Jörg Langer meint:

Altertümliche Alterseinstufungen Meinung

Jugendschutz ist ein in der Verfassung fest verankertes Gut, an dem in Deutschland niemand rütteln will. Aber im Namen des Jugendschutzes macht die Poltik Vorgaben, die für USK, BPjM oder auch Spielehersteller schwer umzusetzen sind. Und die nicht unbedingt ihren Zweck erfülllen, nämlich Jugendliche zu schützen. Meint Jörg Langer.
Jörg Langer 4. September 2009 - 23:33 — vor 7 Jahren aktualisiert
Anfuehrung
Wer nach kurzem Blick auf das Foto oben die Familienministerin der letzten (und bald: vorletzten) Legislaturperiode erkennt und daraus haarscharf folgert, dass die Aufnahme bereits ziemlich alt ist, hat völlig recht. Und dieser Uralt-Status passt dann doch ganz gut zu dieser Kolumne: In Sachen Jugendschutz hat sich in Deutschland nämlich seit gefühlt 50 Jahren nichts getan. Zumindest nichts Positives. Das beziehe ich nicht auf die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien oder die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle. Sondern auf den Glauben, mit Zahlen und Verboten Jugendliche schützen zu können.

Die Unendliche Geschichte

Vor einiger Zeit wollte ich mit meinen Töchtern (4 und 5,5 Jahre) einen Film anschauen. In Ausübung meines elterlichen Privilegs (ich dürfte auch z.B. ein USK-16-Spiel mit meinem imaginären 12jährigen Sohn spielen, wenn ich das für richtig halte) hatte ich mich für Die Unendliche Geschichte, FSK 6, entschieden. Ein in meiner Erinnerung harmloser Film, bei dem dieser nette Plüschdrache Fuchur herumfliegt, und Atreju die Prinzessin rettet. Relativ früh im Film ziehen Atreju und sein treues Ross Artax durch die Sümpfe der Traurigkeit. Wer keinen starken Willen hat, egal ob Mensch oder Tier, versinkt in ihnen. Als Artax schon bis zum Leib im Sumpf eingesackt ist, wendet sich meine Ältere ängstlich an mich: "Stirbt das Pferd jetzt?". Und ich, voller Überzeugung: "Nein, das Pferd überlebt, wirst schon sehen." Was sie dann sah, war, dass dieser blöde Gaul versank. Blupp. Während sich meine jüngere Tochter danach erkundigte, ob Artax jetzt da unten mit anderen toten Pferden sprechen kann, verwandelte sich meine Ältere in einen fünfeinhalbjährigen menschlichen Rasensprenger. Sie war völlig fertig, und die Unendliche Geschichte für uns vorzeitig zu Ende.

War es jetzt das knappe halbe Jahr Unterschied zur Altersempfehlung "ab 6 Jahren" der FSK? Hätte sie in einem halben Jahr anders reagiert? Ich glaube nicht. Wie ein FIlm oder ein Spiel wahrgenommen wird, hat mindestens so viel mit der Reife, der Empathie, der Stimmung (und zig anderen Faktoren) des Kinds oder Jugendlichen zu tun, mit den Erklärungen und gegebenenfalls der Auswahl von Szenen durch einen Erziehungsberechtigten, wie mit dem eigentlichen Film oder Spiel. Während ich meinen Töchtern schon GTA 4 vorgespielt habe (Autofahren und Herumlaufen, ohne jede Gewalt) und sie das toll fanden, vor allem im simulierten Regen, waren sie völlig bestürzt darüber, als ich bei Race Driver GRID die Karosserie meines Rennwagens verbeult habe: "Ist dem Autofahrer was passiert?"

Sieg für den gesunden Menschenverstand?

Die aktuelle Gesetzeslage unterstellt, mit der Ziffernfolge "ab 18" würde Jugend geschützt.
Die aktuelle Gesetzeslage aber unterstellt, mit der Ziffernfolge "ab 18" würde Jugend geschützt. Die USK müht sich redlich, diese Gesetzeslage mit der modernen Medienwirklichkeit halbwegs zu versöhnen, und kommt zu durchaus überraschenden Urteilen: Bei GTA 4 geruhten die USK-Gutachter, auch die Populärkulturpersiflage, die Gesellschaftskritik, den kaputten Helden in dem Spiel zu sehen, und klebten am Ende eine "18" drauf. Und eben nicht "Keine Kennzeichnung", wie man es hätte befürchten können. Ein Sieg für den gesunden Menschenverstand.

