Heinrich Lenhardt ist begeistert

Die hohe Kunst des Pfeifferns

Ein gewisser Kriminologe Pfeiffer sagt etwas Sinnloses zu einem Polizistenmord, und der Reporter glaubt es ihm. Und auch auf der heutigen Munich-Gaming-Konferenz wurden Diskussionsteilnehmer ernsthaft danach gefragt, was sie von dem "Zusammenhang" zwischen Hells Angels und Computerspielen halten. Heinrich Lenhardt geht der Sache nach.
Heinrich Lenhardt 24. März 2010 - 21:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
Um diese Kolumne in ihrer ganzen revolutionären Neubewertung eines auf den ersten Blick ärgerlichen Vorgangs verstehen zu können, empfehlen wir vorab die interessierte Lektüre des kürzlich veröffentlichten Interviews der Frankfurter Rundschau mit Prof. Christian Pfeiffer sowie der entsprechenden News auf GamersGlobal.de. Wer ein anderes Interview mit Pfeiffer lesen möchte, wird auch bei GamersGlobal fündig.


Hauptberuflich ist Christian Pfeiffer eigentlich Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Beliebt und bekannt wurde er aber als Meister der staubtrockenen Realsatire, dem auch Reporter von relativ ehrwürdigen Medien wie der Frankfurter Rundschau auf den Leim gehen. Diese Tageszeitung wollte eigentlich ein Interview über „die Gefahr, die von [der Rocker-Bande] Hells Angels ausgeht“ führen. Doch dieser Schelm Pfeiffer, der Meister des Absurden, nutzte natürlich die Gelegenheit, um eine wunderbar phantasievolle Zusammenhang-Theorie zwischen Rockergewalt und Computerspielen unterzubringen.

Die Frankfurter Rundschau
 
Frankfurter Rundschau: Ist "Rocker" zu sein, heute eigentlich noch attraktiv?

Pfeiffer: … Wir beobachten da eine merkwürdige Existenzspaltung. Einerseits die bürgerliche Existenz zum Geldverdienen, andererseits eine "Freiheitsexistenz" zum Ausleben von Lust an Gewalt. Einer der ernsthaften Ursachenfaktor dafür ist, das viele junge Leute sich durch Computerspiele in Kampf-Rollen bewegen. Irgendwann will man das dann auch einmal real tun und nicht nur virtuell.
 
Am besten wäre es vielleicht gewesen, der Fragesteller hätte herzhaft gelacht.
Jetzt hätte man natürlich feststellen können, dass die Antwort wenig mit der Frage zu tun hat (der Reporter war wohl durch diverse Politiker-Interviews an so etwas gewöhnt). Oder mal nachfragen, worauf sich die abenteuerliche These stützt, dass junge Computerspieler durch ihre „Kampf-Rollen“ zur Mitgliedschaft in Rockerbanden getrieben werden. Am besten wäre es vielleicht gewesen, der Fragesteller hätte herzhaft gelacht und gesagt: „Herr Pfeiffer, Sie sind schon ein Scherzkeks. Als nächstes wollen Sie auch noch den Tabellenstand von Hertha BSC oder die griechischen Staatsfinanzen dafür verantwortlich machen, dass Leute zur Banden-Mitgliedschaft getrieben werden.“
 
Das alles hätte der Reporter fragen oder sagen können. Man nennt das kritischen Journalismus, der nicht alles einfach unangefochten stehen lässt, was ihm die blühende Phantasie von Amt- und Würdenträgern ins Aufnahmegerät diktieren will. Der Interviewer aber entschied sich für den affirmativen Fragestil von Firmenpostillen, bei denen der Angestellte den Chef interviewen darf:

Frankfurter Rundschau: Das kann dann zum Einstieg bei den Rocker-Gruppen führen?

Pfeiffer: Ja. Die Gewaltlust wird dann als Rocker demonstriert – durch entsprechende Kleidung, durch Bündnisse gegen andere Gruppen, durch Ausleben von Machokultur.
 
Äußerungen von absurder Schönheit
 
Also bitte: Wer gemütlich zuhause vor sich hin daddelt, gerät dadurch in einen solchen „Gewaltlust“-Rausch, dass er einen Mitgliedsantrag bei einer Realwelt-Rockergruppe stellen will? Ich glaube, man hätte dem gutgläubigen Reporter auch „Die Erde ist eine Scheibe“ sagen können und der hätte ehrfürchtig genickt.
 
