicht kann lernt es eben.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 352706 - 14. Mai 2011 - 22:38 #

"Die Zeit, die für das Konvertieren der TV-Dateien benötigt wird, ist sicher sinnvoller investiert wenn man seinem Nachwuchs zum Einschlafen selber ein Märchen erzählt."

Du hättest vielleicht noch erwähnen können, dass durch iPads indirekt Atomkraftwerke gefördert werden, was im Zeitalter nach Fukushima einfach unverantwortlich ist. Also nur, falls du dein Superpädagogen-Totschlags-Argument noch hättest steigern wollen. Aber mal im Ernst: Es geht dem Autoren beim Thema "TV-Serien konvertieren" doch um die Flexibilität, die das iPad ihm und seinen Kindern bietet. Also zum Beispiel eben nicht um Punkt 18:30 vor der Glotze sitzen müssen, sondern z.B. noch draußen spielen mit den Kids und dann die tägliche Dosis Zeichentrick beim Zähneputzen im Bad nachholen.

Naja, vielleicht sehe ich das zu eng und sollte erst mal "riechen und schmecken", was mir eine Trommel sensorisch so zu bieten hat. Anfühlen tut sich so ein Trommelfell übrigens ähnlich wie ein iPad: kalt und glatt...

Nicht mehr als direkte Antwort auf deinen Post: Generelle Aussagen zum Thema "Kinder und Fernsehen", "Kinder und iPhones", "Kinder und Handhelds" etc. werden meiner Erfahrung nach oft von Menschen getroffen, die selbst keine Kinder haben und deshalb nicht wirklich wissen, dass Kinder schon ab überraschend jungen Jahren keine fremdbestimmten, allzeit zu umsorgenden Zombies sind, sondern Personen mit einem eigenen Willen. Und wenn Papa gerne mit dem Tablet oder dem Smartphone spielt, dann will das das Kind auch. Kinder lernen durch Spielen das, was sie später als Erwachsene brauchen. Früher war's das Jagen, heute ist es eben das App-öffnen. Ob es für die Entwicklung eines Kinds anno 2011 wichtiger ist, auf eine Trommel einzuhauen oder eine App zu öffnen, ist unter Umständen gar nicht so glasklar, wie man sich das intuitiv so vorstellt.

Ben85 (unregistriert) 15. Mai 2011 - 11:55 #

Hallo Herr Langer! Ich bin ein aufmerksamer Hörer des Spieleveteranen-Podcasts und finde es klasse, dass bei GamersGlobal die Redaktion so nah an der Community dran ist und auch mitdiskutiert. Jetzt aber zum Thema:

Aus meiner Sicht hat die Argumentation von Herrn Gollert zwei Ebenen. Die eine ist, dass Tablet-PC eine große Mobilität mit sich bringen und man seinen Alltag somit weitaus flexibler gestalten kann. Man muss also keinen Fernseher ins Kinderzimmer stellen bzw. schaut den Sandmann beim Zähneputzen. Die Ansicht teile ich zu hundert Prozent. Aus diesem Grund habe ich mir das Gerät ja auch angeschafft und bin ziemlich begeistert davon.

Aber: Der Autor stellt hier mit der Aussage "Moderne Elektronik gehört schon auf die Krabbeldecke" bewusst eine sehr gewagte und auch unfundierte These auf - Wenn es dazu gegenteilige Meinungen gibt sollten diese nicht einfach abgewiegelt werden ("Superpädagogen-Totschlags-Argument"). Ich bin in der Tat Pädagoge und habe daher viel mit Kindern und Jugendlichen zu tun, aus diesem Grund denke ich, dass ich auch ohne Vater zu sein eine qualifizierte Aussage zu dem Thema treffen kann. Und ich sehe nach wie vor nicht den Nutzen des Einsatzes von Tablets im Vorschulalter.

Noch ein Wort zum (schlechten) Vergleich mit der Trommel: Den habe nicht ich, sondern der Autor gebracht. In meinem Beitrag habe ich lediglich versucht, einen Bezug zum Artikel aufzubauen. Die Trommel lässt sich durch unzählige bessere Beispiele ersetzen.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 352706 - 15. Mai 2011 - 18:27 #

Trommel-Beispiel: akzeptiert :-)

Ich habe allerdings weniger auf der "Nutzen-Ebene" argumentiert (oder es zumindest versucht), sondern auf der "Alltagsebene". Und da ist es einfach so, dass iPhone und Co. eine ungeheure Faszination ausüben auf die Kleinen und sie damit herumspielen wollen -- sie sehen es ja dauernd bei Papa oder Mama. Ob man nun seinem Zögling aktiv ein iPad in den Laufstall legen sollte, wage ich zu bezweifeln, unter einem gewissen Alter (vier, fünf Jahre) wird das Gerät auch einfach nicht lange überleben. Aber die Formel "lieber iPad als TV" kann ich schon nachvollziehen, und das zeitlich und vor allem räumlich unabhängige Gucken auf dem Pad kann ich auch als Vorteil sehen.

