Dave Cox zum 3DS-Castlevania:

"Mirror of Fate wird viele überraschen" Interview

Dave Cox ist bei Mercury Steam als Producer für die Lords-of-Shadow-Reihe verantwortlich. Wir haben ihn (vor unserem Test) zum anstehenden Release des zweiten Teils der Trilogie, Mirror of Fate, befragt: Wie nah ist es an den alten Castlevanias dran? Wie sehr mischen sich die Japaner ein? Macht das Studio einen weiteren Teil?
Jonas Schramm 3. März 2013 - 11:16 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Der Erfolg von Castlevania – Lords of Shadow (GG-Test: 8.0) habe ihn selbst überrascht, gibt Dave Cox in unserem Gespräch zu: Wir haben mit dem Producer der neuzeitlichen Castlevania-Trilogie in einem Restaurant gesprochen. Die Peitsche schwang dabei aber nicht Dave oder sein Spielheld (der nutzt lieber eine Art Kette), sondern die Münchner Bedienung: Zuerst wurde der Producer zusammengestaucht, dass er seinen mitgebrachten Kaffee im Pappbecher nicht trinken dürfe, dann seine Begleitmannschaft, dass die abgestellten Koffer im Weg seien. Ganz verschüchtert saßen schließlich vier Personen an einem Ecktisch und sprachen, misstrauisch beäugt, über Castlevania – Mirror of Fate. Wer als Münchner das Restaurant erkennt (Tipp: Seht euch auch die Teaser-News an) und als erstes richtig als Comment postet, erhält eine kleine Belohnung! Was Dave zur Castlevania-Serie im Allgemeinen und zu Mirror of Fate im Speziellen zu sagen hatte, über Reboots generell und die Zukunft seines Studios Mercury Steam, das lest ihr auf den folgenden beiden Seiten.

Spoiler-Warnung
Achtung: Das Interview enthält gleich zu Beginn starke Spoiler zum 2010 erschienenen Castlevania – Lords of Shadow. Zum aktuellen 3DS-Spiel Mirror of Fate sind hingegen nur kleinere Spoiler enthalten, die euch mit Sicherheit keinen Spielspaß kosten, wenn ihr sie lest.

GamersGlobal: Dave, Mirror of Fate ist Teil der Lords-of-Shadow-Reihe. Ist es ein echter Nachfolger zu dem Serien-Reboot?
Mirror of Fate ist ein bisschen wie Christopher Nolans Memento.

Dave Cox: Ja, genau. Das Spiel beginnt 60 Jahre nach den Ereignissen von Castlevania – Lords of Shadow und erzählt seine Geschichte quasi rückwärts. Man fängt mit Simon an, dann folgt Alucard und schließlich spielt man Trevor. Es ist ein bisschen wie der Film Memento von Christopher Nolan. Die Geschichte soll erst am Ende richtig Sinn ergeben. Wir wollen, dass der Spieler Castlevania – Mirror of Fate danach noch einmal spielt, da es viele Kleinigkeiten geben wird, die er beim ersten Durchspielen verpasst hat. Viele der Szenen im Spiel werden auch aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere gezeigt.

GamersGlobal: Nur, damit wir dir folgen können: Trevor ist der Sohn von Gabriel, dem Helden von Lords of Shadow…

Dave Cox: …und Simon der Sohn von Trevor, richtig. Es ist ein Familliendrama (lacht).

GamersGlobal: Natürlich nutzt Castlevania – Mirror of Fate den 3D-Effekt des Nintendo 3DS, und das auch sehr schön, nach dem ersten Anspielen zu urteilen. Es scheint sich aber doch alles auf einer einzigen zweidimensionalen Ebene abzuspielen: Man hat zwei Bewegungsrichtungen und Sprünge zur Verfügung, muss aber nicht nach hinten oder vorne laufen beziehungsweise springen.
Auch in Mirror of Fate spielen die Kämpfe eine wichtige Rolle. 


Dave Cox: Ja, so ist es. Wir wollten die Spieler mit ihrer Auffassung eines „klassischen“ 2D-Sidescrollers aber ein wenig reinlegen. Wir mögen es, unkonventionell zu sein. Ich finde, das haben wir schon im ersten Lords of Shadow gezeigt, als sich am Ende herausstellte, dass der Spieler selbst Dracula war. Diesmal wollten wir ein Spiel entwickeln, das zwar wie einer der Serien-Klassiker aussieht, sich aber doch modern anfühlt. In Castlevania – Mirror of Fate spielen wir viel mit unterschiedlichen Kamera-Perspektiven und setzten so Highlights in der Spielwelt. Auf den ersten Blick wirkt es noch wie ein altes Castlevania, wer es spielt, wird aber feststellen, dass es doch einen aktuellen Stil besitzt. Ich würde sagen, wir stehen mit einem Fuß in der Zukunft und einem in der Vergangenheit. Es ist eine Mischung aus alt und neu.

