Farce mit 450.000 Euro Preisgeld

Deutscher Computer-Kinderkram-Preis

Heute war ein großer Tag. Er lehrte uns, dass ein Adventure für Erwachsene durch Zeichentrickgrafik zum "Jugendspiel" wird (Whispered World), vor allem aber, dass ein und dasselbe Produkt sowohl "bestes deutsches" als auch "bestes internationales" Spiel werden kann -- sofern es einen englischen Titel besitzt. Jörg Langer meint: Farce!
Jörg Langer 29. April 2010 - 23:50 — vor 3 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
Der deutsche Computerspielpreis wurde vor wenigen Stunden in Berlin vergeben. Eigentlich eine großartige Sache: Eine Branche, die von entsprechend gepolten älteren Menschen nur als Killerspiele-Freakshow wahrgenommen wird, verleiht einen großen Preis (mit insgesamt theoretisch 500.000 Euro Preisgeld) in stattlichem Rahmen und mit Beteiligung dreier wichtiger Verbände, des deutschen Kulturstaatsministers sowie in enger Partnerschaft mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg, den Medientagen München und der Bayerischen Staatskanzlei. Die Computer- und Videospiele, so scheint es, sind endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Gute Spiele fördern heißt schlechte Spiele nicht fördern. Was sind schlechte Spiele, wer legt das fest?
Doch die hinter dem Preis stehende Denkschule, immer wieder zitiert vom obersten Medienwächter Wolf-Dieter Ring, lautet "Gute Spiele fördern". Das klingt erst mal gut. Was aber Ring, der nicht nur Vorsitzender der Jury ist, sondern auch Präsident der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien und Vorsitzender der KjM (Kommission für Jugendmedienschutz), damit in Wahrheit meint, ist: "Schlechte Spiele nicht fördern". Was aber sind schlechte Spiele, wer legt das fest?

Ganz einfach: Schlechte Spiele, das sind aus Rings Sicht solche, in denen geschossen wird oder sonst irgendwie explizite Gewaltdarstellungen vorkommen. Erst unlängst versuchte Ring bei der Veranstaltung Munich Gaming 2010, die Teilnehmer eines Vortrags dadurch zu schockieren, dass er eingangs ein Video abspielen ließ, in dem Kriegsszenen aus dem Nachrichtenfernsehen mit entfernt ähnlichen Szenen aus Militär-Simulationen und Shootern zusammen geschnitten waren. Klare Intention: Schaut her, wie weit es schon gekommen ist mit den Kriegsspielen! Vielleicht hätte die tendenziöse Video-Collage beeindruckender gewirkt, wäre sie mit Sound abgespielt worden.

Streitpunkt "Bestes internationales Spiel"

Was aber bedeutet es, wenn der Jury-Vorsitzende des Deutschen Computerspielpreises der Meinung ist, dass in einem Preisträger-Spiel nicht geschossen werden darf? Das bedeutet, dass es zwar vernünftige Vorauswähler geschafft haben, in die Kategorie "Bestes internationales Spiel" zwei großartige, gewalthaltige Spiele zu mogeln (neben dem absurden Vorschlag Professor Layton und die Schatulle der Pandora). Dass sich die Jury dann aber nicht auf einen der beiden ernsthaften Vorschläge einigen konnte. Vielmehr wurde mal eben kurz ein anderes Spiel nachnominiert, über das dann bis zur heutigen Preisverleihung der Mantel des Schweigens gehüllt wurde. Und zwar das Schweigen der Scham, möchte man zugunsten der wenigen echten Fachleute in der Jury hoffen.

Jeder wusste, dass diese Nachnominierung ein Kompromisskandidat sein würde. Und außerdem derjenige, der den Preis schließlich bekommen würde. Nur so konnte ein Eklat verhindert werden, denn erste Spielehersteller hatten gedroht, zukünftig ihren Beitrag zu den Preisgeldern zurückzuziehen, würde der internationale Preis (wie es zunächst der Plan der Jury gewesen war) einfach gar nicht vergeben. Dass es aber so schlimm kommen würde mit dem Ersatzkandidaten, hätte wohl niemand vermutet. Nachdem Anno 1404 in der Kategorie "Bestes deutsches Spiel" auf Platz 1 gewählt wurde (eine argumentierbare, wenngleich nicht zwangsläufige Entscheidung), gewann die Auszeichnung "Bestes internationales Spiel"... Dawn of Discovery. Und damit nochmal Anno 1404. Das aber ist in etwa so rational begründbar, als hätte vor einigen Jahren -- mir fällt gerade kein besseres Beispiel ein --, der Clint-Eastwood-Film Unforgiven den Oscar für den besten ausländischen Film erhalten, weil er in Deutschland unter dem Titel Erbarmungslos erschienen ist.

Geht es noch? Anno 1404 wird doch nicht zum internationalen Spiel im Sinne der Preiskategorie, nur weil es mit englischem Namen international vertrieben wird! Aber ich will hier gar so sehr über diese elende Feigenblatt-Entscheidung der Jury schimpfen. Oder dass ausgerechnet das sehr erwachsene, sehr weltverbrannte Whispered World als "bestes Jugendspiel" ausgezeichnet wurde. Ich will darüber klagen, dass der Dreisatz "Gute Spiele fördern", "Schlechte Spiele nicht fördern", "Schlechte Spiele sind solche, in denen geschossen wird" geradewegs in die Lächerlichkeit führt.

Oscars nur noch für Familienfilme?

Hitchcock, Frankenheimer, Mann, Scorsese, Malick, Scott, Kubrick... würden bei diesem Preis leer ausgehen.
Man stelle sich das einmal am Beispiel der Oscar-Verleihung vor. Was würde es bedeuten, wenn deutlich gewalthaltige oder sonstwie für Kinder ungeeignete Filme niemals den Oscar bekommen könnten? Was hieße das für Werke von toten wie lebenden Regisseuren wie Hitchcock, Frankenheimer, Mann, Scorsese, Malick, Scott, Kubrick und vielen, vielen anderen? Sie alle würden, hätten sie Spiele gemacht statt Filme, bei dieser Jury, bei diesem Preis leer ausgehen. Und vermutlich noch als Schmutzfinken tituliert werden. Man kann doch nicht künstlerisch wertvolle Filme von einer Preisverleihung ausschließen, weil sie nicht für Jugendliche geeignet sind! Und auch nicht Rekorde brechende Kassenschlager, die offensichtlich einer Vielzahl von Menschen gefallen.

Macht ja auch niemand beim Oscar oder den vielen anderen Filmpreisen in der westlichen, mithin halbwegs freien Welt. Macht ja auch niemand bei den diversen Spielepreisen, die weltweit vergeben werden. Macht nur einer: der deutsche Computerspielpreis. Mit seiner angeblichen Jugendschützer-Jury. Schon im Gründungsjahr 2009 durfte GTA 4 nicht gewählt werden, obwohl dieses Spiel monatelang die internationalen (und auch deutschen!) Feuilletons begeistert hatte, als zwar gewalthaltiger, aber eben auch ungeheuer treffender, satirisch-sarkastischer Blick auf die moderne amerikanische Gesellschaft und Medienlandschaft. Und natürlich deswegen, weil es ein überirdisch gutes Computerspiel ist. Und dieses Jahr? Durfte Uncharted 2 nicht gewählt werden -- das Äquivalent eines James-Bond-Blockbusters. Und auch Dragon Age Origins nicht, obwohl es ein ebenso intelligentes wie komplexes Werk ist, das in Szenario und Gewaltgrad sehr gut mit dem vielfach prämierten Kino-Megaknaller Herr der Ringe zu vergleichen ist.

Computerspiele dürfen nicht zeigen, was Filme zeigen

Solche Spiele dürfen beim deutschen Computerspielpreis nicht prämiert werden? Das zeugt von einer gewaltigen Verachtung dem Medium Computerspiele gegenüber. Dieses Medium darf anscheinend nicht das zeigen, was das Medium Film zeigt, oder auch nur das Fernsehen. Es darf sich nicht an Erwachsene richten, es darf keine Kunst sein, kein Spiegel der realen Welt, die nun mal in Zeiten mehrerer Kriege, in die Deutschland verstrickt ist, tagtäglich martialische Bilder ins Fernsehen und in die Zeitungen bringt, auch hierzulande. Computerspiele müssen so tun, als wären sie alle pädagogisch wertvoll -- sonst sind sie "schlechte Spiele". Dass aber gewalthaltige, unbequeme, aufrührende Spiele sehr viel stärker zum Denken anregen können als nett gemeinte Pädagogenkost, dass sich auch anhand eines Popcorn-Shooters wie Modern Warfare 2 mit all seinem billigen Hurra-Patriotismus und seiner latenten Menschenverachtung sehr ernsthaft diskutieren lässt, das alles hat in der beschränkten Wahrnehmung der Jury-Mitglieder offenbar keinen Platz. Und auch nicht, dass es tatsächlich viele Erwachsene gibt, die an erwachsenen Computerspielen ihren Spaß haben, und die sich freuen würden, wenn tatsächlich eines der besten Spiele prämiert werden würde, zumindest in der Kategorie "international".

Ich finde: Jury-Mitglieder, die so offensichtlich das Medium verachten, über das sie abstimmen, sollten ihren Platz räumen. Und damit solchen Jury-Mitgliedern Platz machen, die das Medium mögen und es vor allem verstehen -- und seinen großen positiven Einfluss auf die Phantasie und die Freizeit von Millionen von Menschen. Da aber diese Einsicht bei den für den heutigen Schlamassel Verantwortlichen kaum zu erwarten ist, plädiere ich einstweilen für etwas ganz anderes: Benennt doch diese mit Hunderttausenden von Euro garnierte Farce in das um, was sie in Wahrheit darstellt, und zwar in zweierlei Hinsicht. Nennt sie "Deutscher Computer-Kinderkram-Preis." Das wäre ehrlicher.

Euer Jörg Langer
Abfuehrung
FoDooG 10 Kommunikator - 481 EXP - 30. April 2010 - 0:01 #

/signed. Aber sowas von.

monokit 13 Koop-Gamer - 1378 EXP - 2. Mai 2010 - 22:56 #

Seh ich genauso. Die Gaming Community klatscht und lacht!

Rechen 19 Megatalent - 16012 EXP - 30. April 2010 - 0:06 #

schön, das die kolumne heute bereits "geliefert" wurde :). wäre übrigens toll, wenn ihr das in eurem nächsten podcast aufgreifen würdet.

bolle 17 Shapeshifter - 7096 EXP - 30. April 2010 - 0:08 #

Jörg Langer for Jurymitglied!

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 30. April 2010 - 0:29 #

Vote for Jörg!

Philipp L Shui Wang 10 Kommunikator - 376 EXP - 30. April 2010 - 14:01 #

gebt mir ein J^^ .... ö r g

Henry Heineken 15 Kenner - 3469 EXP - 30. April 2010 - 20:00 #

J Ö R G, die Jungs von der PCgames führen dazu im heutigen Podcast auch ne nette Diskussion, also zum Thema Computerspielpreis, nicht über Jörg Langer^^

bolle 17 Shapeshifter - 7096 EXP - 1. Mai 2010 - 12:18 #

Hab grad die Kolumne von Michael Trier auf GS.de gelesen
http://www.gamestar.de/kolumnen/2314620/die_anno_farce.html

"Zur Fachjury für das »Beste Internationale Spiel« gehört auch GameStar-Redakteur und Making-Games-Projektleiter Heiko Klinge."

Ein bekannter Journalist ist also tatsächlich in der Jury :)

"Doch das einzige was diese erneute Farce beweist, ist die heuchlerische Verlogenheit, mit der die meist von keinerlei Sachkenntnis belästigte Phalanx aus Jugendschützern, Wirtschaftslobbyisten und mediengeilen Politikern versucht, ein Stück vom Kuchen der modernen Wachstumsbranche Computerspiele abzubröseln und in das eigene Image einzuarbeiten."

Der Satz ist schön :)

Zerberus77 11 Forenversteher - Abo - 639 EXP - 30. April 2010 - 0:37 #

Jörg würde sich bestimmt nicht für solch einen Zirkus hergeben - weder Jury noch Preis vertragen offensichtlich Kompetenz, Erfahrung oder gar kritische Sympathie dem Medium gegenüber. Leider! :(

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 30. April 2010 - 0:49 #

Sagen wir es mal so: Säßen die richtigen Leute in der Jury und würde man diese bisher lächerlichen Regeln ändern, könnte sich der Preis schon entsprechend entwickeln. Nur so wie er jetzt ist, ist es in der Tat ein Zirkus - für Kinder.

Sven 17 Shapeshifter - Abo - 8185 EXP - 30. April 2010 - 3:14 #

http://www.deutschercomputerspielpreis.de/11.0.html

Da sitzen bereits die richtigen Leute drin, Conny! Fröhlich, Klinge, Gogolin, Fritz, Breitlauch, Hubertz, Menne, Stöcker... von mir aus Fischer von der CBS - alles kompetente Leute. Die ganzen Vertreter aus der Industrie werden sich wohl auch nicht gegen Software mit USK-16-Freigabe ausgesprochen haben. Selbst die übrigen Akademiker gelten als vernünftig. Außer Frau Bär und eben Herr Ring hat da niemand die Motivation, eine solche Entscheidung zu treffen.

Jonas der Gamer 13 Koop-Gamer - 1550 EXP - 30. April 2010 - 15:24 #

Komisch.
Heiko ist der Einzige in der Jury-Liste, der keine Beschreibung hat.
Wahrscheinlich aus Strafe, weil er Protestiert hat :)

Larnak 19 Megatalent - Abo - 14852 EXP - 30. April 2010 - 15:55 #

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie so viele intelligente, kompetente und offenbar durchaus engagierte Menschen, wie die, die dort in der Jury zu finden sind, so etwas mit sich machen lassen.

Gerade als Jurymitglied wäre mir sehr daran gelegen, dass so etwas nicht passiert - oder dass so etwas zumindest nicht nochmal passiert und sich etwas ändert.
Mal sehen, vielleicht kommt da ja noch was.

Quin 12 Trollwächter - 1050 EXP - 30. April 2010 - 0:09 #

Deutsche Computerspieleleitkultur.

Sebastian Conrad 16 Übertalent - 4740 EXP - 30. April 2010 - 0:11 #

/signed

Der Computerspiel-Preis erscheint nur wie ein Vorwand. So, wie es gehandelt wird, würde man im Deutschunterricht mit einem "Thema verfehlt, 5" abgestraft. Da gebe ich Jörg vollkommen Recht: Wenn nicht alle Computer-Spiele berücksichtigt werden, sollte man auch nicht von einem Computerspiel-Preis reden.

Contra4you 16 Übertalent - 5566 EXP - 30. April 2010 - 0:18 #

Wow so ein Umfassender Artikel zu so einem sehr Aktuellen Thema.Schön das du hier schon von Anfang an Stellung beziehst und Konsequent deine meinung äußerst, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Danke für dieses Artikel zum, Deutschen Computer Kinderkram Preis=)

Kappi 15 Kenner - 3182 EXP - 30. April 2010 - 0:22 #

/signed
diese ganze Debatte ist dermaßen dämlich wenn man mal drüber nachdenkt.. also wäre ich Spielehersteller würde ichs mir, trotz dieses scheinheiligen Kompromisses, nicht gefallen lassen, schließlich werden die, als Geldgeber, dadurch einfach nur ins lächerliche gezogen..