Beim Superpädagogen-Totschlagsargument ging es mir speziell um "Lieber Märchenbuch vorlesen in der Zeit, die das Konvertieren kostet". Dieser Gegensatz existiert doch in Wahrheit gar nicht, sondern ist konstruiert.

Koffeinpumpe 15 Kenner - 3383 - 16. Mai 2011 - 7:52 #

Eine Trommel hat sensorisch mehr zu bieten als ein Pad, dass brauchst du gar nicht ins Lächerliche zu ziehen. Je mehr Aktivitäten man auf so ein Spielzeug verlagert, desto deutlicher wird dies.

Wozu Puzzles für die Kleinen kaufen? Die nehmen Platz weg, Teile gehen verloren, eine App ist da doch viel moderner.

Spielzeugautos waren gestern. Da gibt es Apps, die vermitteln ein viel intensiveres Fahrerlebnis, als den Matchbox-Racer öde über den Teppich hin und her zu schieben oder mit der altmodischen Carrerabahn von Papa zu spielen.

Malen mit Plaka- oder Wasserfarben geht heute ja gar nicht mehr. Welche Eltern wollen sich die Sauerei noch antun, wo digitale Malereien doch viel fortschrittlicher sind. Die kann man sich auch jederzeit ansehen, ohne dass die Kühlschranktür mit dem Kram zugepflastert ist...

Jedenfalls bin ich froh, dass die Kids hier noch zusammen klassisch mit Kreide auf der Straße malen.

So sehr man die Glotze (zurecht) verteufeln kann, sie hat auch Gutes. Die Sendung mit der Maus sei als Beispiel genannt und die Kids lernen durch feste Programmzeiten sogar etwas. Nämlich Termine wahrnehmen und Prioritäten setzen. Mit einem Recorder (Verzeihung, muss heute ja ein iPad sein) ist das nicht nötig.

Kinder früh an Technik zu gewöhnen ist natürlich sinnvoll. Aber bitte im vernünftigen Rahmen.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 352706 - 16. Mai 2011 - 23:16 #

Eine Trommel hat sensorisch nicht mehr zu bieten als ein iPad. Du verkennst, dass das iPad darauf getrimmt ist, in der Hand gehalten, befühlt, gestreichelt zu werden. Das iPad gibt Licht aus, Sound, es dient noch sehr viel mehr als die Trommel als Kommunikationsmittel, manchen dient es als Spiegel, anderen als Taschenlampe, es ist schön glatt, es vibriert, es wird beim Laden warm. Nicht genug Sensorik für dich?

Übrigens: Wasserfarben schlagen iPads jederzeit. Sowohl wörtlich (tauch mal das eine in das andere) als auch in Sachen Faszination bei den Kids. Mit dem iPad kann man nämlich keine Wände verschmieren oder den Boden bekleckern.

hanz0 (unregistriert) 14. Mai 2011 - 14:29 #

Tolle These!!? Weder gibt es momentan irgendwelche Wissenschaftliche Belege noch kann der Autor hieb und stichfeste Beweise Aufbringen.

Die meisten von uns sind ohne digitale Prägung eingeschult worden und kommen Jahre später trotzdem ganz gut zu recht, werden sogar Infomatiker.

Wenn es einen Beweis gibt, dann das die PC-bedinung wirklich kinderleicht geworden ist.

...Und Klar: Fernsehen ist ganz, ganz Böse, wegen WERBUNG und so.
Frage mich dann aber was solche Artikel SIND.
Momentan zieht aus dem Thema nur einer Nutzen, denn wir reden nicht von tablet-PCs sondern von I-pads, und das ist die Firma mit dem angefressenen Kernobst im Logo.

bin mir sicher Hern Jobs wird ganz warm ums Herz bei soviel(sicher ungewollten) PR-gedöns!!!

Anonymous (unregistriert) 14. Mai 2011 - 15:26 #

öhm, iPad-Bewerbung durch den Artikel wollte ich eigentlich spontan als unrichtig abtun, aber du hast recht. Nach Zählung taucht das iWort 8 Mal im Artikel auf, und einmal als schönes Bild, aber nur einmal wird das Teil durch "oder ein ähnliches Pendant" relativiert.

