Anatol Locker meint:

Warum Spieler Nerds bleiben Meinung

Der Autor und Musiker und Kinogänger und Spielespieler Anatol Locker (PowerPlay, Bravo Screenfun) würde gerne auch mal Games als Anbaggerthema verwenden können, so rein prinzipiell. Kann er aber nicht -- wieso, lest ihr in seiner diesmaligen GamersGlobal-Kolumne.
Anatol Locker 25. Mai 2009 - 14:10 — vor 4 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
Vieles im Leben ist – auch wenn’s weh tut – eine Sache der Selbstdarstellung. Nehmen wir an, ihr habt jemand kennengelernt, den ihr richtig cool findet. Entsprechend wollt ihr das Objekt der Begierde beeindrucken. Worüber werdet ihr reden: Vom derben Shooter, den ihr gestern nacht gezockt habt? Oder doch lieber von der letzten Theaterveranstaltung, in die euch Freunde vor sechs Monate mal geschleppt haben? Na eben.
 
Kultur ist beliebt, um sich schnell und patent ins richtige Licht zu rücken. Redet man über Kino, findet man sofort Gleichgesinnte. Spricht man über die neue angesagte Band, gilt man als Musikkenner. Und wer gar ins Theater oder zu Ausstellungen geht, gilt als extrem kulturinteressiert (weshalb das Gegenüber meist mit angsterfüllten Augen das Thema wechselt, damit bloß die eigenen blinden Flecken nicht offenbar werden -- probiert's aus!). Doch sobald man über Computerspiele redet, ist man in den Augen von Nichtspielern ein… Nerd.
 
Über Spiele reden nur Spieler miteinander
Let’s face it: Es ist kaum möglich, Nichtzockern die Begeisterung eines guten Spiele-Erlebnisses rüberzubringen. Über Spiele reden nur Spieler miteinander.  Die meisten Gamer entschuldigen sich Fachfremden gegenüber damit, das sei eben ihr „Hobby“. Wie armselig! Ich lese viel, gehe gern ins Kino, höre extrem viel Musik… und liebe Computer- und Videospiele. Ich nutze alle kulturellen Angebote, die unsere Zeit zu bieten hat, und ich finde, damit liege ich auf der ganz normalen Schiene.

Die drei Gründe, wieso Spieler Exoten sind
 
Warum haben Computer- und Videospiele(r) auch nach 30 Jahren immer noch einen Exotenstatus? Ich finde, das hat drei Gründe.
 
Grund 1: Die meisten Spiele sind unzugänglich. Sie sind komplex, schwer, sperrig. Ein Strategieklopper oder gar ein Massively Multiplayer Online Spiel (allein der Name!) macht fortgeschrittenen Spielern Laune; doch verständlich wird er erst, wenn man die Maus selbst in die Hand nimmt. Casual Games sind kein Heilmittel. Sie bringen zwar mehr Leute vor den Bildschirm, sind aber derart simpel, dass es sich nicht lohnt, über sie zu sprechen. Oder kennen Sie jemand, der freiwillig über „Wii Tennis“ reden will? Mal abgesehen davon, dass es nicht viel mit Tennis zu tun hat?
 
Grund 2: Viele Außenstehende fühlen sich von der in vielen Spielen gezeigten Gewalt abgestossen. Das ist ein Fakt, den wir Gamer endlich akzeptieren müssen. Ich liebe beispielsweise den 50ies-Charme eines „Fallout 3“, aber es ist unmöglich, die Begeisterung mit jemand zu teilen, der das Spiel nicht kennt. Einem Fachfremden vorzuschwärmen, dass man Mutanten Körperteile einzeln wegballern kann, kommt einfach nicht gut an. Ich finde sogar, das ist nachvollziehbar.
 
Grund 3: Die Storys haben selten mit echten Menschen zu tun – sondern mit Aliens, Supersoldaten, Orks und anderen Tolkien-Derivaten. Menschen, Personen, Charaktere? Fehlanzeige. Nachvollziehbare Gefühle? Wenn, dann Wut, Rache, Überlegenheit. Irgendwie steht die Computerspielebranche derzeit der Stufe des 80’er-Jahre-Actionkinos. Eine „Hochkultur“, wie sie das Kino oder Musik ausgebildet haben? Bislang Fehlanzeige, von einzelnen umstrittenen Ausnahmen vielleicht einmal abgesehen.
 
