Jörg Langer über MW2 und Co.

Krieg: So ein Spaß! Meinung

Jörg Langer hat Call of Duty: Modern Warfare 2 gespielt, hat ohne Gnade oder Reue Hunderte von Bildschirmsoldaten getötet und immer wieder großen Spaß dabei empfunden. Aber darf man das überhaupt, Spaß am virtuellen Krieg empfinden? Was sagt das über den aus, der da spielt? Und ist Modern Warfare 2 vielleicht nicht realistisch genug?
Jörg Langer 12. November 2009 - 12:50 — vor 7 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
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Alarm, Sirenengeheul, die Kriegszeit ist mal wieder angebrochen. Am Bildschirm, natürlich, wir leben in Deutschland und nicht im Mittleren Osten oder einem anderen realen Brennpunkt. Kriegsballerspiele à la Modern Warfare 2 werden selbst von vielen Spielern mit einer Mischung aus Abscheu, Vorverurteilung und auch Selbstkasteiung behandelt. Denn es geht bei diesen Spielen darum, potenziell spaßerfüllt authentische Kriegssituationen nachzuerleben. Sie drehen sich nicht um die Hintergründe von Konflikten oder die Leiden der Zivilisten und Soldaten, sondern den Adrenalinrausch, den Heldenmut, das Mittendringefühl. Die Call of Duty-Reihe erzeugt dieses Gefühl wie wohl keine andere Serie. Bis hierhin dürftet ihr mir noch alle zustimmen...

"Töte alle" mit Rambo-Tiefgang

An Modern Warfare 2 geht nicht die Populärkultur des Gaming zugrunde.
Nun ist immer wieder, auch auf GamersGlobal, in Kommentaren zu lesen, man dürfe nicht den Kritikern Munition geben, müsse am Ruf der Videospiele als Kulturgut arbeiten. Mithin wäre Call of Duty: Modern Warfare 2 ein schlechtes Spiel, das unser aller Hobby in Verruf bringt. Ach was! Medien ist es zu Eigen, dass ihre inhaltliche und qualitative Bandbreite groß ist. An Modern Warfare 2 geht nicht die Populärkultur des Gaming zugrunde, genauso wenig, wie das Bücherlesen zur verdächtigen Handlung wird, weil es Hunderttausende Schundromane gibt. Wieviel Schweinisches, Dummes und Überbrutales beherbergt das Medium Film? Ist das die "Schuld" des Mediums? Würden sich übelwollende Unwissende (die erstaunlich oft als Poltiker in einer "C"-Partei oder als Redakteur bei Tageszeitungen und ZDF-Politikmagazinen zu wirken scheinen) nur dumme oder gewalthaltige Bücher heraussuchen, um über Gutenbergs Medium zu urteilen, es käme nichts anderes heraus als bei den Videospielen.

Wenn ich mir jedoch das Medium Fernsehen anschaue, wie es sich einem bundesdeutschen DVB-T-Nutzer aktuell darstellt: Da ist doch im Schnitt das Spielemedium wesentlich seriöser, hochwertiger und unterhaltsamer, trotz all der seichten Rette-die-Prinzessin und Töte-alle-Storys bei aktuellen Games. Und das wäre mein erstes Anliegen, liebe Leser und Spieler: Hört auf, euch für Schmutz- und Blut-Spiele mit Rambo-Tiefgang zu schämen. Spielt sie einfach nicht, empfehlt sie nicht weiter, wenn sie euch nicht gefallen. Aber ertragt, dass es sie gibt. Denn sie sind normal.

Modern Warfare 2 schadet nicht dem Spielehobby

Blutige Ballerspiele wie Modern Warfare 2 sind nicht, nicht, nicht schuld daran, dass es viele Menschen mittleren und höheren Alters gibt, die ein immer noch relativ neues Medium verdammen, zum Sündenbock für Schulmassaker erklären oder mit noch schärferen Gesetzen beschneiden wollen. Diese Menschen würden auch andere Gründe finden, schaut euch nur die frühen Indizierungen an (Raid over Moscow und Co.), über die man heute selbst bei der BPjM nur noch schmunzeln kann. Die Zeiten ändern sich, und so wird man auch eines nicht mehr allzu fernen Tages ebenso vorurteilsfrei über Spiele reden, wie über modernes Theater, Rap, modernen Kampfsport, klassische Oper und viele andere Dinge. Die Anführungszeichen beim Adverb des letzten Satzes habt ihr euch hoffentlich dazu gedacht, oder?

Merke: Über Medien wird eine Gesellschaft niemals derselben Meinung sein. Nicht zuletzt mein Glaube an die Wichtigkeit von Meinungs- und Kunstfreiheit lässt mich schreiben: Modern Warfare muss es -- natürlich nur für Erwachsene -- geben dürfen, und man muss es mit Genuss spielen dürfen, ohne dumm dafür angemacht zu werden. Was ich mit "dumm anmachen" meine, lässt sich einigen Kommentaren zu unserem Modern-Warfare-2-Test entnehmen. In denen sagen die geistig, kulturell und moralisch Übermächtigen den Hirn-, Moral- und Geschmacks-Zwergen (also allen, die MW2 gut finden), wie primitiv sie sind. Auch eine Form von Meinungsfreiheit.

Spaßig und widerlich zugleich

Dies alles vorweggeschickt: Ich mag die Art von Modern Warfare 2 nicht, auch wenn ich es überwiegend mit Spaß gespielt habe. Aber streckenweise finde ich es richtig widerlich. So etwas ist übrigens erlaubt, liebe Schwarz-oder-Weiß-Kommentierer: Ich darf dasselbe Spiel spaßig finden und widerlich, und das binnen Minuten. Mit "widerlich" meine ich nicht nur den bereits berüchtigten Flughafen-Level, in dem man (in der deutschen Version: passiv) miterlebt, wie eine Handvoll Terroristen binnen Minuten die Besucher eines ganzen Flughafenterminals ermorden. Diese Szene, so schlimm sie ist, scheint den reichlich hartgesottenen (man könnte auch sagen: pietätlosen) Designern von Infinty Ward als dürftiges Story Device zu dienen, den Angriff Russlands auf die Vereinigten Staaten im Spiel zu begründen. Nun ja.

Welche Story, welche Charaktere, welches Nachdenken?
Ich finde die Flughafenszene und manch andere Situation also widerlich, aber das gilt auch für viele Szenen in 24, in Der Soldat James Ryan und in vielen anderen Fernsehshows und Filmen. Oder in den Krimis, die meine Frau so gerne liest -- was sich da an menschlichen Abgründen auftut! Doch schlimme Szenen können auch zum Nachdenken anregen, Charaktere eine Entwicklung durchmachen lassen oder zumindest die Story vertiefen. Aber welche Story, möchte man angesichts des Schießbudencharakters von Modern Warfare 2 fragen. Welche Charaktere? Vor allem aber: Welches Nachdenken? Das ist das, was mich wirklich an Modern Warfare 2 stört: seine wortwörtlich hanebüchene Schlichtheit.

Schießbude statt Realismus

Modern Warfare 2 ist ein schizophrenes Spiel. Auf der einen Seite versucht es in den Departments Grafik und Sound wirklich alles, um euch moderne Kriegsführung als Infanterist hautnah miterleben zu lassen. Mit überzeugendem Erfolg! Dass das Spiel ständig zwischen russischer Eiswüste, dem Meer, den Favellas von Rio de Janeiro, dem amerikanischen "Herzland" sowie Washington D.C. hin- und herspringt, verwirrt mich einerseits, fasziniert mich mit seiner Abwechslung aber auch. Es hat einfach etwas, wenn russische Einheiten durch amerikanische Kleinstädte ziehen und alles in Schutt und Asche legen, wenn das Zentrum der Macht in Washington D.C. zur Kriegszone wird. Wünsche ich das den Amerikanern? Um Himmels Willen nein, niemals, in keinster Weise. Begeistert mich dieses "Was wäre wenn"-Szenario in einem Spiel? Aber hallo!