GamersGlobal: Was auch ein Problem sein kann. Im Falle von Lords of Shadow waren einige Fans gar nicht erfreut über die neue Richtung. Die Spielwelt war in 3D, es war ein Action-Adventure und auch wenn der Plattforming-Aspekt und im Grunde auch die Peitsche – diesmal in Form einer Metallkette - noch vorhanden waren, spielte es sich doch mehr wie ein 3D-Action-Adventure.

Dave Cox: Wir haben die Serie ganz bewusst neu aufgelegt, weil wir etwas machen wollten, das anders war. Das Castlevania-Feeling sollte aber trotzdem noch vorhanden sein. So wollten wir eine größere Zielgruppe ansprechen. Tatsächlich ist Castlevania – Lords of Shadow das bislang erfolgreichste Spiel in der Geschichte der Serie geworden, was uns und Konami überrascht hat! Ich glaube das beweist, dass Spieler Lust auf ein Castlevania, oder besser ein neues Castlevania, hatten. Manchen Fans gefiel nicht, was wir abgeliefert haben. Wir wollten darauf eingehen und bestimmte Dinge in den nächsten Teilen der Serie besser machen. Dem Spieler beispielsweise mehr Raum zum Erkunden geben, denn Lords of Shadow war sehr linear. In Mirror of Fate legen wir mehr wert aufs Erkunden der Spielwelt. Genauso wird das übrigens auch in Lords of Shadow 2 sein.

GamersGlobal: Wie wird dieses "Mehr an Erkundung" denn verwirklicht? Eher in Form von kleinen Sidequests und zusätzlichen Dungeons oder in Form einer mehr oder weniger offenen Spielwelt, wie die Schlösser der alten Castlevanias?

Dave Cox: Mit Mirror of Fate haben wir versucht, einen geistigen Nachfolger zu Castlevania – Dracula’s Curse zu entwickeln. Das war der erste Serienteil, der mehrere spielbare Charaktere besaß. Es war auch der erste, in dem sich die Spielwelt wirklich erkunden ließ und es unterschiedliche Wege gab. Unser Spiel folgt nicht hundertprozentig dem Metroidvania-Stil, diese Spiele gibt es ja schon seit 1997. Es war Zeit für einen Wandel, gleichzeitig wollten wir das klassische Gefühl "Belmont gegen Dracula" wieder aufleben lassen. Ich bin damit als Teenager aufgewachsen und wollte die Serie nun wieder dorthin zurück bringen. Der Fokus in Mirror of Fate liegt auf der Frage, wie die Fehde zwischen der Belmont Familie und Dracula zustande kam. Viele Spieler haben Spaß daran, die Spielwelt zu erkunden, neue Fähigkeiten zu erlernen und jede Kleinigkeit zu entdecken. Diese Elemente der Metroidvania-Spiele gibt es auch in Mirror of Fate. Gleichzeitig handelt es sich um den Nachfolger zu Lords of Shadow. Der Schwerpunkt liegt also weiterhin auf den Kämpfen, nur wird es diesmal eben Raum zum Erkunden geben.

GamersGlobal: Du bist ja schon auf den Plot-Twist im Lords of Shadow zu sprechen gekommen. Wird sich am Ende auch diesmal etwas offenbaren, was man so überhaupt nicht erwartet zu Beginn?

In Mirror of Fate zeigen wir Dracula, wie er noch nie zuvor gezeigt wurde.
Dave Cox: Wie ich eben schon gesagt habe, wollen wir unkonventionell sein und den Spieler überraschen. Dracula soll in dieser Geschichte ein Charakter sein, mit dem sich der Spieler identifizieren kann. Die Lords-of-Shadow-Reihe sollte sich von Anfang an um Dracula drehen. Im ersten Teil geht es um die Anfänge von Dracula, Lords of Shadow 2 markiert das Ende der Saga und in der Mitte steht Mirror of Fate. Wir wollen, dass der Spieler am Ende der Saga Dracula als echten Charakter wahrnimmt. Ich glaube, das Ende von Castlevania – Mirror of Fate wird viele überraschen, weil wir Dracula zeigen, wie er noch nie zuvor gezeigt wurde. Deshalb ist das Ende für uns so besonders. Im Laufe des Spiels gibt es hier und da Wendungen in der Handlung, aber das wirklich Besondere ist es, Dracula in diesem neuen Licht zu sehen.