Schade, dass das Kulturgut „Spiele“ en gros nicht mehr herzugeben scheint. Im Kino kann man spannende Geschichten erzählen, mit Musik die Zuhörer bei den Eiern packen, aber bei Spielen befinden wir immer noch im Kindergarten. Und das seit 20 Jahren. Klar, das Medium ist immer noch vergleichsweise jung… aber solange wir Prinzessinnen auf dem Bildschirm retten müssen oder mit dicken Waffen auf Cybersoldaten ballern, wird uns kein Außenstehender mit unserem „Hobby“ ernst nehmen. Sondern eher bemitleiden. Oder im schlimmsten Fall "mal kurz die Nase pudern" gehen. Bis Restaurantschluss.
 
Schade eigentlich!

Euer Anatol Locker
Abfuehrung
Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22572 - 25. Mai 2009 - 15:22 #

Sehr schöne Kolumne. Du sprichst da etwas sehr Wahres an. Denn traurig ist ja: Selbst wenn Computerspiele mal nicht verteufelt werden, werden sie dennoch immer noch nicht so wirklich ernst genommen. Dabei gibt es doch wirklich viele Spiele, die aufzeigen, wieviel "Kunst" und "Kultur" in Games stecken können. Wie direkt und auf völlig neue Art und Weise Spiele eine berührende Geschichte vermitteln können. Eben weil man als Spieler Teil davon ist. Deswegen kann man das alles auch so schwer vermitteln. Tolle Musik, die kann man mal schnell anspielen und das Gegenüber hat sich schnell eine Meinung gebildet. Einen tollen Film vorstellen oder eine Lieblingsszene: auch sehr einfach. Aber wenn ich einem Menschen wirklich deutlich machen wollen würde, wie unglaublich großartig ich beispielsweise (ich nenne hier mal zwei meiner absoluten Lieblingsspiele) "Fahrenheit" oder "Half-Life 2" finde, dann müssten sie sich schon selber dran setzen. Mehrere Stunden lang. Müssten bei Half-Life 2 mindestens eine Stunde am Stück am Computer sitzen, um die großartige Flucht über die Dächer zu erleben und danach die ersten Gespräche mit Alyx, um zu verstehen: Das ist nicht stumpf. Das ist wortwörtlich ganz großes Kino. Das ist eine Geschichte zum Mitspielen, die komplexer ist als man ahnt. Genau genommen müsste man die Versuchsperson also auch noch die nächsten beiden Episoden Spielen lassen, um die Größe der Erzählstruktur zu vermitteln. Und um zu zeigen: In Videospielen passiert beileibe nicht ständig das Gleiche, sondern es ist, zumindest in guten und mit Leidenschaft produzierten Spielen, Abwechslung pur.

Aber das geht nur, wenn das Gegenüber von sich aus Interesse zeigt. Wenn das nicht der Fall ist, wird es im Gamer weiterhin nur einen Menschen sehen, der ohne ersichtlichen Grund seine Zeit damit verbringt, durch Befehle mit Maus und Tastatur eine Spielfigur sinnlos durch seltsame virtuelle Welten zu schicken. Ohne dass sich im Ablauf groß etwas ändern würde. Klar wirkt das dann langweilig. Man muss dabei gewesen sein, um es zu verstehen.

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6571 - 25. Mai 2009 - 15:25 #

Stimmt! Gut festgestellt!

Wenn man eine neue Freundin hat, versucht man wohl erstmal besser, ihr *nicht* mitzuteilen, daß man am liebsten 20 Stunden pro Woche am PC spielen würde - und am Wochenende nochmal 20... (wenn man sie nicht gerade auf der LAN-Party aufgerissen hat, aber das ist wohl eher selten).

Ich persönliche versuche, ähnlich der "Killerspiel"-Debatte, in meinem Umkreis bei allerlei Gelegenheiten das Verständnis für Computerspiele ein bißchen zu fördern. Aber wie Du schreibst, scheitert das nahezu immer daran, daß die Gesprächspartner meist noch nie selbst gespielt haben und auch nicht anfangen, weil sie sich ein erfüllendes Spielerlebnis für Erwachsene nicht vorstellen können (denn in der Regel kennen sie Spiele nur von recht kleinen Kindern). Fallout 3 ist ein perfektes Beispiel für einen weiteren Grund, mir im Gespräch mehr oder weniger höflich Verständnislosigkeit entgegenzubringen: Wenn man die Waffen und Aliens sieht - wie kann das Spaß machen?! Auch ich verstehe, daß diese Gewalt zu Recht abstoßen kann.