Politisch korrekt wäre es, 7 Nennungen durch Tablet zu ersetzen, aber ich denke wir sind alle alt/gefestigt genug, um der Werbung dieses Mal zu widerstehen. Ein >Dreijähriger wäre aber kaum so gefestigt im Umgang mit Werbung auf einem Tablett.

Außerdem könnte man bedenken, wie Zukunftssicher der Kleine wäre, wenn fünfzehn Jahre lang, angefangen von den Bilderbüchern die er anschaut, über die Videos die er sieht und die Webseiten die er liest, über sein Verhalten Buch geführt wird. Und das nach den heutigen "wir werten alles aus, ihre privaten Daten gehören uns" Nutzungsbedingungen. Ist er krank teilt der "soziale" Junge das seinen Freunden über das Gerät mit, nach fünfzehn Jahren kommen dann sicher schon einige "bin Krank, bin Erkältet" Statusmeldungen oder Positionsdaten die auf Arztpraxen und Krankenhäuser passen zusammen. Nennt man sowas Zukunftssicher?

DevilDice 12 Trollwächter - 878 - 15. Mai 2011 - 10:08 #

RANT:
Oh mann, es ist doch so, dass Apple mit dem iPad den Tablet-Markt beherscht und das auch zurecht (IMHO). Das ist ähnlich als wenn jemand sagt: das heisst nicht Tempo sondern Taschentuch.
Ich empfinde diese ganze Diskussion um die "schlimmen i-Wörter" als Haarspalterei.
Wenn Du Apple nicht magst, dann kaufst du halt ein Produkt einer anderen Firma. Wunder dich halt nur nach dem Kauf nicht, wenn du irgendwie, zumindest zurzeit, mit einer magereren Auswahl an Apps auskommen musst. Das ist nämlich das große Problem aller nicht i-Produkte.

Just my 2 cent und nun zerreisst mich in der Luft. ;)

Anonymous (unregistriert) 15. Mai 2011 - 11:17 #

Ne. Aber sowas von nich! um bei den schlechten Beispielen zu bleiben können wir nämlich auch sagen:

"unsere Kinder brauchen auf jeden Fall einen Merzedes, denn mit einem Merzedes ist man Mobil. Mit einem Merzedes kann man in der Gegend herumfahren. Ein Merzedes bringt unsere Kinder von A nach B. Deshalb müssen wir Merzedes kaufen. Merzedes braucht zwar auch Benzin, aber das ist uns unser Merzedes Wert". Da fehlt jetzt noch einmal Merzedes damit wir auf 8 Erwähnungen kommen., Du vestehst was ich meine? Ein VW tuts auch, und besser wäre, man sagt "Auto".

hat nichts mit Apple-Hass oder Haarspalterei zu tun.

DevilDice 12 Trollwächter - 878 - 15. Mai 2011 - 12:37 #

1. Ich raff' nicht worauf sich dein erster Satz bezieht.

2. Der Auto-Vergleich - ich HASSE Auto-vergleiche - hinkt jetzt aber mal total, Mercedes ist ja nicht wirklich ein Synonym für alle Autos, oder?!

3. Mercedes schreibt man mit "C" :-P

Anonymous (unregistriert) 15. Mai 2011 - 13:58 #

1. Tempo-Beispiel. Nicht jeder sagt Tempo. Am ehesten die welche diese Marke kaufen. Andere sagen Taschentuch. =Schleichwerbung, genau der Kritikpunkt.
2. Mercedes ist genauso wenig Synonym für alle Autos wie iPad Synonym für alle mobilen Endgeräte ist. Oder war. Oder sein wird, da ändert auch Marktbeherschung zu einem bestimmten Datum nichts dran. Vor dem ipad gab es genügend Tablet-PCs, kommerziel nutzbar seit mindestens 1991. ipad hat seine Vorzüge wie Benutzerfreundlichkit, angenehme Leistung, und seine Nachteile wie mangelnde Benutzerfreundlichkeit und firmengesponserte Überwachung, aber in Bezug auf Zukunftssicherheit ist es nur ein Beispiel. Wir sagen auch nicht mehr Ford statt Auto, auch wenn die 1908 Marktbeherschend waren. (<< Autovergleich :-P )
3. :)

Imperitum 18 Doppel-Voter - 9391 - 14. Mai 2011 - 15:08 #

Sehr guter Artikel, der meine Ansichten zum größten Teil bestätigt!
Die hier Anwesenden entspringen alle einer Generation, die in das Medium Computer hineingewachsen sind und dies ist umso vorteilhafter für nachfolgende Generationen.
Heutzutage gibt es aber immer noch ältere Generationen, die sich mit diesem Medium schwer tun und deren Kinder der Umgang mit Computern dadurch auch schwerer fällt.
Viel zu oft wissen Eltern nicht was ihr Kind überhaupt den ganzen Tag vor dem Computer und im Internet anstellt.
Meiner Meinung nach ist dies in der heutigen Zeit schon eine grobe Verletzung der Erziehungspflicht!

