Roland Austinat sorgt sich:

Auslaufmodell Spieletest? Meinung

Roland Austinat wohnt und arbeitet in San Francisco, was ihm nicht nur auf Spiele einen anderen Blick gibt -- so finden sich PC-Titel quasi gar nicht mehr in den Läden der Stadt --, sondern auch auf Spielethemen genereller Natur. In dieser Kolumne zweifelt er, ob Spieletests (wie sie auch GamersGlobal macht) noch eine Zukunft haben.
Roland Austinat 28. Dezember 2009 - 10:25 — vor 6 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
Vorab ein Wort in eigener Sache: Einige Leser vermuteten nach meiner letzen Kolumne dunkle Verschwörungen, was die Themenwahl meiner Beiträge angeht - von der Spieleindustrie bis zu den Illuminaten waren so ziemlich alle einflussreichen Gruppen dieser Welt dabei. Darauf kann ich nur entgegnen: Keiner meiner seit 1993 verfassten Artikel zu PC- und Videospielen wurde mir von irgendjemandem diktiert, weder thematisch noch inhaltlich. Sicher legten mir einige Chefredakteure immer wieder Spiele auf den Tisch, die sonst keiner testen wollte oder konnte, da fallen mir spontan diverse Star-Trek- oder Baseball-Titel ein. Aber was ich dann schreibe, bestimme ich ganz alleine. Das geht übrigens nicht nur mir so, sondern allen Autoren hier auf Gamers Global.

Doch zum eigentlichen Thema: Wer braucht heute noch einen Spieletest? Haben Wertungen überhaupt noch eine Bedeutung? Auf einschlägigen Webseiten schlugen in den letzten Wochen die Meinungen hohe Wellen, als etwa Altredakteur und derzeitiger Xbox-Marketing-Mann Boris Schneider-Johne in seinem Blog behauptete, dass Hersteller sehr wohl Wertungsgarantien gegen Testmuster verlangen könnten, er (Boris) gleichzeitig bei Tests auf die Zahl am Ende sehr wohl verzichten könne. Petra Fröhlich (PC Games) hielt auf der hefteigenen Webseite mit dem Spruch: "Keine Wertung, keine Eier!" dagegen. Aber beweist nicht jemand, der auf die Wertung verzichtet, viel mehr Mut? Ich glaube schon. Doch warum bestehen so viele Leute auch heute noch auf eine Zahl, um ein so komplexes Erlebnis wie ein Spiel zu beschreiben? Geht das überhaupt?

Enge Verzahnung

Spieletests und -wertungen sind seit den 80er Jahren eng miteinander verzahnt. Das war damals sinnvoll, denn damals erschienen weit weniger viele Titel pro Monat, bei denen es sich oft um richtig miese Gurken handelte. Sinnvoll war da auch ein Zehner- oder Hundertersystem, um ein Spiel einzuordnen und ein deutliches "Finger weg!", "Durchschnitt" oder "Super!" zu verkünden. Das sieht heute, zumindest meiner Meinung nach, ganz anders aus: Aufgrund gestiegener Produktionskosten, langen Entwicklungszyklen und ausufernder Fokusgruppentests gibt es nur wenige richtig schlechte Spiele. Selbst die heute eher mäßigen Titel sind die durchschnittlichen Produkte von damals.

Allein: Eine durchschnittliche Wertung sind heute keine 50 Prozent mehr. Und auch keine 5.0 bei GamersGlobal. Der Durchschnitt lag auch niemals bei 50 Prozent, ich will hier keine Geschichtsnostalgie betreiben. Aber er lag definitiv niedriger! Und wo früher zumindest ein Wertungsbereich von etwa 40 bis 90 Prozent ausgenutzt wurde, herrscht heute vielerorts die Denke "Nur 75 Prozent? Das kann ja nichts taugen!" Statt optimalerweise in 100 (1-100), realistischerweise 60 (40-100) Abstufungen rangieren Wertungen heute vorwiegend in der Zone 85 bis 95, meinetwegen noch 80 bis 95. Das sind gerade mal zehn bis 15 Möglichkeiten einer eigentlich auf 100 Punkte ausgelegten Skala. Wertungsvielfalt sieht anders aus. Und dass sich drei Spiele mit den Endwertungen 79, 80 und 81 wirklich dramatisch unterscheiden, kann mir keiner weismachen.

Bonus für Mitarbeiter nur bei guten Tests?

Ein Hauptgrund für eine Wertungsexistenz sind natürlich die Hersteller selbst, die ihre Mitarbeiter oft nur nach einer besonders guter Zahl am Ende eines Tests mit einem Bonus belohnen. Das werden viele Industrievertreter zwar bestreiten, doch ihre gleichzeitigen Beschwerden über eine Seite wie Metacritic.com, auf der aus einer Menge Einzelwertungen ein Durchschnitt gebildet wird, sprechen eine andere Sprache. Ein anderer, aus Leserseite verständlicherer Grund: Es gibt im Vergleich zu früher einfach zu viele Spieletester.

Es gibt im Vergleich zu früher einfach zu viele Spieletester
Das ist gar nicht mal böse gemeint. Doch wer immer nur von den gleichen fünf Personen über die neuesten Spiele informiert wird, kennt nach einer Weile deren Geschmack und deren Vorlieben, so dass im Extremfall schon ein "Superspiel, unbedingt kaufen!" reicht. In der heutigen Medienlandschaft gibt es jedoch so viele Magazine, Webseiten und Co., dass es einfach gar nicht möglich ist, alle Schreiber so gut wie die besten Freunde zu kennen. Dazu wechseln sie immer mal wieder das Magazin, den Verlag oder gar den Beruf und verschwinden damit völlig aus der Meinungsmaschinerie. Doch ist das wirklich ein hinreichender Grund dafür, unbedingt an Wertungen festzuhalten?

Ich kann auch ohne Wertung leben

Ich für meinen Teil könnte jedenfalls prima ohne herkömmliche Spieletests mit einer abschließenden Wertung leben, die ein so komplexes Gebilde nur höchst unzulänglich beschreibt. Stattdessen würde ich mich über einen knackigen Text freuen, in dem der Autor darauf eingeht, wie er sich beim Spielen gefühlt hat. So ein Text muss auch gar keine fünf Seiten lang sein: ein paar schmucke Bilder, meinetwegen auch Kästen mit besonders denkwürdigen Ideen und Spielmomenten finde ich viel attraktiver.

Genau so macht es beispielsweise das englische Magazin EDGE - die einzige Zeitschrift, die ich heute noch von der ersten bis zur letzten Seite lese. Sicher ist eine kurze Beschreibung der Spielmechanik sinnvoll, doch ich persönlich kriege zuviel, wenn mir lang und breit die Zahl der Waffen, Level, Gegner, Fahrzeuge und so weiter herunter gebetet werden. Das sind Daten, die ich auch auf der Schachtel, der Herstellerwebsite oder Dutzenden von Preview-Artikeln finden kann. Ein Abenteuerfilm wird in Kinozeitschriften ja auch nicht anhand der Zahl seiner Schauplätze, der Haarfarbe aller Freundinnen des Helden und der Zahl der abgemurksten Bösewichte beschrieben. Stattdessen zählen Story und die Gesamtheit des Werkes.

Macht selbst das Experiment!

Bekäme Schach eine höhere Wertung als Mensch ärgere dich nicht?
Wenn Ihr meint, dass das etwas überspitzt ist, ermutige ich Euch zu folgendem Experiment: Nehmt mal zwei Tests eines Mediums wie einer Zeitschrift oder einer Webseite, in denen ähnlich gute Spiele des gleichen Genres besprochen werden. Tauscht in den persönlichen Meinungen oder Meinungskästen die Namen der Spiele aus und lest Euch beide noch einmal durch. Bemerkt Ihr einen Unterschied? Oder wie sieht es mit nichtelektronischen Spielen aus: Bekäme Schach eine höhere Wertung als Mensch ärgere Dich nicht, weil es längere und taktisch vielschichtigere Partien erlaubt? Wie dann aber den Mehrspielerspaß von Mensch ärgere Dich nicht bewerten? Ein deutscher Privat-TV-Sender warb vor einer Weile mit dem Spruch "Powered by Emotion" - ein für mich sehr nachahmenswertes Motto. Ich bin sicher, dass noch nicht jeder von euch meinen Standpunkt teilt -- also schreibt via Comments, wie ihr zum Thema Spieletests und Bewertungen steht!

Einen guten Rutsch ins Neue Jahr und bis zur nächsten Kolumne,

Euer Roland Austinat


Abfuehrung
Rubio The Cruel 12 Trollwächter - 1078 - 28. Dezember 2009 - 11:00 #

ehrlich gesagt finde ich die einteilung in ein 10er/100er-system auch albern. auch wenns kein reines spieletestmagazin ist, finde ich das system von kotaku (http://kotaku.com/5012473/about-kotaku-reviews) sehr gelungen. eine pro/contra-liste auf der sich jeder aussuchen kann was ihm an dem spiel wichtig ist. :)

Anonymous (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 11:01 #

Interessanter Ansatz wie ich finde, aber obs die Mehrheit der Spieler will? Filme werden doch auch oft nach einem Punktesystem bewertet, was ist damit? Die Leute wollen einfach eine in Zahlen festgehaltene Empfehlung haben weil das am leichtesten verständlich ist. Es geht hier auch darum das ein Bewertungsysytem nach Punkten/Prozenten Massenkompatibel ist. Eine Wertung kann jeder Depp verstehen, ein "Erlebnisbericht" ist für manche schon zu anstrengend zu verstehen...

Darum geht es ja auch den Magazinen (auch Gamersglobal!): Sie wollen raus aus der Freakecke und die Massen ansprechen und dann muss man den Anspruch oft sehr stark zurückschrauben.

Bin mal gespannt wie die nächsten Kommentare ausfallen!

Phin Fischer 16 Übertalent - 4076 - 28. Dezember 2009 - 11:22 #

Spiele beschreiben, ohne zu werten?
Checklisten abzuklappern, Punkte zu verteilen und somit Objektivität vorzugaukeln, ist tatsächlich keine gute Lösung. Aber ein Spiel zu testen und ohne Wertung zu beschreiben, wird genauso nach hinten losgehen und artet - vermutlich bei vielen Redakteuren - in reine willkür aus. Denn genau dann tritt das von dir beschriebene Problem der persönlichen Vorlieben ein. So werden Redakteure bzw Tester in kürzester Zeit zu Werbetextschreibern, anstatt zu Kritikern und der Informationsgehalt der Artikel sinkt, während der Unterhaltungswert steigt.

Genau hier muss man sich berechtigterweise die Frage stellen, ob man denn auf Testberichte in (Online-)Magazinen verzichten kann. Heutzutage kann man die Berichte schließlich in Foren oder in Rezenssionen auf Verkaufsplatformen nachlesen und ist nicht auf Printmedien oder Online-Redakteure angewiesen. Allerdings ist es oft schwierig zwischen den ganzen Flames und dem verblendeten Fan-Gebrassel halbwegs objektive Beiträge herauszufiltern.

Und genau hier liegt wiederum der Vorteil im Journalismus. Man muss um erfolgreich sein, entweder extrem unterhaltsam sein, oder - und das ist der wichtige Teil - glaubwürdig sein. Und wenn ich Glaubwürdigkeit mit Persönlichkeiten verbinden kann (wie namenhaften Redakteuren), dann ist das für mich als Leser sehr viel vorteilhafter, als wenn ich die Glaubwürdigkeit jedesmal aufs neue beurteilen muss, wenn ich mir von irgendeiner Anonymen Person auf Amazon einen Bericht durchlese. Man hält sich aus reiner bequemlichkeit an bestimmten Redakteuren fest.

Sinnvoll wäre es, verschiedene Autoren, mit möglichst verschiedenen Meinungen und Vorlieben gegeneinander Testen und argumentieren zu lassen, um solche Wertungsdesaster wie beispielsweise bei Crysis zu verhindern. Die Gefühle und Gedankengänge während eines Spiels zu beschreiben ist zwar eine gute Idee, das ganze als Text zu übermitteln, halte ich aber für den falschen Weg. Kommentierte Videos sind trotz vieler fähiger Schreiber immernoch die beste Möglichkeit, dem Rezipienten die eigene Meinung über das Spiel (und das Spiel an sich) näher zu bringen.