Doch auf der anderen Seite wird Krieg von MW2 eben überhaupt nicht real dargestellt. Verwundungen, Schmerzen, Leiden? Fehlanzeige. Passt wohl nicht in ein Spiel. Wieso eigentlich nicht? Es wird auch nicht das tatsächliche Chaos einer Schlacht beschrieben, über das es unzählige Zeugnisse echter Kriegsteilnehmer gibt. Natürlich ändern sich die Missionsziele immer wieder, überraschen uns immer wieder neue Skriptereignisse. Doch das nächste Ziel ist immer sonnenklar, wird auf der Karte eingeblendet samt Distanzanzeige. Durch all das angebliche Chaos bewegen wir uns von A nach B also wie ein Zug auf seiner Schiene. Vor allem die schiere Zahl an Gegnern, die ich (zwischen zwei Figuren hin- und herspringend) im Laufe des Spiels töte, ist selbst nach Maßstäben eines Rambo 2 oder Kill Bill oder anderen Knall-Köpf-und-Krach-Filmen außerordentlich. Sie geht in die Hunderte, wenn nicht sogar in die Tausende. Zwei Elitesoldaten töten mit Handfeuerwaffen innerhalb von einer Woche Hunderte oder Tausende von Gegnern? Was für ein kompletter Blödsinn. Genauso blödsinnig ist, wieviele gewaltbereite Gangster auf engstem Raum in einer Favella nur darauf warten, mir vor die Flinte zu laufen. Die Bretterbuden können keine Möbel enthalten, so vollgestopft mit Gangstern müssen sie sein.

Das ist übrigens etwas, dass mich auch an Dragon Age - Origins und zig anderen Spielen stört: Wann schafft es endlich mal ein Studio, die Anzahl von Kämpfen und getöteten Gegnern in einem Rollenspiel oder Actiontitel halbwegs glaubwürdig hinzubekommen? Fällt diesen Studios wirklich allen nichts ein, außer im Sekundentakt Gegner zu plätten, um für eine vernünftige Spielzeit zu sorgen? Stellt euch vor, in Büchern oder Filmen gäbe es derartige "Abschusszahlen" -- und dabei bringen es Italowestern, Herr der Ringe und Co. schon auf ziemlich viele Kerben im Colt- oder Schwertgriff.

Die Trivialisierung des Krieges

Mich stört an dem fehlenden Realismus von MW2 und Co., dass dies den Krieg trivialisiert und nur meine Drüsen und Reflexe anspricht, nicht mein Hirn oder mein Herz. Es müsste doch möglich sein, ein Spiel zu machen wie Der Soldat James Ryan oder die Serie Band of Brothers! Es muss auch gar nicht gleich ein brutal-philosophisches Kunstwerk wie Der schmale Grat sein, es darf gerne auf dem Popcorn-Level bleiben. Aber bitte so, dass es nicht jede meiner Gehirnzellen beleidigt. Wieso kein Spiel, das mich mit seinen Szenen schockiert. Das gleichzeitig actionreich ist und spannend. Das aber eben auch eine Story hat und Charaktere, deren Schicksal mir etwas bedeuten. In Modern Warfare gibt es namenlose Pappfigur-Kameraden, die jederzeit sterben dürfen, und es gibt drei, vier Compagnons, die unsterblich sind. Zu echten Begleitern werden sie nie, wir wissen nichts über sie, sie haben keine Gefühle, kennen keine Schmerzen. Diese Eindimensionalität macht mich fertig.

Es ist kein Wunder, dass Kriegsspielzeug [...] so beliebt ist.
Das Spielen (ich zähle Sport dazu) ist im Menschen tief verwurzelt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene üben damit seit Urzeiten Strategien für das echte Leben ein -- oder kompensieren Dinge, die im echten Leben eben nicht so einfach zu bekommen sind. Das Gefühl von Macht beispielsweise. Der Triumph über einen Gegner. Aber auch Zielerreichung, Zusammenarbeit, Verarbeiten von Frust. Es ist kein Wunder, dass Kriegsspielzeug in Zeiten des Irakkriegs oder des "Stabilisierungseinsatzes" in Afghanistan so beliebt ist. Dass selbst Lego längst nicht mehr ohne "echt schießende" Roboter in Bausätzen auskommt. Auch Modern Warfare 2 passt als Spielzeug für Erwachsene ganz logisch in diese unsere Zeit. Was den Menschen beschäftigt, das taucht in seinen Spielen auf. Mehr steckt nicht dahinter. Und die größte virtuelle Gewalt ist mir unendlich viel lieber, als die geringste echte Gewalthandlung.

Aber, bitte, Activision-Blizzard beziehungsweise Infinity Ward: Gebt euch doch mehr Mühe dabei, Krieg nicht nur als Abfolge von Kimme-Korn-Abzug-tot nachzustellen! Eurer Hauptzielgruppe mag es vielleicht wirklich nur um das Schießbudenprinzip vor realistischem Hintergrund gehen. Aber ihr würdet sie doch nicht gleich verschrecken, wenn dabei auch liebgewonnene Kameraden sterben würden. Oder Zivilisten, denen ihr vorher einige Minuten gegönnt habt, um von Statisten zu Charakteren zu werden. Im Ergebnis hättet ihr ein Kriegsspiel, das neben dem Hochpuschen des Adrenalinspiegels auch Emotionen erzeugen könnte. Und das den, der dafür emfänglich ist, auch zum Nachdenken anregen könnte. So aber ist Modern Warfare ein Spiel, dass sich seine hohe Note (bei uns und anderswo) mit technischer Brillanz, mit der kunstvoll erzeugten Spannung und mit der Befriedigung von Abzugsfingerreflexen verdient. Das vor allem im Multiplayer-Modus viel Raum für den sportlichen Wettkampf via Internet lässt. Das aber in seiner Solo-Kampagne unfassbar schlichten Gemüts ist. Und völlig belanglos.

Euer Jörg Langer
Abfuehrung
ezzemm 07 Dual-Talent - 147 - 12. November 2009 - 13:30 #

Meinst du nicht die Serie "Band of Brothers" anstatt "Brothers in Arms"?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 12. November 2009 - 22:37 #

Hüstel, da hat mir meine Verehrung des Dire-Straits-Songs ein Schnippchen geschlagen...

GingerGraveCat (unregistriert) 12. November 2009 - 13:35 #

Sehr schön geschrieben. Musste nach jedem Absatz nicken und schließe mich der Meinung an.

ichus 15 Kenner - 2987 - 12. November 2009 - 13:57 #

Ja, alles, was du schreibst, stimmt.

melone 06 Bewerter - 1512 - 12. November 2009 - 14:44 #

Gibt's in Büchern doch genauso.

Da nehm ich z.B. mal einen zeitgenössischen SF-Autor wie Richard Morgan. Wenn ich das mit dem was seit den 60er Jahren von Größen der SF bereits geschrieben wurde vergleiche, dann sind das dünne Ideen in mittelmäßigen Geschichten, alles aber recht packend geschrieben, inklusive detaillierter roher Gewalt und Sex. Und wen wundert's, es verkauft sich hervorragend.

Ich konnte mit den ganzen realistischen Kriegsspielen noch nie etwas anfangen. Da wird bei mir eine geschmackliche Grenze überschritten, wo sich Spaß in Ekel verwandelt. Wer schon mal in Krisengebieten zu tun hatte, dem dürfte es auch ziemlich schwer fallen an sowas Geschmack zu finden.

Die Argumentation im Artikel ist mir an manchen Stellen zu einfach. Andererseits muß ja auch nicht jeder Pfefferminz mögen. Ich für meinen Teil würd's besser finden, wenn andere Spiele entwickelt und gespielt werden würden, aber das ist ein längerer Prozeß.

Roland_D11 15 Kenner - 3685 - 12. November 2009 - 14:10 #

Danke Jörg für eine gute Kolumne, ich kann dem 100%ig zustimmen.

@melone:

Du schreibst:

'Ich für meinen Teil würd's besser finden, wenn andere Spiele entwickelt und gespielt werden würden, aber das ist ein längerer Prozeß.'

Das dies Deine Meinung ist, finde ich völlig ok. Aber meinst Du nicht, dass ein Medium alle Facetten abdecken sollte oder sogar müsste, um schlussendlich als qualifiziertes Medium neben Büchern und Filmen wahrgenommen zu werden? Ich finde es, ähnlich wie Jörg es geschrieben hat, komplett in Ordnung, wenn alle Extreme abgedeckt werden können. Was man dann von den einzelnen Machwerken hält, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Edit: Upps, das sollte natürlich eine Antwort auf den Post von melone sein...

melone 06 Bewerter - 1512 - 12. November 2009 - 14:44 #

Ich hatte ja geschrieben, daß ich es okay finde, wenn jemand sowas entwickelt, nur möchte ich persönlich weder an der Entwicklung noch als Spieler an so einem Produkt beteiligt sein.

