Vorschlag an Frau Merkel: Videospiele als Chance

Foren-Suche
Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei
gordon-creAtive.com (08 Versteher, 191 EXP)
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 1 Jahr 30 Wochen Offline
Beigetreten: 20.2.2011
Inhalte: 1

Liebes GG-Board!
Ich habe auf der Wahlkampf-Auftakt-Plattform von Frau Merkel, genannt "Zukunftsdialog", unter der Kategorie "Wie wollen wir zusammenleben", folgenden Vorschlag gemacht. Wenn ihr diesen Vorschlag gut findet, würde ich mich freuen, wenn ihr ihn auf der Seite mit einem Daumen-hoch unterstützen würdet.

(Link zum Vorschlag: http://j.mp/yN41df)

__________________________________________

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

ich freue mich darüber, dass sie bestrebt sind, unter der Verwendung von modernen Technologien in Dialog mit den Bürger Deutschlands zu treten. Ich nehme diese Einladung gerne an und möchte sie nutzen, als einer von 30 Millionen Videospielern dieses Landes [1] auf eine Gesellschaftsgruppe aufmerksam zu machen, die bisher von der Politik wenig beachtet wurde.

Wir Videospieler haben einen schweren Stand in der Bundesrepublik Deutschland. Wir werden regelmäßig von Medien und Politik als Sündenbock für gesellschaftliche und soziale Missstände missbraucht.[2] Diese videospielfeindliche Stimmung hat sich inzwischen derart aufgeheizt, dass 2009 in Karlsruhe (ausgerechnet in der Stadt, in der das Verfassungsgericht residiert) sogar LAN-Partys verboten wurden[3]. Seit diesem Zeitpunkt hat in Karlsruhe keine LAN-Party mehr stattgefunden. Wir sind sehr besorgt über diese Haltungen. Während Deutschland aufgrund seiner Rolle im Dritten Reich in der Regel sehr sensibel auf die Diskriminierung von Gruppen reagiert, wünschen wir uns, dass auch uns Videospielern Respekt gezollt wird.

Als der Medienkünstler Jens Stober 2010 das Videospiel "1387(km)" ankündigte, welches die Thematik der DRR-Fluchtversuche aufarbeitet, wurde er von Politik und Medien öffentlich beschimpft.[4] Wie mir ein Mitarbeiter des "GameLab Karlsruhe" mitteilte, wurde er zu seiner eigenen Sicherheit bis zur Veröffentlichung des Spiels von der Öffentlichkeit abgeschottet. Ich habe der Präsentation des Videospiels selbst beigewohnt, die unter Polizeischutz und Sicherheitskontrollen, wie sie am Flughafen üblich sind, durchgeführt wurde. Dieser Abend ist mir bis heute in Erinnerung geblieben, da ich diese Situation in einem Land, in dem in der Verfassung Kunst- und Meinungsfreiheit festgeschrieben sind, nicht erwartet hätte. Wir wünschen uns, dass Kunst- und Meinungsfreiheit auch für Videospiele gelten und dieses Medium als legitimes Mittel zur Verarbeitung von geschichtlichen und gegenwärtigen Ereignissen anerkannt wird.

Während die Library of Congress "Doom" als wertvolles Kulturgut gekennzeichnet hat[5], war dieses Spiel bei uns 17Jahre lang zensiert. Erst 2011 hat die BPjM die historische Bedeutung dieser Videospiele gewürdigt und es vom Index genommen. Während wir uns über diese Handlung freuen, wünschen wir uns, das die generelle Praxis der Videospielzensur in Deutschland überdacht wird, die nach unserer Auffassung gegen die Kunst- und Meinungsfreiheit verstößt. Wir haben uns mit diesem Anliegen bereits erfolglos an den Petitionsausschuss gewendet. Eine vielschichtige Analyse der Thematik und Handlungsvorschläge finden sie unter spielepetition.de.

Videospiele sind eine Chance für die deutsche Wirtschaft. Obwohl wir die wirtschaftsstärkste Nation in Europa sind, besitzt Deutschland lediglich ein einziges international konkurrenzfähiges Spielestudio. Die Firma Crytek GmbH hat jedoch aufgrund der videospielfeindlichen Stimmung in Deutschland darüber nachgedacht, diesen Standort zu verlassen.[6] Sie selbst sieht die Zukunft für eine Videospielbranche in Deutschland aufgrund der gegenwärtigen Situation negativ.[7] Wir hoffen, dass auch die Politik die Chancen sieht, die diese zukunftsträchtige Branche bietet und dass eine akzeptierte, geförderte und starke Videospielindustrie die deutsche Wirtschaft stärken kann.