Blacksun84 17 Shapeshifter - P - 6529 - 28. Dezember 2009 - 11:27 #

Gute Kolume. Auch ich brauche keine Wertung mehr, sondern will lieber von dem Tester / den Testern in einem Meinungskasten wissen, warum nun Spiel x so toll oder eben nicht ist. Auch als Anfänger im PC-Spielebereich anno 97/98 fand ich schon die Meinung eines Jörg Langer im Strategiegenre wichtiger als die Wertung "87% Age of Empires 1". Leider fährt mein Lieblingsmagazin GameStar seit 2004 die Schiene der pseudo-Objektivität, die mir absolut nicht gefällt. Vor allem dann nicht, wenn am Ende doch Bugthic 3 87% bekommt und Spiele unter 85% (auch von der Leserschaft!) als unwürdiger Müll bezeichnet werden. Vor 10 Jahren galten Spiele im Bereich der 70er noch als gute Ware für Genrefans und selbst viele 60er waren es wert, als Budgettitel gekauft zu werden. Und heute? Gehen die Zahlen immer höher. Ein 90er vor 10 Jahren? Selten und Spiel des Jahres in dem Genre. Heute? Schon fast Pflicht, um als gutes Spiel durchzugehen.
Oder entrümpelt das Wertungssystem einfach mal. Wieder hin zum Stand vor 10 Jahren, den ich oben geschildert habe. Nur leider gibt es genug Kiddies jeden Alters, die für ihren Handjob eine 90er Wertung für ihren Lieblingstitel brauchen und sonst einen Boykottaufruf starten.

Also bitte, weg von Wertungen, die am Ende eh nur durch Geschiebe Objektivität und Fachwissen vortäuschen sollen - und doch nur die subjektive Meinung des Testers x ist - und her mit den ehrlichen Meinungen. Jörg bezeichnet SC 2-Episode 1 als Offenbarung? Da weiß ich doch, dass die Meinung von einem Strategieexpterten kommt und dass die etwas wert ist.

Nicht umsonst ist seit 2002 mein Lieblingsspruch im Spiele-, aber auch im Bücher- und Filmbereich:

"(...) geniales Spieldesign lässt sich eben nicht durch Checklisten ergründen, man muss es fühlen (...)"

Das hat damals ein schlauer Mann gesagt ;)

Florian Pfeffer Freier Redakteur - 25273 - 29. Dezember 2009 - 13:50 #

War es nicht auch bei Gothic 3, dass die Gamestar einen Test mit Prozent-Wertung drin hatte, der unter dem Motto lief "soviel Prozent bekäme das Spiel, wenn der Hersteller die Mängel beheben würde, was er uns aber fest versprochen hat" ?

Seit dieser Aktion kann ich die Gamestar nicht mehr ernst nehmen und kaufe sie auch nicht mehr. Tut mir fast schon leid, aber sowas kann man einfach nicht bringen.

Ridger 18 Doppel-Voter - P - 10001 - 28. Dezember 2009 - 11:26 #

"wer immer nur von den gleichen fünf Personen über die neuesten Spiele informiert wird, kennt nach einer Weile deren Geschmack und deren Vorlieben, so dass im Extremfall schon ein "Superspiel, unbedingt kaufen!" reicht."

Ich bin froh dass es Gamersglobal gibt, denn hier schreiben wieder einige meiner frühen Idole. Hach wenn doch auch noch Boris, Heinrich und Michael beteiligt wären...

Mir sind Zahlen nicht unbedingt egal, so kann ich mich schon darauf vorbereiten wie der Test geschrieben sein wird. Die Zeitschrift Gee hingegen vergibt auch keine Noten, sondern erklärt auch nur kurz und knapp was toll an dem Spiel ist und was nervt. Die Edge kenne ich leider nicht.

hidden 16 Übertalent - 5218 - 28. Dezember 2009 - 11:27 #

Eine sehr schöne Kolumne! Das Thema ist zur Zeit eines der meist diskutierttesten Themen in der Videospielegemeinde, meines Erachtens.

Mal mein Standpunkt dazu: Ich denke, dass der "normale Gamer" (jetzt könnte man drüber reden was normal Gamer genau ist.) einfach ohne die Wertungen nicht wirklich auskommt. Besonders wenn man sich einen sehr schnellen und kurzen Überblick verschaffen möchte über den Test ist die Wertungszahl wohl das erste wo man sucht. Jeder "normale Gamer" ist mit den Wertungszahlen aufgewachsen ob er sie nun mag oder nicht, wenn man ab heute keine Wertungszahlen mehr haben würde, würden sich die Spieler in 10 Jahren die, dann im Alter von vielleicht 19 Jahren sind nicht mehr um eine Wertungszahl kümmern. Das steht natürlich nur für die jüngere Generation.
Der Mensch selbst ist jemand der auch gerne etwas gesagt bekommt und sich nicht auf irgendwelche Sachen, in diesem Fall die Pro/Kontra Punkte eines Spiele eine eigene Meinung bildet. Er sieht lieber die Wertungszahl und sagt ok 8 von 10 Punkten, dass Spiel schaue ich mir mal an. Nicht jeder Videospiel Fan geht so vor, aber ich denke das tut eine große Gruppe so.

Abschließend denke ich bleibt zu sagen jeder Spieler muss sich über ein Spiel seine eigene Meinung bilden. Ob er dies durch einen Trailer, News oder Spieletest macht bleibt im selbst überlassen.

Zup 10 Kommunikator - 507 - 28. Dezember 2009 - 11:30 #

Was will uns diese Kolumne sagen ? Trittbrett fahren ? Das Thema hatten wir in exakt gleicher Weise schon im November, als es auf dreisechzig.net von Boris losgetreten wurde.

Name 28. Dezember 2009 - 14:42 #

Das Thema ist schon wesentlich älter als Boris' Beitrag. Nur kommt es erst jetzt langsam im Mainstream an.

Anonymous (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 11:50 #

Ich würde deine Meinung fast umdrehen Ronald, in dem Sinne, dass man früher in den 80er/90er die Wertung hätte weglassen können, weil der Markt viel kleiner war und die Quellen der Berichterstattung überschaubar. Die Leuten,die damals gespielt haben, würde man heute als 'Freaks' bezeichnen, die sowieso jede Info verschlungen haben, die neu in ihrem Magazin kam. Auch war die Bindung an Personen viel stärker ausgeprägt, zumindest meiner Meinung nach.
Und wie siehts heute aus? Massen an Zeitungen, es hat allgemein eine Diversifizierung in der Landschaft stattgefunden, Internet etc. pp. Es ist in vielerlei Hinsicht sehr viel unüberschaubarer geworden ( und ich älter *g*) In so einem Umfeld bin ich über eine Wertung als erstes Indiz sehr froh, weil ich muss selektieren. Ich kann schon aus Zeitgründen und da wirst da müsstest du mir eigentlich zustimmen nicht jeden Test erst durchlesen,um mir ne Meinung zu bilden, dafür hab ich einfach keine Zeit mehr. Auch die EDGE hat ne Wertung im Übrigen. Wo ich zustimme, ist die Tatsache, dass Objektivität vorgetäuscht wird und man versucht Spiele in ein bestimmtes Schema zu pressen und Punkte abarbeitet, wo am Ende ne Zahl addiert wird. Das ist absoluter Käse. Sowas kann man vllt. bei nem technischem Gerät machen, aber nicht bei sowas subjektiven wie einem Spiel.
Schlussendlich ist die Wertung heute (und stärker als früher) ein wichtiger Baustein im komplizierten Geflecht zwischen Journalismus und Industrie. In dem Zusammenhang war und ist es immer wieder spassig zu lesen gewesen, wenn sich Redakteure hinstellen und ihrer absolute Unabhänigkeit zur Industrie postulieren, hach was habe ich gelacht immer. Niemand ist unabhängig, schon garnet solche mit Exklusivstories usw., aber immerhin kommt langsam auch die öffentliche Einsicht dessen, wo man sagt 'Ja für solche Berichte müssen wir auch ne Gegenleistung bringen', wie z.b. mindestens 8 Seiten oder ähnliches.
Abschliessend....Wertung JA,aber bitte nur die und bitte max. in 10er Schritten, in der Hinsicht geh ich mit der Vorgehensweise der EDGE konform.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 31. Dezember 2009 - 0:02 #

"Ich kann schon aus Zeitgründen und da wirst da müsstest du mir eigentlich zustimmen nicht jeden Test erst durchlesen,um mir ne Meinung zu bilden, dafür hab ich einfach keine Zeit mehr. Auch die EDGE hat ne Wertung im Übrigen."

Ja klar. Ich habe damals in PC Player noch alle Tests obskurer Golfspiele gelesen, weil die einfach interessant geschrieben waren, dafür hätte ich heute keine Zeit mehr. Aber: MUSS man denn Dutzende von Spielen testen? Warum nicht nur die besten zehn und ein, zwei große Enttäuschungen? Das wäre mal ein spannender Ansatz. Motto: "Alle Spiele, über die wir schreiben, sind gut oder eine überraschende Enttäuschung - bei uns findet Ihr keine Füller-Tests von 08/15-Rennspielen oder -Actiontiteln." Ob sich das jemals jemand traut?

Eldest 13 Koop-Gamer - 1718 - 1. Januar 2010 - 17:21 #

Macht die GEE so ähnlich. Was da alles nicht getestet wird, ist schon bemerkenswert.

Karsten Vetter (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 11:52 #

Es geht ja nur um die Wertung in dem Artikel, insofern passt der Titel ja mal nicht. Das ein 100er-System keinen Sinn macht hat Boris ja auch auf dreisechzig.net vorgerechnet. Ob 10 sein müssen ist auch fraglich.
Wer nur den Wertungskasten anschaut, ist mmMn selber schuld, ich hae mich auch schon mit 90er Spielen vergriffen, oder mich mit 70er Titeln köstlich amüsiert. Eine kritische Aufnahme von Spielen sollte es weiterhin geben. Sicher kann man "Spass" nicht messen, aber es gibt doch objektive Dinge die man prüfen kann: Grafik(technisch), Steuerung, Umfang, Bedienung somit ist eine Note halt auch nicht total von der Hand zu weisen.
Die Grotten sollte man aber relativ in ihrer Zeit sehen: Ein Landwirtschaftssim ist für mich heute eben ne 2 trotz 3D-Grafik, Menü etc.

Harald Fränkel Freier Redakteur - 6437 - 28. Dezember 2009 - 11:57 #

Für mich ist die Sache ganz einfach: Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern auch Zwischentöne. Will heißen: Schön, dass es beide Varianten gibt - mit und ohne Wertung - schön, dass das Angebot an Spieletests so groß ist, es können gar nicht genug Tester sein, möge sich jeder das/denjeningen aussuchen, was/den er will. Den Rest erledigt die natürliche Auslese.

Ich glaube, die Uhren ticken in Deutschland anders, hier will die Masse Zahlen sehen. Das erkennt man, wenn man sich die monströsen Tabellen in der Auto, Motor und Sport ansieht genauso wie den mäßigen Erfolg der Gee (die ich wohlgemerkt im Abo habe, soll kein Bashing sein). Tests ohne Wertungen werden immer wieder von einer relativ kleinen Gruppe an Lesern gefordert, die halt gerade im Internet sehr vokal vertreten ist.

Raokhar 06 Bewerter - 866 - 28. Dezember 2009 - 12:01 #

Angenommen man testet MW 2 und Torchlight parallel. Torchlight macht dem Tester mehr Spaß als MW 2, es fesselt ihn einfach mehr. Kassiert Torchlight deswegen eine höhere Spielspaß(!)-Wertung als MW 2?
Mitnichten, denn Torchlight ist eher eine Low-Budget-Produktion, kein Redakteur hätte die Eier, da die höhrere Wertung zu geben. Das Gleiche würde passieren, wenn man die Multimillionen-Produktion GTA 4 gegen ein PopCap Spiel testet.

Sicher, es sind Äpfel und Birnen, die hier verglichen werden, aber dennoch misst man sie anhand der gleichen Skala.

Ist das nicht schon ein Grund dafür Wertungen zu ignorieren?

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 30. Dezember 2009 - 23:59 #

Sehr guter Punkt! Und gar nicht so abwegig. Ich habe schon oft erlebt, dass sich Kollegen bei Pressetrips auf ihr Zimmer verabschiedet haben, um noch eine Runde Mario Kart, Puzzle Quest und Co. zu spielen - warum sollten die Dinger dann keine hohen Bewertungen bekommen, auch wenn da keine Millionen Dollar an Produktions- und Marketingbudget dahinter standen?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324136 - 5. Januar 2010 - 11:13 #

In deiner ganz persönlichen Wahrnehmung mag das ja so sein, wie du schreibst. Und ich verstehe auch den dahinter liegenden Gedanken "Wenn mir ein 'kleines' Spiel mehr Spaß macht als ein 'großes', soll es auch höher bewertet werden".