Ich möchte noch weiter gehen: Viele 16- oder 17-jährige, ich würde einfach mal annehmen, die allermeisten, sind psychisch so gefestigt, dass sie von einem GTA 4 nicht in ihrer Seele beschädigt werden oder auf dumme Gedanken kommen. Ihnen das Spiel vorzuenthalten, erscheint mir unnötig, ja sogar ein Verlust: GTA 4 kann nämlich durchaus zum Nachdenken anregen, etwa über den Mist, der uns tagtäglich im Fernsehen vorgesetzt wird. Oder darüber, dass Gewalt auf Dauer eben doch keine Probleme löst, sondern neue schafft.

Davon mal ganz abgesehen: Jugendliche, die es wollen, spielen ein ihnen wichtiges 18er Spiel auch, auf welchem Weg auch immer: Raubkopie, beim Freund oder einer "netten" Videothek ausgeliehen, meist aber schlicht durch Kauf und Duldung der Eltern. Interessant ist nun, was das für eine Duldung ist. Eine aktive, die sich mit dem Spiel X auseinandersetzt, die gar das gemeinsame Spielen mit dem eigenen Töchterlein oder Sohnemann umschließt? Oder die passive Duldung nach dem Motto: "Hauptsache, der quengelt nicht rum"? 

Jugendschutz ist auch Elternsache


Auf die USK- oder FSK-Kennzeichen achten doch eh nur diejenigen Eltern, die auch die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln mental umsetzen können oder mit ihren Kindern frühzeitig darüber sprechen, wieso sie sich von harten Spirituosen fernhalten sollten: Eltern mit einer gewissen Mindestbildung, die sich um ihre Zöglinge aktiv kümmern. Eltern hingegen, denen ich im PEP in München zusehen kann, wie sie Zigarettenqualm in Richtung ihres Babys exhalieren, sind ein paar Jahre später auch nicht für Jugendschutz der Marke "Verboten unter 12" empfänglich.

Für Eltern jedoch, die sich nicht kümmern, haben USK-Kennzeichen keine Bewandnis. Und nun können wir uns ewig im Kreis drehen und bei jeder Umdrehung die Auflagen für die Spielehersteller noch weiter hochschrauben oder die USK-Kennzeichen solange vergrößern, bis der Spielename nur noch auf die Rückseite passt. Oder wir könnten als Gesellschaft anders mit dem Thema Jugendschutz umgehen. Weniger verkrampft. Wirklichkeitsnäher. Eher fördernd als verbietend. Herrgott, bin ich der Einzige, der überzeugt ist, dass heutige Jugendliche in vielen Dingen (und dazu gehört die Mediennutzung) reifer sind als ihre Großeltern im selben Alter?  Kann man sich bitteschön dieser Wirklichkeit mal anpassen und weniger verbiestert auf alles reagieren, was a) Computerspiel ist und b) Gewaltdarstellungen enthält?

Mit der Einstellung gewisser Humptata-Politiker und fortpflanzungswütiger Familienministerinnen könnte man sich auch den Kinderfasching ansehen und würde darin statt "Cowboy und Indianer" etwas anderes sehen, nämlich den nachgespielten Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern. Zeigt dieses Beispiel, wie abstrus die Diskussion um virtuelle Gewaltdarstellung teilweise verläuft? Selbst Lego bietet mittlerweile Kampfroboter für die Kleinen an, mit "echt feuernden Raketen" und anderen Highlights -- aber in elektronischer Form ist sowas böse und erst ab einem viel späteren Alter geeignet? In "Heute" um 19:00 Uhr, in der Tagesschau um 20:00 Uhr sind unsägliche Szenen zu sehen sind, bei den Privaten noch früher und noch unsäglicher. Das scheint die 17jährigen doch auch nicht zu verrohen.