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 30. April 2010 - 0:25 #

Mal ganz ehrlich: Ich bin auch dafür, dass >gewaltverherrlichende< Spiele (wie auch Filme, Saw) keinen Preis gewinnen sollten.
Bei GTA 4 kann ich Ablehnung noch verstehen. Auch ich finde das Spiel teilweise grausam und unwürdig, wenn ich gleich zu Beginn einen Menschen töten MUSS, nur weil der Hauptdarsteller gerade mal wieder durchdreht. Oder ich mich gegen Ende zum Mord von einem liebgewonnen Freund entschließen MUSS, nur weil dieser gerade Streit mit einem anderen hat. Ohne Alternativen. Wenn ich mich für einen unsympatischen Kauz durch hunderte Polizisten mit Familie schießen MUSS, nur weil irgendein dahergelaufener Krimineller gerade Lust hat eine Bank zu überfallen.
Sowas halte auch ich als toleranter Spieler für grausam und lässt mich so manche Sekunde an diesem Spiel mehr als zweifeln. Und nein, das ist keine Parodie, sondern zu ernst.

Jedoch halte ich diese generalisierte Ablehnung auch für falsch. Gerade Dragon Age oder Mass Effect (!) mit seiner tiefgründigen, bewegenden und offenen Geschichte haben mehr verdient als die Killerspiel-Schublade.

Tassadar 17 Shapeshifter - 6434 EXP - 30. April 2010 - 0:29 #

Das wendest Du dann aber auch konsequenterweise auf Filme an, richtig? D.h. Du bist ebenso der Meinung Filme, die brutale Szenen zeigen, egal aus welchen Gründen, dürfen nicht prämiert werden, richtig?

Rechen 19 Megatalent - 16012 EXP - 30. April 2010 - 0:31 #

sagt er doch (siehe: saw)

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 30. April 2010 - 0:32 #

Die Welt ist böse :).

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 30. April 2010 - 0:52 #

Ich sagte doch: ich bin gegen eine Generalisierung, aber es sollte eben schon eine Grenze geben. Und gerade GTA 4 mit seiner sehr realistischen Welt empfand ich aus genannten Gründen zu heftig, emotional kaltblütig.
Bei Filmen denke ich genauso: Ich mag Saw oder auch Pulp Fiction überhaupt nicht, weil hier Gewalt glorifiziert wird. Man kann Gewalt als Stilmittel verwenden, im Rahmen der Geschichte, aber eben nicht emotional (!) verherrlichen. Deswegen gehören solche Sachen nicht verboten, aber eben auch nicht in den Himmel gelobt.

Ein Gegenbeispiel für GTA4 wäre in meinen Augen z.B. Mafia. Mafia ist auch recht rau, aber eben emotional völlig anders als GTA4. Mafia kennt Trauer, Skrupel, Auswege. GTA 4 kennt nur abknallen und liegenlassen, keinen Gedanken mehr an diesen Hackfleischhaufen am Boden verschwenden, hämische Bemerkung obendrauf, scheißegal was du vorher für mich getan hast, "auf gehts Cousin, gehen wir in den Stripclub?". Das ist der Riesenunterschied in meinen Augen.

bolle 17 Shapeshifter - 7096 EXP - 30. April 2010 - 1:03 #

Ich mag GTA4, aber tatsächlich find ich die beiläufige Gewalt ab und zu sehr kritisch.

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 30. April 2010 - 1:04 #

Juhu, ich bin nicht allein :-)

bolle 17 Shapeshifter - 7096 EXP - 30. April 2010 - 1:08 #

Ich find halt nur nicht gut dass man da n paar Leute übern Haufen fährt/schießt und dann weiter durch die Stadt schlendert.

In Pulp Fiction dagegen hat das ganze schon Konsequenzen, Jules denkt über seinen Job nach und gibt ihn auf, Vincent lernt, dass man nicht mit ner Knarre im Auto rumfuchtelt.

Bei GTA würd beides so nicht stattfinden.

Creasy (unregistriert) 30. April 2010 - 13:10 #

Du weisst schon, dass sozusagen du der Charakter bist, oder? Wenn du also Leute übern Haufen fährst, und dann weiter durch die Stadt schlenderst, liegt das an dir... Das macht ein Spiel aus... Das hebt es von einem Film ab.

Larnak 19 Megatalent - Abo - 14852 EXP - 30. April 2010 - 16:04 #

Und hier liegt die Aufgabe am Spiel, beim Spieler die Eindrücke zu erzeugen, die das Spiel erzeugen möchte.
Wenn das Spiel kein Interesse daran hat, nach beiläufigen Überfahr-Manövern eine kritische Reflexion oder emotionale Regungen zu erzeugen, dann wird der Spieler auch keine fühlen.

Das ist der Unterschied zwischen "Spiel" und "Realität" - dort passiert das automatisch.

Daher ist der Einwand schon berechtigt :)

Trotzdem sehe ich da einen Unterschied: GTA macht so etwas zwar möglich, verherrlicht aber die Gewalt dabei nicht. Tatsächlich geht die "Missachtung" solcher Vorfälle so weit, dass man gar nicht das Gefühl hat, jemanden getötet zu haben.
Da sehe ich schon einen großen Unterschied zu Medien, die Gewalt zum Selbstzweck zelebrieren oder Handlungen mit dem Ziel darstellen, möglichst viel Gewalt möglichst blutig und effektreich zu inszenieren. Diese Medien gibt es, auch durchaus in Schriftform.
Aber auch solche Medien können von mir aus gerne Preise bekommen, wenn sie nachvollziehbar sind - wenn ein solcher Film z.B. die beste Regie eines Jahres hat, warum dann nicht einen Preis dafür verleihen?
Nur ein "meiste verherrlichte Gewalt"-Preis wäre mir zuwider - und beste Handlung schließt sich meist schon von selbst aus ;)

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 30. April 2010 - 20:52 #

Ehrlich gesagt geht es mir weniger um Passanten überfahren, sondern viel mehr um den Storyverlauf. Ich bin mehrere male jeweils mindestens 15 Minuten am Bildschirm gehockt und habe mich über das Spiel maßlos aufgeregt, als ich FREUNDE mit emotionaler Bindung OHNE ALTERNATIVEN erschießen MUSSTE, die heulend, flehend, jammernd vor einem kauern und ihre letzten Sekunden zählen. Das ist absolut abscheulich und geht in meinen Augen viel zu weit. Es macht mich traurig und für lässt mich mit einem mehr als schlechten Gewissen mit 5000$ Belohnung für einen MORD, der sich erschreckend danach anfühlt im Regen stehen.
Die Passanten hingegen finde ich nicht so schlimm, hier ist es ein Spiel, man hat keine emotionale Bindung, es sind einfach Pixelmännchen. Allerdings tragen diese auch einen großen Teil zur Glaubwürdigkeit des ganzen Spiels bei, weshalb mein emotionales Problem noch viel schlimmer wird.
Deshalb, so leid es mir tut, Jörg und andere, ist die Entscheidung GTA 4 (und nur GTA 4) nicht zu würdigen in meinen Augen richtig.

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 30. April 2010 - 20:57 #

Entschuldige, aber welche "Freunde" waren das?

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 30. April 2010 - 21:16 #

mehrere:
- gleich nach etwa einer Stunde Spielzeit dreht Mr. Bellic völlig übergeschnappt durch. Das Spiel zwingt mich, einen eigentlich einigermaßen sympatischen kauz mit kleinem Kokain-Problem zu töten. Er fleht einen an, kniet sich vor einem nieder. Und du hast keine andere Chance als ihm ins Gesicht zu schießen. Konsequenz: Belohnung. Widerlich.
- Dwayne oder wie er hieß. Es gab eine Mission, wo man sich zwischen dem Mord an Dwayne und diesem anderen Typ entscheiden musste. Ich empfand es mehr als krass Dwayne hinrichten zu MÜSSEN (was in meinen Augen das kleinere Übel war), den ich vorher als sympatischen, depressiven Kerl in Erinnerung hatte. Und das alles wegen einem auch anderweitig lösbaren Problem. Belohnung 10000$ + Wohnung. Ist doch wunderbar und kein Problem in einem Appartment von einem Kumpel zu wohnen, dem ich gerade das Gesicht weggeschossen habe. So könnte es immer laufen. man könnte es zumindest meinen.
- Gleich darauf kingelt das Telefon "gehen wir in den Stripclub?". Ich dachte, es hakt und hab das Spiel für Tage nicht mehr angefasst.
- Es gibt noch mehr Beispiele, aber das sind die krassesten. Es war das erste Spiel, dass es geschafft hat mir über Stunden ein schlechtes Gewissen zu vermitteln. Wenn ich da an manchen 12-Jährigen denke, wird es mir ganz andes.

Jamison Wolf 16 Übertalent - Abo - 5554 EXP - 30. April 2010 - 21:39 #

Hmm also bei mir hats Dwayne übelebt, der andere ging hopps. :) Ok, aber warum kaufst du dir ein Spiel wo draufsteht "Ab 18" "Viel Gewalt" "Drogen" "Schmutzige Sprache"? Die Russische Mafia, in einem Spiel, ist nun halt kein Ponyhof. Gut, es kann vorkommen, das man etwas anderes erwartet hat und plötzlich sieht man sich mit sowas konfrontiert und steht quasi im Regen, dann sollte man das Spiel - wenns geht, einfach Verkaufen, und sich dafür etwas gönnen was einen mehr liegt.

Ich erwarte zumindest wenn ich mir einen Zombie Film ausleihe zwei Dinge: Zombies und viel Blut. Leih ich mir was mit Soldaten aus, will ich Kugeln und Explosionen. Und wenns was fürs Herz ist witzige Dialoge und eine passende Chemie der Protagonisten. usw usf. Ich hol mir nicht American History X nach Hause und erwarte eine Kindergeburtstagsparty.

Manchmal ist es halt nicht das richtige, manchmal aber doch.

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 30. April 2010 - 22:41 #

Der Kokain-Kauz war aber kein Freund (weiß jetzt aber auch nicht, wer das gewesen sein soll). Du wurdest dafür engagiert. Wie bei den meisten Missionen durch Deine Auftraggeber. Das war aber bei jedem GTA so und ist das Grundspielprinzip.

Dwayne ist zwar ein Freund, aber da hast Du die Wahl: Er oder Playboy X. Da dürfte die Wahl eigentlich wirklich nicht schwer fallen.

Also einen "Freund" mußt Du in dem Spiel nicht töten. Außerdem hast Du im Spiel sogar mehrmals die Möglichkeit, eine Zielperson zu "verschonen". Die treten dann später als Zufallscharaktere auf.

Und 12-jährige haben so ein Spiel erst gar nicht in die Hände zu bekommen.

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 1. Mai 2010 - 18:01 #

"Der Kokain-Kauz war aber kein Freund"

Ich meinte Vlad.
"Freund" ist vielleicht das falsche Wort. Er war kein Feind, ich hab ihn recht sympatisch erlebt. Das Bild, wie er verzweifelt vor einem steht und ich ihn niederstrecke (ja, man hat tatsächlich keinerlei Alternativen) habe ich jetzt noch im Kopf.

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 1. Mai 2010 - 23:14 #

Vlad? Sympathisch? Der Kerl war ein Arschloch. Behandelte alle um sich herum wie Dreck, beleidigte Niko am laufenden Band, baggerte und betatschte Romans Freundin an und Roman selbst lies er seine "Macht" spüren. Um den Kerl ist es echt nicht schade :).

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 2. Mai 2010 - 6:39 #

Es gibt halt verschiedene Ansichten und das ist auch gut so. :-)
Trotzdem mag ich persönlich GTA 4 nicht besonders und empfinde die Entscheidung der Jury GTA 4 nicht zu küren für nicht allzu verwerflich.

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 30. April 2010 - 1:15 #

Da müßte man alle GTAs mit reinnehmen, denn so gesehen schenken die sich da nichts :). Bei GTA 4 fällt es wahrscheinlich auf Grund der aktuelleren Grafik vermutlich nur mehr ins Gewicht.

Die Schießereien sehe ich schlichtweg als Action-Content in den entsprechenden Missionen. Blöd ausgedrückt: Ich arbeite wie ein Schauspieler meine Rolle ab.

Allerdings achte ich persönlich für mich bei meinem Gameplay möglichst penibel darauf, keine Passanten umzufahren. Passiert es mir unabsichtlich doch einmal, erwische ich mich dabei, wie mir ein "Tschuldigung" entfleucht :). Will sagen: Mir macht es keinen Spaß in GTA 4 Passanten umzufahren. Andere machen dies jedoch mit Absicht und empfinden das als richtige Gaudi. Bei der Sorte von Spielern schüttle ich wirklich den Kopf.

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 12:26 #

Und ich schüttle über Leute den Kopf, die über Leute den Kopf schütteln, die virtuelle Polygonfiguren umfahren.
Das macht vielen nunmal Spaß und ist imo weniger verwerflich als das gezielte Köpfen von virtuellen Polygonfiguren, wie es in vielen Ego-Shootern (was für ein widerlicher Begriff!) vorkommt.

Trey 12 Trollwächter - 961 EXP - 1. Mai 2010 - 13:41 #

Hier muss ich doch mal einhaken:
Mir macht es durchaus riesigen Spaß, einfach mit einem monströsen Jeep quer über die Bürgersteige zu brettern, und im Sekundentakt dieses dumpfe Geräusch zu hören, wenn die "Leute" nochmal meine Motorhaube kntuschen, bevor sie links und rechts wegsegeln.

Das hat nichts mit meiner sabbernden Suche nach Gewalt zu tun - es ist einfach die pure Absurdität und so herrlich abgehoben (im wahrsten Sinne).
Im alltäglichen Leben passiert so etwas nicht, und man würde auch nie auf den Gedanken kommen, weil es viel zu weit hergeholt wäre und ja, natürlich mehr als grausam. Aber so etwas auf die Realität zu beziehen, darauf würde ich auch im Traum nicht kommen.

Viel von der Computerspiel-Moral-Misere, in der wir heute stecken, ist, glaube ich, nur deshalb entstanden, weil die meisten Menschen zu VIEL denken. Weil sie alles auf's reale Leben übertragen. Das ist aber, meiner Meinung nach, überhaupt nicht das Ziel von 'solchen' Filmen und Spielen. Klar, bei letzteren wird die Grafik realistischer und die Physik korrekter, aber ich hatte nie das Gefühl, dass ein Spiel wie GTA mir suggeriert "Hier, das könntest du auch in Echt machen.", sondern viel mehr "Du kannst das im Spiel machen, ist doch ganz cool."
Im gehe doch im echten Leben trotzdem gerne mit Freunden weg, schätze den Kontakt zu Menschen und bin halt, wer ich bin.
Aber mir fällt es nicht schwer, in Filmen und Spielen, sollten sie es verlangen, all das Reale komplett auszublenden - gerade das schätze ich irgendwie auch an ihnen, dass ich mich mal, in dieser Fantasie, keinen echten Regeln und Vorschriften beugen muss.