Wichtig ist definitiv die eigenen Kinder an einen maßvollen(!) Umgang mit derartigen Medien zu gewöhnen.
Dass man zusätzlich natürlich auch andere Interessen der Kinder fördern sollte wie z.B. Musikinstrumente lernen oder sportliche Aktivitäten, ist mit Sicherheit jedem klar.

Ebenso muss ich zustimmen, wenn ich Kinder hätte, würde ich diese heutzutage auf gar keinen Fall mehr vor dem Fernseher sitzen lassen.
Wenn ich mir ansehe wie Kika den Kindern erklärt, was diese im Falle einer Erektion unternehmen sollen, sträuben sich mir die Nackenhaare...
"Hat man einen kurzen Moment für sich allein, ohne Beobachtung, dann muss man schnell Handeln... wobei die Betonung klar auf Hand liegt"
http://fernsehkritik.tv/folge-67/Start/#jump:2-593

Dass man den Erziehungsberechtigten derartige Themen heute schon vorweg nimmt, scheint mittlerweile mehr als üblich zu sein.

Kookser 12 Trollwächter - 1065 - 14. Mai 2011 - 16:47 #

Ich finde es schon ein bisschen lächerlich, dass du deine offensichtliche Abneigung gegen das Medium Fernsehen an einer KiKa-Sendung, die im Vorabendprogramm läuft, fest machst.
Du wirfst den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern also vor, dass ihrem Bildungsauftrag nachkommen ? Dabei beschäftigt sich dieses Format einmal mit den Ängsten und Problemen von (zumindest einigen) pubertierenden Jungen. Sag mir nicht, dass dein Vater dir damals gezeigt hat, wie man eine ungewollte Erektion vermeidet, bzw. dass du ihn überhaupt danach gefragt hast. Verbietest du deinem Kind dann auch den Biologieunterricht (in der dritten Klasse) und die "Bravo", weil sie dadurch vielleicht aufgeklärt werden könnten?
Selbst wenn gehört es ja zu deiner Erziehungspflicht, deine Kinder vor ihnen ungeeigneten Programmen/Seiten zu schützen, dies gilt sicherlich auch fürs Fernsehen. Nebenbei ist das Statement schon stark ironisch gemeint und auch etwas aus dem Kontext gerissen. Ich denke mal, dass diese Andeutung nicht von jedem Zuschauer so gedeutet wird. ;)

Imperitum 18 Doppel-Voter - 9391 - 14. Mai 2011 - 17:21 #

So nun mal folgendes...
Offensichtlich hast du die Intention des verlinkten Beispieles und die der Homepage (die aufgrund des Namens schon offensichtlich sein sollte) nicht verstanden.
Ich habe meine Abneigung, dem Medium "Fernsehen" gegenüber, nicht pauschal mit diesem Beispiel dargestellt.
Sondern lediglich einen Grund genannt weshalb ich Fernsehen als unkontrollierbarer und "gefährlicher" für den Geist eines Kindes erachte, als das Medium Computer/Internet.
Wenn du Fakten haben möchtest, die sich kritisch mit dem Medium Fernsehen auseinandersetzen und z.B. klar belegen, dass öffenlich-rechtliche ihrem Bildungsauftrag nicht nachkommen, solltest du vielleicht einfach mal eine Weile recherchieren.

"Sag mir nicht, dass dein Vater dir damals gezeigt hat, wie man eine ungewollte Erektion vermeidet, bzw. dass du ihn überhaupt danach gefragt hast.[...]"
Entschuldige bitte, aber was geht dich mein Privatleben an?!
Ein vernünftiger und offener Umgang im Bezug auf die Sexualität, ist in meinen Augen ein wichtiger Teil der Erziehung.
Das heißt, dass auch Eltern einfach auf ihre Kinder zugehen und Probleme, Ängste und Sorgen ansprechen sollten, statt dies einfach diversen Medien zu überlassen.
Was bringt dem Jugendlichen in dem Fall bitte die Problemlösung, wenn nicht einmal Ursachenforschung betrieben wird?!