Am ehesten bewerben wir meiner Erfahrung nach unser Hobby mit einem Vergleich a la "Buch und Kinofilm gleichzeitig, plus selbst entscheiden, wie's weitergeht" - denn auch die reserviertesten "Erwachsenen" haben schon mal ein mitreißendes Buch gelesen ;-)
Auch das Gemeinschaftserlebnis bei Onlinespielen oder Multiplayerspielen ist ein öfters mal nachvollziehbarer Grund. Das International Karate-Turnier auf dem C 64 vor, äh, vielen Jahren - alle Jungs aus dem Viertel bei mir im Kinderzimmer - war zum Beispiel *das* Gemeinschaftserlebnis schlechthin, das meiner Mutter klargemacht hat, daß ich nicht isoliert vereinsame, wenn und weil ich spiele. Und MMO gab's da noch gar nicht.

Also macht's wie beim Argumentieren gegen die "Killerspiele": Nicht aufgeben, - und irgendwann findet sich übrigens auch die Frau, die damit klarkommt ;)

Fudohde 09 Triple-Talent - 339 - 25. Mai 2009 - 15:37 #

Ein sehr interessanter Artikel mit viel Wahrheit. Aber in anderen Ländern sind Videospiele ja auch in der Gesellschaft angekommen. Wieso wieder in Deutschland nicht? Na ja, vielleicht wann anders.

Marco Büttinghausen 20 Gold-Gamer - P - 20431 - 25. Mai 2009 - 16:11 #

Ich denke es wird auch noch eine ganze Weile dauern bis Spiele salonfähig werden. Die Spieler sind mittlerweile erwachsen geworden, die Spiele sind es nicht.

Die Anzahl der Spiele die mit echten Emotionen arbeiten und nicht einfach nur Hass, Wut, Rache als Motivation für den Spieler benutzen um jetzt hunderte von Gegnern niederzumachen, ist einfach verschwindend klein.

Spiele sind eigentlich dadurch das man sie selber lenkt viel näher am Einzelnen, als jedes andere konsumierbare Medium, doch trotzdem sind Filme und Bücher immer noch viel besser darin, Trauer, Mitleid, Liebe oder Erleichterung und Glück im Rezipienten auszulösen. Erst wenn diese Hürde genommen ist und wenn es auch für Computerspiele namhafte "Drehbuchautoren" gibt, wird man über dieses Medium auch bei Cocktailparties sprechen können. So zumindest meine Meinung.

teilnehmer 06 Bewerter - 71 - 25. Mai 2009 - 17:17 #

Hallo! In der Kolumne ist es mir nicht aufgefallen, aber der Teaser-Text ist momentan sexistisch. Das Jungs-Beispiel ist ein Action-Macht-Zerstörung-Titel, und das Mädchen-Beispiel sind süße Sims.
Bitte genderpolitisch wachsam bleiben, das soll doch mit Anspruch ablaufen hier, gell? Fände ich jedenfalls schön.

Flo_the_G 14 Komm-Experte - 2098 - 25. Mai 2009 - 18:34 #

Genau, und aus dem "Spieler" im Titel machen wir bitteschön noch "SpielerInnen", und die "NerdInnen" dürfen wir natürlich auch nicht vergessen. Und damit das alles nicht so gemein autoritär klingt schwächen wir die Wortwahl auch noch etwas ab. Also bitte so:

"Warum SpielerInnen NerdInnen bleiben, wenn sie mögen, falls nicht ist es aber auch OK."

TECC (unregistriert) 25. Mai 2009 - 17:16 #

Was ist an "komplex und schwer" schlecht... ? lieber soals 0815 Mainstream gedöns -.- pööhh

teilnehmer 06 Bewerter - 71 - 25. Mai 2009 - 17:17 #

Oh - ich hatte hinten noch ein HTML-Tag mit /ende schimpf reingeschrieben, aber der wurde gestrippt... mit dem wollte ich die Schärfe aus meinem Kommentar nehmen. Das sei hiermit nachgeholt.