Schützen kann nur, wer weiß, wovor er schützt

Eine Gesellschaft muss auch Grenzen ziehen.
Ich will nicht, dass Alterskennzeichnungen abgeschafft werden. Es gibt ja Eltern, die sich kümmern, und eine Gesellschaft muss auch Grenzen ziehen, muss sagen: "Das wollen wir nicht in Kinderhand sehen". Aber die Glaubwürdigkeit solcher Grenzen wäre höher, wenn sie sich an der Wirklichkeit, an den deutlich höher liegenden Messlatten anderer Medienbereiche orientieren würden. Aber auch dann reicht eine Zahl allein nicht. Die Eltern brauchen Medienkompetenz. Wer selber spielt, und wenn es nur ab und zu ist, kann sich sehr viel besser in das eigene Kind hineinversetzen und entscheiden, ob ein bestimmtes Spiel geeignet ist oder nicht. So wie auch ein Nichtschwimmer größere Probleme dabei haben wird, seinem Kind das Schwimmen beizubringen. Wenn er überhaupt ein Interesse daran hat.

Doch was wird Eltern, die sich nicht selbst mit Computerspielen beschäftigen, tagtäglich eingeredet? Dass Spiele etwas potenziell gefährliches sind, dass es darunter "Killerspiele" gibt. Sie hören, dass sich die Politik ständig damit beschäftigt, wie gegen diese Spiele noch härter vorgegangen werden kann. Das fördert sicher nicht die Bereitschaft, sich aktiv mit der Thematik auseinanderzusetzen und Kompetenz aufzubauen. Um dann ein ernstzunehmender Gesprächspartner für den eigenen Sohnemann zu sein, wenn der mit 13 glaubt, GTA 5 spielen zu müssen.

Computerspiele als Schul-Pflichtfach?


Die Themen Internet und Computer und Videospiele müssten in Deutschland viel stärker als etwas ganz Normales dargestellt und gefördert werden, vielleicht schon im Kindergarten, spätestens aber in der Grundschule. Denn nur, wer etwas kennen lernen kann und die positiven Seiten gezeigt bekommt, kann auch einen Schutz (im eigenen Kopf!) gegen die negativen Seiten entwickeln. Früher oder später werden die Kinder sowieso mit all dem konfrontiert, was wir ihnen lieber ersparen würden -- eine im YouTube-Video sterbende Iranerin. Verblutende Bürgerkriegsopfer. Und abgetrennte Gliedmaßen in Fallout 3 uncut. Diese Konfrontation erfolgt vermutlich eher früher denn später, vor allem aber in einem anderen Umfeld, als das prohibitiven Eltern Recht wäre. Deshalb plädiere ich dafür, nun ja, vielleicht nicht gleich Computerspiele, aber doch zumindest Computernutzung und Internet zu einem sehr frühen Zeitpunkt tatsächlich als Pflichtfach in die Schulbildung aufzunehmen. Und nicht erst als weltfremde "Informatik" in den oberen Klassenstufen.

Jugendschutz muss aber vor allem im sozialen Umfeld und in der Familie stattfinden, und er muss -- innerhalb der Möglichkeiten -- auch für die "Geschützten" nachvollziehbar sein.Jugendliche können sehr wohl erkennen, wenn etwas sinnvollerweise für sie verboten ist. Sie werden sich zwar dennoch nicht immer um das Verbot scheren, aber immerhin bleibt eines aus: der Spott und Hohn über Gesetze, die offensichtlich an der Wirklichkeit vorbeizielen. Andernfalls fällt ihnen nur auf, dass diese Grenzen von Leuten gezogen und vertreten werden, die sich an ihre eigene Jugend meist nur noch erinnern, wenn sie alte Familienalben mit ihren Enkeln durchblättern.

In der Konsequenz braucht es für einen wirkungsvollen Jugendschutz deswegen neben den Formalien (Alterskennzeichnung) und der aktiven Mitwirkung der Eltern noch etwas ganz Wichtiges: Medien- und Spielekompetenz bei den Politikern, Gutachtern und sonstigen Involvierten -- zumindest, wenn sie wollen, dass Jugendschutz der Jugend auch etwas bringt -- statt nur eine Worthülse zu sein, über die man sich jederzeit billig in Wahlkampfauftritten profilieren zu können glaubt. Der Jugendschutz in seiner jetzigen Form ist systemisch antiquiert, mal ganz abgesehen davon, dass auch die Alterseinstufungen an sich eher altertümlich anmuten, wenn man sie mit denen für das restliche Europa geltenden vergleicht.