In anderen Ländern haben Videospiele auch bei der Politik einen höheren Stellenwert. So hat der polnische Ministerpräsident Tusk bei einem Besuch Obamas dem amerikanischen Präsidenten eine limitierte Edition des Videospiels "The Witcher 2" als Geschenk überreicht, welches in Polen kreiert wurde. [8] Wir wünschen uns, dass auch die deutsche Politik ihre Meinung überdenkt und wir nach jahrelangen Kämpfen gegen die oben dargestellten Missstände ein positives Signal empfangen können.

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit,

Gordon Creative

[1] Games Online Media Monitor 2012, 5. Auflage
[2] Eine detaillierte Aufstellung bietet diese Webseite: http://stigma-videospiele.de/wordpress/?page_id=42
[3] http://www.spiegel.de/netzwelt/spielzeug/0,1518,628249,00.html
[4] http://www.golem.de/1009/78324.html
[5] http://www.sueddeutsche.de/digital/doom-neben-kant-killerspiele-als-kulturgut-1.911511
[6] http://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article1113110/Spiele_Genies_drohen_mit_Auswanderung.html
[7] http://www.fr-online.de/wirtschaft/games-suchen-geldgeber,1472780,4748348.html
[8] http://www.escapistmagazine.com/news/view/110469-Polish-Prime-Minister-Gives-Obama-Witcher-2

__________________________________________

Mir ist die Kritik an dieser Plattform durchaus bewusst (Siehe: http://netzpolitik.org/2012/eine-kleine-geschichte-des-burgerdialogs/). Ich denke aber: Wenigstens habe ich es versucht - sonst wird ja nicht einmal so getan, als wollte man uns zu hören. (Siehe auch http://stigma-videospiele.de/wordpress/?p=6059)

Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertGold-Jäger: Hat 75 Erfolge erreicht -- Wahnsinn!Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertDebattierer: Hat 5000 EXP durch Comments erhaltenSilber-Jäger: Hat Stufe 10 der Jäger-Klasse erreichtBronze-Jäger: Hat Stufe 5 der Jäger-Klasse erreichtVielspieler: Hat 250 Spiele in seine Sammlung eingetragenLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabeiVeteran-Poster: Seine Forumsposts brachten ihm 2000 EXPDiskutierer: Hat 1000 EXP durch Comments erhaltenFleißposter: Hat 200 EXP mit Forumsposts verdientKommentierer: Hat 100 EXP mit Comments verdientSammler: Hat mindestens 50 Spiele in seiner SammlungProfiler: Hat sein Profil komplett ausgefüllt
blobblond (19 Megatalent, 17763 EXP)
Überall versteckte Codes! Stecken die Illuminaten dahinter?
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 2 Stunden 18 Minuten Offline
Beigetreten: 15.7.2011
Inhalte: 6
gordon-creAtive.com schrieb:

Während die Library of Congress "Doom" als wertvolles Kulturgut gekennzeichnet hat[5], war dieses Spiel bei uns 17Jahre lang zensiert. Während die Library of Congress "Doom" als wertvolles Kulturgut gekennzeichnet hat[5], war dieses Spiel bei uns 17Jahre lang zensiert.Erst 2011 hat die BPjM die historische Bedeutung dieser Videospiele gewürdigt und es vom Index genommen.

Von Doom 1 gib es keine geschnitte version,wenn dann von Doom 3,die listenstreichung erfolge durch einen antrag des Rechteinhabers,hätten sie keinen antrag gestellt wäre Doom 1 immer noch auf der liste.

____________________________________


Blobblond spielt

Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei
gordon-creAtive.com (08 Versteher, 191 EXP)
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 1 Jahr 30 Wochen Offline
Beigetreten: 20.2.2011
Inhalte: 1

Ja, das ist mir durchaus bekannt. Zensiert bedeutet nicht nur, dass eine geschnittene Version auf dem Markt ist. Doom 3 war meines Wissens nicht zensiert. Die Entscheidung, es von der Liste zu nehmen, hat trotzdem die BPjM gefällt, auch wenn der Publisher die Neuprüfung beantragt hat.