BFBeast666 14 Komm-Experte - 2062 - 25. Mai 2009 - 17:28 #

Ich sag dazu nur: "Wohl dem, der seinen Lebenspartner schon gefunden hat". Ich bin jetzt 14 Jahre mit derselben Frau zusammen, und - so klischeehaft es auch klingen mag - wir haben komplett die gleichen Hobbies. Sie selbst kann leider nicht wirklich viel spielen, da sie blind ist (was sie nicht daran hindert, Stunden in MUD's und ADOM zu verbringen), aber sobald auch nur ein akustisch halbwegs spannendes Spiel in der Box liegt (wie zuletzt Fallout 3 oder Resident Evil 5), verbringen wir gern Stunden zusammen auf dem Sofa.

SocialHazard 14 Komm-Experte - 2258 - 25. Mai 2009 - 18:04 #

Ich bin ja der Meinung Casual versaut die Spieleszene irgendwie. Momentan setzen alle Entwickler zu viel auf Casual oder Free to Play Games. Stört mich irgendwie.

Eldest 13 Koop-Gamer - 1718 - 25. Mai 2009 - 19:04 #

Kann ich absolut bestätigen, deine Meinung. Ich bin ein Schüler, und man sollte ja meinen, wir Jugendlichen wären offener. Fehlanzeige! Komisch beäugt wird man!
Hach, gut dass ich andere viel besser komisch beäugen kann.
Aber: Ich bin noch niemandem begegnet, zumindest in der Schule (häufig besuchte Einrichtung), der eine Begeisterung für Spiele besitzt.
Schlimm, aber wahr.

Name 25. Mai 2009 - 20:38 #

@ BFBeast666:

Das finde ich sehr interessant. Vor allem wenn es in heutigen Diskussionen ständig um die ach so gute Grafik/Optik geht.
Und nur der Akustik zu lauschen, stelle ich mir auch recht spannend vor.

Zum Thema selbst:
Stimmt wohl. Bekommt man ja auch mit, wenn man sich mit einer Person, die ebenfalls zockt, z.B. auf einer Party unterhält. Ruck zuck steht man ziemlich alleine da oder man erntet Kopfschütteln.
Aber ist ja auch verständlich irgendwo.
Ich selbst verbringe aber auch viel Zeit mit Kultur u. Kunst. Oder beschäftige mich damit. Trotzdem möchte ich Computer- u.Videospiele nicht missen. Ich kenne aber auch viele ehemalige C64- bzw. PC-Zocker, die heute gar nichts mehr mit dem interaktiven Bildschirmhobby zu tun haben. Was ich nachvollziehen kann.
Geschmäcker und Prioritäten ändern sich nun mal.

So, jetzt werde ich mir erstmal den „Spieleveteranen-Podcast 4“ anhören. Freude...

hoschi 13 Koop-Gamer - 1485 - 25. Mai 2009 - 21:10 #

Computerspieler sind Exoten ? Also das glaube ich eher nicht. Jeder 8 bis ich sag mal 35 Jährige zockt bzw hat definitv schon das ein oder andere Spielchen gespielt. Computerspiele sind vielleicht nicht in den Medien angekommen, bei den Menschen aber schon längst.

Das Problem bei der Nerd-Diskussion ist eher was ganz anderes:
Nämlich Frauen. Die spielen eher weniger und sehen Computerspiele als langweilig an und man kann mit ihnen auch nicht darüber reden. daher ist es nerdig spieler zu sein bzw eher gesagt dies offen zu sagen, weil es bei der damenwelt eben nicht gut ankommt. das ist die grundlage allen übels bei dieser thematik. Männer unter sich reden definitv übers zocken und man macht sich natürlich alles andere als lächerlich wenn man das macht.
Was aber wieder mit all dem nichts zu tun hat sind zb hardcore wow 24/7-zocker. das ist wieder ein ganz anderes thema und sollte nicht in solche diskussionen gleich miteinbezogen werden. klar das wird immer nerdig sein.
was Grund 1 angeht:
Das sehe ich definitv nicht so. Die Spiele werden immer einfacher und nicht komplexer oder schwerer. Gute Strategietitel und Simulationen gabs schon lange nicht mehr und der langweile seichte Einheitsbrei wird immer mehr. Also die Komplexität ist sicher nicht der Grund vor allem in Zeiten von Wii und Co.

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6571 - 29. Mai 2009 - 13:27 #

>> "Das Problem bei der Nerd-Diskussion ist eher was ganz anderes:
Nämlich Frauen."