Anonymous (unregistriert) 14. Mai 2011 - 18:03 #

Impertium, lass dich nicht provozieren. Deine Aussage ist verständlich und nachvollziehbar, und du bist sicher nicht der erste der das Niveau des Ki.ka kritisiert, das tut sogar unser lieber Freund Armin aus der Sendung mit der Maus. Auch der hällt es "für eine schlechte Entwicklung, dass die ARD sich immer mehr aus dem Kinderprogramm zurückzieht und diesen Läden [..] das Kinderfernsehen überlässt." Grund: Quotendruck und Kommerz.

Davor werden auch die neuen Medien nicht frei bleiben, deshalb sollte man diese Kritik nicht leichtfertig abtun. Das gesamte Medium sollte man deshalb dennoch trotzdem nicht verteufeln, sondern die Inhalte entsprechend auswählen. Geht nicht immer, aber dort einfacher wo das Medium noch nicht vollständig vom Kommerz kontrolliert wird.

Anonymous (unregistriert) 15. Mai 2011 - 9:55 #

Sehr interessante Sichtweise! Ich gehöre (leider) zu der Generation die von den Eltern vorm TV "geparkt" wurden. Das ich dann aber auch eher fürs SNES benutzt habe als irgendwelche Sendungen zu gucken ;-)

Fernseher habe ich seit ca. 4 Jahren nicht mehr und vermissen tu ichs überhaupt nicht! Daher finde ich es nicht verkehrt auch die Kinder davon wegzulassen und eher auf interaktive medien zu setzen.

Wobei ich finde das 3 Jahre schon fast ZU jung ist um damit in Berührung zu kommen.

Meine Schwester wohnt mit ihrer Familie in Bayern. In Bayern bekommen die Grundschüler ab der 3. Klasse Hausaufgaben die mit dem Internet gelöst werden MÜSSEN, die Eltern sind verpflichtet sich bis dahin auch einen Internetzugang zu beschaffen. 3. Grundschulklasse ist ganz guter Einstieg finde ich, nicht zu früh, nicht zu spät.

Das sind dann die "Digital Natives", also Kinder die mit diesen Medien und Geräten aufgewachsen sind wie ich mit...Kasettenrekorder und Fernsehen :-/

Diese Generation wird die Technik und die Möglichkeiten des Internets ganz anders erleben und auch auf ganz neue Ideen kommen. Und sich hoffentlich nicht so leicht manipulieren lassen.

Darauf bin ich sehr gespannt!

Anonymous (unregistriert) 15. Mai 2011 - 11:23 #

Interessant. Inwiefern ist es für die leichter, sich nicht manipulieren zu lassen? Wenn ich all deine Vorlieben, Vorurteile, Freunde, Feinde, gesundheitliche Probleme und deine finanzielle Situation kenne, bist du dann nicht leichter zu manipulieren?

Anonymous (unregistriert) 15. Mai 2011 - 12:55 #

Lars ist noch klein und spielt mit der Feuerwehr App. Mit dem Löwen Puzzle. Mit dem Delphin-lese Programm. Papa Knut sucht seine Apps aus. Alles ist gut. Das Leben ist schön. Abends schaut Lars Sandmännchen-Tubes. Alles über iTunes synchronisiert. Am Ende seines dritten Jahres hat Lars 17 Apps, 8 Bilderbücher und 150 Videos konsumiert.

Zeit für den Kindergarten. Lars verliert seinen Lieblingsschmusebär und ist eine Woche lang übertraurig. Papa Knut kauft ihm ein neues, diesmal ist ein Gps Sender drin. Am Ende des Jahres hat Lars 21 neue Apps, 15 Bilderbücher und 350 Videos konsumiert.

Nächstes Jahr. Lars ist jetzt groß und lässt seinen Bären immer öfter zu Hause. Lars bekommt ein iSmartphone, besser ist das, dann weiss Papa immer wo Lars ist. Lars hat jetzt drei beste Freunde, wenn er mit denen Spielen will braucht er ja auch eins. Am Ende des Jahres hat Lars 30 neue Apps, 20 Kinderbücher und 500 Videos konsumiert. Aber nicht die alten Kinderbücher. Es müssen schon die Interaktiven sein.

Lars spielt mit seinen Freunden jetzt GrindVille. Und will ein eigenes Pad. Papa gibt ihm sein Altes. Lars mag jetzt Dinosauerier und Cowboys. "Sein" ipad zeigt ihm Werbung. Über Dinosaurier. Und Sportwagen. Und Gartenmöbel. Das Gerät erinnert sich wohl noch an Papa. Lars fängt Inhalte zu teilen. Am Ende des Jahres hat Lars 15 neue Apps, 10 Bücher, 100 Webseiten gelesen, 300 Kurzmitteilungen geführt, und 400 Videos konsumiert.