Und dann will ich natürlich, dass es kracht. Ich will Verfolgungsjagden und Explosionen und Geschnetzel, am Besten noch mit fetziger Musik unterlegt. Ich kann mich am Abgrund der Gesellschaft bewegen, ein (man muss es so sagen) menschenverachtender Bastard sein, ohne, dass ich bewertet werde - außer natürlich das Spiel sieht es so vor, mit etwa einem Moralsystem, Konsequenzen im weiteren Spielverlauf o.Ä.
An dieser Stelle kommen dann, berechtigterweise, die Aufschreie "Aber wer sollte so was sein wollen?". Nun, das ist schwer objektiv zu sagen. Ich für meinen Teil finde es interessant viele Sichtweisen zu erfahren, irgendwie auch mit jeder Erfahrung, und sei sie nur virtuell, zu wachsen. Herauszufinden, ob ich zu einem Charakter irgendwie eine Bindung aufbauen kann, oder ihn zu hassen lerne.
Und am Ende ist es doch immer noch alles Fantasie! Ich tue keinem weh, wenn ich in einem Spiel der Badass bin und meinen Weg mit Leichen pflastere.
Irgendwie ist das Genre der Action- und Gewaltfilme und -spiele doch auch nicht ohne Grund entstanden und so geboomt. Es gab und gibt nunmal Menschen, die irgendwie ein Faible dafür haben oder es einfach verdammt gut in Szene setzen können. Und trotzdem sind die Menschen, die solche Filme oder Spiele produzieren, keine Psychopathen. Genauso wenig wie die, die das Ergebnis konsumieren. Niemand setzt sich plump aus dem Grund in Stirb Langsam, weil er es mag, Menschen sterben zu sehen. Ich schätze man will sich vielmehr einer anderen Welt hingeben, mal aus der Realität fliehen. Den einen macht dabei auch der Ausflug in gewalthaltige Universen nichts aus, anderen wiederum schon. Das ist auch völlig okay und gut so. Aber beide Gruppen müssen damit aufhören, es den anderen immer vorzuwerfen, wie es momentan passiert.
Denn, gehen wir jetzt einfach mal so weit:
Sollte ich eines Tages aufwachen und mich dabei erwischen, wie ich es geil fände, einen Menschen zu ermorden - ich könnte mich im Spiegel nicht mehr ansehen. Aber so weit wird es nicht kommen. Einfach weil es Blödsinn ist. Weil ich im realen Leben doch überhaupt nichts mit meinem Spieler-Ich, das mit jedem Spiel ein anderes ist, gemeinsam habe. Und weil ich es NIEMALS möchte.

Aber auch hier kann ich nur wieder von mir sprechen. Ich weiß nicht, ob vielen einfach dieser Schalter fehlt, mit dem ich zwischen realem Ich und fiktivem Charakter hin- und herschalten kann.
Wenn ich ein GTA kaufe, weiß ich, dass es durchaus hart wird. Aber ich spiele es auch deshalb, weil ich sehen möchte, was für Möglichkeiten mir gegeben sind, ob ich bspw. Menschen verschonen kann. Wenn es so ist, find ich das gut und bin beeindruckt, wenn nicht, akzeptiere ich das auch - vielleicht hat es ja sogar einen Grund.

Trotzdem verstehe ich vollkommen, wenn es jemand nicht akzeptieren kann. Ich werde nicht mit dem Finger auf denjenigen zeigen und ihn als Weichei betiteln. Genauso erwarte ich aber im Umkehrschluss, dass ich als jemand, dem es nichts bzw. nicht so viel ausmacht, auch akzeptiert werde. Und nicht als kaltblütig oder "Kopf-schüttel-würdig" angesehen werde. Denn das bin ich einfach nicht.

Jamison Wolf 16 Übertalent - Abo - 5554 EXP - 1. Mai 2010 - 16:10 #

Schön geschrieben und bringt es auf den Punkt. Kudos for u! :)

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 1. Mai 2010 - 17:40 #

Wirklich toll geschrieben und ich kann dir Recht geben.

Mein "Problem" mit solchen Spielen ist einfach, dass ich ein recht emotionaler Mensch bin. Meine Grenze ist da erreicht, wo ich Spielfiguren scheinbar grundlos (aus einer emotionalen Laune des Charakter heraus z.B.) interaktiv "töten" muss, zu denen ich eine gewisse emotionale Bindung aufgebaut habe. Wenn andere das können und abgrenzen, ist das okay. Ich kann es irgendwo auch, aber verbiete mir zuzulassen solche Taten einfach skrupellos und, wie gesagt, scheinbar irrational durchzuziehen, und sei es nur am Bildschirm. "Ich töte" und bei mir schaltet sich das schlechte Gewissen ein.
Das ist nicht bei jedem Spiel so, Mafia mit seiner nachvollziehbaren, facettenreichen Geschichte habe ich geliebt. Besonders das Ende war wahnsinn. Ich empfand auch Half-Life mit seiner geschichte, Unreal 1 mit den beschützenswerten Nali, Fallout 3 mit seinen interessanten Gedankengängen als eine Erfahrung/"Horizonterweiterung". GTA 4 hingegen ist anders, egozentrisch, kaltblütig, ohne jegliches Gespür für Wertigkeit und Zwischenmenschlichkeit. Allerdings gehöre ich ehrlich gesagt auch nicht zu dem Schlag Menschen, die beim Anblick von "Pißwasser" einen Lachkrampf bekommen, vielleicht verstehe ich das ganze einfach nicht.
Deshalb, um noch mal den Bogen zu schlagen, empfinde ich persönlich die Entscheidung GTA 4 nicht zu küren für richtig.

Green Yoshi 18 Doppel-Voter - 12369 EXP - 1. Mai 2010 - 12:22 #

GTA IV ist eine Satire, dummerweise bindet einem das Spiel das nicht plakativ auf die Nase, sondern man muss es selber rausfinden.
Außerdem hat auch GTA IV emotionale und nachdenkliche Abschnitte, z.B. wenn Niko über seine Erfahrungen im Krieg redet.

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 2. Mai 2010 - 6:43 #

...und gleich darauf 300 Leute in der nächsten Mission egozentrisch, ohne Hintergedanken, tieferliegende Gründe und Konsequenzen niederschießt.

Sorry für meine Kommentarflut, aber das musste noch raus :-)

Kalash (unregistriert) 2. Mai 2010 - 11:57 #

Allein das du Saw und Pulp Fiction im selben Satz erwähnst, zeigt das deine Aussage ca so ernstzunehme ist, wie der Deutsche Computerspiel Preis.

monokit 13 Koop-Gamer - 1378 EXP - 2. Mai 2010 - 22:55 #

Ich finde du hast GTA4 nicht verstanden. Du vergißt das die Wirkung die deine Handlungen als spielfigur bei dir selbst hinterlassen, sprich bei Dir z.b. Ablehnung, durchaus gewollt sein können. Mir ergeht es bei GTA4 genauso wie Dir. Ich will niemanden töten, muß es aber...weil Nico ein Soziopath ist (vermutlich durch den Krieg so geworden -> versteckte Kritik an den von den USA geführten Kriegen). Du nimmst als Spieler ja die Rolle von Nico ein, und mußt somit auch seine negativen HAndlungen vollführen, was dich viel intensiver miterleben läßt, als wenn du nur einen Film anschauen würdest.
GTA4 ist deswegen für mich großartig und genial.

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 30. April 2010 - 0:52 #

Wer hat noch gleich den Oscar für die beste Nebenrolle gewonnen? Richtig, Christoph Waltz, als Nazi in Inglorious Basterds. Und wer hat sich so darüber gefreut, als sei er kein Österreicher, sondern ein Deutscher? Die deutschen Medien. Verrückte Welt.

Sebastian Conrad 16 Übertalent - 4740 EXP - 30. April 2010 - 1:06 #

haha, sehr schön Roland :D

JakillSlavik 17 Shapeshifter - 6644 EXP - 30. April 2010 - 12:23 #

Genau das habe ich bei dem Vergleich mit Film bzgl. Oscar gedacht. Quentin Tarantino etc. Bei den Filmen der letzten Zeit finde ich auch generell, dass die ziemlich seltener Schranken bekommen. Das Publikum ist schon total abgestumpft und Inglorious Basterds finde ich nicht ohne. Nein, das ist keine Filmkritik ;)

Tassadar 17 Shapeshifter - 6434 EXP - 30. April 2010 - 0:28 #

Da kann ich nur voll zustimmen, das ist ja schlicht und ergreifend nur lächerlich. Und zeigt erneut wie unglaublich anfängerhaft, vorurteilsbehaftet, reaktionär und rückständig hierzulande mit dem Medium der Computerspiele umgegangen wird.

muemmel 08 Versteher - 187 EXP - 30. April 2010 - 0:28 #

Wie funktioniert das eigentlich? Bekommen hier auch Publisher Preise (und Geld) wie bei einer gewissen anderen Veranstaltung eines gewissen Verlages oder tatsaechlich die Kuenstler/Hersteller?

Der Kolumne ist jedenfalls nichts mehr hinzuzufuegen. Das reine Polit-Werkzeug die Veranstaltung.

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 30. April 2010 - 0:51 #

Der Gewinner bekam 100.000 Euro, wenn ich mich nicht vertue. Wo die hingehen, keine Ahnung. Hoffe mal wirklich an das Entwicklungsstudio und dann als Bonus an die Mitarbeiter. Wäre schlimm, wenn das an die Firma ginge, damit dann die Marketingabteilung die nächsten Anzeigen davon bezahlen kann.

Zerberus77 11 Forenversteher - Abo - 639 EXP - 30. April 2010 - 0:28 #

Sehr schöner Artikel, der die ganze Misere dieses Preises deutlich macht. Es wäre besser ihn nicht zu vergeben. Unter diesen Bedingungen wird er bald wie das Prädikat "Pädagogisch wertvoll" wirken: Vor solchen prämierten Werken wird man bald nur noch weglaufen. Und traurig, wie Fehler übertragen werden: "Dieses Werk hat Comic-Grafik? Hey, dann muss es für Kinder sein!"

PS: Bitte das Wort "Fueilletons" im 8. Absatz korrigieren und im 9. Absatz wie durch als ersetzen.

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 30. April 2010 - 0:31 #

An diesem Preis müssen die aufgrund dessen wirklich mal ihr "Denken" ändern, sonst können die den gleich wieder abschaffen. Unter solchen Voraussetzungen ist dieser Preis wirklich lächerlich.

Herzog Farald 05 Spieler - 58 EXP - 30. April 2010 - 0:32 #

Auf diese Weise ist diese Ganze Computerpreisgeschichte jedenfalls mehr oder weniger für die Katz.
Auf der einen Seite will der Staat Offenheit und Förderbereitschaft gegenüber dem Medium Computerspiele zeigen, auf der anderen Seite aber natürlich weiterhin denselben fragwürdigen Standpunkt dazu vertreten, den wir Spieler uns im Zuge der Diskussionen über die "bösen Killerspiele" von Seiten unserer Politiker schon mehr als genug haben zu Gemüte führen dürfen.

Dass so ein Zustand in einer paradoxen und damit völlig sinnfreien Veranstaltung resultiert, ist meiner Ansicht nach traurig, aber nachvollziehbar.
Schade. Aber naja. Ich finde, wir Spieler sind durchaus selbst in der Lage, zu entscheiden, welche Spiele wirklich einen Preis verdienen und welche weniger. Und prämiert werden diese Spiele dann (meistens) ja auch durch gute Verkaufszahlen.
Wir sind nicht auf irgendwelche gestellten, verdrehten Preisverleihungen angewiesen, die aus dieser engstirnigen und völlig zusammenhangslosen politischen Haltung gegenüber unserem Hobby heraus entstehen.
WIR wissen, was gut ist, und das ist wichtig.

Carsten 18 Doppel-Voter - Abo - 11976 EXP - 30. April 2010 - 0:39 #

Eine der mit Sicherheit paradoxesten Veranstaltungen überhaupt. Eigentlich fehlt doch nur noch das Pfeifferle in der Jury. Aber was bleibt sonst noch zu sagen, Jörg hat praktisch alles schon treffend formuliert. Mir scheinen da Veranstaltungen wie die Gamestars oder sogar der Deutsche Entwicklerpreis um einiges sinnvoller. Politiker haben in solchen Jurys nix verloren, da müssen Leute sitzen, die Maus und Tastatur auch schon mal zu etwas anderem benutzt haben, als nur dem Schreiben von Pamphleten. Und schwupps, schon fällt mir doch noch was ein, was zu sagen bleibt: Herr, lass Medienkompetenz regnen!

Also, schöne, in den nächten Tagen hoffentlich gut frequentierte Kolumne!

Contra4you 16 Übertalent - 5566 EXP - 30. April 2010 - 0:43 #

Warum können nicht unabhängige Jury Mitglieder abstimmen? Beispielsweise aus games Zeitschriften,Fernsehen und Internet die wirklich jeden Tag mit dem Medium in Berührung kommen und wissen wovon sie da reden. Diese Veranstaltung, war ein trauriges Zeichen dafür, dass Spiele in unserer Gesellschaft, noch nicht mal die die preise für so welche games vergeben, nicht Akzeptiert werden. Und etwas das nicht richtig verstanden wird, wird Zensiert ist doch klar. Nicht wegen der Gewalt an sich, sondern weil sie das Medium nicht verstehen. Sie sehen nur die Oberfläche, aber nicht den Kern. Games sind Kunst, sind Kultur, sind ein Mittel um Auszudrücken und und und. Es ist wirklich einfach nur traurig und eine absolute Schande, dass Games nicht den Respekt bekommen den sie verdient haben!

Administrator Chefredakteur - 2870 EXP - 30. April 2010 - 8:23 #

Es waren ja echte Fachleute beteiligt, etwa Heiko Klinge von der GameStar oder André Peschke von Krawall. Darum, so vermute ich, wurden ja auch Uncharted 2 und Dragon Age nominiert. Der "Skandal" ist, dass sie dann nicht gewinnen durften.

Contra4you 16 Übertalent - 5566 EXP - 30. April 2010 - 14:06 #

Ja eben und ich meinte das wirklich alles also nomi nierung,vorschläge für nominierungen etc. also sprich die ganze veranstalltung von leuten geführt wird die sich mit dem medium wirklich auskenen aus zeitschriften wie der Gee oder wie du schon gesagt hast gameStar und Online-Magazinen. Das ist so als ob einer von der CDU der SPD vorschreibt was ins wahlprogramm gehört und was nicht

bananenboot256 13 Koop-Gamer - 1241 EXP - 30. April 2010 - 0:45 #

/signed

Mox 07 Dual-Talent - 109 EXP - 30. April 2010 - 0:46 #

Ist die ganze Aufregung überhaupt nötig? Ich meine: Hat wirklich jemand ernsthaft etwas anderes erwartet?

ganga 18 Doppel-Voter - Abo - 10786 EXP - 30. April 2010 - 11:32 #

d.h. wenn man etwas erwartet gibt es keinen Grund mehr sich darüber aufzuregen oder zu beschweren?
Guck mal, die zwei Nazis da verprügeln einen Ausländer, aber ist ja egal, hab ich ja erwartet.

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 30. April 2010 - 0:48 #

Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht heraus.

- Uncharted 2
- Arkham Asylum
- Brütal Legend
- Dragon Age Origins
- Assassin's Creed 2

Keins der oben gelisteten Spiele ist ein 3D-*SHOOTER*.