Doch da dämmerte es mir: Pfeiffer ist kein verblendeter Eiferer, dem jede Wahrheitsdehnung recht ist, um seine abenteuerlich Thesen öffentlich rum zu posaunen. Es handelt sich bei ihm vielmehr um einen geistreichen Satiriker, dessen Äußerungen von einer derart absurden Schönheit sind, dass diesem Rhetorikstil einen eigenen Namen verleihen muss: „pfeiffern“.
 
Nachfolgend ein Dialog-Beispiel als Anregung für die Duden-Redaktion, der ich noch eins, zwei Auflagen gebe, bis sie sich der Aufnahme dieses Begriffs nicht mehr verschließen kann. „Pfeiffern“ ist eine Mischung aus abschweifen, flunkern und irritieren, bei dem ein Redner die abwegigsten Zusammenhänge herzustellen versucht, um seine Botschaft zu kommunizieren. Je weiter her geholt, desto besser: Der Fragesteller wird so verwirrt, dass er nicht nur seine ursprüngliche Frage vergisst, sondern auch kritiklos die Meinung des Befragten als seine eigene übernimmt.
 
So geht pfeiffern: Ein Beispiel

A: „Guten Tag, wieviel Uhr ist es bitte?“

B: „Von wegen! Immer mehr junge Leute bewegen sich durch Computerspiele in Kampf-Rollen. Das ist gar nicht gut.“

A: „Ach?“

B: „Irgendwann will man das dann auch einmal real tun und nicht nur virtuell.“

A: „Was denn? Sich bewegen? Ist doch gut, wenn die jungen Leute auch mal an die frische Luft gehen.“

B: „In einer Kampf-Rolle. Also sich kämpfend bewegen. Ganz real. Das kann dann zum Einstieg führen. Oder gar zum Ausstieg. Da wächst eine ganze Ein- und Aussteiger-Generation heran.“

A: „Was Sie nicht sagen…“

B: „Es gibt auch ein verstecktes Volk, das in den Bäumen lebt und mir bei Vollmond telepathische Botschaften sendet.“
 
A: „Verstecktes Volk. Notiert. Danke, vielen Dank!"
 
Wenn also das nächste Mal ein „Experte“ versucht, hochgradig absurde Verbindungen zwischen Computerspielen und allen Übeln dieser Welt herzustellen, dann nicht groß aufregen, sondern wissend lächeln. Wahrscheinlich sind wir nur wieder gepfeiffert worden.
 
Euer Heinrich Lenhardt
Abfuehrung
Shatter 09 Triple-Talent - 273 EXP - 24. März 2010 - 21:23 #

Eines dieser Themen die leider zu beschädigend sind um für Satire herzuhalten (ähnlich den Äußerungen unseres Vizekanzlers).

John of Gaunt Community-Moderator - Premium - 50365 EXP - 24. März 2010 - 21:39 #

:D
Sehr schön, Heinrich. Du triffst den Nagel auf den Kopf. Gerne mehr und öfter. Ich geh mal ein wenig pfeiffern...

Torian Raven 11 Forenversteher - 792 EXP - 24. März 2010 - 21:41 #

Pfeiffern ;) Einfach herlich.

Philipp L Shui Wang 10 Kommunikator - 376 EXP - 24. März 2010 - 21:47 #

jaja, in 20 Jahren einmal, wenn meine kleine Tochter mit großen Augen frägt: "Papa, was ist pfeiffern?"
Dann werd ich anfangen mit: "Jaja, vor langer langer Zeit, der gude gude Heinrich Lenhardt..."

aber echt gut! Vll werd ich nun wirklich wissend drüber lächeln, wenn ich übern die Pfeife stolpere =) hihi

Contra4you 18 Doppel-Voter - 10487 EXP - 24. März 2010 - 21:57 #

Herrlich geschrieben.Und das: " So geht pfeiffern" Tutorial ist ja mal nur spitze. Also ich hatte meine Freude mit dem Text. Danke schön. Hoffentlich wird dadurch jetzt nicht die Nachtwache verschoben =)

Faxenmacher 15 Kenner - 3981 EXP - 24. März 2010 - 22:19 #

Sehr schön! :D Pfeiffern, jaja beim Vorstellungsgespräch kann man da bestimmt auch Punkte mit machen!

