Warren Spector über Micky Epic 2

"Ruinier' uns bloß nicht Micky Maus!" Interview

Wenn Warren Spector (Ultima Underworld, Deus Ex) erstmal ins Schwärmen gerät, gibt es kein Halten mehr. So auch, als er mit uns über sein neues Baby Micky Epic 2 spricht. Aber was ist mit dem Vorgänger und seinen offensichtlichen Schwächen? Warren gelobt Besserung und verrät, dass er für den Untertitel "Die Macht der 2" nichts kann.
Florian Pfeffer 1. April 2012 - 22:36 — vor 3 Jahren aktualisiert
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Das vor zwei Jahren erschienene Micky Epic (GG-Test: 7.5) spaltete die Gemüter: Manche lobten die Erkundungsfreiheit und die vielen kleinen Anspielungen, die es für Fans der Disney-Charaktere zu entdecken gab. Auf der anderen Seite standen unvertonte Zwischensequenzen, bei denen der Spieler den Text mitlesen musste, eine nicht persistente Welt und die störrische Kamera. Ende dieses Jahres soll mit Micky Epic 2 - Die Macht der 2 der Nachfolger erscheinen, diesmal nicht nur für die Wii, sondern ebenfalls für Xbox 360, PS3 und, wie uns Warren verriet, für den PC. In München konnte GamersGlobal die Fortsetzung bereits im Koop-Modus probespielen (siehe GG-Angespielt). Warren Spector will vieles besser machen und Fehler des ersten Teils ausmerzen. Sein Versprechen: "Wir haben verstanden!"
 
GamersGlobal: Wie du uns vor zwei Jahren erzählt hast, war Micky Epic für dich ein "Herzenswunsch". Der erste Teil wurde von den Spielern und der Presse aber unterschiedlich aufgenommen. Nun soll der zweite Teil viel besser als der erste...
 
Im Spiel wird es wieder Sidescrolling-Abschnitte geben. (360)
Warren Spector: Nun, ob er viel besser wird, muss sich erst noch herausstellen, aber der erste Teil hat die Leute tatsächlich polarisiert. Manche liebten es, manche hassten es. Wir haben dafür genauso viele perfekte wie miese Wertungen bekommen. Ehrlich gesagt mache ich auch lieber ein Spiel, das manche Spieler lieben und manche verabscheuen, als eines, dem gegenüber die Leute gleichgültig bleiben. Seltsamerweise hat zum Beispiel Metacritic viele unserer Topwertungen überhaupt nicht aufgeführt, was mich schon ein wenig wütend macht. Also hört nicht auf Metacritic! Für mich ist sowieso das Feedback der Spieler viel wichtiger, ganz besonders von Kindern oder von Erwachsenen, die nicht so oft Videospiele spielen. Diese Menschen haben Micky Epic nicht nur gemocht, sondern geliebt! Ich habe noch nie für irgendein anderes Spiel so viel Fanpost bekommen wie für dieses, und noch nie haben mir so viele Leute gesagt: „Warren, du hast mit diesem Spiel mein Leben verändert“, und das obwohl ich seit 30 Jahren Videospiele mache. Aber in eurer Frage klingt eine gewisse kritische Haltung durch und die ist auch euer gutes Recht. Dennoch glaube ich, dass die meisten Gamer nicht eurer Meinung wären und auch ich selbst bin sehr zufrieden mit dem ersten Teil.
 