Euer Jörg Langer
Abfuehrung
GamingHorror Game Designer - 968 - 6. September 2009 - 18:43 #

Toller Artikel, ich hab ein paarmal Lachen müssen wegen der schönen Analogien. Menschlicher Rasensprenger. :D

Ich würde noch einen Tick weitergehen und sagen das in Schulen vor allem das Fach "Medien" Einzug halten sollte. Wie beeinflussen uns Medien, welche Formen gibt es, worin unterscheiden sie sich, wie soll man damit umgehen, wie wird zensiert und manipuliert, usw.

knurd 14 Komm-Experte - 2089 - 6. September 2009 - 18:49 #

Genau so ist es. Ich hoffe das es in der Schweiz so bleibt wie es ist. Relativ unbeachtet. Obwohl es in den letzten Jahren vermehrt zu Schlagzeilen kam. Irgend ein Mensch wollte Klage einreichen. Aber so schwammig wie das Gesetz ist, ging da glaub ich nix.

ganga Community-Moderator - P - 16354 - 6. September 2009 - 18:52 #

Ein Schulfach Medien klingt wirklich sinnvoll. Über die Fächerzusammensetzung in Schulen sollte sowieso mal diskutiert werden. Brauch man wirklich ein Schulfach Physik oder Chemie? Ist das nicht ziemlich spezifisches Wissen, was nur ein sehr geringer Prozentsatz an Menschen mal wirklich benötigt? Wäre da nicht Medienbildung oder vllt. auch so was wie Haushaltsführung (organisatorisch und finanziell gesehen) sinnvoller?

GamingHorror Game Designer - 968 - 6. September 2009 - 19:19 #

Physik halte ich für sehr wichtig, immerhin durchzieht sie unseren Alltag. Chemie einen Tick weniger aber wenn man Chemielehrer wie meinen damals hat, dann macht das wenigstens Spaß. Ähm, ich mein natürlich: BUMM! :)

ganga Community-Moderator - P - 16354 - 7. September 2009 - 18:56 #

Ich wollte damit auch nicht sagen, dass Physik total unwichtig ist. Nur, reicht es meiner Meinung nach ein Basiswissen zu vermitteln. Ich hatte Physik bis zum Abitur als Grundkurs und kann mich an vieles nach fünf Jahren nicht mehr erinnern, weil es mir einfach zu abstrakt erschien. Gut, dass mit dem erinnern lässt sich jetzt sicherlich über viele Schulfächer sagen. Ich denke aber, dass mir ein Schulfach Medienkompetenz mehr gebracht hätte, wahrscheinlich auch, weil ich es für interessanter halte.
Wie gesagt denke ich, dass sich mit Dingen wie Haushaltsführung oder Medien eigentlich jeder tagtäglich beschäftigt, wohingegen die wenigsten sich tagtäglich mit chemischen Formeln beschäftigen.

Anonymous (unregistriert) 9. September 2009 - 9:01 #

Nun es gibt durchaus in Physik wichtig Dinge zu lernen (und wichtiger als kennen: zu verstehen). Die Energieerhaltungsgesetze zum Beispiel, die mich davor schützen beim Teleshopping jedes Perpetuum Mobile zu kaufen. Energiesparen und so ;-)

Karsten Vetter (unregistriert) 6. September 2009 - 20:02 #

Das könnte man prima in einem erweiterten Deutschuntericht machen, der einfach mehr Stunden umfasst. Die Naturwissenschaften bilden leider mit den Kern unsere Wissensgesellschaft. Insofern Solltest du aufpassen was du da forderst. Es muß ja nicht jeder theoretischer Quantenphysiker werden.
Des weiteren geht es ja jetzt nicht darum Formeln zu lernen sondern um die Anwendung gewissser Denkstrukturen um Probleme zu lösen.

