Chris Robinson und Tom Chilton:

"Wir sehen kein Echtgeld-Auktionshaus in WoW" Interview

Sinkende Spielerzahlen, aufgewärmte Inhalte, Probleme mit Bots und Goldfarmern. Gehört World of Warcraft langsam in die Mottenkiste? Nein, finden immer noch gut 10 Millionen Spieler weltweit. Wir haben uns vor einiger Zeit mit dem Lead Designer von WoW, Tom Chilton (rechts im Foto), und dem Lead Artist Chris Robinson unterhalten.
Benjamin Ginkel 2. Oktober 2011 - 11:15 — vor 5 Jahren aktualisiert
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von Benjamin Ginkel


Anmerkung: Das Interview stammt von der diesjährigen Gamescom, ist dann aber in eine Raum-Zeit-Kontinuumsstörungs-Anomalie gefallen und erst heute früh um 5:55 unverhofft wieder aufgetaucht. Die meisten der Aussagen sind noch up-to-date, nur zu den neuen Fünfer-Instanzen und dem neuen Raid in 4.3, die in den ersten Fragen abgehandelt werden, hat Blizzard letzte Woche bereits so ziemlich alles Wissenswerte veröffentlicht.

GamersGlobal:
Nach dem nächsten Addon, das ihr mit Sicherheit längst entwickelt, brauchen wir vermutlich gar nicht erst zu fragen?
 
Tom Chilton: Mit größter Sicherheit werden wir darüber nicht reden. Alles, was ich sagen kann, ist, dass ich nichts sagen kann.
 
GamersGlobal: Für den kommenden Patch 4.3 habt ihr drei neue Instanzen angekündigt. Was werden wir da zu sehen bekommen?
 
Tom Chilton: Es werden auf jeden Fall Zonen sein, in denen wir bisher noch keine 5-Mann-Instanzen gemacht haben. Die Spieler werden die Zonen auf jeden Fall kennen. Eine der wichtigen Designaufgaben der 5-Mann-Instanzen ist, dass sie zum neuen Raid hinführen. Die Geschichte wird also eine Reihe von Geschehnissen hin zum Deathwing-Schlachtzug erzählen, ähnlich wie damals die 5-Mann-Instanzen in der Eiskronen-Zitadelle direkt zum Raid hinführten. Wir wollen auf jeden Fall noch viel von der Cataclysm-Geschichte erzählen.

GamersGlobal: Die Geschichte endet dann mit dem Kampf gegen Todesschwinge. Könnt ihr dazu schon was verraten?

Tom Chilton: Der Kampf gegen Todesschwinge wird faktisch ein Kampf gegen eine Reihe von Minibossen darstellen, die zusammen Todesschwinge ergeben. In der Vergangenheit hatten wir Bosskämpfe mit mehreren Phasen oder Stufen, der Todesschwingen-Endkampf wird mehr wie ein Kampf in mehreren Kapiteln wirken, und diese einzelnen Kapitel werden ihrerseits aus mehreren Phasen bestehen. Das wird mit Sicherheit der größte Bosskampf, den wir je gemacht haben. Aber technisch wird es sich mehr wie mehrere Bosse anfühlen, es wird auch zwischendrin an mehren Punkten des Kampfes Loot geben.
 
GamersGlobal: Wie viele Bosse wird es in dem neuen Raid geben?
 
Tom Chilton: In der absoluten Zahl wird er nicht so viele Bosse bieten wie damals in Ulduar oder der Eiskronen-Zitadelle. Er wird aber sicher mehr Bosse haben als die Feuerlande. Und dann kommt natürlich am Ende Deathwing, der wirklich ein epischer Kampf werden wird.
 
GamersGlobal: WoW hat über die Jahre auch hausgemachte Probleme entwickelt. So haben viele Spieler Unsummen an Gold angesammelt, mit denen sie nicht sonderlich viel anfangen können. Wird es da neue Wege geben, das Edelmetall wieder sinnvoll zu investieren?
 
Tom Chilton: Wir halten immer ein Auge offen nach neuen Wegen, Gold auszugeben -- sofern es eine sinnvolle Möglichkeit ist. Wir bringen mit Patch 4.3 ja das Transmogrifikations-Feature und den Void-Storage. Beide Features zähle ich zu solchen Wegen. Die Transmogrifikation funktioniert ähnlich wie das Reforging, wird aber ein bisschen teurer werden. Das wird etwas Gold aus dem Wirtschaftssystem ziehen. Außerdem muss man sehen, dass es große Unterschiede in Sachen Reichtum zwischen den Spielern gibt: Da gibt es beispielsweise mich, mit sehr wenig Gold, und immer, wenn ich ein neues Ausrüstungsteil bekomme, frage ich mich: „Oh Gott, wie soll ich mir nur das Sockeln mit einem Juwel dafür leisten?“ Auf der anderen Seite gibt es auch Spieler, die Millionen und Abermillionen Gold angesammelt haben. Da ist es sehr schwierig, einen Weg zu finden, um das Ganze zu balancen, also die Goldvorräte des Millionärs mit denen des durchschnittlichen Spielers zu synchronisieren.