Hehe, der war gut ;))

Knight925 08 Versteher - 213 - 25. Mai 2009 - 23:29 #

Da würde mich wirklich mal eine statistik interessieren, aber es würde mich nicht wundern wenn über 50% aller männlichen deutschen zwischen 16 und 22 schon ein paar computerspiele gespielt haben.
das nimmt dem "exotischen" ziemlich den wind aus den segeln (:

ich schließe mich der meinung an, dass ein großteil der probleme bei unverständnis von frauen und älteren menschen (zb politikern) ihren ursprung haben.

aber ich kenne auch ein paar frauen die sogar ich als nerdig bezeichnen würde, kategorie WOW-zocker (:
daher ist das alles nur im statistischen überblick wahr und keinesfalls in jedem einzelfall.

Dexter594 10 Kommunikator - 375 - 26. Mai 2009 - 0:13 #

Das es aber auch anders geht zeigt Südkorea. Dort hat sich StarCraft doch zu einer Art Volkssport entwickelt. Im Fernseher sind z.B. ständig Tuniere zu sehen und Profispieler verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Ich denke in 50 Jahren oder so, wird das Alles sowieso ganz anders aussehen und PC-Spiele werden mehr Akzeptanz erfahren.

Name 26. Mai 2009 - 7:18 #

In 50 Jahren gibt es dann vielleicht auch mehr "Pulp Fiction" oder "No Country for Old Men" pendants in der Spielebranche.

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6571 - 26. Mai 2009 - 7:55 #

Alle spielenden Frauen, die ich kenne, spielen insgesamt nur ein bis drei Spiele, die ihnen aus irgendwelchen Gründen gefallen und auf die sie aus irgendwelchen Gründen gestoßen sind. Sie erweitern das nur zufällig alle paar Jahre um irgendein anderes Spiel und behaupten von sich, keine Spielerinnen zu sein, auch wenn sie hunderte Stunden mit diesen zwei, drei Games verbringen. - Vielleicht noch das schlechte Gewissen ("bei schönem Wetter *müßte* ich ja lieber rausgehen"), das wir Männer schon mit 13 abgelegt haben? ;-)

timtim 04 Talent - 13 - 26. Mai 2009 - 8:31 #

Kompletter Schwachsinn, diese Kolumne. Das ist der Blick eines 45jährigen Akademikers auf die Welt. Lieber Anatol, das mag in deiner Erfahrung so sein, aber woher nimmst du die Frechheit, deine Sicht auf andere zu verallgemeinern?

Ich bin 21 und Student, mit meiner Lebenswelt hat das nichts zu tun. Wir sprechen eben auch nicht, wie ihr damals vielleicht, über das Kartenzeichnen bei Bard's Tale, sondern ganz normal über aktuelle Games und Erlebnisse. Das ist nicht freakiger als die Gespräche über StudiVZ, über Modellfliegen, über Musik. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir uns damit an den Rand der Gesellschaft stellen.

Loco 17 Shapeshifter - 8709 - 26. Mai 2009 - 9:42 #

Ich find das Bild oben irgendwie strange...

Incanus (unregistriert) 26. Mai 2009 - 9:59 #

Hallo Anatol,

also, eigentlich kann/konnte ich Dich bzw. Deine Artikel, insbesondere in der Power Play, immer gut leiden; diese Kolummne kann oder will ich nicht verstehen.

Wenn ich meine eigene Geschichte betrachte und dabei möchte ich hier nur erwähnen, dass ich bereits die 40 überschritten habe und mittlerweise eine große (den Durchschnitt bzgl. der Anzahl der Kinder betreffend) Familie habe, so ist anzumerken, dass die so genannten Gamer, mit denen ich einige Zeit meines Lebens verbracht habe, wenn Sie nicht auch das Glück hatten, eine nette Frau kennenzulernen und eine Familie zu gründen, heute relativ isoliert ihr Dasein fristen und für andere Themen meistens auch gar nicht zu begeistern sind, als z. B. für Rollenspiele. Damit sind Spieler, oder zumindest ein großer Teil, relative Fachidioten, mit denen man eben über nix anderes sprechen kann. Ein kulturell interessierter Mensch, der sich für Literatur, Kunst und das wahre Leben interessiert, hat da einen ganz anderen Horizont und demnach auch ein breiteres Spektrum. So jemand kann sich auch mit einer Frau, die sich nicht für Computerspiele interessiert, wirklich gut unterhalten, was nebenbei nicht ausschließt, dass die- oder derjenige am PC spielt.