Aber um mal Fakten zu nennen:

Haben wir bei GG nicht Torchlight oder auch Machinarium, das vor einem Jahr noch ein Independent-Projekt ohne Publisher war, sehr hoch bewertet, nämlich mit 8.0? Und damit höher als diverse Big-Budget-Produktionen des letzten Jahres, z.B. Star Wars Force Unleashed Ultimate Ed., The Saboteur, Borderlands oder Wolfenstein. Um nur mal kurz die zu nennen, die mir sofort einfallen?

Haben wir nicht eben erst dem (nicht mal ausgereiften, nur auf 1 Map beschränkten) Independent-Spiel League of Legends mit 7.0 eine höhere Wertung gegeben als den Big-Budget-Produktionen Avatar, Terminator: Erlösung oder Bionic Commando?

Wenn wir den Spielspaß eines Torchlight höher finden als den eines Modern Warfare 2, bekommt es auch eine höhere Wertung. Ich weiß ja, dass es der eine oder andere nicht ertragen kann, wenn ein feines "Nicht-Riesen-Budget"-Spiel wie Torchlight weniger hoch bewertet wird als faktisch bessere Spiele -- aber es ist ein wenig ermüdend, wenn daraus dann immer gleich ein Generalverdacht konstruiert wird.

insanelygreat 08 Versteher - 165 - 28. Dezember 2009 - 12:14 #

Wenn ich mich an die Zeit zurückerinnere in der ich noch Spielezeitschriften gelesen habe, dann war mir die Prozentwertung eher nicht so wichtig. Das interessante war das Gesicht und der Meinungskasten der Redakteure. Da die Redakteure zu dieser Zeit (Anfang der 90er) noch nicht so häufig gewechselt haben konnte man nach einigen Ausgaben gut einschätzen, wer einen ähnlichen Geschmack hat wie man selbst und auf die Meinung von diesem Redakteur achten.
Besonders interessant waren für mich Tests, bei denen die Meinungen der Redakteure stark unterschiedlich waren. Meine naive Vorstellung war damals, dass jeder Redakteur jedes Spiel testet und komplett durchspielt und die Prozentzahl der Mittelwert aller Meinungen ist.

Claus 28 Endgamer - - 108700 - 28. Dezember 2009 - 21:00 #

Ja, ich stimme absolut zu.
Das war die Power Play bzw. die Happy Computer Spiele Sonderhefte, auf denen einem bei einem sehr guten Spiel einem beispielsweise ein begeisternd strahlender Boris Schneider entgegenblickte, der auf einem Finger eine 5 1/4" Diskette balancierte.

Ich hoffe, dass es eines Tage noch mehr Raum für erwachsene Berichterstattung geben wird, so, wie es Roland Austinat hier auch in seinem Artikel letztendlich beschreibt.

Schön ist, dass es auf Gamers Global zumindestens erste Schritte in diese Richtung gibt, eben mit Artikeln wie beispielsweise diesen hier.

Also: bitte mehr davon, und danke!

PS & off-topic: Adblock ist deaktiviert.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 30. Dezember 2009 - 23:57 #

Das habe ich bis zu meinem ersten Test auch gedacht - das Durchspielen jedenfalls. Aber dann kam das Erwachen: So viele Spiele in nur vier Wochen, dann noch darüber schreiben, Firmen besuchen und so weiter - das geht nur in einer perfekten Welt mit Zeitmaschine. ;)

Iceman 10 Kommunikator - 374 - 28. Dezember 2009 - 12:14 #

In der Kolumne stehen einige Dinge, die ich als diskussionswürdig erachte. Vor allem die Passage, dass Wertungen unter 80 oftmals mit schlechten Spielen gleichgesetzt werden. Das stimmt leider und ich merke an mir selbst, wie ich bei einem lange erwarteten Spiel, welches am Ende "nur" eine 70er Wertung bekommt die Nase rümpfe. Dabei sind 70er Spiele nach wie vor gut, Genre- oder Serienfans können von diesen Spielen nach wie vor begeistert sein. Ein Artikel, ohne finale Wertung, wäre eine Alternative. Denn Spielspaß und Wertung sind nicht 1:1 miteinander korreliert. Ich habe mich voller Begeisterung einst auf Far Cry gestürzt, das überall fantastische Rezensionen hatte. Nach ein paar Stunden hatte ich jedoch genug davon und habe wahrscheinlich nichtmal die Hälfte des Spiels gesehen. Eine Wertung läd auch immer zu Vergleichen ein, warum dieses und jenes besser ist und überhaupt. Aber lassen sich Modern Warfare und Hald-Life wirklich vergleichen? Beides sind Shooter, damit endet aber auch die Gemeinsamkeit.
Allerdings, trotz aller Beschwerden die ich öfters mal gegen Bewertungen vorbringe und trotz aller Bedenken die ich habe, irgendwie möchte ich am Ende doch eine Zahl sehen mitsamt den Kritikpunkten die zu der Bewertung geführt haben.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 30. Dezember 2009 - 23:55 #

Ich erinnere mich an meinen Test von "In the First Degree", einem Krimi-Adventure, für die PC Player. Das habe ich für den Test und danach auch noch einmal privat durchgespielt. Die Wertung war nach langer Diskussion mit Kollegen eine knappe 60, weil es schon über dem Durchschnitt lag, aber mit ein paar Macken gegen andere Adventures nicht ganz anstinken konnte - tolle Atmosphäre, aber kaum richtige Rätsel und so weiter. Als Genre-Fan, so schrieb ich glaube ich damals, kann man noch mal zehn Punkte draufrechnen und damit dann schon wieder einen Kauf in Betracht ziehen.

Soll heißen: Selbst Spiele mit niedrigen Wertungen unterhalb von 70 Prozent sind noch kein Müll - wenn das Wertungssystem richtig geeicht ist.

Bernd Wener 19 Megatalent - 13635 - 28. Dezember 2009 - 12:27 #

Ich finde, die Wertung hat nach wie vor ihre Daseinsberechtigung. Wer hingegen einzig und allein auf die Wertung schaut, der kann logischerweise sehr leicht enttäuscht werden. Das war aber schon immer so. Wenn ich mir anno dazumal einen Strategie-Hit wie Age of Empires gekauft habe, aber mit dem Genre eigentlich nichts anfangen kann, dann bin ich selbst schuld. Ebenso kauft man ja auch beispielsweise ein Auto nicht rein nach der Anzahl der PS.

Betrachtet man aber die Wertung als eines von mehreren Hilfsmitteln, um sich eine Meinung zum Spiel zu bilden, ist sie ein durchaus nicht zu unterschätzendes Merkmal. Natürlich nur dann, wenn sie wirklich objektiv entsteht, aber das kann man der Wertung nicht anlasten. Schließlich kann auch ein Test ohne Wertung so geschrieben sein, dass man denkt, das Spiel wäre der Überhammer, obwohl es in Wirklichkeit großer Murks ist.

Ich finde das 100er System immer noch am intuitivsten, da man durch Teilwertungen von 1-10, die dann aufsummiert werden (ich beziehe mich mal auf das Gamestar-Schema als Beispiel), sehr gut seine eigenen Vorlieben einschätzen kann. Ist mir also beispielsweise Grafik nicht so wichtig, kann ich auch gut mit einem Spiel leben, dass in allen Bereichen super abschneidet, selbst wenn es grafisch vielleicht völlig altbacken ist.

Natürlich ist das System nicht der Weisheit letzter Schluss. Betrachtet man ein Spiel wie Braid mit diesem System kommt man eher zu einer schlechteren Wertung als es das Spiel meiner Meinung nach verdient hat. Hier sehe ich die Herausforderungen der heutigen Zeit, was das Wertungssystem betrifft. Missen möchte ich jedenfalls die große Zahl auch in Zukunft nicht.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 30. Dezember 2009 - 23:51 #

Summenbildende Teilwertungen haben immer den Haken, dass sie dann etwas zurecht gebogen werden müssen, wenn das Spiel einen Punkt mehr oder weniger im Vergleich zu einem anderen bekommen soll.

Yarrak Attack (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 12:29 #

Natürlich braucht die große Maße eine Zahl die sie mit der Qualität verbinden kann, nicht umsonst ist die BILD Zeitung das meist gelesene Schmierblatt in Deutschland.
Auserdem habe ich z.B. nicht genug Zeit mich durch Gurkenspiele durchzulesen, da schaue ich auf die Bewertung, und wenn da 5/10 steht lese ich weiter, ich wäre schön sauer wenn da keine Bewertung stehen würde und ich 5 minuten meiner Zeit über einen Test verschwendet hätte.

Bei sovielen durchschnittspielen auch wenn sie zwischen 80 - 90 % liegen, bin ich froh eine kompetente Bewertung vorzufinden.
Kein gutes Spiel wird zu schlecht bewertet, siehe Spiele wie Plants vs. Zombies welches ich sofort überlesen hätte, würde nicht 90% irgendwo unter dem Test stehen.
Aber das viele Durchschnittspiele zu gut bewertet werden stimmt absolut.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 30. Dezember 2009 - 23:50 #

Du sagst, dass Du keine Zeit zum Lesen von Gurkenspielentests hast - doch wenn die große Mehrheit der Spiele zwischen 80 und 90 bekommt, hast Du dafür dann Zeit? ;)

Marco Büttinghausen 19 Megatalent - P - 19331 - 28. Dezember 2009 - 12:35 #

Ich persönlich brauche keine Wertungszahl um das Spiel einsortieren zu können, ich brauche allerdings einen Blick auf die Wertung bevor ich den Text lese, damit ich diesen im richtigen Kontext lesen kann, dazu würde mir aber auch eine grobe Einteilung in "schlecht, nicht empfehlenswert, durchschnittlich, empfehlenswert und absolut empfehlenswert" reichen.

Grobe Wertung also direkt an den Anfang damit man den Text im richtigen Kontext ließt, das würde mir reichen.

maddccat 18 Doppel-Voter - P - 11219 - 28. Dezember 2009 - 13:05 #

Hin und wieder kommt es vor, dass man nach dem Lesen eines Tests von der Abschlussbewertung, also der vergebenen Punktezahl, überrascht ist. In so einem Fall bin ich froh, dass wir noch immer eine abschließende Punktevergabe haben, denn das Bewerten eines Produktes im Volltext scheint wohl häufig nicht so einfach zu sein. Da werden Vor- und Nachteile genannt aber häufig fehlt die Gewichtung dieser etc. Eine Punktevergabe (welches System auch immer) relativiert dieses Problem. Da kann ein Spiel noch so viele Fehlerchen aufweisen, am Ende bekommt es eine 80% und scheint damit trotz Unzulänglichkeiten sein Geld wert zu sein. Und ich weiß obendrein wo der Tester dieses Spiel im Vergleich zu anderen sieht, -ungefähr jedenfalls. Eine abschließende Wertung finde ich daher nicht schlecht, da man so eine weitere Möglichkeit hat, den Text des Autoren zu deuten. Ob wir aber wirklich ein 100er oder 10er System brauchen oder ob schon eines mit weniger Abstufungen reichen würde, ist eine andere Frage. Einen Unterschied kann man bei 79, 80 oder 81 Punkten sicherlich kaum spüren. Vielleicht ist es eher an der Zeit, neue Wertungssysteme zu schaffen, als ganz auf die Abschlusswertung zu verzichten?
Der Leser bekommt mit der Abschlussbewertung noch zwei weitere Vorzüge geboten: Er kann sich, z.b. wenn es mal schnell gehen muss oder wenn er nur einen ersten Eindruck braucht, direkt auf die Zahl am Ende eines Tests stürzen. Außerdem kann er das Magazin oder Seite (oder auch nur den Redakteur) für sich persönlich schneller und leichter einordnen und davon in der Folge Abstand nehmen oder eben häufiger rezipieren. Ein Beispiel wäre hier der Test zu "the Witcher" in der Gamestar oder der von "the Saboteur" auf 4Players. Bei beiden Magazinen oder zumindest den Redakteuren ist für mich "Vorsicht geboten", da sich deren Eindrücke zu besagen Spielen, die sich ja in der Abschlusswertung niederschlagen, so gar nicht mit meinen decken. Dabei geht es nicht um die müßige Diskussion über ein paar wenige Prozentpunkte, sondern um die generelle Bewertung der gebotenen Qualität. Eine konkrete Zahl bietet auch hier wieder die Möglichkeit der genaueren Einordnung, nicht nur der Qualität des Spiels, sondern eben auch der Meinung des Testers.

patchnotes 13 Koop-Gamer - 1740 - 28. Dezember 2009 - 14:04 #

Persönlich könnte ich auch gut ohne Wertung leben bzw. mit einer einfachen Einschätzung nach Schulnoten oder etwas ähnlichem.

