Super Mario Bros. 3 in 10:26 min

"Welt 8 war das schwerste Segment" Interview

Tool Assisted Speedruns zu Super Mario Bros. 3 sind etwas ganz Besonderes. Morimotos berühmter Run des Klassikers war es, der die Szene anno 2003 zurück ins Rampenlicht beförderte und ihr neues Leben einhauchte. Seitdem wurde die Bestzeit mehrfach verbessert. Wir haben uns mit dem aktuellen Rekordhalter Thomas Seufert unterhalten.
Christoph Licht 25. Juli 2010 - 11:40 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Mit rund 17 Millionen verkauften Einheiten weltweit war Super Mario Bros. 3 (SMB3) für lange Zeit das erfolgreichste Spiel aller Zeiten. Eine sehr große Bedeutung erlangte der NES-Klassiker auch in der Geschichte der Tool Assisted Speedruns (TAS). Das sind Speedruns, die nur im Emulator entstehen; der optimale Weg der Spielfigur durch die Levels wird minutiös und unter Ausnutzung aller bekannten Bugs und Glitches programmiert.

Beim ersten SMB3-TAS wusste niemand, dass es sich bei dem Video um einen technischen statt einen spielerischen Erfolg handelte. Als es herauskam, gingen die Verfechter der normalen Speedruns auf die Barrikaden, während sich die Befürworter des neuen Genres formierten und die Site  TASVideos entstand.

Mittlerweile wurde der damalige SMB3-Rekord bereits fünfmal unterboten – von eben jener Community, die er geholfen hat zu erschaffen. Die aktuellen Rekordhalter mit 10 Minuten und 26.42 Sekunden sind Mitjitsu und Thomas "Lord_Tom" Seufert. Im echten Leben ist Tom Notarzt in einem Krankenhaus in Boston (Massachusetts), glücklich verheiratet und Vater von zwei Kindern. Dennoch findet er immer noch irgendwie die Zeit, um 60 Stunden in einen einzigen Speedrun zu investieren. Im folgenden Video seht ihr das Ergebnis dieser Mühen, danach folgt unser Interview mit ihm. Den sieben Jahre alten Morimoto Run könnt ihr euch bei Interesse direkt bei TASVideos anschauen.

Video: Super Mario Bros. 3 (in 10 Minuten, 26.42 Sekunden)

In rund 10 Minuten legen die beiden TASer Bowser das Handwerk und schaffen es gleichzeitig, 99 Leben zu sammeln.


Interview mit Thomas Seufert

GamersGlobal: Tom, du bist schon seit 2007 ein Tool Assisted Speedrunner. Was motiviert dich bei diesem Hobby?

Thomas Seufert: Ich liebe Titel, die ich früher selbst gespielt oder von denen ich zumindest als Kind gehört habe. Am interessantesten sind für mich diejenigen, in denen eine umfangreiche Wegeplanung oder ein ausgeklügeltes Gegenstände-Management erforderlich ist, um die Bestzeit zu erreichen. Es ist der Nervenkitzel, Glitches und Tricks zu finden, auf die bisher noch niemand gekommen ist, obwohl Millionen von Spielern sich in den letzten 20, 30 Jahren mit dem Spiel beschäftigt haben. Und natürlich entsteht ein Teil der Motivation auch durch die spätere Genugtuung, etwas geschaffen zu haben, das nicht nur nett anzuschauen ist, sondern auch von anderen Leuten geschätzt und kommentiert wird.

GamersGlobal: Was hat dich dazu gebracht, in das Thema einzusteigen?

Thomas Seufert: Ich habe damals im College, das war 1998, einige Zeit damit verbracht, Super Metroid (SNES) so schnell wie möglich durchzuspielen. Auf der Suche nach dem aktuellen Rekord dafür bin ich auf das Speed Demos Archive gestoßen. Die nächsten paar Monate durchforstete ich begierig das Archiv. Selbst einen Speedrun beizusteuern, kam mir jedoch nicht in den Sinn. Ich hatte keine Konsole und war auch nicht besonders gut Spiele. unter Zeitdruck zu absolvieren. Viel später bin ich dann bei TASVideos gelandet und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Besonders beeindruckt hat mich damals der TAS zum NES-Titel Legacy of the Wizard. Dessen Autor, Hans "Walker Boh" Olsson, kombinierte geschickt die im Spiel enthaltenen Speed Scrolls (lassen die Spielfigur schneller laufen), um wahnsinnige Geschwindigkeiten zu erreichen. Daraufhin habe ich mich selbst ein wenig am Spiel versucht, eine sehr kleine Verbesserung in einem der ersten Abschnitte des Spiels gefunden und mich entschieden, meinen ersten TAS zu erstellen.