Es ist aus mehreren Gründen nicht mein Ding; sollen andere damit ihren Spaß haben. Nur, halte ich's an der Stelle irgendwann für bedenklich, wenn's ausufert. Ich kann mich da an Zeiten erinnern, da wimmelte es in den Spielezeitschriften nur noch so von Kriegsspielen. Das ist mir dann irgendwie zu viel und man fragt sich, was da bei manchen schief läuft.

Dazu ständig diese Rechtfertigungsdebatten über Videospiele und Gewalt auf der einen Seite, auf der anderen Seite spielen sie halt doch diese Sachen und das erste was ihnen bei Multitexturing einfällt sind Blutspritzer. Ist's jetzt doch vorwiegend ein Medium für Kiddies?

Ich finde einen Spielemarkt der 90% Nicht-Kriegsspiele produziert erstrebenswerter, als einen bei dem's andersherum ist, mittelfristig beeinflußt dies auch die Gesellschaft. Zudem ist es auch ein wenig ein Armutszeugnis, da Videospiele einem so viel Potential bieten etwas Neuartiges zu schaffen; eine Blickwinkel auf etwas zu verleihen, daß jenseits unserer Realität liegt. Das ist für mich der spannenderere Weg, als der nach nur immer mehr Realismus.

Anonymous (unregistriert) 12. November 2009 - 15:55 #

Wow ich hätte es nicht besser sagen können, melone! Ich möchte einfach nicht immer Leute erschiessen, da fallen leider meist die Top-Titel raus...

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33767 - 12. November 2009 - 14:17 #

Sehr schön geschrieben, da kann man nur zustimmen. Nur ein Teil stört mich:
"Blutige Ballerspiele wie Modern Warfare 2 sind nicht, nicht, nicht schuld daran, dass es viele Menschen mittleren und höheren Alters gibt, die ein immer noch relativ neues Medium verdammen, zum Sündenbock für Schulmassacker erklären oder mit noch schärferen Gesetzen beschneiden wollen. Diese Menschen würden auch andere Gründe finden, schaut euch nur die frühen Indizierungen an (Raid over Moscow und Co.), über die man heute selbst bei der BPjM nur noch schmunzeln kann."
Ich glaube nicht, dass das so stimmt. Wenn die Spiele noch so "brutal" wie Raid over Moscow wären, würde kein Hahn mehr danach krähen. wie du schon im nächsten Satz schreibst, die Zeiten ändern sich, aber da die Spiele eben "mit der Zeit gehen", also immer realistischer aussehen und brutaler werden, wird die Empörung der Kritiker immer wieder geschürt. Ich denke aber auch, dass sich das mit den nächsten Generationswechseln geben wird. Bis es dann Holodecks gibt. ;-)

maddccat 18 Doppel-Voter - P - 11216 - 12. November 2009 - 14:23 #

Wirklich gelungen!

"Sie drehen sich nicht um die Hintergründe von Konflikten oder die Leiden der Zivilisten und Soldaten, sondern den Adrenalinrausch, den Heldenmut, das Mittendringefühl." Für mich die Legitimation solcher Spiele und dem dabei aufkommenden Spielspaß. Virtueller Krieg darf genauso Spaß machen wie Räuber und Gendarm oder Indianer und Cowboys. Trotzdem ist es auch eine Gratwanderung, denn bestimmte Szenen oder Spielelemte wie die Flughafen-Mission müssen eigentlich nicht sein. Die Cowboys im Kinderspiel schießen ja auch nicht auf wehrlose Indianer. ;-) Die Grausamkeit des MW2-Bösewichts hätte man auch weniger intensiv gestalten oder präsentieren können.
Zu den Medien bleibt halt nur zu sagen, dass jedes neue Medium erstmal verteufelt wird, bis sich alle dran gewöhnt haben. Das war beispielweise bei den Büchern oder dem Fernsehen auch nicht anders. Irgendwann sind sie dann Kulturgut.

Ulk 13 Koop-Gamer - 1598 - 12. November 2009 - 14:27 #

Inhaltlich kann ich dir zustimmen, Jörg. Letztlich bestimmen die Kunden, was entwickelt wird - und die orientieren sich zu einem gewissen Grad an den Medien, die ihnen beim Kauf und dem Herausbilden einer Meinung helfen.

Eben an dem Punkt hakt es beim Spielejournalismus. Auch im hiesigen Wertungskasten wird die Banalität von MW2 nicht mit einem Wort erwähnt, weiter als bis zum Begriff „Schießbuden-Stil" reicht die Kritik nicht.

Dabei geht es nicht darum, den Titel schlecht zu machen. Im Fazit deutlich darauf hinzuweißen, dass es sich zwar um einen packend inszenierten und spaßigen, allerdings auch vollkommen banalen, inhaltlich unbeholfenen Shooter handelt, würde den Ton aber schon verändern.

Mir scheint's da bei Journalisten wie Konsumenten am Bewusstsein zu fehlen, dass es besser gehen sollte, dass inhaltlich jede Menge Luft nach oben ist. Die Medien wären eigentlich der richtige Ort, diese Einsicht auszusprechen. Solange die Dinge genommen werden, wie sie kommen, wird sich nicht viel ändern.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 12. November 2009 - 22:44 #

Naja, vielleicht empfinde ich diesen Punkt stärker als Harald, der den Text geschrieben hat.

Aber wie ich auch schon einem der anonymen Kritiker geschrieben habe: Man kann nicht anfangen, Moral in den Spielspaß hineinzurechnen. Wie soll das gehen? "Eigentlich 10.0, aber jetzt ziehen wir mal 2.0 wegen ethischer Bedenken ab, macht 8.0"? Das geht nicht. Man kann auch nicht einem faktisch toll gemachten Spiel eine betont schlechte Note geben, nur um es den Moralaposteln recht zu machen oder die persönliche differenzierte Meinung hinauszuposaunen. Wem wäre damit wirklich geholfen? Persönliche Meinung gehört in eine Kolumne (bei uns "Meinung" genannt), aber nicht in einen Testbericht.

Meine Einstellung zu der Problematik von Spielen, die sehr explizite Gewaltdarstellung zeigen, oder explizite Themen haben -- und da stecken zirka 15 Jahre der professionellen Beschäftigung mit dem Thema dahinter: Man kann ein solches Spiel testen, oder auf den Test verzichten. Wenn man sich aber zum Test entschließt, sind größere Anmerkungen oder Abzüge in Richtung Moral und Ethik oder Pietätlosigkeit schlicht scheinheilig.

Deadly Engineer (unregistriert) 13. November 2009 - 8:10 #

Da muß ich jetzt nochmal einhaken:

Warum kann fragwürdige Moral keinen Einfluß auf den "Spaß" haben?
Eine miese Story oder Unlogik versaut zumindest mir den besten Film, auch wenn er technisch noch so toll gemacht ist. Genau das gleiche ist es mit fragwürdigen Botschaften die ein Film oder eben ein Spiel vermitteln.
Außerdem muß es ja auch nicht undedingt in die Wertung einfließen, die Maniac hat das auf ihrer Homepage ganz gut hingekriegt: Die geben 87% für das Gesamtpaket, gehen aber im Fließtext angemessen Harsch mit dem Singleplayer ins Gericht.

Ihr bewertet hier nur Technik und den Showfaktor, nicht das Spiel als Ganzes.
Daß ihn Deiner Kolumne dann auch noch ein Gutteil des Platzes dafür eingeräumt wird um über die Kommentare zum Test herzuziehen halte ich persönlich übrigens für einen ganz schlechten Stil, zumal Du damit beweist daß Du nicht ansatzweise verstanden hast worum ist den Leuten die den Test kritisiert haben ging.

Aber klar, Du beschäftigst Dich ja schon 15 Jahre "professionell?" mit dem Thema. Ich für meinen Teil spiele schon fast die doppelte Zeit Video- und Computerspiele, vielleicht nicht professionell, aber ausgiebig und habe mir auch schon so manchen Gedanken über Gewalt in Spielen gemacht. Aber natürlich steht es jemandem der das nicht "professionell" gemacht hat nicht zu einen "Profi" zu kritisieren, gelle?

Gamaxy 19 Megatalent - P - 13346 - 13. November 2009 - 12:32 #

"Aber wie ich auch schon einem der anonymen Kritiker geschrieben habe: Man kann nicht anfangen, Moral in den Spielspaß hineinzurechnen. Wie soll das gehen? "Eigentlich 10.0, aber jetzt ziehen wir mal 2.0 wegen ethischer Bedenken ab, macht 8.0"? Das geht nicht. "

Das geht schon, wenn man es will. Ist halt die Frage, _ob_ man das will. Grundsätzlich sind ja Bewertungen immer subjektiv, und wenn der Rezensent der Meinung ist, ein ansonsten gutes Spiel aufgrund moralischer Bedenken abwerten zu müssen, dann kann er das doch tun, wenn er die schlechtere Wertung begründet. Warum muss ein Spiel wie MW2 unbedingt eine neuner Wertung haben?