Ruesselfisch 09 Triple-Talent - 232 EXP - 24. März 2010 - 22:24 #

Es ist an Lächerlichkeit langsam nicht mehr zu überbieten, was der Professor aus Niedersachsen da von sich gibt. Interessanterweise wird er ja auch im Bereich der Jugendpolitik von den wirklich am Thema arbeitenden Beamten nicht für voll genommen. Leider nur sind unsere Politiker noch (?) nicht soweit, bzw. müssen diese ja auch im Wahlkampf mit griffigen Phrasen den Wählern nach dem Mund reden. Und dafür ist Pfeiffers mit seinen Simpelargumenten natürlich bestens geeignet.
Ich hatte einmal die Hoffnung, daß sich diese Vorurteile mit den Jahren auswachsen. Leider sehe ich aber auch in meiner Generation, also bei Leuten von Anfang 30, immer noch dieselbe Denke. Solange mich Leute auf Partys mit großen Augen anschauen, wenn ich erzähle, daß ich immer noch (!) Videospiele zocke, ist dieses Hobby nicht zu einhundert Prozent in der Gesellschaft angekommen.
Was uns fehlt, ist eine Lobby. Also (videospielende) Politiker, die mal konkret darauf hinweisen, daß derartige Vereinfachungen, wie ein Pfeiffer sie serviert, nicht wirklich dienlich sind. Die mal erklären, daß die Welt nicht so schön schwarz/weiß ist, wie sie immer gemacht wird. Aber solange man damit Stimmen einfahren kann, habe ich wenig Hoffnung. Zumal dafür die Menge "ernsthafter" Spieler zu gering ist, als daß man auf deren Stimmen nicht verzichten könnte.

Ich bin aber ganz froh, daß ich nicht doch noch zum Hell's Angel werden muß. Wo ich nichtmal ein Moped fahren kann.

blackholebird 08 Versteher - 210 EXP - 25. März 2010 - 16:53 #

Das es in deinem Freundeskreis nicht angekommen ist, liegt einfach daran,dass du dich kaum mit 18 Jährigen abgeben wirst (vermute ich hier mal dreist heraus). Denn DORT ist es gang und gebe. Das ist nur noch eine Frage der Zeit und der Generation, bis sich Wissen über Videospiele auch niederschlägt. Es gibt mittlerweile auch schon viele wissenschaftliche Erhebungen zu diesem Thema, von daher würde ich mir keine Sorge machen.

Tr1nity 26 Spiele-Kenner - Premium - 71913 EXP - 24. März 2010 - 22:31 #

Herrlich! Vielen Dank dafür, made my day :).

Nahtforhta 04 Talent - 33 EXP - 24. März 2010 - 22:37 #

Ein sehr guter Artikel, schade nur das Herr Pfeiffer keine echter Satiriker ist.

KenchU 06 Bewerter - 78 EXP - 25. März 2010 - 10:24 #

Ist er nicht??? wtf? Was denn sonst? Wie soll man denn dann den Grossteil seiner Äußerungen deuten? Du bringst mein Weltbild ins wanken!
Und ich habe immer gehofft, daß er mal auf Konzertreise geht.

Solidus 10 Kommunikator - 432 EXP - 24. März 2010 - 22:40 #

Wiso spechen die immer nur mit dieser Pfeife???
Die sollen mal mit meinem Krimi Prof reden, der hat wenigstens Ahnung.

Martin Klose (unregistriert) 24. März 2010 - 23:30 #

Das hätte Herr Pfeiffer sich aber ein bisschen denken können. Ironie funktioniert über das geschriebene Wort so gut wie nie.

Diese Tatsache gepachtet mit einem gelangweilten oder sogar schlechten Reporter, der wie sie sagen nicht kritisch hinterfragt, kann sehr schnell nach hinten losgehen.
Ich bin auch ein Mensch der gerne mal ironische Kommentare abgibt. Aber in comment Bereichen oder Foren (Erfahrungen mit Interviews hatte ich noch nicht) muss ich mich auch ständig zurückhalten.

Aber schöner Artikel. Ich dachte auch, dass Herr Pfeiffer völlig den Verstand verloren hat.

General_Kolenga 15 Kenner - 2734 EXP - 25. März 2010 - 0:26 #

"A: „Guten Tag, wieviel Uhr ist es bitte?“

B: „Von wegen! Immer mehr junge Leute bewegen sich durch Computerspiele in Kampf-Rollen. Das ist gar nicht gut.“"

Göttlich :D

Anonymous (unregistriert) 25. März 2010 - 0:44 #

Einfach herrlich, Heinrich.... Danke für den Schmunzler nach einem anstrengenden Arbeitstag.....

breedmaster 13 Koop-Gamer - 1499 EXP - 25. März 2010 - 1:21 #

Wundervoll, danke!