Wobei, das sei angemerkt, Computerspiele (bestimmte, insbesondere) für mich nix mit Kultur im engeren Sinne zu tun haben. Computerspiele sind Unterhaltungmedien und haben Einfluss auf die Kultur einer Gesellschaft, dies entweder in einer positiven - oder eher doch negativen Art und Weise. Wer oder was braucht Counterstrike, Left4Dead, GTA und all jene Vertreter dieser Unterhaltungsform, die auf Zerstörung durch Waffen setzten. Und hoffentlich antworten jetzt nicht hier so genannte Nerds, dass es sich nachweislich bei CS um ein Taktik-/Strategiespiel handelt. M. E. ist eine - sagen wir mal nach finanziellen Interessen ausgerichtete- Interessengruppe, die solche Titel unter dem Deckmantel des ESports vermarktet, an einer derartigen Einordung mitverantwortlich. Damit möchte ich nun auch wiederum nicht sagen, dass derartige Software für Amokläufe verantwortich ist, das ist aber ein anderes Thema.

Also, lieber Anatol, ich kann mit Deiner Kolumne nicht so viel anfangen, sehe das Thema aber relativ neutral, jemand, der "reinen Herzens" ist (:-) und sich interessiert, der sich selbst und/oder sein Hobby Computerspiele nicht so ernst nimmt, auch wenn sie/er beruflich damit verbunden ist, der braucht so einen Artikel nicht, braucht keine Killerspieldebatte und muss sich auch nicht als Nerd (also Fachidiot) abstempeln lassen!

Beste Grüße

Incanus

Marco Büttinghausen 20 Gold-Gamer - P - 20431 - 26. Mai 2009 - 10:54 #

Einige hier machen den Fehler von ihrem Freundeskreis auf die Gesellschaft zu schließen. Das es unter Kumpels die sich möglicherweise sogar über die Zockerei kennengelernt haben normal ist über Games zu sprechen, ist völlig normal, das Beispiel aus obiger Kolumne bezieht sich darauf ob dieses Thema geeignet ist ein Gespräch mit Fremden Leuten zu eröffnen, oder als Thema fürs erste Date.

Sicherlich mag es einzelne Personen geben bei denen das funktionieren würde, aber dies ist nicht repräsentativ für die Gesellschaft.

timtim 04 Talent - 13 - 26. Mai 2009 - 13:09 #

Ja, aber der Ansatz ist Uninn. Frauen eröffnen das erste Date auch nicht mit Frisurfragen (obwohl das Mainstream ist), Nicht-Spieler kämen nicht auf die Idee, zu erwarten, dass die Dame des Herzens sich für Außenpolitik interessiert.

So what?

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6571 - 29. Mai 2009 - 13:30 #

Meine Güte, nimm's auch bitte nicht allzu ernst - die Kernaussage der Kolumne ist doch quasi "Spielen ist (noch) nicht wie Kino - obwohl's das langsam sein sollte": Und damit hat Anatol komplett recht.

bersi (unregistriert) 26. Mai 2009 - 11:11 #

Interessante Meinung.

Allerdings finde ich, wer von einem anderen Menschen nicht so akzeptiert wird, wie er ist, ist es nicht wert umworben zu werden.

Die Eingangsthese man könne bei einem ersten Date nur über Spiele oder nur über Kulturgut reden, halte ich für überzogene Schwarzmalerei. Es gibt weitaus mehr diskutierbare Themen als eben diese beiden Extreme.

Würde mein Gegenüber beim ersten Date beim Thema Games die Nase rümpfen wäre die Geschichte für mich eh gegessen. Ich bin bei leibe nicht auf der Suche nach jemandem, der im Minutentakt "mein" Medium verteufelt. Das habe ich 2 Jahre lang mitgemacht und kann es mir getrost sparen.

Weiterhin sollte man erwähnen, dass in der Jugend von heute sehr wohl viele Zockerweibchen anzutreffen sind. Man muss halt an den richtigen Stellen suchen und nicht immer die 0815-"Schönheiten" in der eigenen Klasse als Ziel ausmachen.

Habe selbst vor zwei Monaten eine attraktive Team Fortress 2 Spielerin kennengelernt und durfte mal wieder feststellen, dass es nicht nur Menschen gibt, die Games als Teufelswerk sehen. Gamer müssen halt einfach anfangen über ihren bescheidenen Tellerrand hinaus zu blicken.

Kith (unregistriert) 26. Mai 2009 - 19:40 #

Ja, so ist das wohl ...