Ich würde sogar noch weiter gehen: Müssen Spiele überhaupt mit Punkten bewertet werden? Klar ist es übersichtlicher, wenn man auf die letzte Seite klickt, um den Wertungskasten aufzurufen, aber das Wesentliche erfahre ich doch eigentlich nur aus dem Text, in dem der Redakteur erklärt, wie sich das Spiel spielt, welche positiven/negativen Punkte es aufweist und wie er zu seiner Bewertung gekommen ist.

Ich erwarte von einem Test überhaupt keine Objektivität und die Wertungen, die am Schluss herauskommen, haben für mich nur bedingt eine Aussagekraft. Am meisten sagen die Zahlen dann aus, wenn eine nachprüfbare Anforderung daran geknüpft ist. Z.B. bei der PC Games die Motivation/der Spielspaß. Bei einem 90er Spiel weiß ich, dass es denen einfach verdammt viel Spaß gemacht hat. Deswegen kann es trotzdem moralisch verwerflich sein, aber das erfahre ich dann, wenn überhaupt, nur aus dem Text. Man muss sich einfach entscheiden, ob man so einem Aspekt erlaubt, die Wertung zu beeinflussen oder nicht.

Aber wieso es scheinheilig sein soll, ein Spiel zu testen und dann aufgrund moralischer Bedenken abzuwerten, die Argumentation erschließt sich mir nicht.

Harald Fränkel Freier Redakteur - 6437 - 13. November 2009 - 11:26 #

Hoi unglaublicher Ulk, danke für die konstruktive Kritik! Eine Wohltat ...
Um das eventuell mal abzuschließen: Es ist sogar ziemlich sicher so, dass ich die Story als weniger banal empfunden habe als Jörg ... oder gar du. Dennoch wird das Thema - wenn auch nicht im Fazit - im Text beschrieben. Der Patriotismus kommt zur Sprache, die platten Hurra-Sprüche, dass alles reichlich verwirrend ist und so weiter. In dem Rahmen wie ich es für angemessen hielt. Ich denke, es kommt schon auch raus, dass MW 2 kein Arthausfilm ist, sondern Popcornkino. Aus deiner Sicht vielleicht nicht stark genug. Kann ich nachvollziehen! Es gibt für mich aber auch positive Seiten. Zum Beispiel, dass du bei CoD nie weißt, was mit deinem Charakter passiert.
Gruß!

Porter 05 Spieler - 2981 - 12. November 2009 - 15:36 #

Am interessantesten fande ich den Kommentar gestern abend von meinem Kumpel, der hat bisher das Spiel nur mit mir im Coop/Multi gespielt (beide haben wir die UK Version) und er meinte dann nach 2h in etwa: "Hey, sag mal spritzt bei dir Blut oder wird das extra wo angestellt?"
Ich: "wie, welches Blut, was meinst du?
nein es gibt keine extra Option dafür.
Was ist mit dir aufeinmal los, reicht es dir nicht?"
Er: "Nein, nein ich habe nur gehört das Spiel soll so verdammt brutal sein. etc. etc..."
Ich habe dann nur geschmunzelt und ihm dann erklärt das es sich dabei wohl nur um die Kommentare Halbwissender zu einem bestimmten Level/Storyabschnitt im Singleplayer handelte...

daraufhin war er wohl etwas erleichtert denn er hatte aufgrund so mancher ihm zugetragener Berichte fasst schon Bedenken sich das Spiel gekauft zu haben und seiner Freundin aufeinmal erklären zu müssen was er da eigentlich schauriges spielt.

BIOCRY 15 Kenner - P - 3143 - 12. November 2009 - 15:32 #

Brothers in Arms ist ein toller Dire Straits Song und dann gibt es noch die Spielereihe von Gearbox. Aber die Film Serie heißt Band of Brothers.:-)
Aber sonst kann ich auch nur zustimmen. Toller Beitrag Jörg!

Sebastian Conrad 16 Übertalent - 4740 - 12. November 2009 - 16:10 #

Toller Beitrag Jörg, und stimme in jedem Punkt zu.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 12. November 2009 - 16:32 #

Lese das später nochmal gründlich... :)

Anonymous (unregistriert) 12. November 2009 - 19:27 #

Was hat des um den Film "Tal der Wölfe" für einen Aufruhr
gegeben - Hollywood-Methoden gegen Amerika selber zu
verwenden, nein, das geht ja überhaupt nicht!
Man kann doch nicht einfach die Seiten tauschen und
alles anders herum zeigen, da kommt man ja noch
völlig durcheinander, wer jetzt die Guten und wer
die Bösen sind.

Darf ein Ego-Shooter dem Spieler überhaupt eine Reaktion
vorschreiben - muss dem Spieler durch die Spielfigur
die ethisch-moralisch korrekte Reaktion vorgegeben werden,
weil er selber zu unreif ist. Brauchen wir die Lacher vom Band,
damit wir auch an den korrekten Stellen lachen?

Ist die Realität eines Schrotgewehrs bei SoF2 jetzt
hilfreich zur Meinungsbildung über die Folgen von Gewalt,
oder geschmacklose Gewaltdarstellung zum Vergnügen
des Spielers?

Gameplayer (unregistriert) 12. November 2009 - 20:38 #

Was ich mit "dumm anmachen" meine, lässt sich einigen Kommentaren zu unserem Modern-Warfare-2-Test entnehmen. In denen sagen die geistig, kulturell und moralisch Übermächtigen den Hirn-, Moral- und Geschmacks-Zwergen (also allen, die MW2 gut finden), wie primitiv sie sind. Auch eine Form von Meinungsfreiheit.

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Ich fühle mich mal (vielleicht zu unrecht, wahrscheinlich aber eher nicht) persönlich angesprochen und entgegne daher mal, dass es schon ein starkes Stück ist, zu behaupten, man würde die Spieler eines Spiels als Hirn-, Moral- und Geschmacks-Zwerge bezeichnen, weil mein Spiel für Müll hält. Das würde ich mal, Verzeihung für den eventuell als zu stark empfundenen Ausdruck, entweder als Hirngespinst oder wirklich arg freche Tatsachenverdrehung bezeichnen.

Sicherheitshalber nochmal: Ein Spiel für dumm zu halten, heißt nicht alle seine Spieler für dumm zu erklären. Unglaubliche Unterstellung eigentlich.

Zumal wenn im Folgenden mehr als einmal für eine Art und Weise der Spielebewertung die wesentlich mehr Raum individuelle Meinungen aller Art ließe als dies momentan der Fall ist. In nicht ganz unwesentlichen Teilbereichen findet das Gegenteil dessen statt, was im Kommentar beklagt wird.

Nicht einzelne Spieler halten die arme, geschundene Masse der Ego-Shooter Fans für Deppen, sondern, ganz im Gegenteil, jeder der es wagt, dem angeblich objektiven Urteil der Fachwelt zu widerspechen, wird umgehend virtuell niedergeknüppelt. Warum eigentlich?

Wer da von wem wohl noch die eine oder andere Lektion in punkto Toleranz lernen könnte?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 12. November 2009 - 22:29 #

Wieso wirst du "niedergeknüppelt"? Wir lassen dich hier deine Meinung als Anonymous ausführlich darlegen, und wir hätten dich auch gerne vorhin im Chat begrüßt.

Ansonsten muss ich dich enttäuschen: Ich schreibe keine Kolumnen, um auf genau Deine Kommentare zu antworten. Dazu benutze ich die Kommentarfunktion.

Moralapostel gibt es viele; ob du dazu gehörst, wirst du selber am besten wissen.

Gameplayer (unregistriert) 12. November 2009 - 22:46 #

Das Niederknüppeln war nicht auf die Kolumne bezogen, sondern auf den weiteren Verlauf der Kommentar-Threads. War aber von mir unklar ausgedrückt.

Die von mir beanstandete Stelle in der Kolumne war (ist) allerdings sehr direkt und ausdrücklich auf einen Kommentar zum Test gemünzt, insofern darf man sich da dann schon angesprochen fühlen. Wobei ich, um es ganz korrekt zu machen, vorausgeschickt habe, das möglicherweise nicht mein Kommentar gemeint ist. Soviel Haarspalterei muss sein.