GamersGlobal: Wenn wir gerade vom Gold reden: Ist Gold-Farming immer noch so ein großes Problem in World of Warcraft, wie vor ein paar Jahren?

Tom Chilton:
Zumindest nicht in der extremen Form, wie vor ein paar Jahren war. In der Anfangszeit waren Bots und Farmer noch ein echtes Problem. Wir haben das aber immer auf ein erträgliches Maß stutzen können. Mittlerweile hat sich das Problem -- und das ist sehr unangenehm -- mehr in Richtung Accounthacking verschoben. Die Gold-Farmer haben festgestellt, dass es einfacher ist, Accounts zu hacken und sich so das Spiel-Gold zu holen, als Bots zu programmieren und am Funktionieren zu halten. Auf der einen Seite sinken also die Bot-Zahlen, auf der anderen steigt die Anzahl der gehackten Accounts. Accountsicherheit ist daher ein wichtiges Thema für uns.
 
GamersGlobal: Ist der nächste Patch, 4.3, der letzte der Cataclysm-Ära?
 
Patch 4.3 wird definitiv der letzte mit Raid-Content sein
Tom Chilton: Es wird definitiv der letzte mit Raid-Tier-Content sein. Danach wird aber wahrscheinlich noch ein Patch mit Welt-Events kommen, der dann die nächste Erweiterung vorbereitet.

GamersGlobal: Denkt ihr über multiple Tiers in den Dungeons nach?

Tom Chilton:
Ich halte es definitiv für ein cooles Konzept, multiple Tiers beim Dungeon-Content zu haben. Aber wenn Spieler zu lange in ein und demselben Dungeon stecken bleiben, nervt sie das. Wir führen in 4.3 drei neue Dungeons ein und verändern einige alte, und unser Ziel ist es, wie wir auch die alten Dungeons bevölkert halten können.

GamersGlobal: Eine Frage an deinen Kollegen Chris: World of Warcraft läuft jetzt schon so lange, und an der Grafik w
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ird immer wieder geschraubt – ist da ein Ende in Sicht, in Sachen Technik? Was kann diese jahrealte Engine noch leisten?
 
Chris Robinson: Sicher gibt es für jede Engine einen Punkt, an dem man einfach nicht noch mehr aus ihr herauspressen kann. Aber ich denke nicht, dass das Ende in Sicht ist: Wir finden immer wieder neue, kreative Wege, die Engine weiter zu verbessern und die Grafik aufzuhübschen. Beispielsweise mit Schatten oder neuen Lichteffekten. Ich würde sagen, wir sind noch ziemlich weit davon entfernt, was wir im Design für WoW als Zenith sehen würden – und auch erreichen können.
 
GamersGlobal: Was ist die durchschnittliche Hardware eurer User?

Chris Robinson: Die genauen Specs weiß ich nicht auswendig, aber sie sind nicht allzu hoch. Wir haben bei WoW die bewusste Entscheidung getroffen, möglichst viele Menschen erreichen zu wollen. Es gibt also immer ein Grafikminimum, das quasi überall läuft. Aber oben drauf setzen wir dann diverse optische Leckerbissen bis hin zu den "Ultra"-Einstellungen für die Leute mit wirklich starken Maschinen.
Wenn man bedenkt, dass  die WoW-Engine schon weit über fünf Jahre alt ist, kann man immer wieder erstaunt werden: Auf leistungsstarken PCs (und an manchen Stellen) wirkt sie noch ziemlich frisch und zaubert solche Szenen auf den Screen.
Avrii (unregistriert) 2. Oktober 2011 - 12:11 #

Outdated interview is outdated

lol, echt witzig - aber sehr ehrlich :D

Benjamin Ginkel 18 Doppel-Voter - 10252 - 2. Oktober 2011 - 13:41 #

Wir wollten mal ausprobieren, ob's bei Interviews so läuft wie beim Wein. Tut es nicht.

Koffeinpumpe 15 Kenner - 3222 - 2. Oktober 2011 - 13:02 #

"Nein, wir haben derzeit keine Pläne[...]"

Was das in Wirklichkeit bedeutet, wissen alte WoW-Spieler ganz genau... ;)

Raokhar 06 Bewerter - 866 - 2. Oktober 2011 - 13:21 #

"Wir schätzen die Zahl derer, die Ragnaros bezwungen haben so auf rund 10.000 Personen. Also nur etwa ein Prozent aller WoW-Spieler."

WoW hat also über 90% seiner Spieler verloren? ;-)

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323794 - 2. Oktober 2011 - 13:31 #

Der Fehler ist so peinlich, das ich ihn stehen lassen möchte hier im Comment... Oder magst du die 2 EXP haben?

Anonymous (unregistriert) 2. Oktober 2011 - 13:31 #

genau das.. 10.000=1%, 100.000=10%, 1mio=100%. Endlich geben sie es zu :)

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323794 - 2. Oktober 2011 - 13:33 #

Ich weiß aber nicht, ob er das so gesagt hat, oder ob wir das falsch geschrieben haben. In jedem Fall hätte ich es bei der Freigabe merken und korrigieren müssen.