Die Wertungen werden ohnehin immer absurder. Da bekommt ein Gothic 3 über 80%, obwohl es vor Fehlern nur so strotzt? Hmm...
Und dazu noch das im Artikel angesprochene Problem, dass eine gute Wertung ohnehin erst bei 80+ beginnt.
Ich sehe schon vor mir, dass in 5 Jahren nur noch Wertungen von 90+ vergeben werden und ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis die erste Wertung von über 100% vorkommt ;-)

DarthTK 13 Koop-Gamer - P - 1578 - 28. Dezember 2009 - 14:05 #

Ich möchte mich dahingehend nur kurz äußern: Ich wurde in letzter Zeit aufgrund der Bewertungen in Zahlen eher enttäuscht. Durch dieses Bewertungssschema wird wohl eine zu hohe Erwartungsshaltung projeziert. Bewertungen sollten höchsten noch als Anhaltspunkt angesehen werden. Als geringer Teil des Gesamten.

monokit 14 Komm-Experte - 2099 - 28. Dezember 2009 - 14:51 #

Ich stimme dir voll zu Roland. Der klassische Spiele-Test ist tot! Lang lebe die Spiele-Kritik!

Vanguard 13 Koop-Gamer - 1264 - 28. Dezember 2009 - 15:05 #

Der Test wie du ihn bei der Edge lobst, ist doch bei den englischsprachigen Seiten quasi Gang und gebe, ich sage nur NGJ.
Im übrigen ist bei der Edge der Name zu sehr Programm, die fallen zu oft "over the edge".
Und mich interessiert welcher Redakteur einen Artikel geschrieben hat...

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 31. Dezember 2009 - 0:04 #

Interessanterweise stehen bei der EDGE keine Namen unter den Tests. Trotzdem vertrauen ich den Kollegen. Discuss!

Wenn Du die EDGE übrigens lange genug liest und auch etwas aufmerksamer, bekommst Du mit, warum etwa Final Fantasy 10 nur 6/10 bekommt und das verstehst Du dann anhand der Argumentation auch. Und dann ist es eigentlich auch egal, dass da 6/10 steht.

Falconer 13 Koop-Gamer - 1500 - 28. Dezember 2009 - 15:06 #

Extrem interessante Diskussion, die da von Boris Schneider-Johne hervorgezerrt wurde. Zeit wird es mal wieder. Ich gehöre definitiv zu der Fraktion, die das Bewerten von Spielspaß im Prozentsystem schon immer – auch schon in der Pionierzeit - für Humbug gehalten hat.

Rolands Brettspiel-Beispiel trifft den Nagel auf den Kopf!
(Wobei meiner Meinung nach „Mensch ärgere Dich nicht“ ganz klar 2% mehr verdient hätte, als „Schach“... Einfach aufgrund der mehrfarbigen Ansatzes im Figurendesign)

monokit 14 Komm-Experte - 2099 - 29. Dezember 2009 - 23:05 #

Nur 2%? Ich würde glatt 5% mehr draus machen. Mensch ärgere Dich nicht ist einfach viel zugänglicher und kann mit der ganzen Familie gespielt werden. Zudem hat man einfach mehr zu lachen! Und der Spaß sich gegenseitig zu jagen...das ist beim Schach derart öde...

Grundy 04 Talent - 24 - 28. Dezember 2009 - 15:22 #

Über das Für und Wider von von Prozentwertungen bzw. Punktevergaben auf der einen Seite und Kritiken auf der anderen Seite kann man streiten, für beides gibt es gute Gründe.
Der Vergleich mit Filmkritiken hingegen, kann so meiner Meinung nach nicht stehen bleiben.
Film und Spiel sind zwei unterschiedliche Medien, die man nur sehr bedingt vergleichen kann.
Ein Beispiel: Bei einem Film ist es mir als Zuschauer relativ egal mit wie viel verschiedenen Waffen der Held schießt, bei einem Spiel hingegen sieht das anders aus, da die Waffen sich grundlegend im Schussverhalten unterscheiden und da macht es schon Sinn auf solche Features hinzuweisen.

Anonymous (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 15:50 #

Persönlich kann ich mit Wertungen ganz gut leben, aber...
Wie es Roland ja schon schreibt, gibt es in technischer Hinsicht kaum noch wirkliche Gurken. Spiele wie "Saw" sind da nur die Bestätigung der Regel.
Deshalb meine ich, müsste man langsam von dieser überwiegend technischen Betrachtung abrücken und mehr das große Ganze in den Vordergrund stellen. Dann würden vielleicht Spiele wie MW2 im SP auch nur noch 6/10 erhalten.
Zur Veranschaulichung ein hypothetisches Beispiel:
Ein Spieleredakteur schreibt eine Rezension zu "2012": "Tolle Effekte. Dauernd rummst und knallt es. Sehr großer Umfang (über 2 1/2 Stunden). Tolle Soundeffekte. Beeindruckende Bilder. Professioneller Schnitt. Viele dramaturgische Höhepunkte. Story leider etwas platt. Fazit: Großes Popcornkino! 9/10"

Solche Rezensionen über 2012 gibt es tatsächlich. Jedoch repräsentieren sie nicht das Gros der Kritiken. Die sehen zumeist eher so aus: "Insbesondere Wassereffekte sehen sehr gut aus, die anderen ok. Platte Charaktere. Dümmliche Dialoge. Klischeehafte, vorhersehbare Story. Unlogisch. Zäh wie Kaugummi. Unnötig in die Länge gezogen. Transportiert konservatives Weltbild. Fazit: Stinknormales Mainstreamkino! Höchstens für Fans von Spezialeffekten sehenswert. 5/10"

Um jetzt wieder die Brücke zu MW2 zu schlagen: Im letzten regulären Spieleveteranen-Podcast haben Heinrich und Jörg ganz herzlich über das Spiel abgelästert und zeigten sich wenig begeistert. Ja, Jörg hat den Test zu MW2 nicht geschrieben und ist nicht unbedingt als Actionexperte verschrien. Dennoch wundere ich mich in diesem Zusammenhang über die Wertung des Singleplayers(!) doch ein wenig.

Kai 14 Komm-Experte - 2329 - 28. Dezember 2009 - 16:44 #

Erst sollen nach Meinung des Autors die Spiele künftig bitte teurer werden? Nun sollen wir auch noch auf Spieletests mit Wertungen verzichten? Warum dann nicht gleich blind kaufen? Oder als ganz neues Konzept das Geld gleich im Abo an die Publisher überweisen, so eine Art Publisher-GEZ? Oder am besten gleich auf Spiele verzichten? Genau! Damit wären alle Probleme doch gelöst... Oder vielleicht besser keinen weiteren Unsinn mehr auf GG lesen und wieder auf seriöse Magazine ausweichen... Ich weiß jedenfalls, wo ich sinnvolle Wertungen finden kann. Und eigentlich gehörte auch GG bisher noch dazu.

Claus 28 Endgamer - - 108700 - 28. Dezember 2009 - 20:47 #

Wo steht denn im Artikel von Herrn Austinat irgendetwas von "blind kaufen"?
Bitte mal etwas genauer lesen, Herr Kai.
Denn nicht alles ist Unsinn, nur weil es der Leser nicht verstehen mag oder kann.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 31. Dezember 2009 - 0:08 #

Ich glaube, meine Kolumne mag falsch verstanden werden - es geht mir weniger darum, dass bei Beibehaltung derzeitiger Tests nur einfach eine Wertung entfernt werden soll.

Ich will einen Paradigmenwechsel und einen Text, in dem ich mit in die Zeit genommen werde, die der Autor in das Spiel gesteckt hat. Und ich bekomme optimalerweise einen Einblick in die Emotionen, die diese Zeit mit dem Spiel in ihm hervorgerufen hat.

McStroke 14 Komm-Experte - 2276 - 28. Dezember 2009 - 16:57 #

Da isser wieder, der Roland...und wieder hat er ein herrlich streitbares Thema geschaffen :)

Ich finde, dass Du durchaus Recht hast, besonders die "Noteninflation" der Spieletests finde ich irgendwie erschreckend, zusammen mit den ganzen Hypes wird es natürlich noch schlimmer.

Ich verstehe die Wertung am Ende des Tests aber eigentlich mehr als Zusatz, denn als Fazit-non-plus-ultra. Eine übersichtliche Tabelle mit Plus- und Minuspunkten und dazu ein (subjektiver) Testbericht sind für mich das Entscheidende. Insofern haben Spieletests auch ihre Daseinsberechtigung. Zumindest in seriösen Magazinen/ auf seriösen Websites. Und da gehen die Wertungen dann teilweise sehr auseinander, so das im Vergleich mehrerer Spieletests zu ein und dem selben Spiel ein relativ komplettes Bild entsteht.

Persönlich habe ich das z.B. an den Tests zu Risen bemerkt. Ich habe mir angewöhnt Die Tests von 4Players' Jörg Luibl mit den hiesigen von Jörg Langer (der ja die großen Toptitel meisst selber (mit)testet) zu vergleichen, und da kommen teilweise sehr unterschiedliche Ergebnise raus. Ich finde jeder Spieler, der ein wenig Verstand hat sollte nicht nur auf eine bloße Zahl am Ende seines Lieblingsheftes schauen...das ist pures Fanboytum.

Und gerade in Zeiten in denen Demos knapper werden, und Spiele teurer (jaja Roland sind wir wieder beim Thema :) )sind Tests ein wichtiges Mittel zur Kaufentscheidung.

Eldest 13 Koop-Gamer - 1718 - 28. Dezember 2009 - 18:13 #

Ich persönlich bin da ziemlich gespalten. Zum einen liebe ich subjektive, gute Tests ohne Wertung (GEE), aber trotzdem informiere ich mich vor dem Kauf eines Spiels auf Seiten wie GamersGlobal oder in Magazinen wie GameStar über das Spiel.

Aber ich würde gerne mehr mutige sehen, die auf die Wertung verzichten. Ich bin an einem Hobby-Projekt beteiligt, bei welchem es sich um eine Test-Seite handelt. Ich habe vor ein paar Wochen versucht, diese Vorgehensweise, ohne Wertung und mit mehr Emotionen durchzubringen, bin aber (größtenteils) auf (sehr) große Ablehnung gestoßen. Ein Test ohne Wertung scheint für den Großteil der Spieler/Menschen einfach zu unkonventionell zu sein, was ich für sehr bedauerlich halte. Vor allem, da es deutlich mehr Laune bereitet solch einen Test zu lesen (und zu schreiben), als einen klassischen Test, der auf eine Wertung hinarbeitet.

Vielleicht wird es da in den nächsten Jahren eine Entwicklung in diese Richtung geben. Da den Verlagen und und Websitebetreibern solch ein unkonvetionelles Modell wohl aber zu risikoreich erscheint, befürchte ich, dass solch eine Entwicklung nur sehr langsam von Statten geht.

Patrick 15 Kenner - 3955 - 28. Dezember 2009 - 18:47 #

Ich habe meist kein Interesse die Test zu lesen. Ich springe da gern direkt zum Fazit. Die einzigen Reviews, die ich lese, sind Filmreviews - von den Fünf Filmfreunden z.B. - , die nur kurz einen Absatz sich mit der Handlung beschäftigen und dann tiefer in der Metaebene den Film zerpflücken.

Wertungen sind da eher egal. Außerdem binde ich mein Vertrauen auf einige wenige, wie eben hier oder im Podcast GamesUndso, die nie eine konkrete Wertung aussprechen sondern eher Empfehlungen.

Spiele sind zwar noch ein junges Medium, wo man keine direkte Vergleiche zu Klassikern ziehen kann. Im Film ist es insgesamt auch einfacher weil keine Interaktion da ist, aber das dürfte sich langsam entwickeln.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 31. Dezember 2009 - 0:09 #

"Die einzigen Reviews, die ich lese, sind Filmreviews - von den Fünf Filmfreunden z.B. - , die nur kurz einen Absatz sich mit der Handlung beschäftigen und dann tiefer in der Metaebene den Film zerpflücken."