Zeit vergeht. Das Tablet hat Papas Geschmack vergessen, die Werbung ist jetzt fast richtig. Sie zeigt nur was Lars auch mag. Das hat Lars dem Gerät so beigebracht. Lars hat jetzt schon eine richtig große Mediothek. Soviele Bücher auf seinem Konto. Das Gerät weiss auch was er nicht mag. Mädchengeschichten gehen garnicht! Und Ponys. Und Einhörner! Lars bekommt die richtige Auswahl. Weltraumzombimutanten! Kampfrobotwars. Piraten. Heimlich mag er auch Freundschaftsbärchies. Sein ipad weis das. Lars hat jetzt 8 neue Apps, 400 Webseiten gelesen, 900x kommuniziert, hat 33 Bücher und 800 Videos konsumiert. Synchronisiert über iTunes. Lars teilt nicht alles. Aber alles geht über sein ipad.

Leider hat Lars einen angeborenen Herzfehler. Aber nicht so schlimm. Er muss nur öfter ins Krankenhaus und muss sich schonen. Dafür hat er jetzt mehr Zeit für GrindVille. Er wird richtig gut. In der Schule wird er jetzt öfter gemobbt. Lars reagiert dann jähzörnig. Er zieht sich etwas zurück, liest, sieht und konsumiert mehr. Am Ende des Jahres ist er wieder wie neu, und hat 20 neue Apps, 1200 Webseiten gelesen (das ipad hilft ihm bei der Auswahl), 3000x kommuniziert (am liebsten per 3d-over-IP), hat 100 Bücher gelesen und 1000 Videos konsumiert.

Lars hat einen Stalker. Ein Monat hat Papa Knut Angst um Lars, aber dann wird der Stalker gefasst. In dessen Besitz befinden sich die Bilder von Lars, Videomitschnitte von Lars Kommunikationen, und eine detailierte Bewegungsaufzeichnung. Für zwei anderen Papas kommt die Polizei aber leider zu spät.

Lars will jetzt nachholen was er verpasst hat, und interssiert sich für Fußball. Sein ipad weiss das und hilft ihm, der beste zu werden. Im Eifer des Gefechts geht sein altes Gerät kaputt. War aber auch schon zu alt. Er bekommt ein besseres. Sein Profil verliert er aber nicht. Leider kann er nur bei Apple kaufen, weil er sonst nicht synchronisieren kann. Sein Phone arbeitet nicht mit anderen Marken zusammen. Lars mag immer noch keine Mädchen. Er wird jetzt nicht mehr direkt gemobbt, das hat er den anderen ausgetrieben. Gegen anonyme Beschimpfungen kann er aber nichts machen. Lars ärgert sich, das er bestimmte Inhalte nicht nutzen kann.

Schneller Vorlauf. Lars ist jetzt 17. Musste einmal ein großes Strafgeld zahlen weil er beim Raubkopieren erwischt wurde. Und für falsche Angaben in einem sozialen Netzwerk. Weil er seine nationale Internet-ID nicht benutzt hat, hat Lars ein Bundesgesetz gebrochen. Wegen den Terroristen darf man sowas nicht durchgehen lassen. Lars mag immer noch keine Mädchen. Dafür interessiert er sich jetzt für Jungs. Das weiss auch sein neustes ipad. Lars glaubt, das ipad wisse nichts über seine etwas extremere rechte Gesinnung, aber da irrt er sich. Das hat sein Gerät schon geahnt, als Lars 15 war. Lars hat jetzt soviele Inhalte im iTunes Shop, das es töricht wäre, in das Google Imperium überzuwechseln. Durch ein Google-Profil würde er zuviele Vorteile verlieren.

Lars ist 18. Hat seinen Führerschein, und auch gleich den ersten Unfall. Betrunken aus der Disko. Auto kaputt, aber sonst nichts passiert. Glück gehabt. Seine Freunde wissen das und besuchen ihn im Krankenhaus. Gut das Lars sein ipad hat. Sonst wäre er jetzt allein. Im Krankenhaus ohne Freunde. Und müsste sich mit Bier-Kokosschnapps-Kali-Lauge betrinken. :)

Lars hat über die Zeit viele Inhalte konsumiert, alles wurde in seinem Konto notiert. Damit Nutzungsdaten über tausende Apps, Bücher, Videos, Webseiten, Krankheiten, Ansichten, Vorlieben und Gespräche geteilt. Ging aber auch nicht anders, denn Thumpdrives sind mittlerweile Lehrern und Mitschülern zu unbequem, und für Vorträge braucht er so ein Gerät sowieso. Manchmal wünscht sich Lars, aus dem abgezäunten Garten rauszukommen. Neue, nicht ganz auf seine Interessen zugeschnittene Informationen und Angebote zu bekommen. Aber das geht schnell vorbei.