Anonymous (unregistriert) 2. Oktober 2011 - 13:45 #

liegt der Fehler nun in den 10.000, oder im 1%? vielleicht haben ja 100.000 den Gegner geschafft? Oder er meinte 10.000 Gruppen (zu 10 Spielern)..

MrFawlty 17 Shapeshifter - P - 6317 - 2. Oktober 2011 - 20:57 #

Vielleicht meinte er statt Prozent Promille.
Oder er meinte gar nicht 1% aller WoW Spieler, sondern 1% der WoW Spieler, die den Boss mal versucht haben. Viele Spieler raiden ja gar nicht, sondern machen nur PvP oder Quests.

Anonymous (unregistriert) 3. Oktober 2011 - 9:28 #

Promille sagt aber in dem Bezug kaum einer. Ich nehme deinen zweiten Vorschlag: er zählt nur 1mio Spieler zu den echten Spielern, die restlichen angeblichen 9mio machen keine Raids.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323794 - 3. Oktober 2011 - 10:43 #

Etwas Geduld, wir hören zur Sicherheit noch mal in die Aufnahme rein :-)

Anonymous (unregistriert) 5. Oktober 2011 - 9:24 #

....

JakillSlavik 17 Shapeshifter - 7072 - 2. Oktober 2011 - 14:03 #

Stimmt. =D
Hmm aber 100.000 Spieler wären schon wieder eine ganze Menge. Ist das realistisch?

Larnak 21 Motivator - P - 25531 - 3. Oktober 2011 - 13:30 #

Schönes Interview! :)
Interessant finde ich eigentlich diese Antwort:
"Chris Robinson: Viele Gameplay-Entscheidungen schmecken im Nachhinein bittersüß. Etwa die Einführung des Dungeon-Finders: Der macht viel Inhalt für so viele Menschen zugänglich – das ist gut! Doch auf der anderen Seite fehlt das Gefühl, sich an einem Versammlungsstein zu treffen und gemeinsam eine Instanz zu erkunden. Da muss man bei der Entwicklung aufpassen, dass die negativen Seiten nicht die positiven überlagern."
Daraus geht ja zumindest hervor, dass sich Blizzard der Dinge bewusst ist, die sie ins Negative verändert haben. Fehlt also nur noch die Überzeugung, dass die negativen Aspekte die positiven überlagern und alles wird wieder gut ;D

thurius (unregistriert) 2. Oktober 2011 - 16:01 #

gutes Interview

Maximilian John Community-Event-Team - 9880 - 2. Oktober 2011 - 16:11 #

Schön was da noch alles kommt. Blizzard scheint sich bewusst zu sein, dass da mal wieder Gegner anmaschieren. Wenn es mir nicht zu teuer wäre, würde ich auch wieder mit WoW anfangen.

Mr.T (unregistriert) 2. Oktober 2011 - 23:16 #

Der letzte Satz sollte nochmal überdacht werden ^^

Mr.T (unregistriert) 2. Oktober 2011 - 23:48 #

Was ich damit sagen wollte: Der allerletzte Satz des Interviews macht nur bedingt Sinn oder?? :D

Larnak 21 Motivator - P - 25531 - 3. Oktober 2011 - 3:33 #

Auch wenn du gerade gesagt hast, was du damit sagen wolltest, ist mir nicht klar, was du damit sagen willst ;D

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323794 - 3. Oktober 2011 - 8:46 #

Ist mittlerweile korrigiert, Mr. T hatte Recht: positive und negative waren vertauscht.

Keschun 13 Koop-Gamer - 1222 - 3. Oktober 2011 - 10:00 #

Schönes Interview!

MikeC (unregistriert) 4. Oktober 2011 - 13:16 #

"Wir sehen keine Echtgeld-Auktionshaus" Also für mich klingt dies sehr stark danach, als würde man sich eine Hintertür offen halten, falls aus wirtschaftlichen Gründen plötzlich doch eine "gesehen" wird.
Auch wenn die guten Objekte seelengebunden sind, ist das keine unumkehrbare Tatsache, weshalb ich stark hoffe, dass sie ihre Meinung nicht doch ändern.

Keksus 21 Motivator - 25001 - 19. Oktober 2011 - 20:23 #

WoW wird sich so und so nicht ewig halten können. Ich glaube ein Echtgeldauktionshaus käme da aktuell etwas zu spät.

eXecution 10 Kommunikator - 351 - 5. Oktober 2011 - 23:46 #

ich muss schon sagen das sie aus der alten wow engine immer viel rausgeholt haben ich glaube das liegt auch an der liebe zum detail zu ihrem spiel...ich bin leider kein insider aber ich glaube wenn man etwas mit viel mühe und zeit macht kann es auch auf weniger guten engines gut aussehen oft zeigen das auch Modder die in anderen Spielen oft monatelang sogar bis zu jahren noch was rausholen grafisch wie auch spielerisch.

Cloud 17 Shapeshifter - 7698 - 10. Oktober 2011 - 9:48 #

"Tom und Chris, gibt es etwas, dass ihr in der Entwicklung von World of Warcraft bereut?" -> das

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