AHA!

Warum sollte so etwas mit Spielen nicht funktionieren? Nichts anderes wünsche ich mir doch.

Sh4p3r 14 Komm-Experte - P - 2375 - 28. Dezember 2009 - 22:02 #

Glaube nicht das zu es einem Auslaufmodell wird. Tests wird es auch in Zukunft geben. Nur jede Seite benutzt halt ihr eigenes System. Und letztendlich geben Tests auch einen ungefähren Hinweis ob ein Spiel Schrott, Durchschnitt, gut oder super ist.

Demos helfen in Zweifelsfällen auch ein wenig zur Urteilsfindung. Wobei auch diese täuschen können!

So geschehen bei Batman AA, Demo fand ich's solala, Dank Tests und späteren Kauf fand ich's super. Oder Resistance 2, Tests gelesen, immer super abgeschnitten...Text und die Screenshots wollten mich nicht so recht überzeugen, gab keine Demo --> nicht gekauft. Dann hatte ein Kumpel das Spiel mal mitgebracht, gezeigt, und schon war von der ersten Minute an hin und weg --> gekauft

Es gäbe noch div weitere Beispiele, wo u.a. ein Spiel in Tests nur durchschnittlich abgeschnitten hatte, mir aber die Demo und die Full voll überzeugt hatten.

Alles ist irgendwo teils subjektiv und Geschmackssache. Tests können helfen, müssen aber nicht. Auf sie verzichten werd ich auch in Zukunft nicht, egal was für ein Wertungssystem eine Seite hat. Die Tester sind mir da egal, die Zeiten indem man sich mit einem identifizieren konnte, sind schon lange vorbei!

nitramred (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 22:15 #

Roland bringt das Dilemma auf den Punkt: Man würde zwar gerne "seinen" Redakteuren vertrauen - die haben aber die "Angewohnheit", ab und zu das Medium, für das sie berichten, zu wechseln. Da bleibt dann doch wieder nur der Rückgriff auf die nackte Zahl, der man ja eine gewisse Objektivität unterstellt, wenn man schon nicht einordnen kann, wie der Schreiber des Textes einzustufen ist. Vertrauen in eine Redaktion bildet sich nun mal erst nach einer gewissen Anzahl von Berichten. Und wenn der Adventure-Journalist den neuen Sci-Fi-Shooter auch toll findet, weiß ich als Monkey-Island-Fan, dass ich das Spiel vielleicht auch mal testen kann.
Kurze persönliche Erinnerung: Genau das war für mich der Grund, damals mein PC Player Abo zu kündigen und zur PC Games zu wechseln (die ich aber mittlerweile auch nicht mehr lese): Zu viele Wechsel in der Redaktion, ich konnte den Gesichtern einfach keine Persönlichkeit mehr zuordnen. Wenn die Wertungen abgeschafft werden sollen, dann bitte nur im Gegenzug zu klar erkennbaren Profilen der Redakteure. Man will ja wissen, woran man ist.

Ganesh 16 Übertalent - 4868 - 28. Dezember 2009 - 22:26 #

Ich bin auch dafür, dass man sich von den reinen Tests abwendet und eher in die Richtung einer Kritik geht. Ob darunter dann eine Wertung steht (zur Orientierung für diejenigen, die es wollen), ist mir eigentlich recht egal, aber ich habe keine Lust mehr, Artikel zu lesen, die eigentlich nur ausgeschriebene Checklisten sind, wie das auf vielen Portalen leider der Fall ist – dann werde auch ich dazu verleitet, nur noch nach der Wertung zu schauen.

Natürlich kann man in Videospielen auch nur Produkte sehen, die einen bestimmten Kriterienkatalog erfüllen müssen, aber mir gefällt das nicht. Vor allem fehlt oftmals eine Kenntnis des Kontextes, in dem ein Spiel erscheint, stattdessen muss aber mindestens ein Pflichtabsatz zur grafischen Präsentation rein, auch, wenn diese eigentlich gar nicht herausragend ist und man den visuellen Eindruck bereits von nebenstehenden Bildern bekommt.

Ich bin immer noch froh, dass ich Fallout 3 nicht gekauft habe, obwohl ich ein großer Fan der Serie bin und die Wertungen alle im oberen Bereich waren: Ein Probespiel lehrte mich, wie unzureichend Wertungen sind. Das Spiel mag für sich für andere gut sein, aber wenn mindestens 50% der Tests die Tradition der Reihe aus dem Blick lassen und somit unbeschadet mithypen können, ist das kein Ausdruck von guten Journalismus.

Zille 18 Doppel-Voter - P - 10736 - 28. Dezember 2009 - 22:32 #

Wertungen würde ich mir auch eher indirekt über einen gut geschriebenen Test wünschen als über die Pseudoobjektivität der Zahlenwertungen.

Das Hauptproblem für mich ist die fehlende Glaubwürdigkeit der Redaktionen, da in der Vergangenheit immer wieder Desaster wie etwa Gothic 3 passiert sind. Möglichst exklusiv als erster testen, dabei den Redaktionsschluss schaffen und objektiv ein Spieleerlebnis mit einer Zahl zu belegen - das wird immer mehr ein Ding der Unmöglichkeit.

Also lasst es doch gleich. Schreibt einen guten Text, der auch für Leute mit 10 oder mehr Jahren Computerspieleerfahrung noch interessant ist und berichtet. Wertungen können ruhig subjektiv ausfallen.

Ich lese seit meinem ersten 4/86er und seit Jahren habe ich das Gefühl, dass die Texte immer austauschbarer werden. Auch wird selten aktiv ein Fortschritt im Gameplay eingefordert. Grafik wird immer beschrieben. Wenn die KI auch nach zig Jahren C&C noch in den Kinderschuhen versauert ist das gerade mal einen Satz (ohne nennenswerten Wertungsabzug) wert.

MichaelK. (unregistriert) 28. Dezember 2009 - 23:07 #

Ich behaupte mal, gerade weil Spiele ein sehr komplexes Medium sind, braucht man auch eine ebenso komplexe Wertung und nicht nur 5 Sterne. Das kann ich vielleicht Filmen geben, die man passiv konsumiert und die bei weitem nicht so viel kosten wie ein Spiel und weit weniger Komplex sind, aber bei Spielen sollte es schon etwas mehr sein als nur so eine grobe Einteilung. Und ein Test alleine sagt noch nicht ob ein Spiel gut oder schlecht ist. Zum Beispiel die GEE gibt ja auch keine Wertung, aber da ist man nach dem Test genauso schlau wie vorher. Da kann man die Qualität eines Spiels höchstens nach der Testlänge beurteilen, und selbst das nicht immer.

Und ich behaupte mal, drei Spiele mit den Endwertungen 79, 80 und 81 unterscheiden sich dramatischer, als drei Spiele mit Endwertungen 39, 40 und 41. Natürlich haben die gleichen Unterschiede bei höheren Wertungen viel mehr Gewicht, als bei niedrigen Wertungen. Das Problem ist halt einfach, es kommen viel mehr gute Spiele raus und gerade für die, braucht man eine größere Wertungsskala als für die schlechten Spiele, die man mit 0 bis 59% abarbeiten kann. Gerade zwischen 75 und 94% ist halt die spannendste Einteilung. Und ob ein Spiel nur 80, 85 oder über 90 bekommt, ist halt psychologisch gesehen ungemein wichtiger. Da finde ich die 0.5 Einteilung bei Gamersglobal schon wieder zu grob, weil von 9 auf 9,5 ist halt schon ein mächtiger Schritt. Ist Assasins Creed II wirklich ein 95% Spiel? Würde nicht 91 oder 92 auch reichen um noch Luft für Assassins Creed III zu haben? Oder kriegt das dann 10,0?

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 31. Dezember 2009 - 0:11 #

"Ich behaupte mal, gerade weil Spiele ein sehr komplexes Medium sind, braucht man auch eine ebenso komplexe Wertung und nicht nur 5 Sterne."

Dann erklär uns das doch mal. So komplex ist kein Spiel. Oder meinst Du stattdessen die Bedienung?

"Würde nicht 91 oder 92 auch reichen um noch Luft für Assassins Creed III zu haben? Oder kriegt das dann 10,0?"

Aha. Alles hausgemachte Probleme. Warum sollte man nicht 10/10 geben dürfen? Weil der Nachfolger dann "besser" sein könnte? Wenn der Nachfolger auch genausoviel Spaß macht, warum dann nicht die gleiche Wertung noch einmal geben?

NichtAnonymous (unregistriert) 29. Dezember 2009 - 2:38 #

Ich finde, dass ein Vergleich der Wertungen eigentlich ein guter Weg ist.
ABER man sollte nicht versuchen, einen Ego-Shooter mit einem FF-Teil anhand der Werte zu vergleichen!
Diese sprechen verschiedene Gruppen von Spielern an.
Es muss auch der Unterschied klar gemacht werden, zwischen 0815-Spiel, einem soliden Spiel mit seinen eigenen Ecken und Kanten und einem Meisterwerk.

Wenn man nicht immer dieselbe Skala für RPG, Beat-'em-up, RTS oder Adventure nähme,
wenn die Besonderheiten, welche ein Spiel und den Grund des Kaufes ausmachen, in die Wertung reinflössen,
wenn man bemerken würde, worauf die Entwickler beim Kreieren des Spiels ihr ganzes Können verwendet haben,
wenn man auch auf die schlechten Seiten des Spiels aufzeigen würde,
wenn man klären würde, für welche Zielgruppe das Spiel bestimmt ist,
dann könnte man eine annähernd objektive Bewertung durchführen.

melone 06 Bewerter - 1512 - 29. Dezember 2009 - 9:27 #

Die Objektivität einer Spielbewertung ist sehr an den Betrachter geknüpft und je nachdem wie sehr sich Tester und Spieler ähneln, führt dies zur ganzen Bandbreite von Hilfestellung bis Fehlinterpretation.

Ich denke am Sinnvollsten ist es Fakten objektiv aufzuzählen (kann dies, unterstützt folgende Hardware, hat hierbei Probleme) und die Spielbewertung subjektiv wiederzugeben. Hier findet dann am besten jeder Topf seinen Deckel - darum bitte unterschiedliche Charaktere (Vorlieben, Alter, Wissen) Spiele testen lassen.

Ob dies dann in einer Benotung außerhalb des Textes münden sollte, hängt von der Spielbeschreibung ab. In meinen Augen reicht auch ein groberes Raster, um dem Leser kurz anzuzeigen, wo das Spiel in etwa rangiert. Bei guten Texten und passenden Testern/Tests kann man's sicherlich auch weglassen; es entfällt dann lediglich der schnelle Überblick, sofern dies nicht anders kenntlich gemacht - Daumen hoch, Grimasse, Ampel, Männchen auf der Leiter, Sterne, etc. - wird.

Ein Bild sagt mehr als tausend Wort: Sprich, gut kommenierte Videotests vemitteln bei vielen - nicht bei allen - Spielen einen verständlichereren Blick auf Aspekt wie den Spielfluß, die Mechanik oder den Spielspaß. Demgegenüber steht der Spaß, den zeitlich entkoppelte und abstraktere Inhalte in Textform oder einem Audiokommentar liefern können.

Welchem Punkt ich nicht zustimme, ist, daß die Spiele besser wurden. Die Produktionsqualität ist enorm gestiegen, dabei wurden die Spiele aber auch immer belangloser und austauschbarer. Für das Groß der z.B. hier als gut befundenen Spiele, ist mir schlicht die Zeit und das Geld zu schade.

Desweiteren gibt es auch eine Vielzahl an Entwicklern, die keine Wertungs abhängigen Boni erhalten.

Zenturio_Kratos 12 Trollwächter - 1162 - 29. Dezember 2009 - 10:52 #

Ich persönlich bevorzuge durchaus Tests mit Wertungen, aber die Tester sollten auch das ganze Spektrum mehr ausnutzen.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 29. Dezember 2009 - 11:40 #

Es gibt immer wieder auch Spiele, die, ob zu Recht oder Unrecht sei mal egal, mit 55%, 65% oder 75% bewertet bwerden. Die kommen aber vll. bei Gamersglobal (zu Recht?) nicht vor! :)
Mich hätte eine Wertung zu Too Human bsplsw. sehr interessiert.