Anonymous (unregistriert) 25. März 2010 - 3:16 #

Herr Pfeffer hat völlig recht, zu wenig Bewegung vor
dem PC führt zur typischen Körperform des Bikers.
Übergewichtig, aber vom Schleppen der Bierkästen nicht
völlig verweichlicht, wie die Brause-Fraktion.

Und welche andere Chance bietet sich für einen
jungfräulichen, pickeligen, übergewichtigen und
Bier trinkenden Internetpornodauerkonsumenten Frauen
kennen zu lernen, als über den Eintritt in eine
Biker-Gang, Gratisbesuche im kontrollierten Rotlichtbezirk
inklusive.

Jetzt muss mir Herr Fister nur noch erklären, wie
das mit den Drogen funktioniert - kann man
bekifft noch vernünftig zocken?

Kommt Kriminologe eigentlich etymologisch von
krimineller Lügner?

xflame chris 05 Spieler - 55 EXP - 25. März 2010 - 8:48 #

Ha, der war gut !

Basti51 14 Komm-Experte - 1984 EXP - 25. März 2010 - 8:53 #

Herr Pfeiffer, warum steht da eigentlich Stroh in der Ecke?

Jamison Wolf 17 Shapeshifter - Premium - 7661 EXP - 25. März 2010 - 9:22 #

Warum hast Du eine Maske auf?

Ganon 21 Motivator - Premium - 30918 EXP - 25. März 2010 - 10:21 #

Lenken Sie nicht ab, Sie wollen mich doch nur in eine Kampfrolle drängen!

Christoph 17 Shapeshifter - Premium - 6465 EXP - 25. März 2010 - 16:15 #

^^

Bernd Wener 19 Megatalent - 13634 EXP - 25. März 2010 - 9:34 #

Aber das ist doch ein alter Hut, im englischen wurde das schon übersetzt und eine ganze Internetseite dem Onkel Pfeiffer gewidmet. Die nennen das glaube ich "twittern" oder sowas... Ähem... ;-)

Johannes Mario Simmel 13 Koop-Gamer - 1563 EXP - 25. März 2010 - 10:00 #

Kampf Rolle? Ich hatte eher das Gefühl, das Computerspieler Gefahr laufen zur Mampf-Rolle zu werden...

:-D

Ganon 21 Motivator - Premium - 30918 EXP - 25. März 2010 - 10:23 #

Heinrich Lenhardt, der Meister der Spiele-thematisierten Satire. Einfach großartig, vielen Dank für diesen Beitrag!

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 EXP - 25. März 2010 - 10:27 #

"Eine Mischung aus abschweifen, flunkern und irritieren".
Herrlich!

KenchU 06 Bewerter - 78 EXP - 25. März 2010 - 10:30 #

Kann es sein, daß wir den guten Herrn Pfeiffer alle verkennen? Versucht er nicht vielleicht vielmehr, durch absurde Äußerungen in Interviews jene Journalisten zu identifizieren bzw. zu brandmarken, die eben diese Äußerungen nicht mit hinterfragen?
Wenn ein Journalist schon bei solch offensichtlichen Dummheiten nciht in der Lage ist, kritisch zu hinterfragen, was kann der geneigte Leser von jenem Schreiber dann erwarten, wenn die Aussagen diffiziler als Unfug zu entlarven sind.
Ist 'Pfeiffern' also nicht vielleicht dann die Identifizierung schlechter Journalisten durch Interviews?

Scorp.ius 17 Shapeshifter - Premium - 7948 EXP - 25. März 2010 - 11:44 #

Toller Artikel, habe herzhaft gelacht. Bitte dem Prof. mal rüberschicken ;) Ich muss die kleinen Wesen füttern gehen, ich habe es geschafft einige davon zu zähmen.

GamingHorror Game Designer - 968 EXP - 25. März 2010 - 11:51 #

Was heute "pfeiffern" ist nannte man früher übrigens "glogauern". ;)

Johannes Mario Simmel 13 Koop-Gamer - 1563 EXP - 25. März 2010 - 12:30 #

Eigentlich ist Herr Pfeiffer nur ein übergroßer Forentroll...