JimPanse007 08 Versteher - 221 - 6. September 2009 - 23:43 #

Mein ursprünglicher Kommentar hätte es von der Länge her fast mit Jörg's Kolumne aufnehmen können. Deshalb hab ich mich dann doch für die Kurzfassung entschieden:

Medienkompetenz als Pflichtfach in der Schule? Definitiv ja!

Allerdings gilt es dann mehrere Probleme zu lösen:
1. Die Schulen müssten mit einigermaßen aktueller Technik ausgestattet werden. Rechner auf denen nicht einmal ein YouTube-Video ruckelfrei läuft, werden nicht sehr hilfreich dabei sein, den Kids
die modernen Medien näherzubringen. Außerdem kommen in den meisten Schulen auf mehrere hundert Kinder gerade einmal eine Handvoll PC's. Defintiv zu wenig.

2. Die Technik und die damit verbundenen Möglichkeiten haben sich zu schnell entwickelt. Die Lehrer sind nicht damit aufgewachsen und i.d.R. kaum bis gar nicht damit in Berührung gekommen. Insofern sind die Lehrer momentan vollkommen ungeeignet so etwas wie Medienkompetenz zu vermitteln. Also müssten die erst gründlichst geschult werden.

Zwei Probleme, die sich mit den nötigen finanziellen Mitteln schnell aus der Welt schaffen lassen könnten. Aber glaubt hier wirklich jemand daran, dass die Politik so viel Geld locker machen wird?

Punisher 19 Megatalent - P - 15767 - 7. September 2009 - 9:15 #

Chemie und Physik in der jetzigen Form ist wahrscheinlich in der Tat nicht besonders sinnvoll - die wenigstens werden Orbitalmodelle etc. tatsächlich im Leben praktisch einsetzen.

Die Frage "Medien in der Schule?" wirft ein ganz anderes Problem auf, das wesentlich tiefer geht. Der Wahlspruch "nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir" hat doch längst nichts mehr mit der Realität zu tun. Hier gehört eine umfassende Reform her, die nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern sich überwiegend an der Realität orientiert. Weniger Orbitalmodelle, mehr "praktische" Alltagschemie quasi. Dabei sollten auch neue Medien einen Platz finden.

Anonymous (unregistriert) 6. September 2009 - 23:11 #

Ich glaube das "Schulfach", bräuchten eher die Politiker und nicht die Jugendlichen. Die kennen sich mit "Medien" sicher besser aus als die weltfremden Damen und Herren aus dem Bundestag.

SonkHawk 14 Komm-Experte - 2251 - 7. September 2009 - 0:29 #

naja, palaber, palaber... nur ändern wirds nix, wer von den angesprochenen liest schon gamersglobal.de?

Anonymous (unregistriert) 7. September 2009 - 2:30 #

Die unendliche Geschichte. Mein erster Film auf dem ersten VHS Recorder für die Familie. Gehe auf die 11 zu. Die Mutter weit weg in der Entzugsklinik. Mein vier Jahre jüngerer Bruder hat bei der Szene Rotz und Wasser gehäult. Selber habe ich mir sichtbare Emotionen verkniffen, da der etwas ältere Nachbar mit dabei war. Unsere Elternteile waren im Nachbarhaus. Die matschige VHS Szene habe ich im Detail heute noch im Kopf. Restliche Story vergessen. Hat auch nicht lange gedauert, bis ich die ersten Pornos gefunden habe.

Sven 18 Doppel-Voter - 9146 - 7. September 2009 - 2:31 #

Die USK-Gedenkfestspiele auf GG.de, sie gehen weiter - bisher der meiner Meinung mit Abstand beste Artikel hier zum Thema, auch wenn sie inhaltlich eigentlich alle am selben Strick ziehen!