Dass stattdessen die englische Version von Anno 1404 gewinnt, die - pardon - hier in den USA keiner kennt, lässt mich am Verstand der Jury zweifeln. Ich hätte meinen Juryposten aufgegeben und hätte dann ein öffentliches Statement über die Absurdität der ganzen Nummer abgegeben.

Daeif 19 Megatalent - 13400 EXP - 30. April 2010 - 16:12 #

Die Liste hat einen Fehler: Alles mind. USK 16-Titel ;)

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 1. Mai 2010 - 1:29 #

Inglorius Basterds war ab 6 Jahren freigegeben? ;)

Llane 09 Triple-Talent - 238 EXP - 30. April 2010 - 0:59 #

Zu der ganzen Veranstaltung fällt mir nur jene alte Gamerweisheit ein: Wer sich nicht auskennt....... .

Ihr wisst schon. ;)

breedmaster 12 Trollwächter - Abo - 985 EXP - 30. April 2010 - 1:03 #

Der Kommentar trifft ins schwarze

bersi (unregistriert) 30. April 2010 - 1:03 #

Weise Worte von einem weisen Mann. Aus diesem Grund bin ich ihm als Leser über all die Jahre lang treu geblieben. Jörg, du triffst den Nagel einfach immer auf den Kopf.

/bow

Asto 15 Kenner - 2904 EXP - 30. April 2010 - 1:05 #

Da stimme ich zu. Aber ich glaube sowas geht auch nur hier oder? Manchmal echt traugig, da schämt man sich richtig und wird in seinen Wunsch auszuwandern bekräftigt. Ist die Scham nach ner Weile immerhin schon mal nicht mehr so groß.

PARALAX (unregistriert) 30. April 2010 - 1:19 #

Die verkorkste, deutsche Jury kann weiterhin mit Scheuklappen durch die Welt laufen und wählen oder sagen wir "improvisieren", was sie will. Wahre Spieler wissen, was angesagt ist und für mich bleibt das beste Spiel des vergangenen Jahres "Uncharted 2". Noch nie hat mich ein Videospiel derart vor dem Bildschirm gefesselt und noch nie hatte ich ein Spiel so schnell durch (2 Tage, 16 Spielstunden) und das obwohl ich in den letzten Jahren kaum Zeit hatte, irgendwas länger zu spielen.

Rabenschnabel 12 Trollwächter - 934 EXP - 30. April 2010 - 1:57 #

Typisch Deutsch eben. Erinnert mich stark an den Deutschen Filmpreis, ähnlich peinlich, nur daß dort meist irgendwelche staatlich finanzierten Filme gewinnen die sich kaum jemand ansieht.

Wenn unsere Spiele-Industrie etwas mehr Arsch in der Hose hätte würden sie zusammen einen eigenen Preis, ohne "Hilfe" von staatlichen Stellen, vergeben. In der Oscar Jury sitzen ja auch keine Beamten oder ähnliches, sondern Leute vom Fach.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 2:39 #

Kann dem Artikel nicht wirklich zustimmen.

"Besondere Anreize werden für die Entwicklung innovativer, kulturell und pädagogisch wertvoller Spielkonzepte und -Inhalte gesetzt."

Unter dieser Prämisse habe ich kein Problem damit, wenn gewalthaltige Spiele keinen Preis erhalten. Der Preis wird zusammen mit der Bundesregierung ausgetragen und die können dafür sehr wohl auch ihre Vorgaben setzen. So gern ich U2 und DAO auch spiele, sie sind weder innovativ, noch kulturell oder pädagogisch wertvoll, sondern enthalten grafische Gewalt.

Das kann man doch nicht ernsthaft mit dem Oscar vergleichen, der von der Filmlobby ausgetragen wird. Ohnehin find ich es gut, wenn man nicht a la Amerika immer auf "voll geile Gewalt" setzt und damit Gameplayschwächen zu überdecken versucht, sondern diejenigen mit diesem Preis (und darum geht es!) fördert, die pädagogisch wertvolle Spiele entwickeln. Für die Selbstbeweihräuchung der Industrie gibts doch VGAs in den USA, die Gamestar-Verleihungen in Deutschland usw.

Aber die Nachnominierung von Dawn of Discovery ist in der Tat etwas unglücklich. Da hätten sich sicher auch andere, gute Spiele geeignet. Irgendein Nintendo-Titel oder so. ;)

Carsten 18 Doppel-Voter - Abo - 11976 EXP - 30. April 2010 - 2:52 #

Da hast du natürlich nicht unrecht, dann soll sich die Veranstaltung aber bitte "Deutscher Förderpreis für Computerspiele" nennen. Der jetztige Name impliziert nämlich eine Verleihung anhand anderer Gesichtspunkte wie etwa Qualität -- eben eine Prämierung und keine Förderung.

muemmel 08 Versteher - 187 EXP - 30. April 2010 - 4:25 #

"Grafische Gewalt" aber grundsaetzlich aussen vor zu lassen kann ja auch nicht der richtige Weg sein. Innovativ sind die wenigsten Spiele, da wuerde es verdammt schwer fallen in einem Jahr eins der gelungenen Exemplare zu finden. Kulturell wertvoll ist sicherlich Ansichtssache. Paedagogisch wertvoll...na ja, selbst in Dragon Age koennte man sagen, dass man lernt Entscheidungen zu faellen und Konsequenzen zu erfahren und zu tragen.

Damit das Zitat als Argument aufzufuehren, dann aber vergessen Giana Sisters zu listen machst du es dir aber auch einfach. Giana Sister ist wohl keines von den Dreien und einfach den Preis an etwas erfolgreiches und kinderfreundliches zu vergeben wirkt auf mich dann doch etwas doppelzuengig.

Versteh mich nicht falsch, ich bin auch nicht unbedingt dafuer, bei so einer Veranstaltung nur Blockbuster aufzufuehren, die von Firmen hergestellt und gepublisht werden, die keine Foerderung noetig haben.

Aber wenn Foerderung von gewaltfreien (+ Zitat) Spielen das Ziel ist, dann sollten sie den Preis auch so nennen und sich an ihre eigenen Vorgaben halten.

Man kann nicht einfach etwas neutral Computerspielpreis nennen und dann alles aussortieren was politisch unpopulaer ist. Das macht es zur schon benannten Farce oder gelungenen Persiflage wenn man die Dinge gerne zynisch sieht.

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 30. April 2010 - 9:29 #

Nur ist aus meiner Sicht genau diese Prämisse falsch, das habe ich im hinteren Teil meiner Kolumne versucht darzulegen.

Wir reden hier schließlich nicht von irgendeinem Preis, es ist der größte für Spiele in Deutschland, es ist der, auf den sich Industrie und Politik geeinigt haben, und für den sie die doch sehr ansehnliche Summe von einer halben Million Euro bereitstellen.

Bitte stell dir einen Filmpreis vor, bei dem aus Voreingenommenheit und aus politischem Dünkel heraus ein Großteil der internationalen Topfilme nicht prämiert werden dürfen, obwohl es eine Kategorie internationaler Film gibt.

Ich glaube außerdem nicht, dass man ein Medium dadurch fördert, dass man es mit dem erhobenen Zeigefinger und derartiger Voreingenommenheit erziehen möchte. Erwachsenenspiele sind keine Pornographie, für die sich ein Deutscher Computerspielpreis schämen müsste. Ich hoffe sehr, dass ich es noch erleben werde, dass diese ungeheure Arroganz, wir Deutschen schützten unsere Jugend besser als alle anderen Länder, aufhört.

Dass Computerspiele immer stärker akzeptiert werden, davon gehe ich hingegen aus. Das hat schlicht mit dem Alter und dem Wissen der Entscheidungsträger und Entscheidungsvorbereiter zu tun: Wer heute eine politische Karriere beginnt, wird, wenn er in 10 oder 20 Jahren zu denen gehört, die etwas zu sagen haben, ganz anders über Spiele urteilen als diejenigen, die sich auch heute noch ihre E-Mails ausdrucken und vorlegen lassen. Und die selbst gar keine Spiele spielen, auch wenn sie über Spiele urteilen.

faldnd 11 Forenversteher - 714 EXP - 30. April 2010 - 10:08 #

Ich stimme Jörgs letztem Absatz voll zu. Kann man sagen was man will. Videospiele sind noch lange nicht voll in der Gesellschaft angekommen. Es wird noch min. 15 Jahre dauern bis unsere Gesellschaft unbefangen mit dem Thema Videospielkultur umgehen wird.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 14:01 #

Nur weil es der Deutsche Computerspielpreis ist, muss er nicht den x Awardshows aus den USA nacheifern. Im übrigen orientiert er sich an dem Deutschen Filmpreis, der nicht mal eine Kategorie "internationaler Film" hat. Vielleicht sollte man die beim Computerspielpreis auch außen vor lassen.

Es hat doch letztlich wenig mit Arroganz, dem erhobenen Zeigefinger oder dergleichen zu tun. Wir sollten uns freuen, dass der Bund a) deutsche Spiele fördert, b) neue und unbekannte Spiele in den Fokus holt (die zudem i.d.R. sehr gute und wertvolle Spiele sind!) und c) damit auch Eltern einen Tipp bei der Auswahl der Spiele für ihre Kinder gibt. Ich bin froh, so einen Gegenpol zu den sonstigen Awardshows mit der Vorgabe "größere Explosionen, mehr Gewalt, fette Effekte" zu haben.

Es steht dem BIU, GAME und wem sonst noch völlig frei, den "Deutschen Video- und Computerspielpreis", die "Game Oscars" oder was auch immer mit einem Preisgeld auszuloben. Dann dürfen gerne auch Erwachsenenspiele gewinnen.

Was ich unmöglich finde, ist, die Arbeit der Jugendschutzorganisationen hier indirekt diskreditieren zu wollen. Wir haben international einen sehr guten Jugendschutz, der natürlich nicht perfekt und natürlich nicht vollendet ist. Das fängt bei den noch immer gültigen Indizierungen für Jahre alte Spiele an (die unter heutigen Gesichtspunkten wahrscheinlich ab 12 gewertert werden würden) und hört bei der fehlenden Medienkompetenz der Eltern auf. Aber das wird sich - wie du richtig sagst - in den kommenden Jahren entsprechend einpendeln und verbessern.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 14:53 #

"Unter dieser Prämisse habe ich kein Problem damit, wenn gewalthaltige Spiele keinen Preis erhalten."
Also gewalthaltig ist auch Anno 1404 in der 2. Hälfte der Kampagne.

"neue und unbekannte Spiele in den Fokus holt"
Wo waren denn da die unbekannten Spiele?

"damit auch Eltern einen Tipp bei der Auswahl der Spiele für ihre Kinder gibt"
Ja, eine einmal im Jahr stattfindende Verleihung mit (naturgemäss) wenigen Nominierten und Siegern eignet sich hervorragend als Entscheidungshilfe. Schon klar.

"Wir haben international einen sehr guten Jugendschutz, der natürlich nicht perfekt und natürlich nicht vollendet ist."
Wir haben einen sehr weit gefassten und äusserst reglementierten Jugendschutz. Ob ihn das auch sehr gut macht, sei mal dahingestellt.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 15:27 #

Nicht von sich auf andere schließen. Wir sind Gamer, wir kennen uns aus. Normalerweise gehen die gegen Uncharted 2, Batman: AA usw. in der öffentlichen Wahrnehmung aber gnadenlos unter, umso mehr freue ich mich z.B. über den Sieg von The Whispered World. Ausgezeichnetes Spiel.

Und wenn Mutti die Bild-Zeitung aufschlägt, kann so eine Auszeichnung schon auch einen Einfluss haben. Zusätzlich wird ja tlw. nochmal Werbung mit dem Hinweis auf den Preis geschaltet.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 15:56 #

Ja und dieses eine Spiel wird dann für ein Jahr bei welcher Anzahl von Kaufentscheidungen helfen?
Dieses ganze "Wir helfen bei der Kaufentscheidung" ist doch nur PR-Gewäsch.
Entweder man interessiert sich für das Thema und erkundigt sich oder man kauft dem Kind eh was es haben will.
Wenn eine Preisverleihung auf jährlicher Basis substanziell etwas daran verändern möchte, leidet sie (besonders im Hinblick auf ihre sonstigen Entsdcheidungen) an Selbstüberschätzung.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 18:47 #

Es ist natürlich einfach, sich an einem Teilargument aufzuhängen. Try again. ;)

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 19:27 #

Sprach der Verfasser des Einzeilers.

Ferner ist er doch selbst nur auf Teilargumente eingegangen.
Und selbst die scheinen ja wohl ausgegangen zu sein, was? ;)

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 30. April 2010 - 21:09 #

Könnt ihr euch das nächste Mal vielleicht Anonymous1 und Anonymous2 nennen (oder sogar ANMELDEN...) -- etwas schwer, eurer Diskussion zu folgen :-)

Larnak 19 Megatalent - Abo - 14852 EXP - 30. April 2010 - 16:13 #

Ich finde Dragon Age: Origins ist sehr wohl ein kulturell wertvolles Spiel, ebenso wie GTA IV eines ist.

Gewalt ist Teil unserer Welt, warum sollte man bei solchen Preisen ausblenden, dass es sie gibt?
Dieser Versuch, unerwünschte Dinge einfach totschweigen zu wollen, ist in letzter Zeit wieder beunruhigend modern.

Jamison Wolf 16 Übertalent - Abo - 5554 EXP - 30. April 2010 - 6:50 #

Wenn man mit Freunden im Ausland über die Situation in Deutschland spricht, fallen die immer aus allen Wolken. Einmal mehr eine Preisveranstaltung in Deutschland mit einem Medium, das andere Medien beruhigen soll, "Schau her, es ist nicht alles böse was Spiele darstellen!". Mit dem Jugendschutz und Medienwächtern heute, wären die Gebrüder Grimm ja so was von im Eimer.

Bernd Wener 19 Megatalent - 13244 EXP - 30. April 2010 - 7:13 #

Danke Jörg, schöner Beitrag. Das mit Anno war mir bis gerade eben noch nicht mal bewusst, was für ein Bullsh**. Ich bin gespannt, wie viele Jahre das in Deutschland noch braucht. Ich versuche mich schon gar nicht mehr drüber aufzuregen, einfach abwarten und Tee trinken, Autos, die Eisenbahn, TV, Rockmusik, etc. waren auch alles mal Teufelszeug.

Easy_Frag 12 Trollwächter - 1162 EXP - 30. April 2010 - 7:36 #

Achja Jörg ich musste fast weinen beim Lesen :) das is wiedermal typisch deutsch..."Böse Killerspiel Gewalt" aber 20:15 am offenen Gehirn eines Toten rumoperiern und 3 polizisten grausam töten (Serie: Fringe z.b.) das is doch scheinheilig ohne ende!

Markus 11 Forenversteher - 767 EXP - 30. April 2010 - 7:59 #

Volle Zustimmung, Jörg! Zum Glück wird hier in Österreich noch etwas entspannter mit den bösen Spielen umgegangen...

Der Eastwood-Film heißt im Original übrigens Unforgiven, nicht Betrayed.

Administrator Chefredakteur - 2870 EXP - 30. April 2010 - 8:20 #

Du hast natürlich Recht -- die späte Stund :-(

bender79 13 Koop-Gamer - 1277 EXP - 30. April 2010 - 7:59 #

Ich befürchte so wahr diese Kolumne auch ist, es wird da draussen von diesen Nicht-Spielern keinen interessieren.
...und ändern wird sich so schnell in diesen Betonköpfen leider auch nichts...