Johannes Mario Simmel 13 Koop-Gamer - 1565 - 29. Dezember 2009 - 17:09 #

Für mich waren die Prozentpunkte die ein Spiel erreicht hat nie der Hauptgrund ein Spiel zu kaufen oder nicht. Mir ging es eher um die Meinungskästen der Tester, in denen jeder seinen persönlichen Eindruck schildern konnte..

JohnnyJustice 12 Trollwächter - 932 - 29. Dezember 2009 - 20:14 #

Also doch nicht vollkommen wahnsinnig der Herr.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324136 - 29. Dezember 2009 - 20:46 #

Habe damals schon zur Spieletest-tot?-News folgenden Kommentar verfasst, den ich einfach 1:1 nochmal hier poste, weil er meine Meinung zum Thema gut ausdrückt. Der letzte Satz bezieht sich aber auf die damalige Diskussion, siehe http://www.gamersglobal.de/news/14271
.
.
>>
Ich finde Wertungen wichtig aus folgenden Gründen:

1. Sie dienen der schnellen Orientierung des Lesers, wenn er nicht den Text lesen will, oder um zu entscheiden, ob er ihn lesen will.

2. Sie erlauben den Vergleich -- innerhalb einer Serie, innerhalb eines Genres, innerhalb eines Magazins, zwischen Magazinen, zwischen Magazinen unterschiedlicher Länder. Menschen lieben Vergleiche, Listen, wer-ist-oben-wer-ist-unten. Das geht nunmal über eine Wertung (ob sie aus Gurken oder Gesichtern oder Punkten oder Prozent besteht) besser, als über freie Prosa.

3. Sie zwingen den Autoren und die Redaktion, sich Gedanken zu machen. Ist das wirklich ein 9.0er? Passt dazu der Artikeltext? Gebe ich die 4.5, weil ich schlecht drauf bin heute, oder kann ich sie rechtfertigen? Klingt der Text positiver, als es die Wertung vermuten ließe? Sollen wir die PS3-Version abwerten, oder ist das Tearing doch nicht so schlimm, um das zu rechtfertigen? Darin liegt ein Selbstkontrollmechanismus, der meiner Erfahrung nach zu ausgewogeneren Urteilen und Texten führt.

4. Sie machen die Redaktion / den Autoren kontrollierbar durch den Leser. Einen Meinungstext ohne Wertung kann man zwar "zu positiv" oder "zu negativ" finden, und man kann natürlich Einzelpunkte angreifen. Aber einem Hype-Test oder dem Nichterkennen eines Geheimtipps kommt man längst nicht so einfach auf die Spur, und kann nicht den Finger auf die Wunde legen. Was glaubt ihr, wie lange ich drüber nachgedacht habe, ob ich wirklich eine 9.5 für richtig ansehe bei Assassin's Creed 2?

Ich finde Wertungen nicht gut aus den folgenden Gründen:

1. Jeder Autor, der Spaß hat am Schreiben und am Argumentieren, wünscht sich, dass sein Text gelesen und verstanden wird. Nicht selten aber wird hauptsächlich auf die Wertung geschielt, die Argumente des Texts aber gar nicht gelesen (allerdings, Gegenfrage: Würden jene Leser die Argumente lesen, wenn keine Wertung drunter stünde?)

2. Wertungen spiegeln oft eine Objektivität vor, die es so nicht zu 100% geben kann. Spiele werden immer subjektiv wahrgenommen, was dem einen gefällt, findet der andere blöd.

3. Umso erfahrener ein Leser, desto weniger bringt ihm eine Wertung.

Unter dem Strich spricht für mich mehr für Wertungen als dagegen. Es ist klar, dass sie umso weniger wichtig sind, desto erfahrener der Rezipient. Und dennoch kann auch der Veteranenspieler ganz trefflich über Wertungen lästern, diskutieren, fachsimpeln.

Woran ich nicht mehr glaube, in 2004 aber eine Zeit lang geglaubt habe (das Resultat meines damaligen Glaubens sehr ihr noch heute in GameStar): Das "Errechnen" von Wertungen, indem man sie in Einzelteile aufdröselt. Das funktioniert schon deshalb nicht, weil das System nicht 100% ehrlich verwendet wird. Der Tester will am Ende eine bestimmte Wertung geben, und wenn er die nicht nach dem Rechensystem geben kann, wird er die Unterpunkte entsprechend anpassen, bis er sie geben kann. Wohlgemerkt, nicht über sein Gewissen hinaus, aber eben solange, bis er selbst ehrlich (emp)findet, dass es passt. Also ist seine Wertung keine objektive, sondern sie tut nur so. Ergo kann man gleich bei dem bleiben, was ich "subjektive Objektivität" nenne: Man versucht, möglichst neutral, objektiv, fair zu werten, ist sich aber bewusst, dass subjektive Elemente reinspielen, und macht nicht die ganz große Wissenschaft draus. Und lässt auch im Text die Meinung durchscheinen.

Aus diesen Gründen haben wir bei GamersGlobal ein im Vergleich zu GameStar und anderen vereinfachtes Wertungssystem. Wir vergeben 10 Noten sowie Halbnoten, um genau zu sein 19 Notenschritte zwischen 1.0 und 10.0. Wieso das? 10 Noten oder 5 Sterne oder nur Daumen hoch/runter scheint uns zuwenig Differenzierung zu erlauben, aber 100 sind mehr Differenzierung, als man braucht.

Diese Noten geben wir aus einer Mischung aus Gefühl, persönlichem Eindruck, Vergleichen mit anderen Spielen und früheren Noten -- und vor allem aus einem Prozess aus Abwägen/Diskutieren heraus. Wir überprüfen die Note zudem am Ende nach einer Faustregel (probiert's aus!):

Wir ziehen die Minus-Zeichen (also Contras) von den Plus-Zeichen (also Pros) in einem Wertungskasten ab (natürlich, nachdem er geschrieben wurde), nehmen das Resultat mal 0,5 und addieren es zu 5.0 (wenn es mehr Minus als Plus gibt, ziehen wir sie natürlich von 5.0 ab). Herauskommen sollte ungefähr die Note. Ungefähr! Wenn aber gar nicht, so stimmt was mit der Note nicht, oder mit dem Text, oder mit den ausgewählten Pro/Contra-Punkten. Sie passen dann einfach nicht zu einem schlüssigen Bild zusammen. Und dann verbessern wir den Punkt, der im Argen liegt. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass wir erkennen, dass da zwei genannte Contrapunkte eher mariginal wichtig sind. Es kann aber auch dazu führen, dass wir in der Note etwas hoch- oder runtergehen.

Aber das ist nur eine Faustformel, am Ende schreiben wir die Note drunter, die uns als Redaktion richtig erscheint, nach den Gesichtspunkten, die ich ganz oben unter 1. bis 5. aufgezählt habe.

Ich sage nicht, dass das das bestmögliche System ist. Aber es ist auf der einen Seite ehrlicher als so zu tun, als könne man Wertungen errechnen, ohne jede Subjektivität. Und es ist auf der anderen Seite für die Mehrzahl der Leser hilfreicher und transparenter, als einfach nur eine Kritik in den Raum zu stellen, die keinen eindeutigen Schlusspunkt hat, und die sich oft genug in einem endlosen Sowohl-als-auch vor einer Entscheidung drückt.

Wieso sich einige Leute hier (und auch anderswo) derart aufregen über Wertungen an sich, verstehe ich nicht. Überlest sie halt einfach, dafür gibt's ja durchaus Gründe.
<<

melone 06 Bewerter - 1512 - 29. Dezember 2009 - 21:53 #

Weil damit Verkäufe beeinflußt werden und sie nicht auf alle Alters- und Erfahrungsgruppen zugeschnitten sind.

Bei vielen Videospielen und Tests hat man das Gefühl es wäre besser irgendwo in der Pubertät stecken geblieben zu sein.

MichaelK. (unregistriert) 30. Dezember 2009 - 22:04 #

Also 20 Wertungsschritte finde ich im Prinzip auch ausreichend, aber von 0 bis 10 in 0,5er Schritten sind psychologisch nicht so gut, weil dann trotzdem jeder mit einem 100er System vergleicht. Dann eher sowas wie von 1 bis 20 in 1er Schritten oder ganz Innovativ und avangardistisch eine 20er Wertung von 80 bis 100% :-D *LOL*

lolibus (unregistriert) 29. Dezember 2009 - 22:00 #

Ob ein Spiel nun 80% oder 81% bekommt, ob nun bei Sound 5/10 steht, Grafik 3/10, Gameplay 7/10 steht, alles nur nackte nichtssagende Zahlen.

Eine Bewertung in Zahlen MÜSSTE eigentlich so sein, das man aus ihr, UNABHÄNGIG von anderen Sachen wie ZUSÄTZEN von TEXT oder BILDERN, eine KAUFENTSCHEIDUNG entnehmen kann. Kann man das?

Beispiel: Das Spiel nennt sich Super Duper JoKo 2 und hat die Bewertung 80%

Was sagt uns das? niks

Kann man Spiele mit Zahlen beschreiben? nein

Also wozu diese Zahlen? Wenn man aus der Prozentzahl alleine niks entnehmen kann, sondern nur im Textzusammenhang? Das würde ja dann die Subjektive Bewertung mit Objektiver Bewertung vermischen. Das macht die Objektive Bewertung zunichte, da sie von der Subjektiven Bewertung des Redaktuers Abhängig ist.

Mathematik sind aber nackte Zahlen mit denen man gewisse Sachen gut beschreiben kann, also warum kann ich ein Spiel nicht mit Zahlen bewerten? GANZ EINFACH, so wie alle Zahlen ein SYSTEM verfolgen und nur UNTER BESTIMMTEN GESETZTEN funktionieren (addieren, multipl. usw.), so müsste auch die BEWERTUNG EIN SYSTEM verfolgen und BESTIMMTEN GESETZTEN gehorchen.

Geht sowas? Nein, der Menschliche Geist ist schlichtweg zu blöd um ein Subjektives Erlebnis wie das Spielen eines Spieles zu bewerten und dann auch noch in ein ganz großes Bewertungssystem einzuordnen.

Als Beispiel, beschreibt mal euren Morgenspaziergang in Zahlen, damit meine ich nicht die Wegstrecke die ihr Zurücklegt, sondern alles was ihr SEHT, FÜHLT usw. So habt ihr das gemacht, geht jetzt Person B den SELBEN WEG WIE IHR und schreibt auch alles auf. Jetzt hätten wir sogar einen Vergleich. Was bringt uns das? nichts.

Man kann noch nichtmal den Morgenspaziergang in Zahlen beschreiben, weil es viel zu Komplex ist. Außerdem müsste man erst Person A und B´s Vorlieben, Lebensweg usw. in Zahlen beschreiben, damit man überhaupt einen Vergleich auf den Spaziergang hinbekommt. Man möchte am Ende nämlich die VORTEILE des Spaziergangs herausbekommen für Person A und B.

Das wäre eine Ordentliche Beschreibung in Prozentzahlen, soweit sind wir in der Mathematik aber noch nicht, das man Subjektive Erlebnisse mit Zahlen beschreiben kann. Wer mir jetzt nicht glaubt das ein Spiel nicht Objektiv bewertet werden kann, der schaut nur mal auf die Filme.
Einen Film kann man auch nicht in Prozentzahlen bewerten bzw. hat es genauso wenig Aussagekraft wie bei den Spielen wenn man Zahlen mit einfließen lässt.

Wer auch immer das hier liest, nein ich komme nicht aus der Anstalt und ja mir ist langweilig :D

Anonymous (unregistriert) 30. Dezember 2009 - 1:46 #

Ein paar Kommentare:

1. Ich brauche Wertungen!
Aktuelle Steam-Schnäppchen sind Mr. Robot und Stormrise.
Beide Namen sagen mir nix. Stormrise steht mit <60 in
der Gamestar-DB. Da gucke ich gar nicht mehr weiter.
Da entfällt die Mühe, mir jetzt eine Stunde im Netz
irgendwelche Tests durchzulesen. Mr. Robot finde ich
nicht bei gamestar, aber bei gamespot.com. Da fehlt
ein eigenes Review, aber die "Fremdwertung" liegt
bei plusminus 80% (Die Wertungen für Stormrise liegen bei 20-35 Punkte!)

Ohne Wertungen wüsste ich nicht nach 2 Minuten Recherche
im Web, dass ich mir Mr. Robot näher angucken muss und Stormrise links liegen lassen kann.

2. Lenhardt/Schneider
Nur in der Spielebranche gibt es diese personalisierten
Tests. In anderen Branchen sind die Tester anonym.
Ich mag zwar Meinungskästen, wie z.B. bei der
PCPowerPlay, frage mich aber auch immer, warum
die Spielebranche anders tickt.

