Dennis Shirk zum Civ-5-Addon:

"Mehr Tiefgang durch Religionen"

Gemeinsam mit Designer Ed Beach führte uns Producer Dennis Shirk das Addon Civilization 5: Gods & Kings vor. Wir zerrten Dennis Shirk anschließend für ein exklusives Interview vor unser Mikrofon, um über die zahlreichen Veränderungen zu sprechen, die die Erweiterung bieten wird.
Roland Austinat 14. März 2012 - 0:45 — vor 2 Jahren aktualisiert
Von den zahlreichen Neuerungen, die Civilization 5: Gods & Kings mit sich bringt, konntet ihr euch schon in unserem Angetestet-Artikel überzeugen. Nachdem uns die Erweiterung vor kurzem in San Francisco für eine halbe Stunde präsentiert wurde, haben wir uns Dennis Shirk, seines Zeichens Producer beim Entwicklerstudio Firaxis, geschnappt und unter anderem zu den neuen Religionen und den überarbeiteten Spionen befragt. Falls ihr euch über fehlende Fragen zur KI wundert: Da glauben wir, bei allem Vertrauen in die Kompetenz von Firaxis, bei Civilization 5 nur noch das, was wir selbst erleben und sehen können, und keine Designer-Versprechen.
 
GamersGlobal: Ein Sprichwort sagt: Sprich niemals über Steuern und Religion – mit der neuen Erweiterung Gods & Kings macht ihr aber genau das. Gab es intern hitzige Diskussionen darüber?
 
Dennis Shirk: An sich nicht, das ging recht schmerzfrei. Wir hätten sicher länger darüber diskutiert, wenn das Ziel gewesen wäre, die bestehenden Weltreligionen im Spiel abzubilden. Dann wäre es unter Umständen zu Situationen im Spiel gekommen, die niemand bei Firaxis auf YouTube hätte sehen wollen ...
 
GamersGlobal:: ...oder auf dem Rechtsaußen-Nachrichtensender Fox News.
Wer auf Standard-Strategien setzte, kann das im Addon vergessen.
 
Dennis Shirk: Genau, dann hieße es, wir indoktrinieren die Jugend mit dieser oder jener Religion. Deswegen geben wir euch stattdessen alle Freiheiten: Ihr könnt eure Religion nennen, wie ihr wollt, und ihr könnt in die fünf bis sechs "Inhaltsslots" beliebige Kombinationen der Glaubensrichtungen packen. Dadurch kommt wirklich deutlich mehr Tiefe ins Spiel: Wer bisher auf Standardstrategien setzte, kann das im Addon vergessen. Denn jetzt habt ihr zwölf Zivilisationen mit sechs Religionen pro Spiel. Auf kleinen Karten sind das dann immer noch vier Zivilisationen mit zwei Religionen. Und das wirkt sich auch auf die umliegenden Zivilisationen aus. Nehmen wir die Glaubensrichtung "Gerechter Krieg". Wenn die sich zu einem eurer Nachbarn verbreitet, kämpfen eure Einheiten 30 Prozent effektiver, wenn sie sich in der Nähe der Städte dieses Nachbarn befinden.
 
GamersGlobal:: In Civilization 5 und auch in Gods & Kings begegnen wir immer wieder anderen Anführern. Können wir in Gods & Kings auch unserem Gott begegnen, der vielleicht aus einem Naturereignis zu uns spricht und uns lobt und belohnt, weil wir anderen von ihm erzählt haben?
 
Dennis Shirk: Nein, so allmächtig wird es nicht. Große Propheten sind bei uns das höchste der Gefühle. Vielleicht auch deswegen, weil wir das Religionssystem auf den Beginn und dann besonders die Mitte einer Partie ausbalanciert haben. Während der Renaissance beginnt der Einfluss der Religionen jedoch zu schwinden, fast wie in der richtigen Welt. Außerdem werden die Dinge, die ihr mit Glaubenspunkten kaufen könnt, immer teurer – bis ihr sie euch im Industriezeitalter kaum noch leisten könnt. Dafür beginnt sich dann das Spionagesystem zu entfalten.
 
GamersGlobal:: Die Änderungen bei den Stadtstaaten klingen vielversprechend. Kannst du uns etwas mehr zu deren Quests verraten?
 
Dennis Shirk: Neben den schon erwähnten Arten wie "Töte X Barbare
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n" oder globalen Quests wie "Baue die meisten Weltwunder in Y Zügen" gibt es im Addon einen Quest-Typ, bei dem ihr eine Tributzahlung bei einem anderen Stadtstaat eintreiben müsst. Rückt ihr mit einer Armee an, die stark genug ist, kann das funktionieren und ihr bekommt das Gold und vielleicht sogar einige Arbeiter. Aber hinter eurem Rücken kann sich der Stadtstaat, den ihr eingeschüchtert habt, bei einem anderen Spieler darüber beschweren und ihn um Hilfe gegen euch bitten.
 
GamersGlobal:: Stichwort Spionage: Bekommen wir jetzt nicht fast schon zu viele Informationen von unseren Spionen, ohne dass wir etwas machen müssten?
 