Ausserdem finden ja in der realen Politik mittlerweile fast perfidere Sachen statt, als man in Computerpsielen nachspielen kann ;-)

greets

Blacksun84 15 Kenner - Abo - 3522 EXP - 30. April 2010 - 8:02 #

Neben der ganzen Farce stört mich der Punkt, dass ahnungslose Politker festlegen, was erwünscht ist bei Spielen und was nicht. Seit wann legen Vertreter des Staates bei uns wieder fest, was erwünschte Kunst ist und was nicht? Das sind keine Schritte ins 21. Jahrhundert, das sind Schritte 70 Jahre zurück. Schon traurig, dass es deutsche Preisverleihungen anscheinend nötig haben, unerwünschte Dinge auszusortieren und nach Gutdünken eigene zu nominieren.
Aber typisch deutsch: Junge Leute dürfen in einem "bewaffneten Konflikt" am Arsch der Welt verrecken für Demokratie und Freiheit - auf gut Deutsch für Industrie und Politikeransehen im Ausland -, im Gegenzug ist aber annehmbare Gewalt in Computerspielen für Erwachsene ein Tabuthema.

Ein Land, dass junge Männer und Frauen in einem völkerrechtlich fragwürdigen Krieg verheizen kann, sollte auch in der Lage sein, mediale Gewalt im Kontext zur jeweiligen Story zu sehen.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 8:05 #

Ich stimme jenen hier im Forum zu, die den Preis in dieser Form akzeptieren; ich habe nicht den Eindruck, dass die Veranstalter
deshalb andere Spiele schlecht machen; gewisse andere Spiele
werden bzw. wurden aufgrund der Auswahlkriterien eben nicht
nominiert, na und, davon geht die Welt nicht unter!

Allerdings gehört Toleranz hier auf dieser Seite eh nicht zum guten Ton; m. E. hätte es gereicht, die Veranstaltung im Rahmen der Kriterien zu betrachten und dann zu dem Schluss zu kommen, dass die Preiträger es eben verdient haben oder nicht! Ein Anno ist eben ein anderes Kaliber als ein Shooter, den die Welt nicht braucht, auch wenn es nach Studien angeblich erwiesen ist, dass ein Shooter mehr nutzt als Dr. Kawashima ... lol!

Also, Zitat: "Hat wirklich jemand ernsthaft etwas anderes erwartet?", Mox hat völlig recht!

Administrator Chefredakteur - 2870 EXP - 30. April 2010 - 8:26 #

Du findest Shooter persönlich offenbar nicht toll und freust dich, dass sie vom Preis ausgeschlossen sind. Ein Preis sollte aber nicht deine persönliche Neigung bedienen, sondern einen Überblick über das jeweilige Medium bieten. Bei Dragon Age (übrigens nicht mal ein Shooter) handelt es sich doch nicht um irgendein "Gewaltspiel"!

Das Ganze bleibt eine bewusste Verengung des Feldes "Computerspiel", die eine Vielzahl toller, international erfolgreicher Titel von vornherein ausschließt.

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 10:07 #

Es geht bei meinem Kommentar um etwas anderes; Du hast das offenbar nicht verstanden; deshalb möchte es Dir gerne erklären!

Der Preis und seine Kriterien lassen gewisse Programme nicht zu, z. B. wegen der Darstellung von Gewalt, weshalb der Kreis der möglichen Preisträger eben eingeschränkt ist. Charles Bukowski kann danach auch nicht den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen. Ist der Friedenspreis des deutschen Buchhandels deshalb Kinderkram? Bestimmt ist er dies nicht!

Ansonsten, ob ich Shooter mag oder nicht tut nichts zur Sache; ungeachtet dessen schätze ich die Programmierleistung von Anno 1404 deutlich höher ein, als die Programmierleistung von ... (ich nenne hier bewusst keinen Titel eines Shooters, weil sich sonst wieder jemand angegriffen fühlt! Schlussendlich freue ich mich nicht, dass Shooter vom Preis ausgeschlossen sind, warum sollte ich das?

Green Yoshi 18 Doppel-Voter - 12369 EXP - 1. Mai 2010 - 12:15 #

Aber es handelt sich hier nicht um den Friedenspreis der deutschen Spieleszene, sondern um das beste internationale Computerspiel.
Dann sollen sie es Friedenspreis nennen, wenn sie Spiele wie Dragon Age und Heavy Rain im Vornherein ausschließen wollen.

Rondidon 14 Komm-Experte - 2613 EXP - 2. Mai 2010 - 7:04 #

...und zwischen "Programmierleistung" und dem Spielinhalt, auch wenn ich weiß was du meinst, besteht dann doch noch mal ein Unterschied. Ansonsten stimme ich eher Green Yoshi als dir zu. Es sollte zwar eine Grenze geben (siehe die GTA Diskussion weiter oben), allerdings empfinde ich eine Generalisierung des Action- und Rollenspielgenres als "Killerspiele" und eine Fixierung auf "Friedenspreis" für völlig fehl am Platz.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 17:08 #

"Allerdings gehört Toleranz hier auf dieser Seite eh nicht zum guten Ton..."
"Ein Anno ist eben ein anderes Kaliber als ein Shooter, den die Welt nicht braucht..."
qed, oder wie?

Patrick 15 Kenner - 3955 EXP - 30. April 2010 - 8:12 #

Die intention Gewaltübersättigte Spiele nicht zu nominieren ist ja an sich okay. Ich will auch nicht, dass ein Hostel einen Oscar erhält. Die Maßstäbe, die hier aber angesetzt werden, die sind zu niedrig und schließen viele gute Spiele aus. Traurig und zeigt, dass wir noch mehr tun müssen. Sonst wird es nächstes Jahr Siedler zweimal.

Blacksun84 15 Kenner - Abo - 3522 EXP - 30. April 2010 - 8:28 #

Es geht ja nicht um reine Gewaltspiele, aber um den Oscar-Vergleich von Jörg heranzuziehen: Diese Jury hat bei Hochkarätern wie Herr der Ringe, James Bond & Co. anscheinend Probleme, eben jene auch als Gesamtwerk zu betrachten. Da wurde dann doch künstlich irgendeine bessere Komödie herangezogen, damit man nicht am Ende einen Preis streichen muss. Mal schauen, wie es nächstes Jahr aussehen wird. Wahrscheinlich wird ein sehr gutes Spiel wie Heavy Rain - im Fernsehen wäre das ein Topthriller - nicht nominiert, weil es nicht kindgerecht ist. Typisch deutsche Halbherzigkeit halt. Man will gerne kulturell irgendwie mitspielen, bleibt aber durch veraltete Denkweisen auf halber Strecke liegen.

Dann doch lieber eine Preis wie den GameStar-Award. Der wird von Leuten mit Ahnung gewählt und von Leuten mit Ahnung präsentiert - mehr oder minder, siehe Gothic 3-Debakel.

Larnak 19 Megatalent - Abo - 14852 EXP - 30. April 2010 - 16:17 #

Um mal die Parallele zu spielen zu ziehen: "Postal" würde niemals - ich wiederhole: Niemals! - einen Preis gewinnen, weil das Spiel einfach qualitativ lange nicht an große Titel heran reicht. Auch "kulturell wertvoll" ist es im Gegensatz zu anderen großartigen Spielen nicht.

Gewaltübersättigte Medien schließen sich also schon von selbst aus, da braucht es gar keine künstliche Sperre.

floxyz 16 Übertalent - Abo - 4553 EXP - 30. April 2010 - 8:13 #

Sehr traurug das ganze weil da scheinbar Leute sitzen die sich nur die Videos zu spielen anschauen und die Verkaufszahlen aber nie selbst etwas spielen würden.
Ich muss Jörg voll und ganz zustimmen so ein Preis zieht alles ins Lächerliche, besonders die Aktion mit Anno 1404 (so genial das Spiel auch ist).
Vielleicht gibt es irgendwann mal einen guten Preis für Videospiel weil dieser Preis ist ja sowas von verfälscht.

SirDalamar 14 Komm-Experte - 1945 EXP - 30. April 2010 - 8:18 #

Toller Beitrag, da kann man nur zustimmen. Bis sich das Thema geklärt hat wird noch einige Zeit verstreichen...

B4ck7p 14 Komm-Experte - 2411 EXP - 30. April 2010 - 8:19 #

Ich wünsche allen beteiligten dieser Veranstaltung, und die für deren Ausgang verantwortlich sind, einen dicken, fetten Kater nach der Afterparty gestern.
Die dürften sich drei Wochen nicht von Ihm erholen, als Strafe.

Ich will gar nicht drüber nachdenken was sich da abgespielt hat, schämen sollten die sich, aller miteinander!!!

molosovsky (unregistriert) 30. April 2010 - 8:21 #

Guter Artikel. Bringt den Schwachsinn des Preises auf den Punkt.
Korrktur: "Erbarungslos" von Eastwood heißt im Original "Unforgiven".

Administrator Chefredakteur - 2870 EXP - 30. April 2010 - 8:23 #

Ist schon korrigiert, danke.

Roherfisch 11 Forenversteher - 709 EXP - 30. April 2010 - 8:52 #

Na gut dann spiele ich halt nur schlechte Spiele...ist doch mein Leben!

Morlock 13 Koop-Gamer - 1456 EXP - 30. April 2010 - 9:00 #

Jetzt mal ehrlich: Wundert sich irgendjemand wirklich darüber, wie die Verleihung vonstatten gegangen ist? Immerhin wird sie auch staatlich unterstützt, und in Deutschland herrscht nunmal ein raues Klima, was den Ruf von Computerspielen angeht. Selbst ein zu Hause GTA4-zockender Politiker bräuchte sehr dicke Cojones, um auch nur zu dulden, dass unter seiner Verantwortung ein "Killerspiel" irgendeinen Preis gewinnt und die Entwickler/Publisher eventuell sogar mit staatlichen Mitteln gefördert werden. Morgen stünde es in der Bild, Die Frontal-21-Redaktion wäre im Vollrausch, und die Beteiligten riskierten ihren Posten.

Diese Entscheidungen sind also das Ergebnis unseres gesellschaftlichen Zustands, und solange dieser sich nicht ändert, wird auch kein Mass Effect 2 oder sonstwas einen Preis gewinnen. Ich denke, erst mit der nächsten Generation ändert sich dieser Zustand, sprich, wenn die jetzigen politiker und Chefredakteure durch Leute ersetzt werden, die wesentlich mehr Kontakt zu Spielen und Spielern hatten.

marshel87 16 Übertalent - 4782 EXP - 30. April 2010 - 9:04 #

"Ich finde: Jury-Mitglieder, die so offensichtlich das Medium verachten, über das sie abstimmen, sollten ihren Platz räumen. Und damit solchen Jury-Mitgliedern Platz machen, die das Medium mögen und es vor allem verstehen"

Sowas von wahr! Die ganze Veranstaltung ist nur noch ein großer Witz.. ich hoffe die großen Spielemacher springen alle ab und der Preis verschwindet aus den Köpfen und Medien, das wäre für alle das Beste!
Weil die Jury werden die nicht komplett austauschen, da könnten sie schon fast einen neuen Preis erfinden..

Syuss 12 Trollwächter - Abo - 1113 EXP - 30. April 2010 - 9:19 #

Sehr guter Artikel, der auch meine Meinung über diese Farce wiederspiegelt.

Nano 07 Dual-Talent - 107 EXP - 30. April 2010 - 9:41 #

Stellt sich die Frage, ob die Sponsoren nächstes Jahr noch dabei sind. Diese Farce macht doch keiner ernsthaft mit, oder ?
Nichtsdetotrotz hat dieser"Preis" unterhaltungswert bzw. ich kann über sowas lachen.

Ich hoffe mal, Jörg baut seinen Bericht im nächsten Podcast ein.

Reverend 12 Trollwächter - 1049 EXP - 30. April 2010 - 9:39 #

Nach längerer Zeit stillen Mitlesens wurde ich durch diesen Beitrag genötigt, mich anzumelden, um posten zu können.
Über die Tatsache der offensichtlichen Zensierung bei Preisverleihungen in unserem "BILD-Zeitungs-lesenden Land" wurde ja sowieso schon genug gesprochen.
Aber ist einem aufgefallen mit welcher Chuzpe die Jury auf Ihrem Internetauftritt vorgeht ?

http://www.deutschercomputerspielpreis.de/3.0.html

Da wird doch glatt in die Begründung für das beste internationale Spiel ( Anno - haha ) der Textbaustein vom besten deutschen reinkopiert. Verlegenheit ? Faulheit ?
Oder schlichtweg pure Ignoranz ? Und wer sich den Link mal genau anschaut, wird merken das die diesjährige Verleihung anscheinend intern die Version 3.0 trug.
Das hat für mich schon so viel von steifen "Politikern auf der Loveparade - BILD berichtet", dass es schon leicht schmerzt.

In diesem Sinne,

wir alle warten auf die ZZStfCS - Zentrale Zensurstelle für ComputerSpiele.

PS: Jörg, hast du einmal in deiner Karriere einen Test von Missionforce Cyberstorm gemacht oder täusch ich mich Da ? Ist lange her ...

Makariel 17 Shapeshifter - Abo - 7785 EXP - 30. April 2010 - 14:27 #

Nur als Anmerkung: das 3.0 in der URL hat nix damit zu tun, wie der Preis intern genannt wurde. Das ist lediglich die Nummer des Artikels, das Anmeldeformular hat z.b. die Nummer 15.0, die Startseite 9.0.

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 30. April 2010 - 21:11 #

Zum PS: Ja, das war so ein Mech-Strategiespiel mit Hexfeldern und Zoom, soviel ich weiß. Von Sierra? Dynamix? Die Erinnerung ist düster.

John of Gaunt Community-Moderator - Abo - 34268 EXP - 30. April 2010 - 10:04 #

Klasse Kolumne, die ich so in allen Punkten nur unterschreiben kann. Ich denke, die Glaubwürdigkeit dieser Veranstaltung wurde durch die Prämierung von Anno 1404 (so gut das Spiel auch ist) als bestes intern. Spiel absolut in den Dreck gezogen. Mal sehen, was nächstes Jahr so auf uns zukommt, mir schwant bereits jetzt fürchterliches.

sphire 05 Spieler - 40 EXP - 30. April 2010 - 10:24 #

Nun, letztlich war das doch eigentlich abzusehen, oder? Schließlich sind Computerspiele hierzulande ein relativ brisantes Thema (ob das so sein sollte, ist eine ganz andere Frage), über dessen Bedeutung und Wert noch längst kein Konsens herrscht. Sobald man also entweder in Jury oder Finanzierung politische Beteiligung hat, wird der Preis selbst zum Politikum. Dass bei einem derart umkämpften Thema dann keine unabhängige Entscheidung mehr möglich ist, ist die einzig logische Folge. Und dann kommt so ein Unfug raus.

Die einzigen sinnvollen Optionen wären wohl, den Preis entweder rein privat zu finanzieren und zu organisieren (was nachträglich nicht möglich sein wird) oder ihn ganz aufzugeben – und ggf. einen neuen einzuführen. Wahrscheinlicher ist aber m.E., dass sich niemand die Blöße geben will, einseitig auszusteigen. In dem Fall können wir nur auf eine Veränderung der gesellschaftlichen Grundeinstellung warten. Das wird mit Sicherheit passieren – dauert aber offenbar noch ein bisschen.