GamersGlobal: Dessen Zeit du mittlerweile noch einmal unterboten hast. Dein berühmtester TAS ist jedoch der von Super Mario Bros. 3, der zusammen mit TASer Mitjitsu entstand. Was hat dich dazu veranlasst, gerade diesen Titel anzugehen?

Vor allem in Bowsers Schloss habe ich nur Bahnhof verstanden.
Thomas Seufert: Ich habe die älteren SMB3 Speedruns mehrere Male angeschaut, aber vor allem in Bowsers Schloss nur Bahnhof verstanden. Es war schon einige Zeit her, seit ich das Spiel selbst gespielt hatte, und das Ganze "Durch die Wände gehen" war schlicht zu hoch für mich. Als ich dann in den Weiten des Internet eine Karte des Levels fand, habe ich mich hingesetzt und den Weg des damaligen Rekordhalters durch das Schloss analysiert. Zu meiner Überraschung war seine Route länger, als eine alternative Strecke, die ich fand. Es war zu Beginn jedoch sehr schwer diese Entdeckung auch tatsächlich in die Tat umzusetzen. Auf der neuen Route muss Mario mit einem sehr niedrigen Tempo von einer Wand abspringen und zudem einen Stern einsammeln, um einen Gegner zu umgehen. Irgendwann habe ich es aber dann doch geschafft, Bowser in einer Zeit zu schlagen, die den anderen in nichts nach stand, und habe meine Entdeckung im TASVideos Forum veröffentlicht.

GamersGlobal: Ein TAS zu Super Mario Bros. 3 ist aber nicht einfach nur irgendein Speedrun...

Thomas Seufert: Ich war schon sehr nervös, gegen einen der am besten optimierten und berühmtesten Runs auf der Seite anzutreten. Dank meiner Erfahrungen mit Metroid und Rygar fühlte ich mich aber bereit dazu. Gleichzeitig arbeitete Mitjitsu, ohne das ich davon wusste, auch an einem neuen Run und hatte bereits einige Verbesserungen in Welt 1 gefunden. Nach meinem Post im Forum kontaktierte er mich und schlug eine Zusammenarbeit vor.

Er war es dann auch, der den Großteil der eigentlichen TAS-Programmierung vornahm. Ich habe hauptsächlich weitere Optimierungen gesucht und neue Techniken entwickelt. Mitjitsu hat beispielsweise den "Floor Glitch" entdeckt. Dabei fällt Mario in den Boden und wird dann vom Spiel fälschlicherweise, dank des Auto-Scroll-Systems, automatisch aus dem Bildschirm geschoben. In diesem Fall wurde der Trick jedoch bei einem wesentlich niedrigeren Tempo, als normalerweise dafür nötig ist, aktiviert. Mitjitsu konnte ihn jedoch nicht wiederholen, da er gerade nicht aufgezeichnet hatte und entsprechend nicht wusste, was genau passiert war. Ich habe mich daraufhin hingesetzt und solange herumprobiert, bis ich den Glitch konstant reproduzieren konnte. Insgesamt war es aber eine sehr ungezwungene und gemeinschaftliche Zusammenarbeit und im Prinzip hat jeder von uns in jedem Segment mitgemischt.

Mehr als ein paar Levels aus Welt 1 (Bild) und Welt 8 gibt es im TAS nicht zu sehen; der Rest wird komplett umgangen.

breedmaster 13 Koop-Gamer - 1506 - 25. Juli 2010 - 17:56 #

Sehr interessantes Interview

III FamouZ III (unregistriert) 26. Juli 2010 - 1:58 #

Ich bin lieber für echte Speedruns.

marshel87 16 Übertalent - 5708 - 26. Juli 2010 - 11:12 #

Interessant zu lesen :)
Auch die TAS find ich haben was, werd mir davon mal ein paar mehr ansehen. Diese Perfektion in jedem Sprung ist schon faszinierend

Woldeus 14 Komm-Experte - P - 1993 - 30. Juli 2010 - 14:52 #

ich pers. mag lieber TAS.die vorstellung wie spieler speedruns anstellen deprimiert mich immer, weil ich sowas nich annähernd hinkriege =D

-Stephan- 12 Trollwächter - P - 1196 - 2. August 2010 - 19:25 #

Ich auch nicht, keine Chance. Aber es ist wirklich fazinierend anzuschauen, respekt an die Leute, die sowas in dieser Zeit hinkriegen.

Ikoo 05 Spieler - 36 - 29. November 2010 - 16:41 #

Ich bekomme richtig Lust meine NES wieder auszupacken.

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