Gadeiros 15 Kenner - 3105 - 7. September 2009 - 7:00 #

menschen werden früher erwachsen (von zeiten mal abgesehen wo alle, die nicht mit spätestens mit 15 kinder hatten wußten, daß die lebenserwartung ihnen nicht mehr viel zeit lässt).. nur imho werden sie auch anders erwachsen als früher. vielleicht unpolitischer, aber garantiert ausgelassener- freier von gesellschaftlichen zwängen wohl. und da haben einige eben das problem, daß sie diese zwänge nun doch noch in kraft sehen, obgleich auch sie diese nichtmehr in der alten form hatten (siehe die 60er).

und so kann/muss man das sehen: computerspielen ist "spielen"- und das ist nunmal unwürdig kindisch. "bist du nicht zu alt für sowas?" "computerspielen?! *augenverdreh* werd erwachsen..."
und im gleichen atemzug sehen sie computerspiele, die eben nicht wirklich kindisch sind.. und schon ticken die alarmschaltungen im hirn und sie versuchen das kind, welches vor ihrem geistigen auge erscheint im bezug mit "(computer-)spielen" mit diesen harten games in verbindung zu bringen und dann geht das rote lämpchen im hirn an.

andererseits versuchen die jünglinge immernoch nach alter stammesmanier der gemeinschaft ihren längst überfälligen status des vollwertigen stammenmitglieds abzuringen. womit zeigt man das besser, als wenn man einen reifen umgang mit den ernsten dingen wie tot und gewalt praktiziert. und hirsche jagen geht nichtmehr (außer in den USA- und wohin es führt, hillbillykinder an waffen zu trainieren sieht man ja) :P. auch innerhalb der gruppe der heranwachsenden muss man diesen beweis führen.

andere kinder bekommen so früh schon die verantwortung in die hand gedrückt, früher erwachsen werden zu müssen und würden es einfach nicht verstehen, warum man ihnen diesen aspekt der welt der erwachsenen vorenthalten kann?!

was will ich sagen? ka...

Kobi666 13 Koop-Gamer - 1432 - 7. September 2009 - 11:01 #

Um ehrlich zu sein, interessiert mich die Alterseinstufung nicht so sehr. Wenn ich ein Spiel haben will, das in Deutschland verboten ist, gibt es immer noch die Möglichkeit es im Internet aus dem Ausland zu erwerben. Ausserdem denke ich das ich sehr gut in der Lage bin zwischen Spiel und Realität zu unterscheiden.

Vin 18 Doppel-Voter - 11829 - 7. September 2009 - 12:15 #

Was mmn. wirklich mal etwas weiter helfen würde wäre eine Rubrik in einigen der größten Tageszeitungen wo Spielemagazine/seiten Auszüge aus den letzten "großen" Tests präsentieren (vielleicht 1-2 Seiten 1 mal die Woche). Nicht damit jetzt die Leser in den Laden gehen und sich das Spiel kaufen sonder auch einfach etwas weiter informiert sind und mit ihren Kindern darüber reden können. Jedes Spiel ist nunmal ein Einzelstück (okay, bis auf die letzten Need for Speed Teile :p ) da kann man nicht sagen: Okay du darfst Call of Duty 4 spielen, dann wirst du sicher auch GTA4 oder Fallout 3 spielen können.

Ceifer (von der Arbeit) xD (unregistriert) 7. September 2009 - 12:31 #

Sehr schöner Bericht :)

Musste auch hier und da schmunzeln, bin dem ganzen aber einer Meinung.

Bei uns war es zum Beispiel so, ich ging auf eine Realschule und habe dort in der 7. Klasse, 1 Jahr Informatik gehabt und danach nicht wieder bis über den Abschluss hinaus nichts mehr.

Und was wurde uns beigebracht ? :) Word und etwas Excel und das ganze war besetzt mit 2 Stunden alle 2 Wochen, also aufs Jahr gesehen ziemlich wenig um richtig Stoff zu vermitteln.

Pro4you 18 Doppel-Voter - 12684 - 7. September 2009 - 19:36 #

Danke Jörg für dieses Artikel. Denn es ist völlig richtig wen du sagst das ein 17 Jähriger mit einem Spiel wie Gta IV umgehen kann. ich bewundere dich sehr das du dich nicht auf Stereotypen Gesellschaftsformen einlässt die sich schon in den köpfen der Geselschafts abgebildet haben. Denn nur die die selbst spielen können wirklich mit reden und eine meinung haben und außerdem gameing is not a Crime!