GamersGlobal: Castlevania - Mirror of Fate erscheint ja auf einer anderen Plattform a
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ls Lords of Shadow und auch Lords of Shadow 2. Würdest du sagen, man muss Mirror of Fate spielen, um die Serie als Ganzes zu verstehen? Oder kann es jemand ohne einen 3DS auch ohne Gewissensnot überspringen?

Dave Cox: Man kann es schon überspringen. Jede Geschichte im Lords-of-Shadow-Universum ist in sich geschlossen. Der erste Teil drehte sich um den Tod von Gabriels Frau Marie und die Maske Gottes. Diese Geschichte ist abgeschlossen. Genauso ist es in Mirror of Fate, auch dieses hat einen Abschluss. Wer den ersten Teil nicht gespielt hat, wird die Story trotzdem verstehen. Es gibt aber auch eine übergreifende Geschichte, die sich über alle drei Teile erstreckt und eher im Hintergrund abläuft. Wer alle drei spielt, wird einen tieferen Einblick erhalten und die Zusammenhänge im Gesamtkontext verstehen. Uns war natürlich klar, dass dieses Spiel für eine andere Plattform erscheint und der eine oder andere es deshalb nicht kaufen wird. Darum werden wir in Lords of Shadow 2 eine Zusammenfassung der Ereignisse von Mirror of Fate liefern.

Mehr zu Mirror of Fate und Reboots im Allgemeinen erfahrt ihr auf Seite 2.
Mercury Steams Castlevania - Lords of Shadow entfernte sich 2010 deutlich von den in Japan gefertigten Vorgängern.
Jörg Langer Chefredakteur - P - 352341 - 3. März 2013 - 11:25 #

Viel Spaß beim Lesen!

pauly19 14 Komm-Experte - 2548 - 3. März 2013 - 16:28 #

Schuhbecks Orlando.(komme nicht aus München). Klasse Interview.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 352341 - 3. März 2013 - 22:10 #

Kalt, ganz kalt...

Vidar 18 Doppel-Voter - 12920 - 3. März 2013 - 12:02 #

Dachte das kommt gar nicht mehr, rutschte ja seit 2 Wochen immer wieder nach hinten....

Schönes Interview und nach der Demo steht für mich eh fest das ich es mir holen werde!

Olphas 24 Trolljäger - - 48734 - 3. März 2013 - 12:10 #

Ich freu mich schon sehr drauf. Hab es vorbestellt, nachdem mich die Demo ziemlich begeistert hat. Sollte Ende der Woche eintreffen :)

Herr Hartz 12 Trollwächter - 850 - 3. März 2013 - 13:14 #

Ja, habe auch lange auf das Interview gewartet. Jetzt bin ich noch auf den Test gespannt, aber die Demo hat auch mich vollkommen überzeugt. Ich denke, dieses Spiel wird in meine Sammlung wandern....

Kenner der Episoden 19 Megatalent - P - 16785 - 3. März 2013 - 13:49 #

Das Spiel könnte für mich vielleicht der Grund sein, mir endlich einen 3DS zu kaufen. Ich bin zwar eher PC-Spieler, aber die (2D) Castlevania-Reihe übt auf mich schon lange einen merkwürdigen Reiz aus. Ich bin gespannt auf den Test.

McGressive 19 Megatalent - 14000 - 3. März 2013 - 14:51 #

Ich brauche keinen Test :P
Schon zur Ankündigung war für mich als Die-Hard-Metroidvania-Fan klar, dass ich das Teil zum Release haben muss.
Die Demo war dann lediglich das Sahnehäubchen auf meinen Hype-Kuchen ;)

Captain Placeholder (unregistriert) 3. März 2013 - 23:18 #

Ich freue mich sehr auf die noch kommenden zwei Lords Of Shadow-Titel, aber ich bin auch froh, dass danach wieder jemand anderes als Mercury Steam die Reihe fortsetzen wird. Ich will schließlich doch irgendwann wieder neue, reinrassige 2D-Metroidvanias spielen können.

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