Avrii (unregistriert) 30. April 2010 - 10:28 #

Welche von den Veranstaltungen dieser Art ist denn wirklich transparent und neutral?

Spielstern (unregistriert) 30. April 2010 - 10:49 #

Oscar 2011:
Bester Film: Teletubbies' Big Adventure
Bestes Drama: Teletubbies' Big Adventure (in der ungeschnitten Fassung, freigegegeben erst ab 6 Jahren)
Bester ausländischer Film: La grande aventure des Télétubbies (Frankreich)

MUHAHAHAHA

Mal ernsthaft, schämt sich die Jury nicht, da ausgerechnet Anno 1404 (bzw. The Dawn of Discovery) als Ersatzkandidat hinzupfeiffern? Da wäre es doch ehrlicher und auch weniger peinlich zu sagen, dass sie dieses Mal auf diese Kategorie mangels Bewerber und Kriterienklarheit verzichten würden (wäre auch gepfeiffert, aber weniger peinlich gewesen).

Danke Jörg für diese gute Kolumne, aber in meinen Augen reicht das noch nicht. Diese Art von Information (dass sehr viele gute Spiele absichtlich ignoriert werden und durch den Preis versucht wird, die "reinen" Spiele zu fördern), muss größere Verbreitung finden. Im besten Fall würde ich mir wünschen, dass der Spiele Online in seinem Netzwelt-Ticker darüber berichtet oder www.welt.de. Die Lächerlichkeit dieses Preises muss publik gemacht werden - dann könnte sich auch was ändern.

Larnak 19 Megatalent - Abo - 14852 EXP - 30. April 2010 - 16:20 #

Die Jury wollte dieses mal tatsächlich auf die Kategorie verzichten, allerdings wollten die Sponsoren aus der Industrie das nicht mitmachen und haben gefordert, dass dieser Preis vergeben wird.

Da hat man sich dann diesen Blödsinn ausgedacht.

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 10:51 #

abgesehen davon, dass die entscheidung höchst lächerlich und nicht nachvollziehbar war, muss man natürlich sagen: wer die preisverleihung organisiert, bestimmt die rahmenbedingungen. beim oscar wird auch niemals ein deutscher film den besten hauptdarsteller gewinnen, wenn er nicht von einem hollywood-studio produziert wurde.

auf der anderen seite muss die spielelandschaft diesen preis auch nicht ernst nehmen. sollen sich die interessenverbände der spieleindustrie eben aus der preisverleihung zurückziehen, wenn sie auf die fragwürdigen kriterien keinen einfluss haben. soll der staat und jugendschutz selber zusehen, woher sie dann die prämien bekommen.

Crizzo Community-Moderator - Abo - 9779 EXP - 30. April 2010 - 10:51 #

Wieso macht die Wirtschaft nicht zusammen mit der Fachpresse einen eigenen Preis.
Wenn die 250.000€ für diesen Unsinn locker machen können, muss das doch auch bei einem anderen Preis möglich sein.

Wenn man da dann eine ordentlich Jury + Siegesbedingungen bildet, könnte man sehr schnell einen wertvollen Preis schaffen. :) Auch wenn der Weg zu einem Spiele-Oscar wohl noch Jahrzehnte dauern wird.

Ospel 08 Versteher - 169 EXP - 30. April 2010 - 10:53 #

Also als ernsthafter, fachlich versierter, normaler Juror, und davon gibs ja offensichtlich ein paar, würde ich mir ziemlich ver....albert vorkommen.

Die dürfen ja nur zwischen "Bibu Bär hat Geburtstag" und "Ferien auf dem Ponyhof" entscheiden.

Ich glaube meine Zeit wär mir für so eine Farce zu schade, die kann man doch sinnvoller mit Socken ordnen verbringen.

Nano 07 Dual-Talent - 107 EXP - 30. April 2010 - 11:05 #

Ein lesenswerter heute.de/ZDF-Bericht mit Jörg Langer-Zitaten ;) Schön, dass andere diese Farce auch kritisieren.
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/16/0,3672,8068144,00.html

Dennis Ziesecke 21 Motivator - 25876 EXP - 30. April 2010 - 12:01 #

Schade, dass die keine Quellenlinks eingefügt haben :) ..

Herzog Farald 05 Spieler - 58 EXP - 30. April 2010 - 11:06 #

Vor Allem sehe ich in dieser ganzen Sache die Gefahr der Verhärtung der bereits vorhandenen Fronten der Gesellschaft gegenüber Computerspielen. Nicht nur, dass dieser Preis wie bereits erwähnt gezielt andere Genres diskriminiert und versucht, die Computerspielewelt nach Wunsch zu erziehen, es beeinflusst auch die Sicht der Öffentlichkeit auf das Thema.
Wenn dies ein offizieller, staatlicher Preis ist, und nur entsprechend gewaltfreie und einwandfrei "jugendgerechte" Spiele einen Preis erhalten, können weniger bewanderte Aussenstehende den Eindruck bekommen, dass nur eben diese Spiele überhaupt richtige bzw. gute Spiele sein können, und dass alle anderen Spiele eben falsch und unseriös sind.
Aber den Traum, dass die derzeitige ältere Generation, die solche Aktionen initiiert, sich doch irgendwann einmal selbst ernsthaft mit dem Medium Computerspiele beschäftigen und damit zwangsweise auch ihre Meinung dazu ändern wird, habe ich längst aufgegeben. Es ist schon so: Wir müssen eben warten, bis alle "ausgestorben" sind und von den Jüngeren ersetzt wurden.
Solange sollten wir versuchen, uns nicht unseren Spaß am Spielen von so etwas vermiesen zu lassen. Klar, so Etwas ist ärgerlich. Aber wohl derzeit nicht zu ändern.

Steamsuckz (unregistriert) 30. April 2010 - 11:24 #

"Jury-Mitglieder, die so offensichtlich das Medium verachten, über das sie abstimmen, sollten ihren Platz räumen. Und damit solchen Jury-Mitgliedern Platz machen, die das Medium mögen und es vor allem verstehen..."

Es gibt doch massenhaft gut bezahlte Posten, die von total inkompetenten Sesselfurzern besetzt sind. In der EU z.b. oder in der Politik u. auch in der Wirtschaft ist das, leider oft, so. Beziehungen u. Hochstapeln sind wichtiger als Befähigung. Warum sollte das hier anders sein ?

Steamsuckz (unregistriert) 30. April 2010 - 11:25 #

sollte in der EU bzw. nat. Politik heissen....

Warwick (unregistriert) 30. April 2010 - 11:24 #

aber sowas von /signed.

Hoschimensch 13 Koop-Gamer - 1786 EXP - 30. April 2010 - 13:13 #

Ein weiterer Grund warum uns die USA u. eigentlich alle anderen Länder zurecht wieder im Bereich Videospiele auslachen können. Das ist wohl der größte Mumpitz seit langen.

aideron 08 Versteher - 199 EXP - 30. April 2010 - 13:17 #

Sehr gut auf den Punkt gebracht. Wegen solchen Artikeln (und nicht wegen Spieletests) schau ich regelmäßig auf Eure Seite!

Woldeus 13 Koop-Gamer - 1245 EXP - 30. April 2010 - 13:26 #

hat sich die jury mal zu dieser ganzen farce geäußert?oder ein spieleindustrievertreter?der organisator?

Teut Game Designer - Abo - 414 EXP - 30. April 2010 - 13:28 #

Man bin ich froh das ich dieses Jahr nicht in der Jury saß.

MMKING 17 Shapeshifter - 6725 EXP - 30. April 2010 - 13:29 #

Ich sag nur Amen!

Jacob Klein 08 Versteher - 160 EXP - 30. April 2010 - 14:26 #

Jörg räumt auf!
Treffenst formuliert, kann mich da nur kommentarlos anschließen.

Makariel 17 Shapeshifter - Abo - 7785 EXP - 30. April 2010 - 14:30 #

Das kommt davon, wenn letzten Endes Leute über einen Computerspielpreis bestimmen, die Computerspiele als "Spielzeug" für Kinder ansehen.

General_Kolenga 14 Komm-Experte - 2565 EXP - 30. April 2010 - 14:39 #

100% Zustimmung!

bender79 13 Koop-Gamer - 1277 EXP - 30. April 2010 - 14:41 #

Spiegel hat das Thema jetzt auch aufgegriffen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/games/0,1518,692214,00.html

Basti51 14 Komm-Experte - 1984 EXP - 30. April 2010 - 16:19 #

Habe ich auch gerade dort gesehen. Der Stein scheint ins Rollen zukommen und diese Farce wird einem größeren Publikum erklärt, dass nicht nur aus Coregamern besteht.

Fyyff (unregistriert) 30. April 2010 - 15:10 #

"Wir haben international einen sehr guten Jugendschutz" stand in einem Kommentar. Eine gewagte These.
Ich würde eher sagen wir haben einen extrem paternalistischen Jugendschutz. Und das ist leider das Gegenteil von "sehr gut". Ineffektiv wäre eine wohlmeindende Beschreibung, komplett am Ziel vorbei die weniger nette.
Bevormundung - auch gerade von Erwachsenen - ist der denkbar schlechteste Weg für einen wirksamen Jugendschutz. Die eine Hälfte der Leute wird davon vergrault und sehr gegen jeglichen Jugenschutz eingenommen, die andere Hälfte stellt jegliches kritisches Denken über Medien ein, weil auf nen Sticker mit Altersangabe schauen ja viel einfacher ist als sich 5 Minuten mit der Materie zu beschäftigen.

Alles in allem wäre die Lösung simpel. Deutschland hört mit seiner arroganten "mir san besser als der Rest der Welt"-Attitüde auf und nutzt wie der Rest von Europa das PEGI-System und die freigewordenen Ressourcen werden verwandt um Medienkompetenz zu stärken (ruhig mit ner größeren Kampagne, Unterricht in der Schule, Plakaten, Werbung etc.)

Larnak 19 Megatalent - Abo - 14852 EXP - 30. April 2010 - 16:24 #

PEGI ist auch nicht mehr als eine Zahl, auf die man sich verlassen kann - und zudem noch eine, die nach einem schlichten Fragebogen ermittelt wird.
Dann lieber USK ;)
Und bevormundet wurde ich als Erwachsener vom Jugendschutz bisher noch nicht...

Jamison Wolf 16 Übertalent - Abo - 5554 EXP - 30. April 2010 - 16:46 #

Ach nein? Wie erklärst du dann, dass Spiele ab 18 immer noch geschnitten in Deutschland aufschlagen? Ich nenne das bevormundung.

Fyyff (unregistriert) 30. April 2010 - 17:49 #

Richtig PEGI ist auch nur eine Zahl. Eine die vermutlich billiger und weit weniger aufwändig ist, als die deutsche Lösung mit USK, BPjM etc.

Und du wurdest also noch nicht bevormundet ja? Das man von irgendwem erzählt bekommt ob und wie du ein Spiel konsumieren darfst, ist also keine Bevormundung?
Und nein, das ich alles ungeschnitten aus dem Ausland bekommen kann ist keine Lösung. In einem freien Land mit freien Bürgern (tm) sollte ich als Erwachsener selber bestimmen können was ich sehe, höre, lese und spiele.

Ich persönlich habe sogar relativ wenig Probleme wenn ein "ab 12"-Spiel entschärft wird, und gehe sogar mit wenn man das mit "ab 16"-Spiel machen will. Sobald das Medium "ab 18" gerated und nicht strafrechtlich relevant ist, hat sich gefälligst JEDE staatliche Stelle rauszuhalten.

Bei Büchern würde auch keiner akzeptieren das man ganze Seiten entfernt, Figuren streicht oder Passagen komplett neu schreibt nur um deutschen Empfindlichkeiten zu entsprechen. Oder das sich eine Behörde und ein extra von den Verlagen vorgeschaltetes Bewertungsgremium erstmal JEDES erscheinde Buch anschauen und obengenannte Änderungen auslösen können, damit das Buch in Deutschland überhaupt erscheinen darf. Da würde man zurecht von Zensur reden.
Bei Filmen und noch viel mehr bei Spielen scheint das aber absolut kein Problem zu sein. Da ist dieser inakzeptable Unsinn plötzlich Jugendschutz (der beste der Welt!).

Lustigerweise fällt aber keinen der Widerspruch auf. Kognitive Dissonanz nennt man das wohl.
Was ist also der große Unterschied zwischen Filmen/Spielen und Büchern? Weil man was sieht? Weil man Knöpfe drückt?
Warum kann sich ein 14jähriger wenn er will ohne Probleme "Axolotl Roadkill" (btw. furchtbarer Schund)kaufen und lesen, das ungleich harmlosere Counterstrike nicht? Wild rumhüpfende, reichlich unrealistische Pixelhaufen die ein etwas moderneres "Räuber und Gendarm" spielen sind doch wohl weniger jugendgefährdend als die schlecht geschriebenen und dazu noch gestohlenen Sex- und Gewaltfantasien einer 16jährigen? Oder etwa nicht?

PS: Und ja ich bin dafür das an den Kassen von Saturn, MM, etc. viel schärfer geschaut wird. Nur falls ein "aber ein 14jähriger bekommt bei MM GTA4!" als Antwort kommt. Ich seh jedenfalls nicht ein warum ich für die Versäumnisse von Handelsketten bestraft werde.

Zille 17 Shapeshifter - Abo - 8517 EXP - 30. April 2010 - 15:58 #

Das ist kein "Preis", sonder eher ein "Achievement". Und Achievements sind ja selten wirklich aussagekräftig.

Daeif 19 Megatalent - 13400 EXP - 30. April 2010 - 16:38 #

Skandal! Ich will mehr als zwei Kudos geben :D

Ich kann Jörg nur zustimmen. Eine Preisverleihung, bei der die Entscheidungsträger keine Ahnung vom Fach haben, ist einfach lächerlich. Aber es ist auch wenig überraschend, wenn man sich andere deutsche Preisverleihungen anguckt, z.B. der Bambi. Da bekommen dann Leute einen Preis, weil sie gerade in Deutschland sind (z.B. 2008 Meg Ryan; für welchen Film denn bitte?).

Tut mir leid, aber deutsche Preisverleihungen sind mir einfach zu muffig. Besonders dieser hier.

Gasti (unregistriert) 30. April 2010 - 17:52 #

Wenn ich an der stelle von EA und co. wäre würd ich die fördergelder einfach zurückziehen und die zusammenarbeit aufkündigen.
Aber nicht einfach so.. sondern mit nem offenen brief an die jury mitglieder mit dem inhalt was eh schon offensichtlich ist.

Wenn die politik einfluss auf etwas hat kann da ja nix bei rumkommen.