PrinzJohnny99 (unregistriert) 25. März 2010 - 12:55 #

Das erfundene Interview zum Schluss hat mich schon sehr an Loriot erinnert. Sehr gut.

falc410 14 Komm-Experte - 2308 EXP - 25. März 2010 - 13:20 #

Da haben wir wieder mal etwas dazu gelernt! "pfeiffern" koennte ein Trend werden :)

Hoschimensch 14 Komm-Experte - 2035 EXP - 25. März 2010 - 14:40 #

Pfeiffern - ein neues Wort in meinem Sprachschatz! Sehr schön...

Splatt3r 06 Bewerter - 66 EXP - 25. März 2010 - 15:35 #

Einfach herrlich dieser Artikel, sehr sehr amüsant.
Danke dafür Heinrich und natürlich auch ein Dank an Herrn Pfeiffer für diese Vorlage.

blackholebird 08 Versteher - 210 EXP - 25. März 2010 - 16:47 #

ich finde die polemik irgendwie nicht angebracht. mag sein, dass die these weit hergeholt ist, aber a) ist die gegenposition überhaupt nicht fundiert, oder will der autor heinrich lenhardt ernsthaft abstreiten, dass bestimmte rollenmuster innerhalb von videospielen vermittelt werden? und zwar auch fast immer die gleichen, nämlich die, die pfeiffer charakterisiert. die abenteuerlust und machokultur wird nämlich gerade dort durchaus gefröhnt. und er sagt ja nicht, dass jeder spieler zum rocker wird, aber rocker bieten ein reservoir an eben ähnlichen verhaltensmustern. von daher würde ich das ganze nicht von vornherein als blödsinn abstempeln,sondern lieber einen genaueren, kritischeren blick vagen. videospiele sind heute anders als zu der zeit, als ich oder vermutlich auch der autor angefangen haben zu zocken. heute sind sie tief verankert in der kulturellen freizeitgestaltung, sie besitzen mit sicherheit auch eine normative kraft, die sich vielleicht nicht in so simplen mustern artikulieren wird, wie es pfeifi tut, aber es ist bestimmt auch nicht so unrelevant, wie es in diesem beitrag verhandelt wird!

ich empfehle dazu z.B. Andreas Reckwitz - Die historische Transformation der Medien und die Geschichte des Subjektes in "Transformation der Medien" von Ziemann. Dort beschreibt Reckwitz anhand von Walter Benjamin, wie die jeweiligen Medien Übungsräume für Subjekte bereitstellen, um Mechanismen des Selbst auszuprägen. Das Ganze ist nur ganz beiläufig an virtuelle Welten namens Videospiele angewahnt, aber es lässt sich durchaus eine Verlängerung zu eben jenem Medium herstellen. Und da Videospiele nunmal scheinbar von einer Art Käseglocke gegenüber aktueller moralischer Diskurse abgeschottet ist und weiterhin eben machoartige Stereotypen bedient, ist es gerade dafür auch ein Trainingsfeld. Man würde ja auch die These nicht von der Hand weisen, das Videospiele auch potentielle Bundgänger aktiviert. ( Man denke an den Film Top Gun, nach diesem gab es tausende neuer Bewerbungen für die Air Force). Natürlich kann man sagen, dass das nicht jeder macht, aber es sind nunmal subtile Mechanismen, die nicht jeden beeinflussen, aber geistige Haltungen aktivieren oder kultivieren...
Vielleicht sollte man also ebenfalls ein bisschen kritischer damit umgehen und nicht einfach dem allgemeinen Trend hinterher schwimmen, Pfeiffer zu verpfeifen ;)

blackholebird 08 Versteher - 210 EXP - 25. März 2010 - 16:51 #

PS: nicht zu vergessen:

Pfeiffer ist Kriminologe. Das heisst, er hat es fast immer mit den EXTREMSTEN Auswucherungen jener Phänomene zu tun. Aus unserer alltäglichen Perspektive mögen diese Erscheinungen ja absurd wirken, betrachtet man das aber differenziert, findet man in Videospielen mit Sicherheit Handlungsmuster, die sich den Handlungen der Straftäter anschmiegen. Damit will ich keine simple kausale Ursache beschreiben, aber da herrscht schon eine gewisse Dialektik ;)

Carsten 18 Doppel-Voter - 12125 EXP - 25. März 2010 - 18:30 #

Dann soll er bitte schön seine Aussagen auch differenziert tätigen...