Betatester: War bei der Closed Beta von GamersGlobal (März bis Mai 2009) dabeiAlter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertAlter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertGG-Supporter: hat einmalig 10 Euro gespendetBronze-Jäger: Hat Stufe 5 der Jäger-Klasse erreichtLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabeiBronze-Reporter: Hat Stufe 6 der Reporter-Klasse erreichtDiskutierer: Hat 1000 EXP durch Comments erhaltenStar: Hat 1000 Kudos für eigene News/Artikel erhaltenGG-Spender: Hat eine Spende von 5 Euro an GG.de geschicktFleißposter: Hat 200 EXP mit Forumsposts verdientKommentierer: Hat 100 EXP mit Comments verdientAzubi-Redigierer: Hat 100 EXP beim Verbessern fremder News verdientVorbild: Hat mindestens 100 Kudos erhaltenTop-News-Schreiber: Hat mindestens 5 Top-News geschriebenSammler: Hat mindestens 50 Spiele in seiner Sammlung
bolle (17 Shapeshifter, 7613 EXP)
GTX 1060! So much fun!
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 10 Wochen 3 Tagen Offline
Beigetreten: 16.3.2009
Inhalte: 35
gordon-creAtive.com schrieb:

das Videospiel "1387(km)" ankündigte, welches die Thematik der DRR-Fluchtversuche aufarbeitet

Ich finde nicht, dass diese Mod die Fluchtversuche sinnvoll aufarbeitet - auch wenn es einige dazu hochstilisieren wollen. "Der Pianist" ist ein Film, bei dem man von Aufarbeitung sprechen kann. Die Wirkung bleibt bei Spielern dieser Mod aus.

Es hat die Fluchtversuche lediglich zum Thema. Mehr aber auch nicht.

Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei
gordon-creAtive.com (08 Versteher, 191 EXP)
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 1 Jahr 30 Wochen Offline
Beigetreten: 20.2.2011
Inhalte: 1

Ich kann deine Kritik verstehen, aber darum ging es ja nicht. Als Jens Stober dieses Spiel angekündigt hatte, hat niemand versucht, ihn zu kritisieren, er hätte die Fluchtversuche nicht sinnvoll aufgearbeitet - Es ging darum ihn fertig zu machen, weil er ein Videospiel kreiert hatte, Videospiele Schund sind und nicht das Recht haben, sich mit deutscher Geschichte zu beschäftigen. Ich fand es erschreckend, dass Politiker und Opferverbände an vorderster Front zusammen mit der Bild eine Hetzjagd gegen einen Künstler veranstaltet haben. Wie er mir erzählte, hatte er sogar Morddrohungen erhalten. Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt noch garnicht veröffentlicht, wohlgemerkt, denn es ging nicht um Inhalte und kritische Auseinandersetzung, es ging einzig und allein mal wieder darum Videospiele(r) zu diskreditieren. Ich dachte eigentlich, wir hätten eine solche Scheiße hinter uns.

Dieser User unterstützt GG seit einem Jahr mit einem Abonnement.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertFROGG: Als "Friend of GamersGlobal" darf sich bezeichnen, wer uns 25 Euro spendet.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertDieser User hat uns an Weihnachten 2016 mit einer Spende von 50 Euro unterstützt.Silber-Jäger: Hat Stufe 10 der Jäger-Klasse erreichtDieser User hat uns an Weihnachten 2015 mit einer Spende von 25 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2014 mit einer Spende von 25 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2013 mit einer Spende von 25 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2012 mit einer Spende von 12 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2011 mit einer Spende von 11 Euro unterstützt.GG-Supporter: hat einmalig 10 Euro gespendetBronze-Jäger: Hat Stufe 5 der Jäger-Klasse erreichtVielspieler: Hat 250 Spiele in seine Sammlung eingetragenBronze-Archivar: Hat Stufe 5 der Archivar-Klasse erreichtLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei
Horschtele (16 Übertalent, 5389 EXP)
https://robertsspaceindustries.com/enlist?referral=STAR-S3VL-3ZF2
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 1 Tag 1 Minute Offline
Beigetreten: 2.7.2011
Inhalte: 69
gordon-creAtive.com schrieb:

Videospiele sind eine Chance für die deutsche Wirtschaft. Obwohl wir die wirtschaftsstärkste Nation in Europa sind, besitzt Deutschland lediglich ein einziges international konkurrenzfähiges Spielestudio.