Politician 11 Forenversteher - 791 EXP - 30. April 2010 - 18:16 #

Ich persönlich finde schon dass es der Computerspielebranche gut tun würde etwas weniger auf gewalttätige Spielprinzipe zu setzen.
Es ist schon auffällig wie hoch der Shooteranteil bei Games ist. Und der Anteil gewalthaltiger Spiele steigt und fällt nicht. Früher gab es mehr Wisims, Jump&runs und auch Adventures.
Heute haben es Spiele sehr schwer wenn sie keine Schwerter oder Pistolen enthalten. Mir persönlich gefällt das nicht, aber ich gucke auch wenig Actionfilme indenen hirnlos geballert wird.
Das Problem dass die Branche kaum kampflose Spiele anbietet zeigt diese Farce genause wie die Engstirnigkeit deutscher Politiker. Es ist schon ein Trauerspiel wenn die einfache Vorgabe keine Gewalt schon ausreicht um keinen würdigen Preisträger zu finden. Das ist eben die andere Seite der Medaille und muss auch benannt werden.
Warum noch niemand versucht hat die RPG Mechanik mal ohne kämpfe dafür aber mir komplexen Dialogen und geschicktem Skilleinsatz zu kombinieren will mir nicht einleuchten.
Die Fokosierung auf Gewalt macht leider ernsten Erzählstoff fast unmöglich. Selbst athmosphärische Spiele wie Max Payne machen sich allein mit der Menge ihrer Gegner lächerlich.
Und wenn man schon den Vergleich mit Hollywood/Filmindustrie zieht muss man eindeutig sagen, dass es dort sehr viel mehr zu sehen gibt Abseits der bleihaltign Actionblockbuster.
Ob das die Gameindustrie jemals indem Maße hinbekommt wage ich zu bezweifeln.
Und damit ich nicht falsch verstanden werde....ich spiele auch jede Menge gewalthaltige Spiele und habe Spass dabei und finde auch dass es diese Games weiterhin geben sollte aber etwas mehr Auswahl abseits der ausgetretenen Pfade wäre schon wünschenswert!

Anonymous (unregistriert) 30. April 2010 - 18:33 #

"Das Problem dass die Branche kaum kampflose Spiele anbietet zeigt diese Farce genause wie die Engstirnigkeit deutscher Politiker. Es ist schon ein Trauerspiel wenn die einfache Vorgabe keine Gewalt schon ausreicht um keinen würdigen Preisträger zu finden. Das ist eben die andere Seite der Medaille und muss auch benannt werden."

Gegen die Vorgabe "keine Gewalt" wurde auch mit Drakensang und Anno 1404 verstossen.
Und wenn man gesucht hätte, wären halt auch gewaltfreie Spiele durchaus zu finden gewesen.
Flower, um nur ein Beispiel zu nennen.

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 30. April 2010 - 21:48 #

Du schreibst da sicher Bedenkenswertes, aber fällt für dich auch ein Heavy Rain unter die "gewalttätigen" Spiele? Das finde ich nämlich just einen Titel, der sehr erwachsen ist, zwar keinesfalls friedlich oder actionbereinigt, aber eben keiner, wo man ständig nur am Ballern ist.

Die Medien und die Spiele, die wir Menschen nutzen, sind immer ein Spiegel des Zeitgeschehens. Als ich mit Spielen angefangen habe, ging es in gefühlt jedem zweiten irgendwie um Ost-West, Weltkrieg, Agenten, Raid over Moscow, und immer waren die Russen die Bösen. Heutzutage sind viele Spiele im Polizei/Spezialeinheiten-Bereich angesiedelt oder stellen Kriegssituationen nach. Woher kommt's?

Mal von den ganzen ja auch von dir genannten "friedlichen" Genres abgesehen: Action wird immer spannender sein als ein kontemplatives Legespiel, aber das ist im Film- und TV-Bereich kaum anders: Gehen die Leute eher in den Transformers-Blockbuster oder ins französische Autorenkino? Ja, der Bereich Komödie fällt bei Spielen weitgehend weg, und das Drama oder der Psychothriller sind unterentwickelt.

Ich bin andererseits überhaupt nicht deiner Meinung, dass ernster Erzählstoff nicht möglich wäre in Spielen. Ich denke vielmehr, dass viele Actionspiele wesentlich komplexere Geschichten erzählen und tiefgründiger sind als ihre Film-Äquivalente, also die Actionreißer. Denk an Bioshock und einige andere, auch das von dir "geschmähte" Max Payne gehört für mich ganz klar dazu. Nicht wenige Entwickler nutzen Action quasi als Vehikel, um ihre Geschichten zu erzählen. Vielleicht ist Action bei Computerspielen das, was Liebesbeziehungen/Flirts bei Filmen sind: Eine Art Grundbaustein, den ein Werk irgendwie enthalten muss, der aber nicht das Wesen des Werks ausmachen muss.

In Bälde kommt z.B. Alpha Protocol raus. Du kannst darin wild um dich schießen. Du kannst dich langsam vortasten. Es legt großen Wert auf Gespräche. Die NPCs merken sich, wie du dich ihnen gegenüber verhältst, und das hat Konsequenzen. Alpha Protocol wäre 100% genauso aus der Spielepreis-Wahl geflogen wie Uncharted 2, denn man kann es als Shooter spielen, und viele Spieler dürften das auch tun. Aber das heißt nicht, das Alpha Protocol ein tumbes Ballerspiel wäre, ganz im Gegenteil.

Computerspiele sind ein immer noch recht junges Medium. Mit jedem Heavy Rain, mit jedem Whispered World, mit jedem Alan Wake (wenn es ungefähr so wird, wie ich denke), mit jedem Alpha Protocol wird es etwas erwachsener werden. Aber durch die Interaktion wird es immer andere Schwerpunkte setzen als das rein passive Filmgenre: Der Mensch will beim Spielen ja auch was tun...

Politician 11 Forenversteher - 791 EXP - 30. April 2010 - 22:16 #

Heavy Rain habe ich leider aufgrund fehlender PS3 noch nicht gespielt. Aber Fahrenheit als indirekter Vorgänger hatte zu Beginn schon starke Ansätze ehe die Story ins lächerliche abgedriftet ist. Ein Max Payne hat mir übrigens Spass gemacht. Nur nimmt sich das Spiel viel von seinem Potential wenn man dem Spieler Gegnerhorden entgegenwirft und das ganze Szenario so ins absolut unrealistische zieht. Es ist sicher ein erhählerisch starker Titel aber letztendlich ist es wenn man es in einen Film überträgt nur eines B-Films würdig. Hätte man Kämpfe gezielter eingesetzt wäre das ganze Szenario einfach glaubwürdiger

Ich sehe einfach, dass Spiel es (momentan) nicht schaffen ernsthafte Geschichte spielbar zu machen. Sicher ist ein Kriegszenario leichter umsetzbar als ein Drama. Aber ein Blockbuster ist eben für mich kein Produkt welches wirkliche Preise verdient. Weder ernsthafte Filmpreise noch Buchpreise gehen regelmäßig an die Produkte die die Verkaufscharts dominieren. Gerade das ist aber in der Spieleindustrie noch der Fall.
Ich habe Unchartet nicht gespielt aber von dem was ich gesehen hat, war das wirklich außergewöhnliche an dem Spiel vorallem die grafische Brillianz.
Filme deren größte Stärke ihre Optik ist hohlen nur selten Preise.
Ein Dragon Age liefert eine 08/15 Fantasy Story und verwickelt den Spiele fast in jedem Gebiet in sehr langwierige Kämpfe.
Rollenspiele waren früher schonmal weiter was verschiedene auch gewaltlose Möglichkeiten anbelangt. Dass sich Menschen mit einem Spiel schwer tut, dass den Spieler nach jedem Kampf in Blut tränkt wenn man es nicht in den Optionen ausschaltet kann ich verstehen.

Kurz um fehlt es für mich im Spielesektor an alternativen Produkten die es im Film weitverbreitet gibt. Autorenkino mag die Kinos nicht auslasten und den Oscar auch eher selten hohlen aber es ist existent.
Ich hoffe, dass du mit dem Reifeprozess des jungen Mediums recht hast. Ich finde, dass das Medium Spiel schonmal weiter war als es jetzt ist. Ein Fallout oder ein Deus Ex waren für mich schon näher an anspruchsvollen Spielen und gerade alternative Szenarien wurden früher doch etwas regelmäßiges beackert. Momentan sehe ich den Markt zu sehr von großen Publishern dominiert, die ein Spiel nach dem andern nach selben Mustern raushohlen und an ihrer Käuferschicht gut verdienen.

Tornado 14 Komm-Experte - 2354 EXP - 30. April 2010 - 21:36 #

Tja ich kann mich nur Jörgs Meinung und den Oscar-Vergleichen anschließen, aber diese Kolumne werden leider nur die Leute lesen, die man nicht mehr überzeugen braucht. Die, welche sie lesen sollen, werden sie jedoch nie zur Kenntnis nehmen. Wenn so etwas mal in der FAZ oder Süddeutschen stehen würde, aber dazu wird es in den nächsten 10 Jahren nicht kommen...

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 30. April 2010 - 21:52 #

Täusch dich mal nicht: Im gestern erschienenen SZ-Magazin geht es unter anderem um Vorurteile gegen Computerspiele. Du würdest dich positiv wundern, wenn du den Text liest.

ADorante (unregistriert) 1. Mai 2010 - 0:39 #

Anmerkungen zu Hitchcock, Kubrick und die Oscars:

Diese beiden Regisseure hatten nie perönlich einen Regie-Oscar gewonnen, obwohl sie beide ein mehr als überdurchschnittliches Oeuvre ablieferten. Jeder machte nur einen Film, der mit nur einen Oscar ausgezeichnet wurde: "Rebecca" als bester Film, und "2001" für seine Special Effects. Bei "2001" wurden noch nicht einmal die Kostüme der Schauspieler der Affen prämiert (in der Szene, wo der Monolith bewirkt, daß ein Affe einen Knüppel als Waffe begreift und seine Familie damit mächtiger wird als die rivalisierende Gruppe). Die Juroren dachten, es handelte sich um dressierte Tiere und gaben den Kostüm-Oscar im selben Jahr an "Planet der Affen". Welch ein Hohn!

Man kann nur hoffen, daß das jetzige Desaster sich auswirkt wie bei Metallicas "...And Justice For All"-Album und der Grammy-Jury. Die Jury hatte in dem Jahr Metallica auch zugunsten eines eher behäbigen Jethro Tull-Albums in der Sparte "Bestes Rock-Album" übergangen, weil sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt hatten. Als Wiedergutmachung bekam Metallica in den nächsten Jahren den Grammy für jeden Scheiß.

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 1. Mai 2010 - 11:25 #

Das ist mir bekannt, darum ist im Text von den "Werken" der genannten Regisseure die Rede :-)

Und ich habe hoffentlich nicht den Eindruck erweckt, dass ich die Oscar-Verleihung für eine vorbildliche Veranstaltung halte, ganz im Gegenteil, das ist für mich persönlich jedes Jahr aufs Neue ein heftiges Kopfschütteln mit vereinzeltem "Recht so". Mir geht's darum, wie dämlich es ist, generell einen wichtigen Teil des Markts einfach auszuschließen, und ich behaupte, dass angesehene Regisseure mit ihren ja überwiegend nicht im Komödien- oder Familen-Sujet beheimateten Werken (in Spielform) beim Deutschen Computerspielpreis keine Chancen hätten.

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 11:53 #

Du hättest noch eine komplette Liste der Spiele anfügen können, die in den merkwürdigen Kategorien, die dort verwendet wurden, gewonnen haben. Von kaum einen der weiteren Titel hat man je vorher was gehört - bis auf Giana Sisters vielleicht, aber das ist ja dafür wieder aus anderen Gründen merkwürdig (Original-G.S. war nen Plagiat).

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 11:58 #

"Ich finde: Jury-Mitglieder, die so offensichtlich das Medium verachten, über das sie abstimmen, sollten ihren Platz räumen"
-
Und Intelligenzallergiker wie Petra Fröhlich und Heiko Klinge, die diesen Zirkus auch noch unterstützen, sollten ebenso ihren Platz räumen.
Wer solch eine Farce finanziell unterstützt, darf sich nicht beschweren wenn seine "schlechteren" Produkte in einem Atemzug mit Kinderpornogrpahie genannt werden. Aber dafür fehlt es den Publishern anscheinend an Weitsicht.

Tanatas 05 Spieler - 58 EXP - 1. Mai 2010 - 13:00 #

Super Artikel. Ein bisschen weniger hei-ti-tei tut der Presse echt gut,
Jörg ist und bleibt mein Favorit für das "unangenehme". ^^
Die Veranstaltung hatte ich eigentlich schon nach der ersten Verleihung als staatliche-propaganda-peinlichkeit zur Seite gelegt.
Es fehlen massenhaft Kategorien, massenhaft nominierte, und die paar sind noch falsch einsortiert, selbst wenn man die Kinder& Jugend von dem "Schmutz" verhalten will, ist doch jeder Elternteil im Stande eine "Bestes Erwachsenenspiel"-Kategorie zu verstehen und richtig zu deuten. Mit der Kategorie "Bester Entwickler" könnte man sogar die Spiele umgehen(wenn es den sein muss...) und auch internas würdigen, Personen, Studios, wovon viele sich krumm machen und niemand es zu würdigen weiß - von der Politik eher mit Tritten geadelt - Leistung soll sich ja lohnen, ne...
Anno 1404, ist wirklich sehr gut, wohl der bisher beste Anno Teil und The Whispered World ist einer der Titel, die künstlerisch einwandfrei - mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, als es bekommen hat.
Aber der ganze Aufbau, die ganze Verleihung ist ein Witz.Reinste Willkür, Verschoben, verfilzt und unterworfen von Wertkonservativen die versuchen ihre Meinung als die - einzig wahre Wahrheit - ins digitale Zeitalter zu drücken, von dem sie naturgemäß keinen blassen Schimmer haben.
Man sollte das nicht mal´s in "Deutscher Kinderkram-Preis" umbenennen(oder die ganzen anderen "netten" Ideen der Presse), sondern eher in "Staatlich abgenickter Medienpreis".
Da wird auch nichts kommen, die Industrie sollte sich zurück ziehen und einen eigenen Preis verleihen, soll der jetzige Preis doch in der medialen Bedeutungslosigkeit verschwinden, ausgestrahlt vom SWR aus irgendeiner bayrischen Scheune in Hintertupfingen mit den 18 Kinder von U. von d. Leyen als Juroren.
Wer würde ihn schon vermissen...

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 13:08 #

"Solche Spiele dürfen beim deutschen Computerspielpreis nicht prämiert werden? Das zeugt von einer gewaltigen Verachtung dem Medium Computerspiele gegenüber. Dieses Medium darf anscheinend nicht das zeigen, was das Medium Film zeigt, oder auch nur das Fernsehen. Es darf sich nicht an Erwachsene richten, es darf keine Kunst sein"
*
Es darf keine Kunst sein. Weil es entartete Kunst ist.
*
Und da sagt einer, der Nationalsozialismus wäre in Deutschland überwunden (O-Ton Politiker). Ist er aber nicht. Der Nationalsozialismus hat auch weiterhin seine Nischen in der BRD, wo ihm mit Staatssegen gefrönt werden darf.

John of Gaunt Community-Moderator - Abo - 34268 EXP - 1. Mai 2010 - 13:17 #

Bitte, was??? Was ist denn das für ein krummer Vergleich? Das hat mal überhaupt nichts mit Nationalsozialismus zu tun. Denk vielleicht das nächste mal etwas genauer nach, bevor du so einen Blödsinn von dir gibst. Eine genauere Recherche, was das wirklich bedeutet, würde dir sicherlich gut tun...