3. Mehr als 80
Ich spiele alle Genres (zumindest theoretisch, wäre
da nicht der Zeitmangel) und ich gebe gerne zu, dass
(alle) Spiele mit 80er Wertung in meiner Wunschliste landen, 70er Spiele aber nicht.
Auch wenn ich durchaus Spaß mit 70er Spielen hatte, die mir
Freunde empfohlen (und geliehen) haben.
Aber wenn ich jetzt auch noch für jedes 70er Spiel
20-30 Euro bezahlen würde ...
Es gibt Genres in denen mache ich Ausnahmen (endlich
wieder eine Flippersimulation!), aber diese Spiele bekommt
man dann auch irgendwann kostenlos als Magazin-Spiel.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 31. Dezember 2009 - 0:16 #

"Nur in der Spielebranche gibt es diese personalisierten
Tests. In anderen Branchen sind die Tester anonym."

Schon mal Kinokritiken gelesen? Roger Ebert. Owen Gleiberman. Lisa Schwarbaum. Mick LaSalle.

Dass 70er-Spiele nicht bei Dir landen, zeigt nur, dass die PR-Maschine Erfolg mit der jahrelangen Botschaft "unter 80 ist Mist" gehabt hat.

Dein Punkt mit den Steam-Spielen ist gut. Andererseits sind das ja, wie Du schon sagst, Schnäppchen. Und mal den Spielenamen in Google eintippen und dazu ein "Review" oder "Video" kann ja auch nicht schaden. ;)

Auxan 11 Forenversteher - 760 - 4. Januar 2010 - 12:41 #

eine Wertung unter 80 war für mich noch nie Mist. Sondern ehr das Prädikat "Für Fans", was es meiner Meinung nach früher auch mal irgendwo gab.
Ein Aufbaustrategiespiel im Star Trek Universum mit einer Wertung von 74% ist damit für den durchschnittlichen Aufbaustrategiespieler villeicht nicht interessant. Für den Fan des Star Trek Universums aber schon.

Theryn (unregistriert) 30. Dezember 2009 - 2:12 #

Hallo zusammen!

Naja, die Meinung des Autors teile ich nun nicht unbedingt.

Die Frage, ob ein Test nun eine Bewertung in Form eines Zahlenwertes haben sollte, oder ob die Qualität des Spiels aus dem Text selbst herauszulesen ist, stellt sich meiner Meinung nach gar nicht.

Beides kann funktionieren, beides sind nur unterschiedliche Herangehensweisen an dieselbe Aufgabe.

Die Probleme der Spieletest-Branche sind ganz andere.

Da haben wir zum Einen die hausgemachten Probleme:

Ich habe mich schon auf Jörgs Blog vor einigen Jahren mit ihm darüber beinahe gestritten, aber meine Meinung hat sich nicht geändert.
Demnach haben sich, wie ich denke, weite Teile der Branche nach und nach unglaubwürdig gemacht, weil zu bereitwillig die für dieses Metier nötige Objektivität zugunsten einer Nähe zur Spieleindustrie über Bord geworfen wurde.

Das bedeutet, dass, egal welches Bewertungssystem man nun bevorzugen würde, es immer auf die Konsequenz ankommt, mit der man seine Bewertungsmaßstäbe ansetzt.

Da über viele Jahre hinweg diese Bewertungsmaßstäbe aber verwässert wurden, wurde die ganze Branche verwässert. Darum habe wir viele, die was sagen wollen, obwohl nur die wenigsten qualifiziert sind.

Und mit qualifiziert meine ich nichtmal sowas wie ein spezielles Studium oder so. Nein, es geht um das Bemühen einer objektiven und konsequenten Berichterstattung.

Das ist meiner Ansicht nach das Hauptproblem, woran die ganze Branche zu knabbern hat.

Zum Anderen gibt es da aber noch das Problem, was die Einordnung eines Spiels in einen bestimmten Bereich betrifft. Was ist ein Computerspiel? Darüber streiten manche Leute schon lange.

Ist ein Computerspiel ein rein handwerkliches Produkt? Ist es Kunst? Womit ist ein Computerspiel vergleichbar?

Spontan würde man wohl sagen, ein Spiel ließe sich am ehesten mit einem Film vergleichen. Und das würde Sinn machen, denn auch wenn man kaum den künstlerischen Anspruch eines Blockbusters bewerten würde, so zählt eben dieser doch zu einer bestimmten Kunstform.

Kunst selbst kann man nun zu würdigen wissen oder auch nicht, aber bewerten kann man nur die handwerklichen Komponenten, die das Gesamtkunstwerk ergeben.

Und hier ist nun die Schwierigkeit zu finden. Wie wichtig ist zum Beispiel der Grafikstil und die Qualität der Grafik für das Gesamtkunstwerk? Muss Grafik immer gleich kritisch beurteilt werden oder ist das von Fall zu Fall unterschiedlich?

Wie ist es mit der musikalischen Untermalung? Sind bombastische, orchestrale Einspieler per se ein Qualitätsmerkmal? Oder muss auch hier das Gesamtkunstwerk als solches betrachtet werden?

Das sind nur zwei von zahllosen Kriterien.

Ich denke, dass diese Überlegungen die grundlegende Herangehensweise an Spieletests in Frage stellt. Natürlich muss es nicht so elitär wie bspw. bei der Literaturkritik zugehen. Aber man sollte die Lockerheit, mit der man seine Zielgruppe anspricht, nicht verwechseln mit einer Lockerheit, mit der man das zu kritisierende Spiel durchleuchtet.

Um es also abschließend nochmal auf einen Punkt zu bringen:

Die Spieletestbranche hätte sich besser etablieben können und müssen. Die Hauptprobleme sind hausgemacht und liegen in der Inkonsequenz und teilweise auch Inkompetenz der Tester begründet.

Ich bin zum Beispiel überhaupt nicht der Meinung, dass es heute so viele Spiele gibt, die nicht schlecht bewertbar sind, da sie überdurchschnittlich sein sollen. Das ist für mich Quatsch. Es ist nur viel leichter geworden, Produkte aufzublasen und qualitative Mängel zu übertünchen.

Daraus resultiert auch mein Vorwurf an die Spieletestbranche, sich selbst zu einem Bestandteil der Marketingmaschinerie zu degradieren. Hypes bspw. könnten doch gar nicht funktionieren, stünden die namhaften Spieletestmedien nicht bereitwillig auf dem Plan, um da kräftig mit zu mischen.

Das zweite Problem mit der oben beschriebenen Einordnung ist eine formale Sache. Jemand, der die damit verbundenen Fragen für sich beantwortet, wird eine methodische Grundlage haben, auf der er für andere nachvollziehbar seine Kritik verfasst.

So viel dazu von mir. Ich danke für die Aufmerksamkeit.:-D

Auf bald!

Theryn

Falconer 13 Koop-Gamer - 1500 - 30. Dezember 2009 - 11:25 #

@lolibus
Du bist klasse! Deinem Beitrag gilt meine uneingeschränkte Solidarität. Genauso hätte ich es auch formuliert. Insbesondere dem Vergleich mit Filmen, Musik und Literatur müssen sich Spiele stellen und nicht dem mit Camcordern, Fernsehern oder Grafikkarten. Seriösität erlangen Rezensionen nicht mit einer Zahlenbewertung. Im Gegenteil. Und, sorry Jörg, eine subjektive Objektivität gibt es nicht.

Aber um zu unterlegen, dass auch ich mich die letzten 20 Jahre nicht dem Einfluss von Zahlenwertungen entziehen konnte: Da ich es berufs- und familienbedingt schon lange nicht mehr schaffe, alle mich interessierenden Games zu zocken, habe ich mir selbst bestimmte Regeln zur Disziplinierung des Kaufverhaltens auferlegt. Dazu gehört u.a. die magische 85% (oder 8.5 Punkte...)-Linie. Was drunter liegt, fliegt von meinem Einkaufszettel. Unter anderem wohlgemerkt. Ich bediene mich also bewusst eines Hilfsmittels, dass ich eigentlich ablehne. Zwar aus der (Zeit-)not heraus, aber trotzdem irgendwie bewusstseinsspaltend. :-)

Bernd (unregistriert) 30. Dezember 2009 - 20:27 #

Nicht nur die EDGE macht es vor, auch die deutschsprachige GEE verzichtet auf Wertungszahlen und wird gerade deshalb von mir allen anderen Publikationen (ob Print oder Online) vorgezogen. Da werden Spiele nämlich tatsächlich nach dem beschrieben, was sie so spielenswert machen: Emotionen. Und das Konzept geht offensichtlich erstaunlich gut auf.

Gruß,

Bernd

MichaelK. (unregistriert) 30. Dezember 2009 - 22:00 #

Die GEE finde ich schön zum lesen, aber die Spiele"Tests" kann man in der Tonne rauchen. Da werden große Vollpreistitel auf einer halben Seite abgehandelt und ob das Spiel gut oder schlecht ist, ist aus den Tests auch nie so richtig rauszulesen.

Roland Austinat Freier Redakteur - 3303 - 31. Dezember 2009 - 0:19 #

Kein Kinofilm oder kein Buch wird auf acht Seiten abgehandelt, nirgendwo. Gegenbeweise willkommen. :)

Dein zweiter Punkt bietet Raum für Verbesserungen - wenn die Autoren einmal gemerkt haben, dass es eben nicht um einen herkömmlichen Test geht, kriegen sie das im Laufe der Zeit immer besser hin.

MichaelK. (unregistriert) 2. Januar 2010 - 1:30 #

Kein Kinofilm oder Buch kostet neu so viel wie ein Vollpreisspiel und bietet auch so viele Optionen. Ein Film guckt man sich an. Ein Buch liest man. Ein Spiel ist viel Anspruchsvoller, weil man a) mehr machen muss um es zu erleben und b) es viel mehr Kriterien gibt, ob ein Spiel spaß macht oder nicht. Beim Buch gibts keine Steuerung, beim Film kann man schlecht eine Soundwertung machen und Items, Spielwege etc. pp gibts alles bei anderen (passiven) Medien nicht. Ein Spiel kann fast so komplex wie ein Auto sein und entsprechend sollte ein Test aussehen. :)

Falconer 13 Koop-Gamer - 1500 - 4. Januar 2010 - 11:54 #

Natürlich kann man Einzelkriterien wie Steuerung, Grafik und Sound in Zahlen bewerten. Aber die ergeben halt nicht den Spielspaß, sondern beeinflussen ihn allenfalls. Und der Spaß an einem Game kann nicht in Zahlen gemessen werden. Ausgeschlossen. Das Spielerlebnis sollte man daher auf jeden Fall mit anderen Kulturgütern wie Film, Literatur und Musik vergleichen. Muss man meines Erachtens sogar, wenn man das Thema Games aus den Kinderschuhen rauskriegen möchte. Da steckt es nämlich weiterhin drin, solange die journalistische Darstellungsform weit, weit weg vom Feuilleton stattfindet. Bunte Blätter, auf eine jugendliche Zielgruppe ausgerichtet. Mit seichten Texten und Zahlenbewertungen wird man dem Medium schon heute, wo die Erzählformen von Spielen noch extrem einfach gehalten sind, kaum noch gerecht. Ich hoffe sehr, dass "Heavy Rain" einen wichtigen Entwicklungsschritt in Sachen Spielerlebnis darstellen wird...

McFareless 16 Übertalent - 5556 - 2. Januar 2010 - 2:07 #

Guter Artikel auch wenn ich selbst doch eine Bewertung zu schätzen weiß.
EDGE ist da wirklich ein gutes Beispiel

furzklemmer 15 Kenner - 3108 - 2. Januar 2010 - 14:10 #

Ich persönlich lese in der GameStar fast nur noch die Meinungskästen. Ich halte bei Dingen, bei denen es um Spaß geht, schon immer mehr von subjektiven Eindrücken als von Wertungen und vermeintlich objektiven Texten, die mir zudem meist schon die Hälfte der Story verraten.

Ich will generell gar nicht so viel über ein Spiel informiert werden, bevor ich es spiele. Ich will es selbst erleben.