Anonymous (unregistriert) 15. Mai 2011 - 14:36 #

Immer diese Randgruppendiskussionen ...

Wer einen Reset-Schalter an den C64 geschraubt hat, der
ist statistisch ein Mann über 40, der im Alter
von 30 Jahren Vater geworden ist.
Wir reden hier also nicht über Kleinkinder, die
auf iPads rumtatschen, sondern über Teenager auf
weiterführenden Schulen, die darüber nachdenken, wie
man bei Klassenarbeiten mit dem Smartphone besonders
geschickt fuschen kann.

Wer aus der Generation C64 nach der Schule einen
Lehrberuf ergriffen hat, wird von dem Kleinkind
mit dem iPad in der Hand sogar mit Opa angeredet!

Sehen wir der Realität ins Auge, die Generation
C64 ist alt geworden ...
Klar, auf dem Abitreffen nach 20 Jahren sahen die
anderen auch gar nicht so alt aus, aber frag mal
die Kellnerin mit der Nummer "1993" auf dem Kennzeichen!

Ninerian 10 Kommunikator - 460 - 16. Mai 2011 - 10:20 #

Ein sehr schöner Artikel dem ich in vielen Dingen beipflichte.

Trotzdem sollte man die Anziehungskraft dieser Medien nicht unterschätzen. Ich merke es selbst bei meinen Kindern, wie oft es Streit um ein Gerät gibt. Nun passiert dies natürlich auch mit anderen Spielsachen.

Trotz der Möglichkeit für alles eine App zu finden, bevorzuge ich bei meinen Kindern doch noch die realen Vertreter.

Ein Memory ist sicher auf dem Pad abwechslungsreicher und schneller, aber im Realen lernt das Kind zusätzlich noch das Greifen, Umdrehen, Aufräumen (ganz wichtig). Auch die Erkenntnis das ein Teil verloren gehen kann, wenn man nicht aufpasst gehört meiner Meinung nach mit zum Lernprozess.

Brettspiele sind auf dem Pad praktisch für die Reise, aber zuhause bevorzuge ich auch hier das richtige Spiel. So ist schon der Aufbau Teil des Spiels. Das variieren der Regeln, das Spiel mit den Figuren, Gütern etc, die Möglichkeit des Schummelns, bei einer Software schon immer schwierig.

Was den Vergleich mit der Trommel angeht, hinkt der Vergleich ganz schön. So geht es nicht nur darum ob sich eine Trommel genauso anfühlt wie ein Pad (kalt und glatt) sondern vor allem um das Erlernen, die Variation in den Tönen, dem Erleben der Lautstärke und deren Wirkung auf den Körper. Das körperliche Ausleben am Instrument (was einer Software total abgeht).

Jeder der ein Instrument erlernt und beherrscht, weiß um die Vielfalt, die ein solches bietet. Die Möglichkeit damit Sachen anzustellen, die damit gar nicht vorgesehen waren. (wer hätte gedacht, das eine E-Gitarre mit der Zunge oder einer Bohrmaschine gespielt werden kann).

Viel wichtiger als der frühzeitige Umgang mit den neuen Medien ist für Kinder erstmal das Üben der Feinmotorik, das Austesten körperlicher Grenzen, erkennen und begreifen der Umwelt mit Ihren vollen sensorischen Bandbreite. Auf dem Ipad, Iphone, Fernseher, PC, etc. ist dies alles nur auf zwei Kanälen möglich. Dem Hören und Sehen.

Schon heute bemängeln Ärzte und Pädagogen ein Rückgang in den Grundlegenden Fähigkeiten der Kinder. Das Phänomen "mein Kind kann drei Sprachen in der Vorschule aber die Schnürsenkel muss ich ihm noch binden" ist dabei exemplarisch.

Ich sehe die Technik als Abwechslung, Bereicherung und Unterhaltung an, aber niemals als Ersatz für die reale Welt.

Henke 15 Kenner - 3636 - 17. Mai 2011 - 3:12 #

Wunderbar formuliert und mit spitzer Feder auf den Punkt gebracht... dennoch denke ich, dass iPad & Co das "normale Kinderspielzeug nicht ersetzen können und sollten...

Wie sonst soll ein heranwachsendes Kind lernen, alle seine Sinne weiterzuentwickeln und die Kombination eben dieser einzusetzen, um all die Probleme auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu meistern?