Ansonsten spiele ich jetzt eine Runde Quake 3 um mich abzuregen, so viel zum Thema Moralapostel, und träume weiterhin, naiv wie ich bin, von einer Welt, in der Diskussionen über Moral in Spielen nicht in Flamewars ausarten, bloß weil sich mal wieder irgend jemand auf den Schlips getreten fühlt, wenn man nicht seiner Meinung ist.

Toleranz und Verständnis für anderer Menschen Meinung, um noch einen schönen Kalenderspruch unterzubringen, sind keine Einbahnstraße. (wiederum explizit nicht auf die Kolumne, sondern auf den Verlauf des Kommentar-Threads zum Test bezogen)

Schönen Abend.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 13. November 2009 - 0:15 #

Dir auch :-)

Brakiri 08 Versteher - 174 - 14. November 2009 - 9:53 #

Sorry, aber das kannste vergessen.
Es scheint in der Branche eine Notwendigkeit zu sein, dass die Redakteure einfach einen "Ich bin besser als du"-Quirk kriegen, damit sie gegen die manchmal harschen Worte der Spieler/Leser bestehen können. Als geistiger Schild sozusagen.

Christian Schmidt von der Gamestar z.B. ist völlig kritikresistent.
Der hält aktiv alle für blöd, die seine Ansichten und Tests kritisieren, und reagiert meistens erst garnicht drauf. Wenn doch, dann kannste dich auf eine Abreibung gefasst machen.

Ich bin in letzter Zeit eh sehr vorsichtig geworden, aber wenn man nicht FÜR und MIT den Spielern wertet und Ansichten austauscht, frage ich mich was dieses neue Modell hier bei GamersGlobal soll.
Ohne Toleranz und die Fähigkeit die Meinung der Spieler zu akzeptieren, zu respektieren und zu reflektieren, wird das kein "Gemeinsam 2.0".

Ein Versuch, der auf halber Strecke stecken bleibt.

Ich bin auch seid mehr als 20 Jahren Zocker, und ich bin harscher in der Kritik was Spiele angeht, als 90% der "professionellen" Kritiker. Für mich ist unverständlich, wie man trotz dieser Menge an Erfahrung, trotz dieser Menge an schlechten Spielen, durch die man sich quälen MUSSTE, schwachen Games noch hohe Wertungen verpassen kann.

Ich wünschte es gäbe wenigstens EINEN wirklich harten Kritiker.
Naja, vielleicht bin ich nach dem ganzen Müll der seid Jahren rauskommt einfach zu "jaded" um am Mittelmass noch viel Spass haben zu können.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 58771 - 12. November 2009 - 20:58 #

Wow, wirklich ein toller Artikel. Kann dem Ganzen auch nur in vollem Umfang zustimmen.

Das Problem, dass besonders Computerspiele immer wieder in dieser Gewaltdebatte auftauchen, liegt meiner Meinung nach einfach an der Interaktivität des Mediums. Wenn ich einen Kriegsfilm anschaue, werde ich davon abgeschreckt und es wirkt auf mich natürlich ein. Bei einem Spiel aber mache ich das ja selber (wie man das verarbeitet steht auf einem anderen Blatt), und mit diesem Vorwurf werden sich Spieler immer wieder konfrontiert sehen. Das ist ja auch der große Unterschied zu den Medien Buch oder Film. In einem Film sehe ich andere das machen (fiktiv), in einem Spiel macht man das selbst (auch fiktiv, aber eben iwie anders).
Das soll aber bitte nicht so verstanden werden, dass ich diese Kritik gutheiße oder verstehe.

Besonders zustimmen kann ich auch dem Punkt mit der übermäßig großen und beinahe schon unrealistischen Zahl an Gegnern, die man imm Laufe eines Spiels so eliminiert. Wenn ich allein bedenke, wie viele Gegner man in so manchem Shooter tötet, muss ich teils schon etwas an den Entwicklern solcher Spiele zweifeln.

monokit 14 Komm-Experte - 2099 - 12. November 2009 - 21:00 #

Sehr schöner Meinungs Kommentar! Im Kern, vollste Zustimmung!

Anti 11 Forenversteher - 751 - 12. November 2009 - 21:35 #

Sehr schön. Allerdings dachte ich bei ". Es hat einfach etwas, wenn russische Einheiten durch amerikanische Kleinstädte ziehen und alles in Schutt und Asche legen" erst ich lese nicht richtig. xD

Sven 18 Doppel-Voter - 9146 - 13. November 2009 - 2:44 #

Es werden mittlerweile so viele Spiele hergestellt, dass wir selbst mit einem fünfzehnköpfigen Team in der OGDB ernsthafte Probleme haben, eine halbwegs vollständige Datenbank anbieten zu können - das hätten wir uns vor ein paar Jahren nicht träumen lassen. Dabei wird eine derartige Vielfalt an vollkommen neuartigen Konzepten und warmherzigen Elementen geboten, dass es zumindest mir erst letztens eine Freudenträne ins Auge getrieben hat (Scribblenauts - ein wunderschönes Spiel!).

Wir haben als Videospieler Auswahl wie nie zuvor! Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern der pure Luxus. Und mit Auswahl meine ich die Freiheit, dass wir uns aussuchen können, was wir spielen möchten -- ob AAA oder Indie bis hin zu Fan-Mods und Browserspielen. Zumindest ich hadere mit denjenigen, die noch immer behaupten, Spiele könnten in anderen Medien längst etablierte Stil- und Rhetorikmittel nicht ansprechend umsetzen. Sie können es, man bekommt es nur nicht zwangläufig mit, wenn man (beruflich bedingt) die Titel spielen muss, die so etwas nicht bieten und vielleicht auch nicht können, weil zu viel finanzielles Risiko im Spiel ist oder die Käufer es schlicht nicht anders haben wollen -- sie sind mündig, sie könnten sich informieren und ihre Zeit anders nutzen, wenn sie wollten. Sie tun es nur nicht und solange man sie deswegen nicht zu Videospielern zweiter Klasse degradiert, können damit eigentlich auch alle ganz gut leben, denke ich -- der breiten Masse zu folgen, ist auch für Videospieler eine absolut legitime Einstellung. Außerdem habe ich es ihnen zu verdanken, dass es sich auch die großen Hersteller leisten können, ab und an mal ein weniger gewinnversprechendes Projekt zu finanzieren, das eben nicht nur gefallen und ich nicht missen möchte.

Anonymous (unregistriert) 13. November 2009 - 2:32 #

„Es ist kein Wunder, dass Kriegsspielzeug in Zeiten des Irakkriegs, in Zeit des "Stabilisierungseinsatzes" in Afghanistan so beliebt ist. Dass selbst Lego längst nicht mehr ohne "echt schießende" Roboter in Bausätzen auskommt. Auch Modern Warfare 2 passt als Spielzeug für Erwachsene ganz logisch in diese unsere Zeit. Was den Menschen beschäftigt, das taucht in seinen Spielen auf. Mehr steckt nicht dahinter.“

Ehrlich? Warum hat Lego (immerhin 1932 gegründet) bis in die frühen 80er (da kam die Ritterburg mit Lanzen und Schwertern) auf jegliche Waffen verzichtet? Trotz zweitem Weltkrieg, Korea-, Vietnam-, Afghanistankrieg und diversen amerikanischen Abenteuern in südamerikanischen Bananenrepubliken und Thatchers Falklandabenteuer? Das ist jetzt pedantische Korinthenkackerei, wirst Du einwenden. Okay. Interessant ist in Wirklichkeit nicht wie sich der Krieg in unseren Spielzeugen widerspiegelt, sondern vielmehr wie diese Spiegelung von uns als kritischen Medienkonsumenten interpretiert und aufgefasst wird. Und da unterscheidet sich die heutige Zeit, wie untenstehende Zitate Deiner Journalistenkollegen aus den 80er Jahren belegen, doch deutlich von den Achtzigern. Denn gerade damals war der (zumindest kalte) Krieg doch allgegenwärtig (Pershing II-Stationierung, Afghanistan, Star Wars-Projekt etc. etc.). Dennoch war der moralische scheinbar Anspruch doch um einiges höher, so naiv das in unseren heutigen Ohren auch klingen mag:

„…ich bin kein großer Fan dieser U-Boot Simulation. Das liegt vor allem am militärischen Hintergrund des Ganzen. Mit „Acro Jet“ und „Solo Flight II“ hat Microprose nämlich bewiesen, daß auch zivile Simulationen sehr erfolgreich werden können. Der Spielwitz hält sich meiner Meinung nach stark in Grenzen, wenn man auf der Jagd nach japanischen Kriegschiffen im zweiten Weltkrieg ist. Da ist es um so trauriger, dass die Simulation recht realitätsgetreu zu sein scheint…Wie wäre es denn mal mit einer Zivilisten-Version, bei der man auf Endeckungs-Tauchfahrt geht oder Taucher aus einer verschütteten Unterwasser-Station retten muß?“ (Zitat Boris Schneider, Test „Silent Service“ Power Play 2/1986)

„Das Schlimme an diesem „Spiel“ ist eine Art von Faszination, die COMMANDO auslöst…Nicht nur für Kinder – aber besonders für sie – besteht die Gefahr des spielerisch leichten Mordens. Denn wer das „Spiel“ berherrschen möchte, geht schon nach kurzer Zeit beim Töten sehr methodisch vor.“ (Ottfried Schmidt, Test „Commando“, ASM 6/1986)

”…Was mir absolut mißfällt, ist der eindeutig militaristische Einschlag. Es geht hier in erster Linie um das Abschießen von Flugzeugen, das Versenken von Ubooten und das Zerstören von Schiffen. Das hat mit einer Simulation nur begrenzt etwas zu tun.“ (Zitat Gregor Neumann, Test „Destroyer“, Power Play 2/1987)

„Man kann ein solches Spiel testen, oder auf den Test verzichten. Wenn man sich aber zum Test entschließt, sind größere Anmerkungen oder Abzüge in Richtung Moral und Ethik oder Pietätlosigkeit schlicht scheinheilig.“

Moment mal, das scheint mir ein bisschen schizophren, denn wir wollen doch eines Tages „vorurteilsfrei über Spiele Reden, wie über modernes Theater, Rap, moderner Kampfsport, klassische Oper…“. Heißt das, streng genommen, dass ein Pazifist diese Spiele nicht testen darf? Und auf andere Medien und die Literatur- Film und Musikkritik übertragen, dass eine trivial-abgedroschene Erzählung, stereotype Charaktere, einfallslose Inszenierung und geschmacklose Effekthascherei keine „größeren Anmerkungen“ verdienen? Filmrezensenten dürfen Machwerke wie Rambo 4 – welcher rein oberflächlich betrachtet und innerhalb seines Genres sicherlich durchaus „hervorragend“ ist – gnadenlos verreißen, Kriegsspiele dagegen genießen dagegen aber grundsätzliche Immunität? Was den nun? Wenn das Spielemedium als Solches mehr Anerkennung verdient, wie hier vielfach gefordert, muss man dann nicht auch Kritik einstecken zu können? Und die gleichen Standards wie bei jeder anderen Kunstkritik anerkennen? Und nur weil die Spieleindustrie storytechnisch auf dem Niveau der 80er Jahre stehengeblieben ist (Space Marines befreien Planet X vor Alienrasse Y, wir metzeln uns durch Gegnerhorden von Japanern/Russen/Deutschen/Arabern), muß das doch noch lange nicht bedeuten, dass sich der Spielejournalismus nicht weiterentwickeln darf. Ganz im Gegenteil hat er sich auf einigen Gebieten sogar zurückentwickelt. Denn was hat sich eigentlich so großartig geändert, dass wir auf einmal martialisches Gehabe und Kriegsverherrlichung vergleichsweise kritiklos hinnehmen müssen? Wo das Versenken vergleichsweise abstrakter japanischer Schiffspixel oder primitive Vertikalscroller a la Commando in den 80er Jahren schon für eine Indizierung gereicht haben und beinahe automatisch zu einer Verdammung der hiesigen Spielejournalisten geführt hat, können wir heutzutage die zu unmenschlichen Bestien reduzierten „Japsen“ wahlweise mit dem Bajonett verstümmeln oder dem Flammenwerfer rösten.
Waren die damaligen Spieleredakteure von einem naiv-jugendlichem Pazifismus befallen? Oder sind wir inzwischen genauso abgestumpft, verblödet und verroht wie die restliche (westliche) Welt? Wir würdest Du Dir diesen stetigen Sinneswandel erklären? Und wie stehen Deine Veteran-Podcast-Kollegen heute dazu? Bitte erörtere das mal mit der sich aufdrängenden Frage: Schießt Boris Schneider eigentlich inzwischen auf Japaner?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 13. November 2009 - 12:06 #

Da fällt mir keine schnelle oder einfache Antwort ein -- ich vermute, die Bedrohung in den 80er Jahren für das persönliche Wohl und Leben wurde als deutlich höher bewertet als heute, und der Zweite Weltkrieg war nicht 65 Jahre entfernt, sondern 35 bis 45 Jahre. Vietnam war noch nicht lange vorbei. Der Kalte Krieg war Realität -- ich kann mich selbst noch an ernstgemeinte Sendungen darüber erinnern, wie man sich im Garten einen Atomschutzbunker baut, und was darin an Vorräten einzulagern ist. Aber wie gesagt, das ist keine Antwort auf deine Frage, sondern nur ein Vermutungsansatz.

Ein Detail aber noch: Das "vorurteilsfrei" bitte ich in Anführungszeichen zu lesen, siehe den darauffolgenden Satz in der Kolumne. Meine Aussage ist: Spiele werden normaler besprochen werden, aber keinesfalls vorurteilsfrei, weil es immer Vorurteile gibt, zu jedem Thema.

Und zur Scheinheiligkeit / Darf ein Pazifist solche Spiele nicht testen: Natürlich darf er das, aber nicht im Rahmen eines an objektiver Berichterstattung interessierten Magazins. Denn sein Standpunkt ist nicht objektiv, sondern subjektiv. Es wäre aber sicher interessant, die Kolumne eines echten Pazifisten zu einem Spiel wie MW2 zu lesen.

Gamaxy 19 Megatalent - P - 13346 - 13. November 2009 - 15:33 #

JEDER Standpunkt ist subjektiv ;o)

Russvik 07 Dual-Talent - 123 - 13. November 2009 - 9:51 #

Guter Beitrag, schön das man nicht ganz allein ist.

Aber...
*Stellt euch vor, in Büchern oder Filmen gäbe es derartige "Abschusszahlen" -- und dabei bringen es Italowestern, Herr der Ringe und Co. schon auf ziemlich viele Kerben im Colt- oder Schwertgriff.*

Hihi, habt ihr mal Bücher zu Warhammer 40k gelesen? Also Space Marines töten die Anzahl an Orks, Eldar, Chaos und den rest des Weltallabschaumes in ein paar wenigen Stunden. Was wieder rum das Chaos mit einer gesamten Welt anstellt will ich nicht mal ansatzweise erläutern. Da kann jeder gern selbst Grey Knight(Graue Ritter) z.B. lesen.

*Schießt Boris Schneider eigentlich inzwischen auf Japaner?*

Nein, hat er ganz zu fällig vor kurzen erst selbst zu stellung genommen in einem Tweet.

Modern Warfare 2 läßt mich kalt, weil ich seit zwei Jahren jeden Monat erneut vornehme, MW1 zu spielen (und es nicht mal ausgepackt habe).
http://twitter.com/dreisechzig/status/5588047203

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 13. November 2009 - 12:01 #

Nicht mit Infanteriewaffen -- da tun sich Blood Angels, Ultramarines, Grey Knights und Co. und die drei (huch, Spoiler) Helden von MW2 nichts. Es geht ja um die "Kills pro Person", und nicht durch Abwurf einer Exterminatus-Virusbombe.

Russvik 07 Dual-Talent - 123 - 13. November 2009 - 12:26 #

Ok, da hast Du recht... aber ich meinte schon mit Infanteriewaffen und nicht gleich mit einem Exterminatus.