Im Bereich Browser-und Social Games gibt es sehr wohl international konkurenzfähige Unternehmen. Von daher solltest du dieses Argument eventuell noch überarbeiten. Davon abgesehen wünsche ich dir natürlich viel Glück mit deinen Bemühungen.

Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei
gordon-creAtive.com (08 Versteher, 191 EXP)
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 1 Jahr 30 Wochen Offline
Beigetreten: 20.2.2011
Inhalte: 1

Ja, ich habe Gameforge übersehen (und das als Karlsruher), aber das ändert ja im Grunde nichts, denn im Großen und Ganzen ist die deutsche Videospielindustrie kaum nennenswert. Ich kann den Vorschlag leider nachträglich nicht korrigieren. Wenn nachher ein Politiker sagt, das würde so nicht ganz korrekt sein, dann freue ich mich, denn dann hat sich endlich mal jemand inhaltlich mit dem Thema beschäftigt.

Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertFROGG: Als "Friend of GamersGlobal" darf sich bezeichnen, wer uns 25 Euro spendet.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertDieser User hat uns an Weihnachten 2010 mit einer Spende von 10 Euro unterstützt.Bronze-Jäger: Hat Stufe 5 der Jäger-Klasse erreichtVielspieler: Hat 250 Spiele in seine Sammlung eingetragenLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabeiBronze-Reporter: Hat Stufe 6 der Reporter-Klasse erreichtDiskutierer: Hat 1000 EXP durch Comments erhaltenGG-Spender: Hat eine Spende von 5 Euro an GG.de geschicktFleißposter: Hat 200 EXP mit Forumsposts verdientKommentierer: Hat 100 EXP mit Comments verdientVorbild: Hat mindestens 100 Kudos erhaltenTop-News-Schreiber: Hat mindestens 5 Top-News geschriebenSammler: Hat mindestens 50 Spiele in seiner SammlungProfiler: Hat sein Profil komplett ausgefüllt
Ganesh (16 Übertalent, 4870 EXP)
"First things first,but not necessarily in that order." - Doctor Who (4)
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 29 Minuten 43 Sekunden Offline
Beigetreten: 30.11.2009
Inhalte: 18

Also ich werde deinen Brief nicht zeichnen. Zum einen, weil ich inständig hoffe, dass die CDU die nächsten Wahlen verliert. Zum anderen finde ich vermischt dein Brief unzulässigerweise mehrere Punkte. Während ich mit den Abschnitten zur Kultur noch leben kann, finde ich vor allem die Idee, Videospiele als Wirtschaftsgut zu betrachten, in diesem Zusammenhang untragbar.

Gerade wenn wir die Akzeptanz des Mediums erhöhen wollen, ist es notwendig, sich zu überlegen, welche Videospiele gesellschaftlich wertvoll sind und welche nicht. Es kommt ja auch keiner auf die Idee, eine Förderung des nächsten Transformer-Films oder von Twilight-Büchern zu fordern. Die verkaufen sich eh und sind auch nichts, was, wenn es denn aus Deutschland kommen würde, anders aussehen würde. Deshalb gefällt mir dein (offenbar auf Crytek gemünztes) Beispiel auch nicht. Das Letzte, was die brauchen, ist staatliche Förderung, nur damit einem deutschem FPS zum internationalen Ruhm verhelfen.

Wie wäre es stattdessen mit Daedalic? Die könnten Hilfe bei der Übersetzung sicherlich gebrauchen. Ihr einziger Konkurrent ist Telltale und deren Adventures sind ganz anders gelagert. Zudem macht hier die Bezeichnung Kulturgut wenigstens auch Sinn. Die Adventures greifen vielfältige Referenzen auf und besitzen eine Spielmechanik, die immer wieder neue Variationen zulässt.
Außerdem missfällt mir die Isolation. Geht es den berühmten German Boardgames besser in der öffentlichen Wahrnehmung? Innerhalb der Spielerschaar sind diese durchaus was besonderes, außerhalb dürfte es für Brettspiele nicht mehr als ein müdes Lächeln geben, auch wenn deutsche Designer in den letzten 20 Jahren das Genre entscheidend geprägt haben und die meisten Leute vielleicht sogar mal Siedler gespielt haben.

Zum Schluss: Wenn ich mich recht erinnere, hat die Spielergemeinde sich auch nur wenig mit 1387 auseinandergesetzt. Stattdessen wurde gleich von Zensur gesprochen, nur weil Medien und Politiker sich zurecht daran gestört haben, dass diese sensible Thematik ausgerechnet in einem FPS aufgegriffen wurde.