Anonymous (unregistriert) 29. März 2010 - 16:18 #

Nicht nur in Videospielen, sondern auch in der Küche beim Kochen....Was man da so alles mit Messern anstellt ist extrem stark Jugendgefährdend.

Killerkom 10 Kommunikator - 451 EXP - 25. März 2010 - 17:17 #

Ich danke für die Weiterbildung im bereich des Pfeiffern's.
Endlich kann ich mich auchmal ins Rampenlicht drängeln ohne wirklich Ahnung zu haben !!

DANKE DANKE

stupormundi 13 Koop-Gamer - 1576 EXP - 25. März 2010 - 18:57 #

Ich finde es ja interessant, dass nie eine ernsthafte, d.h. wissenschaftliche, Auseinandersetzung mit Prof. Christian Pfeiffers Theorien/Thesen in der "Computerspielerszene" stattfindet. Stattdessen wird dieser Mann in einer bösartigen Weise verunglimpft und verspottet, von Leuten, die wahrscheinlich nicht einmal die geistige Voraussetzungen geschweige denn eine entsprechenden Bildungsweg (wer hat hier bitte schön alles ein Psychologie-Studium hinter sich oder hat sonstige Sozialwissenschaften studiert?) beschritten haben, um seine Äußerungen beurteilen zu können.

Wieso wird er so verspottet? Die einen Computerspieler machen sich über ihn lustig, weil sie ihn nicht verstehen (können), aber doch so viel merken, dass er ihre Freizeitbeschäftigung kritisiert; die anderen, weil sie verstehen, was er sagt, sich aber nicht eingestehen können, dass, wenn sie vielleicht doch nicht vollends wahr sind, so zumindest im Kern seiner Äußerungen Wahrheit steckt. Leider ist es eine kleine Minderheit der Computerspieler, die nicht sofort ausflippt, wenn ein Psychologe negative Wirkungen ihrer Freizeitbeschäftigung darstellt.

Dies soll kein Anrgiff auf Herrn Lenhardt sein, sondern als Kritik aufgefasst werden.

xemmy 09 Triple-Talent - 274 EXP - 25. März 2010 - 20:19 #

Eine ernsthafte wissenschaftliche Auseinandersetzung ist eine Sache der in diesem Bereich forschenden Wissenschaftlern.

Der Punkt ist aber doch, dass Herr Pfeiffer, wenn es um Computerspiele geht, eben in der Öffentlichkeit alles andere als wissenschaftlich argumentiert. Vielmehr äussert er sich mehr als populistisch, offensichtlich um zu provozieren.
Das seine Aussage in der Plattheit, wie er sie hier dem Journalisten diktiert nicht stimmt, sollte wohl klar sein.

Richtig hat es doch Professor Fritz in seinem Interview gesagt.
Herr Pfeiffer ist eben hier Politiker und nicht Wissenschaftler.

http://www.gamersglobal.de/interview/herr-pfeiffer-ist-politiker

stupormundi 13 Koop-Gamer - 1576 EXP - 25. März 2010 - 21:07 #

Prof. Pfeiffer argumentiert in der Öffentlichkeit fast nie - verständlicherweise: Die Öffentlichkeit interessieren primär seine Erkenntnisse - wie genau er zu ihnen gekommen ist, ist sekundär, wenn nicht sogar vollkommen irrelevant. Dementsprechend hat er in Tageszeitungen oder in Fernsehsendungen doch gar keine Plattform, um wissenschaftlich argumentieren zu können.

Anonymous (unregistriert) 29. März 2010 - 16:27 #

Aähhmmm...aber genau ist doch das wichtigste, wie man denn zu den Erkenntnissen kommt.

Es ist überhaupt nicht irrelevant woher er seine Erkenntnisse hat und jeder halbwegs gute Journalist sollte bei einem Interview in die Richtung nach haken.
Und das schlimme ist ja das er in Tageszeitungen oder TV-Sendungen so tut als wenn er wissenschaftlich argumentieren würde (und natürlich argumentiert er in der Öffentlichkeit und wie).