Hier ist es ein Squad aus 4-6 Mann und selber schaltet man unzählige Leute aus und in Warhammer 40k sind es Legionen/Orden aus 1000 Mann oder mehr, aber es gibt auch Charakter in Warhammer die fast schon Gott gleich sind wie Horus z.B. und die anderen Primarchen. Diese sind schon in der Lage allein massen von Gegner auszuschalten, aber wohl für hier kein vergleich... weil MacTav is ja nicht Genetisch verstärkt und so kram. Hihi, aber auf Space Marine freu ich mich schon riesig und ich hoffe das sowas dort nicht zu krank wird auch wenn ich mir solche Schlachten im Warhammer Universium schon wünsche. Tyranniden sollen einen schon irgendwie überrennen und die Orks sollen genauso eine Flut sein wie man sie sich vorstellt und mein Space Marine so standhaft wie sein Primarch. Ohh... sorry etwas abgeschweift :P

Aber ehrlich, da besteht die gefahr ja auch das man ein Moorhuhn-Game daraus machen könnte wenn mans mit den Gegner massen überteibt auch wenn man Titanen im Rücken anscheinend hat. Genauso hoffentlich wird dort die dunkle Seite des Imperiums auch etwas offenbart, weil das Warhammer Universum ist blutig und meiner ansicht nach noch blutiger und brutaler als das was derzeit CoD wieder spiegelt. Tägliche Seelenopfer und so kram... oeh... ich schweif immer mehr ab, sorry. Pkt. :P

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6483 - 13. November 2009 - 11:06 #

Ich stimme im wesentlichen der liberalen Grundhaltung Deines Kommentars zu. Als kleine Randbemerkung möchte ich aber ergänzen, daß der Vergleich mit Literatur oder Fernsehen, wo auch nicht das gesamte Medium böse wird, nur weil es miese Vertreter gibt, natürlich zu Ende gedacht werden muß:

Klar ist Fernsehen teils hervorragend, obwohl es üblen Schund darin ebenfalls gibt. Aber Konsequenz des Blödsinns ist a. daß Fernsehen dadurch sehr wohl insgesamt in Verruf gerät (man vergleiche nur das Image von Fernsehen mit dem von Literatur generell), und b. daß man deshalb ja auch nicht die dummen Sendungen für gut erklärt.

Konsequenterweise, wenn man also die Nachmittags-Gerichts-Shows für eine blöde Sendung hält, beispielsweise, sagt man das auch deutlich. Das schließt nicht aus, daß man Spielfilme und Dokus trotzdem toll findet. Aber man würde nicht sagen, "so blöd und niveaulaus und realitätsverzerrend die Gerichtssendungen auch sind, die Roben sind aus echtem Samt wie die von echten Richtern, und die Richter selbst sind im übrigen auch echt, also... 90 von 100 Punkten für diesen Aspekt" - sondern natürlich wirkt sich ein Super-Minus-Punkt irgendwo schon auf alles aus.

Wenn Ihr in einem Spiel eine Frau vergewaltigen müßtet, oder zwei oder drei, und dann umbringen, würdet ihr unter keinen Umständen mehr eine kommentarlose 9.0 für das Spiel vergeben können. Und irgendwo zwischen dem Flughafenlevel und der Frau ist der fließende Übergang, aber das Prinzip muß dasselbe sein.

Damit kein Mißverständnis aufkommt: Man kann und muß das Spiel nicht deshalb auf 7.0 abwerten, das wäre sinnlos, würde nicht helfen und wäre umgekehrt auch eine Rechtfertigung ("7.0 für Mord und Vergewaltigung"), ABER: Man muß darauf hinweisen, daß es - beispielsweise - als gedankenlose Popcorn-sinnlos-Ballerorgie ohne Hirn und Moral für Erwachsene technisch eine 9.0 ist, was Anspruch und Moral angeht, aber schlicht und einfach eine Null. Und das gehört IN den Test, nicht als Zahl, aber mit Worten. Dein Ärger über das Spiel gehört dazu wie in jeder Buch- und Filmkritik.

Aber insofern stimme ich völlig zu: Die Spieletest-Wertungen ebenso wie eine Fernseh-Wertung sind in "spielerischer" (Wertungs-) und in moralischer (wenn man das so sagen will) Hinsicht alternativ: Ich kann einen Film saublöd und hirnlos finden, und ihn dennoch ab und zu als "Popcornkino" sehr genießen, ohne daß ich irgendeinen Anspruch daran habe und haben muß.

Und die ganz moralischen Leser und Diskutierer müssen halt auch wissen: Wenn - beispielsweise - ConAir eine 9.0 bekommt, ist es halt eine Popcorn-Neun und keine Schindlers Liste-Neun - beim Film können wir das ja auch unterscheiden.
Also laßt die Kirche im Dorf.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 13. November 2009 - 11:55 #

Dein fiktives Spiele-Beispiel mit der Frau würden wir sicherlich so behandeln, dass wir auf einen Test komplett verzichten würden.

Hätte ich den Test geschrieben, wären vermutlich einige kritische Sätze mehr (aber nicht absatzweise wie hier in der Kolumne) im Test gewesen. Aber das ist Ermessenssache des Autors, zumal dann immer die Gefahr besteht, dass man in die Scheinheiligkeit abrutscht: Spiel hochloben, und am Ende dann einen Feigenblatt-Absatz "Aaaaber...". Wir stehen dazu, dass wir über die Wertung eine klare Kaufempfehlung für MW2 abgeben.

Es ist aber nicht so, dass Harald um den heißen Brei herumreden würde, er gibt mehrere Hinweise auf die Natur des Spiels. Ich glaube nicht, dass irgendwer nach Lektüre seines Tests denkt: Das ist große Literatur. Man weiß, was auf einen zukommt, inklusive Flughafen, Schießbudenballerei und unappetitlichen Szenen.

Mit dem Image-Vergleich von Fernsehen und "Literatur" bin ich mir nicht ganz sicher: "Literatur" ist ja per se schon exaltiert, man müsste es vielleicht eher mit "Premium-Fernsehen" oder ähnlichen Begriffen gleichsetzen. Außerdem gehört zum besseren Ruf des "Lesens" im Vergleich zum "Fernsehen" sicherlich auch eine gute Portion Bildungsdünkel nach dem Motto "Die Schlauen lesen, die Doofen glotzen."

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6483 - 13. November 2009 - 17:55 #

Danke für die Klarstellung mit dem Frauenbeispiel, das freut mich. Und klar hat Harald gar nicht um den Brei herumgeredet, ich finde den Test ja auch völlig in Ordnung!

Und jetzt geh' ich Feierabend machen und *endlich* Dragon Age spielen! Dank Eurer Berichterstattung habe ich es mir gekauft und bin schon nach nur einer Origin Story total begeistert. Und nein, Ihr habt wirklich nicht zu viel gespoilert! Danke! (Ende off-topic)

Anonymous (unregistriert) 14. November 2009 - 13:24 #

Ich sag dazu nur das: Würden die im nahen Osten die Möglichkeit haben mehr Kriegsshooter am PC zu spielen, würden die viel friedlicher sein. Lieber den Virtuellen Horror erleben, als den echten. Würden zum Beispiel die Palästinenser und Israelis ihren Konflikt in einer Multiplayer Partie Call of Duty oder Battlefield 2 auskämpfen, wäre die Welt ein friedlicherer Ort... Capture the Flag würde eine ganz neue Bedeutung bekommen, wenns dabei um echte Gebiete gehen würde. ;)

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 15. November 2009 - 20:14 #

Das ist echt naiv. :)

Gamaxy 19 Megatalent - P - 13346 - 16. November 2009 - 13:48 #

Shooter für den Weltfrieden? Sollte man vielleicht mal der UNO vorschlagen, die sind bestimmt begeistert über so eine geniale Idee.

Leider wird dem anonymen Poster aber der Friedensnobelpreis verwehrt bleiben, da ja nicht bekannt ist, wer er ist^^

annonymous (unregistriert) 14. November 2009 - 15:15 #

toller titel . super bild . ^ ^
das bringts zwar nicht auf den punkt ..
und hier mal abgesehen von MW2
zur allgemeinen lage :g gut geschossen .
*gefaellt*
gut so Langer

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 15. November 2009 - 20:13 #

"Was den Menschen beschäftigt, das taucht in seinen Spielen auf." Guter Satz. *Daumen hoch!*