____________________________________

Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei
gordon-creAtive.com (08 Versteher, 191 EXP)
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 1 Jahr 30 Wochen Offline
Beigetreten: 20.2.2011
Inhalte: 1

Wer die nächsten Wahlen gewinnt, ist mir im Hinblick auf die Akzeptanz von Videospielen soweit egal, mir geht es darum, dass Videospiele endlich in der gesamten Politik so anerkannt werden, wie Filme oder Literatur. Würde eine Partei Videospiele als ihr Refugium deklarieren (naheliegend wären die Piraten), so würde das wenig helfen, da der Rest vermutlich in die Opposition gehen und Videospiele wieder zum Politikum werden würden, so wie es mit der Netzpolitik der Fall ist.

Deiner Abneigung, Videospiele als Wirtschaftsgut zu betrachten, kann ich nicht folgen. Unsere Wirtschaftsordnung ist der Kapitalismus (unabhängig davon, wie man dazu steht), quasi alles ist ein Wirtschaftsgut, so wie Triple-A-Titel, Indiespiele und sogar GamersGlobal. Videospiele sind eine Chance für die Wirtschaft: Sie können Arbeitsplätze schaffen, gerade in einer Phase, in der die deutschen Wirtschaftskompetenzen langsam von den asiatischen Ländern überholt werden. Crytek braucht keine staatliche Förderung, es ging mir nicht darum, Handlungsvorschläge zu geben und gewisse Studios zu bevorzugen. Ich versuche lediglich zu erreichen, das die Politik Videospiele auch als Wirtschaftsgut auffasst. Darin sehe ich ehrlich gesagt eine Chance. Wir haben jahrelang versucht, denen zu erklären, das Videospiele Kulturgut sind, es hat sie einen Scheiß interessiert. Vielleicht werden sie ja hellhörig, wenn wir ihnen klar machen, dass Videospiele auch Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bedeuten.

Die Beurteilung, welche Spiele "gesellschaftlich wertvoll" sind, hängt von den kulturellen Begebenheiten der Gesellschaft ab und ist absolut subjektiv. Aus diesem Grunde sollte die Entscheidung, ein Spiel als wertvoll zu betrachten, bei jedem Einzelnen liegen und nicht bei einer zentralen und/oder gar politischen Institution. Diese Geschmackszensur haben wir übrigens schon, siehe Indizierung und Verbot. In dieser Hinsicht ist Daedalic leider ein super Beispiel, welches die Politik missbrauchen kann, um diese beiden Institutionen zu rechtfertigen. Dazu ein Praxisbeispiel: Auf der Bundestagslan hat ein Politiker der Presse (ich habe ihn leider nicht erkannt) ein Interview gegeben, in dem er aussagte, dass der Deutsche Computerspielpreis eine tolle Einrichtung ist, weil man damit dafür sorgen kann, das "pädagogisch wertvolle" (<- wörtliches Zitat!) gefördert und der Rest eben verdrängt werden kann. Das Interview ist leider nicht veröffentlicht worden, ich hätte es gerne zitiert.

(Um Missverständnisse zu vermeiden: Ich finde Daedalic auch toll und bin stolz darauf, ein solches Studio in Deutschland zu haben.)

Ja, die Spielergemeinde hat sich tatsächlich kaum mit 1378km auseinandergesetzt. Es ist sehr schade, dass das verpasst wurde, denn diese Art Spiel ist extrem jung, aber (meiner Meinung nach) sehr vielversprechend und hätte diesen Diskurs dringend nötig. Die scheinbar undifferenzierte Reaktion gegenüber der Politik war dagegen absolut verständlich. Was hättest du erwartet? Wenn dein Gegenüber unter die Gürtellinie schlägt, wirst du wohl kaum anfangen, dich intellektuell argumentativ dagegen zu wehren.

Das Ganze basiert auf einem Grundproblem: Gamer sind nicht politisch. Während die sogenannte "Netzgemeinde" inzwischen gut auf sich aufmerksam zu machen weiß, waren die größten politischen Leistungen unsereins die Demo gegen die Lan-Party-Verbote in Karlsruhe 2009, an die sich kaum jemand mehr erinnert.