Es gibt auch mehr als einen Wissenschaftler die sagen das das was Pfeiffer da von sich gibt absoluter Müll ist...und dabei geht es nicht um darum ob Spiele eine einfluss haben können, sondern tatsächlich um die Methoden und Äusserungen von Pfeiffer itself.

blackholebird 08 Versteher - 210 EXP - 31. März 2010 - 8:22 #

also a) gibts ja durchaus wissenschaftliche diskurse, die interessiert nur außerhalb der wissenschaft kaum jemand, wenn man sie nicht in populäre thesen transformiert und b) begründen sich seine thesen ja durchaus auf wissenschaftliche literatur. man sollte jedoch nicht so tun, als sei wissenschaft das instrument der wahrheit. die ist genau SO verlässlich, wie es diejenigen sind, die forschen. und die sind in der regel nicht unabhängig.

ich finde aber den ursprünglichen kritikpunkt der hier geäußert wird, genau richtig. hier wird einfach nur gespottet und gemeckert, ohne eigentlich zu reflektieren, was er da sagt. videospiele sind nunmal ein einflussfaktor auf sozialisation. damit haben sie durchaus einfluss auf die entwicklung eines jeden menschen. und pfeiffer hat ja nicht gesagt, dass jeder videospieler zum rocker wird. er hat nur auf die frage geanwortet, ob rocker sein noch attraktiv ist, und er hat ein erklärungsmuster dafür geliefert, dass nicht soooo sehr an den haaren herbeigezogen wurde, wie uns hier einige glauben machen wollen...

Jamison Wolf 17 Shapeshifter - Premium - 7661 EXP - 31. März 2010 - 18:31 #

Das meinst du ernst, oder? Über den Punkt mit Videospiele und Sozialisation lass ich ja gerne mit mir Streiten, ... aber dieses Gepfeifere von dem Herrn ist sooo Überspitzt und Realitätsfremd, das einen die Augen teilweise Bluten wenn man das liest. (Jep, das war eben auch sehr Überspitzt).

"Der Videospieler", also jene Spezies, der 2stellige Stunden pro Tag vor der Kiste verbringt, hat weder die Finanzen noch die Zeit sich einer Rockergang anzuschliessen. Das können höchstens Farmville Spieler sein, und wenn die jetzt auch schon zum "Videospieler" dazu gehören, verkaufe ich meinen ganzen Krempel und werde Gärtner. Sorry, aber irgendwo hab ich als Zocker auch mein Stolz.

:)

Bad_Jay 11 Forenversteher - 667 EXP - 25. März 2010 - 20:21 #

Da kann ich mir doch eine leichtes schmunzeln nicht verkneifen :D Bravo Herr Lehnhardt und Danke für die Aufklärung auf dem Gebiet der Pfeifferrerei!

Wann kommt eigentlich das Buch: Pfeiffer-Deutsch/Deutsch Pfeiffer raus?

mKay 05 Spieler - 49 EXP - 25. März 2010 - 21:17 #

Jetzt hätte man natürlich feststellen können, dass die Antwort wenig mit der Frage zu tun hat (der Reporter war wohl durch diverse Politiker-Interviews an so etwas gewöhnt).

Genial! =)

HulkHagen 04 Talent - 29 EXP - 26. März 2010 - 22:39 #

Großartig geschrieben!!! Ich werde wohl mal meine Familie "verpfeiffern"....

RoD (unregistriert) 27. März 2010 - 17:10 #

HaHahahahahaha

....schon lange nicht mehr so gelacht....

(rofl)

...bitte weiter so... mir kommen die Tränen

PS: endlic hat einer Herrn Pfeiffer entarnt

PPS: ....mhhh ...vielleicht ist Herr Pfeiffer ja mit Herrn Pfaffenberg verwandt?
(loeblich.tk)

McFareless 16 Übertalent - 5556 EXP - 27. März 2010 - 17:38 #

Sehr schön :)

Anonymous (unregistriert) 27. März 2010 - 17:56 #

Ich wäre für Pfeifferdeckel statt pfeiffern.

Joe 04 Talent - 23 EXP - 8. April 2010 - 21:34 #

made my day :)

Henry Heineken 15 Kenner - 3569 EXP - 10. April 2010 - 19:52 #

5 Sterne für diesen grandiosen Artikel!

Neckarblues (unregistriert) 1. Juni 2010 - 15:33 #

Lieber Heinrich,

sehr schöner Artikel, ich habe zwischendurch kräftig gelacht. Weiter so.

Als Journalist kann ich nur sagen:
Kritisches Nachfragen oder gar mitdenken ist bei Interviews nicht mehr gewünscht. Denn allzuschnell käme heraus, dass viele Interviewte nur äußerst dünne Bretter bohren - und was soll man dann noch drucken? Das ist nicht das Problem des einzelnen Journalisten, sondern des einzelnen Mediums. Der Chefredakteur/Verleger will ein Interview, in dem ein bekannter Mensch ("Promi") ein paar Buzz-Words absondert - mehr nicht. Falls du mal ein Interview findest, dass etwas anderes tut, schick mir den link.