JavaAdam 09 Triple-Talent - 316 - 16. November 2009 - 7:57 #

Hallo zusammen,

den Artikel finde ich ganz gut und die daraufhin ausgelöste Diskussion auch.
Was mir aber bei solchen Diskussionen immer wieder auffällt, ist die Eindimensionalität (gibts das Wort überhaupt? ;-) ).
Ich bin kein Wissenschaftler, abeeerrr man sollte nicht alle Medien in einen Topf schmeissen. Jedes Medium hatte eine andere Wirkung auf den Menschen und deshalb muss der Mensch lernen mit jedem Medium gesondert (auch kritisch) umzugehen.
Bei Fotos muss mann sich z.B. ganz klar machen, dass der Kontext in dem das Foto geschossen worden ist nicht sichtbar ist. Man kann 10 Menschen ein Foto zeigen, und man bekommt 20 Meinungen.
Das ist bei einem Buch nicht mehr so undeutlich. Dafür kann der Autor den Leser durch Vorenthalten von Informationen oder gezielter Informationsplatzierung in eine gewollte Emotion oder Ansicht "treiben".
Was ich sagen möchte ist, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sollte.
Wenn ich das Beispiel der Vergewaltigung aufgreife, dann wird es wohl jedem einleuchten, dass es immer grausam ist. Aber der Grad der erlebten Grausamkeit bei einem beschreibenden Buch, abbildenden Foto und einem nachspielbaren Spiel sehr unterschiedlich ist. Oder?
Ich bin der Meinung, dass Gewalt, Krieg und Mord (leider) zur menschlichen Natur gehört und deshalb schon immer in den verschiedenen Medien fasziniert hat. Ich war letztens erschrocken, wie brutal die Kriegsszenen in Homers Ilias (Trojanischer Krieg) sind. Und das ist ein zeitloser Klassiker!
Ich gebe Jörg recht, dass jedes neue Medium verteufelt worden ist und das dies nun auch bei Spielemedium passiert. Aber ich denke, hier sind vor allem auch die "Profis" gefragt, den kritischen Umgang mit diesem Medium zu erarbeiten.
Erst wenn der Umgang mit Spielen bei der Entwicklung der Medienkompetenz betrachtet wird, werden Spiele als Medium von der Gesellschaft akzeptiert. Denn heutzutage steht bereits im Lehrplan für Grundschulen der kritische Umgang mit Fotos, Schriften, Filmen, etc. auf der Agenda. Wäre doch schön, wenn dort auch irgendwann Spiele auftauchen würden.
Die Haltung die Anderen (z.B. CSU Politiker, ZDF-Redakteure) sind aber doch "doof" hilft uns Spielern (und Redaktionen) auf Dauer nicht weiter.

GreenStorm (unregistriert) 19. November 2009 - 19:29 #

Ich frage mich, (ohne Modern Warfare 2 selbst gespielt zu haben) - wie sehr sich das von dem Erlebnis des ersten Modern Warfare unterscheidet. Da hatte man den "Spaß" an der Sache doch auch mit beklemmenden Schluck-Momenten verknüpfen können, die einen daran erinnern, dass Krieg .. nunmal Krieg ist. Hat infinity-ward das diesmal einfach weggelassen ?

Reaktorblock 11 Forenversteher - 769 - 20. November 2009 - 13:06 #

*sign* -> feiner Artikel.

Für mich war das brutalste Spiel aller Zeiten Master of Orion II. Da war eine der effektivsten Taktiken feindlich besiedelte Planeten mit Nuklearwaffen blau zu bomben, um sie dann unbenutzbar zurück zu lassen...und ich hab das gern gespielt. Nicht das man davon etwas gesehen hätte - aber genau diese Abstrahierung hat mir damals Angst gemacht.

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6483 - 20. November 2009 - 15:59 #

MoO2 hab ich zwar auch ewig gespielt, aber an diese Dinge kann ich mich gar nicht erinnern - vielleicht bin ich nie soweit gekommen, Nuklearwaffen zu entwickeln... mit eigenem Konstruieren und auf nicht-leichtestem Schwierigkeitsgrad hat so'ne Partie ja schon mal ewig gedauert...

Porter 05 Spieler - 2981 - 23. November 2009 - 12:11 #

konnte man da nicht auch ala Star Wars "Todessterne" bauen die mit einem Schuss direkt die Planeten zerbröselen?

auf jedenfall ein super Spiel, das und Civ 2!

Smartline 09 Triple-Talent - 245 - 23. November 2009 - 19:28 #

Sehr schöner Artikel. Aber um nochmal auf diese Moralwertungen zu kommen, wie bitte soll so etwas funktionieren ? Tests in Printmagazinen und im Internet ( wie auch hier ) sollen doch eigentlich immer eine möglichst neutrale Stellung einnehmen und unabhängig gegenüber persönlichen Meinungen sein. Mir persönlich geht es in solchen Tests um Technik, mögliche Fehler, Spielbarkeit, Bewertung des Umfangs oder Erläuterung der Langzeitmotivation. Dies sollte sich auch in der Endnote widerspiegeln. Dinge wie Moral und persönliche Meinungen haben, wie Jörg es schon passend sagte, Platz in einem Extrakasten aber nicht in der direkten Testbewertung. Wie bitte soll das auch für alle gleich beurteilt werden ? Ist die moralische Einstellung nicht schon immer von Mensch zu Mensch verschieden bzw. die Sichtweise, was gewisse Themen angeht? Moralische Bedenken in die Testwertung miteinzubringen ist für mich fernab jeder Neutralität, die ein Tester besitzen sollte. Und ist es nicht eben diese Neutralität, mit der große Printmagazine und Onlineportale Werbung machen ?

Makoto-sama 05 Spieler - 52 - 27. November 2009 - 20:09 #

Sehr schöner Artikel, ich stimme dir unumwunden zu, Jörg.

Spiegelei (unregistriert) 29. November 2009 - 2:12 #

man ist sich einig - das spiel ist stumpf (handlung, charactere) brutal (wie jeder shooter), abstoßend (flughafenszene)...
aber was sagt das eigentlich über uns spieler aus, wenn viele damit ihren spass haben?
der große erfolg dieses titels scheint alle vorurteile gegen die tumpen verrohten gamer zu bestätigen. dumm+brutal muss nur ansprechend präsentiert werden, dann freuen sich die gamer...

früher hätte ich mich auch gefreut, heute kann ich diese einfallslosen kriegsshooter nicht mehr sehen. da wird krieg nicht nur gespielt sondern gefeiert, und wenn auch nur als grafik- und sound-orgie. und das im prinzip immer gleich.
das liegt vielleicht daran dass ich über 40 bin aber trotzdem nicht abgestumpft bin.
tiefgang und ideen sind beim durchschnittsgamer aber leider nicht mehr wert als tolles pengpeng, auch deswegen das negative image...

die gleichsetzung von krieg anschauen (film) und nachspielen (game) hinkt übrigens. und ein spieletest kann und sollte nicht neutral sein, es geht um spaß und emotionen, nicht um börsenkurse.

sas (unregistriert) 9. Dezember 2009 - 13:42 #

Also ich fand die Story von MW1 und MW2 eigentlich gar nicht so uebel ... fuer ein FPS! Hast Du mal Crysis oder Far Cry gespielt? Gott, wie schlecht ist bei diesen die Story!! Ich werde dank denen nie wieder ein Crytek Spiel anfassen!

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324083 - 20. Dezember 2009 - 10:36 #

Ich finde bei beiden Spielen, dass die Story bis etwa Mitte ganz gut ist -- aber sobald bei Crysis die Aliens dann da sind und sobald bei FarCry, nun ja, der phantastische Part beginnt, lassen sie stark nach.

Anonymous (unregistriert) 18. Februar 2010 - 20:39 #

Wenn man wirklich die Schrecken des Krieges einfangen würde, wäre das vermutlich derart schockierend, dass der Spassfaktor hops geht.
Filme sind da fein raus, die schaffen es einerseits aufgrund der kurzen Dauer (welcher Film dauert denn über 3 Stunden? Da lach ich mich doch eher krum, wenn einer ex geht, als das es mir nahe geht) kaum, dass der Zuschauer eine Beziehung zu den Charakteren aufbaut (Band of Brothers mal abgesehen, aber selbst da muss man mehrmals hinsehen, um sich mit den Leuten zu identifizieren). Andererseits ist der Zuschauer halt wirklich nur Zuschauer, dadurch ist es normalerweise (je nach Mensch)nicht so intensiv wie bei einem Game.
Man muss bei Spielen eines versuchen: Schockierende Darstellungen dürfen nicht hanebüchener Selbstzweck sein. Sie müssen nicht zwangsläufig logisch sein, aber wirklichkeitsnah, real und authentisch. Und das schafft man nur, wenn der Spieler eine Wahl hat und diese vor allem Konsequenzen nach sich zieht.
MW2 lebt von der grandiosen Atmosphäre, von dem Mittendrin-Gefühl. Ich bin kein Soldat, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass sich das im echten Krieg einstellt. Sobald der Kampf losgeht, ist alles so unberechenbar, dass es vor allem das eigene Überleben zu sichern gilt. Die Annahme, dass Krieg real abgebildet werden kann und das dann auch noch Spass macht, ist nicht richtig. Man kann nur versuchen, dem Mittendringefühl in Spielen noch eine angemessene Komponente Moral beizumischen. Das wäre dann das perfekte Spiel.
LG

DigiDragon 06 Bewerter - 92 - 10. März 2010 - 17:15 #

Interessanter Bericht

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