Spielstern (unregistriert) 7. September 2009 - 19:59 #

Eine der wichtigsten Lehren, die ich aus diesem Artikel ziehe, ist, dass ein Kontrollsystem (wie z.B. die USK) immer nur so leistungsfähig ist wie seine Nutzer. Wenn derzeit also mehrere Kids Spiele spielen, für die sie noch nicht reif genug sind, dann kann das
a) an einem zu laschen Kontrollsystem liegen oder
b) an den Nutzern des Kontrollsystems (z.B. Händler, die trotz Verbot an Jugendliche verkaufen, aber auch Eltern, die sich nicht damit auseinandersetzen, was ihr Kind spielt).

Meiner Meinung haben wir mit der USK ein ausreichendes System, aber bei den Nutzern hapert es. Welche Eltern kümmern sich ernsthaft und kompetent darum, was ihr Kind spielt (von ehemaligen Computerspiele-Journalisten abgesehen)? Welcher Erzieher, welcher Lehrer ist so medienkompetent, dass er mit Kindern über ihren Spiele-Konsum reden kann? Von Politikern, die Änderungen auf kommunaler, landes- oder gar bundesweiter Ebene anstoßen könnten, ganz zu schweigen...

So hoffe ich, dass unsere Generation es in dieser Hinsicht bei der Erziehung ihrer Kinder besser machen wird.

Quin 12 Trollwächter - 1150 - 8. September 2009 - 11:20 #

Herzlichen Dank für diesen Klartext, Jörg. Du sprichst mir und mit Sicherheit der überwältigenden Mehrheit der Spieler direkt aus der Seele.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 37144 - 8. September 2009 - 12:29 #

Wirklich großartiger Text, Jörg. Das Problem ist, dass solche Artikel immer nur in Spielemagazinen erscheinen. Da lesen sie natürlich nur Spieler, stimmen zu und sind froh, dass das mal jemand sagt. Nützt aber nichts, weil die, die das nicht eh schon wissen, das nicht lesen. So ein fundierter und gut geschriebener Kommentar zum Thema Jugendschutz und Spiele müsste mal in einem Magazin wie Spiegel, Stern oder Focus erscheinen, ob online oder Print. Dann würden solche Aussagen wie hier vielleicht auch mal bei der breiten Masse ankommen, oder gar bei den Verantwortlichen für den Jugendschutz.

Anonymous (unregistriert) 8. September 2009 - 23:20 #

Im Spielefachgeschäft: Oma zum Enkel "Was heißt das rote
Karo?". Enkel: "Ab 12". Inzwischen ist es zum Glück geändert, leider riesig groß, damit auch halbblinde
Omas es lesen können.

Ich habe Mafia mit einem Kurzen gespielt - ca. 6 Jahre -
gewaltfreies Autofahren in der Stadt. Hatte der Spaß!
Dann rammt er ein Auto an der Ampel, 2 Männer steigen
aus und feuern mit Tommys auf uns - Arggghhh.
Fahrsimulatoren sind für die Kleinen ein Heidenspaß,
aber leider fehlt auch der GTA-Serie der Sandkastenmodus!

Auch wuselige Aufbaustrategie lieben die Kleinen,
wenn nur das brutale Intro nicht wäre und die
Computerspieler aufhören würden, uns anzugreifen !

Was mich an der Alterskennzeichnung nervt ist die völlige
Praxisferne. Was soll "Ab 0" bei einem Spiel, bei dem
man flüssig lesen können muss? Für Eltern ist sowas
wenig hilfreich. Für mich kein Problem, da ich wie
bei unbekannten Filmen immer mitspiele und halt vorlese,
aber das kann auch ausarten (Boing!, Zong!, Padawuff!,
HaHaHaHahHahHah! Browser? Ach nee, Bowser!).

PEGI ist wesentlich besser als USK, zum Glück ist ja
PEGI (fast ?) überall mit drauf.

Anonymous (unregistriert) 8. November 2009 - 15:24 #

Es findet eben keine Prüfung hinsichtlich des Schwierigkeitsgrades oder der Anforderungen an den Spieler statt.
Es geht ausschließlich um die Abwägung der Punkte, die in Sachen Jugendschutz relevant sein könnten.

Das ist bei PEGI übrigens ganz genauso.

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