Viele Grüße, Neckarblues

PS: Und falls es noch irgendeine Institution gäbe, in der kritischer Journalismus gelehrt wird: bedauern wir ihre Absolventen, denn sie werden nirgends einen Job bekommen.

fanfuture 08 Versteher - 225 EXP - 6. Juni 2010 - 23:31 #

mir kommt gerade so eine Idee für ein neues Game so als joint venture von rockstar games und sid meier:

Teil 1 eine wirtschafts und lebenssimmulation in der man einen Computerspieler spielt der neben ausgedehten Spielehobby fröhnen rechtzeitig bevor seine logischer weise auftauchenden gewaltgelüste die oberhand gewinnen es schafft sowohl einen motororad führerschein, die kohle für ein bike und die kontakte zur entsprechenden szene zu erwerben.

Teil 2
als bandenmitglied dann soweit im rang der gang aufsteigen um zum schluss mit dem ganzen geld neue gewaltspiele zu entwickeln um den gang nachwuchs zu fördern - alternativ kann man kriminologie studieren oder so.

Ich frage mich ja bei der ganzen diskussion immer - was für spiele muss man gespielt haben um so wie herr pfeiffer oder frau von der leyen zu werden ( kommt das eigentlich sprachlich von Laie ßßß

Henke 15 Kenner - 3636 EXP - 20. Juli 2010 - 7:18 #

Es ist schön, das es Professor Christian Pfeiffer, dem Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gelungen ist, dem Journalisten Joachim Wille der Frankfurter Rundschau so nonchalant gelungen ist, seine verquere Ansicht des typischen (Arbeitstages-)Tages eines Hells-Angels-Mitgliedes unterzujubeln. Dieser müßte dann in etwa wie folgt aussehen:

09:30 - Aufstehen
09:31 - darüber wundern, ob die fette Braut neben ihm seine Olle ist
09:32 - nicht weiter zu rätseln,ob er der erste war,der drauf durfte (gute Freunde teilen alles!)
09:40 - nach Toilettengang Frühstück organisieren
09:45 - Papier Stein Schere - verloren - Brötchen holen fahren
10:30 - noch angetrunken dreimal verfahren, endlich Bäcker um die Ecke gefunden
10:31 - das erste Bier(faß) geleert
11:45 - Antritt zum Training, Rechner hochfahren
11:50 - GTA4 The Lost & Damned im Multiplayer gestartet
15:15 - Trainingspause, hitzige Diskussion über Polizeibrutalität in der Simulation
17:30 - Nachbesprechung; Biker-Chef unzufrieden über Wertung auf Rockstars Social Club
18:00 - Erprobung neuer Einsatztaktiken im Feld, dazu Ausritt auf Bike
21:00 - Wilde Jagd mit der Polizei, drei Kumpel erschossen (empfehle früheren Spielstand zu laden und Mission erneut zu probieren)
23:00 - Gruppe sucht Entspannung auf HelloKitty-Online

So oder so ähnlich stellt sich das Herr Pfeiffer wohl vor...
Ich gebe zu, ich halte Politiker nicht für allzu bürgernah, ich denke ebenfalls, das die meisten von ihnen etwas zu abgehoben sind, um sich in irgendeiner Weise mit dem "kleinen Mann" zu identifizieren, aber was Herr Pfeiffer in dem Interview von sich gibt, ist wohl mehr als realitätsfremd. Da stellt sich mir die Frage, wie jemand mit solch verdrehten Ansichten ein so hohes Amt erreichen konnte. Desweiteren stellt sich mir die Frage, warum niemand diesem gefährlichen Irren Einhalt gebietet? Und wieso tritt dieser brillante Satiriker nicht bei "Scheibenwischer" auf, und beerbt Dieter Hildebrand ???

Labrador Nelson 27 Spiele-Experte - - 77357 EXP - 3. August 2011 - 3:12 #

Ja, wirklich lustig. Man sollte bei dem ganzen Spass nur nicht vergessen, dass der Pfeiffer trotzdem ein faschistoider, perfider und inkompetenter Vollkoffer ist. (Was der Artikel zwar auch besagt, nur drückt ers netter aus...) Ich nicht! ;)

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