Was die Verbesserungen betrifft: Wir haben die Kamera stark verbessert. Vielleicht merkt man das beim Probespielen noch nicht so stark, aber immerhin befinden wir uns erst im Alpha-Stadium und haben bis zur Veröffentlichung noch einige Monate Arbeit vor uns. Bei der Wii-Version kann man zum Beispiel schon das gesamte Spiel durchspielen, ohne auch nur einmal die Kamera manuell bewegen zu müssen. Das ist natürlich schon sehr viel besser, als wir es beim ersten Mal hinekommen haben. Zu diesem Punkt wollen wir auf der Xbox und der Playstation auch noch gelangen. Darüber hinaus wird die komplette Synchronisation der Figuren einen großen Unterschied ausmachen. Irgendwie dachte ich zwar, dass es für die Leute in Ordnung wäre, ein paar Zeilen Text lesen zu müssen, schließlich war das bei Mario und Zelda auch nicht anders. Aber anscheinend erwarten die Spieler auch nicht, dass diese beiden sprechen können – bei Disney-Figuren aber scheinen sie das sehr wohl zu erwarten. Auf der emotionalen Ebene und beim Erzählen der Geschichte ist Sprachausgabe tatsächlich sehr wichtig, also wird die Vollsynchronisierung das Erlebnis stark aufwerten. Auch dass die Entscheidungen der Spieler nun persistent sind, zumindest solange, bis sie selbst sie rückgängig machen wollen, ist eine Verbesserung. Nicht zu vergessen der Koop-Modus.
 
Jemand dachte wohl, der Name wäre einfallsreich.
GamersGlobal: Lautet der Untertitel deshalb „Die Macht der 2“, oder steckt mehr dahinter?
 
Warren Spector: Mit der Namensgebung des Spiels hatte ich nichts zu tun. Darum kümmern sich andere Leute. Aber es ist der zweite Teil, und es gibt einen Koop-Modus, und daher dachte wohl jemand, dieser Name wäre einfallsreich. Ich mache gerne Spiele, wi
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e sie dann heißen ist mir eigentlich schnuppe.

GamersGlobal: Warum hast du dich gegen einen Online-Modus für das Koop-Spiel entschieden?
 
Warren Spector: Ich wollte einfach keinen Online-Modus haben. Wahrscheinlich sitze ich in einem Jahr wieder genau hier und sage: „Wow, diese verrückte Idee, dass die Spieler wirklich nebeneinander auf der Couch sitzen müssen statt nur virtuell miteinander abzuhängen – was habe ich mir nur dabei gedacht?“ Aber Tatsache ist nun mal, dass ich mit meinen Spielen ein möglichst breites Publikum ansprechen möchte, sowohl Erwachsene als auch Kinder. Bei Pixar-Filmen sagt schließlich auch niemand, dass sie nur für 13jährige Jungs gemacht sind oder irgendwelche Sitcoms nur für 22jährige Frauen. Warum müssen Videospiele immer für Jungs im Teenageralter sein? Meine Spiele sollen die Menschen zusammen bringen. Ich will einen Vater mit seinem Sohn auf der Couch spielen sehen, und ich will, dass eine Mutter ihren achtjährigen Sohn um Rat fragt, weil sie selbst im Spiel nicht mehr weiter kommt. Das macht unsere Arbeit wirklich aus, das will ich erreichen.
Micky Epic 2 bietet einen Zwei-Spieler-Koop-Modus, allerdings nur lokal im Splitscreen und nicht online. (360)
Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 23320 - 1. April 2012 - 22:53 #

Schönes Interview, muss den ersten Teil mal zu Ende spielen, hab irgendwann die Motivation verloren.

Guldan 17 Shapeshifter - P - 8309 - 3. April 2012 - 10:41 #

Geht mir genauso, das Spiel an sich macht mir Spass^^

Das Interview war klasse ich mag Warren einfach, sehr sympatisch.

Reaktorblock 11 Forenversteher - 769 - 2. April 2012 - 7:56 #

Also, das ist ja schön mit den Säcken voller Disney-Kinder-Fanpost. Könnte mir ja auch vorstellen, dass die von irgendwelchen Kirchenaktivisten in Koop mit Disney selber geschrieben werden, um Warren bei Laune zu halten...aber Schwamm drüber.

Hier meine persönliche Fanpost: Danke, Warren, dass Du mit System Shock 1 mein Leben verändert hast. Ich will meine Düsenrollschuhe zurück... 'Nice Jump Human!'
Bleib nicht zu lange im Kaugummi-Universum.