Anonymous (unregistriert) 3. Januar 2010 - 19:47 #

ich sehe eine wertung als positiv an, solange sie nicht - wie bei der gamestar - auf angeblich völlig objektive art durch ein punktesystem zustande kommt (was da in unterkategorien alles hingebogen wurde, nur um eine passende endwertung zu erhalten, geht auf keine kuhhaut). wenn eine wertungszahl allein aufgrund der persönlichen spiel-erfahrung des redakteurs zustande kommt, wobei der redakteur wirklich ERFAHREN ist und über ein großes fachwissen im jeweiligen genre verfügt (mit einem großteil der konkurenzprodukte ebenfalls erfahrungen gemacht hat), so empfinde ich sie schlicht als PRÄGNANTER als ein fazit-satz.
also PRO wertungszahl
und KONTRA punkte aus unterkategorien aufsummieren.

Klaus Ohlig 14 Komm-Experte - 2200 - 7. Januar 2010 - 11:23 #

Grundsätzlich gebe ich Roland recht: eine numerische Wertung ist verzichtbar, wenn ein Artikel (ob man den nun "Spieletest" oder "Bericht" nennt, ist dabei irrelevant) die Eigenheiten eines Titels nachvollziehbar schildert.

Objektive Bewertungsmaßstäbe existieren für Spiele ebensowenig wie für Bücher, Filme oder Musik; allenfalls in Teilbereichen lassen sich unumstößliche Tatsachen anführen (Mindest-Systemanforderungen, Anzahl der Wörter bzw. Laufzeit), aus denen sich aber dummerweise keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität eines Werkes ziehen lassen.

Die Tatsache, dass viele Arten von Computerspielen bedingt durch den technischen Fortschritt im Vergleich zu anderen Formen der Unterhaltung überdurchschnittlich schnell altern, macht die Sache nicht besser: eine Messe von 1750, einen Roman von 1850, einen Film von 1950 mag man heute noch genauso großartig finden wie zum Zeitpunkt ihres Erscheinens. Ein Spiel von 1985 hat dagegen höchstens in den nostalgisch verklärten Erinnerungen derjenigen eine Chance auf höhere Weihen, die schon damals in seinen Genuß gekommen sind.

Aber natürlich wünscht man sich als Fan/Konsument neben der Betrachtung eines einzelnen Titels auch einen Vergleich mit anderen Vertretern des gleichen Genres, wobei diese meiner Meinung nach recht eng gesteckt sein müssen: das (bespielsweise und völlig aus der Luft gegriffen) DIABLO ein besseres "Rollenspiel" wäre als ULTIMA 7, würde vermutlich nicht nur mir sauer aufstoßen. Golf-, Football- oder Aurorennspiele mag man alle grob als "Sportspiele" bezeichnen, doch auch hier ist eine weitere Unterteilung unabdingbar.

Nur innerhalb solcher eng gesteckten Grenzen kann man beginnen, und das wiederum überwiegend subjektiv, ein Spiel als vergleichsweise besser zu bezeichnen. Dafür braucht man dann allerdings keine Prozentwertung oder ähnliches, sondern reiht Neuerscheinungen schlicht in die Liste der älteren Titel ein, und gibt dazu GANZ GROB an, ob der Spielspaß als ehr gering, durchschnittlich oder groß einzuschätzen ist. Alle später erscheinenden Titel, die sich in der Rangliste vor diesem platzieren können, haben dann bitteschön die gleiche oder eine bessere Spielspaßwertung zu erhalten!

Zur besseren Übersicht (und um der historischen Relevanz der Oldtimer gerecht zu werden) könnte man dabei jeweils noch Erscheinungsmonat und die damalige Platzierung mit angeben. So wäre dann z.B. ersichtlich, dass ein inzwischen auf Platz 30 abgerutschtes Spiel bei Erscheinen ein Toptitel war, oder bereits damals die Top 10 knapp verfehlt hat.

Kleines Beispiel: war 1993 eine ganze Redaktion von DOOM begeistert (kann ich dem entsprechenden Test entnehmen), so ist es inzwischen vielleicht auf Platz 123 der Ego-Shooter Rangliste abgerutscht, weil derweil viel Wasser den Rhein runtergelaufen ist. In der Bestenliste steht also:

Platz: 123 (1)
Titel: Doom
Erschienen: 12-1993
Spielspaßwertung: sehr hoch

Folglich hätten wir heute mindestens 123 Ego-Shooter, deren Spielspaß bei Erscheinen als "sehr hoch" gewertet wurde. Da allerdings 122 davon in der Rangliste über Doom stehen, bräuchte ich mir das heute dank besserer Alternativen wohl selbst als Fan des Genres nicht mehr zu besorgen. Will ich hingegen alle ehemaligen Superspiele in der Sammlung stehen haben, komme ich an diesem ehemaligen und als sehr spaßig bewerteten Spitzenreiter auch heute nicht vorbei.

Klaus Ohlig 14 Komm-Experte - 2200 - 7. Januar 2010 - 12:52 #

Hab grad noch mal drüber nachgedacht:

Jeder Kritiker braucht für jedes Genre eine eigene Rangliste. Warum?

Mal angenommen, ID hätten seit 1993 alle 2 Jahre eine Neuauflage von Doom auf den Markt gebracht (DOOM'95, DOOM'97 ... DOOM 2009), alle mit identischem Levelaufbau, identischer Bedienung usw, nur grafisch und soundtechnisch jeweils auf den Stand des Machbaren gebracht. Objektiv betrachtet wäre DOOM 2009 dann wohl das beste Doom aller Zeiten.

Ein Kritiker, der bereits alle 8 Vorgängerversionen (und nebenbei 100 andere Egoshooter) hat testen dürfen, würde den Spielspaß allerdings kaum noch als "sehr hoch" empfinden - im Gegensatz zu einem völligen Neuling im Genre. Setzt man dem Neuling hingegen nach DOOM 2009 das inzwischen technisch völlig veralterte DOOM'93 vor, schmeißt dieser vermutlich bereits nach 5 Minuten die Tastatur gelangweilt in die Ecke...

Der Leser braucht also die Möglichkeit, möglichst viel über einen Kritiker erfahren zu können, um dieses Profil dann mit seinem zu vergleichen: fand jemand überwiegend Spiele gut die man selbst auch mag, oder gehen die Geschmäcker offensichtlich weit auseinander? Wie gut kennt man ein Genre selbst, wie bewandert ist der Kritiker? Wenn ein Veteran einen Titel als "zu einfach" empfindet und ein Neuling ihn für "unschaffbar schwer" hält, wessen Urteil ist dann für mich ehr relevant?

Online lassen sich Vergleiche dieser Art übrigens viel leichter realisieren als im traditionellen Heftformat... ;-)

Paxy 13 Koop-Gamer - P - 1277 - 7. Januar 2010 - 15:25 #

Ich bevorzuge das gute alte Schulnotensystem.

"Ein ausreichend ist bestanden, bestanden ist gut und gut ist ne zwei!!" ;)

Ne also, wenn man bewerten soll würde ich auf etwas zurückgreifen das sogut wie jeder mindestens 9 jahre lang kennengelernt hat.

Eine 4 ist keine tolle Note aber immerhin noch verwertbar.
Das plus und minus reicht auch völlig aus.

eine 87% was ist das? oder eine 8,4 woher kommt die? da werden ausgeklügelte checklisten ausgearbeitet und Sachen berechnet...

Ich bin auch eher der Fazitleser und die Zahl am Ende rundet halt das ganze ab. Aber eine Wertung ohne ein Fazit ist für mich eher ein No Go als anders herum

Christoph 17 Shapeshifter - P - 6483 - 7. Januar 2010 - 18:20 #

Roland, Du hast im Grunde vollkommen recht!
Ich will aus einem Test auch dieselben Dinge herauslesen wie Du, und die fehlen mir auch viel zu oft.

Dennoch muß ich zugeben, daß mir die Wertungen schon irgendwo helfen; aber nicht allein für sich, schon gar nicht als lineare Skala von 0-100, am besten noch in gleichmäßigen Schritten - die existiert ja so natürlich nicht.

Aber gerade weil es so viele Spiele gibt und in der Zusammenschau mit anderen Daten, z.B. dem Spielehersteller und auch der Person des Testers, sagt sie schon etwas aus, und wenn sie mir nur hilft, eine Vorauswahl zu treffen und die Spreu vom Weizen zu trennen, wenn ich nicht selbst alle Spiele kenne oder mitverfolgen kann, die mir hervorragend gefallen würden.

In gewisser Weise hilft mir die Wertung quasi zu entscheiden, ob ich den Artikel überhaupt lese, aus dem ich dann das herauslesen will, was du auch darin suchst. (Mir ist klar, daß das in gewisser Weise paradox ist, und viel öfter hilft mir auch der Name des Verfassers zu entscheiden, ob ich den Artikel lese ;))

Allerdings weiß ich auch, daß viel zu oft eine "79" den wirtschaftlichen Tod eines Spiels bedeutet, weil an viel zu vielen Stellen und von zu vielen Leuten ein Spiel auf eine Zahl reduziert wird. Das haben oft die Macher nicht verdient, und oft entgeht uns dadurch ein vielleicht noch besserer Nachfolger. Insofern stimmt es, ohne kritisches Mitdenken und viel sonstiges Drumherum-Achtgeben ist die eine Zahl sowohl meist falsch als auch jedenfalls ein sehr unzuverlässiger Ratgeber.

Klaus Ohlig 14 Komm-Experte - 2200 - 7. Januar 2010 - 18:58 #

Zumal es ja nicht nur von seiten des Kritikers eine subjektive Betrachtung ist:

Wenn in meinem Lieblingsgenre seit Ewigkeiten kein einziger Titel erschienen ist und ich die Klassiker bis zur Vergasung ausgereizt habe, sind 79% (ich übersetzte das mal als "Spielspaß: gut") durchaus eine Überlegung wert. In einem mit aktuellen Highlights überlaufenem Fach hingegen fällt ein solcher Neuzugang gnadenlos durch. Interessiert mich das Genre eh nicht die Bohne, würden auch 100% keine Anschaffung rechtfertigen.

SirDalamar 14 Komm-Experte - 2035 - 19. Januar 2010 - 17:13 #

An dieser Stelle bin ich sehr froh, dass gerade Roland Austinat das geschrieben hat:
"Das ist gar nicht mal böse gemeint. Doch wer immer nur von den gleichen fünf Personen über die neuesten Spiele informiert wird, kennt nach einer Weile deren Geschmack und deren Vorlieben, so dass im Extremfall schon ein "Superspiel, unbedingt kaufen!" reicht. In der heutigen Medienlandschaft gibt es jedoch so viele Magazine, Webseiten und Co., dass es einfach gar nicht möglich ist, alle Schreiber so gut wie die besten Freunde zu kennen."
Tatsächlich war ich Jahre lang ein treuer leser der PC Player (meiner Meinung nach die beste PC Zeitschrift, die es in Deutschland bis jetzt gegeben hat... was die gedruckten angeht, zumindest) und war mir schon von Anfang an jedes Mal sicher: Wenn das Spiel Manfred Duy gefällt, dann mag ich es wahrscheinlich auch. Und das hat sich immer, und immer wieder bewahrheitet.
Leider werden die Wertungen immer seltsamer, und ich kann das ganze immer schlechter nachvollziehen. Gleichzeitig gibt es aber auch immer weniger Demos mit denen man sich selbst ein Bild machen könnte. Was bleibt, ist das traurige Fazit: Man muss mindestens 5 Tests lesen, und schauen was davon hängen bleibt. Liest es sich gut, und stören mich die Negativen Punkte nicht zu sehr, dann mag ich das Spiel wahrscheinlich auch.
Allerdings tut sich hier ein weiteres Problem auf: Wird man als PC - oder Videospieler überhaupt *zu* anspruchsvoll mit der Zeit? Zum Beispiel hat mir bis zum Release von Dragon Age kein Rollenspiel mehr *wirklich* Spaß gemacht, so wie damals Baldur's Gate II, und kein RTS konnte mich jemals wieder so fesseln wie SC und WC III. Diese Überlegung wäre eigentlich auch schon einen Artikel wert, findet ihr nicht? ;)
Auf jeden Fall freue ich mich immer, wenn es noch Seiten oder Zeitschriften gibt, die noch nicht so ganz "verdorben" sind. Bei GG hat mich zum Beispiel die hohe Wertung von The Conduit überrascht und gefreut - das Spiel war zwar simpel und alles wurde schon tausend mal zuvor gemacht, aber dank der Steuerung hat es einfach nur Spaß gemacht. Und darum geht es ja. Irgendwie.
So, genug geschrieben. Ich glaube sowieso nicht, dass einer die Geduld hatte sich das alles anzutun ;)

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