Ich sehe die Kritikpunkte an meinem Text durchaus. Das Problem ist, dass die Bereitschaft der Gamer, sich geschlossen für Videospiele zu engagieren, kaum vorhanden ist. Aus diesem Grund gibt es hin und wieder solche einzelne Aktionen und Alleingänge, wie z.B. diesen Vorschlag oder die eher dünne Petition Schleußers gegen ein "Killerspielverbot", die berechtigterweise Raum für viel Kritik bieten. Aber wie kann man Gamer dazu bewegen, eine geschlossene Linie zu erarbeiten und zu vertreten? Ich weiß es leider nicht.

Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertFROGG: Als "Friend of GamersGlobal" darf sich bezeichnen, wer uns 25 Euro spendet.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertDieser User hat uns an Weihnachten 2010 mit einer Spende von 10 Euro unterstützt.Bronze-Jäger: Hat Stufe 5 der Jäger-Klasse erreichtVielspieler: Hat 250 Spiele in seine Sammlung eingetragenLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabeiBronze-Reporter: Hat Stufe 6 der Reporter-Klasse erreichtDiskutierer: Hat 1000 EXP durch Comments erhaltenGG-Spender: Hat eine Spende von 5 Euro an GG.de geschicktFleißposter: Hat 200 EXP mit Forumsposts verdientKommentierer: Hat 100 EXP mit Comments verdientVorbild: Hat mindestens 100 Kudos erhaltenTop-News-Schreiber: Hat mindestens 5 Top-News geschriebenSammler: Hat mindestens 50 Spiele in seiner SammlungProfiler: Hat sein Profil komplett ausgefüllt
Ganesh (16 Übertalent, 4870 EXP)
"First things first,but not necessarily in that order." - Doctor Who (4)
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 29 Minuten 43 Sekunden Offline
Beigetreten: 30.11.2009
Inhalte: 18

Also meine Abneigung richtet nicht dagegen, dass Spiele Wirtschaftsgüter darstellen. Das tun sie ohne Frage. Das ist bloß keine Frage, die die Politik irgendwie zu interessieren hat. Im Gegensatz zur Kulturpolitik kann man bei einer reinen Wirtschaftsförderung (und das scheint dir vorzuschweben) keine auch nur halb so guten Argumente liefern. Es ist schlichtweg nicht Aufgabe des Staates sicherzustellen, dass irgendjemand mit der Produktion eines bestimmten Gutes wirtschaftlichen Erfolg genießen kann. Aber selbst unabhängig davon ist die Zeit vorbei, in der eine Wirtschaftsförderung noch Sinn machen würde. Die Pfründe sind verteilt und im Moment ist die Industrie trotz großer Absatzzahlen gerade dabei, sich gesund zu schrumpfen. Bereits jetzt gibt es nur wenige Publisher und Studios, die auf dem aktuellen Niveau produzieren können und es werden tendenziell eher weniger. Wie viel Prozent des Marktes kontrollieren die drei größten Publisher? Deutschland kann soviel Wirtschaftsförderung betreiben, wie es will - wenn schon ausreichend gute Spiele in Kanada, den USA und Frankreich produziert werden (wenn wir Japan mal außen vor lassen), dann lohnt sich die Investition nicht. Ähnlich ist es übrigens auch beim Film: Wer mit deutschen Mitteln Hollywood-Filme drehen will, wird sein Geld weitestgehend zum Fenster rausschmeißen.

Etwas anderes hingegen ist die Kulturpolitik. Die Filmförderung NRW und andere sind Beispiele wie man mit staatlicher Hilfe dazu beitragen kann, ein Kulturgut zu fördern. Was gesellschaftlich wertvoll ist, ist doch keine subjektive Eigenschaft - die meisten Menschen haben ein sehr gutes Gefühl dafür, was reiner Unterhaltung dient (die ja dadurch nicht ihren Stellenwert verliert) und mit was sie sich ein bisschen länger beschäftigen können. Auf Basis dessen können wir in anderen Bereichen zu einem intersubjektiven Urteil kommen und feststellen, dass Twillight sich zwar super verkauft und wahrscheinlich eine bestimmte Zielgruppe auch hervorragend unterhält, aber dass Juli Zeh aber eine größere Referenz zu gesellschaftlich bedeutenden Themen aufweist. Dazwischen gibt es natürlich eine Menge Raum, zum Beispiel für zwar unterhaltsame, aber dennoch kritische oder in anderlei Hinsicht bedeutsame Krimis. Ähnliches lässt sich für Film und Fernsehen, auch fürs Theater feststellen. Und diese differenzierte Rezeption trägt maßgeblich zu ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz bei, nicht ihr wirtschaftlicher Erfolg.