Dennis Shirk: Das begrenzen wir durch die Anzahl der Spione. Ihr bekommt einen in der Renaissance, einen im Industriezeitalter und einen in der Gegenwart. Mit einem Nationenwunder, der Nationalen Geheimdienstagentur, könnt ihr noch einen vierten erhalten. Aber es kann passieren, dass euch eure Spione technologische Errungenschaften übermitteln, die für euch schon lange kalter Kaffee sind, weil eure eigenen Forschungen diesen Stand schon lange übertroffen haben.
Wir haben Schlupflöcher wie das Forschungs-Abkommen gestopft
Eure Gegner oder Verbündeten können eure Spionen aufdecken und dann zu euch kommen und sich über ihn beschweren – oder sie bringen ihn kurzerhand um die Ecke. Und dann fehlt euch dieser Spion für einige Zeit. Oder jemand setzt das Wunder Great Firewall ein, das sämtlichen Technologiediebstahl für einige Runden unterbindet. Wir wollen das alles aber nicht künstlich verkomplizieren, weil das vom eigentlichen Spiel ablenkt. Wir haben gleichzeitig einige Schlupflöcher wie die Forschungsabkommen gestopft, die den Spielern Tricksereien erlaubt haben. Ihr müsst jetzt gute Freunde mit der Zivilisation sein, mit der ihr gemeinsam forschen wollt. Dadurch werden diese Forschungsabkommen wieder zu etwas Besonderem, etwas Wertvollem – und zu einem gefundenen Fressen für den Spion einer dritten Partei.
 
GamersGlobal: Wenn Wikinger oder Piraten an Land stürmen, um eine Stadt zu plündern, erscheint das authentisch. Aber ein Kriegsschiff aus dem Ersten Weltkrieg? Die Matrosen haben eine Stadt seinerzeit doch aus ganz anderen Gründen gestürmt ...
 
Dennis Shirk: Zu einem gewissen Grad muss man die Realität etwas außen vor lassen. (grinst) In diesem Fall gewinnt das Spiel durch diese neue Mechanik. Stellt euch einen Kontinent vor, der von Wasser umgeben ist und dessen Bewohner sich durch Küstenbatterien vor Invasoren schützen. In Civilization 5 konnte man kaum etwas dagegen machen. Doch jetzt kann ein Zerstörergeschwader in Küstennähe kommen und einer verteidigenden Stadt an Land einheizen – da muss der Verteidiger deutlich stärker auf der Hut sein und aufpassen. Und mit den vergrößerten Gesundheitsreserven laufen Schlachten jetzt sehr viel spannender ab als bisher.
 
GamersGlobal:: Wir sind gespannt. Auf jeden Fall vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg auf der Zielgraden.

Das Interview führte Roland Austinat für GamersGlobal

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Firaxis Games
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22.06.2012
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Roland Austinat 14. März 2012 - 0:45 — vor 2 Jahren aktualisiert
Klaus Ohlig 14 Komm-Experte - Abo - 1947 EXP - 14. März 2012 - 1:41 #

Roland, was soll das immer mit den 'überarbeiteten Spionen'? Hab ich in 300 Stunden CiV was übersehen?

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 14. März 2012 - 3:09 #

Klaus, bin mir nicht ganz sicher, was Du meinst. Es geht ja um die Erweiterung, vielleicht meinst Du die darin zentral zusammengefasste Steuerung?

Klaus Ohlig 14 Komm-Experte - Abo - 1947 EXP - 14. März 2012 - 8:28 #

Nein: ich meine, dass es in Civilization V Spionage bisher ebensowenig gab wie Religion, und daher beide Features komplett neu sind. Oder aber, dass ich die Spionage bisher schlicht übersehen hätte. Deine Wortwahl hat mich da etwas stutzig gemacht...

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 15. März 2012 - 6:30 #

Hallo Klaus, da ist der "überarbeitete US-Korrespondent" Schuld: Das hätte natürlich Civ 4 heißen sollen. Aber das kommt davon, wenn man seit letzter Woche Montag bis diesen Freitag 22 Artikel, zwei Podcasts (Spieleveteranen und Consol) sowie zwei Übersetzungsprojekte an der Backe hat und zwischendrin auch noch mit alten Kollegen aus Deutschland Essen geht, die anlässlich der GDC in SF sind. Mea culpa.

Argh! (unregistriert) 14. März 2012 - 14:50 #

Hat mich auch in beiden Artikeln verwirrt. Wenn man die Sätze richtig interpretiert ergibt es schon Sinn, aber auf den ersten Blick ist es verwirrend.

Hedeltrollo 14 Komm-Experte - Abo - 2206 EXP - 14. März 2012 - 9:30 #

Sie hätten auch Bismarck und Alexander rausnehmen sollen. Nicht auszudenken, wenn Alexander zu einem Vernichtungsschlag gegen Bismarck ausholt. Das gibt dann die nächste B**D-Schlagzeile. Wobei die britische yellowpress noch bissiger sein dürfte, wenn Bismarck der Elisabeth in den Allerwertesten tritt. Dann setzt es wieder Bildmontagen eines Bismarcks in der SS-Uniform.

:/

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 15. März 2012 - 6:30 #

Sehr gut! Hab laut gelacht!

flow7 (unregistriert) 14. März 2012 - 10:40 #

super interview!!! mag das spiel jeeeeetzt :)

Merowech 13 Koop-Gamer - Abo - 1227 EXP - 14. März 2012 - 11:17 #

Danke für das Interview. Am liebsten hätte ich aber ein oder zwei Fragen (und Antworten) zur Überarbeitung der Gefechts-KI gelesen.

Roland Austinat Freier Redakteur - 2906 EXP - 15. März 2012 - 6:31 #

Ich probier nächstes Mal mein Glück. Aber erfahrungsgemäß kommt dann außer "wird überarbeitet/besser/schlauer/etc." nicht viel, oder es kommt ein "daran arbeitet unser KI-Experte bis zum letzten Moment". Ehrlich.

Anonymous (unregistriert) 19. März 2012 - 0:04 #

Ich glaub erst dann an eine gute Civ V KI, wenn sie mich ohne cheaten weg putzt. Ehrlich. :)

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