GamerGasse 10 Kommunikator - 431 - 2. April 2012 - 8:47 #

Ist bestimmt komisch, so einen riesengroßen Konzern im Rücken zu haben, der sich bei allem Sorgen macht, dass sein Maskottchen Schaden nehmen könnte. Die sind bestimmt extrem konservativ, was neue Elemente angeht. Halte ich gar nicht für schlecht, nur eben bestimmt hart für einen Designer wie Spector.

Tempergus 08 Versteher - 201 - 2. April 2012 - 10:09 #

Überaus sympathischer Mensch. Und auf eine sehr nette Art beschreibt er doch, daß es mit Kinect nicht vernünftig möglich ist, Spiele zu steuern ;)
Da könnte sich Großmaul Molyneux mal 'ne Scheibe von abschneiden.

Thomas Barth 21 Motivator - 27449 - 2. April 2012 - 10:19 #

Tolles Interviews. :)
Das erste was ich damals gedacht habe, als bekannt wurde das Warren Spector Epic Mickey macht war "Hoffentlich ruiniert er nicht die Maus". Zum Glück hat er es nicht und nun können alle Gamer das Spiel erleben. :)

Linksgamer 14 Komm-Experte - 1931 - 2. April 2012 - 14:19 #

Verdammt, das wäre jetzt die Chance gewesen, ihm doch noch aus der Nase zu ziehen, warum er "den Bildschirm angeschrien" hat, als er DXHR spielte. Es gäbe da nämlich "einige Sachen", wo er nicht verstand, warum sie das so gemacht haben, trotz eines insgesamt positiven Eindrucks. Mich würde ja brennend interessieren, ob das genau die Punkte sind, die mich störten... ;)

InEx360 07 Dual-Talent - 128 - 2. April 2012 - 18:49 #

Ich finde es richtig das Computerspiel  Produzenten wie Warren Spector ein Spiel nach ihrer Vorstellung programmieren können ohneder drauf zu achten ob es der eigentliche Zielgruppe (Kinder) gefällt. Dass beste Beispiel was er erwähnt hat ist Pixar die seit Jahren Kunstwerke provozieren die sich nicht nur eine junge Zuschauer orientieren.
Zum Beispiel. Waren wir bei Cars 2 insgesamt mit zwölf Mann im Kino, von 10-80 Jahren und jeder hatte seine Spaß. Ich hoffe das mit Epic micky 2  nicht nur an jüngere Spieler wendet. Sondern auch Erwachsene ihren Spaß an an das Spiel haben      

Beispiel  2; Lego (Herrin Potter 5-7)  richtet sich eindeutig an Kinder. Trotzdem hatte ich als erwachsener, einen Heidenspaß mit den Teil

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Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 3. April 2012 - 20:43 #

Die Lego-Spiele (hatte selbst aber nur die Star-Wars-Teile mit 'nem Kumpel gezockt, beide jenseits der 30) finde ich ganz grundsätzlich sehr spaßig, gerade zu zweit im selben Raum - online wäre es nicht dasselbe, in dem Punkt kann ich Spectors Haltung gut nachvollziehen.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 3. April 2012 - 20:38 #

"Ein Freund von mir spielt beispielsweise so eine extrem realistische militärische U-Boot-Simulation, wahrscheinlich als einer von 300 Menschen weltweit, höchstens."

Ich nehme mal an, eine von Sonalysts Sims. Schade, dass von da nichts mehr kommt. Ausser Silent Hunter gibts auf dem Feld ja nichts mehr. Jedenfalls nicht, dass ich wüsste.

Schönes Interview. Wenn Micky mir auch meilenweit an der Puperze vorbei geht, bleibt Spector doch mein persönlicher Spieldesign-Held, und es freut mich, dass er Spass damit hat.

Henke 15 Kenner - 3636 - 7. April 2012 - 22:07 #

Auch für mich zählt Warren Spector zu einem der Pioniere, die richtungsweisende Spiele gemacht haben. Aber auch wenn er Spaß an einem Disney-Spiel hat, wünsche ich mir doch sehr, dass er sich auch mal wieder etwas ernsthafterem zuwendet...

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