Warte dennoch gespannt auf die ersten Modelle mit USB-Anschluß; Matrix läßt grüßen...

Anonymous (unregistriert) 17. Mai 2011 - 3:39 #

jaaa für jedes kind ein ipad!
am besten nur noch am ipad spielen, puzzles, mensch ärger dich nicht und später mal schach...es lebe die monotonie, ein ipad für alle!

Anonymous (unregistriert) 17. Mai 2011 - 3:52 #

Ganz im gegenteil, Kinder sollten wieder die natur erfahren.
gerade in der kindheit ist das eine der wichtigsten erfahrungen, eine verbundenheit mit dem eigenen planeten ist nur erstrebenswert für uns alle.
und vor allem, das kind hat die freiheit, welchen weg es einschlägt.
müssen denn alle kinder ipad-fachidioten sein und mit der neuesten technik vertraut sein? wohin soll das führen?

Mollari (unregistriert) 17. Mai 2011 - 18:33 #

Muss man beim IPad Kauf eigentlich auch eine Meldebescheinigung mitbringen? Hab mich vorhin gewundert, weil die sowas zusätzlich zum Perso wollen. Irgendwie strange, fast als würde man mit dem Gerät verheiratet

marcosantoro 12 Trollwächter - 873 - 7. Januar 2013 - 21:43 #

Ausgewogenheit ist hier wohl gefragt . Ein gesundes maß ,weil ich denke zur heutigen Zeit darf keine Berührungsangst entstehen .

Grimbald69 06 Bewerter - 90 - 11. Januar 2013 - 1:47 #

Hm, ich glaube der Vergleich mit der C64-er Generation, die Reset-Schalter gebastelt hat (oh Mann, bin ich alt... ich habe schon am VC-20 geschraubt, den kennt hier warscheinlich kaum noch jemand) und dem Kleinkind, welches mit drei Jahren auf einem iPad "touched" hinkt ein wenig. Erstens waren wir damals älter als wir mit den Rechnern in Kontakt kamen und zweitens dadurch auch an der Technik und dem "Wie" interessiert.
Ich behaupte mal, diejenigen, die mit Schraubendreher bewaffnet das ferngesteuerte Auto (damals noch meist mit Kabel) auseinandergeschraubt haben sind auch oft die gewesen, die später an ihren Rechner geschraubt haben. Und dabei ging es uns nicht darum das Ding bedienen zu können sondern Einblick zu bekommen wie das Ding funktioniert.
Und auf einem Touchscreen bunte Apps anzutippen und festzustellen dass dann was passiert hat eher was mit Konditionierung zu tun als mit echtem Wissenserwerb.
Mein Sohn ist neun, hat kein iPhone dafür auf einem meiner Rechner ein eigenes Benutzerkonto.
Angefangen haben wir damit als er in die Schule kam. Und nach und nach habe ich ihm spielerisch erklärt wie der Rechner funktioniert (eine didaktische Reduktion ist in dem Alter natürlich sinnvoll, sollte dann sukzessive an die Wirklichkeit herangeführt werden). Wir haben gemeinsam den Rechner aufgeschraubt, uns die Komponenten angesehen und darüber gesprochen, wofür die sind. Erst wie gesagt in einer eher kindlichen Sicht (die Grafikkarte sorgt dafür, dass die Bilder und das was du auf der Tastatur tippst auf dem Bildschirm erscheint etc.). Sogar eine alte Festplatte haben wir aufgeschraubt und uns die Magnetscheiben angeschaut.
Mittlerweile ist mein Sohn soweit, dass er selbsttätig auf (kleine) Fehlersuche geht und das mit gutem Erfolg (DVD kann nicht gelesen werden, Drucker druckt nicht obwohl er angeschaltet ist usw.)
Damit ist er im techischen Verständnis seinen Klassenkameraden weit voraus, die meist nur Konsolen oder eben Tablets kennengelernt haben.

Ich bin auch der Meinung, dass ein Umgang mit moderner Technik und neuen Medien für Kinder wichtig ist. Aber meine Meinung ist auch: das Kind sollte sich damit nicht gänzlich auf sich alleine gestellt beschäftigen.
Eine gewisse kritische Distanz im Umgang mit Medien sollte den Kindern vermittelt werden, das geht meiner Meinung nach frühestens ab der dritten Klasse. Und die reine Bedienung eines technischen Gerätes lernen Kinder meist von selbst in kürzester Zeit, da sorgt schon die kindliche Unbekümmertheit und der Spieltrieb für.

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