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 16:24 #

OK, man kann mit dem Vokabular auch zurückhaltender umgehen, wobei das schon schwer fällt, wenn der Kulturstaatsminister es bedauert, dass es nicht gelingen wird manche Kulturgüter “auszumerzen”.
Das deutsche Volk 2010 ist imo keinen Deut besser als das 1933.

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 16:32 #

Bernd Neumann (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien):
-
"Man wird nie solche negativen Nischen – und das müssen solche bleiben – völlig ausmerzen können. Und deswegen ist es wichtig, nicht nur über das Schlechte zu reden, sondern das Gute anzubieten. Und heute haben wir das getan"

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 16:37 #

Quelle für die Aussage:
youtube.com/watch?v=jDdqzPs7cs0

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 1. Mai 2010 - 18:10 #

Der Vergleich zum Nationalsozialismus und mit der schlimmen Denke, die hinter dem Begriff "entartete Kunst" steckte, ist absolut überzogen. Deutschland 2010 ist überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Deutschland von 1933.

Ein klitzekleines von sehr vielen Beispielen, wieso du so falsch liegst: Weder du noch ich müssen befürchten, für unsere Kritik am Computerspielepreis Nachteile im Beruf zu erleiden oder gar Leib und Leben in Gefahr zu bringen.

Das einzige, was ich in deinen Aussagen nachvollziehen kann, ist die Empörung über ein Zitat von wegen "ausmerzen". Dass du dich darüber ärgerst, ist absolut verständlich. Aber bitte schieße nicht gleich mit so großen und unpassenden Allegorie-Geschützen.

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 19:53 #

Ist doch nur Godwins Law, irgendwann musste der Vergleich einfach fallen.^^

Hoschimensch 13 Koop-Gamer - 1786 EXP - 1. Mai 2010 - 13:25 #

Nachdem ich jetzt noch mal ne Nacht drüber geschlafen hab ist es mir noch einmal mehr bewusst geworden was dort für ein absoluter Mist abgegangen ist. Entschuldigt meine Ausdrucksweise. Mir fehlen immer noch die Worte, das ist ja so ein Quatsch, dass ich garnicht weiß wo ich anfangen soll. Ich brauch ne Valium!

Johannes Mario Simmel 13 Koop-Gamer - 1529 EXP - 1. Mai 2010 - 18:20 #

Wird in Anno nicht auch geschossen?

...

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 19:51 #

Auch mal bitte an die eigene Nase fassen!
-
Ja, der Deutsche Computerspielpreis ist eine Farce. Das war er aber schon letztes Jahr und es war abzusehen, dass diese Veranstaltung auch 2010 nicht ehrlicher oder näher am deutschen Spieler und Entwickler sein würde. Aber sie sind ja trotzdem alle schön hingegangen, unsere Fachmagazin-Chefredakteure und Medienvertreter und Verbandsfuzzis und Publisher und Entwickler. Oh, und während und nach der Verleihung seh ich sie plötzlich alle aufploppen auf Facebook mit sarkastischen Sprüchlein, plötzlich durchzieht die deutsche Fach- und Publikumsmedienlandschaft, ja sogar die Springerpresse, ein Aufschrei der Empörung über so viel Verlogenheit und Heuchelei der Politik.
-
Nur, die Heuchler sitzen woanders. Oder zumindest auch woanders. Wer beteiligt sich denn an dem Deutschen Computerspielpreis neben der Politik, und steuert keinen unerheblichen Anteil des Preisgelds bei? Die Publisher- und Entwicklerverbände BIU und GAME sowie der Bundesverband digitale Wirtschaft. Wer sitzt denn in der Fachjury? Eine lange Liste geschätzter Kollegen, jede Menge Journalisten, die sich mit dem Thema seit Jahren und Jahrzehnten beschäftigen. Und diese geballte Macht der Spieleindustrie, der Branchenangehörigen und spielefreundlichen Medien und Wissenschaftler kann sich nicht gegen ein paar Betonköpfe aus der Politik durchsetzen? Falls die Antwort „Nein“ lautet, muss man rechtzeitig Konsequenzen ziehen und sich aus dem ganzen Prozess lange vor der von Herrn Wowereit geadelten Gala zurückziehen – nun, nach vollzogener Veranstaltung, liegt das Armutszeugnis eindeutig auf Seiten der Branche. Sich jetzt nach Verleihung dieses Preises zu empören und so zu tun, als wäre man nicht Teil dieses ganzen Schmierentheaters gewesen, ist - so leid mir das tut - erbärmlich.

Jamison Wolf 16 Übertalent - Abo - 5554 EXP - 1. Mai 2010 - 19:58 #

Der andere Artikel - wird hier auch in diesem Kommentaren erwähnt, mit Zitaten von Jörgs schreibe, ich hab leider den Namen vergessen - schrieb etwas von Hauptjury und Nebenjury, während in der Nebenjury also quasi die Spiele nahen Köpfe abhingen, war in der Hauptjury dann die Kultur & Politik Riege vertreten. Welche dann zB auch die Vorschläge Dragon Age: Origins, Unchartered 2 und das dritte Ding (sorry, mein Gedächtnis) verneinten und zudem Anno als Internationales Spiel aus dem Hut zauberten.

Rondrer (unregistriert) 2. Mai 2010 - 11:45 #

Ja und? Selbst wenn man nicht in der Hauptjury saß hätte man irgendwann die Notbremse ziehen können. Aber nein, es wurde weiter munter gute Miene zu bösem Spiel gemacht.

Jörg Langer Chefredakteur - 248494 EXP - 1. Mai 2010 - 23:37 #

Äh, sorry, ich bin definitiv nicht "Teil dieses ganzen Schmierentheaters gewesen". Also darf ich mich drüber aufregen.

Anonymous (unregistriert) 1. Mai 2010 - 23:47 #

War auch nicht an dich gerichtet, es wird sich ja quasi überall über den Preis echauffiert.

MTR 12 Trollwächter - 991 EXP - 1. Mai 2010 - 20:56 #

Wird der Kommentar eigentlich auch an die Jury verschickt? Wäre glaube ich keine schlechte Idee!

Anonymous (unregistriert) 2. Mai 2010 - 14:14 #

Tja, die harte Wahrheit ist eben, daß es kaum "Spiele für Erwachsene" gibt, hinter denen keine simplen Gewaltorgien oder Pornospiele stecken. Das muss sich die Branche halt auch mal vor Augen halten, anstatt immer nur das komplett unschuldige Opfer zu spielen.

Das wird mmN schon dadurch belegt, daß "Heavy Rain" so einen Riesenhype erfährt und die Branche total auf Charaktere und Story abfährt, die "bahnbrechend" und "erwachsen" wirken sollen. Wäre das ein Film, wäre es ein mittelmäßiger Serienkiller-Thriller mit Logiklücken und Plotholes, an den sich in ein paar Wochen nach Kinostart niemand mehr erinnert.

Um's mal klar zu stellen, ich bin kein Verteidiger der "Killerspiele!"-Schreier, ganz im Gegenteil. Ich spiel auch gern Ballerspiele, aber eine Teilschuld trägt die Branche selbst, wenn sie sich nicht ernstgenommen fühlt.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und behaupte, daß es sogar in die falsche Richtung geht. Schießbudenpornos wie Modern Warfare, so spassig sie sind, werden massenhaft produziert, ein wirklich gehaltvolles Produkt wie das erste Deus Ex wird wahrscheinlich nie wieder erscheinen.

monokit 13 Koop-Gamer - 1378 EXP - 3. Mai 2010 - 10:41 #

Wirklich gehaltvoll...Spiele sind Produkte, die sich am Massengeschmack orientieren.
Der Massengeschmack ist != wirklich gehaltvoll.
Von daher stimmt deine Aussage. Allerdings...an Deus Ex 3 wird doch derzeit gearbeitet...

monokit 13 Koop-Gamer - 1378 EXP - 3. Mai 2010 - 10:39 #

So, und alle, die sich hier so echauffieren, machen jetzt das, was ich bereits gemacht habe:

Einmal zur Website des Deutschen Computerspielpreises surfen, und den dortigen Email Kontakt heraussuchen und den Leuten direkt per Mail oder Brief einmal die Meinung sagen.
Höflich, direkt aber fair.

Gruß und Kuß, m.

BFBeast666 14 Komm-Experte - 1864 EXP - 4. Mai 2010 - 2:33 #

Sag mal Bescheid, ob du eine Antwort bekommen hast. Solche Vereine sind nämlich äußerst kritikresistent, was die nicht hören wollen, existiert nicht. Ich hab dem gesamten "Kölner Aufruf" neulich auch mal einen stilvoll formulierten, langen Text zugemailt, der sie auf die sachlichen Fehler ihrer Argumentation hinweist, aber bis heute keine Rückantwort bekommen.

Anonymous (unregistriert) 4. Mai 2010 - 1:53 #

Es ist gut, dass man solche seltsamen Killerspiele nicht auchnoch fördert.
Die Situation der Preisverleihung zeigt eben nur, wie sehr man gewaltarme, aufwändig produzierte Titel mit der Lupe suchen muss. Der Branche und den Konsumenten wird damit der Spiegel vorgehalten.
Und es ist doch vollkommen egal, was irgendwelche unwichtigen, ersetzbaren, sogenannten Fachjournalisten auf ihren Seiten zum Preis wettern. Die wollen doch auch alle nur ins Rampenlicht irgendwelcher Jurys und zicken herum, wenn sie aussen vor bleiben.
Und dann schreibt man eben schnell eine anbiedernde Kolumne auf der eigenen Plattform, in der man sich zum Volkstribun und Gamerversteher aufschwingt, um sich von der Herde der angemeldeten Leser als der grosse Brancheninsider feiern zu lassen.
Bitte seht es einmal ein: Ihr seid keine Szene, keine Hardcoregamer, keine Fachjournalisten.
Es gibt auch keine Fachszene der Hardcorekaugummifresser - jeder kann sich einen in den Mund stecken und sagen: "Der schmeckt mir. Der ist zu empfehlen."
Eure Spiele sind Industrieprodukte, die man an euch Konsumenten verkauft. Und darin hat sich eine üble Gewalttendenz breit gemacht, der Einhalt geboten werden muss.

BFBeast666 14 Komm-Experte - 1864 EXP - 4. Mai 2010 - 2:44 #

Okay, bevor du hier weiter die Klappe aufreißt: Definiere in deinen Eigenen Worten und mit fünf aussagekräftigen Titeln, was bitte ein "seltsames Killerspiel" ist.

Die einzigen Spiele, in denen man meines Wissens nach nämlich einen Killer spielt, sind die aus der "Hitman"-Serie. Und das sowas nicht in Kinderhände gehört, sollte schon anhand der Thematik klar sein.

Jamison Wolf 16 Übertalent - Abo - 5554 EXP - 4. Mai 2010 - 6:49 #

Du willst aber nicht jedes Spiel, wo ein Blut vorkommt oder eine Waffe benutzt wird als Killerspiel bezeichnen? Unchartered 2 ist ziemlich nah dran an Indiana Jones und Dragon Age: Origins hat so viele anleihen beim Herr der Ringe, das einen selbst die Musik bekannt vorkommt.

Spiele sind auch nur ein Spiegel der Gesellschaft. Und ich bleibe dabei: Lieber Blut am Bildschirm als im echten Leben.

BFBeast666 14 Komm-Experte - 1864 EXP - 4. Mai 2010 - 2:41 #

Interessant finde ich, daß durch das ganze Scheuklappengetue der Jury quasi das ganze, ach so hochgelobte Jugendschutz-System Deutschlands ad absurdum geführt wird. Warum geht eigentlich jeder davon aus, daß ein Spiel ab 18 automatisch in Kinderhände gerät? Und um unsere armen Kleinen zu schützen, müssen solche Spiele dann auch noch geschnitten bzw. bei solchen Veranstaltungen wie dem Computerspielepreis durch den Mantel des Schweigens quasi nicht-existent gemacht werden?

Dann machen wir doch in Zukunft einfach folgendes: Keine Altersfreigaben, alles außer Wanderpfad-Spielen oder Ponyhof-Sims verbieten und mündige Spieler kaufen sich ihre Software halt komplett im Ausland. Sorgt zwar für NOCH mehr Arbeitslosigkeit und Entwickler-Exodus, aber wenigstens hat dann die Volksseele Ruhe.

Olipool 12 Trollwächter - 1105 EXP - 4. Mai 2010 - 13:40 #

Ich hab jetzt nicht alle Kommentare gelesen, also wenn ich etwas wiederhole, sorry!
Ich denke, dass die "Schießspiele" gar nicht gewinnen konnten, weil die Politik ihre Finger mit im Spiel hat. Da schwang doch sicher die Angst mit: "Hm, wenn ich jetzt ein Spiel mit Gewaltinhalt zum Gewinner küre und dann morgen wieder so ein Counterstriker Amok läuft...dann muss ich mich am Ende noch rechtfertigen und werde abgesägt...nee nee, sind wir mal moralisch korrekt."

Porter 05 Spieler - 2981 EXP - 4. Mai 2010 - 16:20 #

ok es ist ein Politischer Preis... who cares?
einfach nicht mehr drüber berichten im nächsten Jahr und gut ist, wofür gibt es denn die Presse?
muss ja nicht über jeden Furz berichtet werden :)

wirklich schlimm ist doch aber das sich genau die ach so "freie" Presse Vertreter da einspannen lassen, als Jury Mitglied!
wenn ich schon so Namen und Daten zu solchen Fatzke lese wie:
Heiko Klinge (IDG Entertainment Media= Gamestar und so... ), Heiko Gogolin (GEE),Petra Fröhlich (Computec=PCgames und so...),Jens Fischer (CBS) Oliver Menne(Eurogamer) oder auch der alte "Attic" (Nordlandtriologie) Haudegen Jochen Hamma etc... dann reg ich mich darüber auf!

Diese Leute sollten wirklich angeprangert werden, anstatt diese lächerliche unfreie Preisverleihung durch ausführliche Berichte mehr größe zu geben als Sie wirklich hat!

Nächstes Jahr darf dann sicher auch mal ein Jörg Langer von GG daran Teilnehmen und ein ausgesuchtes Spiel beehren!

Tr1nity Community-Moderator - Abo - 57668 EXP - 4. Mai 2010 - 18:31 #

Halte dich bitte mit beleidigenden Ausdrücken wie Fatzke zurück. Man kann das auch sachlicher formulieren.

Lt.L.T. Smash 09 Triple-Talent - 332 EXP - 6. Mai 2010 - 8:16 #

Glückwunsch zu dieser gelungenen Kolumne!
Da ich nicht nur begeisterter Spieler, sondern auch Lehrer an einer staatlichen Realschule bin, muss ich die banale und nicht selten naive Diskussion um die potenzielle Gefährlichkeit gewalthaltiger Spiele (oder von Computerspielen generell) vonseiten der Kollegen allzuoft über mich ergehen lassen.

Der Beitrag hängt seit heute morgen nun im Lehrerzimmer aus.

Labrador Nelson 21 Motivator - Abo - 30703 EXP - 3. August 2011 - 2:45 #

Genau! Lächerliche Veranstaltung, peinlich für Deutschland, demotivierend für die Branche und ärgerlich für den Gamer...

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