Um es konkret zu machen: Crytek braucht keine staatlichen Preise, Daedalic schon. Und ob Daedalic-Spiele wirklich 'pädagogisch wertvoll' sind, sollte man sich angesichts von HNA nochmal fragen. Das Spiel ist nichts für Kinder und jeder, der das gespielt hat, weiß das. Stumpf ist es aber trotzdem nicht, es verfügt über vielfältige Anspielungen auf die Geschichte de PnC-Adventures und erzählt gleichzeitig eine Geschichte, die Wahn und den Umgang damit thematisiert.

Für solche Sachen muss aber ein Bewusstsein herrschen, bevor man in die Gesellschaft hinausgeht und Akzeptanz fordert. Und für eine differenzierte Betrachtung von Mechanismen und Geschichten jenseits der reinen Unterhaltung ist in den wichtigen Medien (GG hier mal vorsichtig eingeschlossen) kaum Raum, auch weil es das Zielpublikum nicht interessiert. Die Politik ist schlichtweg der falsche Ansprechpartner dafür. Die 'Gamer' müssen auch nicht unbedingt politisch werden - zunächst einmal sollten sie ('wir') wie auch immer, ein Medium aufstellen und finanzieren, dass vielleicht auch nur englisches Niveau (RPS!) erreicht. Wenn die tagesschau über Videospiele berichten soll und nicht zufällig wie heute.de einen guten Freien für das Thema hat, dann kann sie nur schauen, was die großen Magazine machen. Und sie werden feststellen, dass diese sich alle verzweifelt darum bemühen, den Unterhaltungswert von Spielen festzustellen und weitestgehend blind für die kulturelle Bedeutung von Spielen sind.

Da sowohl mir (als auch wahrscheinlich dir) erstmal die zeitlichen Mittel fehlen, hilft es schon, einfach weniger zur 'Berieselung' zu spielen und sich stattdessen bewusst mit dem Erlebten auseinanderzusetzen.

____________________________________

Dieser User unterstützt GG seit einem Jahr mit einem Abonnement.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 5 Jahren bei GG.de registriertFROGG: Als "Friend of GamersGlobal" darf sich bezeichnen, wer uns 25 Euro spendet.Alter Haudegen: Ist seit mindestens 3 Jahren bei GG.de registriertDieser User hat uns an Weihnachten 2016 mit einer Spende von 50 Euro unterstützt.Silber-Jäger: Hat Stufe 10 der Jäger-Klasse erreichtDieser User hat uns an Weihnachten 2015 mit einer Spende von 25 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2014 mit einer Spende von 25 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2013 mit einer Spende von 25 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2012 mit einer Spende von 12 Euro unterstützt.Dieser User hat uns an Weihnachten 2011 mit einer Spende von 11 Euro unterstützt.GG-Supporter: hat einmalig 10 Euro gespendetBronze-Jäger: Hat Stufe 5 der Jäger-Klasse erreichtVielspieler: Hat 250 Spiele in seine Sammlung eingetragenBronze-Archivar: Hat Stufe 5 der Archivar-Klasse erreichtLoyalist: Ist seit mindestens einem Jahr bei GG.de dabei
Horschtele (16 Übertalent, 5389 EXP)
https://robertsspaceindustries.com/enlist?referral=STAR-S3VL-3ZF2
User ist offline. Zuletzt gesehen vor 1 Tag 1 Minute Offline
Beigetreten: 2.7.2011
Inhalte: 69
Ganesh schrieb:

die meisten Leute vielleicht sogar mal Siedler gespielt haben.

Ja Siedler von Catan ist ein tolles Spiel. Kleine Randinfo, die mit dem Thread nix zu tun hat. In der aktuellen Staffel von The Big Bang Theorie gibt es eine Szene, wo Sheldon und Co zusammen dieses Brettspiel spielen.

gordon-creAtive.com schrieb:

Ja, ich habe Gameforge übersehen (und das als Karlsruher), aber das ändert ja im Grunde nichts, denn im Großen und Ganzen ist die deutsche Videospielindustrie kaum nennenswert.

Mir schwebt vor allem Bigpoint vor: 800 Mitarbeiter und ein Umsatz von 100 Millionen Euro in 2010 (laut Wikipedia)

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)