Man könnte aber natürlich auch Computerspiele geschickt umschreiben und in echte Geschichten äh Umweltgeschehnisse umwandeln, wenn es denn um "Girls, Mädels, Frauen" im allgemeinen und wesentlichen geht. Z.B. erzählt man von der "guten Freundin der man geholfen hat die ganze Misere durchzustehen, als ihr Vater ausgetickt ist und alte Wunden aufgerissen hat" ... gut, man meint damit zwar Prince of Persia, aber das muss man ja nicht sagen ;-)

"Wanted: Weapons of Fate" geht ja da eher den umgekehrten Weg, die wollen ingame auf das was Politiker "da draussen" erzählen zugreifen, auch ein Ansatz. Zitat aus dem Intro ...

"Ich war auch mal so planlos und jämmerlich, genau wie du. Hab vor der Glotze gehangen, Videospiele gespielt und wurde fett. Ich war ein Loser. Was aber, wenn dir jemand eines Tages die Chance böte, deiner langweiligen, kleinkarierten Welt zu entfliehen und alles hinter dir zu lassen? Mit einer Bedingung: Du musst Killer werden!"

Ob das so ein guter Plan ist? Aber ich schweife ab ...

Tabby 05 Spieler - 41 - 27. Mai 2009 - 11:06 #

Oh man, wo soll ich anfangen?
Ich finde dieses Thema wirklich heikel, und ich kann es irgendwie nicht verstehen. Ich bin eine Frau, spiele selbst sehr gerne, hab etliche Freundinnen die es mir gleichtun, und täglich erwisch ich ein neues Mädel in der Uni sitzen und mit ihrem NDS oder der PSP spielt. Und ihr wollt jetzt sagen, dass es solche Frauen nicht gibt? Gut, wahrscheinlich ist es ungewöhnlicher dass Frauen Egoshooter oder dergleichen spielen ( Wobei ich auch einige Frauen kenne die da top drin sind ). Aber ganz ehrlich, ich finde das fast schon diskriminierend.
Naja ich bin mit Computerspielen aufgewachsen. Meine Mutter spielt NDS und GBA, meine Schwester alles was sie in die Finger bekommt, und mein Vater kämpft sich jeden Abend durch Age of Empire und versucht meine Mum zu überreden eine XBox 360 als Familienanschaffung zu betrachten. Aber mal ehrlich, so selten ist das nicht. Gamer bekommen eben auch Nachwuchs, und in meiner Generation gibt es viele die sich gerne mit Videospielen beschäftigen. Nur als "Nerds" möchte ich sie nicht bezeichnen. Es gibt für die meisten eben noch vieles mehr als nur Videospiele, ein Reallife. Natürlich fängt man in der Uni nicht direkt mit Videospielen an wenn man jemanden neues kennenlernt, aber Videospiele sind recht präsent. Besonders in meinem Fachbereich. Es ist normal für mich dass wenn ich mich in das Flash Tutorium setze ich einen detaillierten Bericht der letzten WOW Instanz von meiner Sitztnachbarin bekomme, und meine Kommolitonin im Zug neben mir laut anfängt zu fluchen wenn ihr Pokemon eingeschlafen ist.
Alle die mir sagen wollen, Gamerfrauen sind selten, dann schaut euch mal etwas genauer um, sie sind überall, ;)

GingerGraveCat (unregistriert) 29. Mai 2009 - 10:54 #

Kann ich nur zustimmen, schließlich habe ich ja eine begeisterte Spielerin als Freundin und man darf nicht vergessen, dass es bei Gamestar auch eine weibliche Spieletesterin gibt, mit dem Namen Petra Schmitz.

Ich will nicht abstreiten, dass mache Spielegenres eher von Männer und mache eher von Frauen gespielt werden, aber Spielen an sich ist keine Männerdomäne.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 354852 - 31. Mai 2009 - 15:51 #

Anatols Kolumne dreht sich in erster Linie darum, dass Spieler (Gruppenbezeichnung, also männliche und weibliche!) Exoten sind -- sie dreht sich nicht darum, dass Spielerinnen Exoten seien.

Falls der Eindruck dennoch entsteht, es gehe vor allem um die männliche Perspektive, liegt das vielleicht am Aufmacherbild. Das kommt von mir, dafür kann Anatol nichts.

Der Aufhänger mit dem "Anbaggerspruch" ist in beide Richtungen gemeint: Nicht jeder Mann spielt, und wenn nun eine Spielerin mit ihrem Hobby kommt, hat sie ebenso eine gute Chance, auf Unverständnis zu stoßen -- wenngleich ich schon glaube, dass mehr Männer spielen als Frauen.

Felicia Hardy 04 Talent - 27 - 1. Juni 2009 - 21:41 #

Sobald man als Frau über Computerspiele redet ist man in den Augen von Nichtspielern ein Nerd, für die meisten der Spieler nicht mehr als ein Wii Fit Hampler und den paar Spielern die einen ernst nehmen ist man meist ziemlich suspekt. Also auch für uns definitiv nicht das richtige Thema für ein Date oder eine gepflegte Abendunterhaltung. :-)

Hhaller 04 Talent - 33 - 15. Juni 2009 - 21:41 #

Ich sehe das Angesprochene: Theater, der aktuelle Kinofilm, das Musikalbum natürlich als Medien und Unterhaltungsplattformen. Die Spiele, ob für PC, Nintendo oder Wii sind es natürlich auch. Ja jedes einzelne davon wird den Beobachter oder Benutzer auf eine Art anziehen oder abstoßen.

Aber gerade durch die vergangenen Verbindungen von Außenstehenden zu „PC-Spielen“ (in „vorderster Front“ natürlich die Ego-Shooter) ist eine nüchterne Sichtweise zu Spielern kaum noch möglich, genauso wie die genannte Selbstdarstellung ist es Fakt und vorerst nicht als Makel, als Kritik zu vermeiden oder zu beseitigen.

Die Grundeinstellung von potentiell Interessierten wird also schon seit Jahren mitgeprägt, und dadurch verhindert sich die von uns gewünschte Neutralität. Man könnte nun lang und flexibel über Amokläufe und die Gewaltdarstellung schreiben, aber die Grenze der annehmbaren öffentlichen Objektivität ist bereits überschritten und rückgängig ist es tatsächlich nur zu machen, wenn das Vertrauen zwischen Spieler und Spiel (Story, Tiefe, Anspruch); Spiel und Beobachter (Sinn und Zweck, Toleranz) neu erbaut wird.

Aber es ist die Interaktivität die noch strenger und absonderlicher beäugt wird als die Spiele selbst. Denn wenn ich eine Spieleverfilmung wie Hitman im Kinosaal besuche werde ich als Bürger sicher die Augenbrauen hochziehen wenn ich höre wie das doch mit den Händen nachgespielt wird. Zwar nicht in der Realität, aber näher am Menschen als eine Radiovorlesung die Geschichte erzählen könnte. Hier gibt es mehrere Sichtweisen, denn einerseits kann die Tatsache des verfilmten Spieles fasziniert und interessiert machen, andererseits auch bestürzt.

Aber der Artikel trägt den Titel : „Warum Spieler Nerds bleiben“ und nicht „Warum Spieler Nerds sind“, denn sonst würde man sich in Sachen einer Erörterung sicher mehr erlauben können und auf den Menschen eingehen und nicht auf das Umfeld und die Salonfähigkeit.

Es verhält sich genauso mit dem Internet, es gibt Seiten die man gerne verschweigt, aber Google kennt heutzutage jeder ; )

Letztendlich kann man nur zustimmen und viel zu Rütteln ist an den Fakten nichts, man kann oder könnte sie nur anders beleuchten, dafür fehlt mir aber hier vorerst die Basis.

DigiDragon 06 Bewerter - 92 - 10. März 2010 - 17:24 #

Einer der Besten Beiträge.Ein sehr Interessanter und lesenswerter Bericht

Labrador Nelson 28 Endgamer - - 106840 - 8. Juli 2012 - 15:44 #

Games als Anbaggerthema! Köstlich! ;)

lichee 15 Kenner - 3199 - 8. November 2012 - 18:45 #

kommt jetzt ein wenig spät, aber im letzten Absatz fehlt ein Wort: "..., aber bei Spielen befinden wir [uns] immer noch im Kindergarten."

3vand3r 16 Übertalent - 4080 - 16. November 2012 - 17:26 #

Ist zwar schon alt, bin aber jetzt erst auf den Artikel gestoßen.
Aber das "Spieler" "Exoten" sein solln finde ich nicht, die meisten Leute die ich kenne sind wirkliche Zocker, bzw. ein paar Personen auch richtige Mega-Nerds und diese sind bei dem weiblichen Geschlecht genauso beliebt, bzw. durch das häufige Zocken dennoch gut im Party-Single-Leben aktiv =)

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